21 April 2021

21.04.2021: Pandemiebeobachtungen

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Ein paar Monate haben wir jetzt ja schon die Pandemie und ich bin immer wieder erstaunt über die Beobachtungen, die ich mache, wenn ich dann draußen unterwegs bin. Sei es an der Ampel, am Eisladen, auf den Spielplätzen – an denen ich vorbeikomme – oder generell auf dem Gehweg. Auch in der Kaufhalle ist es mitunter schwierig, die Mitmenschen zu verstehen. Öfter Frage ich mich, ob die Menschen wirklich noch nicht verstanden haben, dass wir uns derzeit in einer Pandemie befinden oder ob es wirklich der Egoismus ist, der die Menschen treibt.

An der Ampel

Ich fahre gerne Fahrrad und während der Pandemie nutze ich es noch öfter, doch sobald ich mit dem Fahrrad an einer roten Ampel halten muss, ich bleibe da ja tatsächlich stehen, wird mir sehr mulmig. Wenn ich mit Abstand zur Person vor mir stehen bleibe, dann ist das tatsächlich keine Einladung für die Radfahrer*innen nach mir, sich noch in diese Lücke zu drängeln. Vielmehr möchte ich den Abstand einhalten, der in der derzeitigen Pandemie geboten ist.

Ganz ehrlich, ich finde es schon ohne Pandemie nervig, wenn sich Radfahrer*innen noch irgendwo ganz vorne an die Ampel drängen müssen, aber ist der Zeitgewinn in einer Pandemie wirklich wichtiger, als die Minimierung des Infektionsrisikos? Es nervt, besonders wenn die Leute dann direkt neben dir anhalten und es so aussieht, als ob sie kuscheln wollen. Ist es wirklich so schlimm, jetzt ein wenig Abstand zu halten, auch mit dem Rad?

Allerdings geht es mir als Fußgänger ja oft nicht besser, auch da halten die Menschen keinen Abstand an der Ampel, machen einfach weiter, als ob es die Pandemie nicht gibt und stellen sich in jede Lücke, die sich irgendwie ergibt. Nicht immer, aber doch sooft, dass es mir unangenehm auffällt.

Vor dem Eisladen

Ich gönne jedem sein Eis, auch wenn ich die Schlangen vor einem Eisladen schon vor der Pandemie nie wirklich verstanden habe. Aber okay, wenn ein Eisladen das beste Eis im Kiez anbietet, dann sollen die Menschen gerne in einer Schlange davor stehen, ich habe da persönlich kein Problem mit, nicht einmal jetzt in der Pandemie. Jedoch stehen diese Schlangen meist auf dem Gehweg, auf dem auch noch andere Menschen, die kein Eis möchten, laufen. Deswegen verstehe ich es absolut nicht, dass viele Menschen, die in diesen Schlangen stehen, derzeit keine Maske auf dem Gesicht haben. Nein, der Abstand zum Vordermensch oder zur Person dahinter kann nicht immer eingehalten werden, deswegen sollte es doch in der Pandemie nicht so schwer sein, sich sein Eis zu kaufen und gleichzeitig das Infektionsrisiko zu minimieren. Ich rede hier nicht einmal von einer FFP2-Maske, es würde ja schon ausreichen, wenn die Menschen in der Schlange eine Stoffmaske auf hätten. Es ist aber nicht der Fall und dabei ist das jetzt schon der zweite Frühling, den wir in einer Pandemiesituation erleben.

Auf dem Spielplatz

Gut, auf dem Spielplatz ist das Maskentragen für Kinder nicht das, was ich verlange, aber einige Spielplätze sind weiterhin so voll wie vor der Pandemie. Klar, Kinder sollen spielen, sie brauchen diese Abwechslung, aber auch das sollte irgendwie pandemiegerecht gemacht werden. Wobei ich hier gar nicht den Eltern die Schuld gebe, sondern eher der Politik.

In meiner Welt hätten sich die Kinder während der Pandemie ein paar feste Kontakte gesucht, mit denen sie sich uneingeschränkt hätten treffen können. Dadurch wäre die Nachverfolgung der Kontakte leichter geworden, wenn sich eine Familie infiziert hätte und auch das Argument, welches permanent gegen Schulschließungen vorgebracht wird, wäre weggefallen, denn die Schüler*innen hätten ihre sozialen Kontakte.

Viel spannendere wären aber die weiteren Möglichkeiten gewesen, denn diese Schüler*innen hätten Lerngruppen bilden können, die dann gemeinsam den Lernstoff durchgearbeitet hätten. Dadurch hätten sich auch Entlastungen für die Eltern ergeben, da diese Lerngruppen gemeinsam an einem Ort hätten lernen können. Natürlich hätten sich die Eltern hier absprechen müssen, wann wo gelernt wird, aber es hätten sich halt auch Freiräume für alle Elternteile ergeben, die es ohne die Lerngruppen eben nicht gab.

Der Vorteil, der mich wieder zu den Spielplätzen zurückbringt, wäre aber auch gewesen, dass diese Gruppen gemeinsame Ausflüge in das Umland hätten unternehmen können, wodurch die Spielplätze in den Städten weniger voll gewesen wären und so auch Kinder und Jugendliche einen größeren Infektionsschutz hätten genießen können, deren Familien finanziell nicht in der Lage sind, mit ihren Kindern ständig Ausflüge in weniger belebte Gebiete zu machen.

Okay, in meiner Welt wären die gefühlten sozialen Kontakte höher, was ja eigentlich kontraproduktiv in der Pandemie ist, aber es wären permanent die Kontakte in den Schulen weggefallen, ebenso wie die Kontakte auf dem Weg hin zur Schule und auf dem Weg von der Schule nach Hause. Aber ich bin kein Wissenschaftler und vielleicht ist diese Idee auch totaler Unfug, lasst deswegen gerne eure Gedanken in den Kommentaren da.

