22.07.2026: Bloggen und KI – Jetzt schreib auch ich was dazu …

Nachdem jetzt zum x-ten Mal in den letzten 24 Monaten durch meinen Feedreader das Thema rauscht, ob KI in Blogartikeln genutzt werden sollte oder nicht, sich Blogger*Innen über Blogger*Innen aufregen, die keine KI-Artikel lesen wollen oder die eben doch KI-Artikel lesen wollen, muss ich hier jetzt doch auch mal was dazu schreiben. Ich wollte es nicht, habe mich darüber eher immer im Fediverse amüsiert, sehe mich jetzt aber aus Notwehr dazu gezwungen, meine Gedanken dazu jetzt auch einmal mit dem Füller auf Papier und dann mit der Tastatur in den Blog zu bringen.

Natürlich hat mich keiner dazu gezwungen, diese Blogartikel zu lesen, aber es ist auf der anderen Seite eben auch schwierig, diesen Blogartikeln zu entkommen und es besteht auch immer noch die Hoffnung durch die Handlung des Lesens dieser Beiträge, doch noch einen neuen, spannenden Aspekt zu entdecken. Im Grunde geht es aber immer nur um Blogger A, der seine Blogartikel durch die KI jagt, um den Lesefluss des Textes für seine Leser*Innen zu verbessern, indem die Struktur des Textes verändert, oder eine Zusammenfassung generiert wird. Es geht um Blogger B, der diese Texte nicht lesen will, weil ihm*ihr die Individualität des Textes verloren geht. Dann kommt Blogger C, der sich über Blogger B aufregt, weil dieser in anderen Kontexten ja selbst KI verwendet und jetzt komme ich und schreibe auch noch was zu dem Thema und vielleicht kommt dann noch Blogger E und regt sich über das auf, was ich schreibe, vielleicht ist es auch Blogger A oder B oder C. Ich schreibe, weil ich dann doch langsam genervt bin, seit Monaten immer wieder dasselbe Thema in den Feed zu bekommen und das halt auch fast immer von denselben Blogger*Innen.

Versteht mich nicht falsch, ich fand die Debatte am Anfang spannend und auch durchaus wichtig, weil KI ein Thema ist, über welches wir als Gesellschaft diskutieren müssen. Ein Thema, wo wir über viele Aspekte reden müssen. Über mögliche Utopien, die durch die KI erreicht werden könnten, aber auch über Dystopien, die durch die KI entstehen könnten. Wenn dann aber die einzige Dystopie, über die geschrieben wird, die Möglichkeit ist, dass die Blogartikel beliebig werden, weil sie ihre Individualität durch die KI verlieren, dann wird es irgendwann albern und langweilig.

Ich bin ehrlich, ich bin auch von bestimmten Aspekten genervt, die der derzeitige KI-Hype mit sich bringt. Mich nervt zum Beispiel der Aspekt, dass die Speicherpreise in den letzten Monaten explodiert sind. Der 32 GB RAM-Riegel, den ich vor zwei Jahren noch für 60,- Euro bezogen habe, kostet inzwischen schon über 100,- Euro, wodurch der zweite RAM-Riegel, den ich mir kaufen wollte, noch immer nicht in meinem Besitz und somit auch noch nicht in meinem Laptop eingebaut ist. Auch kann ich derzeit eine Festplatte nicht tauschen, obwohl dies dringend nötig wäre, weil die SMART-Werte der Festplatte auf einen baldigen Ausfall hindeuten, weil ich mir die neue Festplatte derzeit nicht leisten kann. Im schlimmsten Fall ist mein Fediverse-Server dann bald offline, weil der KI-Hype mir die Möglichkeit nimmt, mir eine Festplatte zu einem vernünftigen Preis zu kaufen.

