21 April 2021

21.04.2021: Pandemiebeobachtungen

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Ein paar Monate haben wir jetzt ja schon die Pandemie und ich bin immer wieder erstaunt über die Beobachtungen, die ich mache, wenn ich dann draußen unterwegs bin. Sei es an der Ampel, am Eisladen, auf den Spielplätzen – an denen ich vorbeikomme – oder generell auf dem Gehweg. Auch in der Kaufhalle ist es mitunter schwierig, die Mitmenschen zu verstehen. Öfter Frage ich mich, ob die Menschen wirklich noch nicht verstanden haben, dass wir uns derzeit in einer Pandemie befinden oder ob es wirklich der Egoismus ist, der die Menschen treibt.

An der Ampel

Ich fahre gerne Fahrrad und während der Pandemie nutze ich es noch öfter, doch sobald ich mit dem Fahrrad an einer roten Ampel halten muss, ich bleibe da ja tatsächlich stehen, wird mir sehr mulmig. Wenn ich mit Abstand zur Person vor mir stehen bleibe, dann ist das tatsächlich keine Einladung für die Radfahrer*innen nach mir, sich noch in diese Lücke zu drängeln. Vielmehr möchte ich den Abstand einhalten, der in der derzeitigen Pandemie geboten ist.

Ganz ehrlich, ich finde es schon ohne Pandemie nervig, wenn sich Radfahrer*innen noch irgendwo ganz vorne an die Ampel drängen müssen, aber ist der Zeitgewinn in einer Pandemie wirklich wichtiger, als die Minimierung des Infektionsrisikos? Es nervt, besonders wenn die Leute dann direkt neben dir anhalten und es so aussieht, als ob sie kuscheln wollen. Ist es wirklich so schlimm, jetzt ein wenig Abstand zu halten, auch mit dem Rad?

Allerdings geht es mir als Fußgänger ja oft nicht besser, auch da halten die Menschen keinen Abstand an der Ampel, machen einfach weiter, als ob es die Pandemie nicht gibt und stellen sich in jede Lücke, die sich irgendwie ergibt. Nicht immer, aber doch sooft, dass es mir unangenehm auffällt.

Vor dem Eisladen

Ich gönne jedem sein Eis, auch wenn ich die Schlangen vor einem Eisladen schon vor der Pandemie nie wirklich verstanden habe. Aber okay, wenn ein Eisladen das beste Eis im Kiez anbietet, dann sollen die Menschen gerne in einer Schlange davor stehen, ich habe da persönlich kein Problem mit, nicht einmal jetzt in der Pandemie. Jedoch stehen diese Schlangen meist auf dem Gehweg, auf dem auch noch andere Menschen, die kein Eis möchten, laufen. Deswegen verstehe ich es absolut nicht, dass viele Menschen, die in diesen Schlangen stehen, derzeit keine Maske auf dem Gesicht haben. Nein, der Abstand zum Vordermensch oder zur Person dahinter kann nicht immer eingehalten werden, deswegen sollte es doch in der Pandemie nicht so schwer sein, sich sein Eis zu kaufen und gleichzeitig das Infektionsrisiko zu minimieren. Ich rede hier nicht einmal von einer FFP2-Maske, es würde ja schon ausreichen, wenn die Menschen in der Schlange eine Stoffmaske auf hätten. Es ist aber nicht der Fall und dabei ist das jetzt schon der zweite Frühling, den wir in einer Pandemiesituation erleben.

Auf dem Spielplatz

Gut, auf dem Spielplatz ist das Maskentragen für Kinder nicht das, was ich verlange, aber einige Spielplätze sind weiterhin so voll wie vor der Pandemie. Klar, Kinder sollen spielen, sie brauchen diese Abwechslung, aber auch das sollte irgendwie pandemiegerecht gemacht werden. Wobei ich hier gar nicht den Eltern die Schuld gebe, sondern eher der Politik.

In meiner Welt hätten sich die Kinder während der Pandemie ein paar feste Kontakte gesucht, mit denen sie sich uneingeschränkt hätten treffen können. Dadurch wäre die Nachverfolgung der Kontakte leichter geworden, wenn sich eine Familie infiziert hätte und auch das Argument, welches permanent gegen Schulschließungen vorgebracht wird, wäre weggefallen, denn die Schüler*innen hätten ihre sozialen Kontakte.

Viel spannendere wären aber die weiteren Möglichkeiten gewesen, denn diese Schüler*innen hätten Lerngruppen bilden können, die dann gemeinsam den Lernstoff durchgearbeitet hätten. Dadurch hätten sich auch Entlastungen für die Eltern ergeben, da diese Lerngruppen gemeinsam an einem Ort hätten lernen können. Natürlich hätten sich die Eltern hier absprechen müssen, wann wo gelernt wird, aber es hätten sich halt auch Freiräume für alle Elternteile ergeben, die es ohne die Lerngruppen eben nicht gab.

Der Vorteil, der mich wieder zu den Spielplätzen zurückbringt, wäre aber auch gewesen, dass diese Gruppen gemeinsame Ausflüge in das Umland hätten unternehmen können, wodurch die Spielplätze in den Städten weniger voll gewesen wären und so auch Kinder und Jugendliche einen größeren Infektionsschutz hätten genießen können, deren Familien finanziell nicht in der Lage sind, mit ihren Kindern ständig Ausflüge in weniger belebte Gebiete zu machen.

Okay, in meiner Welt wären die gefühlten sozialen Kontakte höher, was ja eigentlich kontraproduktiv in der Pandemie ist, aber es wären permanent die Kontakte in den Schulen weggefallen, ebenso wie die Kontakte auf dem Weg hin zur Schule und auf dem Weg von der Schule nach Hause. Aber ich bin kein Wissenschaftler und vielleicht ist diese Idee auch totaler Unfug, lasst deswegen gerne eure Gedanken in den Kommentaren da.

Auf dem Gehweg

Wir waren vorhin schon einmal auf dem Gehweg, als ich vom Eisladen sprach, aber es gibt Menschen, die benutzen den Gehweg so, dass sie das Abstandhalten unmöglich machen. Ich habe deswegen schon öfter die Straßenseite gewechselt, einfach um die Risikokontakte so gering wie möglich zu halten. Ist es denn wirklich so schwer, während der Pandemie, nicht in der Mitte des Gehweges zu laufen, wenn Menschen auf einen zu kommen? Ich meine, wenn der Gehweg leer ist, ist es ja überhaupt kein Problem, aber wenn ich andere Menschen sehe und wenn ich sehe, dass die versuchen den Abstand zu vergrößern, dann sollte ich doch dabei helfen und ebenfalls den Abstand vergrößern? Gefühlt ist es aber so, dass da Leute dann extra noch näher ran kommen und du Angst haben musst, dass die mit dir kuscheln wollen. Warum?

In der Kaufhalle

Mein Horrorort ist ja derzeit die Kaufhalle. Da gehen Leute mit einer Maske vor dem Gesicht rein, doch sobald das Personal außer Sichtweite ist, wandert diese unter das Kinn. Hallo? Aber okay, die Mehrheit hält sich daran, die Maske richtig zu tragen und gegen die, die es nicht tun, kannst du derzeit halt nicht viel machen, weil sich einige von denen ja auf einer Mission wähnen.

Was aber noch sehr viel mehr nervt, sind die Menschen, die meinen, an der Kasse kuscheln zu müssen. Ich habe ja irgendwie sehr stark das Gefühl, dass die Menschen inzwischen sehr kuschelbedürftig sind und dieses auf der Straße, an der Ampel oder halt an der Kasse ausleben wollen. An der Kasse tragen die meisten ja zumindest eine Maske, aber es ist halt nicht angemessen in einer Pandemie. Wobei ich es schon vor der Pandemie gehasst habe, wenn die Menschen sich viel zu nah hinter einen stellen, als ob dadurch die Wartezeit verringert werden könnte. Ich glaube allerdings nicht, dass das einen Zeitgewinn an der Kasse bringt, es sei denn, die Person davor rennt schreiend weg, aber soweit bin ich dann doch noch nicht.

