19 Februar 2019

Augenblick des Aufbruchs

Die Schaukel am Baum ist altersschwach geworden, hängt aber immer noch am Ast des Baumes, der selbst immer noch Stärke ausstrahlt. Er ist in den letzten Jahren sogar noch schöner und größer geworden. Noch immer spendet er Schatten für Besucher wie mich. Er lädt zum Verweilen ein, zu einer kurzen Pause vom stressigen Alltag.

Ich war schon viele Jahre nicht mehr hier, wurde durch ein wunderschönes Lesezeichen an diesen Ort erinnert und bin neugierig geworden, ob es diesen Ort noch gibt. Hier habe ich als junger Mensch viel Zeit verbracht, habe mich mit meinem Buch unter diesen Baum gelegt und gelesen, habe die Zeit und die Ruhe genossen, die mir dieser Ort schenkte. Hier habe ich viele andere Welten kennengelernt, hüpfte durch die Zeit und an verschiedene Orte und entwickelte dadurch eine tiefe Sehnsucht, all diese Orte später auch einmal in der realen Welt zu besuchen.

Viele Jahre sind seither vergangen. Mein Leben entwickelte sich, es wurde stressiger, leider auch farbloser. Nur das Lesen blieb mein ständiger Begleiter, nur die Bücher konnten neue Farbakzente in mein Leben bringen und dann war da dieses Lesezeichen, oder war es ein Lebenszeichen? Jedenfalls war das der Punkt, der mich aus diesem farblosen Leben holte, der den Entschluss manifestierte, aus diesem Leben zu entfliehen. Nun stehe ich hier an diesem alten Baum, der in kräftigen Farben leuchtet und von hier wird nun meine Reise zu all den Orten beginnen, die ich schon lange hätte besuchen sollen.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.

7 Februar 2019

Ausbeutungsgrundsicherung

Es regt mich auf! Es regt mich auf, wenn eine Grundrente, von der Menschen gerade so Leben könnten, von der Anzahl der Beitragsjahre abhängig gemacht wird. Es darf dann keine Brüche im Leben geben, kein Versuch einer Selbstständigkeit, keine längeren Pausen, in denen sich ein Mensch neu erfinden kann. Die Pflege von Familienangehörigen wird so auch zum Luxus, ebenso wie andere Lebensentwürfe. Alles ist auf einen kapitalistischen Markt ausgerichtet. Wertvoll ist, wer sich dieser kapitalistischen Logik unterwirft, wer sich ausbeuten lässt, wer seine gesamte Lebensplanung der Arbeit und dem Arbeitgeber unterwirft.

All die Sicherungssysteme sind genau darauf ausgelegt. Du bist nur abgesichert, wenn du dich und deine Arbeitskraft als Arbeitnehmer verkaufst. Generell geht es nur um deine Arbeitskraft, für die du auch in deiner Freizeit alles zu tun hast, um sie zu erhalten. Deine Freiheit hört da auf, wo du den Gewinn deines Arbeitgebers gefährden könntest, wo du dich also sozialwidrig verhältst. Und auch diese Respekt-Rente ist nichts anderes!

Sozialwidrig ist auch so ein Wort. Wer hat sich das einfallen lassen? Ist ein Mensch, der sich nicht damit abfinden kann, in einem Arbeitsverhältnis eingesperrt zu sein, wirklich ein sozialwidrig handelnder Mensch? Oder ist es nicht eher die Gesetzgebung, die Ausrichtung auf das Kapital, die kapitalistische Ausrichtung unserer Gesellschaft sozialwidrig? Wenn Frauen* Erziehungsarbeit leisten und dafür nicht entlohnt werden, wer handelt da sozialwidrig? Die Frau oder der Staat? Wohl eher der Staat, weil er die Leistung der Frauen nicht anerkennt. Wenn Menschen sich um ihre Angehörige kümmern und dafür auch noch bestraft werden, wer handelt dann sozialwidrig? Wohl auch wieder der Staat?

Menschen sollten die Möglichkeit haben sich auszuprobieren, sich zu entwickeln, ohne dabei den Druck im Rücken zu spüren, dass das später negative Folgen haben könnte, wenn es nicht funktioniert. Die Gesellschaft könnte sehr viel weiter sein, wenn Menschen nicht an sinnloser Arbeit festhalten müssten, weil dadurch ihre Existenz gesichert wird. Wir könnten sehr viel weiter beim Klima- und Umweltschutz sein, wenn die Arbeitsplätze in klimaschädlichen Branchen, für die es bereits Alternativen gibt, wegfallen könnten, ohne dass dadurch die Menschen, die diese Arbeitsplätze innehaben, in existenzielle Nöte geraten würden.