Auf dem Gehweg

Wir waren vorhin schon einmal auf dem Gehweg, als ich vom Eisladen sprach, aber es gibt Menschen, die benutzen den Gehweg so, dass sie das Abstandhalten unmöglich machen. Ich habe deswegen schon öfter die Straßenseite gewechselt, einfach um die Risikokontakte so gering wie möglich zu halten. Ist es denn wirklich so schwer, während der Pandemie, nicht in der Mitte des Gehweges zu laufen, wenn Menschen auf einen zu kommen? Ich meine, wenn der Gehweg leer ist, ist es ja überhaupt kein Problem, aber wenn ich andere Menschen sehe und wenn ich sehe, dass die versuchen den Abstand zu vergrößern, dann sollte ich doch dabei helfen und ebenfalls den Abstand vergrößern? Gefühlt ist es aber so, dass da Leute dann extra noch näher ran kommen und du Angst haben musst, dass die mit dir kuscheln wollen. Warum?

In der Kaufhalle

Mein Horrorort ist ja derzeit die Kaufhalle. Da gehen Leute mit einer Maske vor dem Gesicht rein, doch sobald das Personal außer Sichtweite ist, wandert diese unter das Kinn. Hallo? Aber okay, die Mehrheit hält sich daran, die Maske richtig zu tragen und gegen die, die es nicht tun, kannst du derzeit halt nicht viel machen, weil sich einige von denen ja auf einer Mission wähnen.

Was aber noch sehr viel mehr nervt, sind die Menschen, die meinen, an der Kasse kuscheln zu müssen. Ich habe ja irgendwie sehr stark das Gefühl, dass die Menschen inzwischen sehr kuschelbedürftig sind und dieses auf der Straße, an der Ampel oder halt an der Kasse ausleben wollen. An der Kasse tragen die meisten ja zumindest eine Maske, aber es ist halt nicht angemessen in einer Pandemie. Wobei ich es schon vor der Pandemie gehasst habe, wenn die Menschen sich viel zu nah hinter einen stellen, als ob dadurch die Wartezeit verringert werden könnte. Ich glaube allerdings nicht, dass das einen Zeitgewinn an der Kasse bringt, es sei denn, die Person davor rennt schreiend weg, aber soweit bin ich dann doch noch nicht.

Wie sieht es denn bei euch aus? Kennt ihr die Situationen, die ich versuche zu beschreiben oder bin ich einfach zu sensibel?

7 Februar 2021

Datenschutz für mündige Menschen?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Datenschutz und die Einstellungen der Bürger*innen dazu, empfinde ich immer wieder als ein sehr seltsames Thema. Das Grundrecht auf die informationelle Selbstbestimmung ist ja eigentlich ein Abwehrrecht gegenüber den Staat und sich dann auf den Staat zu verlassen, wenn es um die Spielregeln beim Datenschutz geht, ist schon ziemlich merkwürdig. Wir verlangen hier, dass der Staat – beziehungsweise die Politik – hier die Spielregeln bestimmt, mit denen er sich selbst verbietet, sich an unseren Daten zu bedienen. Dass das nicht funktioniert, zeigt die ewige Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung oder die Verknüpfung von verschiedenen staatlichen Datenbanken, die mithilfe einer eindeutigen ID gelingen soll. Der Staat kann uns also nur dabei helfen, unsere Grundrechte gegenüber anderen Akteuren – zum Beispiel Unternehmen – durchzusetzen und auch dort sollten wir auf der Hut sein, was der Staat dort alles regelt und ob das wirklich immer zu unserem Vorteil ist.

Datenschutz und Privacy sind wichtige Themen, jedoch finde ich es schwierig, immer wieder nach Verboten durch die Politik zu rufen. Diese Kultur, die da gepflegt und mit der DSGVO auch umgesetzt wurde, ist eine Kultur der Entmündigung der Menschen. Und Entmündigung macht bequem, weil wir uns dann nicht mehr mit den wichtigen Themen auseinandersetzen, weil wir verlernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Natürlich muss der Gesetzgeber einen Rahmen erlassen, der für Unternehmen und auch für den Staat bindend ist, aber jeder Mensch sollte schon bewusst handeln und entscheiden können, was er zulassen möchte und was nicht. Das ginge einfacher, wenn die Datenschutzregeln schon festlegt werden könnten, bevor die Webseite besucht wird und die Entscheidung nicht erst auf der Webseite getroffen werden muss. Eine DSGVO, die hier Standards festgeschrieben hätte, die von Unternehmen und Staat umgesetzt und eingehalten werden müssten und die einfach in die Zugangssoftware zum Internet – also im Browser – integriert wurden wären, welche dann jeder Mensch einmalig festlegt, wenn er den Browser zum ersten Mal startet, wäre hier ein sehr viel besserer Weg gewesen. Weg von Verboten und hin zu Menschen, die selbstbestimmt ihre Entscheidungen treffen. 

WhatsApp wird hier ja immer als Beispiel gebracht, aber muss ich den Service wirklich gleich Verbieten oder wäre die sinnvollere Option nicht die, dass wir bei jedem Telefonbucheintrag vorher festlegen könnten, ob dieser für andere Apps – also nicht nur für WhatsApp – freigegeben wird oder nicht? Wäre das nicht der sinnvollere Weg, der das Internet nicht unnötig komplizierter macht, als es sein müsste? Keks-Banner wären Geschichte, Datenschutzerklärungen könnten sehr viel kürzer ausfallen und verständlicher werden, das Surfen im Internet wäre tatsächlich wieder bequemer möglich, auch in dem Bewusstsein, dass ich genau weiß, welche Daten die Webseiten nutzen dürfen und welche nicht. Beim Beispiel WhatsApp könnte ich so sogar die Datenschutzpräferenzen aller meiner Kontakte achten und respektieren.

