14 Januar 2021

Das Arschloch ist das Virus selbst!

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Stellt euch Mal folgende – von mir absolut frei erfundene – Aussagen vor:

„Hättest du nicht mit deinem Kind gekuschelt, nachdem es einen absolut schrecklichen Tag in der Schule hatte und dich an die Regeln, die derzeit in der Pandemie gelten, gehalten, dann hättest du dich auch nicht mit Covid-19 infizieren können!“

Mein krankes Hirn

oder:

„Hättest du dich doch nur die letzten 10 Monate komplett in deiner Wohnung isoliert, jeden sozialen Kontakt vermieden und dir deine Einkäufe nur zu Vollmond liefern lassen, dann würden wir dich jetzt hier nicht ….“

Mein noch kränkeres Hirn

Nein, die zweite Aussage denke ich jetzt nicht weiter und ja, es ist ein absolut seltsamer Einsteig in einen Blogartikel, aber nachdem ich die Kommentare gelesen habe, die unter folgendem Erfahrungsbericht(Link klicken) zu finden waren, der von einer Person geschrieben wurde, die sich mit Covid-19 infiziert hat, verzweifle ich an dieser Welt schon wieder ein wenig mehr!

Ich halte diese Erfahrungsberichte für wichtig, ich halte sie für eine Bereicherung und ich wünschte mir sehr viel mehr davon. Doch solange es Menschen gibt, die hier die Schuld an der Infektion individualisieren möchten und damit jegliche Kritik an den Staat und seine Institutionen abschmettern wollen, dann wird es diese Berichte nicht geben, dann werden wir viele wichtige Hinweise nicht erhalten, viele Dinge, aus denen wir lernen könnten, die uns sogar besser durch eine eigene Erkrankung führen könnten. Doch wenn hier wieder ein persönliches Versagen herbeiphantasiert wird, weil es kann ja nur krank werden, wer sich nicht zu hundert Prozent an die Regeln gehalten hat, wird die Scham der Menschen verhindern, dass diese über ihre eigene Erkrankung schreiben!

Keiner von uns hat sich in den letzten Monaten zu hundert Prozent an die Regeln gehalten, keiner von uns ist bis hierhin fehlerfrei durch die Pandemie gegangen. Jeder von uns hat sich Situationen ausgesetzt, bei denen wir uns hätten infizieren können. Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die ihre Kontakte zu anderen Menschen auf null runtergefahren haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er bleibt es auch in einer Pandemie und somit besteht immer die Gefahr, sich zu infizieren! Deswegen ist eine Infektion auch nicht die Frage der persönlichen Schuld, zumindest dann nicht, wenn sich die Person so weit wie möglich an alle Regeln hält. Bei Personen, die den Virus und die Pandemie noch immer abstreiten, ist eine andere Bewertung durchaus möglich, aber um die geht es hier nicht.

Von der App bis zur Impfung – alles absolut scheiße!

Wann hören wir auf, aus dieser Pandemie einen Wettbewerb zu machen? Wann hören wir auf, aus jedem kleinen Fehler einen Elefanten zu machen, weil wir persönlich ja soviel besser sind und das alles anders gemacht hätten? Ja, genau darauf spiele ich mit meiner Zwischenüberschrift an! Keiner von uns hat wirklich Erfahrungen mit einer Massenimpfung, niemand hat sich vorher Gedanken über eine App gemacht, die eine datenschutzfreundliche Kontaktverfolgung ermöglicht, aber wenn ich so in meinen Filterblasen unterwegs bin, dann scheint es jeder besser zu können.

