19 Mai 2020

Dieses Jahr wird wohl doch nicht fabelhaft …

Herbst

Am Anfang des Jahres schrieb ich ja, dass das Jahr fabelhaft werden würde. Damals wusste ich noch nicht, dass da ein Virus auf uns zukommt, der erst einmal alles zum Stillstand bringt und so viele Menschen auf eine harte Probe stellen würde. Soziale Kontakte, Arbeit, Einkommen – plötzlich war alles irgendwie bedroht und doch bin ich der Meinung, dass wir das Jahr immer noch nutzen könnten, es immer noch fabelhaft werden könnte, wenn wir an den positiven Punkten anknüpfen und wir unsere Gesellschaft in die richtige Richtung weiter entwickeln.

Schule

Damals schrieb ich, dass die Schule in diesem Jahr endlich zu einem demokratischen Ort weiterentwickelt werden könnte. Ich ging natürlich von der Klimabewegung aus, die diese Entwicklung hätte vorantreiben können. Aber durch das Virus ergeben sich natürlich neue Denkmöglichkeiten. Schule als demokratischer Ort, wo Lehrende und Lernende gleichberechtigt sind, sie demokratische Werkzeuge erlernen und nutzen und so die autoritäre Institution Schule zu einer demokratischen Institution wandeln. Natürlich sind wir weit weg davon. Vielmehr sehen wir weiterhin die autoritären Bemühungen des Staates, der die Schüler möglichst schnell wieder in die autoritären Strukturen bringen will und genau hier wäre jetzt ein Zeitfenster, in welchem sich die Schüler ein Mitspracherecht erkämpfen könnten. Da haben konservative Politiker natürlich etwas dagegen, immerhin lief das schon immer so und warum sollte sich daran etwas ändern? Aber es spricht halt viel dafür, endlich etwas an diesen alten Strukturen zu verändern.

Schulpflicht zum Beispiel! Bei der Einführung war diese durchaus sinnvoll, sollten die Kinder doch aus der Arbeit geholt und in die Schule gebracht werden. Inzwischen sollten wir aber in einer Gesellschaft leben, in der diese Pflicht durch ein Recht auf Schule ersetzt werden könnte. Viel besser wäre sogar noch ein Recht auf Lernen und das in einer demokratischen Institution Schule. Schule sollte ein Ort sein, an dem wirklich alle Kinder und Jugendliche eine Chance haben, auch die, die nicht der Norm entsprechen, die das heutige Schulsystem verlangt. Schule sollte auch der Ort sein, wo all die Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft nicht nur erlernt, sondern auch gelebt werden. Schule als Ort, an dem Ideen für unsere Zukunft entstehen, die dann auch von der Politik ernst genommen werden müssen. Schulen als Hotspot der Demokratie.

Ja, das ist jetzt schon der hundertste Artikel zu dem Thema von mir, aber ich sehe leider keine Diskussion zu diesem Thema, als ob der Ort Schule wirklich für immer der autoritäre Ort sein muss, an dem vielen Kindern und Jugendlichen der Spaß am Lernen verloren geht.

Die Grenzen

Okay, die Grenzen sind derzeit dicht! Genau das Gegenteil von dem, was ich mir im damaligen Artikel gewünscht habe. Ich kann da jetzt auch erst einmal nicht viel Positives sehen, außer, dass die AfD jetzt einmal gesehen hat, wie das mit geschlossenen Grenzen so ist, weswegen sie jetzt in Mecklenburg ja auch Grenzöffnungen gefordert hat. Ob das aber langfristige Folgen hat und die AfD-Wähler jetzt einmal darüber nachdenken, was sie da eigentlich wählen, wage ich zu bezweifeln.

Dafür haben wir aber am Anfang der Krise gesehen, dass das mit der Solidarität schon irgendwie klappen könnte. Da war soviel Elan, soviel „Wir-schaffen-das“, was schon ein positives Signal ist. Die Politik selbst hat dieses Gefühl nie wirklich vermittelt. Sie hat ein wenig versucht die Wirtschaft zu retten, halbherzig, mit falschen Signalen, aber die ärmeren Menschen in unserer Gesellschaft hat sie bis jetzt im Stich gelassen.

Fazit

Okay, es wird mit großer Wahrscheinlichkeit kein fabelhaftes Jahr. Nicht nur, weil dieser Virus derzeit so viele Einschränkungen mit sich bringt, sondern auch, weil wir die positiven Möglichkeiten, die durch dieses Virus eröffnet wurden, nicht nutzen werden. Jetzt hätten wir die Stellschrauben in Richtung Klimaschutz drehen können, jetzt hätten wir die Wirtschaft und die Gesellschaft in genau diese Richtung drehen können, doch die Politik spricht lieber von der nächsten Kaufprämie für Autos. Und die Wähler? Die belohnen es, indem sie wieder mehr zu den autoritären konservativen Parteien umschwenken.

18 Mai 2020

18.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Leute, Leute, Leute! Da schaue ich mir ein Video an, wo ein paar Menschen von diesen Anti-Corona-Regeln-Demos an und muss gleich eine Frau sehen, die da total zusammenbricht, weil sie ihre Eltern und Großeltern nicht mehr sehen darf und sie Angst hat, dass diese ihre Enkel nicht mehr aufwachsen sehen können. Irgendwie ist das genau die Situation, die ich erwartet habe! Menschen, die mit der sozialen Isolation nicht klarkommen und deswegen geistig zusammenbrechen. Sicher gilt das nicht für all diese Verschwörungstheoretiker, aber in diesem Fall wird schon deutlich, dass diese Frau Unterstützung von einem Psychiater oder einer Psychiaterin braucht. Ich glaube, dass da einige dabei sind, die einfach mit der sozialen Isolation nicht klarkommen. Darüber hat sich die Politik leider keine Gedanken gemacht, macht sie sich wahrscheinlich immer noch nicht, aber so haben natürlich komische Menschen mit komischen Ansichten die Chance, ihre kruden Gedanken unter das Volk zu bringen. Ist schon irgendwie unheimlich!

