1 Dezember 2014

Adventsbesuch bei Frau Herrmann – politische Aktion oder Bedrohung?

Ich sitze hier gerade ein wenig vor meinem Rechner und schmunzle. Zum einen über mich, weil ich mir gestern voreilig ein Urteil erlaubt habe und zum anderen über die Medien, die aus einer Mücke einen Elefanten machen.

Ich selbst habe gestern getwittert:

„Leute, ich mag die @MonikaHerrmann1 auch nicht. Aber sie ist weiterhin ein Mensch!! Drohungen und Einschüchterungen sind Scheiße…“

Ich habe mir danach dann die Aktion, auf die sich der Tweet bezieht, noch einmal genauer angesehen und muss sagen, ich finde sie eigentlich doch sympathisch. Im Wohnhaus – nicht in der Wohnung – von Frau Herrmann wurden ein paar Umzugskisten aufgestellt, ein paar Bilder von Geflüchteten an die Wand gehangen und, was dann wohl schon das „Schlimmste“ an dieser Aktion war, die Wände ein wenig mit Farbe verschönert. Dazu gibt es dann noch einen netten Brief, der Frau Herrmann an ihre Politik gegen die Geflüchteten erinnern soll – Politik, die sie ja tatsächlich gemacht hat, auch wenn sie gerne das Gegenteil behauptet. Eine Aktion also, die in anderen Zusammenhängen wohl nicht wirklich wäre wahrgenommen wurden, die wahrscheinlich nicht mal zum Nachdenken angeregt hätte, weil wir ja lieber die Medien für uns denken lassen.

 

Welche Grenze wurde überschritten?

 

Also nochmal, die Aktion fand im Hausflur statt, nicht in der Wohnung von Frau Herrmann. Und dennoch behaupten die Medien, dass eine Grenze überschritten wurde. Ich frage mich: „Welche?“. Ist es wirklich so schlimm, wenn im Hausflur auf einmal leere Umzugskisten stehen? Welche Traumatisierung trägt Frau Herrmann denn durch diese Umzugskisten davon? Sind die Bilder traumatisch, die im Hausflur aufgehängt wurden? Bilder, die den Umgang mit Geflüchteten zeigen? Wenn ja, warum ändern wir dann nichts an diesen Bildern? Warum macht die Politik nicht endlich eine vernünftige Politik für geflüchtete Menschen? Oder sind es die Schriftzüge, die zwar den Hausflur verunstalten und zusätzliche Kosten verursachen, aber sonst keine Bedrohung für Leib und Seele darstellen?

Ich kann diese Bedrohung nicht sehen. Ich finde nicht, dass es eine Bedrohung oder Einschüchterung ist, wenn jemand wachgerüttelt wird, damit er oder sie noch einmal über die Dinge nachdenkt, die er getan oder nicht getan hat. Es gab keinen Angriff auf die Gesundheit von Frau Herrmann, es ist niemand in ihre Wohnung eingedrungen, womit auch nicht ihre Privatsphäre verletzt wurde und im Brief (oben verlinkt) gibt es auch keinerlei Androhungen, dass ihr irgendwas passiert. Für mich ist es eine legitime Aktion, die Frau Herrmann vielleicht doch noch einmal dazu bringt, über ihre Fehler nachzudenken.

Wer diese Aktion schon als Bedrohung ansieht, wer meint, dass hier schon zu viel „Gewalt“ eingesetzt wurde, der sollte sich einmal darüber Gedanken machen, wie sich Menschen fühlen, die 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr damit rechnen müssen, aus ihrer Wohnung geräumt zu werden – damit sind die geflüchteten Menschen gemeint, aber auch die Menschen, die aus anderen Gründen von Zwangsräumungen bedroht sind. Ein weiteres Beispiel wären auch die Sanktionen bei Hartz4, die Menschen täglich in der Angst davor leben lassen, irgendwas verkehrt zu machen und deswegen sanktioniert zu werden. Was meint ihr, wie eingeschüchtert diese Menschen sind, ganz legal, gestützt durch nationale und internationale Gesetze?

Natürlich möchten die Medien damit Auflage machen, aber mit dieser Auflage lenken sie von den eigentlichen Problemen in Deutschland ab – sie lenken von den eigentlichen Problemen in dieser Welt ab. Die Medien sollten einfach mal die Kirche im Dorf lassen und nicht von Polizeischutz sprechen, nur weil ein paar leere Kisten in einem Hausflur stehen und die Wände mit ein paar Bildern und einem Schriftzug verziert wurden.

28 November 2014

Webmaster-Friday: Mein Schreibstil

Bild von einem Text

Ich habe jetzt schon öfter vom „Webmaster-Friday“ in anderen Blogs gelesen, bisher aber nie wirklich die Lust gehabt, dort wirklich teilzunehmen. Ich glaube mich aber zu erinnern, dass ich hier mal auf einen Beitrag in einem anderen Blog geantwortet hatte. Aber egal, denn heute möchte ich auch mal was zu dem aktuellen Thema schreiben. Es geht um meinen Schreibstil hier auf dem Blog und auf den vielen anderen Blogs, auf denen ich schreibe.

Bild von einem Text

 

Wie schreibe ich eigentlich?

