7 November 2022

07.11.2022: Auf den Straßen kleben – Klimaprotest

Radfahren in Berlin

Ich schreibe ja immer etwas verspätet über Themen, die gerade die Gesellschaft so beschäftigen. Ich muss die meist erst einmal sacken lassen, muss die verschiedenen Eindrücke auf mich einwirken lassen und irgendwann kommt dann der Impuls, dass ich etwas schreiben muss. So auch bei den Klimaaktivisten, die jetzt dafür verantwortlich gemacht werden sollten, dass die Hilfe für eine Person verspätet kam, weil sie durch ihre Aktion einen Stau verursacht haben. Die Klimaaktivist*Innen selbst schreiben, dass damit eine Grenze überschritten ist, und weißen darauf hin, wer eigentlich die Schuld trägt und warum nicht die Klimaaktivist*Innen selbst. Ich glaube, dieser Artikel war diesmal der Impuls, warum ich auch etwas dazu schreiben muss.

Der Einstieg in diesen Text wird jetzt ziemlich holprig, denn natürlich tragen die Klimaaktivist*Innen mit ihrer Aktion auch eine Verantwortung dafür, wenn Rettungskräfte nicht ganz so schnell beim Einsatzort sind, wie sie es eigentlich sein könnten. Sie sind ja der Auslöser für den Stau und sie wissen ganz genau, dass es da genügend Autofahrer*Innen gibt, die nicht gewillt sind, eine Rettungsgasse zu bilden. Sie wissen das, tragen aber auf gar keinen Fall die Verantwortung dafür, dass sich die Autofahrer*Innen nicht an die Regeln halten! Dennoch tragen natürlich auch die Aktivist*Innen eine Verantwortung und eine Mitschuld, wenn dann an anderer Stelle Menschenleben nicht gerettet werden können. Hier sollten es sich die Aktivist*Innen nicht zu einfach machen, wenn sie dann auf das Versagen und die Verantwortung der anderen Verkehrsteilnehmer hinweisen!

Aber kommen wir nicht alle einmal in solche Situationen? Ich meine, ein Rettungseinsatz ist nicht vorhersehbar und wenn wir der Logik der Presse folgen, dann wäre Protest eigentlich gar nicht mehr möglich. Eine Demo, für die mehrere Straßen gesperrt sind, sorgt auch dafür, dass die Rettungskräfte im Notfall Umwege fahren müssen. Ein Marathon, der mitten in der Stadt stattfindet, ebenso. Der Radfahrer, der bei Grün unbedingt die Kreuzung überqueren muss, obwohl er den Rettungswagen mit Blaulicht hört und sieht, kann auch dafür sorgen, dass der Rettungswagen die Minute verliert, die über Leben und Tod entscheidet. Es gebe da so viele Dinge, wo Menschen ebenso wissen, dass das Risiko besteht, dass die Rettungskräfte im Notfall eben die entscheidenden Minuten verlieren. Werden aber die Veranstalter*Innen von Sportveranstaltungen verteufelt? Ich meine, diese tragen genau dieselbe Verantwortung wie die Klimaaktivist*Innen, wenn am Ende des Tages der Rettungswagen nicht pünktlich am Einsatzort ist. Oder Baustellen, Straßensperrungen, falsch parkende Autos? Die zugestellte Feuerwehrzufahrt? Defekte Wasserleitungen?

Ich weiß gar nicht, was ich da noch alles aufzählen könnte, und dabei habe ich die Klimaveränderung noch gar nicht erwähnt, also die Krise, gegen die die Aktivist*Innen kämpfen. Tragen wir nicht alle die Verantwortung für die Menschen, die in der Zukunft an den Folgen der Klimaveränderung sterben werden? Warum wird das nicht durch die Presse thematisiert und skandalisiert? Sind diese Menschenleben nicht greifbar, weil sie in der Zukunft liegen? Weil es vielleicht Menschen betrifft, die heute noch gar nicht geboren sind oder deren Sterben wir gar nicht mitbekommen, weil wir schon vorher gestorben sind?

Es klappt nicht, hier den moralischen Zeigefinger auf die Klimaaktivist*Innen zu richten, wenn wir als Gesellschaft nicht in der Lage sind, die Krise, die von den Klimaaktivist*Innen in den Brennpunkt geholt wird, zu bekämpfen. Vielmehr soll es eine Ablenkung davon sein, dass wir selbst unserem moralischen Kompass nicht gerecht werden, dass wir selbst täglich Entscheidungen treffen, die Menschenleben gefährden. Vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht in der näheren Umgebung, aber doch irgendwann und/oder irgendwo.

Ob die Protestform am Ende etwas verändert, das ist eine andere Frage. Die ist aber nicht hier und auch nicht jetzt zu beantworten, weil dies nur rückblickend geschehen kann. Vielleicht deutet aber der permanente Versuch, diese Protestform zu kriminalisieren und die Aktivist*Innen ins schlechte Bild zu rücken, auf die Möglichkeit hin, dass diese Protestform erfolgreich sein könnte. Vielleicht ist das negative Framing, welches die Klimaaktivist*Innen über sich ergehen lassen müssen, ja genau der Hinweis darauf, dass die Politiker*Innen Angst davor bekommen, dass sich in der Gesellschaft doch etwas verschieben könnte.

29 Oktober 2022

29.10.2022: Armut und Teilhabe – Gut gemeint, schlecht formuliert …

Hach, es gibt so vieles in der Welt, über das ich jetzt schreiben könnte, weil es mich aufregt, aber ich möchte jetzt auf was ganz Banales eingehen. Ich möchte es deswegen ansprechen, weil es meist gar nicht böse gemeint ist, weil der Blickpunkt ein anderer ist, weil es aber wahrscheinlich zu Missverständnissen führt, die vermieden werden könnten. Als Beispiel nehme ich etwas von Riff Reporter. Erstens weiß ich, dass die das richtig einordnen können und zweitens weiß ich, dass die Menschen dort mit Kritik umgehen und auch darüber reflektieren können. Es geht um Sprache und um Armut.