Ich hoffe, dass es euch soweit gut geht und ihr die schwere Situation übersteht, ohne dabei all zu große psychische Schäden davon zu tragen. Hoffentlich habt ihr genügend Menschen, mit denen ihr reden könnt, wenn auch nur über Videotelefonie oder auch nur mit normaler Telefonie. Aber auch für alle anderen muss die Politik schnell Lösungen finden, damit sie die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Beruflich

Letzte Woche war ich ja noch positiv gestimmt, habe mich auf neue Projekte gefreut, doch das hat sich dann letzten Montag auch gleich wieder gelegt. Ich war am Ende des Tages dann ziemlich genervt, auch weil ich nicht verstanden habe, was der Auftraggeber mit einem bestimmten Konzept erreichen will. Ich habe es bis heute noch nicht verstanden, aber okay, so ist es dann halt auch manchmal. In bestimmten Konstellationen bist du dann halt fehl am Platz, weil du keinen Plan hast, wie du dem Kunden konkret helfen sollst, da du das Konzept nicht wirklich verstehst. Dafür ergibt sich vielleicht bald ein neues Projekt in ähnliche Richtung bei einem neuen Auftraggeber. Bin gespannt, gehe diesmal aber nicht mit ganz so viel Optimismus in die ganze Sache, weil es halt nur wieder enttäuscht werden kann.

Körper und Geist

Sportlich war die Woche wieder einmal enttäuschend. Ich bin ein wenig Fahrrad gefahren, habe mich aber nur zu knapp 3 Kilometern joggen überwinden können. Kann nur besser werden, hoffe ich zumindest.

Dafür habe ich endlich ein Buch zu Ende gelesen. Die Buchbesprechung folgt dann hoffentlich in den nächsten Tagen. Allerdings nicht hier, sondern auf meinem Literaturblog – eventuell sollte ich die irgendwann Mal zusammenlegen und nur noch einen Blog führen, aber auf der anderen Seite ist das auch wieder cool, dass die beiden Blogs getrennt sind.

11 Mai 2020

11.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Ist schon wieder eine Woche vorbei? Wo ist die hin? Nein, ehrlich, wo ist die Woche hin? Okay, vielleicht ist es schon ganz gut, dass die Zeit derzeit fliegt, vielleicht bekomme ich dadurch gar nicht alles mit, worüber ich mich dann eh nur aufregen würde. Warum zum Beispiel alle Schüler*Innen bis zu den Sommerferien noch einmal in der Schule gewesen sein sollen, erschließt sich mir nicht. Wenn sich Deutschland nicht in der Digitalsteinzeit befinden würde, wäre digitales Lernen nicht so ein Stückwerk wie jetzt, sondern eine wirkliche Alternative. Ja, dann müsste auch endlich allen Schüler*Innen ein eigenes Endgerät zur Verfügung stehen, am besten mit mobilem Internet, aber das wurde ja bisher erfolgreich verdrängt.

Meiner Meinung nach ist Schule als Ort für Frontalunterricht gar nicht so wichtig, wichtiger ist Schule als Lernort, als Ort für soziale Kontakte und sozialen Austausch. Schule als demokratische Institution, in der jeder Schüler, jede Schülerin und alle dazwischen Mitentscheiden können, wie das Lernen stattfindet. Ein Ort, der die Neugier an Neuem erhält und so auch den Spaß am Lernen. Ein solcher Ort kann dann auch eine Zeitlang verlagert werden, wenn es die Situation erfordert, weil jeder Lernende auch wirklich selbstständig Lernen kann, auch zu Hause, auch mit viel Motivation, weil das Lernen Spaß macht, die Neugierde noch vorhanden ist. Aber okay, solange die Wirtschaft im Mittelpunkt steht und sie die Schule als autoritäre Institution braucht, um die Menschen an das derzeitige System zu gewöhnen, wird sich wohl nicht viel ändern. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte hier eine Wende bringen, hätte jetzt in dieser Krise dazu beitragen können, die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen, weil die Menschen keine Angst um ihre Existenz haben müssten. Jetzt haben wir halt Menschen, die sich auf Demos gegen diese Maßnahmen treffen und dort den Virus fleißig verteilen. Aber so läuft das halt in unserem System, welches als Mittelpunkt die Wirtschaft und das Kapital hat und eben nicht den Menschen.

Beruflich

Es gibt immer Mal wieder ein wenig was zu tun. Es freut mich, weil einige Auftraggeber sich doch irgendwie durch die Krise retten können. Das ist natürlich auch deswegen schön, weil es teilweise nicht nur Auftraggeber sind, sondern auch Freunde. Und natürlich eröffnet das auch für einen selbst Perspektiven, weil es nach der Krise nicht bei null beginnt, sondern schon ein kleines Fundament da ist, auf dem wieder etwas aufgebaut werden kann.

Und auch die Projekte, die jetzt durch die Krise erst entstehen, machen Mut. Ob sie am Ende auch wirklich ein Erfolg werden, wird sich zeigen müssen, aber machen ist wohl besser als nichts machen und deswegen machen wir jetzt halt ein wenig was.

Körper und Geist

Ich habe wieder ein wenig mehr gelesen in der letzten Woche! Dazu konnte ich mich tatsächlich motivieren. Ich meine damit natürlich nicht die Artikel im Internet, die ich sowieso täglich konsumiere, sondern tatsächlich Bücher, bzw. ein Buch. Ich bin da eh ziemlich langsam geworden, brauche für ein Buch viel zu viel Zeit, aber lieber länger an einem Buch lesen als gar nicht lesen, oder?

Sport habe ich nicht wirklich gemacht. War zwar schönes Wetter in der letzten Woche, aber die Motivation ist immer noch nicht gegeben. Wird sicher wieder besser, aber ich bin derzeit auch nicht in der Stimmung, mich dazu zu zwingen – dasselbe gilt übrigens für das Schreiben von Blogartikeln. Themen hätte ich einige, Gedanken genauso, die sortiert werden wollen, aber die Motivation, diese Gedanken dann auch festzuhalten, fehlt halt derzeit.