Nehmen wir die Impfung: Klar wurden und werden Fehler gemacht, aber abgesehen davon, wie viele Menschen hätten denn bis heute schon geimpft sein müssen, damit die Impfstrategie nicht Scheiße wäre? Einige scheinen zu meinen, dass der Impfstoff in unendlicher Menge zur Verfügung steht und die Regierung einfach nur hätte mehr kaufen müssen, damit wir jetzt schon sehr viel weiter wären mit der Impfung. Dabei steht er nicht unendlich zur Verfügung, dabei ist er jetzt schon ungerecht verteilt und es wird auf dieser Welt Menschen geben, die noch zwei oder drei Jahre auf eine Impfung warten müssen. Darüber müssen wir reden, nicht über die paar Fehler, die in den vergangenen Wochen gemacht wurden. Fehler, die jetzt gemacht werden, optimieren den Impfverlauf in den nächsten Monaten, in denen dann auch ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sie gehören zum Lernprozess, den wir alle in dieser Pandemie durchlaufen und sie bereichern unseren Erfahrungsschatz.

Wenn wir uns also über etwas aufregen wollen, dann muss es das unsolidarische Patentrecht sein, welches verhindert, dass der Impfstoff jetzt einfach in ärmeren Ländern selbst produziert wird, ohne das hohe Lizenzkosten anfallen. Oder über das kapitalistische System an sich, wodurch auch in der Krise wieder die profitieren, die schon vorher immer profitiert haben und die, die vorher schon abgehängt waren, noch weiter abgehängt werden.

Jetzt bin ich aber irgendwie abgeschweift, war ich doch eigentlich bei den Kommentaren, die versuchen berechtigte Kritik zu unterbinden, indem sie irgendeine individuelle Schuld konstruieren. Hört doch einfach auf damit, nehmt Erfahrungsberichte über die Krankheit mit, freut euch darüber, wenn Menschen sich trauen, über ihre Erkrankung zu schreiben, weil das unseren Wissensschatz erweitert, weil es euch bereichert, es Handlungsempfehlungen gibt und ihr ganz einfach wisst, was auf euch zukommen könnte, wenn ihr dann selbst betroffen seid! Das Arschloch ist nicht die Person, die an dem Virus erkrankt, das Arschloch ist das Virus selbst!

14 Juni 2011

Lyrik gegen Prosa im Kaffee Burger Berlin

Wo soll ich nur hingehen?
Wo soll ich nur hingehen?

Ich habe es wieder getan, ich habe mir wieder einen Lyrik-Wettbewerb angesehen. Diesmal ging es aber nicht nur um Lyrik, sondern auch um Prosa. Um genauer zu sein, Lyriker traten gegen Prosaisten an. Doch bevor es dazu kam, stand erst einmal die Frage an, zu welcher Veranstaltung ich denn überhaupt gehe, denn ich hatte Facebook-Einladungen für zwei Veranstaltungen. Den Ausschlag gab dann die Unterhaltung auf Facebook, die ihr auf dem Bild sehen könnt.

Pünktlich um 20 Uhr ging ich dann los, damit ich auch wirklich um 21 Uhr im Kaffee Burger bin. Und obwohl es gar nicht so weit weg ist, wurde es am Ende doch wieder ziemlich eng, denn ich musste das Kaffee Burger erst einmal suchen. Zum Glück hatte ich mein Smartphone mit, sodass ich einmal kurz GPS aktivierte, um mich dann von meinem Smartphone zum Kaffee Burger navigieren zu lassen. Um kurz nach neun ging es dann los mit der Veranstaltung, wobei die Regeln wieder dieselben waren, wie schon bei der letzten Veranstaltung – kein Wunder, denn auch die Veranstalter waren dieselben.

Kind gegen Licht

Insgesamt gab es vier Vorrunden. In der ersten Runde traf ein Prosatext, in dem es um ein Kind ging und welches von einer Mutter vorgetragen wurde, auf einen Lyriktext, in welchem es um Licht ging. Natürlich hatte das Licht keine Chance gegen das Kind, denn Mütter haben immer einen Bonus, wenn es um ihr Kind geht. Mir persönlich gefiel das Gedicht besser, aber das ist halt von Person zu Person unterschiedlich.