Wie sieht es denn bei euch aus? Kennt ihr die Situationen, die ich versuche zu beschreiben oder bin ich einfach zu sensibel?

12 April 2021

12.04.2021: Coronamontag …

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Es ist schon wieder Montag und so langsam wird es nervig, wenn ich mir die Pandemie-Politik ansehe. Wahrscheinlich muss ich mich mit nächtlichen Ausgangssperren abfinden, weil die Bundesregierung diese unbedingt will, obwohl auch schon mehrere Gerichte die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme angezweifelt haben. Und ja, ich könnte mich jetzt hinstellen – so wie es derzeit viele tun – und sagen, dass mich die Ausgangssperre nicht wirklich betrifft, weil ich zu dieser Uhrzeit meist eh zu Hause bin und ich dann auch nicht das verlangen habe, die Wohnung noch einmal zu verlassen. Aber das ist mir zu einfach, denn ich muss eine sinnlose Maßnahme nicht dadurch legitimieren, dass sie mich kaum tangiert!

Wobei es halt auch nicht so ist, dass mich eine Ausgangssperre überhaupt nicht einschränken würde. Ich gehe derzeit zum Beispiel lieber nach 21 Uhr einkaufen, weil dann die Kaufhallen nicht wirklich voll sind und ich dann selbst tatsächlich durch mein eigenes Handeln dafür sorgen kann, dass der Abstand zu den anderen Menschen stimmt. Und ich bin da garantiert nicht allein, es gibt einige Menschen, die die Zeit nach 21 Uhr für solche Tätigkeiten nutzen, weil es entspannter ist, weil der Schutz vor einer Ansteckung hier mehr gegeben ist, als vor 21 durch volle Kaufhallen zu schleichen oder davor in einer Schlange zu stehen. Eine nächtliche Ausgangssperre würde mir diesen Luxus nehmen, würde vielen anderen diesen Luxus nehmen und – meiner Meinung nach viel schlimmer – es führt dazu, dass die Kaufhallen in der Zeit davor noch viel voller werden. Irgendwann müssen die Menschen ihre Einkäufe ja erledigen und viele werden dann jetzt dazu gezwungen sein, dies direkt nach der Arbeit zu machen. Dann werden sich die Menschen zwischen 18 und 21 Uhr in den Kaufhallen drängen und die Infektionsgefahr wird steigen.

Auch gibt es Menschen – ich habe das hier im Blog schon ein paar mal erzählt – die jetzt lieber die Zeit in der Nacht nutzen, um sich an der frischen Luft zu bewegen. Gerade in einer Großstadt wie Berlin ist es leichter, in der Nacht Abstände einzuhalten und Kontakte zu vermeiden. Auch diese Möglichkeit wird genommen, damit auch das Gefühl, sich sicher draußen bewegen zu können, ohne das Risiko einer Ansteckung stark zu erhöhen. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass da wieder Menschen getroffen werden, deren Lebensqualität schon vor der Pandemie stark eingeschränkt war, weil wir als Gesellschaft diese Gruppen nicht ernst nahmen und die jetzt halt auf noch mehr Lebensqualität verzichten müssen, weil wir diese Menschen als Gesellschaft nicht wahrnehmen und sie auch während und nach der Pandemie nicht ernst nehmen.

Klar, wer das nicht sieht, wer nach 21 Uhr eh immer vor dem Fernseher sitzt, gemütlich ein Buch liest oder andere Dinge in der Wohnung macht, den tangiert das nicht, der sieht eine nächtliche Ausgangssperre gelassen, fühlt sich nicht wirklich eingeschränkt. Der glaubt wahrscheinlich auch die Erzählung, dass da Nachts tausende von Menschen draußen Party machen und nur deswegen die Infektionszahlen steigen. Meiner Meinung nach eine Ausrede der Politik, die nicht wahrhaben möchte, dass sie zur Infektionsbekämpfung auch die Wirtschaft stutzen muss! Also nicht nur die Kulturbetriebe, bei denen sie Denken, dass die total unwichtig sind und deren Insolvenz halt in Kauf genommen wird. Eine Ausrede auch, um nicht zugeben zu müssen, dass die Schulöffnungen nicht schlau waren und natürlich auch ein Mittel, um noch einmal Stärke zu zeigen, um zu zeigen, wie autoritär der Staat immer noch handeln kann und wie wenig er dabei auf demokratische Mitwirkungsprozesse der Bevölkerung setzen muss – dann wäre es nämlich kein autoritäres Handeln mehr.

Ich frage mich übrigens auch, wie die Polizei eine nächtliche Ausgangssperre kontrollieren und durchsetzen möchte, wenn sie schon dabei versagt, Kontaktbeschränkungen und Betretungsverbote durchzusetzen, aber okay, wahrscheinlich ist es einfacher, weil erst einmal jeder, der sich nach 21 Uhr nicht in seiner Wohnung befindet, verdächtig ist. Ich will gar nicht wissen, wie viele rassistische Polizeikontrollen dadurch dann wieder gerechtfertigt werden!

Wenn das Verlassen der Wohnung in der Nacht so gefährlich ist …

Wenn das Verlassen der Wohnung schon in der Nacht so gefährlich ist, wenn es wirklich ein Pandemietreiber ist, wenn Menschen in der Nacht durch die Gegen spazieren, warum ist es dann am Tag erlaubt? Versteckt sich der Virus vor Tageslicht? Wenn wir Ausgangssperren als Mittel sehen, um die dritte Welle zu brechen, dann muss diese 24 Stunden gelten und nicht nur in der Nacht. Dazu würde dann aber auch gehören, dass es wirklich nur für die Menschen ausnahmen von dieser Ausgangssperre gibt, die einer Tätigkeit nachgehen, die auch in Pandemiezeiten wichtig sind! Alles andere wäre dann maximal noch im Home-Office erlaubt. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen dann in eine Sinnkrise geraten, weil sie erkennen müssen, dass ihr hoch dotierter Posten so absolut unwichtig ist, aber okay, das wäre jetzt wieder ein anderes Thema. Und die Vorstellung, dass da viele Singles dann 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, alleine in ihrer Wohnung sitzen, lässt mich auch schon wieder erstarren, denn ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie sich diese Einsamkeit auf diese Menschen auswirkt. Einsamkeit ist übrigens auch so ein Punkt, der in der Pandemie nicht ernst genommen, der sogar gerne übersehen wird!

Aber okay, wir haben eine Pandemie und es sind derzeit viele Ängste im Spiel. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass über Maßnahmen nicht wirklich diskutiert wird, dass sie entweder komplett abgelehnt oder überschwänglich gefeiert werden.

30 März 2021

30.03.2021: Nächtliche Ausgangssperren

Ich habe im letzten Jahr einiges gelernt, habe an einigen Stellen meine Meinung zu Covid-19 und die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung anpassen müssen, habe mich auch immer an alle Auflagen und Maßnahmen gehalten, die eingeführt wurden. Eine Maßnahme jedoch lehne ich schon seit dem Beginn der Pandemie ab und bisher konnte mich auch keiner davon überzeugen, warum diese notwendig sein sollte. Ich rede von nächtlichen Ausgangssperren, die es in einigen Bundesländern schon gab oder gibt.

Nächtliche Ausgangssperren: wo ist der Sinn versteckt?

Kontaktbeschränkungen, Reisebeschränkungen und Masken, alles irgendwie sinnvoll, aber nachts in der Wohnung hocken? Ist das Virus in der Nacht ansteckender? Was spricht gegen nächtliche Sparziergänge, wenn die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden? Zum Teil vielleicht sogar nur in der Nacht eingehalten werden können, weil da bedeutend weniger Menschen unterwegs sind, weil eh alles geschlossen ist? Es ergibt keinen Sinn für mich! Es trifft die, die sich an die Maßnahmen und Vorgaben halten, die aber in der Nacht ihre Zeit gefunden haben, um sich Angstfrei draußen zu bewegen, weil sie in der Nacht die Wege für sich haben und die Begegnungen mit anderen Menschen minimiert sind.

