24 Dezember 2021

24.12.2021: Das zweite Pandemie-Weihnachtsfest

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Da ist er wieder, der 24.12, der Tag, an dem – wenn wir der Kirche glauben – vor ein paar Tausend Jahren ein Kind geboren wurde, welches Jesus hieß. Ich bin mir sicher, ihr kennt die Geschichte und der Weihnachtsmann ist ja eh das Kind von Coca und Cola 😉 …

Darum geht es mir aber eigentlich gar nicht. Wir haben schon wieder den 24.12 und es ist das zweite Weihnachten mit einer Pandemie. Es ist das zweite Weihnachten, an dem viele Familien nicht zusammen feiern werden, aus Angst, die anderen anzustecken. Klar ist das verständlich und doch befinde ich mich da in einem Dilemma, denn Menschen sterben ja nicht nur an Covid-19, sie sterben auch weiterhin an anderen Krankheiten oder sie gehen, weil einfach die Zeit gekommen ist.

So könnte der Verzicht auf ein gemeinsames Weihnachten, um die geliebten Menschen zu schützen, damit auch in den nächsten Jahren ein gemeinsames Weihnachtsfest möglich ist, auch bedeuten, dass es gar kein gemeinsames Weihnachten mehr gibt! Niemand weiß, wie alt ein Mensch wirklich wird und ab einem gewissen Alter, könnte jedes Weihnachtsfest auch das Letzte sein. Es kann so verdammt schnell gehen und wenn dann noch Einsamkeit hinzukommt, geht es oft noch viel schneller.

Machen wir uns nichts vor, auch wenn es natürlich Möglichkeiten gibt, um den anderen Menschen zumindest virtuell zu sehen, so ersetzt das nicht die Nähe, die ein realer Besuch bringt. Durch einen Bildschirm sind keine Berührungen möglich, ist keine wirkliche Nähe gegeben und ein Videotelefonat dauert auch nicht so lange, wie ein richtiger Besuch bei der Familie.

Hinzu kommen die Nachrichten und die Frage, ob denn überhaupt im nächsten Jahr ein Weihnachtsfest möglich sein wird, bei dem sich die Familie wieder trifft? Vielleicht stecken wir dann in der siebten oder achten Welle und vielleicht ist dann schon wieder ein neuer Mutant unterwegs, der alle Bemühungen zunichtemacht. Niemand weiß das so wirklich und da Impfpatente immer noch wichtiger sind als Menschenleben, wissen wir auch nicht, wann alle Menschen weltweit geimpft sind, die geimpft werden möchten.

Schon im letzten Jahr dachten viele, dass es nur dieses eine Jahr ist, wo sie auf das Weihnachtsfest mit der Familie verzichten müssten, jetzt sind wir im zweiten Jahr und die Gefahr steigt, dass es am Ende gar kein Weihnachten mehr mit den Großeltern gibt, obwohl doch genau das für viele der Grund ist, warum sie jetzt auf das Weihnachtsfest mit der Familie verzichten – sie wollen noch viele weitere Weihnachten mit der Familie verbringen.

Es ist ein Dilemma, aus dem keiner – der darin steckt – so wirklich herauskommt. Die Pandemie klaut einem die Zeit mit der Familie, die ja auch ohne Pandemie schon begrenzt ist. Sie klaut sie, wenn wir auf Familientreffen verzichten – es muss ja nicht unbedingt Weihnachten sein -, um die Familie vor dem Virus zu schützen und sie klaut sie, wenn wir nicht verzichten und damit vielleicht den Virus in der Familie verteilen.

Klar, es gibt auch genügend Menschen, die froh sind, wenn sie einen Grund haben, die Familie nicht treffen zu müssen. Das ist auch okay, aber um die geht es hier im Artikel jetzt nicht.

16 Dezember 2021

Boosterung mit Nebenwirkung

Es ist kurz nach fünf Uhr. Ich liege eingerollt unter meiner Decke, werde aber dennoch wach, weil mir kalt ist. Seltsam, denke ich, weil eigentlich ist es ordentlich warm, aber der schmerzende Arm erinnert mich daran, dass ich am Tag zuvor die Boosterimpfung bekommen habe. Nach AstraZeneca und Biontech jetzt also Moderna. Hallo Moderna, hallo Impfnebenwirkungen!

Ich hielt die ja bisher für ein Gerücht, weil ich bei den ersten beiden Impfungen so überhaupt nichts hatte. Klar, der Arm schmerzte ein wenig, aber nichts Weltbewegendes. Heute also erst Schüttelfrost und ein paar Stunden später dann Fieber – 37,7 Grad – nichts Schlimmes, aber doch eine neue Erfahrung, mit der ich nicht wirklich gerechnet hatte.

Hinzu kommen die leichten aber nervigen Kopfschmerzen. Normal hätte ich da jetzt wohl schon eine Kopfschmerztablette genommen, aber ich will ja kein unnötiges Risiko eingehen und verzichte lieber darauf. Das zweitbeste Mittel gegen Kopfschmerzen ist ja, den ganzen Tag schlafen, funktioniert aber nun auch schon seit Stunden nicht mehr, also muss ich es munter durchstehen und werde wahrscheinlich den ganzen Tag jammern.