RiffReporter bietet auf seiner Webseite ein flexibles Abo an. Menschen, die nicht soviel haben, zahlen weniger und andere, die es können, dann eben mehr. Finde ich super, weil dadurch die Zugangsschwelle niedrig gehalten wird, auch wenn sie natürlich immer noch Menschen ausschließt, aber am Ende muss die Arbeit ja auch bezahlt werden, die die Menschen, die hinter RiffReporter stehen, machen. Das ist auch gar nicht das Problem, auf welches ich hinaus will, auch wenn es natürlich ein Problem ist, was aber nicht die RiffReporter lösen können oder müssen, sondern wir als Gesellschaft. Mein Problem ist die Formulierung, die vor der Auswahl des Abopreises steht:

„Mit dem Riff-Abo alle bezahlpflichtigen Artikel unbegrenzt lesen. Mit dem Schieberegler bestimmen Sie mit, wie viel Ihnen unsere Arbeit wert ist. Das Abo ist monatlich kündbar, der angezeigte Preis gilt pro Monat.“

RiffReporter

Ist mir die Arbeit nur 8,- Euro wert?

So so, mit dem Schieberegler bestimme ich also mit, wie viel mir die Arbeit wert ist? Das schreckt mich ab, denn mir ist die Arbeit von den RiffReportern mehr wert als die 8,- Euro, die ich mir gerade so leisten könnte. Aber wenn ich mit dem Abopreis, den ich wähle, eine Wertung abgebe, ich also bewerte, wie viel mir die Arbeit wert ist, dann sollte ich das mit dem Abo vielleicht doch lassen, weil diese Wertung möchte ich so nicht abgeben. Ja, so denke ich, wenn ich eine solche Formulierung lese und noch schlimmer, ich würde mich jetzt sogar schämen, mir ein Abo zum Minimal-Preis zu holen, weil ich damit ja zeigen würde, dass mir die Arbeit nicht mehr wert ist, als der Mindestpreis.

Ich bin mir sicher, dass das nicht die Absicht hinter dem Text ist, aber er vermittelt ein Schamgefühl und wenn ich das Abo abschließe, dann wissen die Menschen bei RiffReporter sogar, wer ich bin. Dabei würde ich ja eigentlich mit dem Abo gerne zum Ausdruck bringen, dass ich die Arbeit wertschätze und ich mit meinem Beitrag – der zwar das Minimum von dem ist, was möglich ist – genau diese Arbeit unterstützen möchte.

Das schreckt ab, schon weil Menschen ja etwas von sich preisgeben, wenn sie den Minimalbeitrag wählen. Sie sagen, dass sie nicht viel Einkommen haben, sie zeigen, zu welcher wirtschaftlichen Schicht sie gehören, sie machen sich damit verletzbar. Wenn dann noch so ein Text dazu kommt, der hier ein Schamgefühl auslöst, der suggeriert, dass ich mit meinem Beitrag eine Wertung über die Arbeit abgebe, ja dann wird es schwierig.

Was ich damit sagen möchte – und das gilt nicht nur für die Formulierung beim RiffReporter – passt auf bei euren Formulierungen. Es ist super, wenn ihr möglichst viele Menschen an etwas teilhaben lassen wollt, aber wenn ihr sie dann mit Formulierungen, die ein negatives Gefühl auslösen, wieder abschreckt, hat keiner einen Vorteil davon. Und ja, das gilt auch im Fediverse, wenn es zu Spendenaufrufen für die Admins kommt. Die sind richtig und wichtig, aber sie sollten so formuliert sein, dass sich Menschen, die nichts geben können, nicht ausgeschlossen fühlen.

18 Oktober 2022

18.10.2022: Webring – Kurz angemerkt

Hach, wer das Internet noch von früher kennt, der kennt auch noch den Webring. Ein kleiner Service, in welchen sich Blogger mit ihrem Blog eintragen können, dann auf ihren Blog ein paar Links setzen und so auf einen Blog im Ring vorher und auf einen Blog im Ring danach verweisen. Interessierte Menschen können dann von Blog zu Blog durch den Ring springen und dabei vielleicht auch ein paar neue Blogs entdecken.

Gut, es sollte kurz werden. Deswegen: Es gibt so einen Webring wieder, ich habe mich da angemeldet, vielleicht wollt ihr auch. Hier der Link zum Webring https://uberblogr.de/ und hier habe ich es gefunden –> https://alphathiel.de/ein-webring-sie-alle-zu-knechten/

15 Oktober 2022

15.10.2022: Mobilitätshürde

Damals, Ende 2000 und in den ersten Monaten des Jahres 2001, habe ich ein Praktikum beim Saturn hier am Alexanderplatz gemacht. Ich war damals 18, hatte mich davon verabschiedet, eine Ausbildung zum Koch machen zu wollen, wusste aber noch nicht, was ich denn dann anderes machen möchte. Es wurde dann eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel – Fachrichtung Großhandel. Aber das soll nicht das Thema sein, denn ich erinnere mich an dieses Praktikum, weil ich damals des Öfteren kein Geld hatte, um mir eine Fahrkarte zu kaufen, damit ich zu meiner Praktikumsstelle fahren konnte. Heißt, ich musste mich entscheiden, ob ich ohne Fahrschein fahre oder ob ich von meinem Wohnort aus zum Alexanderplatz laufe. Ein Fahrrad hatte ich damals nicht, diese Alternative stand mir also nicht zur Verfügung.

Mit dem ÖPNV hätte ich damals jeweils 20 Minuten hin und auch wieder zurück gebraucht, zu Fuß brauchte ich mindestens eine Stunde hin und auch wieder zurück. Es ging also um 40 Minuten Fahrzeit oder um 2 Stunden Gehzeit, zwischen denen ich mich damals immer entscheiden musste. Und so ein Praktikum habe ich ja auch nicht zum Vergnügen gemacht, sondern um den richtigen Weg für meine Zukunft zu finden.

Mir fiel das wieder ein, weil ich gestern ein wenig die Diskussion um das 49,- Euro Ticket verfolgt habe. 49,- Euro, um einen ganzen Monat mit dem ÖPNV durch ganz Deutschland zu fahren. Ich hätte mir damals auch so ein Ticket nicht leisten können, was ja auch ein Kritikpunkt in der Diskussion um dieses Ticket ist, aber es ist auf jeden Fall ein riesiger Schritt beim Thema Mobilität. Es eröffnet Möglichkeiten, die viele bisher nicht hatten. Wege, um sich eine Zukunft aufbauen zu können, die bisher versperrt waren, weil die Mobilitätshürde einfach zu hoch war.

