3 Dezember 2018

Organspenden – Was ist mein Körper ohne Gehirn?

Organspenden sind ja ein gesellschaftlich heiß diskutiertes Thema. Die einen haben kein Problem damit, ihre noch lebenden Organe anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, damit diese eine Chance auf ein längeres Leben haben. Andere hingegen sind der Meinung, dass der Mensch nicht wirklich tot ist, weil er ja noch atmet, weil viele Körperfunktionen künstlich am Leben gehalten werden. In der TAZ gab es jetzt einen Essay zum Thema, der eben auch dieses Thema aufgreift, der auch noch ein wenig den ökonomischen Charakter ins Spiel bringt. Angeheizt ist die Debatte durch die mögliche Umstellung vom Opt-In-Verfahren zur Organspende zu einem Opt-Out-Verfahren.

Was ist mein Körper, wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert?

Vielleicht vorneweg, ich trage seit Jahren einen Organspendeausweis bei mir. Ich finde, dass meine Organe ruhig in anderen Menschen weiterleben dürfen, wenn es mein Bewusstsein nicht mehr gibt. Und mein Bewusstsein, da bin ich mir ziemlich sicher, ist im Gehirn anzutreffen. Nicht im Herzen, nicht im Magen und auch nicht in der Leber. Wenn mein Körper also nicht mehr durch mein Gehirn am Leben gehalten wird, sondern durch medizinische Geräte, dann bin ich nicht mehr da. Wenn durch das Abschalten der Geräte auch die Körperfunktionen abgestellt werden, also auch der restliche Körper stirbt, dann kann dies auch gerne während des Prozesses der Organentnahme geschehen.

Am Ende verwest der Körper oder, um einen Begriff aus dem TAZ-Artikel zu verwenden, er ist Biomüll. Wobei Müll ja doch negativ ist, da er ja durchaus Grundlage für neues Leben ist. Er sich also in den Kreislauf des Entstehens und Vergehens befindet und warum sollte es ethisch jetzt besser sein, wenn meine Organe, die anderen Menschen noch hätten Leben schenken können, eben einfach so vor sich hin verwesen? Warum sollten Teile meines Körpers nicht in einem anderen Körper weiterleben und einem funktionierendem Gehirn einen funktionierenden Körper zur Verfügung stellen?

Natürlich hab auch ich Ängste …

Ich möchte damit natürlich nicht die Ängste von bestimmten Personen kleinreden. Im Gegenteil, auch ich habe Ängste. Auch ich mache mir Gedanken darüber, ob die Ärzte wirklich immer richtig liegen, wenn sie den Gehirntod feststellen. Natürlich hoffe ich, dass die Ärztinnen hier strenge Maßstäbe setzen und ich nicht doch die Schmerzen der Organentnahme noch spüren muss. Und natürlich ist mir bewusst, dass das auch für die Hinterbliebenen ein schmerzvoller Prozess ist, da sie ja auch noch eine gewisse Entscheidung fällen müssen. Aber am Ende vertraue ich den Menschen dann doch. Ich gehe davon aus, dass sie alles tun, um erst einmal mein Leben und mein Bewusstsein zu retten, bevor sie dann daran denken, mit meinen Organen das Leben anderer Menschen zu retten.

Abschied nehmen

Ein Aspekt, der dann noch kommt, ist der Aspekt des Abschiedsnehmens. Ich weiß nicht, warum es nicht möglich sein soll Abschied zu nehmen, wenn einige meiner Organe in anderen Körpern verschwunden sind. Die Menschen, die Abschied nehmen, nehmen diesen Abschied ja nicht von meinen Organen. Sie nehmen Abschied von mir, von meinem Bewusstsein, von meiner Persönlichkeit. Das ist auch möglich, ohne dass sie mich noch einmal in einem Sarg sehen müssen.