Ich glaube nicht daran, dass sich Menschen, die sich jetzt schon nicht an die Kontaktbeschränkungen halten, durch eine nächtliche Ausgangssperre davon abhalten lassen, sich mit anderen Menschen auf ein Bier zu treffen. Die machen das dann halt nicht mehr draußen an der frischen Luft, sondern in geschlossenen Räumen: Wohnungen, Garagen oder Kellern. Dadurch steigt die Gefahr der Ansteckung noch einmal und ich weiß nicht, ob dies das Ziel einer Maßnahme sein sollte.

Sinnvolle Maßnahme oder nur autoritärer Machtbeweis?

Vielmehr scheint es mir, dass der Staat mit solchen Maßnahmen seine Macht beweisen will. Ich finde es eh erschreckend, wie autoritär unsere Gesellschaft noch immer eingestellt ist. Wie wenig selbstbestimmt wir als Menschen Entscheidungen treffen können, weil wir lieber auf eine starke Führung setzen, die uns sagt, was wir zu tun haben, anstatt kollektiv in einer starken demokratischen Gesellschaft die Entscheidungen zu treffen. Wir suchen uns dann lieber Einzelpersonen, denen wir unsere Entscheidungen anvertrauen, obwohl das gar nicht deren Aufgabe wäre. Aber okay, eine Gesellschaft, die in autoritäre Institutionen gezwängt ist, Institutionen wie Familie und Schule, ist halt noch nicht weit genug, um auf autoritäre Führungspersonen zu verzichten.

Und dann die Wirtschaft …

Noch interessanter wird es allerdings dann, wenn Maßnahmen – wie in Berlin zum Beispiel die beschlossene Home-Office-Pflicht – als Misstrauensvotum gegen die Wirtschaft betitelt werden, die gesamten anderen Maßnahmen aber nicht als Misstrauensvotum gegen die Bevölkerung. Überlegen sich die zuständigen Menschen eigentlich vorher, was sie so von sich geben oder meinen die das wirklich so? Ist die Pflicht, zumindest einen Teil der Menschen endlich ins Home-Office zu schicken, nicht sogar die sinnvollere Maßnahme? Sinnvoller, als Menschen in der Nacht in ihre Wohnung zu sperren? Und sollte ein Jahr Pandemie nicht auch genügend Vertrauen gewesen sein, welches die Wirtschaft nicht genutzt hat, um die Menschen zu schützen und ihnen das Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen?

Natürlich ist das eine Einschränkung, aber die Pandemie ist nun einmal eine Zeit, in der wir uns einschränken müssen. Es gibt genügend Menschen, die seit einem Jahr kein Geld mehr verdienen, die ihre Existenz aufgeben mussten, die sich nach der Pandemie vollkommen neu erfinden müssen. Da ist die Einschränkung, die Menschen im Home-Office arbeiten zu lassen, meiner Meinung nach immer noch kein wirkliches Misstrauen, sondern eine Schutzmaßnahme, die schon längst durch die Wirtschaft selbst hätte umgesetzt werden müssen! Und wer jammert, dass das jetzt alles sehr kurzfristig ist: Nein, ist es nicht, wir haben jetzt ein Jahr lang Pandemie! Letztes Jahr um diese Zeit hätte ich dieses Argument gelten lassen, jetzt ist es aber kein Argument mehr, jetzt ist es nur noch eine Frechheit.

Wir sind jetzt ein Jahr lang in der Pandemie und wir haben uns ein Jahr lang als Gesellschaft nicht weiterentwickelt. Viele sehen ja Krisen immer wieder als Chancen, um eine gesellschaftliche Entwicklung anzustoßen, die Pandemie gehört eindeutig nicht zu diesen Krisen. Die Wirtschaft steht weiterhin über allem, arme Menschen werden im Stich gelassen, genauso wie ärmere Länder und Kontinente. Der nationale Egoismus nimmt noch weiter zu, Eigentum – in Form von Patenten – wird weiterhin höher bewertet als die Gesundheit und das Leben von vielen Milliarden Menschen und ein wirklicher Wandel hin zu einer kooperativen Welt ist weiterhin nicht in Sicht. Aber Menschen nachts in der Wohnung einsperren, das wird wahrscheinlich genau die Maßnahme sein, die uns sicher aus dieser Pandemie führen wird.

14 Januar 2021

Das Arschloch ist das Virus selbst!

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Stellt euch Mal folgende – von mir absolut frei erfundene – Aussagen vor:

„Hättest du nicht mit deinem Kind gekuschelt, nachdem es einen absolut schrecklichen Tag in der Schule hatte und dich an die Regeln, die derzeit in der Pandemie gelten, gehalten, dann hättest du dich auch nicht mit Covid-19 infizieren können!“

Mein krankes Hirn

oder:

„Hättest du dich doch nur die letzten 10 Monate komplett in deiner Wohnung isoliert, jeden sozialen Kontakt vermieden und dir deine Einkäufe nur zu Vollmond liefern lassen, dann würden wir dich jetzt hier nicht ….“

Mein noch kränkeres Hirn

Nein, die zweite Aussage denke ich jetzt nicht weiter und ja, es ist ein absolut seltsamer Einsteig in einen Blogartikel, aber nachdem ich die Kommentare gelesen habe, die unter folgendem Erfahrungsbericht(Link klicken) zu finden waren, der von einer Person geschrieben wurde, die sich mit Covid-19 infiziert hat, verzweifle ich an dieser Welt schon wieder ein wenig mehr!

Ich halte diese Erfahrungsberichte für wichtig, ich halte sie für eine Bereicherung und ich wünschte mir sehr viel mehr davon. Doch solange es Menschen gibt, die hier die Schuld an der Infektion individualisieren möchten und damit jegliche Kritik an den Staat und seine Institutionen abschmettern wollen, dann wird es diese Berichte nicht geben, dann werden wir viele wichtige Hinweise nicht erhalten, viele Dinge, aus denen wir lernen könnten, die uns sogar besser durch eine eigene Erkrankung führen könnten. Doch wenn hier wieder ein persönliches Versagen herbeiphantasiert wird, weil es kann ja nur krank werden, wer sich nicht zu hundert Prozent an die Regeln gehalten hat, wird die Scham der Menschen verhindern, dass diese über ihre eigene Erkrankung schreiben!

Keiner von uns hat sich in den letzten Monaten zu hundert Prozent an die Regeln gehalten, keiner von uns ist bis hierhin fehlerfrei durch die Pandemie gegangen. Jeder von uns hat sich Situationen ausgesetzt, bei denen wir uns hätten infizieren können. Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die ihre Kontakte zu anderen Menschen auf null runtergefahren haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er bleibt es auch in einer Pandemie und somit besteht immer die Gefahr, sich zu infizieren! Deswegen ist eine Infektion auch nicht die Frage der persönlichen Schuld, zumindest dann nicht, wenn sich die Person so weit wie möglich an alle Regeln hält. Bei Personen, die den Virus und die Pandemie noch immer abstreiten, ist eine andere Bewertung durchaus möglich, aber um die geht es hier nicht.

Von der App bis zur Impfung – alles absolut scheiße!

Wann hören wir auf, aus dieser Pandemie einen Wettbewerb zu machen? Wann hören wir auf, aus jedem kleinen Fehler einen Elefanten zu machen, weil wir persönlich ja soviel besser sind und das alles anders gemacht hätten? Ja, genau darauf spiele ich mit meiner Zwischenüberschrift an! Keiner von uns hat wirklich Erfahrungen mit einer Massenimpfung, niemand hat sich vorher Gedanken über eine App gemacht, die eine datenschutzfreundliche Kontaktverfolgung ermöglicht, aber wenn ich so in meinen Filterblasen unterwegs bin, dann scheint es jeder besser zu können.