Aber so läuft das nicht in unserer Gesellschaft. In unserer Gesellschaft ist nur bezahlte Arbeit auch wertvolle Arbeit. In unserer Gesellschaft dreht sich alles um Profit, um Ausbeutung, um das Schaffen von Werten, von denen nur wenige Menschen in großem Umfang profitieren. Und so muss natürlich eine Grundrente von der Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsjahre abhängig gemacht werden. Wo kämen wir denn hin, wenn das anders wäre?


*Ich schreibe hier Frauen, weil diese Arbeit in der Mehrheit von Frauen erbracht wird, nicht weil ich das Rollenbild, was sich dahinter verbirgt, irgendwie cool finden würde.

3 Februar 2019

Es ist wieder Winterreifenzeit

Herbst

Es ist wieder die Zeit der Winterreifen. Draußen ist es meist Dunkel, die Sonne lässt sich maximal zum Mittag blicken, wenn sie es denn überhaupt für nötig hält, sich einmal blicken zu lassen. Ein wenig eifersüchtig bin ich ja schon auf die Menschen, die derzeit mehr Sonne haben als ich, aber das Gefühl ist natürlich nicht stark, immerhin haben wir gerade einen Super-Sommer mit sehr viel Sonne erlebt. Was mich viel mehr ärgert, ist, dass wir hier keinen Schnee haben. Überall liegt Schnee, eine schöne weiße Decke, die die grauen Landschaften in wundervoll strahlende Landschaften verwandelt. Nur hier nicht! Hier ist es nass und grau und dunkel. Schnee würde die Stimmung, die in der Winterreifenzeit meist vorherrscht, aufhellen, würde diese depressive Jahreszeit aufbrechen. Aber er kommt nicht und so stolpert das Leben durch die Straßen und sehnt sich nach frischen strahlenden Grün und den Tag erhellenden Sonnenstrahlen.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden, die ich zuerst bei Miki auf dem Blog entdeckt habe. Ich finde das Projekt spannend und habe deswegen gleich einmal mitgemacht.

3 Juli 2018

Das Meer

Wenn es still daliegt, es nur leichte Wellen schlägt, es ruhig eine Decke über all das legt, was sich in ihm verbirgt, dann sieht das Meer Kilometerweit gleich aus, friedlich. Es hat aber auch eine andere Seite, die Stürmische, das alles verschlingt, wenn es die Chance dazu bekommt.

Ich wohne gar nicht am Meer, ich wohne in Berlin, weit weg vom Meer. Den weiten blauen Horizont, den habe ich bisher nur selten gesehen. In Spanien für ein paar Wochen und in Dänemark. Und doch ist es so faszinierend, so verlockend, so geheimnisvoll. Unter seiner Oberfläche versteckt es Welten voller Schönheit. Schönheit, die wir nicht verstehen, weil wir sie nicht sehen und greifen können. Deswegen zerstören wir diese Welten, nutzen sie als großen Müllplatz, fordern Gesetze, um es zu ändern, ändern aber nichts, ohne Gesetze.

Das Meer verspricht Freiheit, kann es aber nicht halten, weil es kein Lebensraum für uns Menschen ist. Es kennt keine Grenzen und grenzt dennoch ab. Es versperrt den Zugang zu Wohlstand und es schützt den Wohlstand. Ungewollt! Das Meer kennt diese Begriffe nämlich nicht. Das Meer hat keine Werte, kennt kein Gut und auch kein Böse. Es gibt Leben und es nimmt Leben.

Der Mensch kennt Werte, er gibt sich Werte, er besteht auf Werte, um diese Werte dann regelmäßig zu vergessen. Er lässt diese Werte im Meer ertrinken, weil er nicht unter die Oberfläche sieht, weil er nicht die vielen faszinierenden Welten sieht, die dort auf dem Meer zusammen mit den Werten ertrinken. Der Mensch sieht nicht, was er nicht sieht. Er sieht nur seinen eigenen Egoismus, verliert dabei die Menschlichkeit, schmeißt sie ins Meer, wie den Plastikmüll und wundert sich dann, wenn es irgendwann als etwas giftiges zurückkommt. Eine Welle voller Gift und Hass!

