9 November 2014

War die Teilung Deutschlands wirklich sinnlos?

War die Teilung Deutschlands sinnlos

War die Teilung Deutschlands sinnlos

Heute feiert ein großer Teil der deutschen Bevölkerung den Mauerfall zwischen Ost- und Westdeutschland. Dabei gibt es dann auch den ein oder anderen, der sagt, dass die Teilung Deutschlands sinnlos gewesen sei. Und genau hier meldeten sich wieder die Stimmen in meinen Kopf, die ich doch ab und zu höre, und fragten mich, ob das denn so stimmt, ob die Teilung Deutschlands wirklich sinnlos gewesen ist, oder ob sie nicht auch dazu beigetragen hat, dass in der BRD eine stabile Parteiendemokratie entstehen konnte.

Was wäre denn gewesen, wenn Deutschland nicht erst 1990 die volle Souveränität wiederbekommen hätte, sondern schon bedeutend früher? In den 1950igern oder den 1960igern? Hätten wir dann dennoch so lange Frieden in Europa gehabt? Hätte sich die BRD dermaßen in Europa integriert, wie es jetzt ist? Oder wäre die Entwicklung in Deutschland eine andere gewesen?

Schauen wir uns doch die letzten 25 Jahre an. Deutschland hat inzwischen wieder an Kriegseinsätzen teilgenommen. Die sozialen Sicherungsnetze wurden geschrumpft, nachdem der Wettkampf zwischen Ost und West beendet war. Das Asylgesetz wurde dermaßen beschnitten, dass es inzwischen wohl ein Asylvermeidungsgesetz ist und der Rassismus in der Bevölkerung hat auch zugenommen, so zumindest meine Wahrnehmung. Wo würde Deutschland heute wohl stehen, wenn diese Entwicklungen schon sehr viel früher angefangen hätten? Könnten wir heute dann auf eine solch lange Friedensperiode in Europa zurückblicken?

Ich kann diese Fragen natürlich nicht beantworten, aber ich gehe fest davon aus, dass Deutschland eine andere Entwicklung genommen hätte, wenn es nicht zur Teilung gekommen wäre. Dass ein Sozialismus, der von oben diktiert wird, nicht funktionieren konnte, ist natürlich klar, aber der Wettkampf zwischen beiden Systemen hat auch dazu beigetragen, dass der Kapitalismus in der BRD sozialer war, wodurch auch die Menschen in der BRD eine hohe soziale Absicherung erhielten. Wie hätte das wohl ohne DDR ausgesehen? Auch hier lohnt sich der Blick in die letzten 25 Jahre. Wie oben schon geschrieben, wurden die sozialen Sicherungsnetze geschrumpft. Mit Hartz4 wurde durch die SPD eine Grundsicherung eingeführt, die in meinen Augen menschenverachtend ist. Aber hätten wir überhaupt so ein Sozialsystem, wenn es den Versuch „DDR“ nicht gegeben hätte?

Vielleicht war die Teilung Deutschlands ein lehrreicher Schock für uns Deutschen. Vielleicht hat diese Teilung erst dazu beigetragen, dass in Deutschland viele gegen den Krieg sind und vielleicht hat die Teilung dazu beigetragen, dass Schlimmeres von Europa abgewendet wurde. Am Ende kann ich natürlich keine Antworten geben, aber ich würde fest behaupten, dass diese Teilung auf keinen Fall sinnlos war.

9 November 2014

Der 09. November

Der 9. November in Deutschland. Er war nicht nur der Anfang vom Ende der DDR, nein, er war auch ein Grundstein dafür, dass die DDR überhaupt gegründet wurde.

 

Der 09.November 1938

 

In der Nacht vom 09. zum 10. November 1938 brannten in Deutschland, Österreich und in der Tschechoslowakei die Synagogen. Diese Nacht wurde für viele Juden zur Hölle. Jüdische Geschäfte wurden zerstört, Wohnungen verwüstet und Juden wurden misshandelt, verhaftet oder gar getötet. Es war der Beginn der größten Vernichtungsaktion gegen Menschen jüdischen Glaubens.

In den Jahren danach folgte der Zweite Weltkrieg, der vielen Millionen Menschen das Leben kostete und der mit einer vernichtenden Niederlage für Nazideutschland endete. Die Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion teilten Deutschland in vier Besatzungszonen auf, die von jeweils einer der Siegermächte kontrolliert wurde. Bevor nun aber abschließend geklärt werden konnte, wie es mit dem besetzten Deutschland weiter gehen soll, kam es zu Spannungen zwischen der sozialistischen Sowjetunion auf der einen Seite und den kapitalistischen Ländern Frankreich, den USA und Großbritannien auf der anderen Seite. Diese Spannungen gingen am Ende soweit, dass im durch die Sowjetunion besetzten Teil Deutschlands die DDR entstand, und in den drei anderen Besatzungszonen die BRD. Dies geschah im Jahre 1949, also 4 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

1961 kam es dann zum Mauerbau, wodurch nicht nur eine optische Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten entstand, sondern auch für viele Jahre die Reisefreiheit der DDR-Bürger stark eingeschränkt wurde. Aber die Mauer war nicht nur eine Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland, es war eine Mauer durch Europa – sie teilte die Welt in einen sozialistischen- und in einen kapitalistischen Block. Auf der einen Seite standen Demokratien, auf der anderen Seite standen Diktaturen. In der DDR gab es eine Parteiendiktatur, in der BRD gab es eine Parteiendemokratie.

Da Menschen, die in einer Diktatur leben und in dieser unterdrückt werden, mit diesem Zustand meist nicht zufrieden sind, entstanden in der DDR sehr viel Hass und Unzufriedenheit. Hinzu kamen die vielen Verbrechen der Staatsführung, die eingeschränkten Grundrechte und natürlich auch der Mangel, der in den sozialistischen Staaten herrschte. Diese Unzufriedenheit suchte sich ihren Weg, führte zu Protesten, die erst noch unterdrückt wurden – unterdrückt mit Gewalt gegen die eigene Bevölkerung – die aber irgendwann nicht mehr unterdrückt werden konnten. Montagsdemos, in denen die Menschen auf die Straße gingen, um die Diktatur der SED zu beenden.

 

Der 09. November 1989

 

Und dann kam der 09. November 1989, die Nachricht, dass es neue Reiseregelungen gibt, die eine ausreise in die BRD erleichterten. Und es gab natürlich viele Menschen, die weg wollten, die in die BRD wollten und die auf eine solche Nachricht gewartet hatten. Sie strömten zu den Grenzübergängen in Berlin, belagerten diese, ließen sich von der Volkspolizei nicht abweisen, machten Druck, weswegen die Volkspolizei die Grenzübergänge öffnete. Die Mauer bröckelte und mit ihr die DDR. An diesem 09. November siegte die Bevölkerung der DDR mit friedlichen Mitteln über die SED und ebnete so den Weg zum Anfang vom Ende der DDR.

3 Oktober 2014

Gedanken zum 03. Oktober

Erinnerungen

Der 03. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit. Der Tag, an dem die DDR aufhörte zu existieren und für viele der Tag, an dem sie endlich ihre Freiheit wiedergewonnen haben. Der 03. Oktober 1990, wobei das Ende der DDR schon im November 1989 begann und dieser Tag, dieser 03. Oktober, nur der Abschluss war.

Erinnerungen

Ich war damals noch viel zu jung, um wirklich zu verstehen, was da gerade vor sich ging. 1990 war ich gerade mal 7 Jahre alt, hatte mein erstes Schuljahr beendet und befand mich gerade am Anfang der zweiten Klasse. Damals freute ich mich darauf endlich Jungpionier zu werden, wollte endlich das blaue Halstuch tragen und war neidisch auf meine Geschwister, die schon das rote Halstuch hatten. Verdammt war ich stolz, als ich mein blaues Halstuch hatte und ebenso enttäuscht, als dann die Pioniere abgeschafft wurden und ich das rote Halstuch nicht mehr bekommen habe. Natürlich fand ich es schön, dass ich am Anfang nur noch alle zwei Wochen Samstags zur Schule musste und noch besser fand ich es, als am Samstag dann gar kein Schulunterricht mehr stattfand. Aber wirklich verstanden habe ich das alles damals noch nicht.

Mir ging es nicht schlecht. Sowohl im Kindergarten wie auch in der Kinderkrippe fühlte ich mich wohl. Ich war zwar ein anstrengendes Kind, was meine Erzieherinnen auch oft zur Verzweiflung brachte, aber es war dennoch keine schlechte Zeit. Ich weiß, dass viele wohl etwas anderes erlebt haben, aber ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht, nicht in der Kinderkrippe und auch nicht im Kindergarten.

Die schlechten Erfahrungen kamen dann erst nach der Wiedervereinigung. Plötzlich wurde meine Mutter arbeitslos, was sich natürlich negativ auf unsere Finanzsituation auswirkte. Der Wettbewerb um Markenklamotten, der ziemlich schnell in unserer Schule ausbrach, war für mich nicht zu gewinnen und auch andere Dinge waren unerreichbar für mich. Viele negative Dinge verbinde ich mit der Nachwendezeit, und viele negative Dinge verbinde ich mit dem kapitalistischen System, welches mit der Wende über uns kam. Reisen, Kino, Hobbys – all das war für mich nicht drin, weil einfach das Geld fehlte. Genauso fehlte das Geld fürs Schulessen, welches in der DDR für kinderreiche Familien noch kostenlos war.

Damit möchte ich die DDR nicht verherrlichen. Ich möchte nicht das Unrecht bestreiten, welches in der DDR begangen wurde. Ich möchte damit aber zeigen, dass es durchaus Menschen gibt, die mit der DDR positive Dinge verknüpfen. Klar war ich damals noch jung und wer weiß, ob ich nicht inzwischen auch überwiegend negative Erfahrungen mit der DDR verknüpft hätte, wenn es sie noch geben würde, aber das ist halt Spekulation.

