8 Dezember 2020

Lebens-ABC: H wie Hartz4

Hartz4 begleitet mich wie ein Schatten. Ich diskutiere nicht nur gerne mit anderen darüber, ich musste auch schon selbst damit leben und es ist nicht so romantisch, wie es einige Menschen gerne darstellen. Hartz4 ist ein Fluch, isoliert, lässt einen mit der ständigen Angst leben, plötzlich ohne eine finanzielle Absicherung dazustehen, weil einem ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Okay, diese Sorge wurde jetzt etwas abgemildert, da es keine Sanktionen von 100 Prozent mehr geben darf, aber es gibt weiterhin Sanktionen und auch diese können einem auch noch die letzte Würde nehmen, die Mensch noch hat.

Ich weiß, viele haben ihr Bild von Hartz4-Empfänger*innen. Bei den meisten ist es nicht positiv, wird durch all das geprägt, was in den Medien so über Menschen in Hartz4 Bezug so erzählt wird, weil meistens die Negativbeispiele gezeigt werden, die es auch gibt, die aber nicht die Regel sind. Überhaupt sollte unsere Gesellschaft auch ein Recht auf Faulheit aushalten können, gibt es eh nicht genügend Erwerbsarbeit für alle Menschen!

Hartz4 hat nur vordergründig etwas mit Hilfsleistungen zu tun. Vielmehr ist es ein reines Repressionssystem, welches nicht nur Menschen betrifft, die aktuell Hartz4 erhalten, sondern auch Menschen, die in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen stecken, sich aber nicht trauen, sich zu organisieren, um etwas gegen die schlechte Bezahlung zu machen, weil sie Angst davor haben, dadurch ihren Job zu verlieren und in Hartz4 zu rutschen. Es ist ein System, welches Grundrechte einschränkt und Menschen in den Niedriglohnsektor zwängt, ohne eine wirkliche Wahl zu haben und ohne die Chance zu haben, seine Lohnvorstellungen durchzusetzen.

Natürlich weiß ich, dass es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass sie lieber für 3,- Euro die Stunde arbeiten gehen, als sich in die Abhängigkeit von Hartz4 zu begeben. Das erzählen diese Menschen aber meist aus einer Position heraus, in der ein scheinbar sicheres Arbeitsverhältnis besteht und dieses auch vernünftig bezahlt wird. Dass sie damit beweisen, dass das Hartz4-System ein System der Angst und Entwürdigung ist, ist diesen Menschen wahrscheinlich nicht einmal bewusst, aber mit ihrer Angst in Hartz4 zu rutschen, mit ihrer Bereitschaft das auch dadurch zu verhindern, indem sie einen Job annehmen würden, in welchem sie nur ein paar Euro die Stunde verdienen, zeigen sie, dass auch sie Angst vor diesem entwürdigenden System haben.

Hartz4 begleitet mich wie ein Schatten, und auch wenn ich in den letzten Jahren kein Hartz4 erhalten habe, so hatte ich nie wirklich viel Geld zur Verfügung. Ich habe es mit meiner Selbstständigkeit verdient, aber Luxusbedürfnisse konnte ich damit nie erfüllen. Einfach Mal ein Buch kaufen ist genauso unmöglich wie eine ordentliche Altersvorsorge. Es ist schwer, wirklich da unten raus zu kommen, auch wenn ich gerade nicht in Bezug stehe. Jede Krise kann dazu führen, dass ich Träume beerdigen muss, um mich wieder in das Repressionssystem begeben zu können.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

28 Oktober 2020

Lebens-ABC: G wie Geduld

Baumreihe

Das Wort „Geduld“ begleitet mich in meinem Leben komischerweise ständig. Ich weiß nicht wieso, aber egal was ich mache, als positives Merkmal wird immer sofort meine Geduld erwähnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein solch geduldiger Mensch bin, ich würde es eher mit Gelassenheit umschreiben, weil Panik und Stress bei Problemlösungen nicht viel bringen. Entweder, ich kann ein Problem sofort lösen, dann wären Panik und Stress eh unnötig, oder ich bekomme es nicht sofort gelöst, dann wären Stress und Panik hinderlich. Im zweiten Fall würde mich blockieren, wenn ich ungeduldig und gestresst wäre und wäre dann nicht mehr in der Lage, mir einen Plan B, gegebenenfalls sogar einen Plan C auszudenken. Das wäre – um es einmal an einem Beispiel festzumachen – bei einem Livestream aber nicht wirklich hilfreich, wenn bei diesem zum Beispiel die Kamera nicht funktioniert. Wenn ich da in Panik verfalle, weil der Livestream in 20 Minuten starten soll, kann ich die 20 Minuten nicht nutzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. In einem solchen Fall sind Geduld und Gelassenheit gefragt! Natürlich kann es sein, dass ich keine Lösung finde und der Livestream deswegen ausfällt, aber wenn ich panisch und ungeduldig bin, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passieren wird, obwohl vielleicht nur ein Kabel falsch angesteckt ist.