Nervt mich total, aber ich weiß auf der anderen Seite eben auch, dass wir Menschen neugierig sind, dass wir austesten müssen, was wir erreichen können und dazu gehört eben auch die Entwicklung der KI, die mir derzeit mein Leben schwerer macht, die derzeit viel zu viele Ressourcen verbraucht, zu viel Energie, zu viel Speicher, zu viel Wasser. Alles Aspekte, die einem zu einem absoluten KI-Gegner werden lassen könnten, wenn dann noch der Aspekt des Klimawandels ins Spiel kommt und die Einsicht, dass wir viele der Ressourcen eigentlich nicht verbrauchen sollten. Ich bin es nicht, ich nutze sie ab und an sogar selbst, zwar nicht in meinen Texten – dafür nutze ich mein Gehirn – aber in anderen Kontexten. Wenn ich zum Beispiel eine fehlerhafte Konfiguration auf dem Server habe, kann die Lösungssuche ohne KI schon mal ein paar Stunden dauern, mit KI dann halt nur 20 Minuten. Ob eine stundenlange Lösungssuche in Foren und Blogs dann Ressourcenschonender ist, als die kurze KI-Anfrage, weiß ich nicht, aber die KI-Anfrage ist in dem Moment entspannter und lässt mir mehr Zeit, die Lösung dann auch wirklich sauber umzusetzen.

Und wenn wir beim Thema Energie sind, dann frage ich mich tatsächlich auch immer, ob wir da nicht auch ein wenig Ambivalent in unserem Handeln sind. Ist ein Rechenzentrum voll mit Fediverse-Servern wirklich das bessere Rechenzentrum, oder müssten wir – wenn wir den Energieverbrauch von KI-Rechenzentren so kritisch betrachten – nicht auch den Energieverbrauch von unseren Blogs, Mastodon-Servern und all den anderen Fediverse-Diensten genauso kritisch betrachten? Dann bin ich auch wieder bei den Utopien, die uns die KI bescheren könnte, wenn sie zum Beispiel das super Material für Solarpaneele findet, mit dem der Wirkungsgrad auf 80 Prozent gebracht wird und die Solarzelle auch in Hitzeperioden noch funktioniert, zusammen mit Batterien, die das Netz ausfallsicher machen. Natürlich auch immer mit der Dystopie gekoppelt, dass wir es mit der KI übertreiben und uns die KI dann irgendwann abschafft, weil wir halt viel zu viele Ressourcen verbrauchen.

Aber ich schweife schon wieder ab, ich wollte ja über das Bloggen mit KI-Unterstützung schreiben. Vielleicht brauchte ich diesen kurzen Umweg, um zu zeigen, dass die KI nicht nur Schwarz oder Weiß ist, nicht nur Absorption oder Reflexion, sondern es ganz viele Farben gibt, wie bei so vielen anderen Themen halt auch. Nun aber zurück zum eigentlichen Thema.

Ich selbst schreibe nicht mit KI. Für mich ist das Schreiben ein bewusster Prozess, um meine Gedanken zu sortieren, um Ideen zu formulieren, um Struktur zu erzeugen. Aber das, was für andere die KI ist, sind für mich die Bücher über das Schreiben, die Blogartikel von Schreibcoachs, die Videos und Podcasts mit Tipps und Inspirationen zum Schreiben. Auch ich nutze Input von Außen, um meinen eigenen Schreibstil zu finden, um ihn zu verbessern, um kreativere Texte zu schreiben. Auch hier besteht die Gefahr, dass die Individualität verloren geht, wenn ich Schreibcoachs einfach nur kopieren würde. Wie würde das Internet aussehen, wie würden sich Bücher anfühlen, wenn wirklich alle nur noch kurze und klare Sätze verwenden würden? Wie beliebig wären Texte, wenn wirklich jeder auf Füllwörter verzichtet, wenn plötzlich keine Schachtelsätze mehr existieren würden, über die Leser*Innen stolpern könnten?