Im Übrigen halte ich auch nichts davon, dass es de facto eigentlich eine Altersgrenze für das Internet gibt. Das Internet ist ein riesiger Wissenspool und jeder – also auch Kinder – sollten den Zugang zu diesem Wissenspool nutzen können. Aber so, wie wir Kindern und Jugendlichen den Zugang zu politischen und demokratischen Entscheidungsräumen verwehren, genauso wollen wir ihnen den Zugang zu diesem Wissensraum verschließen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist schön der autoritäre Charakter unserer Gesellschaft zu beobachten und meine Frage ist da immer, wie aus Menschen, die in der Familie und in der autoritären Institution Schule autoritären Entscheidungen ausgesetzt sind, bei denen sie keine Mitspracherechte haben, überhaupt zu demokratischen Menschen erzogen werden sollen. Genauso Frage ich mich beim Internet, wie diese Menschen einen selbstbewussten und selbstbestimmten Umgang mit dem Wissensraum Internet erlernen sollen, wenn sie bis zu einem bestimmten Alter ausgeschlossen werden, beziehungsweise darauf hoffen müssen, dass die Eltern die Chancen erkennen und sie so den Zugang erhalten. 

Datenschutz ist ein schönes Feld um zu beobachten, wie Autoritär unsere Gesellschaft doch noch geprägt ist. Wir verlassen uns darauf, dass wir von Politik und Staat beschützt werden, wollen unsere Entscheidungen in der Gewissheit treffen, dass der Staat sich für uns Regeln überlegt hat, die die negativen Aspekte unserer Entscheidungen, die wir nicht mitgedacht haben, abfedern. Das macht uns bequem, das hält uns davon ab, uns mit Themen wie die Verschlüsselung von Daten nachzudenken. Ist ja reglementiert und deswegen kann ich halt eine Postkarte – also eine E-Mail – durch das Internet schicken, obwohl die Möglichkeit, diese E-Mail in einen Briefumschlag zu stecken, durchaus gegeben und auch kein Hexenwerk mehr ist. Klar, es kostet Zeit, sich damit auseinanderzusetzen und sich die Informationen zu besorgen, aber wir sollten uns die Zeit einfach nehmen, so wie wir uns für eine demokratische Gesellschaft generell sehr viel mehr Zeit nehmen sollten, um unsere Demokratie weiterzuentwickeln und um so die Entscheidungs- und Mitgestaltungsräume zu erweitern.

Dieser Artikel ist meine Antwort auf die Reflexionsfragen zum Online-MOOC “Anstand im Netz”, der durch die virtuelle Hochschule Bayern (vhb) angeboten wird.

31 Januar 2021

Lebenszeit sinnvoll nutzen …

„Die Lebenszeit sinnvoll nutzen“, diesen Satz höre ich immer wieder und ich frage mich, was das eigentlich bedeuten soll. Woher weiß ich denn, dass ich gerade meine Lebenszeit sinnvoll nutze? Und was ist mit den vielen Tätigkeiten, die ich erledigen muss, um überleben zu können? Sind auch diese Tätigkeiten sinnvoll genutzte Lebenszeit, obwohl sich mir der Sinn dieser Tätigkeiten nicht wirklich ergibt? Auf der anderen Seite wird das Leben im Internet, die Zeit, die in sozialen Netzwerken verbracht wird oder auf anderen Seiten, als verschwendete Zeit gebrandmarkt. Ist das wirklich verschwendete Zeit?

Sind wir nicht vielleicht ein wenig vorschnell, wenn wir bestimmte Tätigkeiten als sinnvoll einstufen und andere als Verschwendung von Zeit? Wer setzt dafür die Norm? Die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Politik oder vielleicht doch jeder für sich selbst? Und wenn jeder für sich selbst die Norm setzt und selbst entscheidet, was er mit seiner Zeit macht, könnte dann nicht eigentlich nur fremdbestimmte Zeit verschwendet sein? Also die Zeit der Lohnarbeit zum Beispiel, in der ich Aufgaben erledigen muss, die mir von einer anderen Person vorgegeben werden?

Kann der Mensch in unserer Gesellschaft dann überhaupt seine Zeit sinnvoll nutzen oder ist das nicht gerade durch den Aufbau unserer Gesellschaft unmöglich, weil ein großer Teil der Zeit durch Fremdeinflüsse verbracht wird? Ich bin da gerade ein wenig Ideenlos und vielleicht könnt ihr ja einfach ein paar Kommentare hier lassen, die mir Klarheit bringen.

28 Januar 2021

Meine digitale Mediengeschichte

Bild Wissen sammeln, Zeichnung.

Das Internet und ich, die Geschichte hat irgendwann 1998 angefangen. Damals noch nicht so wirklich schnell, da ich nur einen Amiga 2000 hatte, was die Übertragung noch einmal ordentlich ausgebremst hat. Ja, es gab damals schon einen Internetbrowser für den Amiga, aber das Aufrufen von Webseiten hat ewig gedauert, was also nicht wirklich Spaß gemacht hat.