Geduld ist auch in anderen Situationen wichtig für mich. Wenn ich einem Kunden zum fünften oder zehnten Mal erkläre, wie etwas geht, dann funktioniert das mit Geduld sehr viel besser. Irgendwann bleibt es hängen, irgendwann wird die andere Person es verstanden und verinnerlicht haben und es ist doch sehr viel angenehmer, wenn sich diese Person bei mir bis dahin melden kann, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich ungeduldig und somit auch gereizt reagiere. Ich jedenfalls habe bei Personen, die bei meinen Nachfragen ungeduldig und gereizt reagieren, Angst, diese beim nächsten Problem erneut anzusprechen, was dann dazu führt, dass ein Problem wahrscheinlich nicht richtig gelöst wird, woraus dann neue Probleme entstehen. Da hilft Gelassenheit und Geduld viel, um Vertrauen und auch ein gutes Gefühl aufzubauen und wir alle wollen uns am Ende doch wohlfühlen, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich gereizt und ungeduldig bin. Wenn in einer Diskussion jemand absolut keine Lust hat, auf die eingebrachten Argumente zu reagieren, sie absichtlich überliest und dann behauptet, dass da bisher gar keine Argumente kamen, dann bin ich sehr ungeduldig. Wenn jemand meint, dass ein Beitrag, in einem Forum zum Beispiel, an dem ich 10 Minuten geschrieben habe, keinerlei Argumente enthält, dann aber nicht einmal bereit ist, seinerseits ein wenig Zeit zu investieren, um dies auch zu begründen, dann bin ich echt ein ungeduldiger und gereizter Mensch, da ist dann auch meine Gelassenheit ganz weit weg!

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

16 September 2019

Lebens-ABC: E wie Eigensinn

Echse

Irgendwie ging mir bei dem Buchstaben „E“ das Wort „Eigensinn“ nicht aus dem Kopf. Der Duden sagt mir, dass die Bedeutung von Eigensinn ein hartnäckiges Beharren auf einer Meinung oder einer Absicht ist. Irgendwie erkenne ich mich in dieser Bedeutung auch ein klein wenig wieder, denn wenn ich so zurückschaue, dann konnte und kann ich sehr Eigensinnig sein.

Ich beharre zwar nicht immer hartnäckig auf meiner Meinung, auch wenn es durchaus möglich ist, dass ich das tue, aber auf viele Absichten habe ich in meinem Leben schon beharrt. Wenn ich zum Beispiel die Absicht hatte, den Kindergarten ausfallen zu lassen, dann konnte ich schon sehr viel Eigensinn entwickeln, um dies auch durchzusetzen, oder zumindest die Ankunft im Kindergarten zu verzögern. Auch die Absicht, mir freie Tage von der Schule zu gönnen, konnte ich mit sehr viel Eigensinn umsetzen. Ich würde sagen, dass ich ein sehr eigensinniges Kind war und ich würde weiterhin behaupten, dass sich das bis heute nicht wirklich geändert hat.

Nicht immer bringt mir mein Eigensinn einen Vorteil. Mit Sicherheit würden andere Menschen auch behaupten, dass das eine negative Eigenschaft ist, doch ich finde, dass der Eigensinn durchaus positiv sein kann. Er hilft dabei, ausgetretene Wege zu verlassen und mit Neugier Umwege zu gehen, auf denen sehr viel mehr zu entdecken ist, als auf den Wegen, die am schnellsten zum Ziel führen. Sicher hat mir mein Eigensinn schon einige Türen verschlossen, aber dafür hat er mir auch viele andere Türen eröffnet und hat mich auf viele Umwege geführt, die ich im Nachhinein zum größten Teil auch super fand.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

25 August 2019

Lebens-ABC: D wie Draußen

Draußen in der Natur

Kann es eigentlich etwas Schöneres geben, als draußen in der Natur zu sein?

Draußen, das ist dort, wo nicht ganz so viele Menschen sind, wo ich schon mal eine halbe Stunde auf einer Bank sitzen kann, ohne das ein anderer Mensch vorbei kommt. Draußen im Wald, am See, am Feld, in der Natur.

Es ist doch wunderbar einfach mal durch die Gegend laufen zu können, ohne ständig durch andere abgelenkt zu werden. Den eigenen Gedanken nachgehen, dabei eben nicht ständig dem Lärm der Menschheit ausgesetzt zu sein. Nicht die S-Bahn zu hören, nicht das Auto oder anderen Zivilisationslärm. Einfach auf das Rad setzen und raus aus der Stadt, rein in die Ruhe. Oder Wandern! Kurz mit der S-Bahn an den Stadtrand fahren, dorthin, wo Berlin selbst schon fast zum Dorf wird und dann einfach wandern. Bessere Möglichkeiten, um den Kopf einmal für frische Ideen freizubekommen, gibt es doch gar nicht, oder?