KI kann ebenso ein Werkzeug sein, um seinen eigenen Stil zu finden. KI kann dazu beitragen, den Spaß an der Sprache zu entdecken, die Lust darauf, mit Sprache zu spielen. Natürlich nur dann, wenn Texte, die die KI ausgibt, nicht einfach nur kopiert werden. Der Mensch, der die KI nutzt, muss sich mit diesem Output beschäftigen, muss mutig sein und notfalls auch alles verwerfen, was die KI vorschlägt, wenn dadurch die eigene Kreativität am Schreibprozess verloren geht. Vielleicht kommt dann auch dieser Aha-Moment, wo auffällt, dass die eigenen Texte ruckeln dürfen, dass sie Stolpersteine enthalten dürfen und nicht alles bedenken müssen. Dass das die besseren Texte sind, und die KI eben nur Texte nach Wahrscheinlichkeiten zusammenwürfelt.

Ich jedenfalls mag Texte, die Individualität ausstrahlen und bin selbst ab und an schon von den Gliederungen genervt, die inzwischen vor vielen Blogartikeln auftauchen und die das spontane Entdecken des Artikels unmöglich machen, weil das Drehbuch schon in der Gliederung steht und Artikel dadurch nicht mehr Überraschen können. Das kann auch durch die KI passieren, aber ich würde nicht pauschal behaupten, dass jeglicher KI-Einsatz zwangsläufig diese Individualität zerstört.

Deswegen erkläre ich mir die strikte Ablehnung von KI in Blogartikel tatsächlich auch anders. Meine These ist, dass dies für Menschen, die im Schreiben ihre Berufung gefunden haben, eine Sinnfrage ist. Wenn plötzlich jede*r, der ein paar Stichpunkte in ein Eingabefeld eingibt, einen einigermaßen gut lesbaren Text erhält, dann droht das kreative Schreiben in die Beliebigkeit abzurutschen. Gegen diese Beliebigkeit muss sich abgegrenzt werden, um die Bedeutung des eigenen Schreibens zu erhalten.

Persönlich sehe ich diese Gefahr (noch) nicht, weil reine KI-Texte nie die Tiefe erreichen können, die ein Text von Menschen erreicht, die mit ihrem eigenen Erfahrungshorizont, mit ihren Erinnerungen und ihren neuronalen Vernetzungen ihre Texte erschaffen.

Und ja, vielleicht würde KI diesem Text hier eine bessere Struktur geben, ihn lesbarer machen, aber das wäre dann halt nicht meine Struktur, nicht mein Aufräumen im Chaos meiner Gedankenwelt.

Alle verlinkten Artikel sind wahllos raus gegriffen aus meinem Feedreader und könnten durch andere Links ersetzt werden, da das Thema schon seit Monaten durch meinen Feed flattert.

Wer schreibt hier? Sven Buchien

Ich bin Sven. Geboren 1982 in Ost-Berlin, seither ziemlicher Einzelgänger, der sich für alle möglichen Dinge interessiert und deswegen vieles nie zu einem Ende bringt. Mensch mit Abitur, der mal was Studieren wollte, aber das auch nicht beendet hat. Davor hat er aber zumindest die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel - Fachrichtung Großhandel erfolgreich beendet. Selbstständig. Ständig fragend in das Aquarium Welt schauend. Blogger. Dieser Blog hat nichts mit Aquarien zu tun! Er ist ein Aquarium voll mit meinen Gedanken, Geschichten, Erlebnissen und noch viel mehr. Eine bunte Welt, die ihr anschauen könnt, in die ihr eintauchen und diskutieren könnt, die ihr mit Kommentaren und Gedanken erweitern und bunter machen könnt. Es ist meine Welt, in der Gedanken fließend sind, dass Wasser, die Grundlage für das Leben, die Artikel, die die Fische in diesem Aquarium sind. Der Blog könnte auch Zettelkasten, Mülleimer oder Gedankenablage heißen, aber das Aquarium war es, was am besten passte und am besten passt. Eine kleine, eigene Welt, meine Gedanken- und Erlebniswelt, die durch das Glas drumherum für alle Sichtbar wird, die aber eben doch begrenzt ist durch mich, durch meine Erlebnisse, mein Wissen, offen aber für andere Gedanken, die diese Welt erweitern. In diesem persönlichen Blog teilt Sven Buchien regelmäßig Essays, Erfahrungsberichte und Notizen zu Themen wie IT, Gesellschaft und dem Alltag in Berlin.

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