Oktober 28 2018

Diskutieren

Ich glaube, ich werde ab jetzt in jede Diskussion mit irgendwelchen Vorurteilen hineingehen, denn die werden einem ja eh vorgeworfen, wenn mensch eine andere Ansicht hat. Jedenfalls ist das derzeit mein Eindruck und somit schon das erste Vorurteil, welches ich ab jetzt haben werde.

Diskutieren um Horizont zu erweitern

Ich finde Diskussionen wichtig und ja, ich mache das, um meine eigenen Argumente zu schärfen oder eben, um diese über Board zu werfen, weil diese sich in einer Diskussion als vollkommener Müll herausgestellt haben. Ich gehe aber in eine solche Diskussion immer mit meinem Erfahrungsschatz, mit dem Wissen, welches ich bis zu dieser Diskussion gesammelt habe. Also auch mit den Verknüpfungen im Gehirn, die sich bis zu diesem Zeitpunkt gebildet haben. Und ich bin mir bewusst, dass das meine Erfahrungen, meine Verknüpfungen sind, die bei anderen komplett anders sein können, oder nur in bestimmten Punkten. Deswegen funktioniert eine Diskussion auch nur, wenn Freiraum für Fragen da ist. Dieser Freiraum ist nicht gegeben, wenn auf eine solche Frage mit irgendwelchen Vorurteilen beantwortet werden, die der Fragende doch zu haben scheint.

Fragen dienen der Einordnung. Wir alle ordnen Informationen irgendwie ein. Und sicher ordne ich Informationen von Person zu Person anders ein, weil jede Person einen anderen Hintergrund hat, andere Erfahrungen gemacht oder eben nicht gemacht hat. Woher soll ich diese Infos aber nehmen, wenn ich nicht nachfrage? Wenn ich also Frage, ob jemand Erfahrungen mit Armut gemacht hat, ob er schon einmal ohne Strom leben musste, für einen gewissen Zeitraum ohne Nahrung oder sogar mit der Angst, in den nächsten Wochen die Wohnung zu verlieren, dann mache ich das nicht, weil ich davon ausgehe, dass diese Erfahrungen nie gemacht wurden, sondern zur Einordnung. Wenn ich davon ausgehen würde, dass diese Erfahrungen nicht vorhanden sind, dann würde ich diese Frage so nicht stellen. Wenn ich aber von etwas als gegeben ausgehe, dann sind es eben wieder Vorurteile, und die bringen keinen weiter.

Diese Fragen dienen also der Einordnung. Muss ich meine Argumente eventuell überprüfen, muss ich eingestehen, dass andere zum Thema der Diskussion bessere Erfahrungswerte einbringen, die ich dann für mich nutzen kann, um meinen Horizont zu erweitern, um andere Verknüpfungen zu schaffen? Oder muss ich eventuell andere Argumente finden, um meine Sichtweise zu vermitteln, weil die Verknüpfungen, die ich zum Thema habe, bei den anderen nicht gegeben sind? Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder denselben Hintergrund hat, wenn ich das machen würde, dann wären wir wahrscheinlich tatsächlich bei einer Diskussion, die nur mit Vorurteilen geführt wird, die aber niemanden weiter bringt. Nur dann kann ich mir die Energie für eine solche Diskussion auch sparen.

Ich habe ja die Befürchtung, dass sehr viele Menschen inzwischen Diskussionen immer gleich als Angriffe auf die eigene Person deuten, sie also gleich in den Abwehrmodus gehen und es nicht um den Austausch von Argumenten und Erfahrungen geht. Das ist traurig, weil genau hier das Problem und die Gefahr für unsere Demokratie liegt. Wenn wir Diskussionen als persönliche Angriffe deuten, dann sind wir nicht offen und vergeben so die Chance, bessere Ideen und Argumente zu entwickeln.

Und warum machst du es dann doch ab und an?

Jetzt werden hier einige, die mir auf Twitter und Facebook folgen, vorwerfen, dass ich ab und an Diskussionen auch mit irgendwelchen Vorurteilen abwürge. Mache ich tatsächlich, bei Nazis und Rechtspopulisten (wobei ich nicht sagen will, dass das was anderes ist). Bei allen anderen Diskussionen nehme ich mir aber immer die Zeit, um meine Argumente vorzubringen und diese auch zu Untermauern. Jedenfalls solange, solange es die Gegenseite ebenfalls tut. Wenn dann allerdings ein Tweet kommt, der mir unterstellt, dass ich genau diese Vorurteile habe, die in diesem Tweet erwähnt werden, dann kann solch eine Diskussion nichts bringen.

