27 September 2019

Keinen Plan!

Müde sitze ich im Büro. Es ist kurz nach 10 Uhr und die Motivation ist schon im Wochenende. Eigentlich ist sie immer im Wochenende, eigentlich möchte ich in keinem Büro sitzen, möchte über meine Zeit selbst entscheiden. Ich kann das eigentlich auch, denn ich bin selbstständig, entscheide selbst, was ich machen will, doch auf der anderen ist da der Zwang, Geld verdienen zu müssen. Ohne kommt Mensch nicht weit in unserer Gesellschaft.

So sitze ich im Büro, suche nach Motivation, um dann die Dinge zu tun, die ich tun muss, um Geld zu verdienen. Irgendwie gelingt es auch immer wieder, irgendwie ist nach ewigen sechs Stunden die Arbeit erledigt, die zu erledigen war. Es ist auch ganz gut, dass ich dieser Arbeit nachgehe, sonst würde ich wohl zu Hause versauern, würde auch nicht viel tun, weil ich soviel tun möchte und es einfach viel zu viel ist, was ich tun will und genau da liegt irgendwie mein Problem.

Keinen Plan wo ich hin will!

Das Problem ist ja, dass ich eigentlich immer noch nicht so genau weiß, wohin ich im Leben will! Ja, ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht und ja, ich habe mein Abitur nachgeholt, aber mehr habe ich in den 36 Jahren meines Lebens auch noch nicht wirklich erreicht. Wobei, so wirklich richtig ist es ja nicht, denn ich habe in den letzten Jahren viele Dinge gemacht, die mir Spaß gemacht haben, aber es war noch nicht das dabei, was meinem Leben einen Sinn gibt.

Seit 2012 bin ich jetzt Student, aber ist es wirklich das, was ich will? Vor sieben Jahren dachte ich das, doch inzwischen bin ich mir nicht wirklich sicher, denn eigentlich weiß ich nur, dass ich gar keinen Plan habe.

Ich lebe so vor mich hin, verdiene irgendwie immer ein wenig Geld, sodass ich nicht von Hartz4 abhängig bin. Rede mir jedes Semester ein, dass es ab jetzt besser wird, aber eigentlich kann es das nicht, weil der Plan fehlt. Warum studiere ich eigentlich? Was will ich später einmal damit anfangen? Will ich damit später überhaupt etwas anfangen?

Eigentlich weiß ich nur, dass ich nicht in einem 40 Stunden Job gefangen sein möchte, dass ich von der Fünf-Tage-Woche nicht wirklich viel halte, ich nicht in einem Arbeitsvertrag gefangen sein möchte. Klar, ich will sinnvolle Arbeit verrichten, Dinge, die für die Gesellschaft einen wirklichen Wert haben. Ich möchte nicht die Profitgier von einzelnen Unternehmern unterstützen und doch muss ich natürlich irgendwie selbst überleben. Ich will ständig neues lernen, mir die Zeit dafür nehmen können, aber einen Plan, wie ich das alles unter einen Hut bringen kann, habe ich nicht. Natürlich lähmt mich das! Meist sogar sosehr, dass ich eher gar nichts mache, obwohl da genügend Dinge wären, die ich zu erledigen hätte.

Ich verstehe tatsächlich nicht, wie sich Menschen ewig mit einem Job arrangieren können, der sie nicht ausfüllt, der nicht ihrer Berufung entspricht. Mich lähmt das, mir raubt das die Motivation für all die anderen schönen Dinge. Statt zu Wandern sitze ich dann am Wochenende eher zu Hause und überlege, wie ich mein Bankkonto wieder mit Geld befüllen kann. Aber da ich mich damit auch nicht wirklich beschäftigen will, lenke ich mich wieder mit anderen Dingen ab und so komme ich überhaupt nicht weiter, komme nicht auf den Weg, den ich mit totaler Motivation gehen kann. Ein Teufelskreis, der absolut nervig ist!

16 September 2019

Lebens-ABC: E wie Eigensinn

Echse

Irgendwie ging mir bei dem Buchstaben „E“ das Wort „Eigensinn“ nicht aus dem Kopf. Der Duden sagt mir, dass die Bedeutung von Eigensinn ein hartnäckiges Beharren auf einer Meinung oder einer Absicht ist. Irgendwie erkenne ich mich in dieser Bedeutung auch ein klein wenig wieder, denn wenn ich so zurückschaue, dann konnte und kann ich sehr Eigensinnig sein.