 

Über seinen eigenen Schreibstil zu schreiben ist schon schwierig. Es ist so, wie mit einer Selbsteinschätzung beim Vorstellungsgespräch, oder mit der Bewertung eines eigenen Vortrags. Es ist ziemlich schwer und ob die Wirkung, die ich mit meinem Schreibstil erreichen möchte, auch wirklich eintritt, kann nur der Leser entscheiden.

Als Erstes Versuche ich natürlich immer, meine Texte so einfach wie möglich zu halten. Ich möchte, dass jeder, der meine Artikel liest, diese auch verstehen kann. Das bedeutet nicht, dass ich auf Schachtelsätze verzichte und nur Hauptsatz an Hauptsatz reihe – was für meine Leser aber nichts Neues sein dürfte. Vielmehr versuche ich, auf Fach- und Fremdwörter zu verzichten. Ich bin der Meinung, dass viele dieses Mittel einsetzen, um einen bestimmten Leserkreis auszuschließen oder diesem Leserkreis zumindest das Verstehen zu erschweren. Das hat etwas Elitäres, was ich absolut nicht leiden kann. Ich möchte nicht, dass meine Leser sich erst ein Wörterbuch suchen müssen, damit sie meine Artikel verstehen. Vielmehr ist mir wichtig, dass ich mit meinen Lesern auf Augenhöhe diskutieren kann und das geht nur, wenn diese auch verstehen, was ich schreibe.

Dennoch ist mir bewusst, dass meine Sätze manchmal schon verwirrend sind. Viel öfter frage ich mich allerdings – wenn ich ältere Texte von mir lese – ob meine Texte nicht viel zu naiv geschrieben sind, ob ich meinen Schreibstil nicht doch ändern sollte. Doch mir wird dann immer wieder bewusst, dass ich ihn nicht so einfach ändern kann, weil ich frei nach Schnauze schreibe, weil ich meine Artikel meist gar nicht überarbeite, keine Textarbeit durchführe, sondern meist die erste Momentaufnahme auch veröffentliche. Ich finde, das gibt dem Artikel Authentizität, lässt ihn nicht wie ein Kunstobjekt aussehen.

Natürlich verschenke ich durch diese Authentizität auch Potential, was mir oft beim erneuten Lesen meines Artikels auffällt. Dann sehe ich, dass ich hier Gedankengänge vergessen habe, den ich gerne noch angesprochen hätte und das ich dort mehrfach auf denselben Gedanken eingegangen bin. Aber es besteht eben auch die Gefahr, dass die eigenen Artikel zu stark durch die eigene Zensur geschliffen werden, dass sie an Inhalt und Stärke verlieren. Und genau deswegen mag ich es nicht, einen Artikel erst zehn Mal zu überarbeiten, bevor ich ihn dann veröffentliche.

Etwas anderes sind die Kurzgeschichten und Gedichte, die ich hier auch veröffentliche. Auch bei diesen achte ich auf einfache Sprache, aber hier gebe ich mir schon die Mühe, auch am Text zu arbeiten. Hier ist Textarbeit nötig, um auch wirklich das zu vermitteln, was einem am Herzen liegt.

Jetzt habe ich schon wieder soviel geschrieben, bin mir aber nicht sicher, ob ich überhaupt auf das Thema geantwortet habe. Deswegen noch einmal kurz zusammengefasst:

Meine Artikel schreibe ich meist frei Schnauze. Dabei können durchaus auch mal Schimpfwörter vorkommen. Ich halte nicht viel von elitärer Sprache, die andere Menschen ausschließen soll, und versuche deswegen auch nicht, mich über meinen Schreibstil zu definieren. Vielmehr möchte ich mit meinen Lesern diskutieren und versuche deswegen so verständlich wie möglich zu schreiben.

Aufmerksam geworden auf das heutige Thema bin ich übrigens durch Jaellekatz.

21 November 2014

Wer viel sparen will, bekommt die Leistung, die er verdient.

Schule Berlin Lichtenberg

Ich bin derzeit ein wenig amüsiert. Grund hierfür sind die massiven Probleme in der Schulreinigung, die derzeit zumindest in Berlin auftreten. Toiletten, die tagelang nicht gereinigt werden. Staub, der überall herumliegt. Räume, die nicht gefegt werden. Und das Beste, Schulen, die für einen Tag geschlossen werden, damit die Lehrer die Schule selbst reinigen können.

Schule Berlin Lichtenberg

 

Wer ist schuld an den Problemen?

 

Amüsiert bin ich deswegen, weil die Stadt und die Bezirke hätten wissen können, dass günstigere Preise nur über die Anzahl der Stunden möglich sind, die den Reinigungskräften zur Reinigung der Schule zur Verfügung gestellt werden, bzw. für die die Reinigungskräfte bezahlt werden. In der Reinigungsbranche gilt nämlich ein Mindestlohn, somit sind die Stundenlohnkosten Fixkosten. Zusätzlich möchte ein Unternehmen auch noch Gewinn machen, und somit bleibt nur eine Variable, die gekürzt werden kann, und das ist die Anzahl der bezahlten Reinigungsstunden. Wenn der Senat, bzw. die Bezirke also bei der Ausschreibung sich das günstigste Angebot raussuchen, dann sollte ihnen bewusst sein, dass die Qualität der Reinigung darunter stark leidet.