PS:

Eigentlich wollte ich in diesem Artikel noch auf die Tweets verlinken, die mich dazu gebracht haben, meine Gedanken dazu noch einmal aufzuschreiben. Ich glaube allerdings, dass das auch ohne diese geht, dass dieser Artikel auch so all das vermittelt, was ich schreiben wollte.

Oktober 27 2018

Wenn dein Unterbewusstsein dir den Schlaf raubt …

Eigentlich lag ich schon im Bett und wollte schlafen. Doch leider bin ich ein Mensch, der nicht abschalten kann, wenn ein Problem auftritt, dass so nicht auftreten sollte, und für das ich auch noch keine Idee habe, wie ich es tatsächlich lösen könnte. Dann arbeitet mein Gehirn immer weiter, will, dass ich mich weiter auf die Suche nach Lösungsmöglichkeiten mache. Ich habe so schon Tage und Nächte durchgemacht, weil ich nicht abschalten konnte, weil mein Gehirn sich geweigert hat zu schlafen, obwohl ich komplett müde war und ich mir auch ziemlich sicher war, dass die Lösung schneller zu finden wäre, wenn ich einfach mal darüber schlafen würde.

Jetzt ist es zum Beispiel ein Raspberry PI, der nicht so will, wie ich es will. Nur, auch wenn mein Gehirn es nicht einsehen will, ich kann wirklich gerade nicht viel machen, weil das Gerät nicht bei mir ist, weil ich darauf nur über eine VPN Verbindung zugreifen kann und ich deswegen nicht die Fehleranalyse durchführen kann, die ich durchführen müsste. Es könnte nämlich alles sein! Defekter RAM, defekte SD-Karte oder sonst irgendein Defekt. Eventuell sogar nur ein kleiner Fehler im Filesystem der SD-Karte, den ich innerhalb von wenigen Minuten beheben könnte. Problem ist halt, dass all diese Dinge nur dann möglich wären, wenn ich den kleinen Rechner hier hätte.

Ich bin mir also ziemlich bewusst, dass ich an diesem Problem vorerst nichts ändern kann, aber das ärgert mich unterbewusst sosehr, das mir mein schlaf verwehrt bleibt. Eventuell auch deswegen, weil es mit genau diesem Raspberry erst vor ein paar Monaten schon Probleme gab und ich jemand bin, der Systeme mag, die einfach laufen, ohne das dort groß eingegriffen werden muss. Und das ärgert mich doppelt, weil ein zweiter Raspberry, der sogar noch mehr Aufgaben zu erledigen hat, dies nun schon seit knapp zwei Jahren tut, ohne dabei größere Probleme zu machen (wenn wir einmal von dem USB-Hub und der externen Festplatte absehen, die ich gegrillt habe, indem ich von beiden die Netzstecker verwechselt habe – weswegen ich Umbaumaßnahmen in Büros übrigens auch hasse).

Übrigens bin ich mir inzwischen ziemlich sicher, dass der Raspberry ein Problem mit seinem RAM-Speicher hat, aber erklär das mal jemand meinem Unterbewusstsein. Jenes möchte sich immer noch nicht mit dieser Erklärung zufriedengeben, sodass ich hier jetzt genau diesen Text schreibe. Anders kann ich mich nicht ablenken von dem Problem, welches eigentlich überhaupt nicht da sein sollte, da es überhaupt keinen Grund dafür gibt – außer eben ein defekter RAM-Speicher auf dem PI, was allerdings auch eine komplett neue Erfahrung wäre. Und wo ich so darüber nachdenke, könnte natürlich auch der Controller für den SD-Karten-Slot einen Defekt haben, der ebenfalls diesen Fehler verursachen könnte. Und so wird es wahrscheinlich noch die nächsten Stunden gehen.

Schafft ihr es, solche Aufgaben komplett hinter euch zu lassen, oder geht es euch eventuell sogar wie mir?

Oktober 22 2018

Familienkrach wegen Nachrichten

Es gibt ja hier bei mir immer mal wieder Streit über die Nachrichten. Es geht meist um Nachrichten, wo mit Vorteilen gespielt wird, wo Vergleiche gezogen werden, die diese Vorurteile scheinbar bestätigen. Nachrichten, die Nährboden für rechte Hetze bieten, obwohl dies überhaupt nicht notwendig wäre. Dann kommt es hier immer wieder zur Diskussion, weil ich es Scheiße finde und die anderen nicht verstehen, warum ich es Scheiße finde.

