10 Januar 2019

Erfolg

„Was bedeutet für mich Erfolg?“, steht auf dem Arbeitsblatt vor mir. Das Arbeitsblatt lacht mich aus, ruft mir zu, dass ich doch endlich einmal über so wichtige Dinge nachdenken sollte. Du kannst nicht immer den Fragen ausweichen, die dich zum Nachdenken über dich selbst anregen sollen. „Komm schon“, sagt es grinsend zu mir, „schau hin, da sind noch ein paar mehr Fragen über dich, trau dich und beantworte sie! Oder hast du etwa Angst?“

Erfolg? Ein positives Ergebnis einer Bemühung, sagt Google! Google sagt auch, dass der Begriff „Erfolg“ das Erreichen gesetzter Ziele ist. Ist doch gar nicht so schwer, denke ich, dabei bin ich mir bewusst, dass es bei der Frage nicht um die Standarddefinitionen geht. Es geht um meine eigene Definition. Es geht um mich, denn Standard kann ja schließlich jeder.

Doch wie soll ich den Begriff „Erfolg“ greifen? Es geht ja nicht um konkrete Ziele wie einen 10-Kilometer Lauf beenden. Es geht um fiktive Ziele, etwas was mich positiv stimmt, was positive Gefühle auslöst, wenn ich es erreicht habe.

Drei Stunden später ist das Blatt Papier immer noch leer, die Frage schwebt weiter im Raum, ist noch immer nicht beantwortet, dabei steht meine Selbstmotivation auf dem Spiel. Wie soll ich mich selbst zu etwas motivieren, wenn ich diese Frage schon nicht beantworten kann, wenn mich mein Gehirn schon in dieser Frage nicht unterstützt, es sich weigert, mir eine sinnvolle Antwort zu geben?

Erfolg bedeutet für mich, machen zu können, was mir Spaß macht. Nicht gegen meine Ansichten verstoßen zu müssen, um mein Leben sichern zu können. Ehrlich gesagt wäre es wohl eine ziemlich große Niederlage für mich, wenn ich gegen meinen Ansichten verstoßen müsste. Ich will mein Leben finanzieren, ohne meine Vorstellungen, meine Ansichten, meine Werte über Board zu werfen. Wenn mir das gelingt, dann ist das ein riesiger Erfolg für mich. Mich nicht verbiegen müssen, da ist Erfolg für mich.

Da ist er, der erste Gedanke zur Frage und er ist gut. Die erste Antwort und sie gefällt mir, macht mich zufrieden und das Blatt Papier hört auf zu lachen, fragt mich, ob es wirklich so schwer war? Es fragt, ob sich das nicht gelohnt hat und zeigt still auf die zweite Frage, die ich jetzt zu beantworten hätte.

4 Januar 2019

Meine Gedanken zu: „Klassiker“

Die Verena fragt nach meinen Gedanken zu dem Wort „Klassiker“. Musste ich erst mal googeln, denn was ist das eigentlich, so ein Klassiker? Zum einen ist es ein Vertreter der Klassik, zum anderen aber eben auch ein bestimmtes Werk oder eine bestimmte Person, deren Leistungen wegweisend waren oder immer noch sind. Das Problem daran ist allerdings, dass diese Personen meist in einem anderen zeitlichen Kontext zu stellen sind, dass die Werke oder die Personen aus heutiger Sicht nicht mehr unbedingt den moralischen Ansprüchen entsprechen, die sich viele Menschen heute auferlegen. Oder die Leistungen und Ansichten, die damals noch wegweisend waren, sind heute schon veraltet oder eben selbstverständlich.

Ein Klassiker kann durchaus noch viel Spaß machen. Klassische Musik zum Beispiel ist immer noch sehr populär, wird immer noch gerne von vielen Menschen gehört, kann immer noch viel in Menschen auslösen, beim Entspannen helfen oder beim Nachdenken. Auch die Klassiker aus der Oper oder aus dem Theater können noch viele Menschen anlocken, ihnen eine schöne Zeit bereiten. Und natürlich auch die vielen Klassiker bei den Büchern. Wichtig ist nur, dass all das Freiwillig passiert, der Besuch in der Oper oder im Theater, die Lektüre des Buches, das Hören der klassischen Musik.

