28 Oktober 2020

Lebens-ABC: G wie Geduld

Baumreihe

Das Wort „Geduld“ begleitet mich in meinem Leben komischerweise ständig. Ich weiß nicht wieso, aber egal was ich mache, als positives Merkmal wird immer sofort meine Geduld erwähnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein solch geduldiger Mensch bin, ich würde es eher mit Gelassenheit umschreiben, weil Panik und Stress bei Problemlösungen nicht viel bringen. Entweder, ich kann ein Problem sofort lösen, dann wären Panik und Stress eh unnötig, oder ich bekomme es nicht sofort gelöst, dann wären Stress und Panik hinderlich. Im zweiten Fall würde mich blockieren, wenn ich ungeduldig und gestresst wäre und wäre dann nicht mehr in der Lage, mir einen Plan B, gegebenenfalls sogar einen Plan C auszudenken. Das wäre – um es einmal an einem Beispiel festzumachen – bei einem Livestream aber nicht wirklich hilfreich, wenn bei diesem zum Beispiel die Kamera nicht funktioniert. Wenn ich da in Panik verfalle, weil der Livestream in 20 Minuten starten soll, kann ich die 20 Minuten nicht nutzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. In einem solchen Fall sind Geduld und Gelassenheit gefragt! Natürlich kann es sein, dass ich keine Lösung finde und der Livestream deswegen ausfällt, aber wenn ich panisch und ungeduldig bin, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passieren wird, obwohl vielleicht nur ein Kabel falsch angesteckt ist.

Geduld ist auch in anderen Situationen wichtig für mich. Wenn ich einem Kunden zum fünften oder zehnten Mal erkläre, wie etwas geht, dann funktioniert das mit Geduld sehr viel besser. Irgendwann bleibt es hängen, irgendwann wird die andere Person es verstanden und verinnerlicht haben und es ist doch sehr viel angenehmer, wenn sich diese Person bei mir bis dahin melden kann, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich ungeduldig und somit auch gereizt reagiere. Ich jedenfalls habe bei Personen, die bei meinen Nachfragen ungeduldig und gereizt reagieren, Angst, diese beim nächsten Problem erneut anzusprechen, was dann dazu führt, dass ein Problem wahrscheinlich nicht richtig gelöst wird, woraus dann neue Probleme entstehen. Da hilft Gelassenheit und Geduld viel, um Vertrauen und auch ein gutes Gefühl aufzubauen und wir alle wollen uns am Ende doch wohlfühlen, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich gereizt und ungeduldig bin. Wenn in einer Diskussion jemand absolut keine Lust hat, auf die eingebrachten Argumente zu reagieren, sie absichtlich überliest und dann behauptet, dass da bisher gar keine Argumente kamen, dann bin ich sehr ungeduldig. Wenn jemand meint, dass ein Beitrag, in einem Forum zum Beispiel, an dem ich 10 Minuten geschrieben habe, keinerlei Argumente enthält, dann aber nicht einmal bereit ist, seinerseits ein wenig Zeit zu investieren, um dies auch zu begründen, dann bin ich echt ein ungeduldiger und gereizter Mensch, da ist dann auch meine Gelassenheit ganz weit weg!

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

8 März 2019

Nieselregen

Der Nieselregen legte sich sanft auf meine Haut. Er war nicht unangenehm, nicht kalt, aber er kühlte meinen Körper dennoch etwas ab. Eine willkommene Abkühlung, nachdem dieser Tag doch ziemlich warm war und auch die körperliche Arbeit war anstrengend gewesen, sodass sie meinen Körper zusätzlich aufgeheizt hatte. Da kam der Nieselregen gerade recht.

Von meinem Balkon aus beobachte ich die Menschen, die gerade durch die Straße vor meinem Balkon schlendern. Auch ihnen scheint der Nieselregen nichts auszumachen. Sie lassen den Tag ausklingen, unterhalten sich und genießen die Luft, die noch diesen angenehmen Duft trägt, den sie nach einem Regenschauer immer trägt. Die bunten Regenschirme bringen Farbe in das diesige Grau, dass der Nieselregen mit sich bringt. Auch das Grün der Bäume und all die anderen Farben der frühsommerlichen Natur lassen die Welt fröhlich erscheinen. Wenn ich nicht wüsste, dass das die Realität ist, würde ich es für eine graue Leinwand mit ganz vielen Farbklecksen halten und nur die Geräusche würden mir aufzeigen, dass ich mich mit dieser Einschätzung irre.

Das Handtuch, mit dem ich den Regen von der Haut wische, ist ungewöhnlich weich. Es tut gut, imitiert ein Gefühl der Nähe und Zärtlichkeit, ein schönes Gefühl und doch kann es die Leere in mir nicht übertünchen. Es ist dieser Nieselregen, der mich an das tiefe Grau erinnert, dass der letzte Sommer mit sich gebracht hatte. Dieses Grau, welches mich mit dieser Leere zurückließ, nachdem mir der Nieselregen einen Teil meines Lebens nahm.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.

20 Februar 2019

Lebensplan

Hüpfen! Hör nur nie auf zu hüpfen! Du musst hüpfen, permanent, aber immer auf der Stelle. Wenn du aufhörst, auch wenn es nur eine Pause der Erholung ist, hast du verloren.

Ständig musst du hüpfen, ständig dich verbessern, schneller werden und dabei bloß nicht älter werden. Wirst du langsamer, geht das vielleicht eine gewisse Zeit gut, aber irgendwann macht dich der Verlust von Geschwindigkeit auch zum Verlierer. Dann passt du nicht mehr in dieses System. Du wirst aussortiert, kannst versuchen woanders mitzuhüpfen, wo das Tempo noch nicht so hoch ist, wo du noch mithalten kannst. Aber bringt dir das wirklich etwas? Ist es das, was dich glücklich macht? Eigentlich möchtest du raus, möchtest dieses System verlassen. Es ist eh krank und altersschwach, die Anzeichen dafür sind überall zu sehen, nur eingestehen möchte es sich niemand, nicht einmal die, die schon lange aus diesem System herausgefallen sind. Aber einfach aufhören? Eigentlich nicht möglich, da in diesem System ein Zwang zum Mitmachen besteht. Wer nicht mehr kann oder will wird ausgegrenzt, egal wie viel er vorher für dieses System geleistet hat.

Irgendwo hast du in deinem Leben mal ein Lesezeichen gesetzt. Du wolltest dort weitermachen, sobald du dir die Möglichkeiten dazu geschaffen hast. So verging die Zeit, doch die Möglichkeit kam nie und auch jetzt ist sie nicht in Sicht. Du schaust kurz zu dem Lesezeichen, Sehnsucht steigt in dir auf, doch du drehst dich sofort wieder um und gehst weiter hüpfen, weiter auf einer Stelle und die Zeit entfernt dich immer weiter von deinem Lebensplan.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.

8 Februar 2019

Sie wollen erzählt werden …

Es gibt da eine neue Kurzgeschichte, die in meinem Kopf herumspukt. Sie spuckt mir in all meine Gedankengänge, will beachtet werden, will aufgeschrieben werden und sabotiert alles andere.

„Ich will euch mitnehmen in die Geschichte eines Menschen. Es ist egal, welches Geschlecht dieser Mensch hat. Es ist ein Mensch, der mit dem gesellschaftlich akzeptierten Lebensentwurf nicht kompatibel ist. Ein Mensch, der sich anstrengt, der aber immer wieder an der gesellschaftlichen Norm scheitert.“

Schon wieder drängt sich die Geschichte in den Vordergrund. Schon wieder schleicht sie sich in meine Gedankengänge und versucht sich heimlich in den Mittelpunkt zu stellen. Doch ich will das nicht, will sie nicht aufschreiben, weil es sich nicht lohnt, weil meine Kurzgeschichten nicht dazu taugen Beachtung zu generieren. Sie fressen nur meine Zeit, bringen mir nichts. Sie sind da und verstauben, deswegen will ich sie nicht mehr aufschreiben.

Doch auch so klauen sie mir meine Zeit, weil sie es nicht hinnehmen wollen, weil sie erzählt werden wollen, weswegen sie in jeden meiner Gedankengänge spucken. Sie zeigen mir, dass sie da sind, das sie nicht vorhaben mich in Ruhe zu lassen. Ihnen ist egal, ob ich Geld verdienen muss, ihnen ist die Erzählung wichtiger als mein Einkommen.

5 Februar 2019

Schwermut

Die Sonne ist zu einem Phantom geworden. Im Sommer war sie noch sehr real, doch der Winter hat sie vertrieben. Versteckt im Wolkengewölbe, zeigt sie sich nur selten, schaut schüchtern herunter, kaum merklich und doch weiß jeder, dass sie da ist.

Dekaden von Tagen vergehen so, hinterlassen eine getrübte Stimmung und vergrößern die Sehnsucht nach ihr. Die Sehnsucht nach der Wärme, die sie jederzeit zu spenden in der Lage ist. Aber auch die Sehnsucht nach dem puren, ungetrübten Licht, dass die Seele erreicht und die gedämpfte Stimmung vertreibt.

Am liebsten würde die Seele auf eine Leiter klettern und mit einer Handsäge das Wolkengewölbe zerstören. Sie würde gern die Sonne aus ihrem Versteck holen, sie der Phantomwelt entreißen und ihr wieder zu vollem Glanz verhelfen, damit sie – die Seele – selbst wieder im vollen Glanze strahlen kann.

Es bleibt aber nur das Warten. Die Wolken verschwinden von allein, geben den Blick wieder frei, lassen das Versteck verschwinden und mit ihm die Schwermut, die sich die Seele eingefangen hat.

21 November 2018

Skurrile Texte: Gedanken fangen

Vor dem Computer sitzen, überlegen, welches Thema gerade interessant genug wäre, um darüber zu schreiben. Podcasts hören, nur halb zuhören. Irgendwas mit Kreativität, irgendwas mit Nachhaltigkeit, was eben so die Themen der Zeit sind. Überlegen, grübeln, auf Twitter hin und her scrollen. Tweets lesen, sich darüber aufregen, lachen, ärgern. Nebenbei ein wenig auf Amazon schauen, zum Thema Nachhaltigkeit natürlich, wiederverwendbare Obstnetze ansehen, sich fragen, warum diese aus Baumwolle und nicht aus Hanffasern sind, zumindest teilweise, weil Baumwolle jetzt ja auch nicht so berauschend für den Umweltschutz ist, wenn sie aus dem konventionellen Anbau kommt.

Vor dem Computer sitzen, überlegen, wie viel Sinn es noch macht Blogs zu betreiben, wenn einem so viele Themen interessieren, aber nicht die Motivation da ist, sich damit tiefer zu beschäftigen, um darüber Blogartikel schreiben zu können. Das Studium weit wegschieben, obwohl die nächsten Einsendeaufgaben schon vor der Tür stehen. Einfach nur noch Twitter folgen, Menschen verfolgen, Gedanken aufnehmen, zustimmen, ablehnen, aufregen.

Durch die Wohnung laufen. Überlegen, wie die eigene Kreativität gefördert werden kann. An die Zukunft denken, die Gegenwart vernachlässigen. Wahrnehmen, dass der Podcast weiterhin im Hintergrund läuft. Überlegen, was der mit Kreativität zu tun hat. Auf Twitter schauen, Bilder anklicken, Politiker stalken, Gedanken finden, zustimmen, ablehnen, aufregen.

Einfach was schreiben, Gedanken einfangen. Versuchen zu formulieren. Gedanken entdecken, weiter denken, verlieren. Auf Twitter gehen, Gedanken klauen, Gedanken verwerfen. Gedanken zustimmen. Gedanken ablehnen. Aufregen!

Feedreader öffnen. Blogartikel lesen, Blogartikel überspringen. Langweiliges gleichförmiges Bloggen um Klicks zu generieren. Spannende Themen finden, einfangen, nachdenken, aufregen. Antworten im Kopf formulieren, Antworten im Kopf verwerfen, Antworten neu formulieren, länger darüber nachdenken, wieder verwerfen. Kommentare schreiben, absenden, sich über den misslungenen Satzbau aufregen, Rechtschreibfehler zählen, noch mehr aufregen. Längeren Blogartikel planen, unter „Später noch bearbeiten“ speichern, nie wieder ansehen.

Weiter springen, hüpfen von Blogartikel zu Blogartikel, wichtige Themen teilen, wissen, dass die Reichweite gering ist. Dennoch weiter teilen, weiter geben. Gedanken sortieren. Hoffen, dass es doch was bringt.

Vor dem Computer sitzen. Schreiben, Schreiben, Schreiben. Gedanken sammeln, Gedanken formulieren, verwerfen, weiter schreiben. Viel sagen, ohne etwas zu sagen. Wenigstens überhaupt was sagen, irgendwas schreiben. Ausformulieren, überdenken, weiter denken, ablenken.

28 April 2015

Die Rechtschreibung und Ich…

Ich muss hier jetzt mal ein kleines Geheimnis loswerden. Seit 2008 schreibe ich jetzt hier diesen Blog, schon 2004 habe ich auf Lesensiegut.de angefangen Bücher vorzustellen, die ich gelesen habe und noch ein paar Jährchen früher habe ich auf anderen Portalen meine Gedichte veröffentlicht, die ich damals schon geschrieben habe. Seit ich hier diesen Blog schreibe, verbessert sich meine Rechtschreibung von Jahr zu Jahr merklich, 2010 wurde ich sogar bei Suite101 angenommen, die damals ziemlich strenge Regeln hatten – inzwischen existiert die Seite in dieser Form nicht mehr.

Schreiben tue ich das, weil es für mich nicht selbstverständlich ist, dass ich hier schreibe. Mein Ausdruck hat zwar schon immer gestimmt, aber in Rechtschreibung und Grammatik habe ich in der Schule regelmäßig versagt. Sowohl in der Grundschule wie auch in der Gesamtschule habe ich für diese beiden Dinge immer eine Sechs bekommen, vielleicht ab und an mal eine Fünf, aber meistens eben diese Sechs. Irgendwie waren damals alle Bemühungen, dies zu ändern, umsonst. Ich habe es nicht hinbekommen, obwohl ich schon damals sehr gerne Geschichten schrieb. Eine Zeitlang ließ ich es deswegen, schrieb nicht, weil ich es nervig fand, immer wieder diese dämlichen Fehler zu machen.

Und wahrscheinlich würde ich hier auch heute gar keinen Blog mehr schreiben, wenn das Verlangen mich mit Worten auszudrücken nicht größer gewesen wäre, als der Ärger über die Menschen, die sich über meine Rechtschreibung lustig gemacht haben. Und davon gab es nicht wenige, aber es gab eben auch Menschen, die haben sich für den Inhalt interessiert, die haben mir zwar auch Tipps gegeben und mich auf Rechtschreibfehler hingewiesen, aber sie haben mich auch immer wieder ermutigt, weiter zu schreiben und weiter zu veröffentlichen.

Und ich glaube, heute kann ich sagen, dass diese Menschen ein Glücksfall für mich waren. Wenn ich mir Blogartikel von 2008 ansehe, oder Buchbesprechungen von 2004, dann schüttel ich immer wieder mit dem Kopf, welche Fehler ich damals doch gemacht habe. Aber ich würde sie wohl immer noch machen, wenn ich nicht regelmäßig geschrieben hätte. Natürlich mache ich immer noch viel zu viele Fehler, aber ich sehe die Fortschritte und ich weiß, wenn ich weiter schreibe, dann werde ich auch irgendwann diese Fehler nicht mehr machen.

Ob ich, wenn ich jetzt in der Schule wieder Diktate schreiben würde, nicht immer noch eine Sechs für meine Rechtschreibung bekommen würde, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass mich diese Noten damals ziemlich demotiviert haben. Und ich glaube, dass diese Demotivation ein Grund war, warum sich meine Rechtschreibung nicht verbessert hat.

28 November 2014

Webmaster-Friday: Mein Schreibstil

Bild von einem Text

Ich habe jetzt schon öfter vom „Webmaster-Friday“ in anderen Blogs gelesen, bisher aber nie wirklich die Lust gehabt, dort wirklich teilzunehmen. Ich glaube mich aber zu erinnern, dass ich hier mal auf einen Beitrag in einem anderen Blog geantwortet hatte. Aber egal, denn heute möchte ich auch mal was zu dem aktuellen Thema schreiben. Es geht um meinen Schreibstil hier auf dem Blog und auf den vielen anderen Blogs, auf denen ich schreibe.

Bild von einem Text

 

Wie schreibe ich eigentlich?

 

Über seinen eigenen Schreibstil zu schreiben ist schon schwierig. Es ist so, wie mit einer Selbsteinschätzung beim Vorstellungsgespräch, oder mit der Bewertung eines eigenen Vortrags. Es ist ziemlich schwer und ob die Wirkung, die ich mit meinem Schreibstil erreichen möchte, auch wirklich eintritt, kann nur der Leser entscheiden.

Als Erstes Versuche ich natürlich immer, meine Texte so einfach wie möglich zu halten. Ich möchte, dass jeder, der meine Artikel liest, diese auch verstehen kann. Das bedeutet nicht, dass ich auf Schachtelsätze verzichte und nur Hauptsatz an Hauptsatz reihe – was für meine Leser aber nichts Neues sein dürfte. Vielmehr versuche ich, auf Fach- und Fremdwörter zu verzichten. Ich bin der Meinung, dass viele dieses Mittel einsetzen, um einen bestimmten Leserkreis auszuschließen oder diesem Leserkreis zumindest das Verstehen zu erschweren. Das hat etwas Elitäres, was ich absolut nicht leiden kann. Ich möchte nicht, dass meine Leser sich erst ein Wörterbuch suchen müssen, damit sie meine Artikel verstehen. Vielmehr ist mir wichtig, dass ich mit meinen Lesern auf Augenhöhe diskutieren kann und das geht nur, wenn diese auch verstehen, was ich schreibe.

Dennoch ist mir bewusst, dass meine Sätze manchmal schon verwirrend sind. Viel öfter frage ich mich allerdings – wenn ich ältere Texte von mir lese – ob meine Texte nicht viel zu naiv geschrieben sind, ob ich meinen Schreibstil nicht doch ändern sollte. Doch mir wird dann immer wieder bewusst, dass ich ihn nicht so einfach ändern kann, weil ich frei nach Schnauze schreibe, weil ich meine Artikel meist gar nicht überarbeite, keine Textarbeit durchführe, sondern meist die erste Momentaufnahme auch veröffentliche. Ich finde, das gibt dem Artikel Authentizität, lässt ihn nicht wie ein Kunstobjekt aussehen.

Natürlich verschenke ich durch diese Authentizität auch Potential, was mir oft beim erneuten Lesen meines Artikels auffällt. Dann sehe ich, dass ich hier Gedankengänge vergessen habe, den ich gerne noch angesprochen hätte und das ich dort mehrfach auf denselben Gedanken eingegangen bin. Aber es besteht eben auch die Gefahr, dass die eigenen Artikel zu stark durch die eigene Zensur geschliffen werden, dass sie an Inhalt und Stärke verlieren. Und genau deswegen mag ich es nicht, einen Artikel erst zehn Mal zu überarbeiten, bevor ich ihn dann veröffentliche.

Etwas anderes sind die Kurzgeschichten und Gedichte, die ich hier auch veröffentliche. Auch bei diesen achte ich auf einfache Sprache, aber hier gebe ich mir schon die Mühe, auch am Text zu arbeiten. Hier ist Textarbeit nötig, um auch wirklich das zu vermitteln, was einem am Herzen liegt.

Jetzt habe ich schon wieder soviel geschrieben, bin mir aber nicht sicher, ob ich überhaupt auf das Thema geantwortet habe. Deswegen noch einmal kurz zusammengefasst:

Meine Artikel schreibe ich meist frei Schnauze. Dabei können durchaus auch mal Schimpfwörter vorkommen. Ich halte nicht viel von elitärer Sprache, die andere Menschen ausschließen soll, und versuche deswegen auch nicht, mich über meinen Schreibstil zu definieren. Vielmehr möchte ich mit meinen Lesern diskutieren und versuche deswegen so verständlich wie möglich zu schreiben.

Aufmerksam geworden auf das heutige Thema bin ich übrigens durch Jaellekatz.

17 Dezember 2011

Mein Besuch in einer Schreibwerkstatt und der Keks

Vor einiger Zeit habe ich ein einer Schreibwerkstatt teilgenommen. Es war die Erste, die ich besucht habe. Mit 90 Minuten Schreibübungen und noch einmal 90 Minuten kritisieren von Texten, war der Kurs leider viel zu kurz, aber für 10 Euro kann man wahrscheinlich nicht viel mehr erwarten.

Als Übung zum Warmwerden, sollten wir einen Gegenstand beschreiben. Einen der greifbar war, der fühlbar war, den man sehen- und schmecken konnte – hören konnte man ihn leider nicht. Um genau zu sein, es war ein Keks. Als zweite Übung sollten wir dann eine kurze Geschichte schreiben. Bevor wir damit aber anfingen, sollten wir uns einen Namen, das Alter, einen Gegenstand, ein Ereignis und den letzten Satz notieren. So habe ich noch nie angefangen meine Kurzgeschichten zu schreiben, aber im nachhinein weiß ich jetzt, dass es so sehr viel mehr Spaß machen kann, weil das Gehirn einfach schon dabei ist, die Geschichte zu entwerfen, noch bevor man mit dem Schreiben angefangen hat. So habe ich, in den 30 Minuten die uns zur Verfügung standen, doch eine anständige kleine Geschichte zustande gekommen – sonst brauche ich die ersten 30 Minuten schon, um überhaupt einen Einstieg in die Geschichte gefunden zu haben.

Für mich steht fest, dass mir auch diese 90 Minuten schon ein wenig was gebracht haben. Und ich habe jetzt lust auf mehr. Ich möchte noch mehr solcher Schreibkurse besuchen, leider fehlt mir zu vielen solcher Veranstaltungen einfach das Geld, weswegen ich mich ein wenig an den Volksschulen umsehen muss. Und jetzt zurück zum Keks 😉 :

Viel zu oft habe ich dich einfach aus der Packung geholt. Habe dich, ohne dich wirklich zu beachten, in die Hand genommen und vernichtet. Deine Form nahm ich nie wirklich war, merkte nicht, dass du aus mehr als vier Ecken bestehst. Und deine zwei Gesichter – das eine goldbraun und das andere wie Schokolade.

Ich nahm dich einfach, ohne mich darüber zu freuen, dass du da warst. Bereitete mich nicht auf den zarten, schmelzenden Geschmack vor, den mir dein schokoladenbraunes Gesicht bringen würde, und auch nicht auf das Knuspern deines goldbraunen Gesichtes. Ich verschlang dich einfach!

Dabei sollte dein Anblick mir Glück bringen, sollte mir zeigen, dass es mir eigentlich sehr gut geht, dass ich das Glück habe, einen Keks genießen zu dürfen.

23 Mai 2011

Schreibwettbewerb zum Tag des Schreibens

Vor einiger Zeit hat Suite101.de mit einigen Partnern den 29. Juni zum „Tag des Schreibens“ ernannt. Bis dahin wird es einige Aktionen geben, eine davon ist der Schreibwettbewerb, welcher am 19.05.2011 gestartet ist und bis zum 19.06.2011 geht. Die Kurzgeschichten sollen sich um ein Dokument und den Tag, an dem sie geschrieben wurden, drehen, zumindest soll es eine wichtige Rolle in der Kurzgeschichte spielen. Zu gewinnen gibt es auch was, und zwar fünf Verlagsverträge plus ein Amazon Kindle für die besten fünf Kurzgeschichten und für die Plätze 6-10 dann noch Buchpakete im Wert von ca. 50,- Euro. Die Kurzgeschichte selbst darf nicht länger sein als 10 Seiten.

Mich reizt es, an diesem Schreibwettbewerb teilzunehmen, auch wenn die Aufgabe ein wenig schwammig ist und ich mir derzeit nicht wirklich etwas darunter vorstellen kann. Ich möchte nicht mitmachen, um zu gewinnen, sondern weil es für mich eine Möglichkeit ist, um das Schreiben zu üben. Wenn ein Thema vorgegeben ist, kann man nicht einfach los schreiben und sehen, wo einen die Geschichte hinführt, sondern man muss sich die Richtung schon vorher aussuchen und dann gezielt schreiben. Das habe ich bisher noch nicht gemacht, weswegen es für mich eine Herausforderung wäre, die mich schon reizt. Ob man die Kurzgeschichte dann einreicht, das kann man entscheiden, sobald sie fertig ist und der Termin zur Abgabe nicht überschritten ist.

Dagegen spricht allerdings, dass ich im November wieder am NaNoWriMo teilnehmen möchte, und ich bis dahin auch noch meine Kurzgeschichte „Telefonanruf aus Utopia“ überarbeitet haben will. Das müsste ich dann nach dem 19 Juni angehen, was mir eine Zeitspanne von 4 1/2 Monaten lassen würde. Ich weiß nicht, ob das reicht, denn ich möchte die Kurzgeschichte noch einmal sehr gründlich überarbeiten. Nicht so leicht also, aber ich werde noch eine Nacht drüber schlafen und mich dann entscheiden.

Für alle, die gerne einen Verlagsvertrag hätte, ist das vielleicht eine interessante Möglichkeit an eben diesen zu kommen. Also macht euch an die Arbeit und schreibt eine Kurzgeschichte, vielleicht ist eure ja die, die unter den ersten fünf landet.