Ich kann leider den Menschen, die in der Organspende etwas Negatives sehen, nicht folgen. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich kein religiöser Mensch bin, weil ich von der Schöpfungsgeschichte nichts halte. Ich kann keinen Unterschied darin sehen, ob mein Körper nun Lebensgrundlage für Würmer und Käfer ist, oder ob mein Körper die Lebensgrundlage für einen anderen Menschen ist. Wenn mein Bewusstsein weg ist, wenn mein Gehirn so geschädigt ist, dass ich nicht mehr ICH bin, dann bin ich als Persönlichkeit gegangen. Und wenn ich als Persönlichkeit gegangen bin, dann bin ich eindeutig tot – jedenfalls nach meinen Maßstäben. Und jeder Mensch, der andere Maßstäbe hat, der kann auch bei einer Opt-Out-Lösung der Organspende immer noch widersprechen, kann diese weiterhin für sich ablehnen. Eventuell würde eine solche Lösung auch mehr Menschen dazu bringen, über diesen letzten Abschnitt auf dieser Welt einmal nachzudenken.

Und ein Gedanke kam mir gerade noch:

Ist es nicht sogar meinem Körper gegenüber unfair, wenn ich Teilen von ihm verbiete weiterzuleben, nur weil mein Gehirn nicht mehr funktioniert? Wenn ich verlange, dass sie mit meinem Gehirn zusammen sterben? 

28 November 2018

Blauäugig mit starker Lernkurve

2014 hatte der Christian die glorreiche Idee, dass wir gemeinsam doch einen Podcast machen könnten. Blauäugig, wie ich war, habe ich auch sofort zugestimmt und so haben wir voller Elan angefangen den ersten Podcast aufzunehmen. Leider war der Elan dann auch schnell wieder weg, sodass wir für die ersten sechs Folgen knapp 3 Jahre brauchten. Seit 2017 sind nun aber schon 25 weitere Folgen hinzugekommen und bis zum Ende des Jahres werden wir dann wohl auf insgesamt 34 oder sogar 35 Folgen kommen. Doch der Weg zum Erfolg, der ist ziemlich holprig.

Das ist ja richtig viel Arbeit!

So ein Podcast ist schon richtig viel Arbeit. War mir am Anfang nicht wirklich so bewusst, aber es ist ja nicht nur die Aufnahme, auf die mensch sich vorbereiten muss. Das ist schon viel Arbeit, die aber durchaus viel Spaß machen kann, wenn der Podcast so chaotisch ist, wie der von Christian und mir. Aber wirklich los geht die Arbeit dann nach der Aufnahme, denn dann müssen die beiden Tonspuren geschnitten werden, das Rauschen und Klicken muss entfernt werden und was am wichtigsten ist, die Tonspuren müssen auch synchronisiert werden.

Das letzte spreche ich auch deswegen an, weil ich hier auch mit einer gewissen Blauäugigkeit ran gegangen bin. So kam es, dass viele Folgen nicht wirklich synchron waren, was mir zwar irgendwann auffiel, aber wohl zu diesem Zeitpunkt schon einige potentielle Hörer verjagt hatte. Die Lernkurve stieg dadurch natürlich steil an, immerhin musste ich über 10 Folgen noch einmal neu bearbeiten, was einige Tage in Anspruch genommen hat und die verlorenen HörerInnen werde ich durch diese nachträgliche Nachbearbeitung wohl auch nicht mehr zurückgewinnen können, jedenfalls nicht so schnell, vielleicht aber in ein paar Monaten.

Einfach hinsetzen und aufnehmen?

Allerdings kann auch vorher viel schiefgehen. So haben wir einmal einen Jahresrückblick aufgenommen, den ich aber aufgrund zu schwacher Hardware nicht bearbeiten konnte. Er war einfach zu lang und wurde deswegen nie veröffentlicht. Auch nie veröffentlicht wurde eine weitere Folge, die eigentlich eine Fortsetzung werden sollte. Bei der Folge ärgerte uns die Technik, um genauer zu sein der Zwischenspeicher im Browser, der einfach die Aufnahme von Christian klaute. Auch diese Fortsetzung ist dadurch nie erschienen.