Menschen, die sich dafür nicht interessieren, die werden schnell dadurch abgeschreckt. So ein Klassiker kann sehr langweilig sein oder es fehlt das Verständnis, weil der zeitliche Kontext, und somit der Zugang fehlt. Ich finde nicht, dass diese Klassiker ein „Muss“ sind, das Menschen, die an solchen Klassikern kein gefallen finden, irgendwas verpasst hätten, oder die Bildung schlechter wäre. Ich verstehe nicht, wenn sich Menschen über solche Klassiker definieren möchten, wenn sie damit herausstellen wollen, dass sie etwas Besseres sind, dass sie in einer anderen Liga spielen. Wahrscheinlich lesen diese Menschen Klassiker nur, damit sie angeben können, nicht weil es ihnen Spaß macht. Deswegen muss es wahrscheinlich überhaupt erst Klassiker geben.

Versteht mich nicht falsch, ich meine damit nicht, dass alle Menschen so sind, die Klassiker lesen. Dann müsste ich mich selbst dazu zählen. Ich schreibe tatsächlich nur von denen, die genau dieses Verhalten an den Tag legen und davon gibt es einige. Hier möchte ich meine Gedanken zu dem Wort „Klassiker“ auch beenden. So einen wirklichen Zugang habe ich dazu nicht, bin dem Wort ein wenig abgeneigt, weil er irgendwie auch etwas Mainstreammäßiges an sich hat, etwas von Routinen. Ich bin ja mehr der neugierige Mensch, der Neues erleben möchte.

3 Januar 2019

2019

Das neue Jahr ist jetzt drei Tage alt. Es ist kälter geworden, langsam fühlt es sich wie Winter an, auch wenn der Schnee fehlt, der zwar ab und zu fällt, aber nicht liegen bleibt. In einem Café sitzend, den Cappuccino schon getrunken und eine Obstschorle vor der Nase, überlege ich, was dieses neue Jahr bringen könnte.

Das letzte Jahr habe ich einfach so ausklingen lassen, ohne Anspruch noch irgend etwas zu erreichen. Es plätscherte vor sich hin, brachte hier und da noch einen interessanten Gedanken zum Vorschein, einen neuen Kater in die Wohnung und war ansonsten eher wenig kreativ.

Im neuen Jahr sollte ich jetzt einmal wieder mehr für das Studium machen. Es wartet auf mich, will wieder ernst genommen werden. Doch da ist auch die Lust auf neue Projekte. Ich würde gerne die Ausbildung zum Social Media Manager bei der IHK machen, kostet aber knapp 1.600,- Euro, die ich vorher erst einmal verdienen müsste. Auch bei der Ausbildung zum Ausbilder sieht es nicht anders aus: sie würde mich interessieren, aber auch hier hängen ziemlich hohe Kosten dran.

Gerade habe ich noch in einem Buch zum Thema „Schreiben“ gelesen und ein interessantes Projekt für meinen Blog entdeckt. Bei dem brauche ich allerdings eure Hilfe! Ich bräuchte von euch A-B-C-Listen mit jeweils einem Begriff zu jedem Buchstaben, zu dem ihr meine Gedanken erfahren möchtet. Wenn mir etwas dazu einfällt, schreibe ich zu jedem Begriff einen Blogartikel, der dann natürlich auch hier im Blog erscheint. Hört sich doch interessant an oder etwa nicht? Dann schickt mir eine A-B-C-Liste an die Mail: abc@svenbuchien.de.

Und dann gibt es da ja auch noch die anderen Blogs, die meine Aufmerksamkeit möchten und auch der Podcast will weiter entwickelt werden. Ich bin schon gespannt, wo ich für all das die Zeit hernehmen möchte, denn Geld muss ich am Ende auch noch verdienen, unsere Gesellschaft funktioniert ja nicht ohne.

Im letzten Jahr habe ich keine Fahrradtour gemacht, auch das muss sich in diesem Jahr unbedingt wieder ändern. Generell muss ich wieder mehr raus in die Natur, mehr Wandern, mehr Laufen, mehr Radfahren. Eventuell auch endlich mal wieder eine längere Fahrradtour über mehrere Tage. Es gibt da die Tour nach Kopenhagen, die ich schon seit einiger Zeit gespeichert habe und die ich unbedingt machen möchte. Oder die Tour nach Rostock, die ich auch machen möchte. Kostet aber auch alles Geld, was mich schon ein wenig nervt. Ich will mit dem Fahrrad durch Europa fahren, will die Landschaften entdecken, solange das noch möglich ist, solange der Klimawandel sie nicht zerstört hat.

