12 Juli 2022

12.07.2022: Solidarität oder Putin

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Leute, ich bin genervt! Wir wissen jetzt doch inzwischen alle, dass die Energieabhängigkeit von Russland scheiße ist. Wir hätten es alle auch schon vorher wissen können, wir hätten in den letzten 20 Jahren ordentlich in erneuerbare Energien investieren können, hätten die Forschung für Speichertechnologien finanziell unterstützen können, haben wir aber nicht! Das ist aber kein Grund, jetzt darüber nachzudenken, die Kernkraftwerke weiter laufen zu lassen. Ich schrieb das schon, als dieser Vorschlag zum ersten Mal aufkam, also vor vier Monaten. Seither wurde viel geredet, die Politik hat auch ein wenig was an Gesetzen geändert, aber sehr viel mehr ist dann doch nicht passiert.

Klar, es gibt jetzt nicht unbedingt viele Fachkräfte auf dem Markt, die mal schnell auf allen Dächern, wo es möglich wäre, Solarzellen installieren können. Und ja, wir werden bis zum Winter nicht unabhängig von Gas sein, aber könnten wir vielleicht doch aufhören vor Angst zu erstarren, weil Putin das Gas hat, was wir im Winter brauchen könnten? Könnten wir damit aufhören und vielleicht ein wenig Stärke und Willen zeigen? Den Willen, die Unabhängigkeit von russischen Energieträgern zu erreichen, auch wenn das eine Mammutaufgabe ist und die Stärke gegenüber Russland, dass wir das als EU auch dann schaffen, wenn es jetzt im Winter eventuell zu Engpässen kommt?

Sicher, es will niemand im Winter frieren, aber ist es wirklich schlimmer im Winter zu frieren als die Aufkündigung der Solidarität mit einem Land, welches gerade das Ziel eines Angriffskrieges ist? Wir hatten und haben es in der Hand, diese Krise gemeinsam durchzustehen. Dazu gehört dann eben auch, zu hinterfragen, ob wir das hinbekommen, solange die wichtigen Sektoren – also auch die Energieversorgung – der kapitalistischen Logik unterworfen sind. Vielleicht müssen wir das jetzt einfach einmal hinter uns lassen und Industrien, die in den letzten 16 Jahren durch Bundesregierungen, die von den Unionsparteien geführt wurden, zerstört wurden, durch staatliche Hilfen wieder aufzubauen. Wir brauchen jetzt Industrien, die Solarpaneele herstellen, die Windräder produzieren. Wir brauchen die in Deutschland, wir brauchen die in Europa! Und ja, es gibt da nicht so viele Fachkräfte auf dem Markt, aber wir hatten ja diese Industrie einmal in Deutschland und eventuell sind dann doch noch ein paar Menschen auf dem „Markt“ verfügbar, die hier einen Neustart ermöglichen können.

Der Krieg in der Ukraine sollte nicht die Zeit sein, um alten Technologien noch einmal zu nutzen, um wenigen Menschen noch ein paar Gewinne per Subvention zukommen zu lassen. Es ist nicht die Zeit, um Kernspaltung wieder zu einer Alternative zu machen, sondern es ist der Zeit, um endlich die Weichen für eine Zukunft zu stellen, in der sich auch noch viele der kommenden Generationen wohlfühlen. Und wenn das nicht funktioniert, indem die privaten Energieunternehmen jetzt ordentlich investieren, anstatt Dividenden auszuzahlen, muss es halt durch öffentliche, gemeinwohlorientierte Unternehmen umgesetzt werden! Nur machen müssen wir endlich was, wenn wir am Ende nicht dabei zusehen wollen, wie Putin den Jackpot gewinnt!

5 Juli 2022

04.07.2022: Spreeweg von Erkner bis zur Wuhlheide

Montag morgen, leicht müde sitze ich in der S-Bahn Richtung Erkner. Die Nächte sind derzeit einfach nicht zur Erholung gedacht! Es ist einfach zu warm und mein Zimmer kühlt auch nicht richtig aus. Ich frage mich schon, wie das in den nächsten Jahren werden soll, wenn die Temperaturen noch steigen und wir noch mehr tropische Nächte in Deutschland haben. Irgendwas muss da geschehen, irgendwie muss es eine Kühlung für den Sommer geben, die aber nicht auf der anderen Seite den Energiebedarf erhöht, wo wir doch eher weniger Energie verbrauchen sollten.

S-Bahn fahren macht ja bekanntlich noch müder und so hoffe ich, dass ich bald in Erkner bin, wo meine heutige Wandertour beginnen soll. Wieder zurück nach Berlin, was ich gerade mit der S-Bahn verlasse. Entlang auf dem Spreeweg, den ich auf dieser Seite schon in Teilen kenne. Teils durch Fahrradtouren, teils aber auch durch andere Wanderungen oder durch den Müggelsee Halbmarathon, den ich bereits zweimal gelaufen bin. Ich werde ihn sicher noch öfter laufen, wenn ich denn irgendwann wieder mit dem Lauftraining beginne. Jetzt muss aber erst einmal das Wandern als Training reichen und es macht den Kopf genauso frei, wie das Lauftraining.

In Erkner angekommen, muss ich erst einmal den Weg zu meiner Tour finden. Er führt mich von Bahnhof in eine Wohngegend, in der wenige Autos fahren. Der Autolärm ist also ziemlich schnell Geschichte und auch die Anzahl der Menschen nimmt stetig ab. Das ist wichtig, denn dort, wo viele Menschen sind, ist auch viel Lärm und dem will ich auf den Wanderungen ja entkommen, auch wenn es nicht immer klappt. Auf dem Spreeweg – einer der grünen Hauptwege durch Berlin – bin ich noch ein wenig skeptisch, dass mir das auch gelingen wird, aber als Berliner sollte ich schon auch einmal die Wanderwege ablaufen, die wir hier in der Stadt haben. Geplant habe ich knapp 30 Kilometer, was ungefähr die Hälfte des Spreeweges ist.

Mir fallen Gehwegplatten auf, die mich an meine Kindheit erinnern. Im Osten von Berlin wurden die gerne verlegt und es gab sie in verschiedenen Farben. In meiner Wohngegend lagen die auch, bunt gemischt und die rosa Gehwegplatten waren Lava! Die durften also auf gar keinem Fall berührt werden. In Erkner bin ich in Lava versunken, denn die Gehwegplatten sind alle rosa, bevor sie dann zur Farbe Gelb wechseln. Als Kind hätte ich dieses rettende Ufer nie erreichen können. Zum Glück ist es nicht wirklich Lava, zum Glück sind es normale Gehwegplatten, meine Wanderung ist also nicht schon nach wenigen Kilometern beendet.