4 Mai 2020

04.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Während ich noch überlege, warum der Verband der Nordrhein-Westfälischen Omnibusunternehmen am 15. Mai den Staat übernehmen möchte, wir eine Impfung brauchen, um gechippt zu werden, wo es doch beim Zahnarzt viel einfacher gehen würde und ich noch teste, ob ich jetzt an einer CO2-Vergiftung sterben werde, weil ich eine Maske trage, klaue ich einfach Mal das Stöckchen von runomatic, der sich die Idee dazu vom Harlerunner geklaut hat. Ich werde aber wahrscheinlich kein Stöckchen daraus machen, sondern die Chance nutzen, um meinen regelmäßigen Rückblick wieder ins Leben zu rufen. Ist dann jetzt schon der x-te Versuch, aber ich glaube, dass das diesmal durchaus gelingen wird.

Gegenwart

Klar, ich bin durch die derzeitige Krise auch betroffen. Ich muss zum Beispiel eine Maske tragen! Letzten Mittwoch war Premiere und ich habe es bereits nach fünf Minuten gehasst. Eine CO2-Vergiftung befürchte ich nicht, bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich den Effekt hat, den es haben soll. Jedenfalls nicht, wenn die Leute weiterhin die Masken außerhalb der Pflichtbereiche unterm Kinn tragen oder sie nur über den Mund, nicht aber über die Nase ziehen. Aber egal, solange sich andere Menschen dadurch besser fühlen, trage auch ich die Maske in der Kaufhalle und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, hoffe aber, dass die anderen dann auch endlich den Abstand einhalten und nicht mit mir kuscheln …

Ansonsten fühle ich mich jetzt gar nicht so eingeengt, was aber daran liegt, dass ich auch vorher kaum unterwegs war. Der Gang ins Café fehlt ein wenig, aber irgendwann wird das wieder möglich sein, und dann wird auch wieder Auswärts der Cappuccino getrunken. Es ist schon ein kleines Ritual, bei dem ich auch immer ein Buch dabei habe und darin lese, was derzeit ebenfalls fehlt und dazu führt, dass ich tatsächlich weniger lese. Aber auch das wird wieder, auch wenn es noch ein wenig dauern wird.

Beruflich

Da trifft mich der Virus schon ein wenig härter. Eigentlich lief es dieses Jahr wieder super, es kamen langsam mehr und mehr Auftraggeber*innen hinzu und dann kam der Virus und vieles war wieder weg. Im Mai muss es jetzt unbedingt wieder mehr werden, sonst wird es ab dem nächsten Monat sehr unbequem für mich, also finanziell, und da ich auch immer noch Student bin – so schnell wird sich das nicht ändern 😉 – habe ich auch nicht die Möglichkeit Hartz4 zu beantragen. Es muss also jetzt im Mai wieder nach oben gehen, ansonsten weiß ich auch nicht mehr.

Körper und Geist

Oje, wir sollten eventuell nicht darüber reden, dass ich während der letzten sechs Wochen knapp 10 Kilogramm zugenommen habe. Eventuell verschweige ich auch, dass ich dieses Jahr erst 110 Kilometer gelaufen bin. Dafür habe ich dieses Jahr aber schon eine kleinere Radtour gemacht, was ja in den letzten zwei Jahren nicht der Fall war. Hat Spaß gemacht und war aber auch sehr anstrengend, weil die Wege echt sehr sandig waren. Aber geschafft ist geschafft, schweigen wir einfach über den Muskelkater danach, okay?

Geistig nutze ich die Zeit, um mein Wissen weiter auszubauen. Ich habe mir ein paar Kurse bei Udemy gekauft und beschäftige mich derzeit mit einem Kurs zu Computer-Netzwerken. So ein wenig Vertiefung kann da nicht schaden und für meine Dienstleistungen ist das auf jeden Fall ein Gewinn, weil ich danach noch mehr von dem erklären kann, was ich derzeit einfach so mache. Und eigentlich ist der Kurs auch eine Vorbereitung auf das CompTIA-Network+-Zertifikat, aber die Zertifikate kann ich mir am Ende leider nie leisten, aber okay, damit muss ich halt schon mein ganzes Leben lang leben. Ist halt so.

22 April 2020

Egoistisch oder demokratisch?

Wer vor Gericht geht, um dort prüfen zu lassen, ob die Einschränkung seiner Grundrechte verhältnismäßig ist, ist nicht egoistisch! Diesen Satz will ich jetzt schon längere Zeit loswerden, schon deswegen, weil er eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es ist nicht Egoistisch Ausgangsbeschränkungen überprüfen zu lassen, es ist wichtig für eine Demokratie, dass dies möglich ist und dass jederzeit die Entscheidungen von Politikern überprüft werden können. Nur so können wir verhindern, dass solch eine Krise dazu genutzt wird, die Demokratie und die Freiheitsrechte zu beschränken.

Aber Demokratie scheint eh nur etwas für fröhliche und glückliche Zeiten zu sein, denn wenn ich mich so an Diskussionen und Tweets der letzten Wochen erinnere, scheint in solchen Krisen, wie wir sie jetzt haben, die Flucht zu Autoritäten die bequemere Option zu sein. Wenn Politiker nicht mehr als Autorität taugen, dann werden halt Wissenschaftler zu solchen Autoritäten erklärt. Unterschiedliche Meinungen sind dann nicht mehr zulässig, unterschiedliche Einschätzungen einfach nur problematisch und alles, was nicht ins Weltbild der eigenen Autorität passt, ist gleich eine Verschwörungstheorie und kann mit einer schönen Grafik, die schnell am eigenen Computer erstellt wird, widerlegt werden. Eigene Auswege aufzeigen, sich Gedanken machen, sich mit den Schattenseiten der jetzigen Einschränkungen auseinandersetzen, ist nicht notwendig, die Wissenschaft wird schon die Lösung präsentieren.