Nehmen wir die Impfung: Klar wurden und werden Fehler gemacht, aber abgesehen davon, wie viele Menschen hätten denn bis heute schon geimpft sein müssen, damit die Impfstrategie nicht Scheiße wäre? Einige scheinen zu meinen, dass der Impfstoff in unendlicher Menge zur Verfügung steht und die Regierung einfach nur hätte mehr kaufen müssen, damit wir jetzt schon sehr viel weiter wären mit der Impfung. Dabei steht er nicht unendlich zur Verfügung, dabei ist er jetzt schon ungerecht verteilt und es wird auf dieser Welt Menschen geben, die noch zwei oder drei Jahre auf eine Impfung warten müssen. Darüber müssen wir reden, nicht über die paar Fehler, die in den vergangenen Wochen gemacht wurden. Fehler, die jetzt gemacht werden, optimieren den Impfverlauf in den nächsten Monaten, in denen dann auch ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sie gehören zum Lernprozess, den wir alle in dieser Pandemie durchlaufen und sie bereichern unseren Erfahrungsschatz.

Wenn wir uns also über etwas aufregen wollen, dann muss es das unsolidarische Patentrecht sein, welches verhindert, dass der Impfstoff jetzt einfach in ärmeren Ländern selbst produziert wird, ohne das hohe Lizenzkosten anfallen. Oder über das kapitalistische System an sich, wodurch auch in der Krise wieder die profitieren, die schon vorher immer profitiert haben und die, die vorher schon abgehängt waren, noch weiter abgehängt werden.

Jetzt bin ich aber irgendwie abgeschweift, war ich doch eigentlich bei den Kommentaren, die versuchen berechtigte Kritik zu unterbinden, indem sie irgendeine individuelle Schuld konstruieren. Hört doch einfach auf damit, nehmt Erfahrungsberichte über die Krankheit mit, freut euch darüber, wenn Menschen sich trauen, über ihre Erkrankung zu schreiben, weil das unseren Wissensschatz erweitert, weil es euch bereichert, es Handlungsempfehlungen gibt und ihr ganz einfach wisst, was auf euch zukommen könnte, wenn ihr dann selbst betroffen seid! Das Arschloch ist nicht die Person, die an dem Virus erkrankt, das Arschloch ist das Virus selbst!

12 Januar 2021

FFP2-Masken – 12.01.2021

Baumreihe

Die Corona-Pandemie zeigt immer deutlicher, dass die Politik Menschen mit geringen Einkommen in ihren Maßnahmen einfach nicht mitdenkt. Seit Monaten verweigert der Bund Menschen, die im Hartz4-Bezug sind, einen Corona-Mehrbedarf, der aber dringend nötig wäre, da andere Hilfsangebote nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen – ebenfalls wegen der Pandemie. Jetzt kommt Bayern und führt die Pflicht ein, im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel FFP2-Masken zu tragen. Die Idee mag ja nicht schlecht sein, da hierdurch auch der Eigenschutz erhöht wird, aber erneut wird davon ausgegangen, dass sich alle Menschen diese Masken leisten können. Dem ist aber nicht so!

In Haushalten mit niedrigem Einkommen – Hartz4-Empfänger mit einbezogen – sind die Einnahmen meist schon fest verplant für Miete, Strom, Heizung und Nahrungsmittel. Jede zusätzliche Ausgabe bedeutet, dass irgendwo anders gespart werden muss, im schlimmsten Fall also bei den Lebensmitteln. Politiker haben dies anscheinend noch immer nicht verstanden! Oder doch, sie haben es verstanden, es ist ihnen aber absolut egal. Klar, FFP2-Masken kosten derzeit „nur“ 3,- Euro das Stück, aber diese drei Euro fehlen dann eben bei der Nahrung, ist halt nur ein ganzes Brot mit etwas Wurstaufschnitt, oder das Kilo Äpfel, was dann eben wegfällt …

Ja, ich habe diese Diskussion tatsächlich schon häufiger geführt und dann kommt halt, dass die halt weniger Rauchen sollen, weil hier das Vorurteil besteht, dass jeder Mensch, der ein niedriges Einkommen hat, raucht. Dasselbe gilt ebenso für Alkohol, oder es kommen die Experten, die Mal drei Monate mit Hartz4 überleben mussten und daraus eine Erzählung für das ganze Leben machen. Ich weiß also, dass viele wieder versuchen werden, diesen Umstand mit irgendwelchen Argumenten wegzudiskutieren. Allerdings weiß ich auch, dass sich dieser Umstand nicht wegdiskutieren lässt!

Um es noch einmal anzumerken: Es geht hier nicht nur um Menschen, die derzeit im Hartz4-Bezug stehen, es geht um Rentner*innen, es geht um Arbeiter*innen im Niedriglohnsektor, es geht um Alleinerziehende, es geht also um all die Menschen, die weit unter dem durchschnittlichen Einkommen eines Bundesbürgers liegen und die nicht einfach so Mal 90,- Euro im Monat für FFP2-Masken übrig haben!

Natürlich kann diese Summe auch wieder runtergerechnet werden, aber diese Menschen haben eben auch nicht die 10,- Euro oder 3,- Euro, es ist einfach kein Budget da für Mehrausgaben! Die Alltagsmasken, also der Mund-Nasen-Schutz, konnte durch viele Menschen noch kostengünstige selbst hergestellt werden, dies fällt bei FFP2-Masken komplett weg. Hinzu kommt, dass die Preise für die FFP2-Masken stark steigen werden, wenn sich mehr Bundesländer für eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken entscheiden. Dann wäre die obere Rechnung eh obsolet, weil wir dann nicht mehr von 3,- Euro pro Stück sprechen werden, sondern von 10,- Euro oder mehr.

Wenn die Politik also schon für mehr Eigenschutz sorgen will, dann muss sie auch an die nötige finanzielle Unterstützung für einkommensarme Menschen denken! Dazu gehört ein ordentlicher Aufschlag bei Hartz4-Empfängern und ebenso Ausgleichszahlungen an Menschen mit geringen Einkommen. Das ist übrigens die Gruppe, die auch so schon eine niedrigere Lebenserwartung hat. Wenn diese jetzt nicht unterstützt wird, indem sie mehr Geld erhält, wird sich das auch in der Pandemie widerspiegeln. Davon, diesen Menschen die Masken kostenlos zur Verfügung zu stellen, um keinen finanziellen Ausgleich schaffen zu müssen, halte ich übrigens nicht viel, weil hier dann wieder so knapp kalkuliert wird, dass es nicht für alle Menschen reichen wird.

Unsolidarisches Verhalten

Dass die Politik zu FFP2-Masken übergehen muss, um den Eigenschutz der Menschen zu erhöhen, liegt übrigens auch im unsolidarischen Verhalten einiger Menschen. Menschen, die die Maske unter der Nase tragen mussten, wenn sie diese denn überhaupt getragen haben, weil sie sich in ihrer Freiheit sosehr eingeschränkt fühlten! Dass sie dadurch allerdings eher die Freiheiten von Menschen mit niedrigem Einkommen noch mehr beschneiden, ist diesen Menschen absolut egal, da es nur um das eigene Ego geht!

6 Januar 2021

Sind Schüler*innen nur Wirtschaftskennzahlen?

Wir befinden uns mitten in der zweiten Welle einer Pandemie, die Krankenhäuser sind am Limit – also noch mehr am Limit als sowieso schon -, täglich sterben hunderte von Menschen am Virus und doch meint die Politik, dass die Schulen geöffnet werden müssen. Abschlussklassen müssen jetzt unbedingt im Präsenzunterricht auf ihre Prüfungen vorbereitet werden und für viele andere Schüler*innen werden Argumente gesucht, warum sie unbedingt in den Unterricht müssen. Dabei ist egal, was die Wissenschaft sagt, zumindest dann, wenn die Argumente pro Schulschließungen sind. Es werden Argumente ins Feld geführt, die bisher niemanden interessiert haben und die jetzt auf einmal als Begründung für Schulöffnungen herhalten müssen. In echt zeigt das Verhalten aber nur, wie unflexibel unsere Politiker*innen sind, wie viel kapitalistische Ideologie hinter diesen Entscheidungen steckt und das es am Ende um wirtschaftliche Kennzahlen geht und nicht um die Menschen.