Weiter geht es über zwei Brücken, dann sind wir auch schon auf dem Radwanderweg, der am Müggelsee entlangführt. Eine schöne Strecke, wo nur sehr vereinzelt Autos fahren, ansonsten halt viele Radfahrer und ab und an auch Wanderer, so wie ich heute einer bin. Ich laufe den Weg ein paar Kilometer, bis mich der Spreeweg auf einen Wanderweg führt. Der ist nicht asphaltiert, was eine Wohltat für die Füße ist, wobei es auf der anderen Seite natürlich auch anstrengender und auch die Konzentration gefordert ist, damit einem eine Wurzel nicht zu Fall bringt. So geht es weiter bis zum Müggelsee, der plötzlich rechts auftaucht. Weiter auf dem Wanderweg, immer weiter, einmal an der ganzen Seite des Sees vorbei, bis zum Spreetunnel, durch den ich als Kind immer absolut gerne gegangen bin, der so wunderschön kühl ist, der durchaus auch gut ist, um einmal abzukühlen. Vorher gibt es natürlich auch die vielen Badestellen zu sehen, wo die Luft wunderbar von Kinderlärm erfüllt ist, der einzige Lärm, der erträglich und vitalisierend ist, solange er von glücklichen und fröhlichen Kindern stammt.

Den Spreetunnel lassen wir aber rechts liegen, durchqueren ihn nicht, gehen vorbei und laufen weiter an der Müggelspree entlang. So langsam nähern wir unser wieder der Stadt, doch bis hierhin war es wunderbar ruhig. Knapp 15 Kilometer Entspannung in der Großstadt. Jetzt geht es aber weiter nach Köpenick, auf der anderen Seite begleitet uns schon die Stadt, auf unserer Seite ist noch das Grün, aber eben doch schon lauter, als die vielen Kilometer davor. Hier und da kommen jetzt auch Baustellen und dann Schulkinder, die gerade Schulschluss haben. Zeit für eine kurze Pause, ja, die Luft ist hier schon ein wenig raus, aber ein paar Kilometer will ich noch, die 30 Kilometer werden es am Ende nicht werden, aber 20,5 Kilometer werden es. Inzwischen bin ich an der Wuhlheide angekommen, die Flutlichtmasten vom Stadion an der Alten Försterei sind zu erkennen, die Straßenbahn fährt leider nicht, dafür aber Ersatzbusse. Ein guter Punkt, um die Tour zu unterbrechen. Die restlichen Kilometer können dann ein anderes Mal erlaufen werden, wobei dieser Abschnitt weniger Entspannung verspricht.

Nachdenklich sitze ich im Bus, dann in der Straßenbahn und zum Schluss in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause. So schön wie die Wanderungen auch immer sind, immer wieder ist zu erkennen, wie unachtsam die Menschen mit der Natur umgehen. Sie suchen oder schaffen sich Orte der Erholung und lassen dann ihren Müll überall zurück. Vor Corona waren es meiste Taschentücher oder Getränkedosen, inzwischen sind auch die vielen Masken dazugekommen, die in der Natur achtlos abgeladen werden. Es stimmt traurig, weil wir damit am Ende nicht nur der Natur schaden, die halt irgendwann keine Erholung mehr bietet, sondern auch uns selbst. Ich verstehe nicht, warum wir unseren Müll nicht einfach mitnehmen und ihn dann in einer der vielen Mülltonnen entsorgen, die ja doch an vielen Orten aufgestellt sind. Ein wenig mehr Achtsamkeit, das wäre es, zusammen mit mehr Rücksicht und weniger Aggressionen. Das Leben könnte soviel angenehmer für alle sein.

3 Juli 2022

03.07.2022: Flucht ins Biesenthaler Becken

Es war mal wieder Zeit für ein wenig Ruhe. Ruhe gibt es in der Stadt nur viel zu selten, also rauf auf das Fahrrad und ab nach Brandenburg. Genauer gesagt, ab in das Biesenthaler Becken. Die Tour hatte ich schon vor ein paar Wochen geplant und 33 Kilometer sind jetzt auch nicht zu viel für die Hinfahrt. Begleitet wurde ich vom Lärm der Stadt, vom Lärm der vielen Autos, die auch aus der Stadt drängten, um an irgendeinem Ziel anzukommen. Ja, mich nervt dieser Autolärm immer mehr und es wird immer schwieriger, diesem Lärm zu entkommen.

Irgendwann war dann die Straße erreicht, die in den Wald führte. Hier wurde dann auch der Lärm der Autos weniger und die sanften Töne der Natur wurden lauter. Das Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Wälder. So langsam kam die Entspannung, die Vorfreude auf eine kurze Wanderung wurde immer größer. Vorher aber noch ein wenig Anstrengung, denn Komoot baut immer am Ende noch zwei Kilometer mit ein, die anstrengender sind, als die gesamte Tour vorher. So auch diesmal, denn die letzten zwei Kilometer waren anstrengender, sandiger Waldboden. Für ein Mountainbike wahrscheinlich genau die richtige Strecke, für mein Stadtrad natürlich eher nicht, was natürlich die Aufmerksamkeit forderte, um nicht irgendwo im sandigen Waldboden wegzurutschen.

Dann das Ziel, irgendwo im Wald an irgendeinem See. Mir war nicht wirklich bewusst, wo ich landen würde. Ziel war nur das Biesenthaler Becken und dessen Touristeninformation. Die habe ich irgendwie nicht gesehen, aber ich brauchte sie auch nicht. Was ich brauchte, war eine Möglichkeit, um mein Fahrrad anzuschließen. Diese fand ich an einer Wanderkarte für die Touristen, natürlich so, dass die Ansicht der Karte nicht gestört wurde.

Dann ging es los auf dem Rundweg um den Hellsee, der direkt am Zielpunkt meiner Fahrradtour lag. Knapp 7 Kilometer, was nicht wirklich viel ist, aber doch ausreichend, um dort ein wenig die Gedanken kreisen zu lassen. Gedanken darüber, dass dieser Ort in 30 Jahren wohl komplett anders aussehen wird. Klimafolgen, die auch durch einen ehrgeizigen Klimaschutz nicht mehr aufgehalten werden können, weil das Klima Jahrzehnte braucht, weil das Klimasystem ziemlich träge ist. Folgen also, mit denen wir erst einmal leben müssen, die aber, wenn wir irgendwann mal ehrgeizig das Klima schützen sollten, folgende Generationen wieder reparieren könnten. Mir kommt ein Artikel in den Kopf, wo die Frage gestellt wurde, ob in ein paar Jahrzehnten ein Waldspaziergang immer noch so gesund sein wird wie heute.