Eine demokratische Gesellschaft braucht die Wissenschaft, um Entscheidungen treffen zu können. Sie braucht aber keine Autoritäten, sondern sie braucht Wissen, sie braucht Einschätzungen und Entscheidungshilfen, um dann die richtigen und ausgewogenen Maßnahmen zu treffen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass solche Entscheidungsprozesse sogar zu einer sehr viel größeren Akzeptanz solcher Maßnahmen in der Bevölkerung führen und dass diese dann auch länger durchhaltbar sind, eben weil jeder einzelne Mensch in eine solche Entscheidungsfindung eingebunden ist und eben alle Aspekte betrachtet werden.

Wenn ich mir die sozialen Medien so ansehe, habe ich das Gefühl, dass viele sich überhaupt nicht die Mühe machen, sich mit anderen Aspekten zu beschäftigen. Da wird die Ausweitung der Kontaktsperren gefordert, ohne zu beachten, dass diese auch für viele Menschen mit negativen Folgen verbunden sind. Es wird vergessen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, dass diese sozialen Kontakte für viele sehr wichtig sind, um psychisch Gesund zu bleiben. Wer eine gute soziale Beziehung führt, wer die physische Isolation mit einem anderen Menschen oder der eigenen Familie durchstehen kann, mag dies nicht verstehen, aber er muss zumindest versuchen sich einzufühlen, muss versuchen die vielen Schattierungen und die vielen Farben zu sehen und das Schwarz-Weiß-Denken ablegen. In dieser Krise geht es eben nicht nur darum, dass wir die Leben der Menschen in der Risikogruppe retten, sondern es geht auch darum das Leben der Menschen zu retten, die durch diese Krise und die unbekannte Isolation in Depressionen verfallen, oder die schon vorher in einer waren und diese nur durch physische Kontakte durchgestanden haben.

Es gibt Menschen, die sind mit den besten Absichten in diese Phase gegangen. Menschen, die sich an die Regeln halten wollen, die aber an eine psychische Grenze kommen, die einfach wieder physischen Kontakt zu anderen Menschen brauchen, weil sie sonst durchdrehen. Die sind nicht egoistisch, die haben es einfach nicht gelernt, solange Distanz zu halten. Oder ist es egoistisch nicht Lesen zu können, weil es nie eine Möglichkeit gab, Lesen zu lernen?

Die Krise zeigt mir, dass wir als Gesellschaft noch viele Dinge lernen müssen. Wir müssen autokratische Denkweisen überwinden, müssen demokratische Denkweisen etablieren, müssen Institutionen demokratisieren und wir müssen noch etwas machen: Wir müssen die Überlebensgrundlage der Menschen unabhängig von der Wirtschaft machen. Die Menschen müssen selbst entscheiden können, ob die Arbeit, die sie machen, in einer solchen Krise notwendig ist oder nicht. Sie müssen in der Lage sein, dieser Entscheidung dann auch Taten folgen zu lassen, indem sie die Arbeit einstellen, ohne in Existenznot zu geraten. Dies wird nur gelingen, wenn das Einkommen unabhängig von der Erwerbstätigkeit ist. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird eine Grundvoraussetzung sein, um unsere immer noch autoritäre Gesellschaft in eine demokratische Gesellschaft zu verwandeln.

Ein weiteres Beispiel sind die Schulen. In einer demokratischen Gesellschaft sollten auch Schulen Orte der Demokratie sein. Schüler*Innen brauchen Mitspracherechte, sie müssen Mitentscheiden dürfen, wie es in einer solchen Krise weitergehen kann. Wie soll eine Gesellschaft zu einer demokratischen Gesellschaft werden, wenn die Kinder und Jugendlichen auf Autoritäten getrimmt werden? Es kann so nicht gelingen, weshalb hier ein grundlegender Hebel zu sehen ist, um unsere Gesellschaft zu transformieren.

25 März 2020

Jetzt werdet Mal wieder normal!

Leute, so langsam bin ich ja genervt. Ich dachte wirklich, dass sich die Hamsterkäufe irgendwann erledigt haben und die Regale in den Kaufhallen langsam wieder voller werden. Anscheinend aber habe ich mich geirrt und die Hamsterer haben sich irgendwo Lagerplätze angemietet und füllen diese weiterhin mit allem, was sie in die Hände bekommen können. Es ist für mich nicht verständlich, schließlich befinden wir uns in keinem Krieg. Die Infrastruktur zur Herstellung der Produkte wird nicht zerstört, die Produktion kann weitergehen, geht sogar weiter und wird für Produkte des Grundbedarfs wahrscheinlich auch nicht eingeschränkt. Auch die Nahrungsmittelproduktion geht weiter, die Kühe geben tatsächlich weiter Milch, auch wenn der Virus unterwegs ist, die Produktion von Klopapier, Mehl und Co geht weiter, auch wenn der Virus an die Tür klopft. Es gibt keinen Grund zu hamstern! Es sei denn, ihr wollt euch jetzt die nächsten sechs Monate in eure Wohnung einschließen und diese nicht mehr verlassen. Doch auch damit solltet ihr ja irgendwann fertig sein, denn wenn ihr euch erst einschließt, wenn die Krise vorbei ist, bringt euch das nicht wirklich was.

An dieser Stelle muss ich jetzt einmal etwas zynisch werden und ich bitte alle, es nicht falsch zu verstehen. Ich möchte, dass möglichst jeder Gesund aus dieser Pandemie herausgeht, aber selbst wenn wir den Super-GAU annehmen, werden auch nach der Pandemie noch 90 Prozent der Bevölkerung ihrem Alltag nachgehen, werden ihre Arbeit erledigen, Lebensmittel herstellen, Waren für den Grundbedarf produzieren und sich wieder dem sozialen Leben hingeben. Es hört sich eventuell böse an, aber wenn sich die Hamsterer dies bitte einmal vor Augen führen, dann merken sie, dass das Hamstern sinnlos ist. Die Welt geht nicht unter, wir werden nicht in einen Nachkriegszustand geraten, werden keine Mangelwirtschaft erleben – es sei denn, es drehen jetzt alle durch!