Vergleich zwischen Obdachlosen und geflüchteten Menschen

Heute gab es mal wieder so einen Aufreger! Eigentlich sollte es ein Artikel zur Unterfinanzierung von Obdachlosenunterkünften sein, daraus wurde aber ein Bericht darüber, dass für die geflüchteten Menschen mehr Geld ausgegeben wird. Dass Unterkünfte für geflüchtete Menschen leer stehen, es für die Obdachlosen aber nicht genügend Unterkünfte gibt. Ein beliebtes Vorurteil von rechten Hetzern, aber eben nicht, um die Bedingungen für Obdachlose zu verbessern, sondern nur, um gegen die geflüchteten Menschen Stimmung zu machen.

Natürlich ist es dämlich, wenn freier Wohnraum leersteht und es auf der anderen Seite Obdachlose gibt, die diesen brauchen. Allerdings können dafür die geflüchteten Menschen nichts. Sie können genauso wenig dafür, dass die Politik zu wenige finanzielle Mittel für Obdachlose bereitstellt. Das kann aber eben auch angesprochen werden, ohne dass dafür ein rechtes Vorurteil bedient werden muss. Wie kommt so ein Bericht denn bei betroffenen Menschen an? Er treibt einen Keil zwischen Obdachlose und geflüchtete Menschen, er schürt die rassistischen Vorurteile und bestätigt diese bei den Personen, die diese Vorurteile haben.

Und genau darüber rege ich mich immer wieder auf, auch darum, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass die Medien da ganz genau wissen, was sie damit bewirken. Sie können das machen, weil sich viele dieser Wirkung gar nicht bewusst sind, weil sie denken, dass da ein neutraler Bericht gesendet wird, der gar keine Menschenfeindlichkeit enthält, der nur über Missstände aufklären möchte. Aber nun erklär den Leuten mal, dass das falsch ist! Die Menschenfeindlichkeit, der Rassismus, der durch solche Berichte genährt wird, ist ja in dem Bericht selbst nicht zu finden. Da geht es ja schließlich nur um Fakten.

Ist es wirklich so schwer zu erkennen, dass es in diesen Berichten meist nur darum geht, Vorurteile zu verfestigen bzw. diese zu bestätigen? Wäre das nicht der Fall, würde auf solche Vergleiche verzichtet werden. Es ist nämlich durchaus möglich einen Bericht über die Notlagen von obdachlosen Menschen zu machen, ohne einen Vergleich zu den geflüchteten Menschen zu ziehen. Es ist durchaus möglich auf Missstände hinzuweisen, ohne dadurch irgendwelche rassistischen Vorurteile zu bedienen.

August 23 2018

Kurzgeschichte: Volksurteile

„Hallo und herzlich Willkommen zur wöchentlichen Show der Volksverurteilungen. In den nächsten 120 Minuten werden wir ihnen wieder drei straffällig gewordene Personen vorstellen und am Ende haben sie und ihr gesundes Volksrechtsempfinden es wieder in der Hand, per Telefonvoting die gerechten Urteile für diese Personen zu fällen. Natürlich gibt es auch wieder was zu Gewinnen. Unter allen Anrufern verlosen wir wieder ein Auto der Marke „Volksdoof“ im Werte von 35.000,- Euro. …“

Wie langweilig muss es Freitagsabends doch gewesen sein, als straffällig gewordene Personen noch von Richtern verurteilt wurden. Damals, als es noch Gerichte gab, die Urteile gefällt haben, die nicht dem gesunden Volksrechtsempfinden entsprachen. Es war ein regelrechter Glücksfall, als der Staat damals illegal eine Abschiebung durchführte und den Willen des Gerichts nicht achtete. Damals kristallisierte sich das gesunde Volksrechtsempfinden heraus. Den Bürgern war egal, ob das Gericht hier einen Rechtsbruch sah oder nicht, immerhin wurde ein Gefährder abgeschoben und da war es doch egal, ob eigene Werte mit Füßen getreten wurden, weil der Person am Zielort Folter drohte. Diese Einstellung des Volkes gefiel einigen Politikern so gut, dass sie auf die Idee kamen, dass Gerichte überflüssig wären, da doch das Volk der viel bessere Richter wäre. Daraufhin fingen diese Politiker an, immer mehr Gerichtsurteile anzuzweifeln. Irgendwann, die nötige Mehrheit war inzwischen davon überzeugt, wurde dann ein Gesetz erlassen, welches Gerichte abschaffte und dafür das gesunde Volksrechtsempfinden einführte. Um dieses abzufragen, wurde eine Fernsehsendung eingeführt, in der kurz über die straffällig gewordene Person und dessen Straftat berichtet wurde und danach durfte dann per Telefonvoting sowohl über Schuld oder Unschuld entschieden werden wie natürlich auch über das Strafmaß selbst.