Richtig los mit den neuen Medien ging es dann so 2001/2002, als ich die Foren und Chats für mich entdeckte. 2004 startete ich dann meinen ersten Blog, nachdem ich durch eine Zeitschrift darauf aufmerksam wurde. Allerdings war ich damals nicht wirklich gefestigt, sodass der Blog ziemlich schnell von mir wieder gelöscht wurde. Im selben Jahr startete ich meine Literaturseite, die einem Blog schon nahekam, aber auf einfache HTML-Dateien basierte. Später zog ich mit der Seite auf ein CMS um, wo es leichter für mich war, meine Buchbesprechungen zu veröffentlichen. Nebenbei war ich weiterhin in Foren unterwegs, wo die Kommunikation mit anderen Menschen viel Spaß machte. Super war damals, dass die Diskussionen immer wieder nachgelesen werden konnten und sich so auch die Möglichkeit ergab, sich mit seinen eigenen Argumenten später noch einmal zu beschäftigen und Widersprüche zu finden, was mich generell sehr viel weiter brachte.

2006 fing ich dann an, mein Abitur auf dem Abendgymnasium nachzuholen, was nicht viel mit den neuen Medien zu tun hat, aber nach einem kleinen Tief und einer Auszeit machte ich mich 2007 auf den Weg zum Abitur und nutzte hierfür ab 2008 einen weiteren Blog, um dort das Gelernte zu reflektieren und so mein Wissen zu festigen. Was als Lernblog begann, ist heute mein persönlicher Blog, in dem ich alle Gedanken und Erlebnisse von mir einfange. Und er hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich im Jahr 2010 mein Abitur dann auch in der Tasche hatte.

Ebenfalls 2008 entdeckte ich dann die sozialen Netzwerke. Es begann mit Twitter, wo ich mich registrierte, um einer anderen Buchbloggerin zu folgen. Durch das geweckte Interesse ging es dann weiter zu Facebook. Wirklich datensparsam bin ich auf beiden Plattformen nicht, was für mich kein Problem ist, weil ich mir so ziemlich bewusst bin, dass das später auch gegen mich verwendet werden könnte. Allerdings stehe ich zu meinen Meinungen und zu meinen Entwicklungen über die vielen Jahre und finde es spannend, meine früheren Ichs dort immer wiederzuentdecken und meine Entwicklung zu verfolgen. In den letzten 12 Jahren kamen dann noch viele andere soziale Netzwerke hinzu, die alle ihren Reiz haben oder hatten und die alle dazu beigetragen haben, meinen Blick auf die Welt zu erweitern. Instagram, Google+ und wie die Netzwerke alle hießen, darunter auch dezentrale Netzwerke wie Mastodon und Diaspora.

Und ich bin weiterhin neugierig auf die Welt, auf die Menschen, die in ihr leben, auf die vielen neuen Ansätze für digitale Medien und soziale Netzwerke, vermisse aber schon die Foren von damals, mit denen ich in diese Welt eingetaucht bin. Vielleicht kommen die irgendwann Mal wieder, aber wenn nicht, sind die vielen anderen digitalen Netzwerke und Medien ja auch gut genug, um Zeit zu verschwenden.

Dieser Artikel ist meine Antwort auf die Reflexionsfragen zum Online-MOOC “Anstand im Netz”, der durch die virtuelle Hochschule Bayern (vhb) angeboten wird.

5 Januar 2021

Bye Bye Studium – 05.01.2021

Studienbrief

Das Jahr 2021 liegt vor uns und es wird ein Jahr sein, in welchem Träume beerdigt werden. Die Corona-Pandemie macht Schlussstriche notwendig, auch weil die Politik es nicht schafft, alte Pfade zu verlassen und neue zu betreten. Aber, um das auch gleich am Anfang zu erwähnen, es ist natürlich nicht nur die Pandemie schuld, es gibt viele Faktoren, die dazu führen, dass Träume beerdigt werden müssen. In meinem Fall wird es jetzt das Studium sein, welches sein Ende findet.

Bye Bye Studium bye bye

Sind wir ehrlich, ich halte eh schon viel zu lange an diesem Traum fest, acht Jahre sind es inzwischen. Hauptgrund, warum es jetzt schon so lange dauert, ist natürlich die finanzielle Situation. Wenn du niemanden im Rücken hast, der dir im Notfall auch Mal finanzielle Löcher stopfen kann und du selbst auch keinen großen finanziellen Spielraum hast, dann ist es echt schwer, sich auf das Studium zu konzentrieren. Ich glaube auch, dass das ein Hauptgrund ist, warum so viele Arbeiter*innenkinder spätestens beim Studium scheitern. Immerhin brechen 1/3 der Arbeiter*innenkinder, die es bis zu einem Studium schaffen, dieses ab. Um es kurz zu erwähnen: ich gehöre zu den 21 Prozent der Arbeiter*innenkinder, die überhaupt ein Studium begonnen haben. Bei Akademikerkindern schaffen es 74 Prozent ein Studium zu beginnen und nur 15 Prozent brechen das Studium ab. Einfach um hier einmal den Vergleich zu schaffen.

Ich habe es jetzt ja einige Jahre versucht und leider war es bei mir so, dass ich durch die ständige Sorge darum, all meine Rechnungen und Fixkosten zu bezahlen, blockiert war. Ich konnte mich nicht auf das Studium konzentrieren, konnte mich nicht auf das Lernen einlassen, weil da immer die Gedanken im Weg waren, wie ich die nächsten Monate finanziell über die Runden komme. Erschwerend hinzu kam natürlich, dass ich mein Studium in einem Alter begonnen habe, in welchem ich weder Zugang zum Bafög hatte, noch konnte ich die günstige Krankenversicherung für Studierende in Anspruch nehmen, was die Fixkosten monatlich natürlich deutlich erhöhte. Dann kommt noch hinzu, dass ein Student auch keinen Anspruch auf Hartz4 hat, was meiner Meinung nach die größte Fehlkonstruktion in unserem System ist! Aber okay, am Ende jammert dann die Wirtschaft halt wieder über fehlende Fachkräfte und das Versagen wird individualisiert.