Ich vermute aber, dass das allemal besser ist, als am Ende mit Covid-19 aufzuwachen. Klar, in den nächsten Jahren wird wahrscheinlich auch jeder mal daran erkranken, aber es wäre halt schön, wenn es erst passiert, sobald es ordentliche Medikamente gibt und die Intensivbetten nicht ausgelastet sind. Dann doch lieber ein Tag lang Unwohlsein!

Update 18.12.2021

Nachdem der Freitag wieder ganz entspannt war und ich schon gedacht hatte, die Impfnebenwirkungen so weit überstanden zu haben, wachte ich dann heute Nacht gegen 1 Uhr mit einem starken Juckreiz auf. Nesselsucht, extrem nervig. Nichts Neues, habe ich öfter mal an den Armen, aber am ganzen Körper ist es dann doch eklig. Mir war bis dahin gar nicht bewusst, dass das zu den Impfnebenwirkungen gehört, aber ja, es gehört tatsächlich dazu! Zum Glück ist Nesselsucht bei mir etwas, was plötzlich auftritt, dann aber auch relativ schnell wieder verschwindet, nach einer Stunde ist es meist wieder vorbei. Nur in dieser Stunde ist es wichtig, sich selbst ständig vom Kratzen abzuhalten, sonst sieht es längere Zeit sehr lustig aus.

Leichte Muskelschmerzen hatte ich tatsächlich auch, aber nichts, was irgendwie erwähnenswert wäre, wenn ich jetzt nicht die Nesselsucht hätte noch ergänzen müssen. Wenn schon, dann muss es schon auch vollständig sein. Und ja, es ist alles immer noch besser, als den Virus selbst zu haben!

Ich würde mich auch mit diesem Wissen sofort wieder mit Moderna impfen lassen, aber ich bin ja jetzt erst einmal durch und jetzt seid halt ihr dran, etwas gegen die Pandemie zu machen.

6 August 2021

06.08.2021: Umfrage – Sind Impfanreize der richtige Weg?

Verkostung bei Meta Mate Berlin

Impfanreize sind derzeit in aller Munde. Bratwürste gegen Impfung, Geld, Gutscheine, alles wird derzeit in die Diskussion geworfen, um die Impfbereitschaft und somit die Impfquote zu erhöhen. Persönlich habe ich nichts gegen Impf-Grillfeste, wenn das dazu beiträgt, Menschen von der Impfung zu überzeugen. Ich hätte auch nichts gegen andere Impfanreize, auch wenn es für mich natürlich unverständlich ist, dass der Schutz der eigenen Gesundheit und eventuell sogar des eigenen Lebens oder des Lebens eines Familienmitgliedes nicht schon Gegenleistung genug ist. Aber wenn wir durch Impfanreize die Impfquote auf über 80 Prozent bringen können, dann sollten wir die Chance nutzen. Meine Meinung!

Wir sollten halt nicht vergessen, dass unsere Gesellschaft kapitalistisch erzogen ist und für viele bedeutet das eben, dass sie eine greifbare Gegenleistung brauchen, um zu einer Handlung bewegt zu werden. Das wird aber nur ein Teil der Erklärung sein, ein anderer Teil ist, dass für Menschen und Familien mit geringen Einkommen der Anreiz eine warme Mahlzeit zu bekommen, durchaus die Entscheidungsfindung beeinflussen kann, unabhängig von der kapitalistischen Prägung.

Okay, genug der (Vor)Worte, jetzt zur Umfrage: Sind Impfanreize der richtige Weg?

Sind Impfanreize der richtige Weg?

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23 Juli 2021

23.07.2021: Und da ist Impfung Nr.2

Mein eigentlicher Termin für die Zweitimpfung war ja der 07.09.2021 und weil der noch soweit in der Zukunft lag, twitterte ich am Wochenende, dass ich mir schon wünschen würde, einen früheren Impftermin von der Praxis zu bekommen, in welcher ich meine Erstimpfung erhalten habe. Natürlich hätte ich auch einfach irgendwo anders hingehen können, aber da ich schon einen Termin für die Zweitimpfung hatte und das mit der Erstimpfung auch super geklappt hat, kam für mich nur ein früherer Termin in derselben Praxis infrage oder eben der Impftermin, den ich schon hatte.

Wie das Leben so spielt, kam dann am Wochenende ebenfalls eine E-Mail von der Praxis, die mir nicht nur einen früheren Termin ermöglichte, sondern auch den Wechsel zur Kreuzimpfung mit Biontech. Der zweite Punkt war mir gar nicht so wichtig, aber da das empfohlen wurde und ich damit auch direkt im Impffenster lag, habe ich – nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe – mich eben für den Wechsel auf Biontech und auf einen früheren Termin entschieden. Und ja, ich hatte ein schlechtes Gewissen, habe es immer noch, weil ich damit ja doch irgendwen den Ersttermin für die Impfung geklaut habe. Auf der anderen Seite gibt es wohl derzeit auch mehr Impftermine als Impfwillige, was schon ein wenig deprimierend ist, weil wir bei der Impfquote in der Bevölkerung noch weit unter 70 Prozent sind und es echt so wichtig wäre, dass wir schnell weit über die 70 Prozent kommen. So ähnlich war auch die Argumentation auf Twitter und ganz ehrlich, wenn ich am Montag noch einen Termin am Donnerstag bekomme und dann immer noch neun Termine frei sind, dann vermute ich stark, dass die Termine nicht mehr komplett vergeben wurden.