Nun ist es leider so, dass das gesunde Volksrechtsempfinden in den meisten Fällen nicht von der Straftat abhängt, sondern allein von der Sympathie, die dem Angeklagten vom Volke entgegengebracht wird. Da kann ein Mörder schon mal ungestraft davon kommen, wenn er denn nur genügend sympathische Argumente für sein Handeln vortragen kann. Auf der anderen Seite kann es aber auch schon mal lebenslänglich werden, wenn der Angeklagte die falschen Schuhe trägt, obwohl er nur einen Apfel geklaut hat, weil er Hunger hatte.

Es ist also mal wieder Freitag. Ich sitze hier und muss jetzt selbst gute Argumente vorbringen, um zu erklären, warum ich die Tat, die mir zur Last gelegt wird, begangen habe. Noch viel schlimmer, ich muss das Publikum von meiner Unschuld überzeugen, denn gute Argumente für eine Tat zu finden, die ich gar nicht begangen habe, ist schon ziemlich schwer. Und noch viel schwerer ist es, die richtige Kleidung und das richtige Auftreten zu finden, um beim Publikum genügend Sympathiepunkte zu sammeln.

Aus Spaß habe ich einmal nachgelesen, welche Strafe mich damals erwartet hätte, als es noch Richter gab, die an Gerichten nach Abwägung aller Fakten ein Urteil gefällt haben. Ich wäre wohl mit einer Geldstrafe davon gekommen, wenn ich den Richter nicht von meiner Unschuld hätte überzeugen können. Das wäre damals ziemlich sicher gewesen. Dank dem Volksrechtsempfinden ist heute aber auch eine lebenslange Haft möglich und das nur, weil Politiker damals die Gewaltenteilung anzweifelten, weil ihnen ein Gerichtsurteil nicht so genehm war.

August 18 2018

Meine Gedanken zu: #MenAreTrash – Männer sind Abfall

„Provozieren, aber richtig!“, ist der Titel eines Workshops, in dem es um provokative Moderation geht. Provozieren, dass will auch der Hashtag #MenAreTrash in den sozialen Medien, nur macht er das auch wirklich? Tatsächlich habe ich kein Problem damit, wenn Frauen ihre Erfahrungen mit Männern genau so kanalisieren. Selbst wenn ich ein Problem damit hätte, bliebe die Frage, warum gerade ich Bewerten sollen könnte, wie Frauen mit ihren Erfahrungen umzugehen haben? Wenn Frauen meinen, dass Männer Abfall sind, dann sollen sie das gerne kundtun. Sie sollen ihre Wut aufschreiben, ihn in die Welt des Internets schicken, sich mit anderen Austauschen, die das genauso sehen. Nur, wenn dem so ist, warum schreibe ich dann hier meine Gedanken auf?

Weil ich den Hashtag auf der anderen Seite dann eben doch für Kontraproduktiv halte. Nicht, weil ich den Frauen ihre negativen Erfahrungen absprechen möchte, sondern weil er eine Debatte um das Thema erschwert. Sicher werden jetzt einige Denken oder auch sagen, dass dieser Hashtag nicht zur Debatte gedacht ist, dass die Männer einfach mal zuhören sollen, sie den Erfahrungen der Frauen Aufmerksamkeit schenken sollen. Nur, wenn wir ehrlich sind, gehen die Botschaften, die transportiert werden sollen, sehr schnell unter. Der Hashtag allein löst bei vielen schon einen abwehrenden Reflex aus. Die Botschaften werden vielleicht noch gelesen, aber eben nicht verstanden, weil darüber gar nicht nachgedacht wird. Nachgedacht wird, wie dieser Hashtag abgewehrt werden kann! Diese Abwehr lässt sich unter dem Hashtag wunderbar beobachten. Der Hass, der da losgelassen wird, macht es unmöglich, überhaupt noch die Tweets zu finden, die eine Botschaft enthalten, für die dieser Hashtag eigentlich erfunden wurde. Tatsächlich gibt es unter dem Hashtag mehr Tweets, die den Hashtag entweder verteidigen oder ihn ablehnen. Da ist dann die Frage, wie du als unbeteiligter Dritter, der dem Hashtag gegenüber weder Pro noch Contra eingestellt ist, dann noch die Botschaften finden sollst, die der Hashtag eigentlich übermitteln möchte? Die Tweets also, die am Ende doch ein Nachdenken auslösen und zu einer Debatte führen könnten?