2019 muss endlich wieder spannend werden. Ich muss noch planen, wie ich all das finanziere, aber das Geld darf einfach nicht immer das Hindernis sein.

31 Dezember 2018

Lasst ihnen das letzte Stück Selbstbestimmung

„Die Leute zögern zu spenden, weil sie sich nicht sicher sind, was die Obdachlosen mit dem Geld machen.“

Zitat aus dem Artikel von Deutschlandfunk Nova

Es gibt jetzt in England also eine App, mit deren Hilfe an obdachlose Menschen per Smartphone eine Spende gesendet werden kann. Wäre soweit erst einmal nichts Schlimmes, wenn diese App nicht auch noch zur Überwachung dieser obdachlosen Menschen dienen würde. Denn der Spender kann sehen, wofür das Geld verwendet wird, viel schlimmer noch, es ist meist direkt zweckgebunden, soll heißen, die obdachlosen Menschen können nicht selbst entscheiden, was mit dem Geld geschieht. Aber das reicht noch nicht, es geht nämlich noch einen Schritt weiter. Die Menschen werden nicht nur entmündigt, sie werden auch zu Touristenattraktionen gemacht. Sie tragen eine Marke mit einem Strichcode, der vom potentiellen Spender eingescannt wird, und wo der Spender dann die Geschichte des obdachlosen Menschen nachlesen kann. Eine Jagd auf Schicksale, eine neue Art des Voyeurismus, die das Schicksal dieser Menschen öffentlich zugänglich macht.

Zeit spenden

Wer etwas über das Schicksal von obdachlosen Menschen erfahren möchte, der sollte ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken, mit ihnen Reden, sich die Geschichte erzählen lassen. Auch über die Pläne für die Zukunft kann in einem solchen Gespräch gesprochen werden, bei einem Essen oder einem Kaffee. Dazu braucht es keine App, dazu braucht es keinen Voyeurismus, der dann eventuell zu einer Spende führt, über die die obdachlosen Menschen dann nicht einmal frei verfügen können.

Die Idee hinter der App mag ja gut gemeint sein, aber sie ist eher sehr schlecht umgesetzt. Gegen ein Konto für diese Menschen, zu dem sie uneingeschränkt Zugang haben und wo sie über das Geld frei verfügen können, wäre nichts zu sagen. Auch nicht zu einer Verknüpfung mit einer App, über die dann Bargeldlos gespendet werden kann, ebenso wenig. Aber alles andere geht über das Ziel hinaus.

Bevormundung und Erziehung zu gesellschaftlich akzeptierten Verhaltensformen

Diese App, so wie sie hier gestaltet ist, ist zur Bevormundung von Menschen gedacht. Sie nimmt den Menschen noch den letzten funken Stolz, lässt sie noch weiter absinken, weil sie nur dann, wenn sie sich durch den Spender bevormunden lassen, Geld bekommen. Viel wichtiger wäre aber Vertrauen und Zeit! Vertrauen darin, dass diese Menschen sinnvolle Entscheidungen treffen, dass sie wissen, wofür sie das Geld am dringendsten brauchen. Zeit, um sie bei ihren Zielen und Plänen zu unterstützen. Es ist total unwichtig, wofür diese Menschen das Geld am Ende ausgeben, und wenn sie es für Alkohol ausgeben, dann geben sie es eben für Alkohol aus. Das ist dieser letzte Rest von Selbstbestimmung in ihrem Leben, wobei eine Sucht das Leben eventuell auch fremdbestimmt, aber die Entscheidung von dieser Sucht weg zu kommen, muss jeder Mensch alleine und selbstbestimmt treffen.

Die App aber möchte erziehen, sie will obdachlose Menschen zu gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensformen zwingen. Sie will sie in eine Gesellschaft zurückholen, die diese Menschen vorher hat scheitern lassen, die dazu beigetragen hat, dass diese Menschen scheitern. Sicher will diese App den obdachlosen Menschen eine neue Chance geben, aber eben keine selbstbestimmte Chance, sondern eine Chance, die klar durch die Gesellschaft vorgegeben wird, die überprüfbar ist und die bei einem erneuten Scheitern die Gesellschaft von der Schuld befreit, weil sie ja versucht hat, diesem Menschen zu helfen, sie ihm ja den richtigen Weg gezeigt hat. Oder zumindest den Weg, der von der Gesellschaft akzeptiert ist.

Es ist eine App, die den Kosten-Nutzen-Faktor für die Gesellschaft optimieren soll. Eine Spende, die nicht zweckgebunden ist, steht diesem Kosten-Nutzen-Faktor entgegen, denn der Nutzen für die Gesellschaft könnte gegen null gehen, wenn die obdachlosen Menschen das Geld nicht so nutzen, wie es sich der Spender vorstellt. Es ist genau das, was von einem Wirtschaftsstudenten zu erwarten ist, denn in den Wirtschaftswissenschaften ist der Faktor Mensch nur ein Kostenfaktor und eben kein Mensch.

20 Dezember 2018

Straftat Überlebensinstinkt

Es tut so weh, es tut einfach so weh! Die TAZ berichtet über die Verurteilung von Asif N., der 2017 aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben werden sollte. Er wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und allem was dazu gehört verurteilt, und zwar zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Für mich ist das schon nicht wirklich verständlich, weil hier ein Mensch seinem Instinkt gefolgt ist. Dem Instinkt zu überleben, weil Afghanistan einfach kein sicheres Land ist und weil er zu einer Minderheit in der Region gehört, aus der er kommt, die von den Taliban verfolgt wird. Hier gehören eigentlich die Personen verurteilt, die solche Abschiebungen ermöglichen und nicht die, die ihrem Überlebensinstinkt folgen. Aber aus Unmenschlichkeit, die im System so angelegt ist, wird der Überlebensinstinkt kriminalisiert und führt am Ende zu solchen Verurteilungen.

Doch das ist ja nicht genug, denn dann lese ich die Facebook-Kommentare zu dem Artikel und da gibt es dann wirklich Leute, die eine noch härtere Bestrafung fordern. Hallo? Ich bin mir nicht sicher, wie wenig Empathie nötig ist, um nicht verstehen zu können, dass der Widerstand hier aus Angst erfolgte, der Panik davor in ein Land geschickt zu werden, indem er als Mensch verfolgt wird. Die Angst vor der ständigen Angst um das eigene Leben. Wie wenig Empathie ist nötig, um diese Zusammenhänge nicht zu erkennen, um darauf zu bestehen, dass die Strafe noch hätte viel höher ausfallen müssen. Die Frage wäre dann nur, was das bringen soll? Was soll die Strafe zeigen? Meinen diese Leute wirklich, dass das beim nächsten Mal verhindert, dass ein Mensch seinen Überlebensinstinkt folgt?

Ist es nicht eher so, dass das die Menschen in eine noch aussichtslosere Lage bringt? In eine Lage, in der die Menschen im schlimmsten Fall nur noch einen Ausweg finden, nämlich den Ausweg der Gewalt? Meist in Form von Selbsttötungen, aber eben auch in Form von Radikalisierung und dann im schlimmsten Fall in Form von Amokläufen. Dann sind wieder alle schockiert, dann wird es wieder auf die Herkunft oder die Religion geschoben, nicht aber auf die eigene fehlende Empathie, die diese aussichtslose Lage für die Menschen erst geschaffen hat.

Ich frage mich auch, wie diese Menschen wohl regieren würden, wenn es um ihr eigenes Leben ginge, ob sie den Überlebensinstinkt abschalten könnten und wenn nicht, ob sie dann auch dafür wären, dass sie für all die Straftaten, die aus dieser Notsituation heraus entstehen, mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden? Das würde mich schon interessieren, auch wenn den Menschen die Empathie fehlt, um diese Notsituation von geflüchteten Menschen überhaupt zu sehen.

19 Dezember 2018

Blogadventskalender 2018 – 19. Söckchen

Bild vom 19ten Söckchen
Blogadventskalender Söckchen Nr. 19

Irgendwo versteckt auf dem weiten Meer gibt es eine Insel. In der Mitte der Insel steht ein großer Nadelbaum. Dieser wird das ganze Jahr über von all den Inselbewohnern geschmückt, schön bunt und festlich. Dieser Baum ist gleichzeitig auch der Treffpunkt für alle Bewohner der Insel. Hier wird zusammen getanzt, zusammen gegessen, zusammen diskutiert und gestritten. Es werden Pläne geschmiedet, die notwendige Arbeit verteilt. Es wird hier gelacht, ab und an auch geweint. Es wird gespielt, gemeinsam fern gesehen. Dieser Ort ist, um es knapp zu sagen, der wichtigste Ort auf der Insel.

Natürlich haben die Bewohner auch einen zweiten wichtigen Ort. Den Ort, an dem sie alleine sein können, an dem sie sich zurückziehen, wenn sie gerade nicht Gemeinsamkeit, sondern Einsamkeit brauchen. Hier können sie sich frei entfalten, ihren Gedanken und Hobbys frönen. Sie wissen alle, dass es neben all den schönen gemeinsamen Stunden auch Stunden der Einsamkeit oder auch Zweisamkeit geben muss. Stunden des Rückzugs, die jedem Bewohner den Freiraum geben, den jeder von ihnen braucht.

Die Bewohner der Insel leben seit Anbeginn friedlich zusammen. Es gibt natürlich auch mal unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Entwürfe für das gemeinsame Leben, aber diese Unterschiede werden respektiert, bringen keine Feindschaften hervor. Und auch Fremde werden mit diesem Respekt empfangen. Sie werden in die Gemeinschaft eingebunden, bekommen Aufgaben, bekommen aber auch ihren Rückzugort. So werden aus Fremden Bekannte und aus Bekannten werden Freunde …

Sven: „Herr Bär, sag mal, wolltest du mir nicht eine Weihnachtsgeschichte erzählen?“

Teddy: „Aber ich bin doch gerade dabei!“

Sven: „Bisher kam aber Weihnachten in der Geschichte noch gar nicht vor.“

Teddy: „Ja sag mal Sven, hörst du mir eigentlich zu, wenn ich etwas erzähle? Warum sollte auf einer Insel, auf der das ganze Jahr über ein geschmückter Baum steht, wo die Menschen sich jederzeit an einen stillen Ort zurückziehen können, um sich auf wesentliches besinnen zu können und wo sie ansonsten die gesamte Zeit mit all ihren Freunden, Bekannten und der Familie verbringen und auch feiern können, warum sollte es auf solch einer Insel noch Weihnachten geben?“

Sven: „Ähm, weil du hier die Geschichte für den Blogadventskalender erzählen wolltest?“

Teddy: „Ja, aber dazu muss es doch nicht immer eine Weihnachtsgeschichte sein. Es geht doch Weihnachten darum, Zeit mit der Familie zu verbringen, darum, sich auf das Wichtige im Leben zu besinnen. Aber das geht doch immer, nicht nur zu Weihnachten. Ich könnte mich zum Beispiel mitten im August mit meiner Familie treffen, mit ihnen Plätzchen backen und Zeit mit ihr verbringen. Ich könnte das auch im Februar machen oder im März.“

Sven: „Ja Teddy, dass könntest du, aber wir sollen hier doch etwas für den Blogadventskalender schreiben. Du weißt doch, dass der Alex sonst ein Problem hätte, wenn das 19te Türchen leer bliebe?“

Teddy: „Klar, aber ich war doch gerade dabei eine Geschichte zu erzählen. Weißt du noch 2015, als ich einfach nicht in Weihnachtsstimmung kommen konnte, wegen der sozialen Kälte hier in Deutschland und Europa?“

Sven: „Sicher weiß ich das noch, haben wir ja auch im Adventskalendertürchen darüber geschrieben.“

Teddy: „Siehst du, viel hat sich seit damals nicht verändert. Es ist alles noch viel schlimmer geworden. Der Hass in den Straßen und im Internet. Das ganze Leid und der ganze Neid. Die vielen Ängste, die vielen Menschen, die nicht einmal das Geld haben, um sich ein Weihnachtsessen leisten zu können, die Obdachlosen. Da dachte ich mir, es wäre Zeit für eine Geschichte, in der all das nicht vorkommt. Eine Geschichte ohne Hass, ohne Neid, ohne Gewalt und Hunger. Ein Ort, an dem die Leute das ganze Jahr über ihre Weihnachtsstimmung bewahren, ohne zu wissen, was Weihnachten überhaupt ist und ohne den Stress, den sich die Menschen in der Vorweihnachtszeit machen. Weißt du, wir haben schon über einen Obdachlosen geschrieben, der sein letztes Geld für ein armes Kind ausgegeben hat. Wir haben über den Weihnachtsmann geschrieben, der Weihnachten einfach verschlafen hat und wir haben über Jamilia geschrieben.“

Sven: „Das haben wir.“

Teddy: „Und jetzt dachte ich mir, jetzt erzählen wir den Leuten einmal eine Geschichte, in der es nicht um Weihnachten geht. Eine Geschichte von einer solidarischen Gesellschaft ohne Hass und ohne Neid. Eine Gesellschaft, in der es nicht darum geht, besser zu sein als die Anderen. Eine Gesellschaft voll mit Besinnlichkeit, Freude und Lebensglück. Weihnachten halt, nur das ganze Jahr über und halt ohne Geschenke.“

Sven: „Und worauf sollen sich die Kinder dann das ganze Jahr über freuen?“

Teddy: „Warum braucht es denn einen Fixpunkt im Jahr für die Kinder? Warum können die sich denn nicht das ganze Jahr über, über jeden Tag freuen? Jeder Tag kann Glück und Freude bringen, jeden Tag können sie mit ihrer Familie etwas erleben oder mit Freunden oder auch ganz alleine. Jeder Tag steht für etwas Neues, vielen neuen kleinen Momenten, die jeder gerne für immer behalten möchte. Geschenke, die das ganze Leben lang bleiben. Natürlich auch Missgeschicke und Abschiede, aber auch das gehört zum Leben dazu. Und notfalls können sich die Kinder ja auch auf ihren Geburtstag freuen. Sie würden vielleicht ein Fest verlieren, wobei die Leute in meiner Geschichte das Fest ja gar nicht kennen, aber sie würden so viel mehr Gewinnen. Menschlichkeit zum Beispiel, eine Welt ohne Hass und Gewalt, ohne Hunger und Leid. Sie könnten wirklich Kind sein, könnten sich jeden Tag freuen, auf jeden Tag ohne Armut …“

Sven: „Ach Teddy, jetzt habe ich dir deine ganze Geschichte kaputt gemacht. So, wie du hier die ganze Zeit schwärmst, wäre es sicher eine schöne Geschichte geworden. Vielleicht solltest du sie jetzt doch weitererzählen und hat die Insel denn eigentlich einen Namen?“

Teddy: „Ach Sven, jetzt bin ich nicht mehr in der Stimmung für diese Geschichte, vielleicht erzähle ich sie dir später einmal. Und die Insel, das ist die Insel der Weihnacht. Du kannst sie jedes Jahr für genau drei Tage im Jahr besuchen. Dann ist sie überall dort, wo Weihnachten gefeiert wird. Irgendwo, versteckt auf dem weiten Meer, aber immer nur dann erreichbar, wenn die Menschen wirklich ihren Hass und ihren Neid vergessen …“

Frohe Weihnachten 2015

Das 20te Söckchen findet ihr hier oder hier oder hier

8 Dezember 2018

Öffnet die EVG wieder das Tor zu den Dämonen gegen das Streikrecht?

Oje, ich sehe schon wieder den Hass in den sozialen Medien und in all den anderen Medien, die es so gibt. Warnstreiks bei der Bahn, weil die EVG in den Tarifverhandlungen etwas Druck auf die Deutsche Bahn ausüben will. Der Deutsche mag nämlich keine Streiks, wenn diese den eigenen Alltag betreffen. Er ist eh der Ansicht, dass die Anderen schon genug bekommen und er deswegen auch keinerlei Verständnis für solche Streiks haben müsste. Dann kommt meist auch noch das Gerede davon, dass es einem selbst ja noch viel schlechter geht und das sich dafür ja auch keiner interessiert. All diese Diskussionen kenne ich, ich kenne sie sogar aus der eigenen Familie und wenn ich dann das Argument bringe, dass das eventuell daran liegt, dass mensch selbst nicht in der Gewerkschaft organisiert ist und mensch ja einfach mal für bessere Bedingungen kämpfen könnte, kommt auch nur Ablehnung als Antwort.

Ich wiederhole mich ja gerne: Streiks müssen weh tun! Streiks können nicht so organisiert werden, dass der Kunde es nicht bemerkt. Gerade dieser Druck des Gewinnausfalls ist es, der die Unternehmen an den Verhandlungstisch bringt. Nur so kann es Veränderungen geben! Veränderungen beim Lohn, Veränderungen bei den Arbeitsverhältnissen, Veränderungen im Umgang mit den Arbeitnehmern und Veränderungen in vielen anderen Bereichen. Wo würden die Arbeitnehmer heute wohl stehen, wenn es keine solidarischen Arbeiterbewegungen gegeben hätte? Auch so eine Frage, die die Menschen, die sich über jeden Streik, egal ob LokführerInnen, PilotInnen, Kindergärtnerinnen und wer in letzter Zeit noch so gestreikt hat, in Aufregung versetzt. Sie ist uninteressant, denn solange das eigene Leben eingeschränkt wird, ist das mit der Solidarität anderen gegenüber nämlich nicht so weit her.

Nun hat die EVG also wieder das Tor in die Abgründe der deutschen Gesellschaft geöffnet. Noch halten sich die Dämonen zurück, aber sollte es wirklich zu Warnstreiks kommen, dann werden sie wieder hervorkommen, sie werden wieder in den sozialen Medien auftauchen, sie werden wieder in den anderen Medien vorkommen und sie werden wieder gegen das Streikrecht antreten, es einschränken wollen, um ja nicht in ihrem Leben gestört zu werden. Ich bin gespannt, was diesmal so alles gegen das Streikrecht in Stellung gebracht wird, wenn es denn wirklich zu diesen Warnstreiks kommen sollte.

Andere Artikel von mir zum Thema: 

3 Dezember 2018

Beobachtung: Unterschiedliche Sprachdeutung

Ich bin heute ein wenig fasziniert von einer Diskussion, die auf Despora zum Artikel „Organspenden – Was wäre mein Körper ohne Gehirn?“ entstanden ist. Diese Diskussion fasziniert mich, weil sie aufzeigt, dass wir, obwohl wir theoretisch dieselbe Sprache sprechen, es praktisch dann doch nicht tun.

Es ist so spannend zu sehen, wie andere Menschen Sprache verwenden, wie sie eine ganz andere Deutung in die Sprache bringen, die ich so noch überhaupt nicht gesehen habe. Für den einen hat etwas eine positive Bedeutung, was für den anderen etwas Negatives vermittelt. Das bedeutet natürlich in Diskussionen, dass beide Gesprächspartner sich erst einmal auf eine gemeinsame Sprache einigen müssten, um Missverständnisse zu vermeiden. Und das empfinde ich tatsächlich als eine riesige Herausforderung.

Jetzt frage ich mich natürlich, wie viele Missverständnisse es dort draußen gibt, wie viele Diskussionen sich im Kreis drehen, nur weil die Deutung der Sprache komplett unterschiedlich ist? Und noch spannender: Wie viele Menschen haben im Grunde dieselben Ansichten, kommen aber nicht zusammen, weil sie die Sprache unterschiedlich deuten?

3 Dezember 2018

Organspenden – Was ist mein Körper ohne Gehirn?

Organspenden sind ja ein gesellschaftlich heiß diskutiertes Thema. Die einen haben kein Problem damit, ihre noch lebenden Organe anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, damit diese eine Chance auf ein längeres Leben haben. Andere hingegen sind der Meinung, dass der Mensch nicht wirklich tot ist, weil er ja noch atmet, weil viele Körperfunktionen künstlich am Leben gehalten werden. In der TAZ gab es jetzt einen Essay zum Thema, der eben auch dieses Thema aufgreift, der auch noch ein wenig den ökonomischen Charakter ins Spiel bringt. Angeheizt ist die Debatte durch die mögliche Umstellung vom Opt-In-Verfahren zur Organspende zu einem Opt-Out-Verfahren.

Was ist mein Körper, wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert?

Vielleicht vorneweg, ich trage seit Jahren einen Organspendeausweis bei mir. Ich finde, dass meine Organe ruhig in anderen Menschen weiterleben dürfen, wenn es mein Bewusstsein nicht mehr gibt. Und mein Bewusstsein, da bin ich mir ziemlich sicher, ist im Gehirn anzutreffen. Nicht im Herzen, nicht im Magen und auch nicht in der Leber. Wenn mein Körper also nicht mehr durch mein Gehirn am Leben gehalten wird, sondern durch medizinische Geräte, dann bin ich nicht mehr da. Wenn durch das Abschalten der Geräte auch die Körperfunktionen abgestellt werden, also auch der restliche Körper stirbt, dann kann dies auch gerne während des Prozesses der Organentnahme geschehen.

Am Ende verwest der Körper oder, um einen Begriff aus dem TAZ-Artikel zu verwenden, er ist Biomüll. Wobei Müll ja doch negativ ist, da er ja durchaus Grundlage für neues Leben ist. Er sich also in den Kreislauf des Entstehens und Vergehens befindet und warum sollte es ethisch jetzt besser sein, wenn meine Organe, die anderen Menschen noch hätten Leben schenken können, eben einfach so vor sich hin verwesen? Warum sollten Teile meines Körpers nicht in einem anderen Körper weiterleben und einem funktionierendem Gehirn einen funktionierenden Körper zur Verfügung stellen?

Natürlich hab auch ich Ängste …

Ich möchte damit natürlich nicht die Ängste von bestimmten Personen kleinreden. Im Gegenteil, auch ich habe Ängste. Auch ich mache mir Gedanken darüber, ob die Ärzte wirklich immer richtig liegen, wenn sie den Gehirntod feststellen. Natürlich hoffe ich, dass die Ärztinnen hier strenge Maßstäbe setzen und ich nicht doch die Schmerzen der Organentnahme noch spüren muss. Und natürlich ist mir bewusst, dass das auch für die Hinterbliebenen ein schmerzvoller Prozess ist, da sie ja auch noch eine gewisse Entscheidung fällen müssen. Aber am Ende vertraue ich den Menschen dann doch. Ich gehe davon aus, dass sie alles tun, um erst einmal mein Leben und mein Bewusstsein zu retten, bevor sie dann daran denken, mit meinen Organen das Leben anderer Menschen zu retten.

Abschied nehmen

Ein Aspekt, der dann noch kommt, ist der Aspekt des Abschiedsnehmens. Ich weiß nicht, warum es nicht möglich sein soll Abschied zu nehmen, wenn einige meiner Organe in anderen Körpern verschwunden sind. Die Menschen, die Abschied nehmen, nehmen diesen Abschied ja nicht von meinen Organen. Sie nehmen Abschied von mir, von meinem Bewusstsein, von meiner Persönlichkeit. Das ist auch möglich, ohne dass sie mich noch einmal in einem Sarg sehen müssen.

Ich kann leider den Menschen, die in der Organspende etwas Negatives sehen, nicht folgen. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich kein religiöser Mensch bin, weil ich von der Schöpfungsgeschichte nichts halte. Ich kann keinen Unterschied darin sehen, ob mein Körper nun Lebensgrundlage für Würmer und Käfer ist, oder ob mein Körper die Lebensgrundlage für einen anderen Menschen ist. Wenn mein Bewusstsein weg ist, wenn mein Gehirn so geschädigt ist, dass ich nicht mehr ICH bin, dann bin ich als Persönlichkeit gegangen. Und wenn ich als Persönlichkeit gegangen bin, dann bin ich eindeutig tot – jedenfalls nach meinen Maßstäben. Und jeder Mensch, der andere Maßstäbe hat, der kann auch bei einer Opt-Out-Lösung der Organspende immer noch widersprechen, kann diese weiterhin für sich ablehnen. Eventuell würde eine solche Lösung auch mehr Menschen dazu bringen, über diesen letzten Abschnitt auf dieser Welt einmal nachzudenken.

Und ein Gedanke kam mir gerade noch:

Ist es nicht sogar meinem Körper gegenüber unfair, wenn ich Teilen von ihm verbiete weiterzuleben, nur weil mein Gehirn nicht mehr funktioniert? Wenn ich verlange, dass sie mit meinem Gehirn zusammen sterben?