Wenn Politiker all das ernst meinen würden, was sie jetzt als Gründe gegen die Schulschließungen anführen, dann hätten sie schon vor Jahren die Grundrechte von Kindern und Jugendlichen stärken müssen, denn wären diese Grundrechte inzwischen im Grundgesetz verankert und nicht immer noch Verhandlungsmasse von konservativen Politiker*innen. Es geht nicht um Schüler*innen, die abgehängt sind! Die sind abgehängt, weil sich die Lehrer*innen nicht intensiver um sie kümmern können, weil in den Klassen viel zu viele Schüler*innen sitzen. Sie sind abgehängt, weil die Politik zwar gerne von Chancengleichheit spricht, diese aber nicht umsetzen kann.

Ich erinnere mich hier gerne an eine Situation aus meiner Ausbildungszeit. Ich habe eine schulische Ausbildung gemacht und in meiner Klasse waren viele Menschen mit Migrationshintergrund. Damals ging es um einen Aufsatz, den wir in Deutsch geschrieben haben und um die Aussage der Lehrerin, dass einer meiner Mitschüler doch glücklich mit einer drei sein sollte, weil das für einen Schüler, der nicht Deutsch ist, doch schon super ist. Mein Aufsatz, der vergleichbar mit dem Aufsatz meines Mitschülers war, wurde allerdings mit einer zwei bewertet.

Da fängt die Chancenungleichheit schon an und die wird nicht mehr, wenn die Schüler*innen nicht in der Schule sind. Sie setzt sich fort über Empfehlungen für weiterführende Schulen, wo nicht nur die Leistungsfähigkeit der Schüler*innen als Grundlage genommen wird, sondern wo auch geschaut wird, wie die voraussichtliche Unterstützung aus dem Elternhaus ausfällt. Viele Eltern halten sich an diese Empfehlung, wodurch die Chancen der Schüler*innen noch weiter ungleich verteilt sind! Wenn die Politik das schlimm findet und sie jetzt fürchtet, dass das durch Distanzunterricht noch verstärkt wird, dann hätte sie schon lange etwas gegen diese Ungerechtigkeiten unternehmen müssen! Dann sollte sie Kinder von Hartz4 Empfängern nicht nur dann fördern, wenn sie die Note von einer fünf auf eine vier verbessern müssen, sondern auch dann, wenn sie ihre Noten von einer 2 auf eine 1 verbessern wollen. Dann sollte sie die soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen verbessern, bei denen die Eltern diese finanziell nicht gewährleisten können und eben nicht um einen PC oder einem Tablet streiten, weil sie wissen, dass nur die wenigsten Eltern vor das Sozialgericht ziehen, um diesen Mehrbedarf einzuklagen! Ich könnte sicher noch viel mehr aufzählen, müsste wahrscheinlich noch mehr aufzählen, aber dann würde das hier viel zu lang werden, also belasse ich es bei diesen Beispielen.

Gesundheit ist wichtiger als irgendwelche fiktiven wirtschaftlichen Kennzahlen

Dann gibt es noch diese wirtschaftlichen Kennzahlen. Fiktive Zahlen, die sich irgendein Wirtschaftswissenschaftler ausgedacht hat, um zu zeigen, wie schlimm das alles sogar für die Zukunft der Schüler*innen ist. Da ist die Sprache von weniger Lebenseinkommen, welches durch die Schulschließungen verursacht wird und dem Wohlstand, den wir den Schüler*innen durch diese Schulschließungen vorenthalten. Diese Aussagen zeigen wohl am besten, worum es eigentlich geht! Es geht nicht um das Wohl der Schüler*innen, es geht darum, die wirtschaftliche Verwertbarkeit eben jener zu maximieren. Da ist die Gesundheit doch erst einmal zweitrangig, da ist es doch uninteressant, dass selbst Drosten die Schulen als Pandemietreiber sieht, denn es geht um die Wirtschaft, um den fiktiven Wohlstand, wobei ausgeblendet wird, dass dieser Wohlstand durch die Klimakrise, die wir nicht in den Griff bekommen, sowieso gefährdet ist!

Natürlich würden Politiker*innen das so nicht zugeben, natürlich behaupten diese, dass es um die Schüler*innen geht, doch wenn dem wirklich so wäre, warum hören dann dieselben Politiker*innen nicht auf die Wissenschaftler, die seit Jahren erzählen, dass der tägliche Schulstart nach hinten verschoben werden müsste, weil dadurch die Lernerfolge aller Schüler*innen verbessert werden könnten. Da ist das Wohl der Schüler*innen auch uninteressant, da geht es auch nur darum, die Schüler*innen auf das spätere Arbeitsleben vorzubereiten, sie schon darauf zu trainieren, dass der Tag möglichst früh zu beginnen hat. Darum geht es, wenn jetzt an Präsenzunterricht festgehalten wird, nicht um die abgehängten Schüler*innen, um die sich die Politik bisher einen scheiß gekümmert hat!

Schulen als Zufluchtsorte

Es gibt sicher viele Schüler*innen, für die die Schule ein Zufluchtsort ist, die nur dort ihr Potenzial entfalten können, die nur dort sie selbst sein können. Genauso gibt es aber auch Schüler*innen, für die ist Schule der absolute Angstort, ein Ort, an dem sie sich nicht wohlfühlen, weil sie dort gemobbt werden, weil sie dort immer wieder versagen und mit diesem versagen auch konfrontiert werden. Schüler*innen, die nicht der Norm entsprechen, die mit der genormten Schule nicht klarkommen, die andere Zugänge zum Wissen und zur Bildung bräuchten, auf die aber nicht eingegangen wird und die die Schuld dann bei sich selbst suchen, wodurch sie Alpträume von der Schule haben. Schule ist also noch lange kein Zufluchtsort, kein Ort, wo sich Schüler*innen angstfrei treffen können, kein Ort, wo die Neugierde und der Spaß am Lernen gefördert wird. Es wäre schön, wenn es so wäre, aber wenn ich jetzt noch damit beginne, Schüler*innen während einer Pandemie an diesen Ort zu zwingen, wo sie eventuell gerade gar nicht hin möchten, weil sie Angst haben, sich mit dem Virus zu infizieren, dann mache ich diesen Ort garantiert nicht zu einem Zufluchtsort! Wenn Schüler*innen Angst haben, weil sie zum Beispiel mit Menschen in einem Haushalt wohnen, die der Risikogruppe angehören, dann sollte diese Angst ernst genommen werden. Dann hätten Möglichkeiten geschaffen werden müssen, dass diese Schüler*innen zu Hause bleiben können, um von dort am Unterricht teilnehmen zu können! Das hat die Politik nicht geschafft, sie hat es nicht geschafft den relativ ruhigen Sommer zu nutzen, um digitale Konzepte zu erarbeiten und diese auch umzusetzen, sie hat es nicht geschafft, weil der Wille hierzu nie vorhanden war!

Vielleicht irre ich mich mit meinen Annahmen, vielleicht sind es andere Überlegungen, andere Fakten, auf welche die Entscheidungen der Politiker*innen fußen. Wenn dem so ist, dann wäre es schön, wenn die zuständigen Politiker*innen ihre Entscheidungen einmal ausführlich begründen, nicht in fünf Zeilen, nicht mit irgendwelche Phrasen, sondern in einem Aufsatz, so wie wir es in der Schule gelernt haben. Etwas Greifbares, keine Ausflüchte.