Abgesehen davon, und auch wenn immer wieder betont wird, dass es hier nicht um das Individuum geht, ist dieser Hashtag natürlich auch verletzend. Am Ende sind wir alle Menschen mit Gefühlen. Und wenn Gefühle verletzt werden, dann ist eine konstruktive Debatte oder eben nur ein konstruktives Zuhören schon fast ausgeschlossen. Darüber sollten wir uns bewusst werden, auch dann, wenn wir provozieren möchten. Die Provokation soll ja am Ende irgendwas bewirken, sie soll konstruktive Prozesse auslösen, die die Gesellschaft verbessern und die Gleichberechtigung von Frau und Mann befördern. Ob das mit verletzenden Provokationen funktioniert, wage ich dann eben doch zu bezweifeln. Allerdings finde ich eben auch, dass Männer da auch einfach mal ihre Eitelkeiten zu Hause lassen könnten, sie ihre abwehrende Reaktion einfach mal zurückhalten sollten, um so den Botschaften – die transportiert werden sollen – auch eine Chance zu geben, beim Empfänger anzukommen.

Ansonsten beweist dieser Hashtag wieder einmal wunderbar, wie einige Männer versuchen Frauen und dessen Erfahrungen zu unterdrücken, wie Männer also genau das tun, was ihnen vorgeworfen wird. Und dann darf jeder halt auch einmal darüber nachdenken, ob der Hashtag dann nicht doch auf einige Männer zutrifft …

August 9 2018

Die ewige Diskussion über den Schutz von Leben – Schwangerschaftsabbrüche

In Argentinien hat sich die Regierung gegen die Freigabe von Schwangerschaftsabbrüchen entschieden. Soweit so schlecht! Was mich an der Debatte darüber aber viel mehr stört, dass sind all die Kommentare, die die Meinung vertreten, dass es in der Diskussion nicht allein um die Frage geht, wem der weibliche Körper denn eigentlich gehört, wer also darüber die Entscheidungshoheit hat, sondern viel mehr um den Schutz von Leben.

Nein, verdammt noch mal, genau darum geht es in der Debatte nicht! Würde es um den Schutz von Leben gehen, dann würden wir andere gesellschaftliche Debatten führen.

Wir würden darüber debattieren, wie wir verhindern können, das Kinder in Armut aufwachsen. Wir würde dafür sorgen, dass kein Mensch mehr unter Hunger leiden muss. Wenn wir Leben schützen wollten, wenn es wirklich darum gehen würde, dann würden wir die Produktion von Massenvernichtungswaffen einstellen, wir würden generell auf die Produktion von Kriegswaffen verzichten.

Wir würden dann über eine solidarische Gesellschaft diskutieren – eine Gesellschaft, die sich die Erziehungsarbeit teilt, die Frauen unterstützt und sie nach der Geburt nicht allein lässt. Eine Gesellschaft, die die Leistungen, die Frauen hier erbringen, auch wertschätzt, die aber der Frau auch nach einer Schwangerschaft noch alle Wege offen lässt.
Wir würden reden über eine bessere Umverteilung von Lebensmitteln, über den Zugang zu sauberen Trinkwasser für alle Menschen auf dieser Welt. Wir würden dann nicht darüber diskutieren, wie wir Menschen im Mittelmeer ersaufen lassen können, um die Grenzen besser zu schützen.

Aber um all das geht es gar nicht. Es geht in der Debatte nicht um den Schutz von Leben. Die Debatte, die hier eigentlich geführt wird, ist doch, ab wann gehört der weibliche Körper der Gesellschaft, ab wann muss sich die Frau gesellschaftlichen Wertevorstellungen unterwerfen und darf nicht mehr autonom über ihren eigenen Körper verfügen.

Sind wir doch ehrlich. Die meisten Frauen machen sich den Schritt hin zur Abtreibung nicht einfach. Wenn sie ihn aber gehen, dann haben sie auch gute Gründe dafür und dann gehen sie diesen Weg, ob er nun legal ist oder nicht. Der Unterschied ist aber, dass ein legaler Weg die Risiken für die Frau minimiert.

August 8 2018

Nachtgedanken: Ausbildung

Eigentlich sollte ich schon seit Stunden schlafen. Eigentlich wollte ich auch schon seit Stunden schlafen, aber irgendwie ist es dann doch ein wenig warm und mein Körper kommt gerade nicht richtig runter, obwohl ich Müde bin. Stattdessen lese ich gerade Blogs im Feedreader (meiner lebt immer noch und ich liebe Feeds) und schreibe hier so ein wenig meine Gedanken nieder.

Ausbildung

Vor ein paar Tagen diskutierte ich auf Twitter mal wieder über die Ausbildung im Allgemeinen. Ausbildung ist dabei für mich eine Investition von zwei Seiten. Die eine Seite ist der Auszubildende selbst. Er investiert mit der Ausbildung in seine berufliche Zukunft. Wenn er Glück hat, steht er danach ziemlich gut da, hat all die Werkzeuge, die er braucht, um in ein gutes Berufsleben zu starten und verdient damit dann seinen Lebensunterhalt.