Das gilt nicht für alle, das ist richtig und muss auch thematisiert werden, aber es gilt für einige, ist für einige Menschen also eine deutliche Verbesserung und somit ist es auch ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein Schritt, der Ende 2021 noch undenkbar war, der jetzt innerhalb eines Jahres gegangen wurde, weswegen er nicht perfekt sein kann, weswegen er auch nicht perfekt sein muss!

Natürlich muss jetzt auch der ÖPNV ausgebaut werden, natürlich muss es noch Lösungen für Menschen geben, die sich auch dieses Ticket nicht leisten können, alles richtig. Auch richtig ist, dass das Ticket derzeit noch keine große Hilfe für Menschen ist, die auf dem Land leben, weil dort der ÖPNV nicht wirklich gut ausgebaut ist. Dafür wird es auch Konzepte geben müssen, aber das sind die nächsten Schritte, die gegangen werden müssen.

Wie schon erwähnt, ich hätte mir damals auch kein 49,- Euro Ticket leisten können, das Geld wäre einfach nicht da gewesen und da sind wir dann beim Thema Chancengleichheit. Die Ermöglichung von Mobilität ist also auch eine Verbesserung der Chancengleichheit. Deswegen ist es wichtig, dass hier auch die Mobilität für Menschen ermöglicht wird, die von Armut betroffen sind, die sich auch ein 49,- Euro Ticket nicht leisten können. Genauso wichtig ist es, dass das Ticket ohne große Hürden vergeben wird, Hürden wie zum Beispiel die Bonitätsprüfung eine ist. Damit will niemand das Ticket madig reden, es ist nur ein weiterdenken, was viele, für die sich schon jetzt eine riesige Welt an Möglichkeiten eröffnet, leider vergessen.

Ich habe mich früher übrigens meistens dazu entschieden, den Weg zu laufen. Es war zwar Winter, es war kalt, aber es war immer noch besser, als sich die 60,- DM Strafe abzuholen, die damals für das Schwarzfahren fällig waren.

25 August 2022

25.08.2022: Beim Schauen von Serien …

Erinnerungen

Na, welche Serien habt ihr früher gerne geschaut? Schaut ihr sie heute immer noch gerne?

Ich frage, weil ich immer wieder feststelle, dass ich Serien, die ich vor 20 Jahren gerne gesehen habe, heute nur noch zum Kotzen finde. FRIENDS zum Beispiel! Früher habe ich sie gerne geschaut, konnte darüber lachen, heute finde ich den Inhalt grauenvoll, brauche meist nur zwei Minuten, um mich über die Klischees und Vorurteile aufzuregen, die in der Serie verarbeitet werden, und schalte dann relativ schnell wieder weg. Eigentlich positiv, zeigt es doch, wie stark sich Menschen doch verändern, wie sich Humor und Geschmack verändert, wie sich auch die Bildung verändert.

Dann gibt es Serien, die kann ich einfach nicht mehr sehen, weil es eigentlich immer dasselbe ist und weil es bestimmte Dinge verherrlicht, die gar nicht so herrlich sind. NavyCIS ist so eine Serie. Nicht nur, dass sich hier eigentlich immer wieder alles wiederholt, es wird auch immer wieder aufgezeigt, dass die Agent*Innen halt ab und an auch Grenzen überschreiten müssen, um zum Ziel zu kommen und dass dieser Grenzüberschritt auch gar nicht so schlimm ist, weil es ja zur inneren Sicherheit beiträgt. Kurz gesagt, hier sollen Menschen darauf geprägt werden, dass es halt ab und an nicht so schlimm ist, wenn Rechte von Journalist*Innen eingeschränkt werden, wenn Bürger*Innenrechte eingeschränkt werden, weil es ja nur geschieht, um ein höheres Ziel – nämlich Gerechtigkeit – zu erreichen. Mich ekelt das häufig nur noch an, weswegen ich für viele ein Störfaktor beim Serienschauen bin.

Und es macht Klick …

Eben hatte ich dann beim Schauen einer Serie den Moment, wo meine positive Stimmung ins Negative kippte. „Last Man Standing“ heißt die Serie und es ging um einen Konflikt in der Familie. Konflikte sind ja erst einmal nichts Negatives, gehören dazu und können alle Beteiligten weiterbringen. Aber hier war ich dann jetzt doch geschockt, weil die Lösung des Konflikts einfach nur aussagte, dass die Erwachsenen schon wissen, was sie tun, Jugendliche dies noch nicht verstehen könnten und sie das als Jugendliche einsehen muss. *KLICK*

Genau ging es um Fracking. Die Mutter hat wohl einen Job bei einem Frackingunternehmen angenommen, die Tochter fand das grauenvoll und wollte, dass die Mutter den Job wieder kündigt.

Der Vater fand grauenvoll, dass die Tochter es grauenvoll fand, wie die Mutter ihr Geld verdient, wollte das die Tochter sich entschuldigt, die wollte nicht und so nahm die Geschichte ihren Lauf. So den Standard-Verlauf, wenn ich es mal so nennen darf:

Tochter zieht in den Garten ins Zelt, weil sie beweisen möchte, dass ihr ihre Ansichten und Standpunkte wichtiger sind, weswegen sie auf Energie verzichtet und was sie durchhalten möchte, bis die Mutter ihren Job gekündigt hat. Der Vater wendet billige Tricks an, um ihr zu zeigen, dass ihre Standpunkte blöd sind, die Tochter widersteht ein paar Stunden, dann kommt sie zurück ins Haus und entschuldigt sich.

Aber wofür entschuldigt sie sich eigentlich? Dafür, dass sie eigene Haltelinien hat, eigene moralische Vorstellungen, über welche sie gerne diskutieren möchte? Dafür, dass sie noch eine Jugendliche ist und sie das Handeln der Erwachsenen infrage gestellt hat?

„Mach uns keine Vorwürfe, weil wir deine Gegenwart finanzieren, indem wir deine Zukunft zerstören!“

Klar, Strom kommt nicht einfach so aus der Steckdose, er wird irgendwie erzeugt, genauso wie die Wärme zum Heizen, aber aus dieser Tatsache ergibt sich ja nicht, dass die Jugendlichen – wenn sie denn weiterhin Strom verwenden möchten – nicht hinterfragen dürfen, wo die Energie herkommt. Sie dürfen es, sie dürfen auch mit ihren Eltern darüber streiten, ob – wie in diesem Fall Fracking – sie den richtigen Job haben. Bedeutet ja nicht, dass die Mutter wirklich gleich ihren Job kündigen muss, bedeutet aber, dass es eine gesunde Diskussions- und Streitkultur geben muss in der Familie.