Und ja, dass hier ist nur meine Ansicht, meine Meinung, es ist keine wissenschaftliche Arbeit, es ist kein wissenschaftlicher Fakt und deswegen darf hier auch debattiert werden!

Schulen: Was hilft besser durch die Pandemie?

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5 Januar 2021

Bye Bye Studium – 05.01.2021

Studienbrief

Das Jahr 2021 liegt vor uns und es wird ein Jahr sein, in welchem Träume beerdigt werden. Die Corona-Pandemie macht Schlussstriche notwendig, auch weil die Politik es nicht schafft, alte Pfade zu verlassen und neue zu betreten. Aber, um das auch gleich am Anfang zu erwähnen, es ist natürlich nicht nur die Pandemie schuld, es gibt viele Faktoren, die dazu führen, dass Träume beerdigt werden müssen. In meinem Fall wird es jetzt das Studium sein, welches sein Ende findet.

Bye Bye Studium bye bye

Sind wir ehrlich, ich halte eh schon viel zu lange an diesem Traum fest, acht Jahre sind es inzwischen. Hauptgrund, warum es jetzt schon so lange dauert, ist natürlich die finanzielle Situation. Wenn du niemanden im Rücken hast, der dir im Notfall auch Mal finanzielle Löcher stopfen kann und du selbst auch keinen großen finanziellen Spielraum hast, dann ist es echt schwer, sich auf das Studium zu konzentrieren. Ich glaube auch, dass das ein Hauptgrund ist, warum so viele Arbeiter*innenkinder spätestens beim Studium scheitern. Immerhin brechen 1/3 der Arbeiter*innenkinder, die es bis zu einem Studium schaffen, dieses ab. Um es kurz zu erwähnen: ich gehöre zu den 21 Prozent der Arbeiter*innenkinder, die überhaupt ein Studium begonnen haben. Bei Akademikerkindern schaffen es 74 Prozent ein Studium zu beginnen und nur 15 Prozent brechen das Studium ab. Einfach um hier einmal den Vergleich zu schaffen.

Ich habe es jetzt ja einige Jahre versucht und leider war es bei mir so, dass ich durch die ständige Sorge darum, all meine Rechnungen und Fixkosten zu bezahlen, blockiert war. Ich konnte mich nicht auf das Studium konzentrieren, konnte mich nicht auf das Lernen einlassen, weil da immer die Gedanken im Weg waren, wie ich die nächsten Monate finanziell über die Runden komme. Erschwerend hinzu kam natürlich, dass ich mein Studium in einem Alter begonnen habe, in welchem ich weder Zugang zum Bafög hatte, noch konnte ich die günstige Krankenversicherung für Studierende in Anspruch nehmen, was die Fixkosten monatlich natürlich deutlich erhöhte. Dann kommt noch hinzu, dass ein Student auch keinen Anspruch auf Hartz4 hat, was meiner Meinung nach die größte Fehlkonstruktion in unserem System ist! Aber okay, am Ende jammert dann die Wirtschaft halt wieder über fehlende Fachkräfte und das Versagen wird individualisiert.

Bei mir kommt dann als zusätzliches Problem hinzu, dass ich mein Geld als Solo-Selbstständiger verdient habe und weiterhin verdiene – wobei derzeit verdiene ich kein Geld, weil wir die Pandemie haben. Davor habe ich mir immer eingeredet, dass ich jetzt einfach ein ordentliches finanzielles Polster aufbauen muss, um mich dann auf mein Studium zu konzentrieren. Jetzt sind auch diese Einnahmen weg und wie schon erwähnt, der Zugang zu Hartz4 ist auch nicht gegeben, sonst würde ich jetzt die Zeit halt wirklich nutzen, um mich mit meinem Studium zu beschäftigen.

Keine Person, die an einem glaubt

Ein weiterer Faktor, der zum Scheitern führt, ist das Fehlen von – zumindest – einer Person, die an einem glaubt. Jemand, der einen unterstützt, einen Motiviert und der daran glaubt, dass du dein Ziel erreichen kannst und wirst. Ich bin inzwischen überzeugt, dass du als Arbeiter*innenkind genau so eine Person brauchst, damit du auch durch schwierige Zeiten kommst, du irgendwoher die Motivation bekommst, um dein Ziel zu erreichen. Kommt aus deinem Umfeld immer nur die Frage, wann du denn endlich Geld verdienen willst – was die meisten Arbeiter*innenkinder ja durchaus auch während des Studiums tun – hilft das nicht wirklich. Ebenso hilft die Frage nicht, wann du denn endlich fertig bist und ob sich das überhaupt noch lohnt! Das demotiviert, das bringt Selbstzweifel und ist eine zweite Blockade, die du so schnell nicht loswirst!

Wenn du – der das hier gerade liest – ein Arbeiter*innenkind bist und studieren willst, such dir unbedingt eine Person, die dich auf deinem Weg unterstützt, die dich motiviert, die an dich glaubt und mit der du reden kannst, wenn es Mal nicht so gut läuft. Damit hast du viel gewonnen und die Wahrscheinlichkeit, dass du das Studium schaffst, steigt enorm an!

Individueller Faktor

Dann kam noch ein individueller Faktor bei mir hinzu. 2016 hat mich der Selbstmord meines Neffen total aus der Bahn geworfen! Es ist dann nicht einfach weitermachen wie davor! Ich habe mich damals in meinen Auftrag gestürzt, den ich da gerade neu an Land gezogen habe, habe mich damit abgelenkt und hatte dann knapp 2 Jahre gar keine Zeit für mein Studium, weil ich mich mit meinem Auftrag abgelenkt habe und als diese Ablenkung dann weg war, war das Motivationsloch noch tiefer! Ich kämpfe noch heute damit, aus diesem wieder herauszukommen und glaubt mir, die Pandemie ist in diesem Kampf nicht wirklich hilfreich!

Jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich mich entscheiden muss, weil ich entweder an meinem Studium festhalten kann, dadurch aber den Zugang zu Hartz4 verbaue oder ich meine finanzielle Absicherung durch Hartz4 ermögliche, dafür aber mein Studium fallen lasse. Da wir in einem kapitalistischen System leben, ist die Entscheidung nicht wirklich meine, sie ist vorgegeben, weil die Politik auch in dieser Zeit nicht die alten Pfade verlassen will, um sich auf neue gesellschaftliche Pfade zu begeben.

2 Januar 2021

Neue Normalität? – 02.01.2021

Baumreihe

Es reden viele von der neuen Normalität. Einer neuen Normalität, die wir nach der Pandemie haben werden! Darunter vorstellen kann ich mir nicht viel, weiß nicht, was diese neue Normalität sein soll. Wenn ich frage, dann gibt es auch keine wirklichen Antworten darauf, weil dieses neue Normal wohl noch nicht fassbar ist. Vielmehr sind es wohl die Wünsche einiger, die sie in die Zukunft nach der Pandemie projizieren, weil sie jetzt in der Pandemie greifbar sind. Doch die Pandemie wird nicht ausreichen, um diese Veränderungen nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern!

Festhalten am Alten

In den letzten Monate konnten wir sehen, wie schwer sich die Politik tut, irgendwo vom Standard abzuweichen. Klar, es gab Einschränkungen in Bereichen, die die Politik anscheinend für nicht so wichtig hält. Der private Bereich wurde möglichst weit runtergefahren, aber schon bei den Schulen konnten wir sehen, wie wenig Einfallsreich die Politik ist, wie sehr sie am eingeübten Verhalten festhält und dieses für das einzig sinnvolle Verhalten hält. Es geht der Politik nicht um die Chancengleichheit der Schüler*innen, auch wenn diese gern auf diese verweist, wenn sie ihre Entscheidungen begründen muss. Chancengleichheit gab es in diesem System schon vor der Pandemie nicht, Schüler*innen wurden abgehängt, weil die Eltern nicht die finanziellen Möglichkeiten hatten, um diese zu fördern! Das hat sich in der Pandemie nicht geändert und so ist dies auch ein sehr schwaches Argument, um die Präsenzpflicht in Schulen zu verteidigen.