Okay, ich habe jetzt allen ein paar Wochen Panik zugestanden, aber jetzt könnten wir dann wieder in den Normalmodus beim Einkaufen übergehen. Jeder sollte jetzt wieder so einkaufen, wie er es vor der Krise gemacht hat. Das Leben geht weiter und wenn wir uns alle ein klein wenig solidarisch verhalten, dann auch für viele Menschen aus der Risikogruppe!

Solidarisch bedeutet hierbei übrigens auch, dass sich jetzt keiner auf der Rolltreppe in der Kaufhalle an den anderen vorbeidrängelt. So eilig kann es derzeit wirklich niemand haben! Haltet Abstand, drängelt euch nicht vor, lasst den Menschen ihren Raum. Darum geht es jetzt!

20 März 2020

Alles Corona oder was?

Eigentlich sollte ich gerade andere Dinge tun. Eigentlich wollte ich gar nichts schreiben, aber derzeit nervt mich einiges und es blockiert mich, weil ich dadurch meine Aufträge nicht mit voller Energie abarbeiten kann. Und gerade jetzt ist es für mich wichtig, mich mit voller Energie meinen Aufträgen zu widmen, stehen doch einige davon auf der Kippe, weil die Corona-Krise meine Auftraggeber in Existenznot bringt. Deswegen nerven mich die Nachrichten, die den Panikmodus verschärfen, derzeit richtig böse.

Ja, wir müssen Rücksicht nehmen auf die Risikogruppe, wir müssen alles dafür tun, damit möglichst wenige gleichzeitig krank werden, aber wir sollten daraus keinen Krieg gegen das soziale Wesen Mensch machen!

Wie meine ich das? Nun, dass das mit dem Einschränken der sozialen Kontakte nicht von jetzt auf gleich klappt zum Beispiel. Klar, es gibt Menschen, die bekommen das sofort hin, die haben meist auch schon andere erprobte Wege, um mit anderen Menschen im Kontakt zu bleiben, ohne dabei auf den persönlichen Kontakt angewiesen zu sein. Aber Menschen sind nun einmal individuell, nicht jeder geht mit der Situation gleich um, nicht jeder kann von jetzt auf gleich seinen Modus umstellen. Für einige bricht dadurch jetzt eine wichtige Stütze im Leben weg, ein wichtiger Ankerpunkt. Das braucht Zeit! Aber: Wenn ich derzeit durch Berlin gehe, dann sehe ich leere Straßen und leere Parks. Wenn ich suchen würde, würde ich wahrscheinlich auch Orte finden, an dem ich Fotos mit Menschenansammlungen machen könnte, aber das ist nicht in der ganzen Stadt so.

Die Forderungen nach Ausgangssperren, die ich gefühlt schon gelesen habe, als die jetzigen Maßnahmen noch nicht einmal in Kraft waren, halte ich für übertrieben. Ich halte es sogar für falsch, weil gerade damit noch mehr Panik geschürt wird, die dann zu noch mehr Hamsterkäufen führt und die all die anderen, die nicht zu solchen Hamsterkäufen neigen, ratlos zurücklässt. Und diese Forderung führt auch dazu, dass Menschen jetzt noch schnell die Zeit nutzen, um in der freien Natur unterwegs zu sein und dann kommt es natürlich an beliebten Orten in der Stadt auch dazu, dass dort viele Menschen unterwegs sind.

Panik hilft nicht …

Wir müssen jetzt endlich aus den Panikmodus heraus kommen, müssen endlich einmal begreifen, dass nicht die Menschen, die ihren ganz normalen sozialen Instinkten folgen, an der Problematik Schuld tragen, die wir derzeit erleben. Diese Schuld ist bei Menschen zu suchen, die das Gesundheitssystem zu einem Profitsystem umgebaut haben. Sie liegt dort, wo die medizinische Versorgung so verknappt wurde, dass sie schon in normalen Zeiten an der Überlastungsgrenze arbeitet und es eben gar keine Kapazitäten gibt, die in der Krise noch hochgefahren werden könnten. Sie liegt also bei den Politikern, die jetzt auf die Menschen zeigen, die das Ganze derzeit noch nicht so ernst nehmen.

Und überhaupt: Wie lange sollen diese Maßnahmen denn jetzt greifen? Vier Wochen? Vier Monate? Vielleicht sogar bis ins nächste Jahr hinein, wenn dann endlich ein Impfstoff gefunden ist? Es gibt da auch diese gefährliche Ungewissheit. Ich bin durchaus dafür, eine gewisse Zeit das soziale Leben – und dazu gehört dann aber auch die Wirtschaft – auf ein Minimum zu reduzieren, um notwendige Maßnahmen umsetzen zu können. Nur, diese notwendigen Schritte müssen dann auch erläutert werden und es muss einen Zeitplan geben. In einem idealen Gesundheitssystem wäre dieser Zeitrahmen die Zeit gewesen, die benötigt wird, um die Kapazitäten im Gesundheitssystem zu erhöhen. Da es diese Krisenkapazitäten in unserem Gesundheitssystem aber gar nicht gibt, fällt dieser Zeitrahmen schon einmal weg. Und um es kurz zu erwähnen: Ich hoffe, wir lernen daraus und schaffen dann jetzt in den nächsten Jahren genau diese Kapazitäten, schaffen ein Heer von Hilfskräften für das Gesundheitssystem, welches aktiviert werden kann, sobald es zu solchen Krisen kommt, damit das geschulte Personal dann von bestimmten Arbeiten befreit werden und sich um die Intensivpatienten kümmern kann. Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass noch mehr solcher neuen Krankheiten in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommen.