In meinem Kopf hätten die sich also an einen Tisch gesetzt, die Tochter hätte ihre Bedenken und Einwände vortragen können, die Eltern ihre Positionen. Am Ende hätten alle etwas gelernt, die Tochter hätte wahrscheinlich nicht mehr darauf bestanden, dass die Mutter ihren Job sofort kündigt, die Mutter hätte eventuell eingesehen, dass das Fracking vielleicht doch nicht das geringere Übel ist. Vielleicht hätten sie sich auch noch einmal darüber ausgetauscht, ob Solarenergie wirklich zu kostenintensiv ist und ob Windräder wirklich so schreckliche Vogelmörder sind, was in der Szene auch eben mal in zwei Sätzen vermittelt wurde.

Für mich sollten Familien aber auch eher ein demokratischer Ort sein. Kein Ort, wo die Eltern immer recht haben und die Kinder das nach einer kurzen Trotzphase dann auch einsehen, so wie es in vielen Serien dargestellt wird, so wie es auch in dieser Szene wieder dargestellt wurde.

Sicher, diese Szene gibt auch so generell wieder, wie es in unserer Gesellschaft läuft. Wenn junge Menschen für ihre Ideale kämpfen, werden diese Ideale meist abgewertet, wird verlangt, dass sie doch erst einmal richtig arbeiten sollten, wird unterstellt, dass sie noch nicht genügend Erfahrungen haben, um überhaupt schon Ideale besitzen zu können. Und ja, es ärgert mich immer mehr, dass genau diese Vorstellungen in Serien immer wieder verbreitet werden!

Erfahrungen sammeln junge Menschen auch dann, wenn sie für ihre Ideale kämpfen und wenn sie dabei nicht immer wieder ausgebremst werden, dann könnte sich daraus sogar auch ein positiver Effekt für unsere Demokratie entwickeln, aber dann könnte sich ja das Leben der alten Menschen verändern, die aber meist nicht mehr bereit sind, sich für Neues zu öffnen und ihre eigenen Ansichten zu hinterfragen.

16 August 2022

16.08.2022: Was für ein Horror-Montag!

Was für ein Horror-Montag! Horror, Horror, Horror!

Der Tag fing eigentlich gut an in Rostock. Pünktlich aufgestanden, pünktlich losgefahren, kein Stau auf der Autobahn nach Berlin, alles super. In Berlin angekommen, ging auch noch alles gut. Gut, ich habe kurz eine extra Runde mit dem Auto fahren müssen, weil ich an einer Stelle zu spät bemerkt habe, dass ich hätte abbiegen müssen, aber ist ja nicht weiter schlimm. Also schon, für das Klima ist jeder Extrakilometer nicht so gut, aber das ist ein anderes Thema.

Unterwegs war ich mit einem Kastenwagen, mit dem ich am Donnerstag der letzten Woche nach Rostock gefahren war, um dort einen Auftrag zu erledigen. Der lief übrigens auch super, Rostock war schön, super Wetter, viele Menschen und ich durfte dort Fahrrad fahren. Genau gesagt ein Lastenrad für Promotionzwecke, aber damit habe ich kein Problem. Ich weiß, andere haben ein Problem mit Werbung, hassen Menschen, die mit Werbung durch die Stadt fahren, aber dazu gehöre ich nicht, ich liebe es, mit dem Fahrrad zu fahren und ja, die Promotion ist halt mit dabei.

Ich war also in Berlin angekommen. Musste noch kurz zum Lager, wo ich das Fahrrad wieder abstellen musste und da passierte mir mein erster Fahrfehler an diesem Tag. Ich nahm mit dem Kastenwagen eine Kurve zu eng, kam dabei auf den Bordstein und habe dabei ein Verkehrsschild mit der oberen Kante des Kastenwagens gestreift. Scheiße, denn der Kastenwagen war natürlich ein Leihwagen und Lackschäden sind ja die Schäden, die immer so extrem hohe Kosten aufrufen, obwohl die meist gar nicht wirklich beseitigt werden. Gut, Lerneffekt, so einen Fehler macht mensch einmal, gerade mit einem Kastenwagen, der ja doch noch einmal deutlich größer ist als ein normaler Transporter und den mensch dann auch nicht allzu oft fährt. Also den Kastenwagen, mit Transportern habe ich weniger Probleme, die bin ich schön öfter gefahren.

Dazu muss ich sagen, dass ich in Berlin ungern mit Autos fahre, die größer sind als PKWs. Transporter gehen noch, besonders weil die meisten – ich nutze hier meist Carsharing – Sensoren haben, die die schwierigen Situationen dann doch noch ein wenig erleichtern. Kastenwagen wollte ich eigentlich nicht unbedingt fahren, aber so für 30 Minuten in der Stadt war es bisher eigentlich okay, wäre es auch nach diesem Fahrfehler noch gewesen, obwohl der mich natürlich auch schon extrem geärgert hat.

Nachdem die Polizei den Schaden dann aufgenommen hatte, das Fahrrad im Lager stand und ich den ersten Ärger verdaut hatte, wollte ich den Kastenwagen zur Leihstation bringen. Knapp 15 Kilometer waren es noch. Also nicht mehr viel Strecke, dann hätte ich den Stressfaktor Kastenwagen wieder abgeben können, hätte mich noch ein wenig über meinen Fahrfehler ärgern können, wäre aber am Donnerstag gleich wieder zum nächsten Auftrag mit einem Kastenwagen aufgebrochen.