Wie schon erwähnt, habe ich dann direkt einen Termin am Donnerstag dem 22.07 bekommen und habe nun also meine zweite Impfung intus. Das erleichtert mich ein wenig, da jetzt die Jahreszeit kommt, in der es wieder mehr Promotionaufträge gibt und ich somit auch wieder mehr mit Menschen zu tun habe. Die Delta-Variante hat mir ja schon ein wenig Angst gemacht und natürlich weiß ich, dass die Impfung kein Garant dafür ist, dass ich mich nicht doch anstecke, aber der Krankheitsverlauf ist dann eben milder und ja, das bringt dann schon wieder ein wenig mehr Sicherheit ins Leben.

Heute ist nun der erste Tag nach der zweiten Impfung und die Stelle am Impfarm schmerzt diesmal ein wenig stärker als bei der ersten Impfung, ansonsten habe ich aber auch diesmal keine wirklichen Nachwirkungen. Könnte sich natürlich noch ändern, aber da es bei der ersten Impfung auch nicht passiert ist, bin ich guter Dinge, dass der schmerzende Arm auch diesmal die einzige Nachwirkung sein wird, die ich ertragen muss.

Jetzt sind es noch 14 Tage und dann habe ich den vollen Impfschutz, jedenfalls dann, wenn die Impfung bei mir wirkt, da muss ich mich natürlich überraschen lassen, wobei ich keinen Grund wüsste, warum sie bei mir nicht wirken sollte. Ich bin natürlich auch ein wenig glücklich darüber, dass das mit dem Impfen jetzt doch schneller ging als erwartet. Am Anfang dachte ich, ich werde wohl erst im August irgendwann meine Erstimpfung bekommen, aber das lief jetzt doch alles ein wenig anders und dennoch bin ich auch demütig, denn es ist ein absolutes Privileg, hier in der westlichen Welt zu leben. In anderen Ländern, auf anderen Kontinenten ist die Impfquote noch weit unter 10 Prozent und es wird halt nicht leichter für diese Länder, solange wir weiterhin auf Patente und damit auch auf Profite bestehen. Vielleicht verstehen wir ja irgendwann, dass wir mit diesem unsolidarischen Verhalten auch uns selbst schädigen, weil in diesen Ländern der Virus weiterhin munter mutieren kann.

22 Juni 2021

22.06.2021: Erstimpfung, eine Woche danach …

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Meine Impfung ist jetzt knapp eine Woche her und ich bin ja ziemlich enttäuscht! Auf Twitter und Mastodon habe ich von den vielen Nachwirkungen gelesen, durch die die Leute sogar teilweise für drei Tage arbeitsunfähig waren. Ich hatte mir letzte Woche Mittwoch schon ausgemalt, wie schön ich über die Impfung jammern werde, nur weil das ja irgendwie dazu gehört und dann? Dann war da die letzten sechs Tage so überhaupt nichts! Ein paar Schmerzen im Arm, ja, aber nichts, was mich irgendwie an irgendwas gehindert hätte, nicht mal am Einkaufsbeutel tragen. Tatsächlich war die Hitze der letzten Tage sehr viel anstrengender, auch wenn die ebenso keinerlei körperliche Einschränkungen hervorruft, aber dennoch ist diese ganze Hitze, die die Klamotten dauerhaft feucht hält, wenn diese am Körper getragen werden, einfach nur unangenehm.

Ich habe also die letzten sechs Tage auf Kopfschmerzen gewartet, auf einen bewegungsunfähigen Arm, zumindest aber auf ein wenig Fieber, es kam aber nichts! Ich kann mit all dem also nicht angeben, kann nicht über meinen heldenhaften Umgang mit all den Nebenwirkungen berichten, weil es sie einfach nicht gab. So muss ich die Hoffnung dann also wohl auf die zweite Impfung richten, vielleicht bekomme ich durch diese ja noch eine Heldenerzählung hin, die ich meinen Nichten und Neffen dann später einmal erzählen kann!

Und wenn nicht? Dann ist auch gut! Ich hatte ja tatsächlich noch nie Probleme mit Impfungen. Ich kann zwar die Nadeln nicht sehen, schaue also lieber die Wand an oder die Decke, aber ansonsten war bisher immer alles gut und wenn das so bleibt, dann ist das noch viel besser als irgendeine Heldenerzählung vom Fieberkrampf, der mich drei Tage lang ans Bett fesselte – fesselt ein Fieberkrampf einen ans Bett? Und notfalls, wenn Heldenerzählungen doch cool werden, dann kann ich mir ja ein paar Nachwirkungen von Twitter klauen, mixe das ganze noch mit Horrorerzählungen von Impfgegnern und Querdenkern und erzähle das dann, in der Hoffnung, dass niemand diesen Blogartikel hier liest 😉 …