Das Meer ermöglicht Leben. Es bringt die Voraussetzungen für all das Leben auf unserem Planeten. Das Meer versteckt Welten, es trennt Welten und verspricht dennoch Freiheit. Das Meer ist wie das Leben, denn auch wenn es an der Oberfläche gleich aussieht, so verstecken sich doch darunter so viele verschiedene, faszinierende Welten, wie sich auch in jedem Lebewesen faszinierende Welten unter der Oberfläche verstecken.

Beitrag zur Blogparade „Europa und das Meer“

29 April 2018

Kurze Momente: Der stürmische Tag

Es gibt ja diese Momente im Leben, die schnell wieder vergessen werden, weil sie eben auch nicht so wichtig sind, die einem dann aber plötzlich wieder einfallen. Viele Jahre später erst, in einem stillen Moment, bei einer Dokumentation, beim Lesen oder aber auch, wenn es keinen speziellen Grund dafür gibt.

Eben fiel mir ein Moment in meinem Leben ein, welcher schon mindestens 24 Jahre zurück liegt. Damals ging ich noch in die Grundschule und es war ein ziemlich stürmischer Tag in Berlin. An diesem Tag war ich auf dem Weg von der Grundschule nach Hause, vorher machte ich mit meinem damaligen Schulfreund aber noch einen kurzen Stopp in der Kaufhalle. Nein, einen Stopp im Supermarkt, denn darauf bestand die Verkäuferin damals. Kaisers, um es ganz genau zu sagen. Die Kaufhallen – und ja, in der DDR nannten wir die so – waren damals, kurz nach der Wiedervereinigung, ja irgendwie alle Kaisers oder eben Plus. Beide Marken gibt es ja inzwischen nicht mehr. Schon interessant, was in 24 Jahren so passiert.

Aber zurück zum Moment, der mir gerade durch den Kopf ging. Es war damals ein stürmischer Tag, wie ich oben eben schon erwähnte und ich hatte mir gerade in der Kaufhalle etwas zum naschen gekauft. Als ich die Kaufhalle verließ, wurde ich von irgendeinem Dachteil der Kaufhalle am Oberschenkel getroffen. Eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit, aber eine wirklich große Verletzung hatte ich dadurch nicht davon getragen, eine kleine Prellung, die noch ein paar Tage schmerzte, aber ich war weder beim Arzt, noch musste mich wer aus der Kaufhalle abholen. Allerdings musste ich seinerzeit in der Kaufhalle ein paar Minuten bleiben, wahrscheinlich um sicherzustellen, dass auch wirklich nichts passiert war.

Warum mir dieser Moment gerade jetzt wieder in den Kopf kommt? Nun, ich habe gerade so eine Art Dokumentation über den Rettungsdienst in Großbritannien gesehen und da wurde eine Frau bei einem Sturm von einem Stück Holz erschlagen. Die Frau war eine Verkäuferin und machte gerade Pause, als sie dieser kurze Augenblick aus dem Leben riss. Und da fiel mir dieser eine Moment von vor 24 Jahren wieder ein. Ein bisschen mehr Wind, ein anderer Winkel und dann hätte mich dieses Dachteil auch am Kopf treffen können. Es kann manchmal so schnell gehen, einfach so.

Die Kaufhalle selbst gibt es übrigens auch nicht mehr. Das Gebäude wurde vor kurzem abgerissen. Ein weiterer Ort meine Jugend, der verschwunden ist. Der nächste Ort, der nicht mehr für Erinnerungen sorgen kann. Aber ich habe ihn überlebt, immerhin hätte an diesem stürmischen Tag – wie mir erst jetzt wirklich bewusst wird – mein Leben ein Ende finden können.

29 Mai 2017

Alles hat ein Ende …

“Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei …”, so sang ich damals unter der Wäscheleine im Hof meines Opas. Auch meine Oma war damals noch dabei, ich war jung, ich liebte das Lied und auf dem Dorf, im Hof meines Opas, fühlte ich mich verdammt wohl. Da war der Garten, der immer genügend Karotten für mich hatte. Natürlich noch im Boden, aber wenn sie zu klein waren, wurden sie halt von mir wieder in den Boden gesteckt. Meistens waren sie aber nicht zu klein.
Da waren die Erdbeeren, die immer sehr viel besser geschmeckt haben, als die Erdbeeren, die es sonst gab. Außerdem ist frisch von der Pflanze eh immer besser. Der viel zu saure Rhabarber, die Stachelbeeren und all die anderen Dinge, die den Garten so interessant gemacht haben.