Ich habe selbst schon als Reinigungskraft gearbeitet, und weiß daher, welcher Zeitdruck aufgebaut wird und dieser Zeitdruck wird nicht besser, solange niemand bereit ist, für die Reinigung einen angemessenen Preis zu zahlen. Er wird teilweise so groß, dass nur die gröbsten Verunreinigungen beseitigt werden können. Da passiert es dann auch, dass Räume mal ein-zwei Tage nicht gefegt oder gesaugt werden. Da passiert es auch, dass Tische nicht gründlich abgewischt werden und das auch Mal der Ein- oder andere Mülleimer nicht entleert wird. Wie auch, wenn gar nicht die Zeit dazu da ist?

Schuld am Problem sind also die Politiker, die meinen, dass die Reinigung immer günstiger werden muss. Wer andauernd spart, bekommt genau die Leistung, die er verdient und da ist es auch keine Lösung, wenn die Politiker strengere Kündigungsregelungen in die Verträge schreiben lassen wollen. Die Schulreinigung wird auch dann von Menschen durchgeführt, und Menschen haben, wie wir alle wissen, eine Belastungsgrenze, die auch nicht durch drohende Kündigungen außer kraft gesetzt werden kann! Vielleicht sollten die Entscheidungsträger einfach mal selbst eine Schule reinigen, vielleicht sollten sie selbst einmal sehen, dass das eine körperlich sehr anstrengende Arbeit ist und vielleicht merken sie dann auch, dass diese Arbeit nur dann zu schaffen ist, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht.

Es ist also lächerlich, wenn sich die Politiker über die Reinigungsunternehmen aufregen, denn die Politik ist dafür verantwortlich, dass die Unternehmen immer niedrigere Preise anbieten. Somit sind auch die Politiker dafür verantwortlich, wenn die Qualität der Reinigung sinkt – nicht die Reinigungsunternehmen und schon gar nicht die Reinigungskräfte.

Oder sind die Politiker der Meinung, dass die Reinigungskräfte einfach noch ein-, zwei Stunden länger – unbezahlt – arbeiten, damit die Schule perfekt gereinigt ist?

Eine Lösung könnte es sein, dass sich die Politik einfach mal Expertenwissen ins Haus holt. Jemanden, der sich mit der Reinigung auskennt und der dann Mindestkriterien aufstellt, die ein Angebot eines Reinigungsunternehmens erfüllen muss, damit es überhaupt in die engere Auswahl kommt. Ein Mindestkriterium könnten zum Beispiel die Anzahl der Reinigungsstunden sein, die für das Schulgebäude einkalkuliert werden müssen. Dann fliegen zwar wahrscheinlich die günstigsten Angebote sofort raus, aber damit wäre die Qualität der Schulreinigung gesichert. Oder die Schulen beschäftigen die Reinigungskräfte direkt, dann wären die Reinigungsunternehmen außen vor, wodurch deren Gewinnspanne wegfallen würde.

Was es aber auf keinen Fall geben wird, ist eine gute Reinigungsqualität bei Niedrigpreisen!

18 November 2014

Was ist Inklusion?

Brücke

Brücke

Was ist Inklusion? Diese Frage stelle ich mir jetzt schon ein paar Tage, weil ich an einer Blogparade zum Thema Inklusion teilnehmen will. Das wird aber schwierig, wenn ich mir gar nicht bewusst bin, was alles zur Inklusion gehört. In der Blogparade soll ich aufschreiben, wie ich mir eine inklusive Welt in 10 Jahren vorstelle, doch wie soll ich eine solche Welt entwerfen, wenn ich gar nicht weiß, an welchen Ecken es denn so hapert?

Sicher könnte ich von einer Welt schreiben, in der es keine Hindernisse mehr für behinderte Menschen gibt, die mir so auffallen. Eine Welt, in der jede Treppe auch mindestens eine Rampe besitzt, in der Geschäfte für alle Menschen zugänglich sind oder in der Bankautomaten in der Höhe verstellbar sind. Aber reicht das schon? Was ist mit Inklusion an Schulen? Was ist mit Inklusion im Beruf? Mir fehlt der Einblick in die Welt von Menschen, die durch Hindernisse nicht so an der Welt teilnehmen können wie ich, und deswegen fällt es mir so schwer, einen Artikel für eine solche Blogparade zu schreiben.

Auf Twitter kann ich oft lesen, dass „normale“ Menschen nur ÜBER behinderte Menschen sprechen, nicht aber mit ihnen. Dass diese Menschen an den Bedürfnissen von behinderten Menschen vorbeisprechen, weil sie eben die Welt nicht so sehen, wie die behinderten Menschen sie sehen, weil sie die Hindernisse gar nicht wahrnehmen und weil sie auch nicht nachvollziehen können, warum es sich um ein Hindernis handelt. Und genau das will ich nicht machen. Wenn ich einen Artikel schreibe, dann möchte ich auf die wirklichen Probleme eingehen und dann möchte ich eine Zukunft entwickeln, in der die wirklichen Probleme angegangen werden. Nur dazu muss ich wissen, was die wirklichen Probleme sind.