Die andere Seite, die da eine Investition tätigt, ist das Unternehmen selbst. Im Idealfall bilden Unternehmen junge Menschen aus, damit diese dann später im Unternehmen als Fachkräfte arbeiten. Sie sollen nachrücken für die Fachkräfte, die das Unternehmen in Richtung Ruhestand verlassen oder die in anderen Unternehmen neue Herausforderungen suchen. Es ist also eine Investition in die Zukunft des Unternehmens, die sich für das Unternehmen dann auszahlt, wenn der Auszubildende die Ausbildung erfolgreich abschließt und anschließend im Unternehmen Werte schafft, also, um es ganz vereinfacht zu sagen, Profite für das Unternehmen erwirtschaftet.

Natürlich kostet die Ausbildung Geld, aber ich halte es für falsch, wenn immer nur der Zeitraum der Ausbildung betrachtet wird, denn das Ziel der Ausbildung für das Unternehmen ist ja nicht die Ausbildung selbst, sondern die Fachkraft, die danach dem Unternehmen zur Verfügung steht. Gerade im kapitalistischen System geht es nicht nur um die Weitergabe von Wissen, sondern es geht darum, die Menschen in die Wertschöpfungsketten zu integrieren, damit diese Profite erwirtschaften.

Ich glaube übrigens auch nicht, dass die Nutzen-Kosten-Rechnung in jedem Ausbildungsberuf für die Unternehmen immer negativ ist. Klar zahlen die Unternehmen den Ausbilder, klar zahlen sie die Prüfungsgebühren an die IHK und ja, sie zahlen auch eine Ausbildungsvergütung an den Lehrling, aber im Gegenzug wird durch viele Lehrlinge auch ein wirtschaftlicher Nutzen erzeugt.

Sicher gibt es auch Ausbildungen, in denen die Kosten-Nutzen-Rechnung für das Unternehmen in den Ausbildungsjahren negativ ist. Aber auch hier gilt, dass das eine Investition in die Zukunft des Unternehmens ist. Oder in die Zukunft des gesellschaftlichen Wissens, wenn von vornherein klar ist, dass der Auszubildende nur die Ausbildung absolviert und danach nicht im Unternehmen verbleibt.

Und warum zahlt die Ausbildung nicht der Staat beziehungsweise die Gesellschaft?

Wenn eine Ausbildung Wissen weitergibt und somit sichert, dann ist das mit Sicherheit ein Nutzen für die Gesellschaft, aber im kapitalistischem System schöpft nicht die Gesellschaft die Gewinne ab, sondern es sind die Unternehmen, die diese Gewinne für sich beanspruchen. Natürlich zahlen sie davon Steuern, aber dafür steht ihnen auch eine anständige Infrastruktur zur Verfügung, die staatlich finanziert wurde. Und den größten Teil der Ausbildung zahlt ja auch die Gesellschaft, denn die drei Jahre Ausbildung im Betrieb sind ja nur die Spezialisierung auf ein bestimmtes Fachgebiet, die Ausbildung selbst beginnt aber schon in der Schule, wo den jungen Menschen die Werkzeuge wie Lesen, Schreiben und Rechnen mitgegeben werden.

Wenn wir diese Punkte betrachten, dann sollte es für Unternehmen durchaus zumutbar sein, die Investition und das Risiko für die letzten drei Jahre der (Fach)Ausbildung selbst zu tragen.

Ich hoffe, dass einigermaßen klar geworden ist, was ich sagen will. Wenn nicht, dann entschuldige ich mich, aber es ist auch schon spät und eigentlich möchte ich schon seit einigen Stunden schlafen.

August 7 2018

Dienstpflicht …

Irgendwie scheint die Bundesregierung, bzw. die Unionsfraktion derzeit ein wenig Ablenkung von anderen Themen zu brauchen, weswegen sie die Wiedereinführung der Wehrpflicht oder einer generellen Dienstpflicht in den Ring geworfen hat. Gibt ja keine anderen Dinge, die diese Bundesregierung endlich mal lösen könnte. Wohnungsnot, Armut, Klima, Rechtsruck in der Gesellschaft, um nur einige Themen zu nennen, die mir da spontan einfallen. Sind sie aber wohl nicht kompetent genug für, deswegen suchen sie sich Themen, die in der Vergangenheit ja schon mal irgendwie funktioniert haben.