Sieben Kilometer vor dem Ziel, Landsberger Allee kurz nach dem Alex, musste ich kurz auf die linke Spur wechseln, um einem stehenden Transporter auszuweichen. Alles super. Hinter mir war ein LKW, der es anscheinend eilig hatte. Hätte mir egal sein können und vielleicht hätte ich auch einfach auf der linken Spur bleiben sollen, aber irgendwie wollte ich wieder auf die rechte Spur, allerdings nicht, damit mich der LKW links überholt. Also ich hätte schon gehofft, dass er noch ein paar hundert Meter wartet, um mich zu überholen, so war es aber an einer Stelle, an der es auch noch eine leichte Kurve gab, wobei Kurve vielleicht übertrieben ist, aber das war wohl einer der Knackpunkte, denn der LKW links kam mir ziemlich nah und so machte ich mit dem Kastenwagen einen Fahrfehler, war zu weit rechts und stieß so mit dem Außenspiegel des Kastenwagens gegen einen parkenden PKW. Der hatte dann keine Rückleuchten mehr und ich hatte rechts einen zerstörten Außenspiegel.

Ich hätte heulen können, zwei Unfälle waren dann doch zu viel, sodass ich auch keinen Meter mehr mit dem Kastenwagen fahren wollte. Musste ich vorerst auch nicht, da ich erst einmal die Polizei – zum zweiten Mal an diesem Tag – rufen musste, damit die den Unfall aufnehmen konnten, damit auch der*die Halter*in des parkenden Fahrzeuges seinen Schaden ersetzt bekommt. In der Stunde, in der ich auf die Polizei warten musste, beobachtete ich den Straßenverkehr, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mir das nur eingebildet hatte mit dem LKW, aber an der Stelle schnitten tatsächlich alle LKWs, die auf der linken Spur fuhren, die Spur und fuhren kurzzeitig auf der rechten Spur, auf der ich auch gefahren bin. Es war also keine Einbildung, der LKW kam mir ziemlich nah. Egal, den Fahrfehler habe am Ende ich gemacht.

Irgendwann kam dann die Polizei, ich war noch ziemlich fertig und so dauerte es eine Weile, bis ich vermitteln konnte, was ich sagen wollte und bis mich die Polizei dann auch verstand. Den Tipp, beim nächsten Mal einfach stur geradeaus zu fahren, fand ich dann doch nicht so hilfreich, weil was wäre wohl passiert, wenn der LKW mich von links angestoßen hätte? Dann wäre vielleicht ein noch größerer Schaden entstanden, vielleicht wären noch nachfolgende Autos in den Unfall verwickelt wurden. Weiß nicht, ob dies die bessere Alternative gewesen wäre, auch wenn ich dann vielleicht nicht die komplette Schuld am Unfall gehabt hätte.

In der Zwischenzeit hatte die Agentur dann auch einen neuen Fahrer geschickt, welcher den Kastenwagen dann zurück zur Leihstation brachte. Ich hätte ihn keinen Meter mehr bewegt, es war einfach nur der Horror und ich bin auch heute noch ziemlich fertig.

Was mich auch fertig macht – was auch der Grund ist, warum ich in Berlin nicht gerne fahre -, ist, dass die Leute immer davon ausgehen, dass das mit dem Überholen immer geht, sobald eine Straße zwei Spuren hat. Mit zwei normalen PKWs wäre es vielleicht auch so, mit einem Kastenwagen und einem LKW dann schon eher weniger! Auch der Polizist sagte mir, dass er sich zwei LKWs nebeneinander an dieser Stelle nicht vorstellen könnte, was ich so nur bestätigen konnte, aber es war ja leider so. Und klar, vielleicht war das im LKW ein Berufskraftfahrer, der täglich mit seinem LKW fährt, aber es sind halt nicht nur Berufskraftfahrer auf der Straße und es wäre halt schön, wenn das auch berücksichtigt wird und dann vielleicht doch auf das ein oder andere Überholmanöver an engeren Stellen im Stadtverkehr verzichtet wird. Es würde das Leben für viele Menschen einfacher machen, aber leider ist das im Straßenverkehr nicht so. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass es von Monat zu Monat aggressiver wird. An der Ampel wird ja gefühlt schon gehupt, wenn der erste Autofahrer nicht schon losfährt, wenn die Ampel von Rot auf Gelb wechselt, es wird geschnitten, die Vorfahrt missachtet und vieles mehr. Aber okay, auch das ist ein anderes Thema.

Am Donnerstag werde ich nun nicht mit dem Kastenwagen als Fahrer zum nächsten Auftrag starten. Ich werde als Beifahrer dabei sein. Derzeit kann ich mir auch nicht vorstellen, überhaupt noch einmal mit einem Kastenwagen zu fahren. Wenn doch, dann habe ich aus dem zweiten Unfall gelernt, dass ich jetzt lieber auf der linken Spur bleibe, wenn ich wieder an solch eine enge Stelle komme. Dann können immer noch Unfälle passieren, weil es dann wieder Menschen geben wird, die unbedingt rechts überholen müssen, aber am Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer kann ich halt nicht viel ändern.

12 Juli 2022

12.07.2022: Solidarität oder Putin

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Leute, ich bin genervt! Wir wissen jetzt doch inzwischen alle, dass die Energieabhängigkeit von Russland scheiße ist. Wir hätten es alle auch schon vorher wissen können, wir hätten in den letzten 20 Jahren ordentlich in erneuerbare Energien investieren können, hätten die Forschung für Speichertechnologien finanziell unterstützen können, haben wir aber nicht! Das ist aber kein Grund, jetzt darüber nachzudenken, die Kernkraftwerke weiter laufen zu lassen. Ich schrieb das schon, als dieser Vorschlag zum ersten Mal aufkam, also vor vier Monaten. Seither wurde viel geredet, die Politik hat auch ein wenig was an Gesetzen geändert, aber sehr viel mehr ist dann doch nicht passiert.

Klar, es gibt jetzt nicht unbedingt viele Fachkräfte auf dem Markt, die mal schnell auf allen Dächern, wo es möglich wäre, Solarzellen installieren können. Und ja, wir werden bis zum Winter nicht unabhängig von Gas sein, aber könnten wir vielleicht doch aufhören vor Angst zu erstarren, weil Putin das Gas hat, was wir im Winter brauchen könnten? Könnten wir damit aufhören und vielleicht ein wenig Stärke und Willen zeigen? Den Willen, die Unabhängigkeit von russischen Energieträgern zu erreichen, auch wenn das eine Mammutaufgabe ist und die Stärke gegenüber Russland, dass wir das als EU auch dann schaffen, wenn es jetzt im Winter eventuell zu Engpässen kommt?