Bei mir kommt dann als zusätzliches Problem hinzu, dass ich mein Geld als Solo-Selbstständiger verdient habe und weiterhin verdiene – wobei derzeit verdiene ich kein Geld, weil wir die Pandemie haben. Davor habe ich mir immer eingeredet, dass ich jetzt einfach ein ordentliches finanzielles Polster aufbauen muss, um mich dann auf mein Studium zu konzentrieren. Jetzt sind auch diese Einnahmen weg und wie schon erwähnt, der Zugang zu Hartz4 ist auch nicht gegeben, sonst würde ich jetzt die Zeit halt wirklich nutzen, um mich mit meinem Studium zu beschäftigen.

Keine Person, die an einem glaubt

Ein weiterer Faktor, der zum Scheitern führt, ist das Fehlen von – zumindest – einer Person, die an einem glaubt. Jemand, der einen unterstützt, einen Motiviert und der daran glaubt, dass du dein Ziel erreichen kannst und wirst. Ich bin inzwischen überzeugt, dass du als Arbeiter*innenkind genau so eine Person brauchst, damit du auch durch schwierige Zeiten kommst, du irgendwoher die Motivation bekommst, um dein Ziel zu erreichen. Kommt aus deinem Umfeld immer nur die Frage, wann du denn endlich Geld verdienen willst – was die meisten Arbeiter*innenkinder ja durchaus auch während des Studiums tun – hilft das nicht wirklich. Ebenso hilft die Frage nicht, wann du denn endlich fertig bist und ob sich das überhaupt noch lohnt! Das demotiviert, das bringt Selbstzweifel und ist eine zweite Blockade, die du so schnell nicht loswirst!

Wenn du – der das hier gerade liest – ein Arbeiter*innenkind bist und studieren willst, such dir unbedingt eine Person, die dich auf deinem Weg unterstützt, die dich motiviert, die an dich glaubt und mit der du reden kannst, wenn es Mal nicht so gut läuft. Damit hast du viel gewonnen und die Wahrscheinlichkeit, dass du das Studium schaffst, steigt enorm an!

Individueller Faktor

Dann kam noch ein individueller Faktor bei mir hinzu. 2016 hat mich der Selbstmord meines Neffen total aus der Bahn geworfen! Es ist dann nicht einfach weitermachen wie davor! Ich habe mich damals in meinen Auftrag gestürzt, den ich da gerade neu an Land gezogen habe, habe mich damit abgelenkt und hatte dann knapp 2 Jahre gar keine Zeit für mein Studium, weil ich mich mit meinem Auftrag abgelenkt habe und als diese Ablenkung dann weg war, war das Motivationsloch noch tiefer! Ich kämpfe noch heute damit, aus diesem wieder herauszukommen und glaubt mir, die Pandemie ist in diesem Kampf nicht wirklich hilfreich!

Jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich mich entscheiden muss, weil ich entweder an meinem Studium festhalten kann, dadurch aber den Zugang zu Hartz4 verbaue oder ich meine finanzielle Absicherung durch Hartz4 ermögliche, dafür aber mein Studium fallen lasse. Da wir in einem kapitalistischen System leben, ist die Entscheidung nicht wirklich meine, sie ist vorgegeben, weil die Politik auch in dieser Zeit nicht die alten Pfade verlassen will, um sich auf neue gesellschaftliche Pfade zu begeben.

26 Dezember 2020

Melancholische Normalität – 26.12.2020

Tasse Cappucino mit Herz

Das Fenster ist geöffnet. Langsam strömt frische Luft in den Raum, die Träume und die Nacht werden herausgespült und es entsteht neuer Platz für einen neuen Tag.

In der Ferne läuten die Glocken einer Kirche. Das machen sie immer, schon seit Jahren, darauf ist verlass. Sie spiegeln eine Realität, die es so in diesem Jahr nicht gab. Eine Normalität, von der wir weit entfernt sind. Gestern zählte ich auf Instagram schon die Teller, welche die Menschen dort auf ihre Weihnachtstische gestellt hatten. Ich will das nicht! Das ist keine wünschenswerte Normalität!

Es wird langsam kühl im Zimmer. Die Luft fühlt sich nicht mehr so verbraucht an, aber es fehlen die Stimmen, die sonst – zusammen mit der frischen Luft – in das Zimmer transportiert werden. Die Lebendigkeit des Kiezes wäre die Normalität, die bellenden Hunde, die schreienden Kinder, das Lachen, die rege beschäftigten Menschen, all das wäre die Normalität, auch jetzt im Winter.

Doch der Kiez ist still! Es fährt Mal ein Auto vorbei, hier und dort ist Mal in Vogel zu hören, die S-Bahn, die weiterhin stur durch die Gegend fährt. Das ist die normale Realität in diesem Winter. Sie wird hoffentlich nicht zur Normalität, wird hoffentlich nur ein Gastspiel bleiben, so wie das Zählen der Teller auf den Weihnachtstischen der Menschen auf Instagram hoffentlich nur ein Gastspiel bleibt.

Gleich mache ich das Fenster wieder zu, dämpfe diese ungewohnte Stille. Das Zimmer ist bereit für einen neuen Tag, für neue Gedanken und Ideen und vor allem für einen ersten Cappuccino.