Dann waren da auch die Hasen und die Hühner. Ich liebte die Hasen und die Hühner. Ich liebte es, die Eier einzusammeln, ich liebte es, die Hühner zu füttern. Ich liebte das Dorfleben.

Alles hat ein Ende. Auch ein Leben. Das Leben von meinem Opa dauerte 94 Jahre. Es begann zwischen den beiden großen Kriegen, durchdauerte die DDR und ging auch in der BRD noch ein paar Jahrzehnte weiter. 11 Tage nach seinem 94 Geburtstag endete es dann.

Rückblickend habe ich viel zu wenig Zeit mit meinem Opa verbracht. Klar, als Kind war ich oft bei ihm, einmal sogar an Silvester, aber umso älter ich wurde, umso weniger Kontakt gab es. Das letzte Mal habe ich ihn im Oktober 2015 gesehen, davor lange 10 Jahre gar nicht und danach leider auch nicht mehr. Die Zeit rennt und sie lässt dabei Jahre manchmal wie Wochen vergehen. Oder sie stellt das Leben auf den Kopf, wie meines letztes Jahr im Oktober auf den Kopf gestellt wurde, macht andere Dinge für den Moment wichtiger.

Aber mein Opa war nicht einsam, er hatte auch in Mecklenburg, in seinem Dorf und in der Umgebung, viel Familie. Familie die ihn durchs Leben begleitete, auch wenn wie “Berliner” sooft nicht dabei waren und neben der Familie natürlich auch viele Freunde. Er hatte ein schönes Leben und bis zum Ende auch ein weitgehend selbstbestimmtes.

6 November 2016

Es ist November geworden …

Teddy Bär auf der Suche nach Sonne

Es ist November geworden. Ich weiß gar nicht, wo die Zeit schon wieder hin ist. Der Oktober ging schneller, als er gekommen ist, er verflog, konnte aber nicht die Trauer mitnehmen, die er mitgebracht hat. Er hat sie hier gelassen und ist selbst so schnell wie möglich wieder gegangen. Er weiß schon warum!

Es ist November geworden. Die Blätter fallen schon seit einigen Wochen von den Bäumen. Das Grün verschwindet langsam, hinterlässt eine unwirkliche Welt. Grau ist die Welt noch nicht, dass verhindern die bunten Blätter gekonnt, die derzeit auf den Wegen und Wiesen liegen. Sie können aber nicht hinweg täuschen über die Kälte, die der Oktober mitgebracht hat, sie können den Verlust nicht überdecken und sie wissen, dass dieser Verlust, den sie nicht verdecken können, ein Verlust für immer ist.

Die Blätter selbst sind der Beginn für etwas Neues. Sie werden dem Baum, von dem sie gefallen sind, Nahrung liefern, damit dieser im nächsten Jahr wieder neue Blätter bekommt. Sie wissen, dass das kein Abschied für immer ist. Es ist nur ein Neubeginn. Kann auch mein Verlust ein Neubeginn sein? Kann er etwas verändern, hat er etwas positives? Oder wird es ein Verlust werden, der noch viel mehr Zerstörungskraft hat, der nichts Neues hervorbringt, der nur noch mehr Verlust mit sich bringt, noch mehr Narben?

Derzeit ist er ein Sturm, er bringt so viel Bewegung und mit der Bewegung auch soviel Reibung. Die Bewegungen, die der Sturm bringt, sind mir zu schnell, sie lassen mich an Grenzen stoßen. Dann doch lieber aussteigen, kurz innehalten, sich nicht vom Sturm mitnehmen lassen. Ruhe, sich besinnen, sich ordnen. Es ist derzeit nichts so, wie es vorher war, es kann gar nicht so sein und ich will auch gar nicht so tun, als ob es so sein könnte. Ich kann aber auch nicht so tun, als ob jetzt alles anders ist, es nicht mehr so ist, wie es vorher war, mich dem Sturm ergeben und so tun, als ob jetzt alles besser ist. Ist es nicht, kann es nicht sein.