Klar, ich war damals auch noch bei der Bundeswehr und irgendwie fangen auch so all die Tweets und Meldungen in den sozialen Netzwerken von den Befürwortern einer Dienstpflicht an. „Hat mir ja nicht geschadet.“, sagen die einen, „Formt den Charakter.“, sagen die anderen. Oder sie gehen noch ein paar Etagen höher und meinen, dass eine Pflicht ja irgendwie ein Bekenntnis zu unserer Demokratie ist. Nein, eine Pflichtveranstaltung ist kein Bekenntnis zu irgendwas und eine demokratische Einstellung kann jeder Mensch auch dann leben, wenn er keinen Pflichtdienst an der Waffe ableistet. Und auch ein Pflichtdienst im sozialen Bereich macht die Gesellschaft nicht solidarischer!

Bundesfreiwilligendienst attraktiver machen!

Der Verdacht liegt nahe, dass die Unionsfraktionen hier nur ein Heer von billigen Arbeitskräften schaffen will, weil sie einfach keine Ahnung haben, wie sie in diesem neoliberalen Wirtschaftssystem sonst genügend Personal für soziale Berufe und für die Bundeswehr anwerben soll. Auf die Idee, zumindest die sozialen Berufe aus der kapitalistischen Logik zu befreien und diese staatlich zu organisieren, damit nicht Hinz und Kunz an der Pflege von Menschen mit verdient und für die Menschen, die die Pflege übernehmen und für die, die gepflegt werden müssen, mehr Geld übrigbleibt, kommt dieser neoliberale Regierungshaufen ja nicht. Da liegt doch die Idee viel näher, in die Grundrechte von jungen Menschen einzugreifen, die darüber nicht einmal selbst entscheiden dürfen, um diese zu etwas zu zwingen.

Wie wäre es denn, wenn die verantwortlichen in der Politik einfach mal den Bundesfreiwilligendienst attraktiver machen würden? Einfach mal eine faire Entlohnung für die Menschen, die diesen Dienst antreten und die ja auch eine Gegenleistung erbringen? Verbunden vielleicht sogar mit einem Auslandsaufenthalt, wenn der Bundesfreiwilligendienst erfolgreich absolviert wird? Nicht nur etwas fordern, sondern auch etwas geben? Dann bestehe sogar die Chance, dass wir einer solidarischen Gesellschaft näher kommen und wir so die neoliberalen Fesseln endlich über Board werfen können.

Aber die lernen Respekt

Was ich an der Debatte auch interessant finde, ist, dass die Leute einem immer wieder erzählen wollen, dass die jungen Menschen dadurch Respekt lernen. Hallo? Respekt kann nicht gelernt werden, Respekt muss sich jeder einzelne verdienen! Was die Leute wohl meinen, wenn sie vom Respekt lernen reden, ist die Angst, die die jungen Menschen erlernen. Die Angst vor dem Vorgesetzten, der jeden kleinen Fehler sanktionieren kann. Das ist aber kein Respekt! Im Gegenteil, diese Angst kann in Ablehnung, sogar in Hass umschlagen, bei Respekt ist das nicht der Fall.

Allerdings gibt es diesen Denkfehler ja überall in der Gesellschaft. Nehmen wir zum Beispiel die Polizei, die auch meint, nur genügend Gewalt ausüben zu müssen, um den Menschen Respekt beizubringen. Allerdings ist es auch hier kein Respekt, den die Menschen erlernen, sondern ebenfalls nur Angst und Ablehnung. Und Ablehnung ist irgendwie das falsche Gefühl, wenn wir bedenken, dass die Polizei ja eigentlich die BürgerInnen schützen soll.

Ab und zu kommt dann noch die Disziplin ins Spiel, die anscheinend auch nur durch die Dienstpflicht erlernt werden kann, oder das Aufräumen des eigenen Zimmers, oder wie Betten bezogen werden – ist es wirklich so wichtig, dass ein Bettlagen nur keine Falten hat?

Mein Fazit ist und bleibt, dass es keinen Grund gibt, in die Menschenrechte von jungen Menschen durch irgendeine dämliche Dienstpflicht einzugreifen. Wer zum Bund gehen möchte, um seinem Land zu dienen, der kann dies tun. Wer der Gesellschaft ein Jahr seines Lebens schenken möchte, um ein soziales Jahr abzuleisten, kann dies auch tun – zumindest dann, wenn die Eltern genügend Geld haben, um diesen jungen Menschen noch ein weiteres Jahr zu ernähren, ansonsten ist es nämlich so, dass sich junge Menschen ein solches soziales Jahr gar nicht leisten können. Daran sollte der Staat dann eventuell etwas ändern …

Juli 30 2018

Habt ihr es dann endlich?