Sicher, es will niemand im Winter frieren, aber ist es wirklich schlimmer im Winter zu frieren als die Aufkündigung der Solidarität mit einem Land, welches gerade das Ziel eines Angriffskrieges ist? Wir hatten und haben es in der Hand, diese Krise gemeinsam durchzustehen. Dazu gehört dann eben auch, zu hinterfragen, ob wir das hinbekommen, solange die wichtigen Sektoren – also auch die Energieversorgung – der kapitalistischen Logik unterworfen sind. Vielleicht müssen wir das jetzt einfach einmal hinter uns lassen und Industrien, die in den letzten 16 Jahren durch Bundesregierungen, die von den Unionsparteien geführt wurden, zerstört wurden, durch staatliche Hilfen wieder aufzubauen. Wir brauchen jetzt Industrien, die Solarpaneele herstellen, die Windräder produzieren. Wir brauchen die in Deutschland, wir brauchen die in Europa! Und ja, es gibt da nicht so viele Fachkräfte auf dem Markt, aber wir hatten ja diese Industrie einmal in Deutschland und eventuell sind dann doch noch ein paar Menschen auf dem „Markt“ verfügbar, die hier einen Neustart ermöglichen können.

Der Krieg in der Ukraine sollte nicht die Zeit sein, um alten Technologien noch einmal zu nutzen, um wenigen Menschen noch ein paar Gewinne per Subvention zukommen zu lassen. Es ist nicht die Zeit, um Kernspaltung wieder zu einer Alternative zu machen, sondern es ist der Zeit, um endlich die Weichen für eine Zukunft zu stellen, in der sich auch noch viele der kommenden Generationen wohlfühlen. Und wenn das nicht funktioniert, indem die privaten Energieunternehmen jetzt ordentlich investieren, anstatt Dividenden auszuzahlen, muss es halt durch öffentliche, gemeinwohlorientierte Unternehmen umgesetzt werden! Nur machen müssen wir endlich was, wenn wir am Ende nicht dabei zusehen wollen, wie Putin den Jackpot gewinnt!

5 Juli 2022

04.07.2022: Spreeweg von Erkner bis zur Wuhlheide

Montag morgen, leicht müde sitze ich in der S-Bahn Richtung Erkner. Die Nächte sind derzeit einfach nicht zur Erholung gedacht! Es ist einfach zu warm und mein Zimmer kühlt auch nicht richtig aus. Ich frage mich schon, wie das in den nächsten Jahren werden soll, wenn die Temperaturen noch steigen und wir noch mehr tropische Nächte in Deutschland haben. Irgendwas muss da geschehen, irgendwie muss es eine Kühlung für den Sommer geben, die aber nicht auf der anderen Seite den Energiebedarf erhöht, wo wir doch eher weniger Energie verbrauchen sollten.

S-Bahn fahren macht ja bekanntlich noch müder und so hoffe ich, dass ich bald in Erkner bin, wo meine heutige Wandertour beginnen soll. Wieder zurück nach Berlin, was ich gerade mit der S-Bahn verlasse. Entlang auf dem Spreeweg, den ich auf dieser Seite schon in Teilen kenne. Teils durch Fahrradtouren, teils aber auch durch andere Wanderungen oder durch den Müggelsee Halbmarathon, den ich bereits zweimal gelaufen bin. Ich werde ihn sicher noch öfter laufen, wenn ich denn irgendwann wieder mit dem Lauftraining beginne. Jetzt muss aber erst einmal das Wandern als Training reichen und es macht den Kopf genauso frei, wie das Lauftraining.

In Erkner angekommen, muss ich erst einmal den Weg zu meiner Tour finden. Er führt mich von Bahnhof in eine Wohngegend, in der wenige Autos fahren. Der Autolärm ist also ziemlich schnell Geschichte und auch die Anzahl der Menschen nimmt stetig ab. Das ist wichtig, denn dort, wo viele Menschen sind, ist auch viel Lärm und dem will ich auf den Wanderungen ja entkommen, auch wenn es nicht immer klappt. Auf dem Spreeweg – einer der grünen Hauptwege durch Berlin – bin ich noch ein wenig skeptisch, dass mir das auch gelingen wird, aber als Berliner sollte ich schon auch einmal die Wanderwege ablaufen, die wir hier in der Stadt haben. Geplant habe ich knapp 30 Kilometer, was ungefähr die Hälfte des Spreeweges ist.

Mir fallen Gehwegplatten auf, die mich an meine Kindheit erinnern. Im Osten von Berlin wurden die gerne verlegt und es gab sie in verschiedenen Farben. In meiner Wohngegend lagen die auch, bunt gemischt und die rosa Gehwegplatten waren Lava! Die durften also auf gar keinem Fall berührt werden. In Erkner bin ich in Lava versunken, denn die Gehwegplatten sind alle rosa, bevor sie dann zur Farbe Gelb wechseln. Als Kind hätte ich dieses rettende Ufer nie erreichen können. Zum Glück ist es nicht wirklich Lava, zum Glück sind es normale Gehwegplatten, meine Wanderung ist also nicht schon nach wenigen Kilometern beendet.

Weiter geht es über zwei Brücken, dann sind wir auch schon auf dem Radwanderweg, der am Müggelsee entlangführt. Eine schöne Strecke, wo nur sehr vereinzelt Autos fahren, ansonsten halt viele Radfahrer und ab und an auch Wanderer, so wie ich heute einer bin. Ich laufe den Weg ein paar Kilometer, bis mich der Spreeweg auf einen Wanderweg führt. Der ist nicht asphaltiert, was eine Wohltat für die Füße ist, wobei es auf der anderen Seite natürlich auch anstrengender und auch die Konzentration gefordert ist, damit einem eine Wurzel nicht zu Fall bringt. So geht es weiter bis zum Müggelsee, der plötzlich rechts auftaucht. Weiter auf dem Wanderweg, immer weiter, einmal an der ganzen Seite des Sees vorbei, bis zum Spreetunnel, durch den ich als Kind immer absolut gerne gegangen bin, der so wunderschön kühl ist, der durchaus auch gut ist, um einmal abzukühlen. Vorher gibt es natürlich auch die vielen Badestellen zu sehen, wo die Luft wunderbar von Kinderlärm erfüllt ist, der einzige Lärm, der erträglich und vitalisierend ist, solange er von glücklichen und fröhlichen Kindern stammt.