Der Oktober mag vorbei sein, seine Erinnerungen lässt er aber hier, genauso den Verlust, den er mitgebracht hat. Der November kann nichts dafür, vielleicht bringt er aber Besinnung mit. Besinnung, die dabei hilft, alles neu zu Ordnen, alles wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, wenn der Sturm weg ist. Erst wenn er weg ist, kann ich wieder einsteigen in das Spiel, erst dann habe ich die Kraft, eine neue Ordnung zu finden. Derzeit sitze ich eher auf einem Stein und beobachte den Sturm, schaue, was er durcheinander bringt, ohne die Kraft zu haben, ihn daran zu hindern.

11 Januar 2016

Blogparade: Brauchen wir bessere Vorsätze?

Lauftraining

Vorsätze sind ja erst einmal nichts Schlimmes. Im Gegenteil, ich gehe sogar davon aus, dass jeder Mensch irgendwelche Vorsätze hat. Was ich aber nicht mag, sind Vorsätze, die erst zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden. Deswegen habe ich auch keine Vorsätze für das neue Jahr, denn Vorsätze, die nicht sofort umgesetzt werden, kommen nicht vom Herzen.

Wer meinen Jahresrück-, und Vorblick gelesen hat, der weiß, dass ich Ziele fürs neue Jahr habe, aber der Unterschied ist, dass ich durch diese Ziele nichts in meinem Leben ändern möchte, sondern ich möchte in bestimmten Bereichen besser werden. Natürlich würde ich mich ärgern, wenn ich die Ziele nicht erreiche, aber es wäre nicht weiter schlimm.

Vorsätze hingegen verändern etwas im Leben, und deswegen sollten sie immer sofort angegangen werden, denn nur dann sind sie wirklich ernst gemeint. Wenn ich Vorsätze gleich wieder aufschiebe, dann ist das nur ein Anzeichen dafür, dass ich noch nicht bereit dazu bin, etwas in meinem Leben zu ändern – warum sollte das dann zu einem späteren Zeitpunkt der Fall sein?

Ende 2012 nahm ich mir zum Beispiel vor auf Plastiktüten zu verzichten. Ich hatte davon eine viel zu große Sammlung hier zu Hause und für die Umwelt waren und sind diese Plastiktüten ja auch nicht gut. Deswegen kaufte ich mir am nächsten Tag gleich einen Stoffbeutel, den ich seither immer bei mir habe. Selbst wenn ich mir einen Döner kaufe oder den Bäcker nerve, habe ich einen Stoffbeutel dabei, denn wenn ich einen Vorsatz habe, dann möchte ich den auch richtig umsetzen. Natürlich vergesse ich ab und zu auch mal den Beutel, aber auch dann verzichte ich auf Plastiktüten und greife lieber auf eine Papiertüte zurück. Natürlich könnte ich auch einen neuen Stoffbeutel kaufen, aber dann würde ich davon eine Sammlung aufbauen und das ist auch nicht das, was ich möchte, denn dadurch würde ich auch Rohstoffe verschwenden, was nicht unbedingt mein Ziel ist.

Doch warum schreibe ich schon wieder über Vorsätze? Nun, es gibt da eine Blogparade vom WWF, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Der WWF stellt auf seinem Blog folgende Fragen:

  • Wie habt ihr es geschafft, schlechte Gewohnheiten in bessere umzuwandeln?
  • Was sind eure wunden Punkte?
  • Woran seid ihr in der Vergangenheit gescheitert?
  • Was wollt ihr unbedingt noch ausprobieren, was einfach machen – oder lassen?
  • Haben schlechte Gewohnheiten unbedingt etwas mit Vorsätzen zu tun?

 

Bei der Blogparade geht es um bessere Vorsätze, von daher stellt sich erst einmal die Frage, ob schlechte Gewohnheiten unbedingt etwas mit den Vorsätzen zu tun haben. Wer definiert, was eine schlechte Gewohnheit ist? Ist eine Angewohnheit, die ich durch einen Vorsatz verändern möchte, immer gleich schlecht?