Inklusion ist ein wichtiges Thema, so zumindest sagt es mir mein Instinkt, und ich weiß nicht, ob es den Menschen gerecht wird, wenn ich einfach einen Artikel darüber schreibe, der vielleicht nur an der Oberfläche kratzt.

9 November 2014

War die Teilung Deutschlands wirklich sinnlos?

War die Teilung Deutschlands sinnlos

War die Teilung Deutschlands sinnlos

Heute feiert ein großer Teil der deutschen Bevölkerung den Mauerfall zwischen Ost- und Westdeutschland. Dabei gibt es dann auch den ein oder anderen, der sagt, dass die Teilung Deutschlands sinnlos gewesen sei. Und genau hier meldeten sich wieder die Stimmen in meinen Kopf, die ich doch ab und zu höre, und fragten mich, ob das denn so stimmt, ob die Teilung Deutschlands wirklich sinnlos gewesen ist, oder ob sie nicht auch dazu beigetragen hat, dass in der BRD eine stabile Parteiendemokratie entstehen konnte.

Was wäre denn gewesen, wenn Deutschland nicht erst 1990 die volle Souveränität wiederbekommen hätte, sondern schon bedeutend früher? In den 1950igern oder den 1960igern? Hätten wir dann dennoch so lange Frieden in Europa gehabt? Hätte sich die BRD dermaßen in Europa integriert, wie es jetzt ist? Oder wäre die Entwicklung in Deutschland eine andere gewesen?

Schauen wir uns doch die letzten 25 Jahre an. Deutschland hat inzwischen wieder an Kriegseinsätzen teilgenommen. Die sozialen Sicherungsnetze wurden geschrumpft, nachdem der Wettkampf zwischen Ost und West beendet war. Das Asylgesetz wurde dermaßen beschnitten, dass es inzwischen wohl ein Asylvermeidungsgesetz ist und der Rassismus in der Bevölkerung hat auch zugenommen, so zumindest meine Wahrnehmung. Wo würde Deutschland heute wohl stehen, wenn diese Entwicklungen schon sehr viel früher angefangen hätten? Könnten wir heute dann auf eine solch lange Friedensperiode in Europa zurückblicken?

Ich kann diese Fragen natürlich nicht beantworten, aber ich gehe fest davon aus, dass Deutschland eine andere Entwicklung genommen hätte, wenn es nicht zur Teilung gekommen wäre. Dass ein Sozialismus, der von oben diktiert wird, nicht funktionieren konnte, ist natürlich klar, aber der Wettkampf zwischen beiden Systemen hat auch dazu beigetragen, dass der Kapitalismus in der BRD sozialer war, wodurch auch die Menschen in der BRD eine hohe soziale Absicherung erhielten. Wie hätte das wohl ohne DDR ausgesehen? Auch hier lohnt sich der Blick in die letzten 25 Jahre. Wie oben schon geschrieben, wurden die sozialen Sicherungsnetze geschrumpft. Mit Hartz4 wurde durch die SPD eine Grundsicherung eingeführt, die in meinen Augen menschenverachtend ist. Aber hätten wir überhaupt so ein Sozialsystem, wenn es den Versuch „DDR“ nicht gegeben hätte?

Vielleicht war die Teilung Deutschlands ein lehrreicher Schock für uns Deutschen. Vielleicht hat diese Teilung erst dazu beigetragen, dass in Deutschland viele gegen den Krieg sind und vielleicht hat die Teilung dazu beigetragen, dass Schlimmeres von Europa abgewendet wurde. Am Ende kann ich natürlich keine Antworten geben, aber ich würde fest behaupten, dass diese Teilung auf keinen Fall sinnlos war.

9 November 2014

Der 09. November

Der 9. November in Deutschland. Er war nicht nur der Anfang vom Ende der DDR, nein, er war auch ein Grundstein dafür, dass die DDR überhaupt gegründet wurde.

 

Der 09.November 1938

 

In der Nacht vom 09. zum 10. November 1938 brannten in Deutschland, Österreich und in der Tschechoslowakei die Synagogen. Diese Nacht wurde für viele Juden zur Hölle. Jüdische Geschäfte wurden zerstört, Wohnungen verwüstet und Juden wurden misshandelt, verhaftet oder gar getötet. Es war der Beginn der größten Vernichtungsaktion gegen Menschen jüdischen Glaubens.

In den Jahren danach folgte der Zweite Weltkrieg, der vielen Millionen Menschen das Leben kostete und der mit einer vernichtenden Niederlage für Nazideutschland endete. Die Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion teilten Deutschland in vier Besatzungszonen auf, die von jeweils einer der Siegermächte kontrolliert wurde. Bevor nun aber abschließend geklärt werden konnte, wie es mit dem besetzten Deutschland weiter gehen soll, kam es zu Spannungen zwischen der sozialistischen Sowjetunion auf der einen Seite und den kapitalistischen Ländern Frankreich, den USA und Großbritannien auf der anderen Seite. Diese Spannungen gingen am Ende soweit, dass im durch die Sowjetunion besetzten Teil Deutschlands die DDR entstand, und in den drei anderen Besatzungszonen die BRD. Dies geschah im Jahre 1949, also 4 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

1961 kam es dann zum Mauerbau, wodurch nicht nur eine optische Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten entstand, sondern auch für viele Jahre die Reisefreiheit der DDR-Bürger stark eingeschränkt wurde. Aber die Mauer war nicht nur eine Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland, es war eine Mauer durch Europa – sie teilte die Welt in einen sozialistischen- und in einen kapitalistischen Block. Auf der einen Seite standen Demokratien, auf der anderen Seite standen Diktaturen. In der DDR gab es eine Parteiendiktatur, in der BRD gab es eine Parteiendemokratie.

Da Menschen, die in einer Diktatur leben und in dieser unterdrückt werden, mit diesem Zustand meist nicht zufrieden sind, entstanden in der DDR sehr viel Hass und Unzufriedenheit. Hinzu kamen die vielen Verbrechen der Staatsführung, die eingeschränkten Grundrechte und natürlich auch der Mangel, der in den sozialistischen Staaten herrschte. Diese Unzufriedenheit suchte sich ihren Weg, führte zu Protesten, die erst noch unterdrückt wurden – unterdrückt mit Gewalt gegen die eigene Bevölkerung – die aber irgendwann nicht mehr unterdrückt werden konnten. Montagsdemos, in denen die Menschen auf die Straße gingen, um die Diktatur der SED zu beenden.

 

Der 09. November 1989

 

Und dann kam der 09. November 1989, die Nachricht, dass es neue Reiseregelungen gibt, die eine ausreise in die BRD erleichterten. Und es gab natürlich viele Menschen, die weg wollten, die in die BRD wollten und die auf eine solche Nachricht gewartet hatten. Sie strömten zu den Grenzübergängen in Berlin, belagerten diese, ließen sich von der Volkspolizei nicht abweisen, machten Druck, weswegen die Volkspolizei die Grenzübergänge öffnete. Die Mauer bröckelte und mit ihr die DDR. An diesem 09. November siegte die Bevölkerung der DDR mit friedlichen Mitteln über die SED und ebnete so den Weg zum Anfang vom Ende der DDR.

3 Oktober 2014

Gedanken zum 03. Oktober

Erinnerungen

Der 03. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit. Der Tag, an dem die DDR aufhörte zu existieren und für viele der Tag, an dem sie endlich ihre Freiheit wiedergewonnen haben. Der 03. Oktober 1990, wobei das Ende der DDR schon im November 1989 begann und dieser Tag, dieser 03. Oktober, nur der Abschluss war.

Erinnerungen

Ich war damals noch viel zu jung, um wirklich zu verstehen, was da gerade vor sich ging. 1990 war ich gerade mal 7 Jahre alt, hatte mein erstes Schuljahr beendet und befand mich gerade am Anfang der zweiten Klasse. Damals freute ich mich darauf endlich Jungpionier zu werden, wollte endlich das blaue Halstuch tragen und war neidisch auf meine Geschwister, die schon das rote Halstuch hatten. Verdammt war ich stolz, als ich mein blaues Halstuch hatte und ebenso enttäuscht, als dann die Pioniere abgeschafft wurden und ich das rote Halstuch nicht mehr bekommen habe. Natürlich fand ich es schön, dass ich am Anfang nur noch alle zwei Wochen Samstags zur Schule musste und noch besser fand ich es, als am Samstag dann gar kein Schulunterricht mehr stattfand. Aber wirklich verstanden habe ich das alles damals noch nicht.

Mir ging es nicht schlecht. Sowohl im Kindergarten wie auch in der Kinderkrippe fühlte ich mich wohl. Ich war zwar ein anstrengendes Kind, was meine Erzieherinnen auch oft zur Verzweiflung brachte, aber es war dennoch keine schlechte Zeit. Ich weiß, dass viele wohl etwas anderes erlebt haben, aber ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht, nicht in der Kinderkrippe und auch nicht im Kindergarten.

Die schlechten Erfahrungen kamen dann erst nach der Wiedervereinigung. Plötzlich wurde meine Mutter arbeitslos, was sich natürlich negativ auf unsere Finanzsituation auswirkte. Der Wettbewerb um Markenklamotten, der ziemlich schnell in unserer Schule ausbrach, war für mich nicht zu gewinnen und auch andere Dinge waren unerreichbar für mich. Viele negative Dinge verbinde ich mit der Nachwendezeit, und viele negative Dinge verbinde ich mit dem kapitalistischen System, welches mit der Wende über uns kam. Reisen, Kino, Hobbys – all das war für mich nicht drin, weil einfach das Geld fehlte. Genauso fehlte das Geld fürs Schulessen, welches in der DDR für kinderreiche Familien noch kostenlos war.

Damit möchte ich die DDR nicht verherrlichen. Ich möchte nicht das Unrecht bestreiten, welches in der DDR begangen wurde. Ich möchte damit aber zeigen, dass es durchaus Menschen gibt, die mit der DDR positive Dinge verknüpfen. Klar war ich damals noch jung und wer weiß, ob ich nicht inzwischen auch überwiegend negative Erfahrungen mit der DDR verknüpft hätte, wenn es sie noch geben würde, aber das ist halt Spekulation.