17 Juni 2021

17.06.2021: Erstimpfung – Tag 1

Nun habe ich also auch meine Erstimpfung gegen Covid und da ich einen Blog habe, kann ich hier auch darüber schreiben. Was ich schreibe, ist wahrscheinlich für viele nichts Neues, denn vor mir haben sich ja schon knapp 50 Prozent der Menschen in Deutschland ihre Impfung abgeholt und haben somit schon ihre eigenen Erfahrungen mit der Impfung gemacht. Dass ich jetzt meine Erstimpfung habe, ist auch eher einem Zufall zu verdanken, denn am Dienstag stolperte ich zufällig über die Webseite einer Arztpraxis am Rande von Berlin und dort waren dann noch 11 Impftermine für den Folgetag verfügbar und da ich gerade auf der Suche nach Wartelisten war, sagte ich mir, warum noch auf eine Warteliste, wenn du schon am nächsten Tag deine Impfung haben kannst und so registrierte ich mich für eine Impfung mit AstraZeneca und konnte erst einmal nicht glauben, dass das jetzt so einfach sein sollte. So war ich dann auch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch so ziemlich aufgeregt und musste mich extrem anstrengen, um in den Schlaf zu finden.

Mittwoch stand ich dann zeitig auf, machte mich fertig und fuhr dann die 17 Kilometer zur Arztpraxis mit dem Rad. Das machte ich ziemlich gemütlich, sodass meine Entscheidung, schon knapp 2 Stunden vor dem Termin loszufahren, goldrichtig war. So war ich knapp 20 Minuten vor dem Termin vor der Arztpraxis und konnte mich so pünktlich 10 Minuten vor der Impfung anmelden und dann gab es ziemlich schnell die Spritze und das war es dann auch schon und nach nicht einmal 40 Minuten saß ich schon wieder auf dem Fahrrad und fuhr wieder nach Hause.

Am Abend war ich dann ein wenig KO, was aber nicht unbedingt mit der Impfung im Zusammenhang gebracht werden muss, denn wir haben ja derzeit wieder Temperaturen, die nicht mehr wirklich schön sind und die machen mich auch ohne Impfung fertig. Auch die leichten Kopfschmerzen, die sich dann ankündigten, während ich Fußball schaute, waren wohl eher auf das Wetter zu schieben und nicht auf die Impfung. Also nichts Schlimmes, nicht einmal der Impf-Arm schmerzte zu diesem Zeitpunkt wirklich.

Auch heute, am ersten Tag nach der Impfung, habe ich nur leichte Schmerzen im Impf-Arm. Kopfschmerzen und andere Impfnachwirkungen gibt es bisher nicht. Ich hoffe natürlich, dass das auch so bleibt, aber das werde ich ja in den nächsten Tagen beobachten können.

Meine zweite Impfung findet dann in 12 Wochen statt. Ist echt noch ein langer Zeitraum, aber zur Bundestagswahl habe ich dann den vollen Impfschutz und dann sehen wir mal, wie es mit der Pandemie weitergeht.

21 April 2021

21.04.2021: Pandemiebeobachtungen

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Ein paar Monate haben wir jetzt ja schon die Pandemie und ich bin immer wieder erstaunt über die Beobachtungen, die ich mache, wenn ich dann draußen unterwegs bin. Sei es an der Ampel, am Eisladen, auf den Spielplätzen – an denen ich vorbeikomme – oder generell auf dem Gehweg. Auch in der Kaufhalle ist es mitunter schwierig, die Mitmenschen zu verstehen. Öfter Frage ich mich, ob die Menschen wirklich noch nicht verstanden haben, dass wir uns derzeit in einer Pandemie befinden oder ob es wirklich der Egoismus ist, der die Menschen treibt.

An der Ampel

Ich fahre gerne Fahrrad und während der Pandemie nutze ich es noch öfter, doch sobald ich mit dem Fahrrad an einer roten Ampel halten muss, ich bleibe da ja tatsächlich stehen, wird mir sehr mulmig. Wenn ich mit Abstand zur Person vor mir stehen bleibe, dann ist das tatsächlich keine Einladung für die Radfahrer*innen nach mir, sich noch in diese Lücke zu drängeln. Vielmehr möchte ich den Abstand einhalten, der in der derzeitigen Pandemie geboten ist.

Ganz ehrlich, ich finde es schon ohne Pandemie nervig, wenn sich Radfahrer*innen noch irgendwo ganz vorne an die Ampel drängen müssen, aber ist der Zeitgewinn in einer Pandemie wirklich wichtiger, als die Minimierung des Infektionsrisikos? Es nervt, besonders wenn die Leute dann direkt neben dir anhalten und es so aussieht, als ob sie kuscheln wollen. Ist es wirklich so schlimm, jetzt ein wenig Abstand zu halten, auch mit dem Rad?

Allerdings geht es mir als Fußgänger ja oft nicht besser, auch da halten die Menschen keinen Abstand an der Ampel, machen einfach weiter, als ob es die Pandemie nicht gibt und stellen sich in jede Lücke, die sich irgendwie ergibt. Nicht immer, aber doch sooft, dass es mir unangenehm auffällt.