Klar wird er das! Diese Ruhe ist einfach absolute Erholung für die Seele, ein Ort zum Abschalten, auch in 30 Jahren noch, wenn es dann noch Wälder zum Abschalten geben sollte. Sicher steigt die Gefahr, sich mit Krankheiten zu infizieren, die wir heute in ganz anderen Regionen der Welt sehen. Wenn dann nicht mehr nur die Mücken, die uns derzeit das Blut absaugen, an den Seen und Gewässern hier in Deutschland heimisch sind, sondern auch die, die tropische Krankheiten übertragen können. Damit werden wir leben müssen. Wahrscheinlich wird dadurch aber auch die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigt und so ist dann ein Besuch im Wald weiterhin eine Erholung für die Seele und für das Gehirn.

Mein Blick schweift über das Wasser, was derzeit noch im See vorhanden ist. Wird das in 30 Jahren auch noch der Fall sein? Oder wird auch dieser See ein Opfer der Hitzeperioden, die immer häufiger auftreten werden und die uns dann mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius treffen werden? Mir sind 30 Grad schon viel zu viel, mir reichen schon 25 Grad, aber das Klima ist halt kein Wunschkonzert und so werde ich wohl in 30 Jahren – wenn ich dann fast 70 bin – im Sommer wohl eher in einem Kühlhaus sitzen und nicht mehr im Wald spazieren. Auch daran werden wir nicht mehr viel ändern können, aber beim Klimaschutz geht es nicht nur um uns, es geht auch um die vielen Generationen nach uns. Ich sehe mich aber dennoch weiterhin auch mit 70 auf einem (E-)Bike sitzen und durch die Gegend fahren. Ich weiß nicht, wie der Wald der Zukunft aussehen wird, aber ich hoffe, dass er existieren wird.

Die Runde um den See neigt sich dem Ende, 7 Kilometer sind nicht viel und so steht die Rückfahrt mit dem Fahrrad auf dem Programm. Das Zwitschern der Vögel, das Summen der Insekten und das Rauschen des Waldes begleiten mich noch ein wenig, bevor sie mich wieder mit dem Lärm der Autos allein lassen und bevor der Lärm der Stadt wieder zu vernehmen ist. Dann ist die kleine Flucht schon wieder vorbei, die Stadt hat mich wieder und ich freue mich sofort wieder auf die nächste Flucht in den nächsten Wald.

18 Mai 2022

Sven fragt: Meerwasser gegen die Trockenheit?

Erinnert ihr euch noch an das Jahr 2011? Habt ihr da zufällig auch schon hier im Blog mitgelesen? Dann wisst ihr sicher auch noch, dass ich damals schon die Frage gestellt habe, warum wir das Wasser aus dem Meer nicht nutzen. Schon damals war mein Gedanke, dass wir als Menschheit ja Meerwasser entsalzen könnten – so wie es die Sonne ja tagtäglich tut -, um damit das Problem der Trinkwasserknappheit zu bekämpfen. 11 Jahre später, der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran, stelle ich mir die Frage erneut, oder immer noch. Also ich habe sie tatsächlich zwischendurch immer wieder gestellt. Die damaligen Antworten waren für mich irgendwie nicht zufriedenstellend und liefen am Ende darauf hinaus, dass die Kosten einfach zu hoch wären, die Kosten-Nutzen-Rechnung, also zumindest die in einem kapitalistischen System, nicht aufgehen würde.

In der Zwischenzeit haben wir auch in Deutschland sehr viel Trockenheit erlebt, die Böden sind teilweise viel zu trocken, die Waldbrandgefahr steigt und auch das Trinkwasser wird knapp. Industrien streiten sich darum, wer wie viel Wasser nutzen darf und ob überhaupt genügend Wasser da ist. Und da kommt natürlich wieder die Frage nach dem Meerwasser.

Es geht mir gar nicht darum, dass wir damit alle Probleme, die durch Wassermangel ausgelöst werden, lösen können. Es geht nicht darum, diese Lösung so hoch zu skalieren, dass wir wirklich alle Waldflächen damit bewässern könnten, aber vielleicht kann es ja einen kleinen Teil zur Lösung beitragen.

Wasser, was in einem Waldgebiet ausgebracht wird, bleibt ja nicht unbedingt in diesem Waldgebiet. Ein Teil des Wassers wird ja über die Blätter der Pflanzen wieder verdunstet, wird durch Wolken weiter transportiert und fällt dann in anderen Regionen wieder als Regen zu Boden und hilft dort dann vielleicht, die Wasserknappheit zu bekämpfen.

Klar, auf der anderen Seite erleben wir auch Überschwemmungen und vielleicht würde dieses Wasser dann auch hier zu einem Schaden führen, was natürlich die andere Seite der Medaille ist. Vielleicht müssen es ja auch nicht die Wälder sein, wo dieses Wasser verwendet wird, sondern die Felder, auf denen Getreide und andere Lebensmittel angebaut werden. Auch hier wäre es ja zusätzliches Wasser, welches in den Kreislauf gelangen würde. Vielleicht liege ich aber auch absolut falsch und die ganze Geschichte trägt überhaupt nicht dazu bei, die Umwelt vor den Auswirkungen des Klimawandels ein wenig zu schützen.

Vielleicht um die Ecke denken?

Vielleicht muss ich bei meinem Ansatz auch ein wenig um die Ecke denken. Vielleicht ist es wirklich nicht sinnvoll, die Energie direkt aufzuwenden, um mit entsalzenden Wasser Wälder oder Felder zu bewässern. Eventuell ergibt es ja mehr Sinn, die Energie in die Erzeugung von Wasserstoff zu investieren. Da gibt es ja inzwischen auch Möglichkeiten, um dies mit Meerwasser zu tun und eventuell kann dann das Wasser, welches dann am Ende ja wieder entsteht, wenn der Wasserstoff wieder in Energie – zum Beispiel für unsere Mobilität – umgewandelt wird, genutzt werden, um die Trockenheit in manchen Regionen ein wenig abzumildern.

Übrigens scheint es in den Anlagen, die Meerwasser in Wasserstoff wandeln, möglich zu sein, das Wasser vorher zu entsalzen und aufzubereiten, ohne dass dafür zu viel Energie aufgewendet wird.