Im Fall der Plastiktüten ist das ziemlich einfach, denn die Plastiktüten gingen nicht nur ins Geld, sie verschmutzten auch die Umwelt. Allerdings fiel es mir nicht wirklich schwer, diese Gewohnheit abzulegen, denn dadurch, dass ich seither einen Stoffbeutel bei mir habe, hat sich an meiner Lebensqualität nichts geändert. Ich kann immer noch spontan in die Kaufhalle gehen und etwas kaufen und nebenher spare ich sogar Geld, denn die Plastiktüten kosteten pro Einkauf ja auch 10 Cent oder mehr.

Das ist übrigens auch schon der erste Trick, um solche Gewohnheiten abzulegen. Es ist wichtig zu sehen, dass sich dadurch an der Lebensqualität nichts ändert, dass sie sich eventuell sogar verbessert. Dazu müssen wir aber bereit sein, etwas in unserem Leben zu verändern und wenn das der Fall ist, dann spricht auch nichts dagegen, einen Vorsatz sofort umzusetzen und ihn nicht sofort wieder zu verschieben. Das gilt fürs Rauchen genauso, wie für die Plastiktüten oder den Kaffeebecher aus Pappe mit Plastikdeckel. Solange wir es nicht wirklich wollen, solange werden wir Gründe finden, um die Vorsätze doch nicht umzusetzen. Und solange wir denken, dass dadurch Lebensqualität verloren geht, solange werden wir auch nicht wirklich etwas ändern wollen.

Wunden Punkte?

 

Im Zusammenhang mit Vorsätzen habe ich keine wunden Punkte, denn wenn ich noch nicht bereit bin etwas zu ändern, nehme ich mir keinen Vorsatz, dies zu tun und sobald ich bereit bin, dann ändere ich es einfach. Nein, das geht natürlich nicht immer von heute auf Morgen, aber das ist ja auch nicht notwendig. Notwendig ist nur, sofort die ersten Schritte zu gehen. Dazu zählen auch die Vorbereitung, wenn ich zum Beispiel meinen Cappuccino für Unterwegs nicht mehr in einem Pappbecher genießen will, dann muss ich mir eine Tasse besorgen, die die Funktion des Pappbechers übernimmt. Gilt natürlich auch für andere Getränke. Dann muss ich noch Geschäfte finden, die mir diese Kaffeetasse auch mit Kaffee befüllen, wenn ich diesen nicht unbedingt von zu Hause mitnehmen möchte.

Gescheitert?

 

Derzeit scheitere ich daran, den Plastikmüll noch weiter zu reduzieren, der durch den Einkauf anfällt. Natürlich sortiere ich und die Rohstoffe landen in der Gelben Tonne, aber noch schöner wäre es, wenn ich die meisten Verpackungen einfach einsparen könnte. Scheitern tut es derzeit am Geld und an der Zeit. Ja, es gibt inzwischen einen Laden in Berlin, der viele Dinge ohne Verpackungen verkauft, aber hierzu bräuchte ich erst mal Behälter, vorzugsweise aus Glas und ich bräuchte zusätzlich noch die Zeit, um in diesem Laden einkaufen zu gehen.

Gescheitert ist das Projekt aber noch lange nicht, vielmehr sehe ich mich gerade in der Vorbereitungsphase.

Was will ich noch machen?

 

Es gibt noch vieles, was ich machen will, sobald es der finanzielle Rahmen zulässt. Ich möchte zum Beispiel mein Fahrrad nutzen, um mein Smartphone und einen Zusatzakku aufzuladen. Auch meinen Rücksack möchte ich mit einem Solarpaneel ausrüsten, damit ich kleine Geräte wie MP3 Player und Co. damit aufladen kann. Das scheitert derzeit aber auch noch am Geld, aber ich weiß, dass ich diese Dinge umsetzen werde.

Was ich derzeit aber konkret plane, weil es günstig umzusetzen ist, ist eine Kochkiste, mit der ich dann beim Kochen Energie einsparen kann.

26 Juli 2015

Routinen

Routinen. Erst vor Kurzem hatte ich in meinem Forum eine Diskussion darüber, was ich von der Routine im Job halte. Um es kurz zu sagen, ich halte nicht viel von Routine und somit auch nicht von Routinen.

Wenn es wieder Langweilig wird

 

Wenn ein Job zur Routine wird, wird er Langweilig. Wenn alle Arbeitsprozesse einmal durchgespielt sind, und es kein Potential mehr gibt, um sich zu verbessern, dann verliert der Job für mich an Herausforderung. Deswegen kann ich es mir auch nicht vorstellen, mein ganzes Arbeitsleben lang nur in einem Unternehmen zu arbeiten. Ich möchte es mir auch gar nicht vorstellen, denn es wäre ein Langweiliges Leben.