Soziale Isolation macht krank!

Wir müssen über diesen Zeitrahmen auch deswegen sprechen, weil soziale Isolation den Menschen krank macht. Dieser Punkt darf nicht vergessen werden, auch wenn er derzeit für viele zweitrangig ist. Nicht jeder hat die Möglichkeit mit Skype und Co. den Kontakt zu halten, nicht jeder kennt sich mit der Technik aus oder hat die finanziellen Mittel, um sich überhaupt die notwendigen Geräte anzuschaffen. Und nicht für jeden reicht dieser Ersatz, um das Bedürfnis nach sozialer Nähe zu befriedigen. Diese Krise wird viele Menschen in eine persönliche Krise stürzen, vielleicht sogar in eine Depression! Hier braucht es dann auch Solidarität, hier braucht es dann auch Hilfe, vielleicht braucht es diese auch jetzt schon!

Wir brauchen keine Ausgangssperren, nur weil sich das in den Medien gut anhört. Wir brauchen keine übertriebene Panikmache, sondern wir brauchen eine Politik, die diese Maßnahmen erklärt, die aufklärt, die die Menschen auch mitnimmt. Wir brauchen Vertrauen in die Politik, eine stärkere Bindung der Menschen an demokratische Prozesse. Dann hätten wir jetzt nämlich weder das Problem der übertriebenen Panik in der Bevölkerung noch das Problem der übertriebenen Anteilslosigkeit, welches ja der Gegenpol ist, der mir auch auf die Nerven geht. Wir brauchen übrigens auch keine Politiker, die erst gar nichts tun, um dann im Panikmodus viel zu schnell alle Möglichkeiten ausnutzen, nur damit sie am Ende nicht irgendwie in einem schlechten Licht stehen.

Solidarisch sein, nicht nur jetzt, sondern immer!

Das Ziel ist klar: Wir müssen die Risiken für die Risikogruppen minimieren. Wir müssen alle dazu beitragen, dass diese Menschen die Zeit, die gebraucht wird, um einen Impfstoff zu entwickeln – oder zumindest um wirksame Medikamente zu entwickeln – auch haben. Dass wir von jetzt auf gleich mehr Beatmungsgeräte und mehr Intensivbetten plus Personal haben, ist leider unrealistisch, aber auch hier müssen wir dran bleiben, nicht nur jetzt, sondern auch nach der Krise. Die Solidarität wird auch danach gebraucht, um die Hauptursache für das jetzige Problem zu lösen, denn die Problemlösung kann jetzt nicht immer darin bestehen, dass das soziale Leben eingeschränkt wird. Und es braucht generell mehr Solidarität: mehr Solidarität im Kampf gegen den Klimawandel, mehr im Kampf gegen Ausbeutung, mehr Solidarität für erwerbslose Menschen, für Menschen ohne Obdach und vieles mehr.

Masken für die, die sie brauchen!

Noch mehr regt mich auf, dass derzeit eine Aktion läuft, die die Menschen dazu bringen möchte, jetzt Masken zu tragen. Hatte das Personal im Gesundheitssystem nicht schon Engpässe? Hatten die Menschen, die Masken beruflich brauchen, nicht schon Probleme? Warum wollen wir das jetzt mit so einer Aktion wieder forcieren, wo sich die Lage in dem Bereich jetzt wieder ein wenig entspannt? Klar werden die Fakten richtig sein, die rund um das Maskentragen verbreitet werden, aber hey, genau diese Dinge wollen wir lösen, indem wir Abstand zu anderen Menschen halten. Haltet diesen Abstand, dann braucht es verdammt noch Mal keine Masken! Aber auch hier gilt: wer sich dadurch sicherer fühlt, der soll die Masken gerne tragen, solange diese nicht an einer anderen Stelle fehlen.

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8 Februar 2020

Thüringen: Es ist halt irgendwie alles kompliziert …

Es ist jetzt halt irgendwie alles so kompliziert! Schuld daran trägt die CDU und die FDP, auch wenn beide Parteien versuchen, ihre Schuld jetzt auf die anderen demokratischen Parteien abzuschieben, weil diese doch einfach einen Kandidaten aufgestellt haben, der den beiden Parteien nicht passt. Ja, es geht immer noch um Thüringen und um die Wahl eines Ministerpräsidenten durch FDP, CDU und AfD. Ja, ich sortiere immer noch und es wird in meinem Kopf immer schlimmer, immer mehr Dinge, die die FDP und die CDU mit ihrer Wahlentscheidung angestoßen haben.

In den sozialen Medien feiern die Rechten und Rechtsextremen gerade die Reaktion auf diese Wahl, denn all das, was jetzt passiert, können diese für ihre Propaganda ausschlachten. Das nicht akzeptieren einer demokratischen Wahl, denn am Ende war die Wahl des FDP-Kandidaten ja durchaus eben eine solche demokratische Entscheidung, eine Entscheidung, die Regelkonform zustande kam, ist ein Beispiel dafür. Sie können dies ausschlachten, weil sich Demokraten nicht an ihre eigenen Regeln halten. Ein riesiger Schaden für die Demokratie, ein riesiger Schaden, den CDU und FDP nie wieder gut machen können.

Wir könnten das durchaus ignorieren, schließlich gab es nach der Wahl sofort großen gesellschaftlichen Druck und auf eine Legitimation durch die Bevölkerung kann sich der FDP Kandidat auch nicht berufen, aber all das ändert nichts daran, dass das für Menschen, die eh schon kaum noch Vertrauen in unsere Demokratie haben, ein weiterer Beweis dafür ist, dass das wenig mit Demokratie zu tun hat, was dort in den Parlamenten vorgeht.