11 Dezember 2020

Mal wieder das Thema Armut …

Geld

Leute, ich gebe es auf! Es hört mir eh keine zu und wenn mir Mal wer zuhört, dann kommt die Antwort, dass ich das doch gar nicht so sehen kann, weil ist halt nicht so schlimm. Doch, verdammt noch Mal, ich kann es so sehen, weil ich es selbst erlebt habe! Und nein, ich will nicht in andere Länder schauen, in denen die Armut noch viel schlimmer ist. Ja, es gibt sie, es gibt Länder, wo Menschen verhungern, weil WIR verdammt noch einmal nichts an unserem Wirtschaftssystem ändern wollen und weil WIR auch nichts von unserem Wohlstand abgeben möchten! Ganz im Gegenteil, unser Wohlstand basiert zu großen Teilen auf der Ausbeutung dieser Länder, also hört verdammt noch einmal auf damit, mich auf diese Länder hinzuweisen, solange ihr nicht bereit seid anzuerkennen, dass wir ein Teil des Problems sind!

Aber okay, fangen wir noch einmal von vorne an, weil Armut ist ja immer individuell und dafür kann ja kein anderer was. Sollen die sich halt in der Schule Mal ein wenig mehr anstrengen, dann schaffen sie es auch, die Armut hinter sich zu lassen! Genau, sie sollen sich in der Schule anstrengen, in der sie, weil sie sich bestimmte Statussymbole nicht leisten können, wegen ihrer Armut gemobbt werden. Sie sollen also an dem Ort gute Leistungen bringen, vor dem sie teilweise Angst haben, weil sie sich dort nicht mehr hintrauen und deswegen lieber zu Hause bleiben und den Unterricht schwänzen. Wo sie, wenn sie doch regelmäßig da sind, regelmäßig lernen müssen, dass ihre Beurteilung auch vom gesellschaftlichen Stand geprägt ist und sie halt im schlimmsten Fall nur eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen, obwohl sie durchaus mehr leisten könnten. An diesem Ort sollen die sich dann mehr anstrengen, um der Armut zu entkommen?

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich eigentlich Koch werden wollte? Das war schon im Kindergarten mein Traumberuf, aber ich hatte da nie eine Chance. Warum? Weil ich mir die Ausrüstung gar nicht leisten konnte, die ich aber schon bei jedem Praktikum hätte haben sollen. Jetzt kommen sicher gleich wieder die, die mir sagen, dass das schon irgendwie gegangen wäre, ich nur halt an der richtigen Stelle hätte nach Unterstützung fragen müssen. Denkt ihr doch gerade, oder? Und ja, ihr habt bestimmt recht, irgendwo hätte es sicher Unterstützung gegeben, irgendwo hätte sich ein gebrauchtes Messerset auftreiben lassen, irgendwer hätte sicher auch die andere Berufskleidung bezahlt. Nur es ist immer wieder ein neuer Kampf, es fühlt sich immer wieder genauso scheiße an, um alles betteln zu müssen, um eventuell irgendwo Mal eine Chance zu bekommen! Ich habe dann eine kaufmännische Ausbildung gemacht, weil die Zugangskosten einfach geringer waren.

Ich kann übrigens Gedanken lesen: Ihr denkt gerade, dass ich die Schuld nur bei den anderen suche, weil ich versuche, hier gesellschaftliche Zusammenhänge zu beschreiben. Natürlich habe ich die Fehler selbst gemacht, habe mir Chancen verbaut, habe Türen für immer verschlossen. Natürlich, aber es gibt halt immer auch eine gesellschaftliche Komponente. Die Angst zur Schule zu gehen ist nicht eine individuelle Schuld, sich bestimmte Dinge nicht leisten zu können auch nicht! Das spielt halt immer mit rein, auch wenn das natürlich keiner hören will.

Zu günstige Lebensmittel?

Wenn ihr dann Menschen verurteilt, die sich halt wirklich nur das billigste Fleisch leisten können, die sich wahrscheinlich nicht einmal das kaufen, was sie gerne essen würden, sondern das, was sie sich leisten können, dann ist das auch immer wieder heftig zu lesen. Nein, die Ausrede, dass ihr ja die anderen meint, die gilt dann einfach nicht. Natürlich kaufen auch Menschen günstige Lebensmittel, die sich eigentlich teurere Lebensmittel leisten könnten, aber ganz ehrlich, auch das hängt mit unserem Wirtschaftssystem zusammen. Ein System, welches immer neue Bedürfnisse weckt und bei dem sich Menschen immer wieder neu entscheiden müssen, wie sie ihre finanziellen Mittel aufteilen wollen. Wenn diese dann bei Lebensmitteln sparen können und dies auch tun, dann kann ich auch diese Entscheidung verstehen, auch wenn es natürlich kontraproduktiv ist!

Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, und doch gibt es viele Hunderttausende Menschen, die sich ihre Lebensmittel von den Tafeln holen müssen! Menschen, die ohne diese gespendeten Lebensmittel überhaupt keine Chance hätten, sich Nahrung und eine Wohnung leisten zu können. Da muss ich mich nicht über Menschen lustig machen, die günstige Lebensmittel kaufen, auch wenn die Herstellung dieser Lebensmittel unter katastrophalen Zuständen passiert. Wahrscheinlich habe ich schon viel zu oft erwähnt, dass wir eine Verbesserung in diesen Bereichen nur hinbekommen, wenn wir es schaffen, dass jeder Mensch auf dieser Erde – also nicht nur in Deutschland – ein vernünftiges, lebenswertes Leben mit positiven Zukunftsperspektiven führen kann. Das wird im Kapitalismus nicht möglich sein, da Kapitalismus auf Ausbeutung aufbaut, aber solange wir im Kapitalismus leben, muss irgendwie jeder überleben können und das halt notfalls auch, indem er viel zu günstige Lebensmittel kauft.