Ein zugemauerter Tunnel gegen die Wahrheit

Im zweiten Duell sollten es dann zwei Gedichte gegen einen Prosatext schaffen. Im ersten Gedicht ging es ebenfalls ums Licht, welches man aber nicht sieht, da der Ausgang des Tunnels zugemauert wurde. Damit, und mit einem zweiten Gedicht, wollte der Lyriker einen Prosatext über die Wahrheit, die sich kaum jemand traut auszusprechen, aus dem Wettbewerb werfen. Doch diesmal war der Prosatext einfach der bessere und auch die Art und Weise des Vortragens war einfach nur genial.Wer diesen Text gehört hat, der wusste, dass es vielleicht ab und an doch besser ist, nicht die Wahrheit zu sagen. Auch dann nicht, wenn einem die neue Bekanntschaft in einer Bar nicht wirklich gut gefällt.

Der lebende Abwaschberg gegen einen neu zu schaffenden Mann

Im dritten Duell ging es dann um einen Abwaschberg, der sich in einem Prosatext schon soweit entwickelt hat, dass sich innerhalb dieses Berges schon Leben gebildet hat. Intelligentes Leben, denn es konnte in seiner Freizeit Abhandlungen über das Gesellschaftssystem in dieser Abwaschberg-Gesellschaft schreiben. Nach dem Hören des Textes war ich froh, dass ich einen Geschirrspüler habe, denn ich möchte keinen Mitbewohner haben, den ich nicht kenne. Den zweiten Text, natürlich wieder ein Gedicht, kannte ich schon von der letzten Veranstaltung. Es ging darum, sich einen Mann zu gestalten. Ebenfalls ein interessanter Text, allerdings hatte er keine Chance gegen das Ungeheuer aus dem Abwaschberg. Und so blieb nur noch die vierte Vorrunde, um einen Lyriker ins Finale zu wählen.

Lustiger Text gegen lustige Lyrik

Auch im letzten Duell war sowohl der Lyriker wie auch der Prosaist super, so wie es auch in allen Runden davor war. Diesmal konnte sich der Lyriker aber doch durchsetzen, was bei diesen Kurzgedichten kein Wunder war, denn sie waren einfach nur Klasse. So konnte sich wenigstens ein Lyriker durchsetzen und ins Finale einziehen.

Klarer 4:1-Sieg für die Prosa

Im Finale hatte dann die Lyrik allerdings keine Chance, obwohl einige der Prosaisten auf Lyrik umstiegen. Doch gegen den Text, in dem es darum ging, wie man von einem Freund etwas hört, der eben dieses Gerücht von jemandem gehört hat, der es von jemandem gehört hat, der es von jemandem gehört hat, der es von jemandem gehört hat, der es von jemandem gehört hat…. und so weiter 😉 . Zum Glück hat er seine Drohung aus dem Text nicht wahr gemacht, und sich vor dem Publikum ausgezogen. Ein verdienter Sieger, aber auch alle anderen hätten durchaus gewinnen können.

Insgesamt fand ich den Abend wieder sehr gelungen. Die Moderatoren führten souverän durch den Abend, die Beiträge waren alle wirklich gut, auch die, die es nicht ins Finale geschafft haben. Das Ganze mach Lust auf sehr viel mehr solcher Abende. Das ist auch gar kein Problem, denn auch diese Veranstaltung findet regelmäßig statt.

 

12 Juni 2011

Mein erster Poetry-Slam im King Kong Klub

Ich wollte mir schon immer einmal einen Poetry Slam ansehen, hatte bisher aber noch nie die Zeit dafür. Am Mittwoch hat sich das geändert, denn da konnte ich mir einen Poetry Slam ansehen. Um genau zu sein, habe ich mir diesen im King Kong Klub angesehen, nachdem ich mich dort auf die Gästeliste schleichen konnte – vielen Dank hier noch einmal an die Veranstalter.