Ich weiß natürlich, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das für ihr Leben wünschen. Es gibt viele Menschen, die lieben es, Routinen zu entwickeln und diese dann ihr ganzes Leben lang auszuführen. Sie wollen das Gefühl von Sicherheit, was ich ihnen nicht übel nehmen kann. Im Gegenteil, ich glaube, dass Gefühl von Sicherheit möchte jeder. Auch ich würde mich freuen, wenn ich auf meinem Konto eine gewisse Reserve hätte, aber das ist eben etwas anderes als die Routine im Job.

Hinzu kommt, dass ich davon ausgehe, dass ich meinen Job nicht wirklich gut ausüben würde, wenn ich mich in diesem Langweile. Ich glaube, darunter würde meine Arbeit leiden und das wäre dann auch dem Arbeitgeber gegenüber Unfair, obwohl es da natürlich auch Gründe gibt, die mein Mitleid gegenüber dem Arbeitgeber in Grenzen hält. Aber ich wäre auch selbst nicht glücklich, wenn ich meine Leistung nicht mehr zu hundert Prozent der Arbeit widmen könnte.

Ich liebe Herausforderungen, ich brauche Herausforderungen, um mich selbst weiter zu entwickeln, um mich lebendig zu fühlen. Deswegen wären Routinen im Beruf tödlich für mich, deswegen halte ich nichts von Routinen im Job, deswegen kann ich mir auch nicht vorstellen, ein ganzes Leben lang in einem Unternehmen zu arbeiten.

Routinen im Alltag

 

So wie ich Routinen im Arbeitsleben nicht mag, mag ich sie auch im Alltag nicht. Dennoch habe ich Routinen, da muss ich ehrlich sein. Mein Lauftraining zum Beispiel. Ja, mein Lauftraining ist eine Routine, ich habe sogar eine Standard-Laufstrecke, die ich meistens laufe. Ich muss zugeben, die Laufstrecke ist inzwischen ziemlich langweilig geworden, aber da ich die mit meinem Laufpartner zusammen laufe, sind es die Gespräche, die Abwechslung rein bringen. Wenn ich alleine Laufe, laufe ich meistens einfach spontan irgendwo durch die Stadt, ohne zu wissen, wie lang der Lauf wohl wird und auch ohne zu wissen, wo er mich lang führt. Das ist dann so ein wenig mein Ausbruch aus der Routine, aber das Laufen selbst ist natürlich auch eine Routine, aber diese lässt sich eben nicht vermeiden.

Ich habe noch andere Routinen im Alltag. Der Wochenrückblick zum Beispiel, den ich regelmäßig hier im Blog veröffentliche oder das Zähneputzen, aber ich versuche, mein Leben nicht zu einer einzigen Routine werden zu lassen. Ich versuche neugierig zu bleiben, neues zu entdecken, neues zu erleben. Wer nicht mehr neugierig ist, hat einen wichtigen Antrieb im Leben verloren, wer nichts Neues mehr im Leben erleben möchte, wird sich auch nicht mehr weiterentwickeln können. Wer sein Leben durch Routinen bestimmen lässt, wird Langweilig. Langweilig für sich selbst und auch Langweilig für andere Menschen. Viel schlimmer ist aber die Berechenbarkeit, die sich durch Routinen ergibt.

Ja, Routinen sind nicht zu vermeiden, aber sie sollten auf ein Minimum beschränkt werden. Nur wer sich sein Leben nicht durch Routinen diktieren lässt, wird nicht irgendwann in Langeweile ersaufen. Nur wer Neugierig bleibt, wird sein Leben bis zum letzten Atemzug genießen können. Also gestaltet euer Leben so, dass es nur ein Minimum an Routinen enthält, damit maximaler Platz für Neugier bleibt, fürs Leben, fürs Erleben.

11 Juli 2015

Das Leben noch einmal leben?