Na, habt ihr es dann endlich? Habt ihr alle möglichen Vergleiche und Witze über Menschen gemacht, die in der ehemaligen DDR gelebt haben? Habt ihr auch den letzten Zweifel daran beseitigt, dass der Rassismus und Menschenhass nur von den Ostdeutschen kommt?

Jetzt mal ehrlich, wundert ihr euch wirklich, dass die Teilung in den Köpfen immer noch vorhanden ist? Glaubt ihr wirklich, dass ihr das mit eurer Arroganz, eurer “Siegermentalität” überwinden könnt? Dieses Getue vom gönnerhaften Wessi, der die Ostdeutschen ja nur aus Mitleid aufgenommen hat und der dafür so viele Opfer bringen musste? Dieses permanente “Ihr-müsst-uns-dankbar-sein”? Ohne überhaupt ein wenig zu reflektieren, dass die Ostdeutschen auch eine Menge verloren haben und sie ebenfalls teuer für die Wiedervereinigung bezahlt haben! Klar wurden da aus zwei Staaten ein Staat. Natürlich gab es da unterschiedliche Systeme für die soziale Absicherung, die irgendwie miteinander vereint werden mussten. Klar haben die Ostdeutschen nicht in das westdeutsche System eingezahlt, solange es die DDR noch gab, aber ist das ein Grund, dauerhaft dieses Überhebliche an sich zu haben, ständig irgendeine Dankbarkeit einzufordern? Und ganz ehrlich, macht diese Arroganz den Rassismus erträglicher, der derzeit in der Gesellschaft immer mehr zum Vorschein kommt?

In der Diskussion immer unerwähnt bleibt, dass die Treuhand das Volksvermögen der ehemaligen DDR zu Geld gemacht hat. Niemand erwähnt die vielen westdeutschen Investoren, die in den neuen Bundesländern Unternehmen aufgekauft haben, um diese dann langsam aber sicher abzuwickeln. Die Menschen, die mit dem neuen Wirtschaftssystem überhaupt nicht klar gekommen sind, die dachten, dass alles besser wird und sich deswegen überschuldet und am Ende dann alles verloren haben, was sie sich irgendwie aufgebaut hatten. Der Verlust der eigenen Identität, die Herabwürdigung der eigenen Lebensleistung, weil diese ja in der DDR erbracht wurde und nicht in der BRD. Darüber diskutieren wir nicht!

Wenn ich mir die Diskussion so ansehe, dann könnte mensch glauben, dass die ehemaligen Bürger der DDR nur genommen haben, aber selbst nichts gegeben oder verloren hätten. Sie haben aber eine ganze Menge verloren!

Wenn wir über den Rassismus in den neuen Bundesländern reden, der absolut Scheiße und erschreckend ist, dann sollten wir vielleicht auch einmal überlegen, ob diese Überheblichkeit und diese Siegermentalität der Westdeutschen nicht eine Ursache dafür ist. Ob die andauernde Abwertung der Lebensleistung, die großen Verluste nach der Wiedervereinigung, die Perspektivlosigkeit, die die blühenden Landschaften gebracht haben, nicht eine Erklärung für diesen Fremdenhass sein könnten. Wenn wir das in unsere Überlegungen mit einfließen lassen, dann könnten wir eventuell auch eine Lösung für das Problem finden, dann könnten wir den Rechtspopulisten eine positive Erzählung entgegen setzen, die dann aber auch die Lebensleistung dieser Menschen respektiert und sie nicht andauernd abwertet. Oder glaubt ihr wirklich, dass ihr mit diesen ständigen Anfeindungen eine solidarische Gesellschaft schaffen könnt, die offen ist für alle? Glaubt ihr wirklich, dass ihr mit ständigen Abwertungen die Menschen in den neuen Bundesländern weltoffener macht?

Sind wir doch ehrlich, ihr fühlt euch besser, wenn ihr den Rassismus von euch wegschieben könnt. Es ist so, wie mit der Armut, oder? Ihr denkt euch: “Natürlich gibt es auch bei uns Rassismus, aber der in den neuen Bundesländern von den Ostdeutschen, der ist doppelt so schlimm wie unser eigener.”? Oder liege ich da falsch? Ist es nicht derselbe Erklärungsversuch, wie bei der Armut, die natürlich in Deutschland vorhanden ist, aber die nicht wirklich schlimm ist, weil sie in Afrika ja mindestens zehnmal so schlimm ist? Ist es nicht so, dass ihr euch mit diesen vergleichen besser fühlen wollt, weil im Vergleich zu anderen ist es ja gar nicht so schlimm? Denkt doch einfach mal darüber nach, bevor ihr dann wieder die nächste Abwertung raus haut und damit die Spaltung noch tiefer macht.