Viel Energie

Wichtig ist aber, dass die Energie, die dafür aufgewendet wird, zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, sonst wäre die CO2-Bilanz wahrscheinlich sehr vernichtend und der Nutzen wahrscheinlich wirklich nicht gegeben.

Und dann sind da natürlich noch die vielen Punkte, die ihr hier als Antwort auf meine Frage bei Mastodon findet. Und wahrscheinlich ist ein Mix aus all diesen Antworten der Grund, warum es wirklich nicht sinnvoll ist, sich die Mühe zu machen und das Meerwasser zu entsalzen, um damit die Trockenheit zu bekämpfen. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht! Was sind eure Gedanken dazu?

Kleine Ergänzung noch, weil sich das hier vielleicht immer so anhört, als ob wir überhaupt kein Meerwasser entsalzen, es wird durchaus schon gemacht und vielleicht sollten wir es halt auch dort tun, wo wir derzeit noch keinen Sinn darin sehen.

15 Mai 2022

15.05.2022: Resonanzraum Autofahrt

Erinnerungen

Gestern, während der Rückfahrt von Rostock nach Berlin, haben wir uns so ein wenig über Politik, Meinungen und Bildung unterhalten. Ich unterhalte mich ja gerne über diese Themen, denn sie gehören zusammen. Die Erkenntnis, die ich daraus gezogen habe, ist nicht neu, ich habe darüber schon oft gesprochen – im Podcast mit Christian zum Beispiel – oder hier im Blog geschrieben, aber auch die Zeit während der Pandemie hat es untermauert. Wir haben ein Problem damit, die Meinung und Ansichten anderer zumindest zuzulassen, ihnen zuzuhören, ihnen einen Raum zu geben. Dadurch verhärten sich Fronten, Menschen werden in Schubladen gestopft und die eigene Meinung bleibt meist unangetastet, weil anderen Argumenten einfach nicht zugehört wird.

Klar, die Argumente werden gehört, aber sie dürfen nicht auf einen Resonanzboden fallen, sie werden schon vorher durch Emotionen abgefangen, weil sie nicht sein dürfen, weil die eigene Meinung schon richtig sein muss.

Das ist nicht einmal wirklich verwunderlich, denn wir – als Gesellschaft – lernen das Debattieren, das Zulassen von anderen Meinungen, das Zuhören nirgendwo. Nicht in der Schule, wo Schüler*Innen erst einmal hinzunehmen haben, was Lehrer*Innen sagen, widerspruchslos, weil Lehrer*Innen die Autorität sind, auf die Schüler*Innen zu hören haben. In Familien nicht, weil Kinder und Jugendliche erst einmal hinzunehmen haben, was die Eltern entscheiden, widerspruchslos, weil die Eltern eine Autorität sind und Kinder und Jugendliche zu hören haben. In Unternehmen nicht, weil Arbeitgeber Autoritäten sind, und die Arbeitnehmer*Innen die Entscheidungen der Arbeitgeber erst einmal hinzunehmen haben, widerspruchslos, weil die Arbeitnehmer*Innen einen Vertrag geschlossen haben, der sie dazu verpflichtet, auf ihre Arbeitgeber zu hören.

Ja, das ist jetzt eine sehr allgemeine Aussage. Sie trifft nicht auf alle Lehrer*Innen zu, nicht auf alle Familien, nicht auf alle Arbeitgeber, aber doch noch auf viele und in einem solchen Umfeld ist es halt sehr schwer zu lernen, anderen Meinungen und Ansichten einen Raum zu geben, die eigenen Meinungen und Ansichten zu reflektieren und zu hinterfragen, sich die Offenheit zu bewahren, die für eine demokratische Gesellschaft notwendig wäre. Viel mehr suchen wir uns unsere Autoritäten, die, die uns unsere Meinung vorgeben, die wir dann verteidigen, weil wir sie für richtig halten. Oder wir bilden uns einfach gar keine Meinung, schwimmen mit im Schwarm und wundern uns dann, wenn der Schwarm plötzlich gegen eine Wand prallt und wir selbst dann eben auch gegen diese Wand prallen.

Heute habe ich auf Youtube ein Video gesehen – eine Sendung vom 3Sat – in der es um Hannah Arendt und um Kant ging. Und die Aussage, dass wir zwar im privaten Denken können, aber diese Gedanken dann im öffentlichen Raum diskutiert werden müssen, die gefiel mir. Sie ist wahr, weil wir in unseren Gedanken immer nur auf unser eigenes Wissensnetz zurückgreifen können, immer nur auf unsere Erfahrungen, auf all die Verknüpfungen in unserem Gehirn, die sich über die Jahre aufgebaut haben, aber eben nicht auf die Wissensnetze der anderen Menschen. Das können wir nur, wenn wir unsere Meinungen und Gedanken dann auch mit der Öffentlichkeit teilen. Aber dazu müssen wir mit Kritik umgehen können, müssen offen sein für andere Meinungen, müssen uns selbst reflektieren.

Mein Blog ist so ein Ort, wo ich meine Gedanken der Öffentlichkeit übergebe. Was fehlt, ist der Austausch, die Kritik, die Zustimmung, das Aufzeigen von anderen Möglichkeiten. Er ist möglich, denn die Kommentarfunktion in meinen Blogs war immer offen und wird es auch bleiben. Ich halte den Austausch in einem Blog für notwendig, auch wenn es eher nur noch vereinzelte Kommentare gibt. Was traurig ist, eben aus den Gründen, die ich hier im Artikel aufgeschrieben habe.

10 Mai 2022

10.05.2022: Wenn die DHL nicht klingelt!

Paket von Blume2000

Wisst ihr, ich habe mich ja langsam daran gewöhnt, dass ich hier im Haus ermitteln muss, wo die Pakete von der DHL, Hermes und all den anderen Anbietern liegen, die für uns abgeschickt und hier irgendwo abgegeben wurden. Wenn sie denn abgegeben wurden, wenn der Fahrer sich überhaupt die Mühe gemacht hat, irgendwo im Haus zu klingeln, wenn er es denn schon nicht bei uns macht. Macht der Fahrer oder die Fahrerin das nicht, dann kann ich schon mal ein paar Werktage darauf warten, dass hier der Paketschein per Post ankommt, wo dann darauf steht, in welchem Geschäft ich das Paket dann abholen kann.