Den Spreetunnel lassen wir aber rechts liegen, durchqueren ihn nicht, gehen vorbei und laufen weiter an der Müggelspree entlang. So langsam nähern wir unser wieder der Stadt, doch bis hierhin war es wunderbar ruhig. Knapp 15 Kilometer Entspannung in der Großstadt. Jetzt geht es aber weiter nach Köpenick, auf der anderen Seite begleitet uns schon die Stadt, auf unserer Seite ist noch das Grün, aber eben doch schon lauter, als die vielen Kilometer davor. Hier und da kommen jetzt auch Baustellen und dann Schulkinder, die gerade Schulschluss haben. Zeit für eine kurze Pause, ja, die Luft ist hier schon ein wenig raus, aber ein paar Kilometer will ich noch, die 30 Kilometer werden es am Ende nicht werden, aber 20,5 Kilometer werden es. Inzwischen bin ich an der Wuhlheide angekommen, die Flutlichtmasten vom Stadion an der Alten Försterei sind zu erkennen, die Straßenbahn fährt leider nicht, dafür aber Ersatzbusse. Ein guter Punkt, um die Tour zu unterbrechen. Die restlichen Kilometer können dann ein anderes Mal erlaufen werden, wobei dieser Abschnitt weniger Entspannung verspricht.

Nachdenklich sitze ich im Bus, dann in der Straßenbahn und zum Schluss in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause. So schön wie die Wanderungen auch immer sind, immer wieder ist zu erkennen, wie unachtsam die Menschen mit der Natur umgehen. Sie suchen oder schaffen sich Orte der Erholung und lassen dann ihren Müll überall zurück. Vor Corona waren es meiste Taschentücher oder Getränkedosen, inzwischen sind auch die vielen Masken dazugekommen, die in der Natur achtlos abgeladen werden. Es stimmt traurig, weil wir damit am Ende nicht nur der Natur schaden, die halt irgendwann keine Erholung mehr bietet, sondern auch uns selbst. Ich verstehe nicht, warum wir unseren Müll nicht einfach mitnehmen und ihn dann in einer der vielen Mülltonnen entsorgen, die ja doch an vielen Orten aufgestellt sind. Ein wenig mehr Achtsamkeit, das wäre es, zusammen mit mehr Rücksicht und weniger Aggressionen. Das Leben könnte soviel angenehmer für alle sein.

3 Juli 2022

03.07.2022: Flucht ins Biesenthaler Becken

Es war mal wieder Zeit für ein wenig Ruhe. Ruhe gibt es in der Stadt nur viel zu selten, also rauf auf das Fahrrad und ab nach Brandenburg. Genauer gesagt, ab in das Biesenthaler Becken. Die Tour hatte ich schon vor ein paar Wochen geplant und 33 Kilometer sind jetzt auch nicht zu viel für die Hinfahrt. Begleitet wurde ich vom Lärm der Stadt, vom Lärm der vielen Autos, die auch aus der Stadt drängten, um an irgendeinem Ziel anzukommen. Ja, mich nervt dieser Autolärm immer mehr und es wird immer schwieriger, diesem Lärm zu entkommen.

Irgendwann war dann die Straße erreicht, die in den Wald führte. Hier wurde dann auch der Lärm der Autos weniger und die sanften Töne der Natur wurden lauter. Das Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Wälder. So langsam kam die Entspannung, die Vorfreude auf eine kurze Wanderung wurde immer größer. Vorher aber noch ein wenig Anstrengung, denn Komoot baut immer am Ende noch zwei Kilometer mit ein, die anstrengender sind, als die gesamte Tour vorher. So auch diesmal, denn die letzten zwei Kilometer waren anstrengender, sandiger Waldboden. Für ein Mountainbike wahrscheinlich genau die richtige Strecke, für mein Stadtrad natürlich eher nicht, was natürlich die Aufmerksamkeit forderte, um nicht irgendwo im sandigen Waldboden wegzurutschen.

Dann das Ziel, irgendwo im Wald an irgendeinem See. Mir war nicht wirklich bewusst, wo ich landen würde. Ziel war nur das Biesenthaler Becken und dessen Touristeninformation. Die habe ich irgendwie nicht gesehen, aber ich brauchte sie auch nicht. Was ich brauchte, war eine Möglichkeit, um mein Fahrrad anzuschließen. Diese fand ich an einer Wanderkarte für die Touristen, natürlich so, dass die Ansicht der Karte nicht gestört wurde.

Dann ging es los auf dem Rundweg um den Hellsee, der direkt am Zielpunkt meiner Fahrradtour lag. Knapp 7 Kilometer, was nicht wirklich viel ist, aber doch ausreichend, um dort ein wenig die Gedanken kreisen zu lassen. Gedanken darüber, dass dieser Ort in 30 Jahren wohl komplett anders aussehen wird. Klimafolgen, die auch durch einen ehrgeizigen Klimaschutz nicht mehr aufgehalten werden können, weil das Klima Jahrzehnte braucht, weil das Klimasystem ziemlich träge ist. Folgen also, mit denen wir erst einmal leben müssen, die aber, wenn wir irgendwann mal ehrgeizig das Klima schützen sollten, folgende Generationen wieder reparieren könnten. Mir kommt ein Artikel in den Kopf, wo die Frage gestellt wurde, ob in ein paar Jahrzehnten ein Waldspaziergang immer noch so gesund sein wird wie heute.

Klar wird er das! Diese Ruhe ist einfach absolute Erholung für die Seele, ein Ort zum Abschalten, auch in 30 Jahren noch, wenn es dann noch Wälder zum Abschalten geben sollte. Sicher steigt die Gefahr, sich mit Krankheiten zu infizieren, die wir heute in ganz anderen Regionen der Welt sehen. Wenn dann nicht mehr nur die Mücken, die uns derzeit das Blut absaugen, an den Seen und Gewässern hier in Deutschland heimisch sind, sondern auch die, die tropische Krankheiten übertragen können. Damit werden wir leben müssen. Wahrscheinlich wird dadurch aber auch die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigt und so ist dann ein Besuch im Wald weiterhin eine Erholung für die Seele und für das Gehirn.

Mein Blick schweift über das Wasser, was derzeit noch im See vorhanden ist. Wird das in 30 Jahren auch noch der Fall sein? Oder wird auch dieser See ein Opfer der Hitzeperioden, die immer häufiger auftreten werden und die uns dann mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius treffen werden? Mir sind 30 Grad schon viel zu viel, mir reichen schon 25 Grad, aber das Klima ist halt kein Wunschkonzert und so werde ich wohl in 30 Jahren – wenn ich dann fast 70 bin – im Sommer wohl eher in einem Kühlhaus sitzen und nicht mehr im Wald spazieren. Auch daran werden wir nicht mehr viel ändern können, aber beim Klimaschutz geht es nicht nur um uns, es geht auch um die vielen Generationen nach uns. Ich sehe mich aber dennoch weiterhin auch mit 70 auf einem (E-)Bike sitzen und durch die Gegend fahren. Ich weiß nicht, wie der Wald der Zukunft aussehen wird, aber ich hoffe, dass er existieren wird.

Die Runde um den See neigt sich dem Ende, 7 Kilometer sind nicht viel und so steht die Rückfahrt mit dem Fahrrad auf dem Programm. Das Zwitschern der Vögel, das Summen der Insekten und das Rauschen des Waldes begleiten mich noch ein wenig, bevor sie mich wieder mit dem Lärm der Autos allein lassen und bevor der Lärm der Stadt wieder zu vernehmen ist. Dann ist die kleine Flucht schon wieder vorbei, die Stadt hat mich wieder und ich freue mich sofort wieder auf die nächste Flucht in den nächsten Wald.

18 Mai 2022

Sven fragt: Meerwasser gegen die Trockenheit?

Erinnert ihr euch noch an das Jahr 2011? Habt ihr da zufällig auch schon hier im Blog mitgelesen? Dann wisst ihr sicher auch noch, dass ich damals schon die Frage gestellt habe, warum wir das Wasser aus dem Meer nicht nutzen. Schon damals war mein Gedanke, dass wir als Menschheit ja Meerwasser entsalzen könnten – so wie es die Sonne ja tagtäglich tut -, um damit das Problem der Trinkwasserknappheit zu bekämpfen. 11 Jahre später, der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran, stelle ich mir die Frage erneut, oder immer noch. Also ich habe sie tatsächlich zwischendurch immer wieder gestellt. Die damaligen Antworten waren für mich irgendwie nicht zufriedenstellend und liefen am Ende darauf hinaus, dass die Kosten einfach zu hoch wären, die Kosten-Nutzen-Rechnung, also zumindest die in einem kapitalistischen System, nicht aufgehen würde.

In der Zwischenzeit haben wir auch in Deutschland sehr viel Trockenheit erlebt, die Böden sind teilweise viel zu trocken, die Waldbrandgefahr steigt und auch das Trinkwasser wird knapp. Industrien streiten sich darum, wer wie viel Wasser nutzen darf und ob überhaupt genügend Wasser da ist. Und da kommt natürlich wieder die Frage nach dem Meerwasser.

Es geht mir gar nicht darum, dass wir damit alle Probleme, die durch Wassermangel ausgelöst werden, lösen können. Es geht nicht darum, diese Lösung so hoch zu skalieren, dass wir wirklich alle Waldflächen damit bewässern könnten, aber vielleicht kann es ja einen kleinen Teil zur Lösung beitragen.

Wasser, was in einem Waldgebiet ausgebracht wird, bleibt ja nicht unbedingt in diesem Waldgebiet. Ein Teil des Wassers wird ja über die Blätter der Pflanzen wieder verdunstet, wird durch Wolken weiter transportiert und fällt dann in anderen Regionen wieder als Regen zu Boden und hilft dort dann vielleicht, die Wasserknappheit zu bekämpfen.

Klar, auf der anderen Seite erleben wir auch Überschwemmungen und vielleicht würde dieses Wasser dann auch hier zu einem Schaden führen, was natürlich die andere Seite der Medaille ist. Vielleicht müssen es ja auch nicht die Wälder sein, wo dieses Wasser verwendet wird, sondern die Felder, auf denen Getreide und andere Lebensmittel angebaut werden. Auch hier wäre es ja zusätzliches Wasser, welches in den Kreislauf gelangen würde. Vielleicht liege ich aber auch absolut falsch und die ganze Geschichte trägt überhaupt nicht dazu bei, die Umwelt vor den Auswirkungen des Klimawandels ein wenig zu schützen.

Vielleicht um die Ecke denken?

Vielleicht muss ich bei meinem Ansatz auch ein wenig um die Ecke denken. Vielleicht ist es wirklich nicht sinnvoll, die Energie direkt aufzuwenden, um mit entsalzenden Wasser Wälder oder Felder zu bewässern. Eventuell ergibt es ja mehr Sinn, die Energie in die Erzeugung von Wasserstoff zu investieren. Da gibt es ja inzwischen auch Möglichkeiten, um dies mit Meerwasser zu tun und eventuell kann dann das Wasser, welches dann am Ende ja wieder entsteht, wenn der Wasserstoff wieder in Energie – zum Beispiel für unsere Mobilität – umgewandelt wird, genutzt werden, um die Trockenheit in manchen Regionen ein wenig abzumildern.

Übrigens scheint es in den Anlagen, die Meerwasser in Wasserstoff wandeln, möglich zu sein, das Wasser vorher zu entsalzen und aufzubereiten, ohne dass dafür zu viel Energie aufgewendet wird.

Viel Energie

Wichtig ist aber, dass die Energie, die dafür aufgewendet wird, zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, sonst wäre die CO2-Bilanz wahrscheinlich sehr vernichtend und der Nutzen wahrscheinlich wirklich nicht gegeben.

Und dann sind da natürlich noch die vielen Punkte, die ihr hier als Antwort auf meine Frage bei Mastodon findet. Und wahrscheinlich ist ein Mix aus all diesen Antworten der Grund, warum es wirklich nicht sinnvoll ist, sich die Mühe zu machen und das Meerwasser zu entsalzen, um damit die Trockenheit zu bekämpfen. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht! Was sind eure Gedanken dazu?

Kleine Ergänzung noch, weil sich das hier vielleicht immer so anhört, als ob wir überhaupt kein Meerwasser entsalzen, es wird durchaus schon gemacht und vielleicht sollten wir es halt auch dort tun, wo wir derzeit noch keinen Sinn darin sehen.