28 Oktober 2020

Lebens-ABC: G wie Geduld

Baumreihe

Das Wort „Geduld“ begleitet mich in meinem Leben komischerweise ständig. Ich weiß nicht wieso, aber egal was ich mache, als positives Merkmal wird immer sofort meine Geduld erwähnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein solch geduldiger Mensch bin, ich würde es eher mit Gelassenheit umschreiben, weil Panik und Stress bei Problemlösungen nicht viel bringen. Entweder, ich kann ein Problem sofort lösen, dann wären Panik und Stress eh unnötig, oder ich bekomme es nicht sofort gelöst, dann wären Stress und Panik hinderlich. Im zweiten Fall würde mich blockieren, wenn ich ungeduldig und gestresst wäre und wäre dann nicht mehr in der Lage, mir einen Plan B, gegebenenfalls sogar einen Plan C auszudenken. Das wäre – um es einmal an einem Beispiel festzumachen – bei einem Livestream aber nicht wirklich hilfreich, wenn bei diesem zum Beispiel die Kamera nicht funktioniert. Wenn ich da in Panik verfalle, weil der Livestream in 20 Minuten starten soll, kann ich die 20 Minuten nicht nutzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. In einem solchen Fall sind Geduld und Gelassenheit gefragt! Natürlich kann es sein, dass ich keine Lösung finde und der Livestream deswegen ausfällt, aber wenn ich panisch und ungeduldig bin, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passieren wird, obwohl vielleicht nur ein Kabel falsch angesteckt ist.

Geduld ist auch in anderen Situationen wichtig für mich. Wenn ich einem Kunden zum fünften oder zehnten Mal erkläre, wie etwas geht, dann funktioniert das mit Geduld sehr viel besser. Irgendwann bleibt es hängen, irgendwann wird die andere Person es verstanden und verinnerlicht haben und es ist doch sehr viel angenehmer, wenn sich diese Person bei mir bis dahin melden kann, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich ungeduldig und somit auch gereizt reagiere. Ich jedenfalls habe bei Personen, die bei meinen Nachfragen ungeduldig und gereizt reagieren, Angst, diese beim nächsten Problem erneut anzusprechen, was dann dazu führt, dass ein Problem wahrscheinlich nicht richtig gelöst wird, woraus dann neue Probleme entstehen. Da hilft Gelassenheit und Geduld viel, um Vertrauen und auch ein gutes Gefühl aufzubauen und wir alle wollen uns am Ende doch wohlfühlen, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich gereizt und ungeduldig bin. Wenn in einer Diskussion jemand absolut keine Lust hat, auf die eingebrachten Argumente zu reagieren, sie absichtlich überliest und dann behauptet, dass da bisher gar keine Argumente kamen, dann bin ich sehr ungeduldig. Wenn jemand meint, dass ein Beitrag, in einem Forum zum Beispiel, an dem ich 10 Minuten geschrieben habe, keinerlei Argumente enthält, dann aber nicht einmal bereit ist, seinerseits ein wenig Zeit zu investieren, um dies auch zu begründen, dann bin ich echt ein ungeduldiger und gereizter Mensch, da ist dann auch meine Gelassenheit ganz weit weg!

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

18 Oktober 2020

Lebens-ABC: F wie Fahrrad

Beim Buchstaben F kommt mir natürlich sofort das Fahrrad in den Sinn. Ich muss zugeben, dass ich erst ziemlich spät das Fahrradfahren gelernt habe, mit 10 oder 11 Jahren, kurz bevor es zur praktischen Fahrradführerschein-Prüfung kommen sollte. An der habe ich allerdings nie teilgenommen, weil ich am Tag der Prüfung immer noch viel zu unsicher unterwegs war und ich somit die Praxis wohl nie geschafft hätte – mal abgesehen davon, dass ich auch Links und Rechts nicht auseinanderhalten konnte, was mir auch heute noch Probleme macht, weswegen ich damals wohl auch deswegen so ziemlich durchgefallen wäre. Heute kenne ich da zum Glück die L-Regel, die mir – wenn ich wieder einmal unsicher bin – hilft, Links und Rechts zu unterscheiden. Es gelingt mir aber doch inzwischen immer häufiger, es auch ohne die L-Regel hinzubekommen, nur als Beifahrer im Auto versage ich da immer noch regelmäßig.