Das können wir nicht einfach ignorieren, denn jeder Mensch, der sich von der Demokratie abwendet, ist ein Gewinn für antidemokratische Strömungen. Dabei ist egal, ob diese Menschen dann rechtsextreme Parteien wählen oder sich von der Wahl fernhalten, der Schaden für die Demokratie und für deren Legitimation ist derselbe. Was CDU und FDP gemacht haben, war ein Bärendienst für unsere Demokratie, die auch ohne solche Aktionen schon wirkliche Defizite hat, die aber dennoch immer noch besser ist als Diktaturen oder andere totalitäre Regierungsformen.

Unsere Demokratie braucht jetzt langsam Updates, um das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen. Wir müssen jetzt Formen finden, mit denen wir die Menschen mehr in die Entscheidungsfindungen einbinden können, wir müssen die Menschen, die von der derzeitigen Form unserer Demokratie nicht mehr angesprochen werden, wieder zurückholen, sie wieder begeistern, sie wieder für die Demokratie aktivieren. Bürgerräte sind da ein interessanter Ansatz, aber es gibt viel mehr Möglichkeiten, um unsere Demokratie auf ein neues Level zu bringen. Aktionen wie die von der CDU und der FDP gehören allerdings nicht dazu, die helfen eher dabei, weitere Sargnägel für unsere Demokratie zu schmieden.

6 Februar 2020

Hallo #CDU, hallo #FDP …

Hallo CDU, hallo FDP,

ich gebe es zu, ich konnte mit euch noch nie wirklich etwas anfangen. Ihr wart mir schon immer zu konservativ und zu autoritär eingestellt. Allerdings dachte ich bisher immer, dass ihr immer noch dem demokratischen Spektrum zuzuordnen seid und, auch wenn ihr am rechten Rand der Gesellschaft steht, die Demokratie gegen Faschisten und Rechtsextreme verteidigt. Okay, ich bin ehrlich, mir war klar, dass ihr, wenn es hart auf hart kommt, wohl eher der extremen Rechten die Hand haltet, aber nicht, dass ihr dies ohne Not tut!

Jetzt sitze ich hier, habe Kopfschmerzen und bin genervt von all den Ausreden, die jetzt durch die Medien gehen. Eine Neuwahl verändert gar nichts, sie heilt den Tabubruch nicht, wird den Schaden, der gestern angerichtet wurde, nicht reparieren. Ihr habt gestern gezeigt, dass auf euch kein Verlass ist, wenn es um die Verteidigung der Demokratie geht. Ihr habt euch disqualifiziert und jede Aussage von euch, die in die andere Richtung geht, ist einfach nicht mehr glaubwürdig.

Aber auch ihr von der SPD solltet euch jetzt einmal überlegen, ob ihr diesen autoritären Weg, den ihr in den letzten Jahrzehnten verfolgt habt, weitergehen wollt. Ich empfehle euch das Buch „Woher kommt der Hass?“ von Anne Otto zu lesen, damit ihr versteht, warum dieser Autoritarismus, den ihr mit Hartz4 und Co. durchgesetzt habt, die gesellschaftliche Bewegung nach rechts mit in Gang gesetzt hat. Solange ihr diese Zusammenhänge nicht versteht, solange ihr euch von diesem Weg nicht verabschiedet, ihr sogar nach neuen Wegen sucht, um zum Beispiel weiterhin Menschen mit Hartz4-Sanktionen zu erpressen, habt auch ihr immer noch nicht verstanden, dass dieser Rechtsruck auch eure Handschrift trägt. Und solange ihr eben diese Zusammenhänge nicht seht, braucht ihr euch nicht als Bollwerk gegen den Faschismus zu sehen. Ändert euch, tragt zur Demokratisierung der Gesellschaft bei, baut staatliche Autoritäten ab. Demokratisiert die Schulen, demokratisiert die Wirtschaft und die Unternehmen, demokratisiert alle Institutionen, die demokratisiert werden können und vor allem: Demokratisiert die Menschen und durchbrecht die autoritären Strukturen, die die Menschen einschränken.

Zurück aber zur CDU und zur FDP. Ihr habt gestern die Faschisten und Rechtsextremen in die Mitte der Gesellschaft geholt. Ihr habt Mauern eingerissen, die bisher eine noch größere Zustimmung für die AfD verhindert haben. Diese Mauern sind futsch, denn wie wollt ihr den Wähler*Innen jetzt noch erklären, dass die AfD eine antidemokratische Kraft ist, wenn ihr schon bei der ersten sich bietenden Möglichkeit mit diesen Kräften zusammenarbeitet? Und dies auch noch ohne Not, denn der Ministerpräsident, den ihr unbedingt verhindern wolltet, hat 5 Jahre lang bewiesen, dass er anständige sozialdemokratische Politik macht. Politik auf dem Boden des Grundgesetzes, demokratische Politik. Ihr habt gestern gezeigt, dass ihr euch lieber gegen Demokraten stellt und mit antidemokratischen Kräften zusammenarbeitet, um das eigene Machtspektrum zu erweitern.

Nein, nicht Bodo Ramelow ist daran schuld! Er hatte den Wählerauftrag eine Regierung zu bilden und wollte diesen Wählerauftrag umsetzen. Schuld seid ihr ganz alleine, weil ihr die Angebote von ihm nicht angenommen habt und weil ihr euch gestern auch einfach hättet enthalten können, wenn ihr denn weder mit der antidemokratischen AfD noch mit der sozialdemokratischen Linkspartei hättet zusammenarbeiten wollen. Ihr habt euch aber aktiv und bewusst für eine Zusammenarbeit mit der antidemokratischen AfD entschieden und dieses Handeln ist euer Handeln, nicht das Handeln der Linkspartei, SPD oder der Grünen. Steht dazu! Sucht nicht nach irgendwelchen Ausreden, die den politischen Gegner in ein schlechtes Licht stellen sollen.