Es gibt viele Menschen, die haben durch die Wende mehr verloren als gewonnen. Menschen, die 1989/1990 für die Wende waren, die sich die Freiheit gewünscht haben, die aber mit dieser Freiheit nichts anfangen konnten, weil sie nach der Wende arbeitslos geworden sind. Menschen, die ihre Existenz verloren haben und die aus einer sicheren Gegenwart gerissen wurden, um in eine unsichere Zukunft zu gehen. Da ist es verständlich, wenn diese Menschen jetzt mit Wehmut an ihr Leben in der DDR denken. Da ist es verständlich, wenn diese Menschen sagen, dass in der DDR nicht alles schlecht war. Das sollte akzeptiert werden, genauso wie akzeptiert werden sollte, dass es Menschen gibt, die nur positive Erinnerungen an die DDR haben. Menschen, die gerne in der DDR gelebt haben, die diesen Staat als ihre Heimat empfanden und die voll und ganz hinter der Idee der DDR standen.

War die DDR ein Unrechtsstaat? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für die, denen Unrecht angetan wurde, war die DDR mit Sicherheit ein Unrechtsstaat – auch das sollte akzeptiert werden – aber in jedem Staat geschieht unrecht. In der BRD genauso, wie in den USA oder in anderen Ländern. Eine Bewertung darüber, ob ein Staat ein Unrechtsstaat ist oder nicht, wird immer eine individuelle Bewertung sein. Jeder hat seine individuellen Erfahrungen gemacht, jeder hat seine eigenen Verknüpfungen, und genau diese Erfahrungen und Verknüpfungen sind es, die eine Beurteilung erst ermöglichen, aber eben individuell.

Natürlich ist auch eine geschichtliche Aufarbeitung notwendig. Diese muss aber alles Aufarbeiten, also sowohl die negativen wie auch die positiven Aspekte der DDR. Gleichzeitig sollte es aber auch eine Aufbearbeitung der Geschichte der BRD geben. Und auch hier müssen die negativen und positiven Aspekte benannt werden. Ein abschließendes Urteil muss am Ende aber wieder jeder für sich selbst bilden.

Der 03. Oktober. Für viele ist er ein Feiertag, für Einige ein Tag der Trauer und für andere ist es einfach nur der 03. Oktober.

21 April 2014

Meine Oma…

Meine Oma ist 89. Ich schreibe das, weil 89 ein Alter ist, ab dem man jederzeit damit rechnen muss, dass es vorbei ist. Meine Oma weiß das, sie redet öfter davon, aber ich komme damit überhaupt nicht klar. Vorgestern lag ich die halbe Nacht wach, weil ich einfach darüber nachdenken musste. Irgendwann ist es vorbei, irgendwann geht jeder Mensch, aber fast jeder Mensch, der geht, hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann.

Seit ich bin, ist meine Oma!

 

Meine Oma war schon vor mir auf dieser Welt. Ist ja auch klar, denn wenn meine Oma nicht vor mir hier gewesen wäre, könnte meine Mutter nicht leben und somit könnte sie nicht meine Oma sein. Aber das bedeutet natürlich auch, dass meine Oma mich schon mein ganzes Leben begleitet und das ich mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen kann. Wer kann das schon? Deswegen will ich mir auch gar nicht vorstellen, dass meine Oma irgendwann stirbt. Ich will, dass sie noch lange lebt, dass sie 100 wird, vielleicht auch noch viel älter – aber will meine Oma das überhaupt?

Leider fällt einem meist viel zu spät auf, dass die Zeit eines Menschen begrenzt ist. Wenn der Mensch dann nicht mehr da ist, dann wird einem plötzlich klar, dass die Zeit, die wir mit diesem Menschen verbracht haben, eigentlich viel zu wenig war. Dass wir uns mehr Zeit hätten nehmen müssen. Ein Besuch alle halbe Jahre ist einfach zu wenig, aber das begreifen wir erst, wenn es viel zu spät ist.

Vorher leben wir meist unser Leben, wir wissen, da ist ein Mensch, den wir lieben, und der ist da – ganz selbstverständlich. Dann kann schon mal eine Menge Zeit ins Land gehen, bevor man diesen Menschen wieder besucht und irgendwann könnte es dann sein, dass wir vor einer leeren Wohnung stehen, vor einer Klingel, an der auf einmal ein anderer Name steht und dann sehen wir, der Mensch ist nicht mehr da und er wird auch nicht wieder kommen. Wir stehen vor der Tür und denken uns, dass wir viel zu wenig Zeit mit diesem Menschen verbracht haben, dass wir uns nicht einmal verabschieden konnten und das wir viel zu wenig am Leben dieses Menschen haben teilnehmen dürfen. Und schuld sind wir natürlich selbst, weil wir uns nur mit unserem Leben beschäftigt haben, weil wir diesen Menschen als selbstverständlich angesehen haben und weil wir uns nicht die Zeit genommen haben, die uns dieser Mensch eigentlich hätte wert sein müssen.

Meine Oma ist 89. Sie hat viele Enkel und Urenkel. Genügend eigentlich, damit bei ihr täglich jemand zu Besuch sein könnte. Die Realität sieht leider anders aus! Viele Tage ist sie allein zu Haus, was natürlich Einsamkeit bedeutet, denn meine Oma lebt alleine. Ein Heim kommt für sie nicht infrage, was ich verstehen kann, denn wir alle wissen, was in deutschen Heimen so abgeht. Deswegen denkt sie natürlich auch darüber nach, dass es Zeit ist zu gehen, was nicht stimmt, denn es ist nie Zeit zu gehen, es gibt immer etwas, was man noch machen könnte. Den Urenkeln Geschichten erzählen, wäre so etwas oder ihnen beim Erwachsen werden zusehen. Aber das geht nur, wenn die Urenkel auch mal zu Besuch kommen, was sie viel zu selten machen! Und dann bleibt natürlich nur die Einsamkeit und damit dann auch das Nachdenken darüber, wie lange man diese Einsamkeit noch ertragen muss.

Ich bin natürlich auch ein Enkel meiner Oma. Auch ich bin viel zu selten bei ihr, wobei selten nicht bedeutet, dass ich nur einmal im Jahr zu ihr gehe, aber es ist dennoch selten – auch im Hinblick darauf, dass meine Oma schon 89 ist und ich nicht mehr all zu viel Zeit habe, die ich mit ihr verbringen kann. Dennoch verbringe ich mehr Zeit bei meiner Oma, als viele andere ihrer EnkelInnen. Das mag von diesen nicht böse gemeint sein, weil sie ihr eigenes Leben haben, weil sie arbeiten, weil sie einfach selbst zu wenig Freizeit haben. Aber ich bin mir sicher, wenn unsere Oma nicht mehr da ist, werden sie es bereuen, so wenig Zeit mit ihr verbracht zu haben. Vielleicht werden sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie genau wissen, dass sie sich viel zu wenig Zeit genommen haben, vielleicht aber auch nicht, weil ihre Oma keine ganz so große Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Wobei ich das Letztere nicht glauben kann.

Meine Oma hilft, wo sie nur kann!

 

Worüber ich mich regelmäßig ärgere, ist, dass meine Oma so wenig Besuch bekommt. Meist nur dann, wenn jemand Hilfe braucht. Dann erinnert man sich gerne an sie, aber wenn es darum geht, ihr einfach ein wenig Zeit zu schenken, dann wird das schwer mit dem Besuchen. Dann ist plötzlich keine Zeit da! Das macht mich traurig, denn ich bin mir sicher, dass die Zeit vorhanden wäre, wenn man sie sich ernsthaft nehmen wollte.

Ich verstehe natürlich, dass es schwer wird, wenn man nicht in derselben Stadt lebt. Dann ist es tatsächlich nicht möglich, dass man jedes Wochenende zu besuch kommt. Wenn man allerdings gemeinsam in einer Stadt lebt, dann sollte es schon möglich sein, dass man einen Menschen, der zur Familie gehört und den man liebt, mindestens einmal alle 14 Tage besucht. So teuer sind die Fahrpreise dann auch nicht, genau so wenig sind die Fahrzeiten ein Problem. 6-7 Stunden kann sich jeder alle 14 Tage einmal nehmen, selbst wenn man sehr viel Stress im Arbeitsleben hat. Das würde die Einsamkeit meiner Oma vertreiben und neue Lebensfreude bringen.

Meine Oma, das Tor in eine andere Zeit.

 

Meine Oma ist natürlich auch ein Tor in eine andere, längst vergangene, Zeit. Sie kann mir Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich nicht miterlebt habe. Sie kann mir natürlich auch Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich miterlebt habe, an die ich mich aber nicht mehr wirklich erinnern kann, weil ich noch viel zu Jung war. Wer soll mir diese Geschichten erzählen, wenn meine Oma plötzlich nicht mehr da ist?

Wenn meine Oma irgendwann nicht mehr ist, dann geht nicht nur der Mensch. Nein, dann gehen auch all die Geschichten, die sie in ihrem Leben erlebt hat und die sie gerne erzählt hat. Nur wenig wird davon in der Erinnerung bleiben und es wird sich ein Tor in die Vergangenheit verschließen, welches ich nicht mehr öffnen kann. Sicher kann mir dann noch mein Onkel Geschichten erzählen und meine Mutter natürlich auch, aber es werden nicht die Geschichten sein, die mir meine Oma erzählt.

Meine Oma – Eure Oma

 

Meine Oma lebt noch, sie ist 89 und wird hoffentlich noch viele Geburtstage feiern dürfen. Wie sieht es mit eurer Oma aus? Lebt sie noch? Wenn ja, verbringt ihr genügend Zeit mit ihr? Vielleicht ist es mal wieder Zeit für ein Telefonat mit ihr? Vielleicht auch für einen spontanen Besuch?

Meine Oma ist garantiert nicht nur meine Oma! Es gibt viele Omas da draußen, denen von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln viel zu wenig Zeit geschenkt wird. Zeit, die nicht vergeudet ist, die beiden Seiten Freude bringt und die eine Bereicherung für beide Seiten ist.

3 März 2014

Ich mach mir die Welt…

Ich mach mir die Welt
Ich mach mir die Welt

Quelle: Twitter – Einfach aufs Bild klicken.

Jetzt ist es also raus! Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Gut für mich, allerdings schlecht für euch, denn euch gibt es in der Realität alle gar nicht. Beziehungsweise, es gibt euch schon, allerdings nur in meinem Kopf. Ihr seid alle meine Geschöpfe! Das kann euch gefallen, denn ihr seid für euer Handeln dann nicht wirklich verantwortlich, aber, ich kann euch alle auch wieder verschwinden lassen.