Ich beharre zwar nicht immer hartnäckig auf meiner Meinung, auch wenn es durchaus möglich ist, dass ich das tue, aber auf viele Absichten habe ich in meinem Leben schon beharrt. Wenn ich zum Beispiel die Absicht hatte, den Kindergarten ausfallen zu lassen, dann konnte ich schon sehr viel Eigensinn entwickeln, um dies auch durchzusetzen, oder zumindest die Ankunft im Kindergarten zu verzögern. Auch die Absicht, mir freie Tage von der Schule zu gönnen, konnte ich mit sehr viel Eigensinn umsetzen. Ich würde sagen, dass ich ein sehr eigensinniges Kind war und ich würde weiterhin behaupten, dass sich das bis heute nicht wirklich geändert hat.

Nicht immer bringt mir mein Eigensinn einen Vorteil. Mit Sicherheit würden andere Menschen auch behaupten, dass das eine negative Eigenschaft ist, doch ich finde, dass der Eigensinn durchaus positiv sein kann. Er hilft dabei, ausgetretene Wege zu verlassen und mit Neugier Umwege zu gehen, auf denen sehr viel mehr zu entdecken ist, als auf den Wegen, die am schnellsten zum Ziel führen. Sicher hat mir mein Eigensinn schon einige Türen verschlossen, aber dafür hat er mir auch viele andere Türen eröffnet und hat mich auf viele Umwege geführt, die ich im Nachhinein zum größten Teil auch super fand.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

5 September 2019

Zahltag – Zuschauen beim Scheitern!

Wenn Fernsehsender wie RTL eines gut können, dann ist es, dass sie sich die schwächten Mitglieder der Gesellschaft suchen und diese im TV bloßstellen. Sie suchen sich verzweifelte Menschen und machen mit denen dann Formate wie „Zahltag“. Dort bekommen Hartz4-Empfänger einen Koffer voll mit Geld. Soviel Geld, wie sie sonst ein ganzes Jahr über vom Jobcenter bekommen hätten. Halt nicht gestückelt, sondern auf einmal. Das nennt RTL dann die Chance ihres Lebens, denn mit diesem Geld sollen diese verzweifelten Menschen sich dann eine Existenz außerhalb von Hartz4 aufbauen.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Die Teilnehmer bekommen soviel Geld, dass das Existenzminimum für ein Jahr gedeckt ist. Damit müssen sie ihre laufenden Fixkosten bezahlen – die verschwinden ja nicht plötzlich – und sollen davon gleichzeitig noch eine Existenz in der Selbstständigkeit aufbauen. Eine Selbstständigkeit, die innerhalb von wenigen Monaten Gewinne abwirft, damit die Teilnehmer dann weiterhin ihre Fixkosten zahlen können. Nein, nicht innerhalb von einem Jahr, denn durch die zusätzlichen Kosten für die Selbstständigkeit, wird das Budget kein ganzes Jahr reichen. Realistischer ist wohl ein halbes Jahr, danach droht die Schuldenfalle, wenn die Unternehmung dann nicht genügend Gewinne abwirft. Wer selbst schon einmal den Weg in die Selbstständigkeit gewagt hat, der weiß, dass das eher schwierig wird und das Format somit eher auf das Scheitern der Teilnehmer ausgelegt ist, auch wenn RTL ein paar Experten dabei hat.

Gekommen um zu Scheitern!

Wenn RTL es ernst meinen würde, dann würden sie die Teilnehmer erst einmal ordentlich auf die Aufgabe vorbereiten. Existenzgründerseminare, Gründertrainings und eben auch eine permanente Begleitung durch die Experten. All das ist nämlich mit dem Budget, welches den Teilnehmern zur Verfügung steht, nicht finanzierbar. Meint RTL es ernst? Ich glaube eher nicht! Es geht um Emotionen, es geht darum, Menschen scheitern zu sehen.

RTL könnte es anders machen, könnte den Menschen wirkliche Hilfe bieten und sie mit Trainings und Lehrgängen unterstützen. Der Sender könnte erst einmal testen, ob sich die Menschen wirklich zur Selbstständigkeit eignen und er müsste ihnen mehr als das Jahresbudget Hartz4 zur Verfügung stellen, damit die Selbstständigkeit nicht in der Überschuldung endet und die Teilnehmer noch weiter nach unten abrutschen.

Die Macher der Sendung sollten nicht mit den Hoffnungen der Menschen spielen. Menschen, die durch Hartz4 so gedemütigt sind, dass sie alles versuchen, um aus diesem System herauszukommen. Die dabei die Risiken übersehen, weil sie auf einem Schlag eine Menge Geld haben, was über das Jahr gesehen aber eben gar nicht so viel ist, weil es eben genau das Geld ist, welches sonst die gesamten Kosten der Teilnehmer, die innerhalb eines Jahres anfallen, finanziert. Und genau das wird ausgeblendet!