Dort draußen ist auch die Perspektive eine andere. Es ist nicht dein Zimmer, nicht deine Wohnung und schon gar nicht dein Stammcafe. Es ist auch nicht dein Kiez, in dem du schon jeden Stein mehrmals gesehen hast, wenn auch meist nur unbewusst. Es ist einfach was anderes, ein Ort, der neugierig entdeckt werden kann, der voll ist mit Impulsen, die mich wieder aufladen können, die mir neue Blickwinkel erlauben, neue Gedanken ermöglichen.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

9 März 2019

Lebens-ABC: C wie Chaos

Ich liebe das Chaos. Ich liebe es, mich in einer gewissen Distanz zum Chaos zu befinden und mir einen Überblick zu verschaffen, zu sehen, wie das Chaos doch irgendwie zu ordnen ist. Es gehört dazu, es ist eine Herausforderung und doch ist es auch Spaß, immer wieder eine Quelle, um Neues zu entdecken. Neues Wissen, neue Zusammenhänge.

Chaos hat für viele etwas Abschreckendes. Sie wollen lieber Ordnung, wollen den Überblick und die Kontrolle und verpassen dabei so viel. Natürlich kostet auch das Chaos viel Zeit, Zeit, in der andere Dinge gemacht werden könnten, aber es ermöglicht das Entdecken und somit die Freude an einer Sache. Es ist doch langweilig, wenn vorher schon alles feststeht, wenn keine Überraschungen mehr möglich sind. Routinen halt, die einen nicht mehr fordern.

Natürlich gehören Routinen zum Leben. Jeden Tag das Zähneputzen neu zu entdecken, würde keinen Sinn machen, genauso wenig, wie jeden Tag die Bedienung des Autos wieder einzuüben. Aber es gibt eben auch viele Routinen, die das Leben einschränken, die „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht“-Routinen, die keinen Spielraum für Neues lassen, weil der Widerstand zu groß ist. Und da ist Chaos einfach fantastisch, weil es geradezu dazu auffordert, neue Wege zu gehen. Aber klar, auch dabei können dann wieder Routinen eine Rolle spielen, damit das Chaos überblickt werden kann.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

8 März 2019

Lebens-ABC: B wie Bildung

Es ist eher ungewöhnlich, dass ich dieses Wort wähle. Ungewöhnlich deswegen, weil ich in meiner Jugend eher vor der Schulbildung geflohen bin, ich es nervig fand, jeden Tag in die Schule gehen zu müssen. Jeden Tag dieser einschränkenden Pflicht nachzugehen, die mich von dem abhielt, was mir wirklich Wichtig erschien. Aber eigentlich ist auch das seltsam, denn als Kind konnte ich es kaum erwarten in die Schule zu kommen, zu lernen, was meine größeren Geschwister schon gelernt hatten. Ich wollte Lesen lernen, um die Bücher zu verstehen, die mich schon damals magisch anzogen. Als ich dann lesen konnte, verging diese Magie erst einmal. Ich sollte sie erst später wieder entdecken, zusammen mit meiner Begierde nach Bildung.

Auch Bildung hat mit Neugierde zu tun, so wie es schon bei der Abwechslung war. Bildung hat also auch etwas mit Abwechslung zu tun. Sie ist der Zugang zu dieser Abwechslung, ermöglicht sie erst.

Bildung ist auch Verstehen. Verstehen, wie die Dinge funktionieren. Die Faszination, Dinge nachvollziehen zu können, um sich dann weitere Gedanken darüberzumachen. Gedanken, die einen dann mit noch mehr Faszination und einem Funkeln in den Augen zurücklassen.

Bildung hat auch etwas mit Meinung zu tun. Nur wer sich die Welt erschließen kann, wer Zusammenhänge versteht und ein großes Wissensnetzwerk hat, kann auch seine Meinung weiterentwickeln. Wer weiß, wie er sein Wissensnetz durch Bildung erweitern kann, wer die Zeit hat, neues Wissen zu entdecken, der hat auch die Zeit, seine Meinungen zu reflektieren und zu verstehen, warum nicht die einfachsten Lösungen immer die richtigen sind.

Bildung ist also etwas Fundamentales in meinem Leben. Mein Leben wäre ärmer ohne Bildung, es wäre nicht so bunt, es würde sich leer anfühlen.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

4 März 2019

Lebens-ABC: A wie Abwechslung

Abwechslung ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Abwechslung legt den Grundstein aller Erfahrungen, es ist ein Ausdruck von Neugierde. Neugierde, die mich antreibt, die mich davon abhält, immer dasselbe zu tun und Veränderung zu vermeiden.

Abwechslung bringt die Farbe in mein Leben. Sie garantiert den Spannungsbogen, den ich in meinem Leben brauche, der mich Antreibt, der mir den Sinn vermittelt, auf dessen Suche wir ständig sind.

Ohne Abwechslung wäre mein Leben fade. Sie gehört dazu und durchbricht Routinen. Klar, auch Routinen gehören dazu, aber nur dort, wo sie hilfreich sind, beim Zähneputzen zum Beispiel. Alle unnützen Routinen schränken das Leben ein und sie können nur mit Abwechslung vermieden werden. Wobei Abwechslung natürlich nicht bedeutet, die ganze Zeit immer nur neue Dinge zu tun. Vielmehr bedeutet es, dass sich Neues und Altes abwechselt, Spannung und Langeweile, Anstrengung und Erholung.


Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.