Vor dem Eisladen

Ich gönne jedem sein Eis, auch wenn ich die Schlangen vor einem Eisladen schon vor der Pandemie nie wirklich verstanden habe. Aber okay, wenn ein Eisladen das beste Eis im Kiez anbietet, dann sollen die Menschen gerne in einer Schlange davor stehen, ich habe da persönlich kein Problem mit, nicht einmal jetzt in der Pandemie. Jedoch stehen diese Schlangen meist auf dem Gehweg, auf dem auch noch andere Menschen, die kein Eis möchten, laufen. Deswegen verstehe ich es absolut nicht, dass viele Menschen, die in diesen Schlangen stehen, derzeit keine Maske auf dem Gesicht haben. Nein, der Abstand zum Vordermensch oder zur Person dahinter kann nicht immer eingehalten werden, deswegen sollte es doch in der Pandemie nicht so schwer sein, sich sein Eis zu kaufen und gleichzeitig das Infektionsrisiko zu minimieren. Ich rede hier nicht einmal von einer FFP2-Maske, es würde ja schon ausreichen, wenn die Menschen in der Schlange eine Stoffmaske auf hätten. Es ist aber nicht der Fall und dabei ist das jetzt schon der zweite Frühling, den wir in einer Pandemiesituation erleben.

Auf dem Spielplatz

Gut, auf dem Spielplatz ist das Maskentragen für Kinder nicht das, was ich verlange, aber einige Spielplätze sind weiterhin so voll wie vor der Pandemie. Klar, Kinder sollen spielen, sie brauchen diese Abwechslung, aber auch das sollte irgendwie pandemiegerecht gemacht werden. Wobei ich hier gar nicht den Eltern die Schuld gebe, sondern eher der Politik.

In meiner Welt hätten sich die Kinder während der Pandemie ein paar feste Kontakte gesucht, mit denen sie sich uneingeschränkt hätten treffen können. Dadurch wäre die Nachverfolgung der Kontakte leichter geworden, wenn sich eine Familie infiziert hätte und auch das Argument, welches permanent gegen Schulschließungen vorgebracht wird, wäre weggefallen, denn die Schüler*innen hätten ihre sozialen Kontakte.

Viel spannendere wären aber die weiteren Möglichkeiten gewesen, denn diese Schüler*innen hätten Lerngruppen bilden können, die dann gemeinsam den Lernstoff durchgearbeitet hätten. Dadurch hätten sich auch Entlastungen für die Eltern ergeben, da diese Lerngruppen gemeinsam an einem Ort hätten lernen können. Natürlich hätten sich die Eltern hier absprechen müssen, wann wo gelernt wird, aber es hätten sich halt auch Freiräume für alle Elternteile ergeben, die es ohne die Lerngruppen eben nicht gab.

Der Vorteil, der mich wieder zu den Spielplätzen zurückbringt, wäre aber auch gewesen, dass diese Gruppen gemeinsame Ausflüge in das Umland hätten unternehmen können, wodurch die Spielplätze in den Städten weniger voll gewesen wären und so auch Kinder und Jugendliche einen größeren Infektionsschutz hätten genießen können, deren Familien finanziell nicht in der Lage sind, mit ihren Kindern ständig Ausflüge in weniger belebte Gebiete zu machen.

Okay, in meiner Welt wären die gefühlten sozialen Kontakte höher, was ja eigentlich kontraproduktiv in der Pandemie ist, aber es wären permanent die Kontakte in den Schulen weggefallen, ebenso wie die Kontakte auf dem Weg hin zur Schule und auf dem Weg von der Schule nach Hause. Aber ich bin kein Wissenschaftler und vielleicht ist diese Idee auch totaler Unfug, lasst deswegen gerne eure Gedanken in den Kommentaren da.

Auf dem Gehweg

Wir waren vorhin schon einmal auf dem Gehweg, als ich vom Eisladen sprach, aber es gibt Menschen, die benutzen den Gehweg so, dass sie das Abstandhalten unmöglich machen. Ich habe deswegen schon öfter die Straßenseite gewechselt, einfach um die Risikokontakte so gering wie möglich zu halten. Ist es denn wirklich so schwer, während der Pandemie, nicht in der Mitte des Gehweges zu laufen, wenn Menschen auf einen zu kommen? Ich meine, wenn der Gehweg leer ist, ist es ja überhaupt kein Problem, aber wenn ich andere Menschen sehe und wenn ich sehe, dass die versuchen den Abstand zu vergrößern, dann sollte ich doch dabei helfen und ebenfalls den Abstand vergrößern? Gefühlt ist es aber so, dass da Leute dann extra noch näher ran kommen und du Angst haben musst, dass die mit dir kuscheln wollen. Warum?

In der Kaufhalle

Mein Horrorort ist ja derzeit die Kaufhalle. Da gehen Leute mit einer Maske vor dem Gesicht rein, doch sobald das Personal außer Sichtweite ist, wandert diese unter das Kinn. Hallo? Aber okay, die Mehrheit hält sich daran, die Maske richtig zu tragen und gegen die, die es nicht tun, kannst du derzeit halt nicht viel machen, weil sich einige von denen ja auf einer Mission wähnen.

Was aber noch sehr viel mehr nervt, sind die Menschen, die meinen, an der Kasse kuscheln zu müssen. Ich habe ja irgendwie sehr stark das Gefühl, dass die Menschen inzwischen sehr kuschelbedürftig sind und dieses auf der Straße, an der Ampel oder halt an der Kasse ausleben wollen. An der Kasse tragen die meisten ja zumindest eine Maske, aber es ist halt nicht angemessen in einer Pandemie. Wobei ich es schon vor der Pandemie gehasst habe, wenn die Menschen sich viel zu nah hinter einen stellen, als ob dadurch die Wartezeit verringert werden könnte. Ich glaube allerdings nicht, dass das einen Zeitgewinn an der Kasse bringt, es sei denn, die Person davor rennt schreiend weg, aber soweit bin ich dann doch noch nicht.