Mir war das natürlich vorher auch nicht bewusst, aber, nachdem jetzt eine meiner fiktiven Kreaturen sich das nicht mehr gefallen lassen will, ist mir das natürlich schlagartig bewusst geworden. Deswegen sehe ich übrigens auch nicht die Argumente anderer, denn ich habe sie mir ja selbst ausgedacht, oder ich habe sie mir eben nicht selbst ausgedacht. Wäre ja auch zu schwer, denn ich muss mir ja schon allein für 7 Milliarden Menschen Geschichten aus den Fingern saugen und dann auch noch in die Tiefe zu gehen, wäre einfach eine Überlastung.Ihr müsst ja bedenken, dass auch noch die Tiere hinzukommen und die Pflanzen.

Allerdings muss ich mich mit dieser Welt, die ich erschaffen habe, selbst strafen wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum ich Frau Merkel schon so lange an der Macht lasse. Erklärbar ist allerdings schon, warum sie nur reagiert und nicht selbst mal das Ruder in die Hand nimmt. Auch das wäre wohl zu viel Denkarbeit für mich. Dann lieber eine passive Kanzlerin denken, damit ich noch Kapazitäten für die wirklich wichtigen Dinge habe.

Wobei ich hier ja die Prioritäten auch selbst erdacht habe! Also sind das eben die wichtigen Dinge, die für mich wichtig sind. Habt ihr halt Pech gehabt. Ihr habt ein schlechtes Sexleben? Pech gehabt! Habe ich wohl keine Zeit, mir ein gutes Sexleben für euch auszudenken. Ihr seid ein Nazi? Pech gehabt! Immerhin brauche ich auch Kreaturen, die ich hassen kann! Nehmt es mir nicht übel, irgendwann seid ihr ja nicht mehr.

Ihr denkt jetzt bestimmt, ich bin Irre? Mag sein, aber denkt immer dran, ihr seid von mir erdacht. Wenn ich also Irre bin, seid auch ihr Irre! 😉

27 Februar 2014

Meine Flucht vor Argumenten

Ich diskutiere ja gerne und viel – mit SPD-Mitgliedern noch viel mehr und viel lieber – und warte in diesen Diskussionen immer auf Argumente der Gegenseite. Meist kommen die nicht, oder es werden welche wiederholt, die mich bisher schon nicht überzeugt haben. Auf Rückfragen wird meist sowieso nicht geantwortet, obwohl eine Antwort die Diskussion schon weiter bringen könnte. Meist denke ich mir dann, dass das irgendwie blöd ist, weil wenn man etwas zur Diskussion stellt, dann sollte man auch bereit sein, darüber zu diskutieren. Außer, man kennt die Person schon und weiß, dass die Diskussion eh nicht viel bringt – dann darf man es auch sein lassen, was ich durchaus auch tue.

Nun weiß ich allerdings seit gestern, dass gar nicht die Anderen schuld sind, nein, ich flüchte vor den Argumenten. Oder, um es in den Worten von Kevin Hönicke zu sagen:

„Hält man dir die Wahrheit vor oder die Schwächen deiner Aussagen vor, bemerke ich immer wieder die Flucht in irgendwelche unbelegte Vorwürfe.“

Quelle: Facebookseite von Kevin Hönicke

Nun bin ich mir natürlich nicht mehr ganz sicher, ob sich die Argumente und die Wahrheiten vor mir verstecken, oder ob ich die einfach übersehe. Wahrscheinlich habe ich eine spezielle Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt, weswegen ich mir eventuell eine spezielle Brille kaufen sollte, um diese Blindheit zu überwinden. Wobei, wenn man blind ist, dann hilft ja auch eine Brille nicht mehr. Es scheint also Hopfen und Malz verloren zu sein, ich werde wohl nie wieder diskutieren können, weil ich die Argumente nicht sehe. Oder gibt es doch noch Hoffnung?

Erklären würde das so einiges. Zum Beispiel, warum ich die Argumente der Berliner Volksbank nicht verstanden habe – ich habe sie einfach nicht gesehen. Oder warum ich die Junge Union nicht verstanden habe, als sie mir sagte, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, was mir Herr Hönicke – als Mitglied der SPD – sogar bestätigte.

Ich bitte daher ab jetzt um Verständnis! Wenn ich in einer Diskussion die Argumente nicht entdecken kann, dann ist das nicht böswillig gemeint, sondern ich sehe sie einfach nicht. Mein Körper flüchtet vor Argumenten, weswegen sie durch mein Gehirn ausgeblendet werden, weswegen ich eine Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt habe. Das ist eine Behinderung, und niemand darf deswegen diskriminiert werden. Ich bitte also darum, nicht all zu fies mit mir umzugehen, wenn ich mal wieder euren Argumenten nicht folgen kann.

Demnächst werde ich dann auch ein Buch zu dem Thema veröffentlichen. Es wird den Titel tragen: „Meine Flucht vor den Argumenten“. Das Vorwort wird dann hoffentlich Kevin Hönicke schreiben, und es soll eine Hilfe für all die Menschen sein, die ebenfalls eine solche Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt haben.

Hier nun noch einige Beispiele für Diskussionen, bei denen ich die Argumente einfach nicht gesehen habe: