23 November 2020

Gut, es ist ein Jammerjahr!

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Das Jahr neigt sich langsam seinem Ende zu, noch ein paar Wochen hat es, dann ist Schluss. Die Zeit rennt und die Zeit fühlt sich so verloren an, weil die letzten Monate mich nicht weiter gebracht haben. Jeder Schritt nach vorne bedeute gleichzeitig wieder Stillstand, immer wenn es wieder aufwärts ging, lauerte an der nächsten Ecke schon wieder das Tal und das macht einen dann doch fertig! Es hilft aber nichts, es muss ja irgendwie weitergehen, nein, es geht irgendwie weiter, auch wenn ich in den letzten Monaten schon häufiger alles hinwerfen wollte. Dieser Krampf, dieses von Monat zu Monat denken, weil es auf dem Konto einfach keine Rücklage mehr gibt und das Ziel einfach nur ist, zumindest die laufenden Kosten irgendwie weiterhin zahlen zu können, macht einen irre und nicht die Möglichkeit zu haben, notfalls halt Hartz4 zu beantragen, noch sehr viel mehr.

Irgendwie bin ich jetzt bis November gekommen. Wie genau, weiß ich auch nicht, aber bis hierhin konnte ich irgendwie alles bezahlen, was bezahlt werden musste und das, obwohl ich schon seit August damit rechne, dass ich das nicht mehr schaffe! Geholfen haben mir da natürlich auch die beiden Spenden bei meiner gofundme-Kampagne und ein paar kleinere Aufträge, die ich in den letzten Monaten dann doch hatte. Hilfen vom Staat habe ich nicht bekommen, auch wenn sich die Politiker immer wieder damit rühmen, dass den Solo-Selbstständigen doch so geholfen wurde. Ich schrieb es glaube schon, dass mir die bisherigen Hilfen, die es gegeben hätte, nicht wirklich etwas gebracht hätten, weil ich das Geld nicht hätte ausgeben dürfen und irgendwie scheint es mir, dass durch die Hilfen die Ungleichheiten in der Gesellschaft nur vergrößert wurden, weil gefühlt die reichsten Menschen um den Betrag der Hilfen reicher geworden sind in der Krise.

Ich bin weiterhin der Meinung, dass ein BGE mehr gebracht hätte, aber dagegen hat sich ja die sozialdemokratische Partei Deutschlands sehr gut gewehrt, weil sie die Menschen lieber in Hartz4 sehen will, wo sie mit Repressionen die Menschen klein halten kann. Hat schon einmal wer ausgerechnet, wie viel BGE hätte ausgezahlt werden können, wenn all die Hilfen, die ausgeschüttet werden sollten, in diese Idee geflossen wären? Mir hätte es jedenfalls viele schlaflose Nächte und uns allen wahrscheinlich ein paar Querdenker erspart, weil zumindest eine finanzielle Absicherung bestanden hätte, mit der die Existenz hätte gesichert werden können. Aber okay, wo kämen wir denn hin, wenn wir die Krise genutzt hätten, um neue Konzepte auszuprobieren? Könnte ja passieren, dass die Bekämpfung der Pandemie nachher noch gelingt, weil die Menschen einfach zu Hause bleiben!

Gut, es ist ein Jammerjahr. Da muss nicht nur ich durch, da müssen wir alle durch. Nur gehen mir langsam die Ideen aus, denn ohne Geld ist es halt so ziemlich unmöglich, irgendwelche Ideen umzusetzen. Aber okay, irgendwie wird auch diese Woche wieder vergehen und vielleicht schaffe ich es auch diesen Monat wieder, irgendwie genug zu verdienen, um die laufenden Kosten zu bezahlen. Ich glaube derzeit nicht daran, aber selbst wenn nicht, muss es ja irgendwie weiter gehen. Ich lasse mich überraschen!

11 November 2020

Drohen, einschüchtern, Meinungsfreiheit einschränken …

Herbst

Dieses Internet ist echt spannend, besonders dann, wenn du eine harmlose Diskussion führst, und dir am Ende ein Teilnehmer, den du bis dahin nicht wirklich beachtet hast, mit dem Anwalt droht, weil er sich durch eine allgemeine Aussage angegriffen fühlt. Passiert immer wieder Mal, meist ist eine Aussprache am nächsten Tag möglich, in der all das geklärt wird, aber derzeit gibt es da draußen eine Gruppe von Menschen, denen ich durchaus zutraue, den Weg zum Anwalt zu gehen. Nicht, weil sie mit ihren Anschuldigungen irgendwie Erfolg haben könnten, sondern nur, um dem anderen einen finanziellen Schaden zuzufügen, indem erst einmal ein Brief vom Anwalt geschrieben wird, mit dem du dann zu deinen eigenen Anwalt musst, um das prüfen zu lassen. Dann zahlst du auf jeden Fall die Erstberatung und im schlimmsten Fall, wenn es zu einem Verfahren kommt, noch die restlichen Kosten, weil die Gegenseite kein Geld hat.

Einschränkung der Meinungsfreiheit durch Einschüchterung

Das ist die Ausgangslage! Einige werden jetzt sagen, dass das ja nicht schlimm ist, wenn an den Vorwürfen nichts dran ist, aber ist das wirklich so einfach? Ich finde nicht, denn es kommen da noch andere Ebenen ins Spiel. Wenn das einmal passiert, dann mag das noch okay und verkraftbar sein, aber wenn dir dann in jeder zweiten Diskussion, in der es um ein bestimmtes Thema geht, mit dem Anwalt gedroht wird und es mehrmals dazu kommt, dass du einen Anwalt aufsuchen musst und diese Kosten erst einmal tragen musst, wirst du dich in deinen Meinungsäußerungen einschränken. Im schlimmsten Fall wirst du Plattformen meiden, auf denen das ständig geschieht. Das ist ein Problem, weil das derzeit genau die Vorgehensweise ist, die einige Gruppen dort draußen versuchen, um ungeliebte Meinungen zu unterdrücken. Diese Gruppen versuchen sich selbst zum Opfer zu machen, um die Gegenseite einzuschüchtern, sie daran zu hindern, ihre Meinung weiterhin öffentlich zu verbreiten, damit die eigene Meinung uneingeschränkt und ohne Widerspruch verbreitet werden kann.

Dadurch wird Meinungsäußerung dann zu einem Privileg für Menschen, die es sich leisten können, weil sie sich gegen die Vorwürfe der anderen zur wehr setzen können. Das ist ein riesiges Problem, weswegen ich auch das System der Abmahnungen in diesen Fall als schwierig ansehe. Auch wenn Abmahnungen ja erst einmal was Positives sind, weil so kleinere Streitigkeiten auch ohne ein gerichtliches Verfahren beigelegt werden können. Das Problem sind aber die entstehenden Kosten, die auf jeden Fall erst einmal auf einen zukommen, wenn die Abmahnung geprüft werden muss. Und da die Mehrheit hier wahrscheinlich keine Juristen sind, läuft dies darauf hinaus, einen Anwalt aufzusuchen.

Ich habe keine Ahnung, wie dieses System besser gestaltet werden könnte, vielleicht gibt es auch schon einen Verein, der sich um Abmahnungen kümmert, die gezielt darauf ausgelegt sind, durch Einschüchterung die Meinungsfreiheit einzuschränken, nur ist das halt auch ein Problem für die Plattformbetreiber selbst, wenn immer mehr Menschen aufhören, dort aktiv an Diskussionen teilzunehmen. Das schränkt die Pluralität an Meinungen ein und es schränkt die Meinungsbildung an sich ein.

Hinter Pseudonymen verstecken

Jetzt wäre es natürlich möglich, sich hinter Pseudonymen zu verstecken, die erst einmal nicht so leicht einer realen Person zuzuordnen sind, um eine solche Diskussion zu führen. Dann hätte auch die Gegenseite erst einmal mehr Kosten, um die Person zu identifizieren und würde sich somit ansehen, ob es überhaupt Erfolgsaussichten hat, aber dann gibt es halt Menschen – und dazu gehöre ich – die sich nicht wirklich verstecken können, weil es zum Beispiel Pflichtangaben gibt, die auf dem eigenen Blog hinterlegt sein müssen. Deswegen ist das Pseudonym zwar ein wichtiges Instrument im Internet, aber den Vorteil können halt nicht alle Nutzen.

Deswegen müssten wir eine gesellschaftliche Diskussion darüber führen, wie wir die Meinungsvielfalt im Internet schützen können, ohne das bestimmte Gruppen die Möglichkeit haben, durch irgendwelche Aktionen dem Gegenüber einen finanziellen Schaden zuzufügen. Es muss möglich sein, seine Meinung auch unter seiner richtigen Identität zu vertreten – so lange diese vom Grundgesetz gedeckt ist – ohne Angriffe zu befürchten, die einen dann in die Situation bringen, entscheiden zu müssen, ob Mensch seine Meinung noch öffentlich vertreten will.

Ich schreibe diese Artikel natürlich nicht ohne Grund, denn die Situation, die ich oben beschrieben habe, betrifft mich gerade wieder selbst. Noch ist nichts passiert und wenn was passiert, bin ich mir ziemlich sicher, dass all meine Aussagen weder beleidigend, noch in irgendeiner anderen Art und Weise strafbar sind. Doch auch ich muss natürlich, wenn etwas kommt, zum Anwalt gehen, um mich dagegen zu wehren. Viel schlimmer ist aber diese Ungewissheit, die eine solche Aussage erst einmal auslöst. Denn auch wenn ich mir sicher bin, dass das alles okay war, werde ich jetzt natürlich noch öfter darüber nachdenken, ob ich meine Meinung zu einem Thema auch schreibe und somit hat die Drohung mit dem Anwalt dann auch schon ihr erstes Ziel erreicht!

9 November 2020

Wo ist die Mobilisierung?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Sagt Mal, was läuft hier eigentlich falsch? In Leipzig marschieren zehntausende Wut-Hut-Maskenverweigerer, weil diese der Meinung sind, dass sie – wegen ein bisschen Stoff – in ihrer Freiheit und in ihren Grundrechten beschränkt sind, aber wenn die EU wirkliche Grundrechtsbeschränkungen plant, indem sie einen Generalschlüssel für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Kommunikationsapps wie WhatsApp, Signal und Co. plant, berichten davon nur eine handvoll Medien, aber die Mobilisierung dagegen bleibt aus. Klar, es geht derzeit um einen Entwurf, aber auch gegen einen Entwurf kann schon mobilisiert werden, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass das nicht stillschweigend hingenommen wird!

Warum gelingt es menschenverachtenden Personen, so viele Menschen zu mobilisieren, die anderen Menschen mit ihrem Handeln Schaden zufügen, die sogar in kauf nehmen, dass da andere Menschen sterben, weil sie meinen, dass so ein Mund-Nasenschutz einfach nur schrecklich ist, aber keiner mobilisiert, wenn es um die wirkliche Einschränkung von Grundrechten geht? Ich verstehe es einfach nicht!

Wir sollten anfangen, nicht immer bis zum letzten Moment zu warten, um Irrwege der Politik zu verhindern. Wir sollten schon bei Entwürfen zeigen, dass wir ganz klar gegen solche Grundrechtsbeschränkungen sind, auch dann, wenn als Primärziel immer und immer wieder die Terrorbekämpfung vorgegeben wird. Alle, die immer noch sagen, dass sie nichts zu verbergen hätten, werden sich wundern, wenn sie irgendwann mit einer totalitären Regierung aufwachen. Einer Regierung, die dann all die schönen Werkzeuge nutzen kann, die gerade von repräsentativ-demokratischen Entscheidungsträgern eingeführt werden! Ist uns unsere Privatsphäre wirklich so egal? Sind uns unsere Grundrechte wirklich so unwichtig, dass wir sie dem vorgeblichem Ziel von mehr Sicherheit unterordnen, und dabei den komplett gläsernen Menschen schaffen, nur weil es möglich ist?

Es wundert mich, dass all die Menschen, die sich über Facebook, Google und Co. aufregen, weil diese eine riesige Datensammlung aufbauen, sich nicht darüber aufregen, wenn der Staat sich immer mehr Zugänge in unsere Kommunikation schafft. Terrorbekämpfung kann nicht alles sein, Sicherheitsgesetze nicht die Erklärung für alle Grundrechtsbeschränkungen! Um es einmal deutlich zu sagen: all diese Einschränkungen der Grundrechte, all diese Befugnisse für Sicherheitsbehörden, führen dazu, dass ALLE Menschen unter Generalverdacht gestellt werden!

Nur, um da einmal einen Vergleich zu haben: die Forderung nach einer externen Ermittlungsbehörde, die sich mit Fällen von Polizeigewalt beschäftigt, führt regelmäßig zu der Aussage, dass wir die Polizist*innen nicht unter Generalverdacht stellen dürfen! Warum wird diese Argumentationskette nicht einmal dazu genutzt, um die Grundrechte zu verteidigen? Dann würden Polizei- und Sicherheitsgesetze komplett anders aussehen, aber solange jeder meint, dass er nichts zu verbergen hat, wird sich nichts daran ändern, das autoritär-konservative Politiker unsere Grundrechte immer weiter einschränken.

PS: Nein liebe Wut-Hut-Maskenverweigerer, dieser Beitrag wird an meiner Verachtung zu eurem Menschenhass und eurem Egoismus nichts ändern. Hass und Hetze hat nichts mit dem zu tun, was ich in diesem Artikel versuche zu vermitteln!

6 November 2020

Auswertung zur Blogparade #Pandemieleben

Am 08. Oktober 2020 habe ich hier die Blogparade „Wie hat Corona euer Leben verändert?“ gestartet. Bis zum 05. November hattet ihr Zeit, an dieser Blogparade teilzunehmen. Dieser Zeitraum ist nun abgelaufen und es sind zwei Artikel zur Blogparade entstanden. Woran es lag, weiß ich nicht, weil ich das Thema an sich spannend fand, aber ich will jetzt nicht jammern und wer Lust hat, kann sich das Thema ja immer noch als Inspiration für einen Blogartikel nehmen.

Eine Studentin und die Pandemie

Jetzt aber zu den beiden Teilnehmerinnen. Den Anfang machte Verena, die in ihrem Beitrag über ihre Ängste schreibt, über all die Einschränkungen, die sie sich freiwillig auferlegt hat und die ihr auferlegt wurden. Sie schreibt von ihrer Einsamkeit und darüber, wie ihr, ihr Garten durch diese Zeit hilft. Wenn sie sagt:

Es ist auch ok, traurig zu sein oder wütend oder verzweifelt. Auch ist es ok, zu weinen und einzugestehen, dass man sich einsam fühlt.

Quelle: Verenas Beitrag

spricht sie damit sicher vielen aus der Seele. Und es wäre auch seltsam, wenn jemand ganz ohne diese Gefühle durch die Pandemie gehen würde. Es ist absolut okay diese Gefühle zu haben!

Eine Verwaltungsfachkraft in der ambulanten Pflege

Auch Sabrina lässt uns in ihrem Beitrag zur Blogparade an ihrem Pandemieleben teilhaben. Sie schreibt von vielen Überstunden, die sich durch die Umstellungen in diesem Bereich ergeben haben, den verschobenen Urlaub und auch die Veränderungen der Menschen, die in der ambulanten Pflege versorgt werden. Auch hier kommen die Ängste zum Vorschein, die durch die Pandemie ausgelöst wurden und die Menschen dazu trieben, lieber auf ihre Hilfe zu verzichten, weil sie niemanden mehr in die Wohnung lassen wollten.

Auch ein Fazit gibt Sabrina uns mit auf den Weg:

Aber eins weiß ich, ich lass mir 1. nicht den Kopf verschwurbeln, 2. sehe ich trotzdem einiges Kritisch und 3. dass der Wald, genauso wie das Meer, mein Lieblingsort geworden ist´während der Pandemie.

Quelle: Blogartikel von Sabrina

Mein Fazit

Gerne hätte ich sehr viel mehr Beiträge zur Blogparade gelesen. Zum einen, weil ich ein neugieriger Mensch bin und zum anderen, weil mich interessiert hätte, wie sich diese Pandemie so auswirkt, welche Lebensbereiche besonders betroffen sind und ob es Ähnlichkeiten gibt.

Was nicht ist, kann ja noch werden! Zwar ist die Blogparade beendet, aber wer jetzt vielleicht doch noch Lust bekommt, einen Artikel zu schreiben, ist herzlichst dazu eingeladen dies zu tun und – damit ich es auch mitbekomme – sind auch Kommentare mit dem Link zum Beitrag gerne gesehen.

6 November 2020

Kommt gut ins Wochenende mit einer neuen Version von Father & Son

Ich liebe dieses Video! Auch zu Corona-Zeiten sollten wir uns unseren Humor bewahren und ja, dieses Video trägt dazu bei. Ich musste beim ersten Mal hören mit die Tränen aus den Augen wischen, so sehr musste ich darüber lachen.

Father & Son (Cat Stevens Lockdown Parody)
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Habt ihr auch einen Corona-Lieblingssong? Dann hinterlasst doch bitte einen Kommentar und lasst uns alle daran teilhaben.

30 Oktober 2020

Warum hasst ihr mich eigentlich?

Bild von einem Gefäß voll Tee und dem Text "Warum hasst ihr mich eigentlich?"

Danke! Danke dafür, dass ihr eure Masken konsequent unter der Nase oder gar nicht getragen habt. Danke dafür, dass ihr die Infektionszahlen nach oben getrieben habt, was wahrlich vermeidbar gewesen wäre. Auch Danke dafür, dass ihr Gastronomen, Künstler, Kinos und all die anderen Unternehmen mit einem weiteren Monat ohne Einnahmen belohnt habt, obwohl sich ein Großteil wirklich angestrengt hat, einen vernünftigen Hygieneplan aufzustellen, damit die Infektionszahlen nicht steigen. Danke auch für die, die gerade so die erste Schließung überstanden haben, mit der zweiten Schließung jetzt aber Pleite gehen werden. Danke dafür und für die Angestellten in diesen Unternehmen, die jetzt weiter um ihre Existenz kämpfen müssen. Und danke auch von mir, dass ihr meine Selbstständigkeit weiterhin gefährdet.

Danke von den Pfleger*innen und Krankenschwestern, die ja nicht ohne Virus schon an der Belastungsgrenze arbeiten und auch danke von den Ärzt*innen, die weiter hoffen müssen, dass sie nicht entscheiden müssen, welches Leben sie retten und welches nicht. Auch danke schon Mal, dass ihr gleich wieder erzählen werdet, dass ich für all diese Gruppen gar nicht Danke sagen darf.

Ihr könnt euch echt auf die Schulter klopfen, weil ihr euch gegen ein Stückchen Stoff gewehrt habt, welches euer Leben nur minimal verändert hätte. Danke dafür, dass ihr für euren Egoismus und für eure Freiheit das Leben von anderen Menschen gefährdet und ihr für einige sogar das Todesurteil sprecht. Ich hoffe, dass es das wert war!

Ich hoffe auch, dass es der Kaffee Wert war, den ihr in der S-Bahn trinken musstet, obwohl diese voll war. Oder das Bier, welches anscheinend wichtiger ist als der Schutz anderen Menschen.

Danke natürlich auch dafür, dass ihr die Bemühungen all der anderen Menschen kaputt gemacht habt, die sich – auch wenn es schwerfiel – an all die Regeln gehalten haben. Danke dafür, dass ihr Angst, Hetze und Gewalt verbreitet, weil so ein bissel Stoff euch ja die Luft zum Atmen nimmt! Danke dafür!

Doch eine Frage hätte ich dann doch: Warum hasst ihr mich eigentlich? Warum hasst ihr all die anderen Menschen, die euch nichts getan haben? All die Menschen, die durch euren Egoismus ihre Existenz verlieren, im schlimmsten Fall sogar ihr Leben?

28 Oktober 2020

Lebens-ABC: G wie Geduld

Baumreihe

Das Wort „Geduld“ begleitet mich in meinem Leben komischerweise ständig. Ich weiß nicht wieso, aber egal was ich mache, als positives Merkmal wird immer sofort meine Geduld erwähnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein solch geduldiger Mensch bin, ich würde es eher mit Gelassenheit umschreiben, weil Panik und Stress bei Problemlösungen nicht viel bringen. Entweder, ich kann ein Problem sofort lösen, dann wären Panik und Stress eh unnötig, oder ich bekomme es nicht sofort gelöst, dann wären Stress und Panik hinderlich. Im zweiten Fall würde mich blockieren, wenn ich ungeduldig und gestresst wäre und wäre dann nicht mehr in der Lage, mir einen Plan B, gegebenenfalls sogar einen Plan C auszudenken. Das wäre – um es einmal an einem Beispiel festzumachen – bei einem Livestream aber nicht wirklich hilfreich, wenn bei diesem zum Beispiel die Kamera nicht funktioniert. Wenn ich da in Panik verfalle, weil der Livestream in 20 Minuten starten soll, kann ich die 20 Minuten nicht nutzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. In einem solchen Fall sind Geduld und Gelassenheit gefragt! Natürlich kann es sein, dass ich keine Lösung finde und der Livestream deswegen ausfällt, aber wenn ich panisch und ungeduldig bin, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passieren wird, obwohl vielleicht nur ein Kabel falsch angesteckt ist.

Geduld ist auch in anderen Situationen wichtig für mich. Wenn ich einem Kunden zum fünften oder zehnten Mal erkläre, wie etwas geht, dann funktioniert das mit Geduld sehr viel besser. Irgendwann bleibt es hängen, irgendwann wird die andere Person es verstanden und verinnerlicht haben und es ist doch sehr viel angenehmer, wenn sich diese Person bei mir bis dahin melden kann, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich ungeduldig und somit auch gereizt reagiere. Ich jedenfalls habe bei Personen, die bei meinen Nachfragen ungeduldig und gereizt reagieren, Angst, diese beim nächsten Problem erneut anzusprechen, was dann dazu führt, dass ein Problem wahrscheinlich nicht richtig gelöst wird, woraus dann neue Probleme entstehen. Da hilft Gelassenheit und Geduld viel, um Vertrauen und auch ein gutes Gefühl aufzubauen und wir alle wollen uns am Ende doch wohlfühlen, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich gereizt und ungeduldig bin. Wenn in einer Diskussion jemand absolut keine Lust hat, auf die eingebrachten Argumente zu reagieren, sie absichtlich überliest und dann behauptet, dass da bisher gar keine Argumente kamen, dann bin ich sehr ungeduldig. Wenn jemand meint, dass ein Beitrag, in einem Forum zum Beispiel, an dem ich 10 Minuten geschrieben habe, keinerlei Argumente enthält, dann aber nicht einmal bereit ist, seinerseits ein wenig Zeit zu investieren, um dies auch zu begründen, dann bin ich echt ein ungeduldiger und gereizter Mensch, da ist dann auch meine Gelassenheit ganz weit weg!

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

23 Oktober 2020

Wir Behinderer

Baumstamm auf dem Weg

Heute Morgen fuhr ich mit dem Rad zu einem Auftraggeber. An einer Ampel überquerte ein blinder Mensch die Straße, und ich musste sofort an die Blogparade von blindleben denken, in der es um Begegnungen mit blinden Menschen ging.

Ich stand da also mit dem Fahrrad an der – für mich roten – Ampel und wartete, bis der Mensch die Straße überquert hatte. Ich beobachtete ihn dabei und dann fiel mein Blick auf die eigentlich viel zu hohen Bordsteinkanten, die schon für sehende Fußgänger und Radfahrer gefährlich sind. Am liebsten hätte ich ihn vor der Gefahr gewarnt, aber mir ist schon bewusst, dass blinde Menschen diese Gefahren sehr gut ohne Warnung meistern und so war es dann natürlich auch in diesem Fall.

Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie blinde Menschen sich in der Stadt zurechtfinden. Fasziniert auch, weil all die Stadtdesigner, die Planer und wer für die Gestaltung der Stadt so verantwortlich ist, sich nicht wirklich darum kümmern, wie Menschen, die von der gesetzten gesellschaftlichen Norm abweichen, damit klarkommen. Wir Menschen, die irgendwie dieser Norm entsprechen, sind da doch irgendwie Behinderer! Wir behindern mit unserer Fixierung auf den Norm-Menschen Menschen, die eben nicht dieser Norm entsprechen. Wir behindern sie, schränken sie in ihrem Bewegungsradius ein, weil wir uns nicht bewusst sind, dass die Welt, die wir schaffen, für viele eben keine Barrierefreie Welt ist.

Meine Kontakte mit blinden Menschen sind tatsächlich auf diese zufälligen Begegnungen beschränkt. Ich sehe sie, wie sie sich souverän durch die Fußgängerzone bewegen. Und es sind ja nicht nur blinde Menschen, die sich souverän durch unsere NORMalo-Welt bewegen, obwohl wir NORMalos sie behindern, weil wir mit unserer Ausrichtung Behinderer sind.

Als ich meine Oma damals mit ihrem Rollstuhl durch die Gegend geschoben habe, damit sie weiterhin an der frischen Luft unterwegs sein kann, war jeder Bordstein ein Hindernis. Ein Hindernis für mich! Wie geht es da Rollstuhlfahrern, die keine Hilfe haben? Und es sind ja nicht nur Bordsteinkanten, es sind ja auch Geldautomaten, die viel zu hoch hängen, Waschbecken, die nicht erreichbar sind und viele andere Dinge, über die wir als NORMalos gar nicht nachdenken, weil sie unserer Norm entsprechen.