Ich habe keine Ahnung, wohin sich diese Gesellschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird, habe keine Ahnung, ob die demokratischen Kräfte stärker sein werden als die antidemokratischen Kräfte, aber seit gestern weiß ich, dass ihr, die CDU und FDP, keine Probleme damit habt, mit antidemokratischen Kräften zusammenzuarbeiten. Ich weiß nun, dass weder die Unionsparteien noch die FDP Partner im Kampf gegen rechtsextremistische Tendenzen sind und sie sich somit aus dem für Demokraten wählbaren Parteienspektrum entfernt haben. Und da hilft keine Abgrenzung, kein heucheln von Empörung, denn am Ende war Thüringen wohl nur ein Testballon, um zu schauen, wie hoch die Empörung in der Gesellschaft noch ist, wenn die Unionsparteien und die FDP mit der AfD zusammenarbeiten.

5 Februar 2020

MP-Wahl in #Thüringen: Geschichte wiederholt sich wohl doch!

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Als ich 2013 nach der Bundestagswahl davon redete, dass doch rein rechnerisch eine Mehrheit von Rot-Rot-Grün möglich wäre und es doch ein sinnvoller versuch sein könnte, eine solche Koalition zu wagen, wurde mir von vielen Seiten gesagt, dass das nicht gehe, weil die Unionsparteien die stärkste Fraktion stellen und deswegen eben diese Unionsparteien den klaren Auftrag haben, eine Regierung zu bilden. Dies wurde mir sowohl von CDUlern gesagt – was wenig verwunderlich ist – wie auch von SPDlern, die sich dann später ja auch in einer großen Koalition mit den Unionsparteien wiederfand.

Jetzt haben wir das Jahr 2020. Der Wind in Deutschland hat sich gedreht, durch die Erfolge der AfD ist eine Mitte-Links-Regierung in weite ferne gerückt und anscheinend auch eben dieser Konsens, der 2013 dazu geführt hat, dass nicht einmal Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linkspartei stattgefunden haben. Der 5. Februar 2020 ist der Tag, wo sich ein Kandidat der FDP mit Stimmen der CDU und der AfD zum Ministerpräsidenten in Thüringen hat wählen lassen, obwohl ganz klar der Kandidat der Linkspartei den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen hat, wenn denn die Maßstäbe von 2013 gelten würden. Aber das ist es nicht, was mich so wütend macht, es ist eben nur ein weiterer Schritt, um die Parteiendemokratie unglaubwürdig zu machen.

Wütend und auch sprachlos macht mich, dass sich Menschen, die sich für Demokraten halten, von Hassmenschen wählen lassen. Von Menschen, die zwar demokratisch gewählt wurden, die aber eben keine Demokraten sind. Die einer Ideologie anhängen, die in Europa und der ganzen Welt 12 Jahre lang für Krieg, Terror und unglaubliches Leid verantwortlich war. Die Menschen- und Gruppenhass großgeschrieben und viele Leben zerstört hat. Es macht mich wütend und müde, denn was willst du dieser Entwicklung noch entgegensetzen? Welche Texte sollten noch geschrieben werden, um diese Entwicklung umzukehren? Welche klugen Bücher müssen noch veröffentlicht werden, damit den Menschen klar wird, dass sie sich in die total falsche Richtung entwickeln? Ich glaube, sie sind schon alle geschrieben und den Menschen ist klar, dass sie sich wieder in die Richtung des Faschismus bewegen und sie schauen einfach nur zu!

Ich bewundere all die Menschen, die immer noch daran glauben, hier etwas Grundlegendes verändern zu können. Ich bewundere sie, weil ich diesen Glauben so langsam verliere, weil ich tatsächlich keine Antwort mehr auf die Frage habe, wie dieser Rechtsruck aufgehalten werden kann. Es fängt doch schon in den Medien an, wo auf jeden Bericht, der sich mit rechter Gewalt beschäftigt, gleich wieder gefühlt 10 Berichte kommen, die sich mit mutmaßlicher linker Gewalt auseinandersetzen. Der Feind steht Links, so die Botschaft! Wie sollst du gegen eine solche Medienmacht anrennen? Wie sollst du mit jemanden noch argumentativ auf eine Ebene kommen, dem ständig eingebläut wird, dass nicht nur die extreme Rechte schlimm ist, die ihren Menschenhass offen zur Schau trägt, sondern die extreme Linke viel schlimmer ist, obwohl es hier eben nicht um Menschenhass geht, sondern im Gegenteil darum, für alle Menschen eine gerechte Gesellschaft zu errichten? Und wie willst du hier überhaupt noch argumentieren, wenn sich dann in Thüringen ein angeblich liberaler Kandidat von eben dieser extremen Rechten zum Ministerpräsidenten wählen lässt? Wenn er mit dieser Handlung zeigt, dass es tausendmal besser ist, mit der extremen Rechten gemeinsame Sache zu machen, wenn sich damit ein linker Kandidat verhindern lässt, der nicht einmal zu den Linksextremen gehört, sondern eher zu den Sozialdemokraten?

Die Botschaft, die durch diese Wahl von den Konservativen ausgesendet wird, ist ziemlich deutlich. Und diese wird so auch in der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ ankommen. Extreme Rechte und Faschisten werden so in die Mitte der Gesellschaft geholt, werden zu wählbaren Alternativen gemacht, werden von den konservativen Bürgerlichen in ihre Kreise aufgenommen und gesellschaftsfähig gemacht. Mit welchem Argument sollst du gegen einen solchen Akt noch anreden, wie willst du jetzt noch vermitteln, dass die AfD schlecht für unsere Gesellschaft ist, wenn die Konservativen ihnen – zusammen mit den Liberalen – die Hand reichen?

Fakt ist: Liberale und Konservative sind keine glaubwürdigen Partner mehr im Kampf gegen Rechtsextremismus. Sie sind nicht mehr glaubwürdig, wenn es um den Kampf gegen Nazis und Faschisten geht und wer immer noch Rechtsextreme mit Linksextremen gleichstellt, notfalls sogar die Rechtsextremen vorzieht, um Linke zu verhindern, dem ist ehrlich gesagt nicht mehr zu Helfen. Und es gruselt mich, in welche Richtung sich diese Gesellschaft in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird!