5 Februar 2019

Schwermut

Die Sonne ist zu einem Phantom geworden. Im Sommer war sie noch sehr real, doch der Winter hat sie vertrieben. Versteckt im Wolkengewölbe, zeigt sie sich nur selten, schaut schüchtern herunter, kaum merklich und doch weiß jeder, dass sie da ist.

Dekaden von Tagen vergehen so, hinterlassen eine getrübte Stimmung und vergrößern die Sehnsucht nach ihr. Die Sehnsucht nach der Wärme, die sie jederzeit zu spenden in der Lage ist. Aber auch die Sehnsucht nach dem puren, ungetrübten Licht, dass die Seele erreicht und die gedämpfte Stimmung vertreibt.

Am liebsten würde die Seele auf eine Leiter klettern und mit einer Handsäge das Wolkengewölbe zerstören. Sie würde gern die Sonne aus ihrem Versteck holen, sie der Phantomwelt entreißen und ihr wieder zu vollem Glanz verhelfen, damit sie – die Seele – selbst wieder im vollen Glanze strahlen kann.

Es bleibt aber nur das Warten. Die Wolken verschwinden von allein, geben den Blick wieder frei, lassen das Versteck verschwinden und mit ihm die Schwermut, die sich die Seele eingefangen hat.

3 Februar 2019

Es ist wieder Winterreifenzeit

Herbst

Es ist wieder die Zeit der Winterreifen. Draußen ist es meist Dunkel, die Sonne lässt sich maximal zum Mittag blicken, wenn sie es denn überhaupt für nötig hält, sich einmal blicken zu lassen. Ein wenig eifersüchtig bin ich ja schon auf die Menschen, die derzeit mehr Sonne haben als ich, aber das Gefühl ist natürlich nicht stark, immerhin haben wir gerade einen Super-Sommer mit sehr viel Sonne erlebt. Was mich viel mehr ärgert, ist, dass wir hier keinen Schnee haben. Überall liegt Schnee, eine schöne weiße Decke, die die grauen Landschaften in wundervoll strahlende Landschaften verwandelt. Nur hier nicht! Hier ist es nass und grau und dunkel. Schnee würde die Stimmung, die in der Winterreifenzeit meist vorherrscht, aufhellen, würde diese depressive Jahreszeit aufbrechen. Aber er kommt nicht und so stolpert das Leben durch die Straßen und sehnt sich nach frischen strahlenden Grün und den Tag erhellenden Sonnenstrahlen.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden, die ich zuerst bei Miki auf dem Blog entdeckt habe. Ich finde das Projekt spannend und habe deswegen gleich einmal mitgemacht.

21 November 2018

Wohnraum nutzen – Chancen sehen – Menschen helfen

Es ist Herbst, die lange Hitzeperiode ist vorbei, die Temperaturen gehen immer mehr gegen null, in der Nacht gibt es teilweise schon Frost, in einigen Gebieten gab es sogar schon den ersten Schnee. Auch zu dieser Jahreszeit gibt es Menschen, die keinen eigenen Wohnraum haben, die auf der Straße leben müssen, weil irgendwann mal etwas schiefging, Sicherungsnetze nicht gegriffen haben. Schicksalsschläge, die zu einem totalen Absturz führten. Es ist schon traurig, dass eine Gesellschaft so etwas zulässt, noch dazu eine reiche Gesellschaft, die das überhaupt nicht nötig hätte. Noch schlimmer wird es, wenn Bürokratie dazu führt, dass freier Wohnraum nicht genutzt werden kann, er leer steht, weil die Politik zu unflexibel ist, weil sie verschiedene Gesetze für verschiedene schutzbedürftige Gruppen haben.

Derzeit passiert das in Deutschland mit Unterkünften für geflüchtete Menschen. Es gibt derzeit mehr Unterkünfte als geflüchtete Menschen, doch anstatt diese Unterkünfte – zumindest für die Zeit im Winter – Menschen ohne Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wird darauf verwiesen, dass da unterschiedliches Baurecht gilt, die Unterkünfte für geflüchtete Menschen gedacht sind, diese somit auch für eine bestimmte Zeit gebunden sind. Das wäre ja auch okay, wenn diese denn für die Gruppe der geflüchteten Menschen gebraucht werden würden, wenn abzusehen wäre, dass diese in naher Zukunft die Unterkünfte benötigen werden. Aber derzeit ist das nicht der Fall, derzeit stehen Unterkünfte frei, obwohl es Menschen gibt, die diese dringend gebrauchen könnten.

Ja, es besteht die Gefahr, dass diese Lösung nur von kurzer Zeit ist, dass wieder mehr Menschen ankommen, die sich auf der Flucht befinden. Das könnte am Ende zu Konflikten führen, aber warum braucht es eigentlich getrennte Unterkünfte für geflüchtete Menschen und Menschen ohne Wohnraum? Muss es solch eine Trennung wirklich geben? Könnte eine Durchmischung nicht vielleicht eine Chance sein, ein Gewinn für beide Seiten? Ein Gewinn für die Menschen ohne Obdach, weil sie den geflüchteten Menschen beim Ankommen helfen können? Weil sie dadurch vielleicht eine neue Aufgabe in einer solidarischen Gemeinschaft finden können? Und auch ein Gewinn für die geflüchteten Menschen, die nicht abgeschottet wären, die sofort Kontakt zu Menschen aus Deutschland hätten? Muss dies immer gleich als ein Konfliktherd gedacht werden oder kann es nicht als Chance gedacht werden, als Win-Win-Situation, als Chance für mehr Akzeptanz, für mehr Solidarität?

Wohnraum nicht zu nutzen, nur weil es die Bürokratie verhindert, ist der falsche Weg. Ein Weg, der auch wieder Hetzern Futter gibt, der ihnen wieder die Möglichkeit eröffnet, verschiedene hilfsbedürftige Gruppen gegeneinander auszuspielen. Es ist die Art Politik, die nicht weiter denkt, die nicht die Chancen sieht, die sich ergeben könnten. Die auf Paragraphen besteht, die nicht sinnvoll sind. Die auch nicht nachvollziehbar sind, denn auch die leerstehenden Unterkünfte kosten Geld und da ist auch egal, aus welchem Topf dieses Geld kommt!

Und wenn dann die ersten Berichte von Menschen kommen, die in der Kälte erfroren sind, weil unserer Gesellschaft es nicht fertigbringt, jeden Menschen anständigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dann steigt die Wut. Dieselbe Wut die hochkommt, wenn auf dem Mittelmeer wieder Menschen ertrinken. Unnötiges Sterben in den Straßen eines reichen Landes, unnötiges Sterben auf den Meeren.

Vielleicht können wir den Menschen zumindest ein schönes Weihnachtsfest bescheren. Hier in Berlin organisiert die Kälte Nothilfe immer ein Weihnachtsfest. Klar, es gibt da auch schon vorher ein großes Event von Frank Zander, aber muss das schon alles sein? Ich denke nicht! Mehr Infos findet ihr unter dem Link auf Facebook.

Bild Facebookpost Kälte Nothile
Bild vom Facebookpost der Kälte Nothilfe