Wie oben schon geschrieben, ich habe mich daran gewöhnt, ich erwähne es schon meist gar nicht mehr, ich suche einfach die Pakete zusammen und freue mich, dass es doch irgendwie zu uns gefunden hat. Doch in den letzten Tagen habe ich mich zweimal ordentlich über die DHL geärgert und ja, den Ärger muss ich jetzt hier herauslassen.

Klar habe ich Verständnis für die Paketzusteller*innen. Es werden täglich mehr Pakete und die Tage werden nicht länger. Bedeutet also, dass es da ordentlich viel Stress gibt und bedeutet auch, dass es vielleicht ab und an notwendig ist, die Post wirklich nur bei einem Hausbewohner abzugeben, damit wirklich alle Pakete bis zum Abend ausgeliefert werden können. Mir ist auch bewusst, dass das kein wirklich gutbezahlter Job ist, den die Paketzusteller*Innen da täglich zu erledigen haben, aber als Krankenschwester, Reinigungskraft oder als Pfleger*in bist du halt auch nicht so gut bezahlt, die Menschen machen ihren Job aber dennoch gut und lassen nicht einfach mal eine Patent*in im Stich, nur weil es gerade sehr stressig ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, ich habe Verständnis, aber es hört halt irgendwo auch auf!

Expressbrief

Ich habe letzte Woche Donnerstag bei der Post einen Expressbrief verschickt. Soweit so gut! Hätte ich den Brief normal verschickt, hätte er 1,60 Euro gekostet, für das Express-Dings habe ich 13,50 Euro bezahlt, in der Annahme, dass dieser dann auch am Folgetag beim Empfänger ist. Deswegen habe ich knapp 12,- Euro mehr bezahlt! Angekommen ist er am Montag. Nicht am Freitag, wo er eigentlich hätte ankommen sollen und auch nicht am Samstag, wenn der Verkehr und so berücksichtigt wird, sondern am Montag. Da wäre er allerdings auch mit großer Wahrscheinlichkeit angekommen, wenn ich ihn normal für 1,60 Euro verschickt hätte. Was soll das? Wozu biete ich etwas an, wenn es dann nur Mehrkosten verursacht, aber keinen wirklichen Mehrwert für den Kunden hat? Ich meine, es hat ja einen Grund, warum ich den Brief per Express verschicke, es hat ja einen Grund, warum ich 11,90 Euro mehr zahle!

Ich bin mir sicher, dass das in vielen Fällen auch funktioniert, aber es muss halt in allen Fällen funktionieren, oder aber ich muss dafür sorgen, dass das zu viel gezahlte Entgelt dann wieder an den Kunden ausgezahlt wird, wenn es eben doch einmal nicht klappt. So ist es eine riesige Frechheit und für Menschen, die sich darauf verlassen, bleibt halt am Ende ein riesiger Unsicherheitsfaktor.

Blumen zum Muttertag

Ausschlaggebend für diesen Artikel hier, ist aber die zweite Sache, über die ich mich geärgert habe. Mein Bruder hat unserer Mutter zum Muttertag Blumen geschickt. Er wohnt nicht in Berlin, konnte also nicht selbst die Blumen bringen. Diese Blumen sind allerdings nicht angekommen. Nicht, weil wir nicht zu Hause waren, das waren wir, sondern weil es wahrscheinlich Samstag war und der Zusteller der DHL mal wieder nicht bei uns geklingelt hat. Er hat aber nicht nur nicht bei uns geklingelt, es war mal wieder einer der Tage, wo er überhaupt nicht geklingelt hat und das Paket in irgendeinen Paketshop gelandet ist! Das Kärtchen für die Abholung kam dann heute – am Dienstag – und dementsprechend sahen dann auch die Blumen aus, die dort im Paket warteten.

Eine Vase mit Blumen die auf einem Tisch steht.

Ich habe Verständnis für vieles, wie ich oben schon geschrieben habe, aber eben nicht dafür, wenn bei einem Paket, wo groß darauf steht, dass da Blumen drin sind, nicht einmal der Versuch unternommen wird, dieses zuzustellen! Soviel Fingerspitzengefühl sollte ein Zusteller schon haben, dann soll er halt den Klositz nicht zustellen, dafür aber die Blumen, die für den Muttertag am nächsten Tag gedacht sind. Wenn dann wirklich niemand zu Hause wäre, auch keiner der Nachbar*Innen, dann wäre das halt Pech für die Empfänger*Innen, aber so hat die Empfängerin halt nicht nur weniger von den Blumen, sie hat auch nicht die Freude am Muttertag, die so ein Blumenstrauß ja vermitteln soll. Es ärgert mich und die DHL kann das halt auch nicht wirklich wiedergutmachen!

Blumenstrauß mit Blumen, die schon nicht mehr so schön aussehen.
6 März 2022

06.03.2022: Meinungsvielfalt

Erinnerungen

Es ist spannend, wie schnell wir bereit sind, Medien zu sperren, die nicht mit der eigenen Meinung oder mit der Meinung der westlichen Medien übereinstimmen. Klar, Russland hat einen Krieg in der Ukraine begonnen und ja, Russland zensiert die Medien im eigenen Land, aber wenn wir uns von einem Staatssystem, wie es in Russland existiert, unterscheiden möchten, dann sollten wir nicht dieselben Mittel anwenden. Eine Demokratie sollte auch dann für die Meinungsfreiheit und für die Vielfalt von Meinungen einstehen, wenn die andere Seite gerade einen Propagandakrieg führt! In einer Demokratie sollten die Menschen die Werkzeuge beherrschen, die es braucht, um Medien richtig einzuordnen. Ist dem der Fall, braucht es keine Verbote für Medien, braucht es keine Einschränkung der Meinungsvielfalt.

Wenn die EU jetzt also etwas braucht, dann sind es starke Bildungsangebote, um die Medienkompetenz der Bürger*innen zu stärken, es braucht jetzt – und das brauchte es vorher auch schon – eine starke Bildungsoffensive, um demokratische Werkzeuge zu vermitteln. Es braucht aber keine Verbote, keine Einschränkung der Meinungsvielfalt!

Verbote unterdrücken meist andere Ansichten, versuchen sie auszublenden, sie nicht in die Meinungsbildung mit einfließen zu lassen und das ist für eine Demokratie sehr problematisch. Auch dann, wenn es sich bei der ausgeblendeten Meinung nur um Propaganda handelt. Verbote zeigen, dass die Regierung der eigenen Bevölkerung nicht zutraut, zwischen richtigen und falschen Nachrichten zu unterscheiden. Sie traut den eigenen Bürger*innen nicht zu, sich eine eigene, ausgewogene Meinung zu bilden.