Irgendwann konnte ich dann aber Rad fahren, hatte es raus und irgendwann hatte ich dann auch ein BMX. Um es gleich zu sagen, mit dem, wofür ein BMX eigentlich gedacht war, hatte ich nichts am Hut, ich bin damit ganz normal gefahren und es war absolut cool, diese neue Mobilität nutzen zu können. Weniger cool war, dass ich mir regelmäßig meine Felgen zerstört habe, einmal bei einem Kontakt mit einem LKW, der zum Glück nur ein kaputtes Vorderrad zur Folge hatte, dann bei der Kollision mit einem anderen Radfahrer, welche ebenfalls mein Vorderrad zerstörte, oder auch ganz einfach Stürze, die zu Achten in meinen Felgen führten.

Das war für mich immer ärgerlich, denn wenn etwas an meinem Rad kaputt war, bedeutete das, dass ich längere Zeit auf diese Art von Mobilität verzichten musste, da das Geld fehlte, um sofort wieder Ersatz zu kaufen.

Dennoch ist das Fahrrad bis heute meine liebste Form der Mobilität geblieben, auch wenn ich 2010 – damals noch ohne Fahrradhelm – sehr viel Glück hatte. Auf meinem Weg zur Mathe-Abi-Prüfung holte mich eine Autofahrerin vom Rad, nachdem sie mir die Vorfahrt genommen hatte. Geschockt waren wir beide, wobei ich eher ziemlich verärgert war, weil ich es eilig hatte, weil ich zu meiner Abi-Prüfung wollte, aber die Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Das Rad, welches damals zu Schrott ging, hatte mir mein Laufpartner Bernd geschenkt und ich liebte das Fahrrad und würde damit wahrscheinlich heute noch durch die Gegend fahren, wenn der Unfall nicht gewesen wäre.

Mein jetziges Fahrrad fand dann 2014 den Weg zu mir. Dieses wurde mir von meiner Oma gesponsert und wurde von Bernd und mir ausgesucht. Inzwischen fahre ich damit seit sechs Jahren unfallfrei durch die Stadt, immer mit Helm, immer mit sehr viel Vorsicht und mit einer ziemlich defensiven Fahrweise. Vorher war ich eigentlich auch schon ein vorsichtiger Fahrer, hatte aber Vertrauen in die anderen Verkehrsteilnehmer und ging deswegen auch davon aus, dass mir niemand die Vorfahrt nehmen würde, was sich nach dem Unfall 2010 aber deutlich geändert hat.

Im ersten Jahr nach dem Unfall bin ich dann gar kein Rad gefahren, ich hatte tatsächlich erst einmal die Schnauze voll, doch dann kam die Sehnsucht und mit der Sehnsucht kam Nextbike. Mit Nextbike habe ich dann wieder größere Touren gemacht, die größte Tour war dabei natürlich die Tour nach Mecklenburg-Vorpommern, die mir Nextbike damals ermöglicht hat.

Inzwischen habe ich auch einen Fahrradanhänger und ganz ehrlich, mehr braucht es in einer Großstadt wie Berlin gar nicht! Selbst auf dem Land könnte ich mir vorstellen, mit einem Rad – vielleicht mit einem Lastenrad – gut ausgerüstet zu sein, wobei es da natürlich darauf ankommt, wieweit die nächste Einkaufsmöglichkeit entfernt ist.

Das Fahrrad gehört also so ziemlich zu meinem Leben dazu! Ein eigenes Auto hatte ich bisher nicht. Wenn ich denn doch einmal ein Auto brauche, nutze ich Carsharing-Angebote und bin da dann immer schon gestresst, wenn ich 30 Minuten brauche, um einen Parkplatz zu finden. Autos sind einfach nicht meine Welt, sind nicht meine Form der Fortbewegung und solange ich mit dem Fahrrad fahren kann, wird es immer das Verkehrsmittel meiner Wahl sein.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.