Es gibt viele Menschen, die haben durch die Wende mehr verloren als gewonnen. Menschen, die 1989/1990 für die Wende waren, die sich die Freiheit gewünscht haben, die aber mit dieser Freiheit nichts anfangen konnten, weil sie nach der Wende arbeitslos geworden sind. Menschen, die ihre Existenz verloren haben und die aus einer sicheren Gegenwart gerissen wurden, um in eine unsichere Zukunft zu gehen. Da ist es verständlich, wenn diese Menschen jetzt mit Wehmut an ihr Leben in der DDR denken. Da ist es verständlich, wenn diese Menschen sagen, dass in der DDR nicht alles schlecht war. Das sollte akzeptiert werden, genauso wie akzeptiert werden sollte, dass es Menschen gibt, die nur positive Erinnerungen an die DDR haben. Menschen, die gerne in der DDR gelebt haben, die diesen Staat als ihre Heimat empfanden und die voll und ganz hinter der Idee der DDR standen.

War die DDR ein Unrechtsstaat? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für die, denen Unrecht angetan wurde, war die DDR mit Sicherheit ein Unrechtsstaat – auch das sollte akzeptiert werden – aber in jedem Staat geschieht unrecht. In der BRD genauso, wie in den USA oder in anderen Ländern. Eine Bewertung darüber, ob ein Staat ein Unrechtsstaat ist oder nicht, wird immer eine individuelle Bewertung sein. Jeder hat seine individuellen Erfahrungen gemacht, jeder hat seine eigenen Verknüpfungen, und genau diese Erfahrungen und Verknüpfungen sind es, die eine Beurteilung erst ermöglichen, aber eben individuell.

Natürlich ist auch eine geschichtliche Aufarbeitung notwendig. Diese muss aber alles Aufarbeiten, also sowohl die negativen wie auch die positiven Aspekte der DDR. Gleichzeitig sollte es aber auch eine Aufbearbeitung der Geschichte der BRD geben. Und auch hier müssen die negativen und positiven Aspekte benannt werden. Ein abschließendes Urteil muss am Ende aber wieder jeder für sich selbst bilden.

Der 03. Oktober. Für viele ist er ein Feiertag, für Einige ein Tag der Trauer und für andere ist es einfach nur der 03. Oktober.

21 April 2014

Meine Oma…

Meine Oma ist 89. Ich schreibe das, weil 89 ein Alter ist, ab dem man jederzeit damit rechnen muss, dass es vorbei ist. Meine Oma weiß das, sie redet öfter davon, aber ich komme damit überhaupt nicht klar. Vorgestern lag ich die halbe Nacht wach, weil ich einfach darüber nachdenken musste. Irgendwann ist es vorbei, irgendwann geht jeder Mensch, aber fast jeder Mensch, der geht, hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann.

Seit ich bin, ist meine Oma!

 

Meine Oma war schon vor mir auf dieser Welt. Ist ja auch klar, denn wenn meine Oma nicht vor mir hier gewesen wäre, könnte meine Mutter nicht leben und somit könnte sie nicht meine Oma sein. Aber das bedeutet natürlich auch, dass meine Oma mich schon mein ganzes Leben begleitet und das ich mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen kann. Wer kann das schon? Deswegen will ich mir auch gar nicht vorstellen, dass meine Oma irgendwann stirbt. Ich will, dass sie noch lange lebt, dass sie 100 wird, vielleicht auch noch viel älter – aber will meine Oma das überhaupt?

Leider fällt einem meist viel zu spät auf, dass die Zeit eines Menschen begrenzt ist. Wenn der Mensch dann nicht mehr da ist, dann wird einem plötzlich klar, dass die Zeit, die wir mit diesem Menschen verbracht haben, eigentlich viel zu wenig war. Dass wir uns mehr Zeit hätten nehmen müssen. Ein Besuch alle halbe Jahre ist einfach zu wenig, aber das begreifen wir erst, wenn es viel zu spät ist.

Vorher leben wir meist unser Leben, wir wissen, da ist ein Mensch, den wir lieben, und der ist da – ganz selbstverständlich. Dann kann schon mal eine Menge Zeit ins Land gehen, bevor man diesen Menschen wieder besucht und irgendwann könnte es dann sein, dass wir vor einer leeren Wohnung stehen, vor einer Klingel, an der auf einmal ein anderer Name steht und dann sehen wir, der Mensch ist nicht mehr da und er wird auch nicht wieder kommen. Wir stehen vor der Tür und denken uns, dass wir viel zu wenig Zeit mit diesem Menschen verbracht haben, dass wir uns nicht einmal verabschieden konnten und das wir viel zu wenig am Leben dieses Menschen haben teilnehmen dürfen. Und schuld sind wir natürlich selbst, weil wir uns nur mit unserem Leben beschäftigt haben, weil wir diesen Menschen als selbstverständlich angesehen haben und weil wir uns nicht die Zeit genommen haben, die uns dieser Mensch eigentlich hätte wert sein müssen.

Meine Oma ist 89. Sie hat viele Enkel und Urenkel. Genügend eigentlich, damit bei ihr täglich jemand zu Besuch sein könnte. Die Realität sieht leider anders aus! Viele Tage ist sie allein zu Haus, was natürlich Einsamkeit bedeutet, denn meine Oma lebt alleine. Ein Heim kommt für sie nicht infrage, was ich verstehen kann, denn wir alle wissen, was in deutschen Heimen so abgeht. Deswegen denkt sie natürlich auch darüber nach, dass es Zeit ist zu gehen, was nicht stimmt, denn es ist nie Zeit zu gehen, es gibt immer etwas, was man noch machen könnte. Den Urenkeln Geschichten erzählen, wäre so etwas oder ihnen beim Erwachsen werden zusehen. Aber das geht nur, wenn die Urenkel auch mal zu Besuch kommen, was sie viel zu selten machen! Und dann bleibt natürlich nur die Einsamkeit und damit dann auch das Nachdenken darüber, wie lange man diese Einsamkeit noch ertragen muss.

Ich bin natürlich auch ein Enkel meiner Oma. Auch ich bin viel zu selten bei ihr, wobei selten nicht bedeutet, dass ich nur einmal im Jahr zu ihr gehe, aber es ist dennoch selten – auch im Hinblick darauf, dass meine Oma schon 89 ist und ich nicht mehr all zu viel Zeit habe, die ich mit ihr verbringen kann. Dennoch verbringe ich mehr Zeit bei meiner Oma, als viele andere ihrer EnkelInnen. Das mag von diesen nicht böse gemeint sein, weil sie ihr eigenes Leben haben, weil sie arbeiten, weil sie einfach selbst zu wenig Freizeit haben. Aber ich bin mir sicher, wenn unsere Oma nicht mehr da ist, werden sie es bereuen, so wenig Zeit mit ihr verbracht zu haben. Vielleicht werden sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie genau wissen, dass sie sich viel zu wenig Zeit genommen haben, vielleicht aber auch nicht, weil ihre Oma keine ganz so große Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Wobei ich das Letztere nicht glauben kann.

Meine Oma hilft, wo sie nur kann!

 

Worüber ich mich regelmäßig ärgere, ist, dass meine Oma so wenig Besuch bekommt. Meist nur dann, wenn jemand Hilfe braucht. Dann erinnert man sich gerne an sie, aber wenn es darum geht, ihr einfach ein wenig Zeit zu schenken, dann wird das schwer mit dem Besuchen. Dann ist plötzlich keine Zeit da! Das macht mich traurig, denn ich bin mir sicher, dass die Zeit vorhanden wäre, wenn man sie sich ernsthaft nehmen wollte.

Ich verstehe natürlich, dass es schwer wird, wenn man nicht in derselben Stadt lebt. Dann ist es tatsächlich nicht möglich, dass man jedes Wochenende zu besuch kommt. Wenn man allerdings gemeinsam in einer Stadt lebt, dann sollte es schon möglich sein, dass man einen Menschen, der zur Familie gehört und den man liebt, mindestens einmal alle 14 Tage besucht. So teuer sind die Fahrpreise dann auch nicht, genau so wenig sind die Fahrzeiten ein Problem. 6-7 Stunden kann sich jeder alle 14 Tage einmal nehmen, selbst wenn man sehr viel Stress im Arbeitsleben hat. Das würde die Einsamkeit meiner Oma vertreiben und neue Lebensfreude bringen.

Meine Oma, das Tor in eine andere Zeit.

 

Meine Oma ist natürlich auch ein Tor in eine andere, längst vergangene, Zeit. Sie kann mir Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich nicht miterlebt habe. Sie kann mir natürlich auch Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich miterlebt habe, an die ich mich aber nicht mehr wirklich erinnern kann, weil ich noch viel zu Jung war. Wer soll mir diese Geschichten erzählen, wenn meine Oma plötzlich nicht mehr da ist?

Wenn meine Oma irgendwann nicht mehr ist, dann geht nicht nur der Mensch. Nein, dann gehen auch all die Geschichten, die sie in ihrem Leben erlebt hat und die sie gerne erzählt hat. Nur wenig wird davon in der Erinnerung bleiben und es wird sich ein Tor in die Vergangenheit verschließen, welches ich nicht mehr öffnen kann. Sicher kann mir dann noch mein Onkel Geschichten erzählen und meine Mutter natürlich auch, aber es werden nicht die Geschichten sein, die mir meine Oma erzählt.

Meine Oma – Eure Oma

 

Meine Oma lebt noch, sie ist 89 und wird hoffentlich noch viele Geburtstage feiern dürfen. Wie sieht es mit eurer Oma aus? Lebt sie noch? Wenn ja, verbringt ihr genügend Zeit mit ihr? Vielleicht ist es mal wieder Zeit für ein Telefonat mit ihr? Vielleicht auch für einen spontanen Besuch?

Meine Oma ist garantiert nicht nur meine Oma! Es gibt viele Omas da draußen, denen von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln viel zu wenig Zeit geschenkt wird. Zeit, die nicht vergeudet ist, die beiden Seiten Freude bringt und die eine Bereicherung für beide Seiten ist.

3 März 2014

Ich mach mir die Welt…

Ich mach mir die Welt
Ich mach mir die Welt

Quelle: Twitter – Einfach aufs Bild klicken.

Jetzt ist es also raus! Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Gut für mich, allerdings schlecht für euch, denn euch gibt es in der Realität alle gar nicht. Beziehungsweise, es gibt euch schon, allerdings nur in meinem Kopf. Ihr seid alle meine Geschöpfe! Das kann euch gefallen, denn ihr seid für euer Handeln dann nicht wirklich verantwortlich, aber, ich kann euch alle auch wieder verschwinden lassen.

Mir war das natürlich vorher auch nicht bewusst, aber, nachdem jetzt eine meiner fiktiven Kreaturen sich das nicht mehr gefallen lassen will, ist mir das natürlich schlagartig bewusst geworden. Deswegen sehe ich übrigens auch nicht die Argumente anderer, denn ich habe sie mir ja selbst ausgedacht, oder ich habe sie mir eben nicht selbst ausgedacht. Wäre ja auch zu schwer, denn ich muss mir ja schon allein für 7 Milliarden Menschen Geschichten aus den Fingern saugen und dann auch noch in die Tiefe zu gehen, wäre einfach eine Überlastung.Ihr müsst ja bedenken, dass auch noch die Tiere hinzukommen und die Pflanzen.

Allerdings muss ich mich mit dieser Welt, die ich erschaffen habe, selbst strafen wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum ich Frau Merkel schon so lange an der Macht lasse. Erklärbar ist allerdings schon, warum sie nur reagiert und nicht selbst mal das Ruder in die Hand nimmt. Auch das wäre wohl zu viel Denkarbeit für mich. Dann lieber eine passive Kanzlerin denken, damit ich noch Kapazitäten für die wirklich wichtigen Dinge habe.

Wobei ich hier ja die Prioritäten auch selbst erdacht habe! Also sind das eben die wichtigen Dinge, die für mich wichtig sind. Habt ihr halt Pech gehabt. Ihr habt ein schlechtes Sexleben? Pech gehabt! Habe ich wohl keine Zeit, mir ein gutes Sexleben für euch auszudenken. Ihr seid ein Nazi? Pech gehabt! Immerhin brauche ich auch Kreaturen, die ich hassen kann! Nehmt es mir nicht übel, irgendwann seid ihr ja nicht mehr.

Ihr denkt jetzt bestimmt, ich bin Irre? Mag sein, aber denkt immer dran, ihr seid von mir erdacht. Wenn ich also Irre bin, seid auch ihr Irre! 😉

27 Februar 2014

Meine Flucht vor Argumenten

Ich diskutiere ja gerne und viel – mit SPD-Mitgliedern noch viel mehr und viel lieber – und warte in diesen Diskussionen immer auf Argumente der Gegenseite. Meist kommen die nicht, oder es werden welche wiederholt, die mich bisher schon nicht überzeugt haben. Auf Rückfragen wird meist sowieso nicht geantwortet, obwohl eine Antwort die Diskussion schon weiter bringen könnte. Meist denke ich mir dann, dass das irgendwie blöd ist, weil wenn man etwas zur Diskussion stellt, dann sollte man auch bereit sein, darüber zu diskutieren. Außer, man kennt die Person schon und weiß, dass die Diskussion eh nicht viel bringt – dann darf man es auch sein lassen, was ich durchaus auch tue.

Nun weiß ich allerdings seit gestern, dass gar nicht die Anderen schuld sind, nein, ich flüchte vor den Argumenten. Oder, um es in den Worten von Kevin Hönicke zu sagen:

„Hält man dir die Wahrheit vor oder die Schwächen deiner Aussagen vor, bemerke ich immer wieder die Flucht in irgendwelche unbelegte Vorwürfe.“

Quelle: Facebookseite von Kevin Hönicke

Nun bin ich mir natürlich nicht mehr ganz sicher, ob sich die Argumente und die Wahrheiten vor mir verstecken, oder ob ich die einfach übersehe. Wahrscheinlich habe ich eine spezielle Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt, weswegen ich mir eventuell eine spezielle Brille kaufen sollte, um diese Blindheit zu überwinden. Wobei, wenn man blind ist, dann hilft ja auch eine Brille nicht mehr. Es scheint also Hopfen und Malz verloren zu sein, ich werde wohl nie wieder diskutieren können, weil ich die Argumente nicht sehe. Oder gibt es doch noch Hoffnung?

Erklären würde das so einiges. Zum Beispiel, warum ich die Argumente der Berliner Volksbank nicht verstanden habe – ich habe sie einfach nicht gesehen. Oder warum ich die Junge Union nicht verstanden habe, als sie mir sagte, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, was mir Herr Hönicke – als Mitglied der SPD – sogar bestätigte.

Ich bitte daher ab jetzt um Verständnis! Wenn ich in einer Diskussion die Argumente nicht entdecken kann, dann ist das nicht böswillig gemeint, sondern ich sehe sie einfach nicht. Mein Körper flüchtet vor Argumenten, weswegen sie durch mein Gehirn ausgeblendet werden, weswegen ich eine Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt habe. Das ist eine Behinderung, und niemand darf deswegen diskriminiert werden. Ich bitte also darum, nicht all zu fies mit mir umzugehen, wenn ich mal wieder euren Argumenten nicht folgen kann.

Demnächst werde ich dann auch ein Buch zu dem Thema veröffentlichen. Es wird den Titel tragen: „Meine Flucht vor den Argumenten“. Das Vorwort wird dann hoffentlich Kevin Hönicke schreiben, und es soll eine Hilfe für all die Menschen sein, die ebenfalls eine solche Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt haben.

Hier nun noch einige Beispiele für Diskussionen, bei denen ich die Argumente einfach nicht gesehen habe:

21 November 2013

Ist Nacktheit ein Verbrechen?

Ich finde es immer wieder lustig, wenn Nacktheit zum Verbrechen gemacht wird. Ich meine, Nacktheit ist das normalste auf der Welt. Wenn Menschen sich aber nackt in der Öffentlichkeit bewegen, wird das gleich zu einem Verbrechen und unanständig. Versteht mich nicht falsch, ich rede jetzt nicht von Menschen, die sich vor anderen hinstellen und ihre Geschlechtsteile zeigen, um ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich rede von denen, die einfach nur nackt draußen herumlaufen wollen, weil sie das natürlich finden, weil sie Kleider ablehnen.

Sicher ist das ein ungewohnter Anblick, aber ist er wirklich so schlimm?

Nacktheit wird in unserer Gesellschaft weggesperrt. Es gibt Nacktwanderwege und Nacktbadestrände, aber all diese Dinge sind „hinter Gittern“, damit die bekleideten Menschen, und vor allem die Kinder dieser Menschen, die Nacktheit nicht mitbekommen. Es scheint etwas Unnatürliches zu sein, der Körper scheint etwas Unnatürliches zu sein und er scheint etwas abstoßendes zu haben, denn ansonsten würden sich die Menschen nicht so darüber aufregen.

Ich selbst würde auch nicht nackt draußen rumlaufen, ich würde mich unwohl fühlen, weil ich es so gelernt habe. Aber das bedeutet ja nicht, dass Nacktheit abnormal ist..

Im Gegenteil, der Mensch wird nackt geboren und hätte der Mensch keine Kleidung erfunden, würde er auch nackt durchs Leben gehen. Warum wird Nacktheit also zum Verbrechen gemacht? Weil es gegen Normen verstößt? Weil es mit unserer Moral nicht zu vereinbaren ist? Weil Nacktheit mit Sexualität gleichgestellt wird? Ich verstehe es nicht!

Wie sieht es bei euch aus? Würdet ihr gleich die Polizei rufen, wenn ihr draußen jemanden nackt herumlaufen sehen würdet? Ist Nacktheit für euch auch etwas unnatürliches? Wenn ja, warum?

15 November 2013

Ich würde gerne etwas schreiben…

Ich würde ja gerne etwas schreiben, aber was bringt es?

Was bringt es, wenn ich von Obdachlosen schreibe, die nachts unter der Brücke schlafen, weil sie keine Unterkunft haben? Was bringt es, wenn ich davon schreibe, dass diese Menschen im Winter frieren und einige sogar erfrieren? Dass sie dies tun in einem der reichsten Länder der Welt! Was bringt es? Was bringt es, wenn man als Antwort bekommt, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, weil wir ein super Sozialsystem haben, das alle Bürger mit deutschem Pass auffängt?

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, aber was bringt es?

Wenn ich schreiben würde, dass es vielen Menschen auf dieser Welt schlecht geht, weil es uns gut geht, was würde das bringen? Wenn ich von Ausbeutung schreiben würde und von Armut und Hunger, was bringt das schon? Es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, dass wir den Menschen Arbeit bringen, dass sie deswegen dankbar sein müssten und dass sich diese Menschen selbst aus ihrer Armut und aus ihrem Hunger befreien sollen.

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, doch ich wüsste nicht was, denn es bringt nichts!

Deutschland exportiert Waffen in andere Länder und wundert sich, wenn Krieg ist. Sollte ich vielleicht schreiben, dass Waffen Menschen töten, weil sie genau dafür gebaut wurden? Ich weiß, Waffen töten nicht, würdet ihr sagen, sondern der Mensch tötet. Also was würde es bringen, wenn ich was dazu schreibe?

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, doch alles, was ich bisher schrieb, wurde nur ausgelacht! Ich würde gerne, aber es bringt nichts!

Eine bessere Welt, dass wollen viele, aber was bedeutet eine bessere Welt? Besser für mich? Besser für Deutschland? Besser für die ganze Welt? Und warum besser, wenn es mir doch gut geht? Sollen sich die anderen doch anstrengen, damit es ihnen gut geht! Solange ich nichts abgeben muss, solange zeige ich sogar meine Solidarität, aber nur dann und auch nur, wenn ich diese verdammten Probleme nicht direkt vor meiner Haustür erleben muss! Und wenn die Omi Brot klaut, weil die Rente nicht reicht, dann gehört sie in den Knast, weil das geklaute Brot keinen Profit generiert. Nicht in den Knast gehört dagegen ein Fußballmanager, der Steuern hinterzieht, weil er doch soviel gutes für die Gesellschaft gemacht hat.

Ich würde gerne etwas schreiben, aber es bringt nichts! Ich könnte heulen, wenn ich die Welt sehe, aber es bringt nichts!