Die Technik hat uns innerhalb der letzten 30 Folgen auch öfter einmal geärgert. Mal brach die Verbindung zwischendurch ab, mal war mein Mikrofon zu schlecht, um überhaupt eine Aufnahme zu machen und ein anderes Mal waren die Störgeräusche so groß, dass ich Christian nur noch Teilweise verstanden habe und ich ein wenig ins Blaue raten musste mit meinen Antworten.

Insgesamt hat es aber bisher doch viel Spaß gebracht. Wir hatten beide keinerlei Ahnung von dem, was wir da machten und auch immer noch fehlt uns eine ganze Menge Ahnung, aber dafür haben wir uns bisher schon ziemlich gut entwickelt, würde ich jetzt einfach mal behaupten. Und wir haben in der Zeit auch viel gelernt oder zumindest ich habe viel gelernt, was den Christian betrifft, kann ich das schlecht einschätzen. Irgendwann allerdings wird er mich für das Schneiden des Podcasts bezahlen müssen, denn dafür geht eine Menge Zeit drauf.

26 November 2018

Das digitale Leben verlieren?

Ich muss ja ehrlich sein, ich habe schon ein wenig Angst, dass irgendwann all meine digitalen Daten weg sind. Ich sitze mindestens einmal in der Woche da und überlege mir, wie ich meine Datensicherung noch verbessern kann. Und mit sichern meine ich tatsächlich, dass ich die Datenträger auch hier bei mir habe und nicht irgendwo anders. Soll heißen, Daten, die in der Cloud liegen, – ja, ich nutze durchaus auch Clouddienste – fühlen sich für mich nicht sicher an. So ein Cloudanbieter kann ja irgendwann mal seine Tore schließen oder ich habe keinen Zugriff mehr, weil durch irgendwelche internationalen Konflikte das Internet nicht mehr funktioniert, bzw. nur noch regional verfügbar ist. Haltet mich für paranoid, aber die derzeitige Entwicklung, die Tendenzen nach rechts und zurück zu mehr Abschottung, verstärken diese Ängste nur noch.

Und wenn da irgendwann nichts mehr ist?

Aber meine Angst ist ja immer noch, dass irgendwann all meine Daten weg sind. Was ist dann? Wenn all die Texte die ich geschrieben habe, all die Bilder, die ich gemacht habe, weg sind? Was bleibt dann am Ende vom digitalen Leben übrig? Ich kann da irgendwie nicht loslassen, will mir gar nicht vorstellen, wie das ist. Und doch kann es jederzeit passieren!

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr auch solche Ängste? Oder habt ihr gar keine Probleme damit, eure digitalen Schätze loszulassen? Mich würde tatsächlich einmal interessieren, ob nur ich so verrückt bin, ob nur ich die Ängste habe, dass mein digitales Leben verloren geht?

Habt ihr Angst euer digitales Leben zu verlieren?

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Ich bin auch ehrlich. Mich nervt das ein wenig. Irgendwie wünsche ich mir manchmal, dass ich nicht so viel im Internet machen würde. Dann überlege ich mir, ob ich nicht all meine Texte einmal so aufarbeiten sollte, dass ich sie in einem Buch veröffentlichen kann. Dann wären die Dinge immer greifbar, immer erreichbar für mich. Obwohl so ein Buch ja auch verloren gehen kann, aber wenn ich so schaue, wie alt so einige Bücher sind, dann würde mich das wahrscheinlich schon ein wenig beruhigen.

21 November 2018

Skurrile Texte: Gedanken fangen

Vor dem Computer sitzen, überlegen, welches Thema gerade interessant genug wäre, um darüber zu schreiben. Podcasts hören, nur halb zuhören. Irgendwas mit Kreativität, irgendwas mit Nachhaltigkeit, was eben so die Themen der Zeit sind. Überlegen, grübeln, auf Twitter hin und her scrollen. Tweets lesen, sich darüber aufregen, lachen, ärgern. Nebenbei ein wenig auf Amazon schauen, zum Thema Nachhaltigkeit natürlich, wiederverwendbare Obstnetze ansehen, sich fragen, warum diese aus Baumwolle und nicht aus Hanffasern sind, zumindest teilweise, weil Baumwolle jetzt ja auch nicht so berauschend für den Umweltschutz ist, wenn sie aus dem konventionellen Anbau kommt.