Ich halte es für falsch, wenn der Staat Medien verbietet. Das war damals bei linksunten.Indymedia so und es ist auch jetzt der Fall, wenn russische Medien – egal wie Staatstreu sie sind – verboten werden sollen. Es hinterlässt immer einen Nachgeschmack und es macht eine Demokratie auch angreifbar, denn am Ende ist es eben doch auch eine Art von Zensur, auch dann, wenn es sich um falsche Informationen handelt. Und wer garantiert, dass diese Verbote wirklich immer nur für Medien genutzt werden, auf denen es um Propaganda und/oder Falschnachrichten geht?

4 März 2022

04.03.2022: Energiekrise

Baumreihe

Der Krieg in der Ukraine verursacht viel Leid bei den Menschen vor Ort, aber auch bei uns sind die Auswirkungen spürbar, wobei die natürlich nicht vergleichbar mit dem Leid der Menschen, der Zerstörung des Landes und der Vernichtung von Leben sind. Ich muss dennoch auf eine Sache eingehen, weil ich echt nur noch mit dem Kopf schütteln kann, wenn ich die Diskussion darüber höre. Es geht natürlich um unsere Energieversorgung, um unsere Abhängigkeiten, die wir in den letzten 20 Jahren hätten verringern können, wo die Politik aber lieber auf die Bremse getreten ist! Es geht um die Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken, es geht um die Diskussion, ob wir weiter Kohle verbrennen sollten, um unsere Energieversorgung zu sichern, die durch den Krieg und durch all die Abhängigkeiten, die wir aufgebaut haben, gerade nicht so sicher ist, wie wir es gerne hätten.

Atomkraftwerke

Die Diskussion über Atomkraftwerke war noch nie wirklich beendet, obwohl der Ausstieg aus eben dieser Energiequelle schon längst beschlossen ist. Befürworter von Atomenergie bringen auch immer wieder irgendwelche Argumente ins Spiel, die zeigen sollen, dass der Weiterbetrieb der Kraftwerke sehr viel sinnvoller wäre, weil zum Beispiel die Brennstoffe noch solange genutzt werden könnten, bis die Strahlenbelastung des Mülls nicht mehr über viele Jahrhunderte ein Problem ist, sondern halt ein paar Jahre weniger. Stark verkürzt, klar, aber für mich wenig überzeugend, ebenso wie die Preisdiskussionen, in welche nie die Folgekosten, die Subventionen oder die Umweltkosten eingerechnet sind. Kurz gesagt, ich halte überhaupt nichts davon, diese Form der Energie weiterhin zu verwenden und meine Meinung wird sich erst dann ändern, wenn all die Probleme, die schon allein durch die Endlagerung entstehen, komplett beseitigt wären. Damit meine ich, dass der Müll, der entsteht, danach sofort keine Gefahr mehr für das Leben auf der Erde darstellt!

Aber gut, darüber lässt sich streiten und das ist auch absolut okay. Nicht streiten lässt sich aber darüber, dass diese Atomkraftwerke im Kriegsfall eben auch potenzielle Ziele sind! Heute bin ich mit der Nachricht aufgewacht, dass die russische Armee auf das größte Atomkraftwerk in Europa geschossen hat und dass es dort einen Brand gab. Ich will mir gar nicht vorstellen, was ein Super-GAU eines solchen Kraftwerkes in ganz Europa anrichten würde und deswegen stellt sich mir hier nur die Frage, warum wir solche attraktiven Ziele weiterhin betreiben sollten? Es wäre absoluter Wahnsinn, weswegen wir den Ausstieg aus dieser Energieform beibehalten sollten und viel wichtiger: Wir sollten unsere europäischen Nachbarn davon überzeugen, ebenfalls mit dem Ausstieg zu beginnen.

Kohlekraftwerke

Von Kohlekraftwerken mag diese direkte Gefahr nicht ausgehen, aber was nutzt es uns, wenn wir jetzt eine sichere Energieversorgung haben, wenn die Generationen nach uns, dann keinen Planeten mehr haben, auf dem sie ein gutes Leben führen können? Wenn wir uns dann noch die Zerstörung von Natur und Lebensraum ansehen, die durch den Kohleabbau entsteht, sollte auch hier klar sein, dass das der absolut falsche Weg wäre, den wir beschreiten sollten.

Der richtige Weg wäre jetzt, unsere Kräfte in den Ausbau von erneuerbaren Energien zu stecken. Wir sollten jetzt endlich all das nachholen, was wir in den letzten Jahrzehnten verschlafen haben und damit die Energiesicherheit in Europa herstellen. Damit würden wir aus der aktuellen Energiekrise herauskommen und wir würden gleichzeitig in die Zukunft der nächsten Generationen investieren.

Und klar brauchen die Anlagen, mit denen erneuerbare Energie gewonnen wird, auch Platz, aber es gibt auch noch genügend Häuserdächer oder Autobahnen, wo Solaranlagen installiert werden könnten. Ein paar Windräder zerstören die Natur weniger, als es ein Tagebau tut, in welchem Kohle abgebaut wird und dort, wo ein solcher Tagebau schon die Natur zerstört hat, könnten Unterwasserkraftwerke gebaut werden, die dann in den Seen, die dort entstehen, Energie erzeugen. Über diesen Weg sollten wir jetzt diskutieren, gerne auch darüber, ob diese Infrastruktur überhaupt durch private Unternehmen aufgebaut werden muss, oder ob wir das nicht als gesellschaftliche Infrastruktur sehen sollten, dann natürlich mit einem vergesellschafteten Energiesektor, wo die Gewinne dann eben nicht in private Taschen fließen, sondern der Gesellschaft für neue Projekte zur Verfügung stehen.

Wie ich unsere Politiker*innen aber kenne, werden wir uns nicht für den zweiten Weg entscheiden. Sie werden argumentieren, dass die Kosten dafür derzeit zu hoch wären, dass sie zwar eine unvorstellbare Menge an Geld in das Militär stecken können, aber für die Zukunft der nächsten Generationen kein Geld da ist. Und dann werden sie einen Weg einschlagen, der – um es mit ihren Worten zu sagen – alternativlos ist, weil es einfach nicht gewollt ist!

27 Februar 2022

27.02.2022: Krieg

Tasse Cappucino mit Herz

In Europa ist Krieg. Damit schreibe ich nichts Neues und wahrscheinlich wurde es in den letzten Tagen schon so verdammt oft aufgeschrieben. Krieg in der Ukraine, bei dem wir eigentlich nur zuschauen können, weil ein Eingreifen dazu führen könnte, dass die Welt zu einem Atomgrab wird, weil Russland, die USA und all die anderen Atommächte ihre Atombomben einsetzen. Dieses Entsetzen und diese Machtlosigkeit, die sich daraus ergibt, weil Aggressoren einfach agieren können und die Welt zuschauen muss, wenn sie eine Zukunft haben möchte. Dieses Wissen, dass das Leid, was da gerade über Millionen von Menschen gebracht wird, nur durch eine Bevölkerung gestoppt werden kann, die entweder an das glauben, was ihr Präsident ihnen sagt oder die schon seit Jahrzehnten mit Repressionen kämpfen, die schon seit Jahrzehnten Angst haben müssen um ihre Freiheit und um ihr Leben.

Wir können eigentlich nur noch abwarten, können nicht eingreifen, können nicht verhindern, was in der Ukraine passieren wird. Zumindest können wir das jetzt nicht mehr, vielleicht gab es mal ein Zeitfenster, in welchem wir Russland hätten einbinden können, in welchem eine freundschaftliche Beziehung hätte aufgebaut werden können. Eine Beziehung ohne Waffen, ohne Drohung, ohne die Aufteilung in Blöcke von Gut und Böse. Darüber müssen wir uns Gedanken machen, weil wir nur so aus Fehler lernen können und weil wir nur so die Chance haben, das nächste Zeitfenster zu nutzen, wenn es sich denn noch einmal ergeben sollte.

Das ändert natürlich nichts daran, dass die Aggressionen, dass der Angriffskrieg jetzt von Russland ausgeht! Nein, es ist nicht nur Putin, auch wenn es einige auf ihn beschränken möchten. Es ist der gesamte Staatsapparat, der da mitmacht, die Armee, die Polizei, die Politiker und natürlich auch ein Teil der Bevölkerung, die der Propaganda glauben, die glauben, dass Russland aggressiv und hart auftreten muss, um Respekt aus dem Ausland zu bekommen.

Dennoch glaube ich daran, dass wir im Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung die Weichen in eine andere Richtung hätten stellen können. Nein, wir hätten sie in eine andere Richtung stellen müssen, haben es aber nicht getan, sondern haben ziemlich schnell wieder damit angefangen, in Blöcken zu denken, die Welt weiterhin in Gut und Böse einzuteilen. Wobei wir wahrscheinlich nicht wieder damit angefangen haben, wir haben wahrscheinlich nie damit aufgehört! Damit haben wir unnötig Türen verschlossen, haben Richtungen vorgegeben und heute stehen wir wieder vor einem Abgrund, vor denselben Abgrund, vor dem wir schon einmal standen, sind also praktisch im Kreis gelaufen.

Ich meine, wir müssen da ja nicht einmal wirklich nach Russland schauen, wir können ja auch bei uns bleiben. Die Rechten und Rechtsextremen werden auch in Deutschland wieder mutiger, werden wieder Teil der gesellschaftlichen Mitte und wenn sie es irgendwann wieder schaffen, die Macht durch demokratische Wahlen zu übernehmen, dann können auch diese Kräfte den Staat und seine Institutionen wieder nutzen, um die Welt und die eigenen Bürger*innen zu terrorisieren. Wir sollten das im Blick behalten, sollten uns bewusst sein, dass auch unsere Demokratie nicht naturgegeben ist und wir unsere demokratischen Strukturen eigentlich in den letzten Jahrzehnten hätten ausbauen und stärken müssen, damit die demokratischen Entscheidungen von immer mehr Menschen hätten getroffen werden können. Dadurch hätte sich die Macht verteilt, würde nicht mehr auf wenige Menschen konzentriert sein – oder auf einen Menschen, wie jetzt in Russland – sondern sie wäre auf alle Menschen verteilt.

Mir gehen diese Gedanken durch den Kopf, weil wir das Abdriften ja auch in der EU beobachten können. In Polen zum Beispiel oder in Ungarn. Auch die Türkei driftet immer mehr ab, weil repräsentative Demokratie nur solange funktioniert, solange alle Teilnehmer nach demokratischen Spielregeln spielen und das auch, nachdem sie die demokratische Wahl gewonnen haben.

Ich habe darüber schon vorher nachgedacht, habe darüber schon vorher hier geschrieben, aber vielleicht zeigt uns dieser Abgrund, vor dem wir derzeit stehen, doch noch einmal deutlich, dass wir unsere Demokratie weiterentwickeln sollten, wir auch das Blockdenken überwinden müssen, wir die Macht von wenigen auf allen Schultern verteilen sollten.

Das hilft jetzt natürlich den Menschen in der Ukraine nicht. Menschen, die ihre Zeit jetzt in U-Bahn-Schächten oder Bunkern verbringen müssen, weil irgendwo anders ein Mensch seine Machtphantasien, seine Aggressionen auslebt und mit Bomben um sich wirft. Da hilft die Vergangenheit wenig, wenn gerade die Zukunft in Gefahr ist. Aber das geht halt mit Texten nicht, es geht auch mit Demos nicht. Derzeit können wir nur hoffen, dass wir nicht in den Abgrund fallen, vor dem wir stehen und können nur hoffen, dass in der Ukraine nicht zu viel Blut vergossen wird, dass die Menschen dort nicht zu viel Leid ertragen müssen. Müssen hoffen, dass sich noch einmal die Chance ergibt, eine Gesellschaft zu entwickeln, in der alle Menschen weltweit in Frieden und Freiheit leben können. Bis dahin können wir nur solidarisch mit all den Menschen sein, die das derzeit noch nicht können.

30 Dezember 2021

30.12.2021: Mal wieder das Thema Armut … 2021

Geld

Eigentlich wollte ich mir den Artikel ersparen, weil ich letztes Jahr schon über Armut geschrieben habe und weil es im letzten Jahr schon niemanden interessiert hat, was ich dort überhaupt aufgeschrieben habe. Es ist so belastend, wenn Armut nicht gesehen wird, wenn sie nicht mitgedacht wird, weil Politik bestimmt ist von Menschen, die noch nie in Armut gelebt haben, die nicht wissen, wie es ist, monatelang ohne Strom zu leben oder eben nicht zu wissen, wie am Ende des Monats noch der Hunger gestillt werden kann. Die kennen die Ängste nicht, können sie nicht greifen und kommen dann eben sehr arrogant rüber, wenn sie der Meinung sind, dass die armen Menschen dann halt verzichten müssen, wenn wieder Gesetze beschlossen werden, bei denen sie nicht mitgedacht werden und welche die Armut noch weiter verschlimmern. Dass diese Ängste dann von anderen politischen Akteuren missbraucht werden, um Stimmung gegen eine eigentlich gute Sache zu machen, braucht da niemanden zu wundern, denn wer Armut nicht mitdenkt, denkt halt auch die vielen Millionen Menschen nicht mit, die irgendwie mit dieser Armut leben müssen.

Energiewende

Ein schönes Beispiel hierfür ist die Energiewende! Ich glaube, bei keinem anderen großen Transformationsprojekt, wäre es so einfach gewesen, einen sozialen Ausgleich zu schaffen. Wenn Armut mitgedacht werden würde, dann hätte die Politik nicht nur die Energiewende beschlossen, sondern sie hätte gleichzeitig Sozialtarife eingeführt, bei denen die unteren Einkommen von der EEG-Umlage und vielleicht auch von der Ökosteuer befreit gewesen wären. Dass das mit der Befreiung ja irgendwie geht, hat sie ja bei energieintensiven Industrien gezeigt, die die Energiewende irgendwie nicht wirklich mitfinanzieren müssen.

Einen solchen Sozialtarif gab es aber nicht, genauso wenig wie es eine Unterstützung dabei gab, die alten Elektrogeräte durch neuere zu ersetzen, damit der Energiebedarf hätte gesenkt werden können. So sind nicht nur die Energiepreise in den letzten Jahren explodiert, sondern es gab für Haushalte mit niedrigem Einkommen auch nie die Möglichkeit, durch den Austausch der alten Geräte, den Energiebedarf zu senken. Die Menschen wurden einfach in Stich gelassen, was natürlich weder Vertrauen für die Energiewende noch für die Politik gebracht hat.

Während Menschen, die über ausreichend Einkommen verfügten, einfach ihre alten Geräte – die sie sowieso irgendwann ausgetauscht hätten – durch neue Geräte ersetzten, mussten Menschen mit geringem Einkommen weiterhin ihre alten Geräte verwenden, wodurch die Preisexplosion hier voll durchschlug! Und wenn es dann zu Stromsperren kommt, dann werden diese Stromsperren zum individuellen Versagen gemacht und den Menschen mit geringem Einkommen wird dann halt erzählt, dass sie doch einfach ihren Energiebedarf senken sollten, wenn sie diesen nicht mehr bezahlen könnten.

Lebensmittel

Und während die Energiewende noch läuft und Menschen, die in Armut leben, die Erfahrung machen mussten, dass sie mit den negativen Folgen – also der Preisexplosion – allein gelassen werden, kommt der nächste Politiker und will im Lebensmittelbereich ein Transformationsprojekt anstoßen. Dass da die Angst groß ist und somit auch die Ablehnung, sollte eigentlich niemanden verwundern, auch wenn das Ziel, welches angestrebt wird, natürlich ein wünschenswertes ist.

Kein Mensch hat etwas dagegen, wenn die Lebensmittel gesünder werden. Niemand hat was dagegen, wenn die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur abnimmt, aber viele haben eben Angst davor, dass sie nach diesem Transformationsprojekt hungern müssen! Und diese Angst dann einfach wegwischen zu wollen, gar versuchen zu wollen, diese in Neid umzudeuten, ist nicht wirklich erträglich! Genauso wenig erträglich ist, wenn Menschen – die wahrscheinlich noch nie in Armut gelebt haben – es als selbstverständlich hinnehmen, dass die Menschen mit geringem Einkommen dann halt auf bestimmte Lebensmittel ganz verzichten müssen, wenn sie sich diese nicht mehr leisten können!

So wird das nicht funktionieren. Weder die Energiewende wird so gelingen, noch wird es so zu Änderungen im Lebensmittelbereich kommen, weil es immer politische Strömungen geben wird, die genau das für sich nutzen, obwohl ihnen die Armen eigentlich genauso egal sind! Und nein, sich dann darüber aufregen, dass die ärmsten der Gesellschaft von anderen politischen Strömungen nur ausgenutzt werden, weil es ihnen gerade in den Kram passt, ist dann auch nicht die Lösung, weil die Lösung wäre eigentlich nur, zu erkennen, dass dies nur möglich ist, weil die eigene Politik die ärmsten Menschen der Gesellschaft immer wieder vergisst!

Damit würde dann aber auch verbunden sein, dass eigene frühere politische Entscheidungen schon komplett falsch waren. Hartz4 zum Beispiel und das damit verbundene Repressionssystem. Hartz4 und der damit verbundene Niedriglohnsektor bringt die Abhängigkeit von billigen Lebensmitteln mit sich, genauso wie das Misstrauen, welches arme Menschen in die Politik haben.

Bringt die Themen zueinander, denkt sie gemeinsam und nicht gegeneinander, dann können solche großen Transformationen auch erfolgreich sein, ohne dass da ein politischer Gegner darauf hinweisen kann, dass das die Ärmsten der Gesellschaft am härtesten trifft.

Ungesunde Lebensmittel

Klar, die günstigen Lebensmittel sind nicht unbedingt die gesündesten, aber sie machen dennoch satt und schützen vor Hunger. Die teurer zu machen, mit einer Steuer auf Zucker oder Salz, würde weder den Bäuer*innen helfen, noch würde es die Gesundheit der ärmsten Menschen in der Gesellschaft deutlich verbessern, denn ein höherer Preis bedeutet nur, dass sie noch weniger Lebensmittel kaufen können und dann am Ende des Monats halt hungern. Eventuell explodiert dann auch der Zulauf zu den Tafeln, was am Ende des Tages dann wohl auch bedeuten würde, dass es auch dort nicht (mehr) genügend Lebensmittel für alle gibt, die darauf angewiesen wären.

Und ob Bäuer*innen wirklich davon profitieren, wenn Lebensmittel teurer werden, wäre auch noch die zweite Frage, denn wir leben immer noch in einem kapitalistischen System, in welchem es darum geht, möglichst viel Profite zu machen und da wird ein großer Betrieb auch dann immer noch Vorteile haben, wenn die Preise für Lebensmittel steigen!

Ich schweife ab und mache deswegen jetzt hier an der Stelle Schluss. Ich weiß nicht, ob ich jetzt wirklich aufgeschrieben habe, was ich aufschreiben wollte, aber das musste jetzt noch raus vor dem Jahreswechsel.