Meine erste Sorge war, dass ich wieder einmal viel zu spät losfahre und am Ende nicht im Klub erscheine. Und beinahe wäre ich auch wieder zu spät da gewesen, aber am Ende war ich doch noch fünf Minuten vor 21 Uhr im King Kong Klub. Hier sind mir als erstes die Bananen aufgefallen, welche vorne auf der Bühne auf einen Tisch lagen. Ich habe sie aber nicht weiter beachtet, wahrscheinlich sollten diese Bananen als Verpflegung für die Wettbewerber sein. Nachdem ich mir eine Cola gekauft hatte, suchte ich mir einen bequemen Platz auf einer Couch, welchen ich dann auch bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr verlassen habe.

Die Veranstaltung selbst begann dann erst weit nach 21 Uhr, sodass ich durchaus auch fünf Minuten später hätte kommen können. Auf die Gedichte selbst werde ich jetzt nicht eingehen, nur soviel, es waren eine Menge gute Gedichte dabei und ein paar, die mir nicht wirklich etwas gesagt haben.

Der Wettbewerb selbst bestand aus drei Vorrunden, in welchen jeweils vier Wettbewerber gegeneinander angetreten sind. Nein, ganz stimmt das nicht, in der letzten Vorrunde waren fünf Teilnehmer auf der Bühne. Weitergekommen ist allerdings auch in dieser Gruppe nur ein einzelner Teilnehmer, ebenso wie in den anderen beiden Vorrunden. Die Gewinner dieser Vorrunde traten dann im Finale erneut gegeneinander an, hier waren dann alle drei Gedichte auch wirklich klasse. Wer gewinnt, das entschied das Publikum durch seinen Applaus, ebenso wie das Publikum auch die Vorrundensieger bestimmte. Was ich noch erwähnen sollte, ist, dass die Teilnehmer nicht direkt gegeneinander angetreten sind, sondern jeder fünf Minuten hatte, um sein Gedicht vorzutragen. Weitere Regeln sind, dass keine Hilfsmittel erlaubt sind und nicht gesungen werden darf.

Als die Moderatoren dann den Abend eröffneten, kamen dann auch die Bananen ins Spiel. Einige davon flogen auf einmal durch den Raum, zum Glück nicht in meine Richtung. Das Glück verließ mich aber in einer späteren Pause, als mich so eine Banane dann doch am Arm erwischte, zum Glück ist es kein blauer Fleck geworden.

Die Atmosphäre im Klub war super, es war nicht zu voll, verstehen konnte man alles und das Publikum war die ganze Zeit über fair zu den Teilnehmern des Wettbewerbes. Etwas Negatives gab es auch, was aber nicht mit den Veranstaltern zu tun hat, sondern mit einem Teil des Publikums. Hier war eine zehnte Klasse dabei, von der selbst ein paar Schüler am Wettbewerb teilnahmen. Nachdem alle nach der Vorrunde ausgeschieden waren, entschied die Lehrerin die Veranstaltung zu verlassen und sich mit der Klasse auf den Heimweg zu begeben. Die meisten Schüler wollten zwar noch das Finale sehen, aber gegen die Entscheidung der Lehrerin kann man mit 16 nicht wirklich viel machen. Ich fand das von der Lehrerin unfair, denn die Gedichte der Schüler waren nicht wirklich schlecht, und es gab ein Stechen zwischen einen Schüler und einer anderen Teilnehmerin in der Vorrunde. Nun hatte die Teilnehmerin allerdings Geburtstag und dazu auch noch ein wirklich gutes Gedicht, weswegen am Ende auch die Teilnehmerin und nicht der Schüler (ebenfalls Teilnehmer) weiterkam. Übrigens gewann auch eben diese Teilnehmerin am Ende den Wettbewerb, nachdem wir sie in ein asiatisches Restaurant begleiten durften und einen gelben Wischlappen kennenlernten 😉 .

Insgesamt war es aber ein wirklich gelungener Abend, der nach einer Wiederholung schreit. Ist auch kein Problem, denn er findet jeden zweiten Mittwoch im Monat statt.