Wie sieht es denn bei euch aus? Kennt ihr die Situationen, die ich versuche zu beschreiben oder bin ich einfach zu sensibel?

12 April 2021

12.04.2021: Coronamontag …

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Es ist schon wieder Montag und so langsam wird es nervig, wenn ich mir die Pandemie-Politik ansehe. Wahrscheinlich muss ich mich mit nächtlichen Ausgangssperren abfinden, weil die Bundesregierung diese unbedingt will, obwohl auch schon mehrere Gerichte die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme angezweifelt haben. Und ja, ich könnte mich jetzt hinstellen – so wie es derzeit viele tun – und sagen, dass mich die Ausgangssperre nicht wirklich betrifft, weil ich zu dieser Uhrzeit meist eh zu Hause bin und ich dann auch nicht das verlangen habe, die Wohnung noch einmal zu verlassen. Aber das ist mir zu einfach, denn ich muss eine sinnlose Maßnahme nicht dadurch legitimieren, dass sie mich kaum tangiert!

Wobei es halt auch nicht so ist, dass mich eine Ausgangssperre überhaupt nicht einschränken würde. Ich gehe derzeit zum Beispiel lieber nach 21 Uhr einkaufen, weil dann die Kaufhallen nicht wirklich voll sind und ich dann selbst tatsächlich durch mein eigenes Handeln dafür sorgen kann, dass der Abstand zu den anderen Menschen stimmt. Und ich bin da garantiert nicht allein, es gibt einige Menschen, die die Zeit nach 21 Uhr für solche Tätigkeiten nutzen, weil es entspannter ist, weil der Schutz vor einer Ansteckung hier mehr gegeben ist, als vor 21 durch volle Kaufhallen zu schleichen oder davor in einer Schlange zu stehen. Eine nächtliche Ausgangssperre würde mir diesen Luxus nehmen, würde vielen anderen diesen Luxus nehmen und – meiner Meinung nach viel schlimmer – es führt dazu, dass die Kaufhallen in der Zeit davor noch viel voller werden. Irgendwann müssen die Menschen ihre Einkäufe ja erledigen und viele werden dann jetzt dazu gezwungen sein, dies direkt nach der Arbeit zu machen. Dann werden sich die Menschen zwischen 18 und 21 Uhr in den Kaufhallen drängen und die Infektionsgefahr wird steigen.

Auch gibt es Menschen – ich habe das hier im Blog schon ein paar mal erzählt – die jetzt lieber die Zeit in der Nacht nutzen, um sich an der frischen Luft zu bewegen. Gerade in einer Großstadt wie Berlin ist es leichter, in der Nacht Abstände einzuhalten und Kontakte zu vermeiden. Auch diese Möglichkeit wird genommen, damit auch das Gefühl, sich sicher draußen bewegen zu können, ohne das Risiko einer Ansteckung stark zu erhöhen. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass da wieder Menschen getroffen werden, deren Lebensqualität schon vor der Pandemie stark eingeschränkt war, weil wir als Gesellschaft diese Gruppen nicht ernst nahmen und die jetzt halt auf noch mehr Lebensqualität verzichten müssen, weil wir diese Menschen als Gesellschaft nicht wahrnehmen und sie auch während und nach der Pandemie nicht ernst nehmen.

Klar, wer das nicht sieht, wer nach 21 Uhr eh immer vor dem Fernseher sitzt, gemütlich ein Buch liest oder andere Dinge in der Wohnung macht, den tangiert das nicht, der sieht eine nächtliche Ausgangssperre gelassen, fühlt sich nicht wirklich eingeschränkt. Der glaubt wahrscheinlich auch die Erzählung, dass da Nachts tausende von Menschen draußen Party machen und nur deswegen die Infektionszahlen steigen. Meiner Meinung nach eine Ausrede der Politik, die nicht wahrhaben möchte, dass sie zur Infektionsbekämpfung auch die Wirtschaft stutzen muss! Also nicht nur die Kulturbetriebe, bei denen sie Denken, dass die total unwichtig sind und deren Insolvenz halt in Kauf genommen wird. Eine Ausrede auch, um nicht zugeben zu müssen, dass die Schulöffnungen nicht schlau waren und natürlich auch ein Mittel, um noch einmal Stärke zu zeigen, um zu zeigen, wie autoritär der Staat immer noch handeln kann und wie wenig er dabei auf demokratische Mitwirkungsprozesse der Bevölkerung setzen muss – dann wäre es nämlich kein autoritäres Handeln mehr.

Ich frage mich übrigens auch, wie die Polizei eine nächtliche Ausgangssperre kontrollieren und durchsetzen möchte, wenn sie schon dabei versagt, Kontaktbeschränkungen und Betretungsverbote durchzusetzen, aber okay, wahrscheinlich ist es einfacher, weil erst einmal jeder, der sich nach 21 Uhr nicht in seiner Wohnung befindet, verdächtig ist. Ich will gar nicht wissen, wie viele rassistische Polizeikontrollen dadurch dann wieder gerechtfertigt werden!