Vernünftig wäre nämlich, wenn die Teilnehmer sich mit dem Geld nur dann in die Selbstständigkeit wagen, wenn sie sonst keine Verpflichtungen hätten. Wenn sie also keine Kinder hätten oder andere Angehörige, für die dieses Geld ebenso benötigt wird und die nicht einfach mal so ein oder zwei Wochen hungern können, wenn die Unternehmung nicht genügend Gewinne abwirft. Ansonsten ist es eigentlich total unverantwortlich, weil bei einem möglichen Scheitern eben auch die anderen Familienangehörigen leiden, weil dieser Verzicht, diese Anspannung, dieser Stress dazu führen kann, dass die Familie zerbricht, der Zusammenhalt nicht ausreicht, um diese Aufgabe zu meistern.

Doch genau diese Dramen sind, die diese Sendung braucht, weil es genau das ist, was der Zuschauer sehen will. Er will seine Vorurteile bestätigt sehen, will sehen, dass diese Menschen überfordert sind, sie erst einmal Fehler machen, wodurch der Zuschauer sich in seinen eigenen Vorurteilen bestätigt sieht.

Es bleibt zu hoffen, dass der Schaden durch diese Sendung möglichst gering bleibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Hoffnungen der Teilnehmer nicht zerstört werden, dass sie es doch irgendwie schaffen und es den Zusammenhalt in der Familie stärkt.

25 August 2019

Lebens-ABC: D wie Draußen

Draußen in der Natur

Kann es eigentlich etwas Schöneres geben, als draußen in der Natur zu sein?

Draußen, das ist dort, wo nicht ganz so viele Menschen sind, wo ich schon mal eine halbe Stunde auf einer Bank sitzen kann, ohne das ein anderer Mensch vorbei kommt. Draußen im Wald, am See, am Feld, in der Natur.

Es ist doch wunderbar einfach mal durch die Gegend laufen zu können, ohne ständig durch andere abgelenkt zu werden. Den eigenen Gedanken nachgehen, dabei eben nicht ständig dem Lärm der Menschheit ausgesetzt zu sein. Nicht die S-Bahn zu hören, nicht das Auto oder anderen Zivilisationslärm. Einfach auf das Rad setzen und raus aus der Stadt, rein in die Ruhe. Oder Wandern! Kurz mit der S-Bahn an den Stadtrand fahren, dorthin, wo Berlin selbst schon fast zum Dorf wird und dann einfach wandern. Bessere Möglichkeiten, um den Kopf einmal für frische Ideen freizubekommen, gibt es doch gar nicht, oder?

Dort draußen ist auch die Perspektive eine andere. Es ist nicht dein Zimmer, nicht deine Wohnung und schon gar nicht dein Stammcafe. Es ist auch nicht dein Kiez, in dem du schon jeden Stein mehrmals gesehen hast, wenn auch meist nur unbewusst. Es ist einfach was anderes, ein Ort, der neugierig entdeckt werden kann, der voll ist mit Impulsen, die mich wieder aufladen können, die mir neue Blickwinkel erlauben, neue Gedanken ermöglichen.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

9 März 2019

Lebens-ABC: C wie Chaos

Ich liebe das Chaos. Ich liebe es, mich in einer gewissen Distanz zum Chaos zu befinden und mir einen Überblick zu verschaffen, zu sehen, wie das Chaos doch irgendwie zu ordnen ist. Es gehört dazu, es ist eine Herausforderung und doch ist es auch Spaß, immer wieder eine Quelle, um Neues zu entdecken. Neues Wissen, neue Zusammenhänge.

Chaos hat für viele etwas Abschreckendes. Sie wollen lieber Ordnung, wollen den Überblick und die Kontrolle und verpassen dabei so viel. Natürlich kostet auch das Chaos viel Zeit, Zeit, in der andere Dinge gemacht werden könnten, aber es ermöglicht das Entdecken und somit die Freude an einer Sache. Es ist doch langweilig, wenn vorher schon alles feststeht, wenn keine Überraschungen mehr möglich sind. Routinen halt, die einen nicht mehr fordern.