Vor dem Computer sitzen, überlegen, wie viel Sinn es noch macht Blogs zu betreiben, wenn einem so viele Themen interessieren, aber nicht die Motivation da ist, sich damit tiefer zu beschäftigen, um darüber Blogartikel schreiben zu können. Das Studium weit wegschieben, obwohl die nächsten Einsendeaufgaben schon vor der Tür stehen. Einfach nur noch Twitter folgen, Menschen verfolgen, Gedanken aufnehmen, zustimmen, ablehnen, aufregen.

Durch die Wohnung laufen. Überlegen, wie die eigene Kreativität gefördert werden kann. An die Zukunft denken, die Gegenwart vernachlässigen. Wahrnehmen, dass der Podcast weiterhin im Hintergrund läuft. Überlegen, was der mit Kreativität zu tun hat. Auf Twitter schauen, Bilder anklicken, Politiker stalken, Gedanken finden, zustimmen, ablehnen, aufregen.

Einfach was schreiben, Gedanken einfangen. Versuchen zu formulieren. Gedanken entdecken, weiter denken, verlieren. Auf Twitter gehen, Gedanken klauen, Gedanken verwerfen. Gedanken zustimmen. Gedanken ablehnen. Aufregen!

Feedreader öffnen. Blogartikel lesen, Blogartikel überspringen. Langweiliges gleichförmiges Bloggen um Klicks zu generieren. Spannende Themen finden, einfangen, nachdenken, aufregen. Antworten im Kopf formulieren, Antworten im Kopf verwerfen, Antworten neu formulieren, länger darüber nachdenken, wieder verwerfen. Kommentare schreiben, absenden, sich über den misslungenen Satzbau aufregen, Rechtschreibfehler zählen, noch mehr aufregen. Längeren Blogartikel planen, unter „Später noch bearbeiten“ speichern, nie wieder ansehen.

Weiter springen, hüpfen von Blogartikel zu Blogartikel, wichtige Themen teilen, wissen, dass die Reichweite gering ist. Dennoch weiter teilen, weiter geben. Gedanken sortieren. Hoffen, dass es doch was bringt.

Vor dem Computer sitzen. Schreiben, Schreiben, Schreiben. Gedanken sammeln, Gedanken formulieren, verwerfen, weiter schreiben. Viel sagen, ohne etwas zu sagen. Wenigstens überhaupt was sagen, irgendwas schreiben. Ausformulieren, überdenken, weiter denken, ablenken.

18 November 2018

Wenn du um 15 Uhr schon wieder müde bist …

Um 15 Uhr schon wieder total müde zu sein, liegt entweder daran, dass der Körper eine Erkältung oder sonst irgendeine Krankheit ausbrütet, oder es liegt an einem sieben Monate alten Kater, der zwar auch gerne schläft, aber nicht zu den Zeiten, wo mensch selbst gerne schlafen würde.

Ein solcher Kater wird meist dann aktiv, wenn der Mensch inaktiv wird, er also gerade ins eigene Bett gehen möchte. Dann wird für den Kater alles zu einem riesigen Spielplatz. Der Schreibtisch, auf den er nicht rauf soll, die Pflanzen, die er aus irgendeinen Grund nicht leiden kann und die er deswegen permanent angreift. Auch die Regale, die Bücher, Tische und was es noch so gibt, sind nicht sicher, eignen sich super, um Krach zu machen und den Menschen wach zu halten.
Dann wären da noch die Taschentücherpackungen, die der Kater absolut liebt und gerne auseinander nimmt, sobald er die Chance dazu hat. Warum auch immer er das tut?