Und Fleisch ist hier jetzt nur ein Beispiel, damit mir jetzt niemand kommt und sagt, dass die Menschen dann halt auf Fleisch verzichten müssen. Dasselbe gilt für viele andere Lebensmittel auch, bei vielen anderen Lebensmitteln sind die Zustände auch nicht besser. Erntehelfer, die nicht einmal den Mindestlohn bekommen, Kleinbauern, die von ihrer Arbeit kaum leben können und vieles mehr. Überall gilt, dass die Preise für Lebensmittel wohl deutlich steigen müssten, damit die Erzeuger auch fair am Gewinn beteiligt werden könnten. Dabei müssen aber halt auch die Menschen mit gedacht werden, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind.

Arm dran? Selbst schuld? Warum du dein Schicksal nicht selbst in der Hand hast. | Der rote Faden
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Also gar nichts tun?

Doch! Aber nicht immer gegen Menschen, die dafür nicht wirklich was können. Die Ausbeutung von Natur, Tier und Mensch werden wir nur dann überwinden können, wenn wir den Kapitalismus überwinden. Das wird ein langer Weg, denn als Erstes müssen wir die Gesellschaft radikal demokratisieren. Die Wirtschaft, die Schule, jeder Lebensbereich, jede Institution muss radikal demokratisiert sein, damit Entscheidungen zum Umbau der Gesellschaft getroffen werden können. Bis dahin können wir sicher Verbesserungen erreichen und es ist natürlich auch weiterhin wichtig und notwendig die Missstände aufzuzeigen, aber wer mit dem Finger auf Menschen zeigt, die sich bestimmte Lebensweisen (noch) nicht leisten können, der wird diese Menschen nicht als Partner im Kampf gegen die Missstände gewinnen können. Dasselbe gilt für Kleidung, für Elektroartikel und für alle anderen Konsumgüter.

9 November 2020

Wo ist die Mobilisierung?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Sagt Mal, was läuft hier eigentlich falsch? In Leipzig marschieren zehntausende Wut-Hut-Maskenverweigerer, weil diese der Meinung sind, dass sie – wegen ein bisschen Stoff – in ihrer Freiheit und in ihren Grundrechten beschränkt sind, aber wenn die EU wirkliche Grundrechtsbeschränkungen plant, indem sie einen Generalschlüssel für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Kommunikationsapps wie WhatsApp, Signal und Co. plant, berichten davon nur eine handvoll Medien, aber die Mobilisierung dagegen bleibt aus. Klar, es geht derzeit um einen Entwurf, aber auch gegen einen Entwurf kann schon mobilisiert werden, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass das nicht stillschweigend hingenommen wird!

Warum gelingt es menschenverachtenden Personen, so viele Menschen zu mobilisieren, die anderen Menschen mit ihrem Handeln Schaden zufügen, die sogar in kauf nehmen, dass da andere Menschen sterben, weil sie meinen, dass so ein Mund-Nasenschutz einfach nur schrecklich ist, aber keiner mobilisiert, wenn es um die wirkliche Einschränkung von Grundrechten geht? Ich verstehe es einfach nicht!

Wir sollten anfangen, nicht immer bis zum letzten Moment zu warten, um Irrwege der Politik zu verhindern. Wir sollten schon bei Entwürfen zeigen, dass wir ganz klar gegen solche Grundrechtsbeschränkungen sind, auch dann, wenn als Primärziel immer und immer wieder die Terrorbekämpfung vorgegeben wird. Alle, die immer noch sagen, dass sie nichts zu verbergen hätten, werden sich wundern, wenn sie irgendwann mit einer totalitären Regierung aufwachen. Einer Regierung, die dann all die schönen Werkzeuge nutzen kann, die gerade von repräsentativ-demokratischen Entscheidungsträgern eingeführt werden! Ist uns unsere Privatsphäre wirklich so egal? Sind uns unsere Grundrechte wirklich so unwichtig, dass wir sie dem vorgeblichem Ziel von mehr Sicherheit unterordnen, und dabei den komplett gläsernen Menschen schaffen, nur weil es möglich ist?

Es wundert mich, dass all die Menschen, die sich über Facebook, Google und Co. aufregen, weil diese eine riesige Datensammlung aufbauen, sich nicht darüber aufregen, wenn der Staat sich immer mehr Zugänge in unsere Kommunikation schafft. Terrorbekämpfung kann nicht alles sein, Sicherheitsgesetze nicht die Erklärung für alle Grundrechtsbeschränkungen! Um es einmal deutlich zu sagen: all diese Einschränkungen der Grundrechte, all diese Befugnisse für Sicherheitsbehörden, führen dazu, dass ALLE Menschen unter Generalverdacht gestellt werden!

Nur, um da einmal einen Vergleich zu haben: die Forderung nach einer externen Ermittlungsbehörde, die sich mit Fällen von Polizeigewalt beschäftigt, führt regelmäßig zu der Aussage, dass wir die Polizist*innen nicht unter Generalverdacht stellen dürfen! Warum wird diese Argumentationskette nicht einmal dazu genutzt, um die Grundrechte zu verteidigen? Dann würden Polizei- und Sicherheitsgesetze komplett anders aussehen, aber solange jeder meint, dass er nichts zu verbergen hat, wird sich nichts daran ändern, das autoritär-konservative Politiker unsere Grundrechte immer weiter einschränken.

PS: Nein liebe Wut-Hut-Maskenverweigerer, dieser Beitrag wird an meiner Verachtung zu eurem Menschenhass und eurem Egoismus nichts ändern. Hass und Hetze hat nichts mit dem zu tun, was ich in diesem Artikel versuche zu vermitteln!

28 Oktober 2020

Lebens-ABC: G wie Geduld

Baumreihe

Das Wort „Geduld“ begleitet mich in meinem Leben komischerweise ständig. Ich weiß nicht wieso, aber egal was ich mache, als positives Merkmal wird immer sofort meine Geduld erwähnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein solch geduldiger Mensch bin, ich würde es eher mit Gelassenheit umschreiben, weil Panik und Stress bei Problemlösungen nicht viel bringen. Entweder, ich kann ein Problem sofort lösen, dann wären Panik und Stress eh unnötig, oder ich bekomme es nicht sofort gelöst, dann wären Stress und Panik hinderlich. Im zweiten Fall würde mich blockieren, wenn ich ungeduldig und gestresst wäre und wäre dann nicht mehr in der Lage, mir einen Plan B, gegebenenfalls sogar einen Plan C auszudenken. Das wäre – um es einmal an einem Beispiel festzumachen – bei einem Livestream aber nicht wirklich hilfreich, wenn bei diesem zum Beispiel die Kamera nicht funktioniert. Wenn ich da in Panik verfalle, weil der Livestream in 20 Minuten starten soll, kann ich die 20 Minuten nicht nutzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. In einem solchen Fall sind Geduld und Gelassenheit gefragt! Natürlich kann es sein, dass ich keine Lösung finde und der Livestream deswegen ausfällt, aber wenn ich panisch und ungeduldig bin, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passieren wird, obwohl vielleicht nur ein Kabel falsch angesteckt ist.

Geduld ist auch in anderen Situationen wichtig für mich. Wenn ich einem Kunden zum fünften oder zehnten Mal erkläre, wie etwas geht, dann funktioniert das mit Geduld sehr viel besser. Irgendwann bleibt es hängen, irgendwann wird die andere Person es verstanden und verinnerlicht haben und es ist doch sehr viel angenehmer, wenn sich diese Person bei mir bis dahin melden kann, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich ungeduldig und somit auch gereizt reagiere. Ich jedenfalls habe bei Personen, die bei meinen Nachfragen ungeduldig und gereizt reagieren, Angst, diese beim nächsten Problem erneut anzusprechen, was dann dazu führt, dass ein Problem wahrscheinlich nicht richtig gelöst wird, woraus dann neue Probleme entstehen. Da hilft Gelassenheit und Geduld viel, um Vertrauen und auch ein gutes Gefühl aufzubauen und wir alle wollen uns am Ende doch wohlfühlen, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich gereizt und ungeduldig bin. Wenn in einer Diskussion jemand absolut keine Lust hat, auf die eingebrachten Argumente zu reagieren, sie absichtlich überliest und dann behauptet, dass da bisher gar keine Argumente kamen, dann bin ich sehr ungeduldig. Wenn jemand meint, dass ein Beitrag, in einem Forum zum Beispiel, an dem ich 10 Minuten geschrieben habe, keinerlei Argumente enthält, dann aber nicht einmal bereit ist, seinerseits ein wenig Zeit zu investieren, um dies auch zu begründen, dann bin ich echt ein ungeduldiger und gereizter Mensch, da ist dann auch meine Gelassenheit ganz weit weg!

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

15 Oktober 2020

12 Jahre

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Ach Leute, wie die Zeit doch rennt. Wir haben schon wieder Oktober und im Oktober vor 12 Jahren habe ich diesen Blog hier gestartet. 12 Jahre, das sind auch 1.318 Artikel, 4.088 Kommentare, viele innere Kämpfe und auch viele äußere Kämpfe. Der eigentliche Grund, warum ich diesen Blog hier gestartet habe, war, dass ich mein Abitur nachgeholt habe und ich einen Ort brauchte, wo ich für mich noch einmal das Gelernte rezipieren konnte. Diesen Zweck hatte der Blog 2010 dann eigentlich auch schon erfüllt und das es ihn überhaupt noch gibt, liegt wohl auch daran, dass ich schlecht loslassen kann.

In den vergangen 12 Jahren – und ihr könnt sie vollständig nachlesen – habe ich mich durch den Blog auch verändert. Ich habe hier meine Meinungen und Argumente geschärft, habe sie aufgeschrieben, habe sie über den Haufen geschmissen, habe sie neu Gedacht und habe mich dadurch immer weiter entwickelt. Hier im Blog stehen Meinungen und Gedanken, die ich heute wohl nicht mehr so aufschreiben würde. Das ist spannend, weil es einem selbst oft gar nicht bewusst ist, wie sich die eigenen Gedankengänge, die eigenen Meinungen und Argumente verändern.

Spannend auch dahingehend, wie sich mein Schreiben verändert hat – ich rede jetzt nicht von den vielen Fehlern, die in meinen Texten waren, einige davon gibt es auch heute noch in meinen neuen Texten zu bestaunen. Nein, ich rede hier vom Ausdruck! Ich lese ab und an in meinen alten Texten und merke, wie ich sie heute komplett anders formulieren würde. Einige Texte fühlen sich auch ziemlich fremd an, weil ich mir gar nicht vorstellen kann, dass ich diese Texte Mal genau so aufgeschrieben habe und doch sind es meine Texte, bin ich es, der sich in diesen Texten verbirgt. Es ist spannend und deswegen bleiben die Texte auch online, egal, ob ich noch zu 100 Prozent hinter den Texten stehe oder nicht.

12 Jahre sind es jetzt also, dass dieser Blog in dieser Form online ist. 12 Jahre lang werfe ich jetzt meine Gedanken, meine Erlebnisse, Gefühle und auch meine Kurzgeschichten in dieses Aquarium, sehe zu, wie sie schwimmen und hoffe, dass sie auch von anderen Menschen gesehen werden. 12 Jahre, die ich vielleicht irgendwann Mal in einem Buch zusammenfassen und in mein Regal stellen sollte. Und wenn ich es dann mit 80 nehmen und lesen würde, wäre es wahrscheinlich für mich wieder genauso spannend und aufregend, meine alten Gedanken, Erlebnisse und Kurzgeschichten wieder neu zu entdecken.