Natürlich gehören Routinen zum Leben. Jeden Tag das Zähneputzen neu zu entdecken, würde keinen Sinn machen, genauso wenig, wie jeden Tag die Bedienung des Autos wieder einzuüben. Aber es gibt eben auch viele Routinen, die das Leben einschränken, die „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht“-Routinen, die keinen Spielraum für Neues lassen, weil der Widerstand zu groß ist. Und da ist Chaos einfach fantastisch, weil es geradezu dazu auffordert, neue Wege zu gehen. Aber klar, auch dabei können dann wieder Routinen eine Rolle spielen, damit das Chaos überblickt werden kann.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

8 März 2019

Nieselregen

Der Nieselregen legte sich sanft auf meine Haut. Er war nicht unangenehm, nicht kalt, aber er kühlte meinen Körper dennoch etwas ab. Eine willkommene Abkühlung, nachdem dieser Tag doch ziemlich warm war und auch die körperliche Arbeit war anstrengend gewesen, sodass sie meinen Körper zusätzlich aufgeheizt hatte. Da kam der Nieselregen gerade recht.

Von meinem Balkon aus beobachte ich die Menschen, die gerade durch die Straße vor meinem Balkon schlendern. Auch ihnen scheint der Nieselregen nichts auszumachen. Sie lassen den Tag ausklingen, unterhalten sich und genießen die Luft, die noch diesen angenehmen Duft trägt, den sie nach einem Regenschauer immer trägt. Die bunten Regenschirme bringen Farbe in das diesige Grau, dass der Nieselregen mit sich bringt. Auch das Grün der Bäume und all die anderen Farben der frühsommerlichen Natur lassen die Welt fröhlich erscheinen. Wenn ich nicht wüsste, dass das die Realität ist, würde ich es für eine graue Leinwand mit ganz vielen Farbklecksen halten und nur die Geräusche würden mir aufzeigen, dass ich mich mit dieser Einschätzung irre.

Das Handtuch, mit dem ich den Regen von der Haut wische, ist ungewöhnlich weich. Es tut gut, imitiert ein Gefühl der Nähe und Zärtlichkeit, ein schönes Gefühl und doch kann es die Leere in mir nicht übertünchen. Es ist dieser Nieselregen, der mich an das tiefe Grau erinnert, dass der letzte Sommer mit sich gebracht hatte. Dieses Grau, welches mich mit dieser Leere zurückließ, nachdem mir der Nieselregen einen Teil meines Lebens nahm.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.

8 März 2019

Lebens-ABC: B wie Bildung

Es ist eher ungewöhnlich, dass ich dieses Wort wähle. Ungewöhnlich deswegen, weil ich in meiner Jugend eher vor der Schulbildung geflohen bin, ich es nervig fand, jeden Tag in die Schule gehen zu müssen. Jeden Tag dieser einschränkenden Pflicht nachzugehen, die mich von dem abhielt, was mir wirklich Wichtig erschien. Aber eigentlich ist auch das seltsam, denn als Kind konnte ich es kaum erwarten in die Schule zu kommen, zu lernen, was meine größeren Geschwister schon gelernt hatten. Ich wollte Lesen lernen, um die Bücher zu verstehen, die mich schon damals magisch anzogen. Als ich dann lesen konnte, verging diese Magie erst einmal. Ich sollte sie erst später wieder entdecken, zusammen mit meiner Begierde nach Bildung.

Auch Bildung hat mit Neugierde zu tun, so wie es schon bei der Abwechslung war. Bildung hat also auch etwas mit Abwechslung zu tun. Sie ist der Zugang zu dieser Abwechslung, ermöglicht sie erst.

Bildung ist auch Verstehen. Verstehen, wie die Dinge funktionieren. Die Faszination, Dinge nachvollziehen zu können, um sich dann weitere Gedanken darüberzumachen. Gedanken, die einen dann mit noch mehr Faszination und einem Funkeln in den Augen zurücklassen.

Bildung hat auch etwas mit Meinung zu tun. Nur wer sich die Welt erschließen kann, wer Zusammenhänge versteht und ein großes Wissensnetzwerk hat, kann auch seine Meinung weiterentwickeln. Wer weiß, wie er sein Wissensnetz durch Bildung erweitern kann, wer die Zeit hat, neues Wissen zu entdecken, der hat auch die Zeit, seine Meinungen zu reflektieren und zu verstehen, warum nicht die einfachsten Lösungen immer die richtigen sind.

Bildung ist also etwas Fundamentales in meinem Leben. Mein Leben wäre ärmer ohne Bildung, es wäre nicht so bunt, es würde sich leer anfühlen.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

4 März 2019

Lebens-ABC: A wie Abwechslung

Abwechslung ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Abwechslung legt den Grundstein aller Erfahrungen, es ist ein Ausdruck von Neugierde. Neugierde, die mich antreibt, die mich davon abhält, immer dasselbe zu tun und Veränderung zu vermeiden.