Ich bin sprachlos, ich werde immer sprachloser und ich weiß gar nicht, wie man diese Sprachlosigkeit noch steigern soll. Ich surfe durchs Web, lese Kommentare, schüttel mit dem Kopf und bin sprachlos. Ich lese Zeitungsartikel, lese Kriegshetze, schüttel mit dem Kopf und bin sprachlos. Ich sehe massenweise Essen, welches vernichtet wird, sehe Menschen hungern, sehe die Zerstörung von Nahrung und bin sprachlos. Ich sehe diese Welt und bin sprachlos.

Ich würde gerne etwas schreiben, hab es lange versucht, doch es bringt nichts!

3 Oktober 2013

Abschiedsbrief

Nach 17 Jahren Ehe darf eben diese auch einmal kriseln. Eine solche Krise kann man ab und an bewältigen, oft führt sie aber zur Trennung. Ich glaube, für unsere Beziehung gilt das Zweite, denn All das, was du mir bei unserem letzten Gespräch an den Kopf geknallt hast, hat das Vertrauen vollkommen zerstört. Eine Ehe ohne Vertrauen ist aber keine Ehe und deswegen ist es wohl an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.

Vielleicht war ich vor 17 Jahren noch zu naiv und zu jung, als ich mich an dich gebunden habe. Vielleicht ist es auch falsch gewesen, dass du bisher meine erste und einzige Beziehung warst, weswegen ich gar nicht wusste, ob du wirklich die Richtige für mich bist. Ich habe nicht geprüft, ich habe mich sofort in das Abenteuer mit dir gestürzt.

Und ich habe dir viel gegeben, meine Liebe hielt lange, auch wenn sie mit der Zeit einige Risse bekam. Erinnerst du dich noch an mein Geschenk, was ich dir vor ein paar Monaten gemacht habe? Ja, genau, dass Geld, was ja das einzige Geschenk ist, was dir Freude macht. Ich hätte durchaus zu jemand anderen gehen können – dir fremdgehen können – um ihm die 238,- Euro zu schenken, aber ich bin zu dir gekommen, weil ich dich immer noch liebte, weil ich dir immer noch vertraute. Hast du es mir gedankt? Nein!

Auch die monatlichen Zahlungen hast du gerne angenommen und ich habe sie gerne gezahlt, obwohl ich sie, in einer anderen Beziehung, nicht hätte zahlen müssen. Du warst mir das wert, aber dann zeigtest du, erneut, dein wahres Gesicht und dieses Mal kann ich nicht darüber hinwegsehen. Wenn du wenigstens ehrlich gewesen wärst, wenn du wenigstens zugeben würdest, dass dort noch einige sind, die du lieber hast als mich, weil sie dir mehr bieten können. Aber das wolltest du ja nicht, du wolltest mir deine Lügen erzählen, und du wolltest, dass ich diese Lügen schlucke, ohne den Mund zu öffnen, ohne Fragen zu stellen.

Aber es lohnt sich nicht wirklich, darüber weiter zu diskutieren. Wir leben in verschiedenen Welten, sagtest du, und das stimmt! Aber in deiner Welt gibt es auch andere, die sich mit mir einlassen und die, wie oben schon erwähnt, keine monatlichen Zahlungen dafür wollen. Ja, du hast recht, es wird bei diesen wahrscheinlich auf eine Fernbeziehung hinaus laufen, aber das war bei dir nicht anders. Meist haben wir uns nur über das Internet gesehen, und da dies so war, kann ich auch gleich vollständig auf eine Fernbeziehung umsteigen.

Ob ich was vermissen werde? Ich glaube nicht! Eher glaube ich, dass ich mich dann sogar wieder sehr viel besser fühlen werde. Ja, die Trennung wird stressig werden, die ersten Monate werde ich darauf achten müssen, dass ich ja nichts vergesse, aber wenn sich das erst einmal eingespielt hat, dann werde ich mich sehr viel besser fühlen, dann werde ich dich wahrscheinlich nicht einmal mehr vermissen, obwohl wir 17 Jahre lang unzertrennlich waren.

Liebe Berliner Volksbank, ich wünsche dir mit deinen anderen Kunden noch viel Spaß. Vielleicht wirst du irgendwann bemerken, dass nicht alles richtig ist, was du machst und vielleicht können wir es irgendwann noch einmal miteinander versuchen. Aber bis dahin gibt es auch andere Banken, die wirklich sehr attraktive Girokonten haben, und genau deswegen lohnt es sich derzeit nicht, unsere Beziehung krampfhaft aufrecht zu erhalten.

1 Oktober 2013

Berliner Volksbank, Mischkalkulation und ich (das kleine Arschloch der Nation)

Ich hatte heute auf Twitter eine Diskussion mit einem Mitarbeiter der Berliner Volksbank. Anlass war – mal wieder – die asoziale Gebührenstruktur der Volksbank. Menschen, die eh schon ein geringes Einkommen von unter 1.250,- Euro haben, dürfen, wenn sie kein Mitglied der Berliner Volksbank sind, ab nächstes Jahr 6,- Euro pro Monat für ihr Girokonto bezahlen. Menschen mit mehr Einkommen zahlen 2,- Euro, wenn sie kein Mitglied sind. Sind sie Mitglied, dann zahlen sie mit geringen Einkommen 4,- Euro oder mit höheren Einkommen 0,- Euro.