Wenn das Verlassen der Wohnung in der Nacht so gefährlich ist …

Wenn das Verlassen der Wohnung schon in der Nacht so gefährlich ist, wenn es wirklich ein Pandemietreiber ist, wenn Menschen in der Nacht durch die Gegen spazieren, warum ist es dann am Tag erlaubt? Versteckt sich der Virus vor Tageslicht? Wenn wir Ausgangssperren als Mittel sehen, um die dritte Welle zu brechen, dann muss diese 24 Stunden gelten und nicht nur in der Nacht. Dazu würde dann aber auch gehören, dass es wirklich nur für die Menschen ausnahmen von dieser Ausgangssperre gibt, die einer Tätigkeit nachgehen, die auch in Pandemiezeiten wichtig sind! Alles andere wäre dann maximal noch im Home-Office erlaubt. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen dann in eine Sinnkrise geraten, weil sie erkennen müssen, dass ihr hoch dotierter Posten so absolut unwichtig ist, aber okay, das wäre jetzt wieder ein anderes Thema. Und die Vorstellung, dass da viele Singles dann 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, alleine in ihrer Wohnung sitzen, lässt mich auch schon wieder erstarren, denn ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie sich diese Einsamkeit auf diese Menschen auswirkt. Einsamkeit ist übrigens auch so ein Punkt, der in der Pandemie nicht ernst genommen, der sogar gerne übersehen wird!

Aber okay, wir haben eine Pandemie und es sind derzeit viele Ängste im Spiel. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass über Maßnahmen nicht wirklich diskutiert wird, dass sie entweder komplett abgelehnt oder überschwänglich gefeiert werden.

30 März 2021

30.03.2021: Nächtliche Ausgangssperren

Ich habe im letzten Jahr einiges gelernt, habe an einigen Stellen meine Meinung zu Covid-19 und die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung anpassen müssen, habe mich auch immer an alle Auflagen und Maßnahmen gehalten, die eingeführt wurden. Eine Maßnahme jedoch lehne ich schon seit dem Beginn der Pandemie ab und bisher konnte mich auch keiner davon überzeugen, warum diese notwendig sein sollte. Ich rede von nächtlichen Ausgangssperren, die es in einigen Bundesländern schon gab oder gibt.

Nächtliche Ausgangssperren: wo ist der Sinn versteckt?

Kontaktbeschränkungen, Reisebeschränkungen und Masken, alles irgendwie sinnvoll, aber nachts in der Wohnung hocken? Ist das Virus in der Nacht ansteckender? Was spricht gegen nächtliche Sparziergänge, wenn die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden? Zum Teil vielleicht sogar nur in der Nacht eingehalten werden können, weil da bedeutend weniger Menschen unterwegs sind, weil eh alles geschlossen ist? Es ergibt keinen Sinn für mich! Es trifft die, die sich an die Maßnahmen und Vorgaben halten, die aber in der Nacht ihre Zeit gefunden haben, um sich Angstfrei draußen zu bewegen, weil sie in der Nacht die Wege für sich haben und die Begegnungen mit anderen Menschen minimiert sind.

Ich glaube nicht daran, dass sich Menschen, die sich jetzt schon nicht an die Kontaktbeschränkungen halten, durch eine nächtliche Ausgangssperre davon abhalten lassen, sich mit anderen Menschen auf ein Bier zu treffen. Die machen das dann halt nicht mehr draußen an der frischen Luft, sondern in geschlossenen Räumen: Wohnungen, Garagen oder Kellern. Dadurch steigt die Gefahr der Ansteckung noch einmal und ich weiß nicht, ob dies das Ziel einer Maßnahme sein sollte.

Sinnvolle Maßnahme oder nur autoritärer Machtbeweis?

Vielmehr scheint es mir, dass der Staat mit solchen Maßnahmen seine Macht beweisen will. Ich finde es eh erschreckend, wie autoritär unsere Gesellschaft noch immer eingestellt ist. Wie wenig selbstbestimmt wir als Menschen Entscheidungen treffen können, weil wir lieber auf eine starke Führung setzen, die uns sagt, was wir zu tun haben, anstatt kollektiv in einer starken demokratischen Gesellschaft die Entscheidungen zu treffen. Wir suchen uns dann lieber Einzelpersonen, denen wir unsere Entscheidungen anvertrauen, obwohl das gar nicht deren Aufgabe wäre. Aber okay, eine Gesellschaft, die in autoritäre Institutionen gezwängt ist, Institutionen wie Familie und Schule, ist halt noch nicht weit genug, um auf autoritäre Führungspersonen zu verzichten.

Und dann die Wirtschaft …

Noch interessanter wird es allerdings dann, wenn Maßnahmen – wie in Berlin zum Beispiel die beschlossene Home-Office-Pflicht – als Misstrauensvotum gegen die Wirtschaft betitelt werden, die gesamten anderen Maßnahmen aber nicht als Misstrauensvotum gegen die Bevölkerung. Überlegen sich die zuständigen Menschen eigentlich vorher, was sie so von sich geben oder meinen die das wirklich so? Ist die Pflicht, zumindest einen Teil der Menschen endlich ins Home-Office zu schicken, nicht sogar die sinnvollere Maßnahme? Sinnvoller, als Menschen in der Nacht in ihre Wohnung zu sperren? Und sollte ein Jahr Pandemie nicht auch genügend Vertrauen gewesen sein, welches die Wirtschaft nicht genutzt hat, um die Menschen zu schützen und ihnen das Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen?