Klar, Eltern sind keine ausgebildeten Lehrer und ja, es gibt Eltern, bei denen gibt es so große Bildungslücken, dass sie ihre Kinder nicht ausreichend unterstützen können, aber wenn wir die digitale Infrastruktur an Schulen nicht über Jahrzehnte vernachlässigt hätten, dann wäre vieles auch per Onlineunterricht möglich gewesen. Dass das nicht innerhalb eines Jahres aufgeholt werden kann, ist ebenso klar, aber es hätte digitale Konzepte geben können, die zumindest eine Wahlfreiheit hätten schaffen können. Kinder und Jugendliche, bei denen es möglich gewesen wäre, wären dann einfach zu Hause geblieben und hätten Onlineunterricht erhalten, gleichzeitig wären aber die Schulen als geschützte Lernräume für Schüler*innen offen gehalten wurden, die eben nicht von zu Hause aus lernen hätten können. Das hätte eine Chancengleichheit sichern können, hätte sogar ermöglicht, dass sich die Lehrer*innen in den Schulen intensiver um die anwesenden Schüler*innen hätten kümmern können. Doch den Sommer 2020 hat die Politik verstreichen lassen, hat die relativ ruhige Phase nicht genutzt, um die zweite Welle – die von allen Experten vorhergesagt wurde – vorzubereiten. Und nein, ständiges Lüften ist hier keine gute Vorbereitung, wenn dann hätte eventuell Geld in Luftfilter investiert werden müssen, aber das wurde ja lieber in die Lufthansa gesteckt, aber das ist ein anderes Thema.

Thema ist immer noch die neue Normalität, die ich nicht sehe, die ich mir nicht vorstellen kann. Ein weiteres Beispiel dafür sind Unternehmen, die ihren Mitarbeitern – dort wo es möglich war und ist – das Recht auf Home-Office verweigert haben und weiterhin verweigern. Die Politik wollte dieses Recht schaffen, hat das aber bis jetzt nicht hinbekommen und muss deswegen die Unternehmer*innen ganz lieb darum bitten, dass diese ihren Mitarbeitern diese Möglichkeit schaffen. Das Arbeiten in Großraumbüros hilft natürlich extrem dabei, die Kontakte zu anderen Menschen zu vermindern, um so die Übertragung des Virus zu verhindern.

Veränderungen wären möglich gewesen

Sicher hätte die Pandemie für Veränderungen in der Gesellschaft genutzt werden können, hätte die Gesellschaft nach der Pandemie eine andere Normalität leben können, aber das ist eben nicht geschehen und wird auch nicht geschehen, solange wir ständig konservative Parteien mit alten Ideen in die Regierungsverantwortung wählen – und ja, damit meine ich auch die SPD und die Grünen! Wir hätten ein BGE einführen und erproben können, dafür wäre die Pandemie genau der richtige Zeitpunkt gewesen. Wir hätten die Lufthansa verstaatlichen können, um diese dann auf Klimaschutz ausrichten zu können und es gibt noch so viel mehr, was wir in dieser Pandemie hätten machen können, um die Gesellschaft auf eine nachhaltige, Umwelt- und Klimaschonende Lebensweise umzustellen, aber diese Möglichkeiten haben wir nicht genutzt.

Und um die Veränderungen, die es gab, wird jetzt schon wieder gekämpft. Die vielen neuen Radwege zum Beispiel, die während der Pandemie entstanden sind, sollen möglichst schnell wieder verschwinden, damit die Autofahrer*innen ihren Platz wiederbekommen, der ihnen – ohne Grund – zugestanden wird. Welche neue Normalität soll es also nach der Pandemie geben?

Ist damit etwa gemeint, dass wir uns daran gewöhnen müssen, dass viele Orte des kulturellen Lebens für immer verloren sind? Dass das Café um der Ecke nach der Pandemie nicht mehr da ist, die Treffpunkte im Kiez verloren sind? Ist das die neue Normalität, von der alle reden? Eine Normalität mit weniger sozialen Kontakten, weil die kulturelle Infrastruktur verschwunden ist? Die Pandemie bedeutet doch derzeit eher, dass viele Kämpfe um Freiräume und kulturelle Treffpunkte verloren gehen, weil die Pandemie die kulturellen Angebote als erstes gefressen hat. Sie hat aber bisher keine großen Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem bewirkt, keine Abkehr vom Kapitalismus, kein Umdenken bei der Profitgier! Gewinnmaximierung steht immer noch vor dem Gemeinwohl, Ausbeutung immer noch vor der Solidarität.

Ich sehe sie nicht!

Ich sehe die neue Normalität nicht. Ich sehe die alte Normalität, die einfach fortsetzt, was schon vor der Pandemie lief. Der Unterschied wird sein, dass viele Kämpfe, die vor der Pandemie noch mit der Aussicht auf Erfolg geführt wurden, nach der Pandemie verloren sind und mit diesen Kämpfen dann auch viele Freiräume, die der Gesellschaft fehlen werden und die neu erkämpft werden müssen. Wenn das mit neuer Normalität gemeint ist, dann möchte ich die eigentlich gar nicht haben, dann freue ich mich darauf auch nicht, dann verstehe ich auch nicht, warum einige das als Chance sehen.

8 Dezember 2020

#FürMichFürUns – 1 Million Postkarten (Werbung)

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Kennt ihr noch meine Postkartenwand? Menschen, die hier schon länger mitlesen, werden sich sicher noch daran erinnern, dass ich a.) Postkarten liebe und ich diese b.) an einer Wand in meinem Zimmer sammle. Postkarten sind immer ein kleiner Farbtupfer im Briefkasten, die uns ein wenig am Leben von anderen Personen teilhaben lassen. Ein Bild aus einer anderen Gegend, ein lustiger Comic, ein nachdenklicher Spruch. Alles Dinge, die uns ein wenig was über den anderen Menschen erzählen, ohne dass dieser viel erzählen muss und natürlich zeigt es auch, dass da andere Menschen an uns denken. Menschen, die sich die Zeit nehmen, um uns eine kleine Freude zu bereiten, indem sie uns eine Postkarte zusenden.

Die Einsamkeit durchbrechen

Vielleicht ist die Zwischenüberschrift ein wenig übertrieben, aber gerade jetzt in der Pandemie, in der wir unsere sozialen Kontakte einschränken müssen, in der wir auch nicht durch die Welt reisen können, um andere Orte zu erleben, könnten Postkarten ein Mittel sein, um diese Form der Einsamkeit zu durchbrechen. Sicher, nicht jeder ist jetzt einsam, aber es gibt doch viele Menschen, die derzeit nur wenige oder sogar gar keine Kontakte zu anderen Menschen haben und auch wenn wir inzwischen Kommunikationskanäle haben, über die wir in Echtzeit miteinander in Kontakt treten können, ist so eine Postkarte doch ein Symbol, um den anderen Menschen noch einmal deutlich zu zeigen, dass wir an diesen denken. Es ist etwas, was in die Hand genommen werden kann, um Menschen durch schwierige und einsame Momente zu führen. Also nutzt die Chance und schreibt euren Liebsten, die ihr derzeit nicht besuchen könnt, eine schöne Postkarte und lasst sie dadurch an eurem Leben teilhaben.