Genügend Dinge also, die den Menschen am Einschlafen hindern! Irgendwann ist so ein Kater dann aber auch müde und legt sich ins Bett, allerdings nicht solange, wie es der Mensch gerne hätte, und so geht es dann um fünf Uhr schon weiter. Vier bis fünf Stunden schlaf reichen für so einen Kater. Vier bis fünf Stunden schlaf müssen also auch dem Menschen reichen.

Dann muss wieder Zeit sein fürs spielen und wenn der Mensch nicht will, dann werden halt die Füße angegriffen, oder die Pflanzen, oder die Kopfhörer oder jeder andere Gegenstand, der irgendwie heil bleiben sollte, wodurch der Mensch aus seinem Bett aufstehen muss, um den Kater von seinen zerstörerischen Spielen abzuhalten.

Und wenn das Werk erledigt ist, der Mensch aus seinem Bett vertrieben wurde, dann ist für den Kater Zeit das erste Nickerchen einzulegen, natürlich erst, nachdem er sein Frühstück zu sich genommen hat.

Und so kommt es dann, dass mensch selbst um kurz nach 15 Uhr in einem Café sitzt und total übermüdet ist, während er einen Cappuccino trinkt und versucht, sich auf ein Buch zu konzentrieren.

3 Juli 2018

Das Meer

Wenn es still daliegt, es nur leichte Wellen schlägt, es ruhig eine Decke über all das legt, was sich in ihm verbirgt, dann sieht das Meer Kilometerweit gleich aus, friedlich. Es hat aber auch eine andere Seite, die Stürmische, das alles verschlingt, wenn es die Chance dazu bekommt.

Ich wohne gar nicht am Meer, ich wohne in Berlin, weit weg vom Meer. Den weiten blauen Horizont, den habe ich bisher nur selten gesehen. In Spanien für ein paar Wochen und in Dänemark. Und doch ist es so faszinierend, so verlockend, so geheimnisvoll. Unter seiner Oberfläche versteckt es Welten voller Schönheit. Schönheit, die wir nicht verstehen, weil wir sie nicht sehen und greifen können. Deswegen zerstören wir diese Welten, nutzen sie als großen Müllplatz, fordern Gesetze, um es zu ändern, ändern aber nichts, ohne Gesetze.

Das Meer verspricht Freiheit, kann es aber nicht halten, weil es kein Lebensraum für uns Menschen ist. Es kennt keine Grenzen und grenzt dennoch ab. Es versperrt den Zugang zu Wohlstand und es schützt den Wohlstand. Ungewollt! Das Meer kennt diese Begriffe nämlich nicht. Das Meer hat keine Werte, kennt kein Gut und auch kein Böse. Es gibt Leben und es nimmt Leben.

Der Mensch kennt Werte, er gibt sich Werte, er besteht auf Werte, um diese Werte dann regelmäßig zu vergessen. Er lässt diese Werte im Meer ertrinken, weil er nicht unter die Oberfläche sieht, weil er nicht die vielen faszinierenden Welten sieht, die dort auf dem Meer zusammen mit den Werten ertrinken. Der Mensch sieht nicht, was er nicht sieht. Er sieht nur seinen eigenen Egoismus, verliert dabei die Menschlichkeit, schmeißt sie ins Meer, wie den Plastikmüll und wundert sich dann, wenn es irgendwann als etwas giftiges zurückkommt. Eine Welle voller Gift und Hass!

Das Meer ermöglicht Leben. Es bringt die Voraussetzungen für all das Leben auf unserem Planeten. Das Meer versteckt Welten, es trennt Welten und verspricht dennoch Freiheit. Das Meer ist wie das Leben, denn auch wenn es an der Oberfläche gleich aussieht, so verstecken sich doch darunter so viele verschiedene, faszinierende Welten, wie sich auch in jedem Lebewesen faszinierende Welten unter der Oberfläche verstecken.