Natürlich ist das eine Einschränkung, aber die Pandemie ist nun einmal eine Zeit, in der wir uns einschränken müssen. Es gibt genügend Menschen, die seit einem Jahr kein Geld mehr verdienen, die ihre Existenz aufgeben mussten, die sich nach der Pandemie vollkommen neu erfinden müssen. Da ist die Einschränkung, die Menschen im Home-Office arbeiten zu lassen, meiner Meinung nach immer noch kein wirkliches Misstrauen, sondern eine Schutzmaßnahme, die schon längst durch die Wirtschaft selbst hätte umgesetzt werden müssen! Und wer jammert, dass das jetzt alles sehr kurzfristig ist: Nein, ist es nicht, wir haben jetzt ein Jahr lang Pandemie! Letztes Jahr um diese Zeit hätte ich dieses Argument gelten lassen, jetzt ist es aber kein Argument mehr, jetzt ist es nur noch eine Frechheit.

Wir sind jetzt ein Jahr lang in der Pandemie und wir haben uns ein Jahr lang als Gesellschaft nicht weiterentwickelt. Viele sehen ja Krisen immer wieder als Chancen, um eine gesellschaftliche Entwicklung anzustoßen, die Pandemie gehört eindeutig nicht zu diesen Krisen. Die Wirtschaft steht weiterhin über allem, arme Menschen werden im Stich gelassen, genauso wie ärmere Länder und Kontinente. Der nationale Egoismus nimmt noch weiter zu, Eigentum – in Form von Patenten – wird weiterhin höher bewertet als die Gesundheit und das Leben von vielen Milliarden Menschen und ein wirklicher Wandel hin zu einer kooperativen Welt ist weiterhin nicht in Sicht. Aber Menschen nachts in der Wohnung einsperren, das wird wahrscheinlich genau die Maßnahme sein, die uns sicher aus dieser Pandemie führen wird.

21 Januar 2021

#Solimaske – 21.01.2021

#Solimaske ist also der neue Hashtag auf Twitter. Das Ziel dahinter ist, Menschen, die sich die medizinischen Masken nicht leisten können, die jetzt bald zur Pflicht werden, mit einer solchen Maske auszustatten. Das hört sich super an und wird sicher auch den Menschen helfen, den geholfen werden soll, aber ich halte es dennoch für den falschen Weg.

Ich habe nicht wirklich was dagegen, dass sich Menschen zusammentun, um anderen Menschen zu helfen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn sich der Staat aus seiner Verantwortung stiehlt! Ein super Beispiel dafür sind die Tafeln, die inzwischen zu einem festen Bestandteil des Sozialsystems geworden sind und die der Staat nutzt, um die Sozialleistungen wie Hartz4 so knapp wie möglich zu halten. Würden die Tafeln wegfallen, würden viele Hartz4-Bezieher*innen nicht mehr wissen, wie sie eine vernünftige Mahlzeit auf den Tisch bekommen sollten! Genauso falsch empfinde ich meine GoFundMe-Kampagne, die ich starten musste, um irgendwie durch die Pandemie zu kommen, aber der Staat stiehlt sich auch hier aus der Verantwortung.

Die Frage ist, ob wir das jetzt bei den Masken wieder zulassen möchten. Der Staat beschließt, dass die Bürger*innen bestimmte Masken nutzen müssen und dann ist er auch in der Verantwortung, allen Menschen diese Masken zur Verfügung zu stellen. Immerhin geht es hier auch darum, dass die Menschen ohne Masken nicht mehr einkaufen könnten und in ihrer Mobilität beschränkt wären. Da kann es nicht sein, dass die Hilfe wieder Privat organisiert wird. Nicht, weil private Hilfe was Schlechtes wäre, sondern weil der Staat eine Fürsorgepflicht für seine Bürger*innen hat!

Wir sollten ihn diesmal nicht daraus entlassen! Wer Unternehmen mit Milliarden retten kann, wer zum Beispiel die Lufthansa mit 9 Milliarden unterstützt, der kann auch dafür sorgen, dass alle Bürger*innen genügend Masken kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Und ja, ich rede von allen, nicht nur von bedürftigen Menschen, sondern jeder sollte diese Masken kostenlos bekommen, denn der Staat beschränkt mit dieser Maskenpflicht den Zugang zur Grundversorgung, er beschränkt die Möglichkeit sich Lebensmittel zu kaufen, er beschränkt die Möglichkeit sich zu bewegen, um zum Beispiel zu Arztterminen zu kommen, oder zu Gerichtsterminen, oder zu Terminen beim Jobcenter, um einfach Mal ein paar Dinge zu nennen, die der Staat mit der Maskenpflicht beschränkt.

Wenn jetzt Menschen privat diese Aufgabe übernehmen, dann wird sich das wieder zu einem festen Bestandteil des staatlichen Handelns entwickeln, auch wenn es überhaupt nicht darauf ausgelegt ist. Der Staat wird sich darauf verlassen, das sich die Bürger*innen gegenseitig helfen, um sich so selbst aus seiner Verantwortung zu entlassen.