Abwechslung bringt die Farbe in mein Leben. Sie garantiert den Spannungsbogen, den ich in meinem Leben brauche, der mich Antreibt, der mir den Sinn vermittelt, auf dessen Suche wir ständig sind.

Ohne Abwechslung wäre mein Leben fade. Sie gehört dazu und durchbricht Routinen. Klar, auch Routinen gehören dazu, aber nur dort, wo sie hilfreich sind, beim Zähneputzen zum Beispiel. Alle unnützen Routinen schränken das Leben ein und sie können nur mit Abwechslung vermieden werden. Wobei Abwechslung natürlich nicht bedeutet, die ganze Zeit immer nur neue Dinge zu tun. Vielmehr bedeutet es, dass sich Neues und Altes abwechselt, Spannung und Langeweile, Anstrengung und Erholung.


Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

20 Februar 2019

Lebensplan

Hüpfen! Hör nur nie auf zu hüpfen! Du musst hüpfen, permanent, aber immer auf der Stelle. Wenn du aufhörst, auch wenn es nur eine Pause der Erholung ist, hast du verloren.

Ständig musst du hüpfen, ständig dich verbessern, schneller werden und dabei bloß nicht älter werden. Wirst du langsamer, geht das vielleicht eine gewisse Zeit gut, aber irgendwann macht dich der Verlust von Geschwindigkeit auch zum Verlierer. Dann passt du nicht mehr in dieses System. Du wirst aussortiert, kannst versuchen woanders mitzuhüpfen, wo das Tempo noch nicht so hoch ist, wo du noch mithalten kannst. Aber bringt dir das wirklich etwas? Ist es das, was dich glücklich macht? Eigentlich möchtest du raus, möchtest dieses System verlassen. Es ist eh krank und altersschwach, die Anzeichen dafür sind überall zu sehen, nur eingestehen möchte es sich niemand, nicht einmal die, die schon lange aus diesem System herausgefallen sind. Aber einfach aufhören? Eigentlich nicht möglich, da in diesem System ein Zwang zum Mitmachen besteht. Wer nicht mehr kann oder will wird ausgegrenzt, egal wie viel er vorher für dieses System geleistet hat.

Irgendwo hast du in deinem Leben mal ein Lesezeichen gesetzt. Du wolltest dort weitermachen, sobald du dir die Möglichkeiten dazu geschaffen hast. So verging die Zeit, doch die Möglichkeit kam nie und auch jetzt ist sie nicht in Sicht. Du schaust kurz zu dem Lesezeichen, Sehnsucht steigt in dir auf, doch du drehst dich sofort wieder um und gehst weiter hüpfen, weiter auf einer Stelle und die Zeit entfernt dich immer weiter von deinem Lebensplan.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.

19 Februar 2019

Augenblick des Aufbruchs

Die Schaukel am Baum ist altersschwach geworden, hängt aber immer noch am Ast des Baumes, der selbst immer noch Stärke ausstrahlt. Er ist in den letzten Jahren sogar noch schöner und größer geworden. Noch immer spendet er Schatten für Besucher wie mich. Er lädt zum Verweilen ein, zu einer kurzen Pause vom stressigen Alltag.

Ich war schon viele Jahre nicht mehr hier, wurde durch ein wunderschönes Lesezeichen an diesen Ort erinnert und bin neugierig geworden, ob es diesen Ort noch gibt. Hier habe ich als junger Mensch viel Zeit verbracht, habe mich mit meinem Buch unter diesen Baum gelegt und gelesen, habe die Zeit und die Ruhe genossen, die mir dieser Ort schenkte. Hier habe ich viele andere Welten kennengelernt, hüpfte durch die Zeit und an verschiedene Orte und entwickelte dadurch eine tiefe Sehnsucht, all diese Orte später auch einmal in der realen Welt zu besuchen.

Viele Jahre sind seither vergangen. Mein Leben entwickelte sich, es wurde stressiger, leider auch farbloser. Nur das Lesen blieb mein ständiger Begleiter, nur die Bücher konnten neue Farbakzente in mein Leben bringen und dann war da dieses Lesezeichen, oder war es ein Lebenszeichen? Jedenfalls war das der Punkt, der mich aus diesem farblosen Leben holte, der den Entschluss manifestierte, aus diesem Leben zu entfliehen. Nun stehe ich hier an diesem alten Baum, der in kräftigen Farben leuchtet und von hier wird nun meine Reise zu all den Orten beginnen, die ich schon lange hätte besuchen sollen.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.