Das Leben noch einmal leben? Mit dem Wissen und den Erfahrungen, die bisher gemacht wurden? Diese Frage stellt Patrick in einer Blogparade, die derzeit auf seinem Blog läuft (Gefunden Hier). Hier einmal die genaue Fragestellung von seinem Blog:

Nehmen wir mal an, Du wirst nochmal geboren. Gleicher Tag, gleiches Jahr, gleiches Leben. Das Einzige, was diesmal anders ist, Du weißt, was Du weißt.
Deine wesentlichsten und prägendsten Erfahrungen, egal ob gut oder schlecht sind erhalten geblieben. Du kannst vor jeder wichtigen Entscheidung in Deinem zukünftigen „neuen“ Leben auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen.
Als Denkanstoß oder philosophische Grundlage möchte ich mit folgenden Fragen Deine Kreativlunte anzünden:

  • Was würdest Du anders machen?
  • Warum würdest Du Dich diesmal anders entscheiden?
  • Wie würde diese Entscheidung Dein Leben beeinflussen?
  • Was denkst Du, wo, was und wer wärst Du heute?
  • Warum eigentlich?

 

Ich glaube, ich habe diese Frage hier schon einmal beantwortet. Ich möchte mein Leben gar nicht noch einmal leben, denn das Projekt Leben ist schon einmal anstrengend genug. Aber viel wichtiger ist, dass ich viele positive Erfahrungen gemacht habe, viele Personen getroffen habe, die ich wohl nicht treffen würde, wenn ich in meinem Leben etwas ändern würde. Wäre es das wirklich wert? Natürlich gibt es Dinge, die ich lieber nicht gemacht hätte, aber diese Erfahrungen gehören zum Leben dazu, und wenn ich diese Fehler nicht mache, dann mache ich eben andere Fehler.

 

Aber nehmen wir an, ich würde doch etwas ändern …

 

… dann würde ich die Schule ernster nehmen. Ich war nicht wirklich ein Musterschüler und regelmäßig habe ich die Schule auch nicht besucht. Mit meinem heutigen Wissen darüber, wie viel Spaß Lernen machen kann, würde ich diese Möglichkeiten auch nutzen. Dann würde ich mein Abitur wahrscheinlich auch sofort machen und nicht erst 11 Jahre später.

Das würde aber auch bedeuten, dass ich meine Ausbildung zum Kaufmann im Groß – und Außenhandel nicht machen würde. Das wäre schade, weil mir sowohl die Ausbildung viel Spaß gemacht hat, wie auch die Menschen, die ich während der Ausbildung kennengelernt habe. Und ich würde auch die vielen Menschen nicht kennenlernen, die ich auf der Abendschule kennengelernt habe, als ich mein Abitur nachgeholt habe.

Eigentlich würde mein gesamtes Leben anders verlaufen, wenn ich nur meine Einstellung zur Schule ändern würde. Wahrscheinlich würde ich heute schon längst ein Studium absolviert haben, wahrscheinlich würde ich in einem gut bezahlen Job arbeiten und noch wahrscheinlicher ist, dass ich hier heute gar nicht bloggen würde.

Nein, ich glaube, das wäre es nicht wert. Ich würde höchstens ein paar Dinge ändern, die nicht so große Auswirkungen haben würden. Kleinere Fehler halt, die sich auf mein späteres Leben nicht ausgewirkt haben. Ansonsten würde ich alles ganz genauso machen, wie ich es jetzt auch gemacht habe.

Aber warum stellen wir uns immer wieder diese Frage?

 

Ich glaube, wir leben ständig mit der Angst, dass wir im Leben irgendwas verpasst hätten. Und ja, das stimmt wahrscheinlich auch, aber wir werden immer etwas verpassen, auch dann, wenn wir das Leben noch einmal leben. Es gibt so viele Möglichkeiten und um die alle einmal auszuprobieren, müssten wir unser Leben millionenfach neu leben. Und selbst dann werden wir mit unserem Leben nicht zufrieden sein, weil wir viele positive Erfahrungen nicht mehr machen würden, die wir in einem anderen Leben gemacht hätten. Da hilft es auch nicht, wenn wir dieses Wissen und diese Erfahrungen schon abgespeichert hätten, sie zu erleben ist eben doch was anderes.

Unser Leben ist unser Leben, weil es eben genauso ist, wie es ist. Wäre es noch unser Leben, wenn wir andere Optionen wählen als die, die wir gewählt haben? Ist es wirklich sinnvoll, die Fehler nicht zu machen, die wir gemacht haben? Unser Leben wird wahrscheinlich nicht besser, es wird wahrscheinlich nur anders.