Ich habe überhaupt nichts dagegen für mein Girokonto eine Gebühr zu bezahlen, nur wenn eine Dienstleistung 6,- Euro kostet, dann kostet sie für alle 6,- Euro und nicht nur für Menschen, die eh schon wenig Geld haben. Dass Mitglieder der Volksbank einen Rabatt bekommen, ist hingegen vollkommen normal – diesen Vorteil gönne ich ihnen. Was ich aber nicht einsehe, ist, dass ich mit meinem niedrigen Einkommen noch die Girokonten der Menschen mitfinanziere, die eh schon genügend Geld haben. Laut Volksbank-Mitarbeiter mache ich das ja auch nicht, weil die Menschen mit höherem Einkommen ja EVENTUELL noch weitere Produkte in Anspruch nehmen und sie deswegen einen Rabatt bekommen. So schön hat der Mitarbeiter das natürlich nicht ausgedrückt, aber er schwafelte immer was von Mischkalkulation und dass das schon irgendwie hinkommt.

Sicher ist es eine Mischkalkulation! Eine Mischkalkulation, in der drei Gruppen enthalten sind. Die, die ein geringes Einkommen haben und deswegen die volle Gebühr zahlen müssen. Dann die, die ein Einkommen über 1.250,- Euro haben, weswegen sie eventuell weitere Produkte kaufen und die dadurch gleich erst einmal einen Rabatt eingeräumt bekommen. Und natürlich die, die tatsächlich weitere Produkte in Anspruch nehmen. In dieser Mischkalkulation subventioniert die erste und die letzte Gruppe die zweite Gruppe und das findet die Berliner Volksbank auch gerecht. Egal ob die zweite Gruppe tatsächlich weitere Produkte kauft oder nicht, den Rabatt kann sie dennoch in Anspruch nehmen. Aber wahrscheinlich ist für diese Gruppe die Infrastruktur günstiger als für die erste Gruppe. Wahrscheinlich kosten die Überweisungen der ersten Gruppe mehr Geld, als die Überweisungen der zweiten Gruppe und wahrscheinlich ist auch der Beratungsbedarf der ersten Gruppe größer als der, der zweiten Gruppe.

Ich meine, ist ja auch logisch. Mit meinem geringeren Einkommen kann ich ja die Infrastruktur der Bank häufiger in Anspruch nehmen, die großen Einkommen können sich ja nichts leisten. Und natürlich werde ich mit einem geringeren Einkommen häufiger den Berater aufsuchen, weil ich ja noch soviel Geld für irgendwelche Investitionen in der Tasche habe, für die ich den Berater in der Volksbank unbedingt brauche….

Wenn die Bank denn wenigstens so ehrlich wäre und sagen würde, dass die Kunden mit den größeren Einkommen die Bank sofort verlassen würden, wenn sie tatsächlich 6,- Euro Kontoführungsgebühren zahlen müssten, weil die Leute ja nicht doof sind und sich einfach eine Bank mit 0,- Euro Kontoführungsgebühr suchen, wäre die Geschichte ja gegessen, aber so ehrlich ist die Bank ja nicht. Sie gibt nicht zu, dass es für Kunden mit geringem Einkommen meist eben nicht so einfach ist, die Bank zu wechseln, wenn sie schon ein Girokonto haben. Sie geben nicht zu, dass ihre Mischkalkulation nur aus diesem Grund funktioniert. Würden nämlich alle Kunden, die diese 6,- Euro zahlen müssen, die Bank verlassen, hätten sich die subventionierten Konten für Einkommen über 1.250,- Euro schnell erledigt.

Dass es also viel fairer wäre, wenn tatsächlich erst einmal alle die Grundgebühr zahlen, die dadurch wahrscheinlich auch für alle sehr viel günstiger werden würde, gibt die Berliner Volksbank nicht zu. Kunden, die tatsächlich noch weitere Produkte der Bank in Anspruch nehmen, kann man nämlich auch nachträglich durch einen Rabatt belohnen. Aber das ist ja nicht die Geschäftsphilosophie der Berliner Volksbank. Auf Twitter steht im Profil „Vertrauen, Sicherheit und Fairness“ – die Fairness sollten sie allerdings schnell aus ihrem Profil löschen, denn die ist nicht gegeben.

Ich habe keine Ahnung, wie ich euch hier die gesamte Unterhaltung verlinken kann, ich werde deswegen auf den ersten Tweet verlinken, auf den ich eine Antwort bekommen habe. Weiß nicht, ob das ausreicht.

Ansonsten bin ich jetzt auf der Suche nach einer neuen Bank, was mir von dem netten Mitarbeiter der Berliner Volksbank so ans Herz gelegt wurde, weil Widerspruch ist in unserer Gesellschaft nicht erlaubt – auch nicht, wenn man schon 17 Jahre Kunde ist. Derzeit schwanke ich zwischen .comdirect und der Sparda-Bank, aber vielleicht habt ihr ja noch ein paar andere Banken, die ich mir eventuell mal anschauen sollte. Wichtig ist für mich allerdings, dass die Kunden fair behandelt werden. Dass also geringere Einkommen nicht mehr bezahlen als hohe Einkommen.