Beitrag zur Blogparade „Europa und das Meer“

30 September 2017

Ein Jahr ist es jetzt her …

Es ist jetzt ein Jahr her. Vor einem Jahr bist du freiwillig von uns gegangen, hast uns hier alleine gelassen. Für mich ist es immer noch nicht greifbar! Ich sehe dich immer noch, wie du hier mit uns Dart spielst, wie du die Pfeile mit so viel Kraft auf die Dartscheibe wirfst, sodass ich denke, dass da gleich ein Loch in der Dartscheibe und der Tür ist. Mich verfolgt das Bild, wie du im Sarg liegst, du dich nicht bewegst. Das letzte Bild von dir, bevor du für immer verschwunden bist.

Das Bild passt nicht! Es ist für mich nicht in Einklang zu bringen mit dem Jungen, der mit Marmelade im Gesicht fröhlich am Tisch sitzt und strahlt, der mit mir Dragonballs schaut. Du bist weg, ich weiß es und doch will ich es auch nach einem Jahr nicht glauben. Auch nach einem Jahr sitze ich da und muss mir die Tränen aus dem Gesicht wischen, wenn ich an dich denke. Jeder Gedanke an dich tut weh, weil du fehlst, weil du nicht mehr da bist und weil es niemanden gibt, dem ich dafür die Schuld geben kann.

365 Tage bist du jetzt weg. Du hast dich davon gestohlen, einfach so! Nein, ich kann dir dafür keine Vorwürfe machen. Du hast das ja nicht gemacht, weil du anderen weh tun wolltest. Du bist gegangen, weil das Leben dir Schmerzen bereitet hat. Warum genau, das werden wir nie erfahren. Hättest du uns nicht wenigstens einen Hinweis hinterlassen können? Einen Abschiedsbrief? Ein paar Worte, warum du gegangen bist? Ein paar Worte, die das Begreifen leichter gemacht hätten? Die am Anfang vielleicht noch mehr Schmerz verursacht hätten, die aber dabei geholfen hätten, zu verstehen, warum du gegangen bist?

Du bist gegangen! Heimlich, still und leise hast du uns hier vor einem Jahr alleine gelassen. Und wir? Wir mussten weitermachen, das Leben weiterleben – mussten Funktionieren! Verdammt, um zu Funktionieren musste ich dich verdrängen, musste ich die Gedanken an dich verdrängen. Jeder Gedanke an dich brachte auch Tränen mit, Tränen, die ein weiter so verhindert hätten.

Wenn es nach dem Leben weitergeht, dann hoffe ich, dass du deinen Frieden gefunden hast. Ich hoffe wirklich, dass es dir gut geht auf deiner Wolke. Ich hoffe, dass du dich von den Qualen, die dir das Leben bereitet haben muss, befreien konntest und du glücklich bist, wenn es denn nach dem Leben doch weitergehen sollte. Wenn nicht, dann bist du auf jeden Fall befreit von dem, was dich kaputt gemacht hat.

Die Erinnerungen an dich werden nie vergehen, ich hoffe nur, dass sie irgendwann nicht mehr so wehtun. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann an dich erinnern kann ohne dabei Tränen wegwischen zu müssen. Das ich die schönen Erinnerungen an dich genießen kann, ich vielleicht auch wieder über diese lachen kann. Ein Jahr ist dafür allerdings zu kurz, zwei Jahre wahrscheinlich auch, aber auch wenn es wehtut, ich werde weiterhin an dich denken.

30 Juni 2017

Saubere Lappen

“Könnten Sie mir bitte einen Lappen geben?”
“Klar”
“Nein, keinen der schon im Klo benutzt wurde. Hören Sie, keinen, der schon im Klo war …”

Klar, keiner der schon im Klo war, denke ich mir. Aber was denkt dieser Mensch eigentlich von mir? Das ich ihm einen Lappen gebe, den ich schon im Klo verwendet habe? Klar, könnte ich machen, aber das wäre ja zu meinem Nachteil, denn ich müsste dann wohl danach die Küche komplett desinfizieren, müsste den Kaffeevollautomaten mehrmals reinigen und desinfizieren, damit die nächsten Gäste nicht durch irgendwelche Keime krank werden. Aber anscheinend denkt dieser Mensch, dass mir das nicht Bewusst ist, oder egal, oder beides. Mir sind meine Gäste aber nicht egal, sie sollen sich wohlfühlen und nicht krank werden, sollen Spaß haben, sich auch entspannen können.

Eigentlich hätte ich große Lust unfreundlich zu werden, aber auch dieser Mensch ist ein Gast bei mir, auch er soll sich wohlfühlen und so bleibt dann halt einfach nur freundlich zu bleiben und dem Menschen einen Lappen zu geben – einen sauberen natürlich, einen, der in seinem Leben als Lappen noch nie Kontakt mit einer Toilette hatte, der schon immer und ewiglig für den Einsatz in der Küche gedacht war und ist.

Denken aber darf ich mir meinen Teil, darf mir Gedanken darüber machen, wie dieser Mensch über mich denkt. Anscheinend denkt er, dass ich Blöd bin, so zumindest kommt seine Aussage bei mir an. Ist das eigentlich schon eine gut versteckte Beleidigung? Eigentlich sind es schon jetzt viel zu viele Gedanken, die ich mir über diesen Menschen mache, aber so funktioniert Kommunikation. Eventuell war es nicht einmal böse gemeint, war es nur Verunsicherung, weil der Standort der Lappen eventuell blöd gewählt ist. Aber dennoch ist es ärgerlich, denn natürlich sind die Lappen sauber, sind sie gut und sicher Verstaut.

“Natürlich gebe ich ihnen einen sauberen Lappen …”, sage ich noch, und schon ist die Situation auch wieder beendet, das Nachdenken aber noch nicht.

29 Mai 2017

Alles hat ein Ende …

“Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei …”, so sang ich damals unter der Wäscheleine im Hof meines Opas. Auch meine Oma war damals noch dabei, ich war jung, ich liebte das Lied und auf dem Dorf, im Hof meines Opas, fühlte ich mich verdammt wohl. Da war der Garten, der immer genügend Karotten für mich hatte. Natürlich noch im Boden, aber wenn sie zu klein waren, wurden sie halt von mir wieder in den Boden gesteckt. Meistens waren sie aber nicht zu klein.
Da waren die Erdbeeren, die immer sehr viel besser geschmeckt haben, als die Erdbeeren, die es sonst gab. Außerdem ist frisch von der Pflanze eh immer besser. Der viel zu saure Rhabarber, die Stachelbeeren und all die anderen Dinge, die den Garten so interessant gemacht haben.

Dann waren da auch die Hasen und die Hühner. Ich liebte die Hasen und die Hühner. Ich liebte es, die Eier einzusammeln, ich liebte es, die Hühner zu füttern. Ich liebte das Dorfleben.

Alles hat ein Ende. Auch ein Leben. Das Leben von meinem Opa dauerte 94 Jahre. Es begann zwischen den beiden großen Kriegen, durchdauerte die DDR und ging auch in der BRD noch ein paar Jahrzehnte weiter. 11 Tage nach seinem 94 Geburtstag endete es dann.

Rückblickend habe ich viel zu wenig Zeit mit meinem Opa verbracht. Klar, als Kind war ich oft bei ihm, einmal sogar an Silvester, aber umso älter ich wurde, umso weniger Kontakt gab es. Das letzte Mal habe ich ihn im Oktober 2015 gesehen, davor lange 10 Jahre gar nicht und danach leider auch nicht mehr. Die Zeit rennt und sie lässt dabei Jahre manchmal wie Wochen vergehen. Oder sie stellt das Leben auf den Kopf, wie meines letztes Jahr im Oktober auf den Kopf gestellt wurde, macht andere Dinge für den Moment wichtiger.

Aber mein Opa war nicht einsam, er hatte auch in Mecklenburg, in seinem Dorf und in der Umgebung, viel Familie. Familie die ihn durchs Leben begleitete, auch wenn wie “Berliner” sooft nicht dabei waren und neben der Familie natürlich auch viele Freunde. Er hatte ein schönes Leben und bis zum Ende auch ein weitgehend selbstbestimmtes.