#FürMichFürUns – MyPostcard und die Deutsche Post verschenken 1 Million Postkarten

Weil die Zeiten so sind, wie sie derzeit sind, gibt es derzeit von MyPostcard und der Deutschen Telekom eine Aktion, bei der 1 Million Postkarten verschenkt werden. Leichter wird es wohl nicht mehr, um mit dem Versenden von Postkarten anzufangen. Um an der Aktion teilzunehmen, müsst ihr euch die MyPostcard-App installieren und hier in den Bereich #FürMichFürUns wechseln. Dort könnt ihr dann ein Motiv für eine Postkarte wählen und dieses mit einem eigenen Foto versehen. Wer kein eigenes Foto hat, der kann auch ein vorgefertigtes Motiv wählen. Dann müsst ihr nur noch einen kleinen Text verfassen und natürlich die Empfänger-Adresse angeben und schon kann die Karte kostenfrei versandt werden. Wer die App nicht installieren kann, kann auch alternativ über den Webbrowser an der Aktion teilnehmen. Weitere Infos zur Aktion findet ihr auf der Webseite zur Aktion (hier klicken).

Bild mir mehreren Menschen, die eine Postkarte der Aktion in der Hand halten.

Ihr solltet euch aber nicht allzu viel Zeit lassen, denn die Aktion ist auf 1 Million Postkarten beschränkt und jeder Nutzer darf insgesamt 3 kostenlose Postkarten versenden. Aber auch wenn das Kontingent aufgebraucht ist, sind Postkarten eine schöne Möglichkeit, um seinen liebsten Menschen eine Freude zu machen. Auch dazu könnt ihr die App und eure eigenen Fotos nutzen. Das kostet dann natürlich Geld, ist aber möglich, ohne dabei in direkten Kontakt zu anderen Menschen zu kommen.

Gemeinsam durch die Pandemie

Ich glaube, dass wir diese kleinen Aktionen brauchen, um gemeinsam durch die Pandemie zu kommen. Kleine Aufmerksamkeiten, die uns immer wieder daran erinnern, dass die Menschen da draußen auch in dieser schwierigen Situation an uns denken und wohl auch gerne bei uns wären, wenn die Möglichkeit dazu bestehen würde. Gemeinsam schaffen wir es, auch wenn es schwerfällt, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. Wir machen es, um die Menschen zu schützen, weil wir sie Lieben, weil wir sie auch in ein paar Jahren noch persönlich treffen wollen und ich bin mir sicher, dass da die Motivation hochgehalten werden kann, wenn wir etwas in der Hand halten, was uns zeigt, dass uns die anderen Menschen in der Pandemie nicht vergessen haben.

25 November 2020

Das gesellschaftliche Hamsterrad und die Pandemie

Baumreihe

Es ist gerade spannend zu sehen, wie sich Politiker*innen immer weiter in ihrem Hamsterrad drehen, aus dem sie nicht herauskommen, weil das bedeuten würde, dass gesellschaftliche Konzepte auf den Prüfstand müssten. Konzepte, die wir jetzt Jahrzehnte so gelebt haben, weil es einfach so schön einfach ist und die wir nur nicht antasten dürfen, weil es halt schon immer so war!

Da müssen Schüler*innen weiter in die Schule, weil es eben wichtig ist, dass sie in die Schule gehen. Sonst wären ja die Eltern plötzlich gebunden, könnten nicht mehr die volle Zeit ihrer Arbeit nachgehen und das würde ja der Wirtschaft schaden. Und überhaupt, die Kinder müssen doch in die Schule, müssen doch soziale Kontakte haben und Lernen geht halt nicht anders! Am Nachmittag allerdings, also in ihrer Freizeit, da müssen sie soziale Kontakte dann unbedingt vermeiden, muss ja jeder seine Opfer bringen in der Pandemie. Kurz gesagt: Vormittags in der Schule schön anstecken und Nachmittags dann den Virus im Haushalt verteilen! Wobei, in der Schule steckt sich ja keiner an, passiert ja alles woanders und überhaupt … ach lassen wir das.

Es gab ja nicht den Sommer, in dem wir Modelle hätten entwickeln können, die jetzt den Druck herausnehmen würden. Digitale Konzepte, die den Schüler*innen zumindest eine Wahlmöglichkeit hätten geben können. Aber dann könnte sich ja am Ende vielleicht herausstellen, dass das System der Schulpflicht gar nicht notwendig ist und es durch das Recht auf Lernen ersetzt werden könnte.

Wo ich das Thema gerade anspreche: Ein Recht auf Lernen könnte auch Schüler*innen aus einkommensschwachen Haushalten davor schützen, dass das Job-Center plötzlich der Meinung ist, dass diese kein Abitur brauchen, sondern lieber arbeiten gehen sollen. Aber das ist ein anderes Thema, welches halt immer wieder Mal aufkommt, aber niemanden wirklich interessiert. Warum sollten Jugendliche aus Hartz4-Haushalten auch dieselben Chancen haben wie andere?

Zurück zu den Schulen. Das Problem sind ja nicht nur die fehlenden digitalen Konzepte, das Problem ist ja auch der Datenschutz. Ja, Datenschutz ist wichtig, aber es muss möglich sein, dass das Internet weiterhin als Kommunikationskanal genutzt werden kann und es muss auch möglich sein, dieses riesige Wissensnetz als Lernplattform einzusetzen. Wenn Eltern das allerdings nicht möchten, dann nutzt das beste digitale Konzept nichts! Ja, nicht nur Politiker drehen sich im Hamsterrad, auch viele andere Menschen sind darin gefangen, kommen einfach nicht raus, haben Angst vor dem Neuen und halten am Alten fest, weil das halt schon immer so war!

Nicht Wirtschaft, sondern Menschen retten

Der nächste Punkt ist dann weiterhin das BGE. Menschen brauchen – gerade in der Pandemie – ein sicheres Einkommen! Damit ist sehr viel mehr Menschen geholfen, als mit den 9 Milliarden Euro, die an die Lufthansa gegangen sind. Die Wirtschaft sollte ein Konstrukt sein, dass dem Menschen zu einem guten Leben verhilft. Derzeit ist es aber ein Konstrukt, was für viele Menschen ein gutes Leben unmöglich macht, weil es die Lebensgrundlagen zerstört und Mensch, Tier und Natur ausbeutet. Darum müssen jetzt auch die Schulen offen bleiben, damit diese Wirtschaft weiterhin Wohlstand für wenige schafft. Wäre es nicht so, dann müssten wir die Wirtschaft nicht retten, weil wir sie einfach herunterfahren könnten und sie dann – nach der Pandemie – ohne Schäden wieder hochfahren könnten.

Wären Wohn- und Geschäftsräume nicht dazu da, um anderen Menschen Renditen zu bringen, wären sie also in gesellschaftlicher Hand, könnte die Gesellschaft jetzt entscheiden, dass sie für einen gewissen Zeitraum auf die zu zahlenden Mieten verzichtet. Genauso sieht es bei Strom, Telekommunikation und anderen wirtschaftlichen Bereichen aus, bei denen wir als Gesellschaft einfach hätten auf Einnahmen verzichten können, damit alle gut durch die Pandemie kommen. Dann hätte es danach einfach weiter gehen können, dann bräuchte jetzt keiner Angst haben, durch die Pandemie seine Existenz zu verlieren!

Eine solche Wirtschaft haben wir aber nicht, hatten wir vor der Pandemie nicht und hätten wir jetzt in der Pandemie auch nicht erreichen können, aber wir hätten ein BGE einführen können! Habe ich jetzt schon oft genug geschrieben, hier im Blog, auf Twitter, überall, wo ich regelmäßig schreibe. Haben wir auch nicht gemacht und damit wieder eine Chance verpasst, die Gesellschaft insgesamt solidarischer zu organisieren.

Da hätten wir dann schon ein weiteres gesellschaftliches Konstrukt angefasst, nämlich das Konstrukt der Erwerbsarbeit. Oje, Erwerbsarbeit, Schulpflicht, was denn noch?

Vielleicht generell die repräsentative Demokratie? Nein, ich will keine Diktatur! Allerdings will ich demokratische gesellschaftliche Institutionen! Eine demokratische Wirtschaft, eine demokratische Institution Schule und vieles mehr. Werde ich wahrscheinlich nie erleben, weil wir uns immer weiter in unserem Hamsterrad drehen, weil es morgen noch so ist, weil es immer schon so war.