19 März 2021

19.03.2021: Nur nicht bewegen …!

Zwei schlafende Katzen auf der Couch

Da sitzen sie wieder und beobachten mich. Dabei ist es erst kurz nach drei Uhr in der Nacht und jeder normale Mensch würde jetzt schlafen, es sei denn, er arbeitet um diese Zeit. Ich arbeite nicht um diese Zeit, ich liege im Bett und versuche, mich so wenig wie möglich zu bewegen. Am besten gar nicht bewegen, denn jede Bewegung könnte eine Bewegung zu viel sein und den Angriff herbeiführen, den ich verhindern möchte. Es ist schließlich erst kurz nach drei und vor dem Fenster herrscht noch die Dunkelheit, die den beiden Beobachtern aber total egal ist, denn die warten darauf, dass ich mich bewege!

Und natürlich bewege ich mich! Das ist gar nicht zu verhindern, weil ich wach bin, weil mir verschiedene Körperteile wehtun, wenn ich mich nicht bewege und weil es einfach unbequem wird mit der Zeit. Darauf haben die beiden Beobachter nur gewartet, nun wissen sie, dass ich wach bin, der Angriff kann also beginnen.

Langsam schleichen sich die beiden an mein Bett heran, gehen verschiedene Wege, um mich von beiden Seiten gleichzeitig zu belagern, dann springt der eine Angreifer miauend auf mein Bett und kurz danach der andere. Beide sind sich noch nicht so sicher, was sie denn so genau wollen, aber Streicheleinheiten wären für den Anfang schon ganz gut. Danach wäre es aber noch sehr viel besser, wenn ich aufstehe und für die Beiden etwas zu fressen organisieren könnte. Schließlich haben sie ja schon ein paar Stunden gewartet und nun wäre es doch langsam wieder Zeit für frisches Futter! Und außerdem würden die Beiden gerne einmal in der Küche nach dem Rechten sehen, immerhin war dort jetzt auch schon längere Zeit die Tür zu und es könnte sich in den letzten Stunden ja was verändert haben.

Nachdem alle Wünsche erfüllt sind, wäre es für die beiden Angreifer eigentlich auch ganz schön, wenn ganz schnell wieder das Licht ausgemacht werden könnte, schließlich wollen die beiden jetzt schlafen und da stört das Licht schon ein wenig. Streicheln? Um diese Zeit? Niemals! Ich soll doch endlich mal ins Bett gehen, normale Menschen schlafen schließlich um diese Zeit, es sei denn, dieser muss um diese Uhrzeit arbeiten, aber das wäre ja bei mir nicht der Fall.

22 Februar 2021

Es braucht nicht mehr Politiksimulation und Planspiele!

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Mehr politische Planspiele, mehr Politiksimulationen, irgendwie sind das die einzig greifbaren Ideen, um unsere Gesellschaft demokratischer zu gestalten. Aber warum immer nur simulieren, warum nur spielen, warum nicht Menschen einfach von Anfang an, an demokratischen Entscheidungen beteiligen? Weg von der autoritären Familie, in der die Kinder und Jugendlichen keine wirklichen Mitspracherechte haben, weg von der autoritären Schule, in der sich Demokratie darin ausdrückt, einmal im Jahr eine Klassensprecherin zu wählen! Die Simulation von Demokratie macht Demokratie nicht besser, sie bringt Schüler*innen nicht weiter, diese entkommen dadurch nicht den autoritären Strukturen, in denen sie eingesperrt sind und in denen sie lernen, dass sie eben nicht wirklich mitgestalten können!

Wer Demokratie will, wer sie verteidigen und verbessern will, der muss anfangen, die autoritären Strukturen aufzubrechen und dazu gehören eben auch Familie und Schule! Aber auch Unternehmen und andere Institutionen müssen demokratisiert werden, wenn wir es wirklich ernst meinen mit der Demokratie. Alle paar Jahre wählen gehen und sich dann von Menschen repräsentieren lassen, ohne hier Eingriffsmöglichkeiten zu haben, wenn dieser Repräsentant mit seinen politischen Entscheidungen gegen alle meine persönlichen Werte verstößt, ist vielleicht eine Übergangslösung von einem diktatorisch-autokratischen System hin zu einer Demokratie, aber es kann nicht der Endzustand der Demokratie bleiben! Nur, um aus dieser Übergangslösung irgendwann einmal ausbrechen zu können, braucht es Menschen, die nicht in autoritären Strukturen aufwachsen, die nicht von einem autoritären Bildungssystem und von einem autoritären Wirtschaftssystem geprägt werden. Es braucht Menschen, die die demokratischen Werkzeuge beherrschen, die wissen, dass sie Mitgestalten können, dass ihre persönlichen Entscheidungen auch immer eine politische Dimension haben.

Planspiele und Simulationen haben keine Auswirkungen auf das reale Leben, sie machen die Auswirkungen nicht erfahrbar und so wird auch die Bedeutung von Demokratie nicht greifbarer. Kurz, sie machen vielleicht Spaß, werden die Gesellschaft aber nicht demokratischer machen. Das wird nur geschehen, wenn wir alle diese Gesellschaft mitgestalten können, wenn alle in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden und wenn wir gleichzeitig akzeptieren, dass nicht alle mitmachen wollen, weil sie durchaus das Recht haben, zu bestimmten Themen einfach keine Meinung zu haben. Dazu müssen Politiker natürlich Macht abgeben, sie werden sie irgendwann sogar komplett verlieren, weil die Entscheidungsprozesse in der Gesellschaft stattfinden und nicht mehr in Hinterzimmern, aber das wäre kein Verlust, es wäre ein Gewinn, auch wenn dazu natürlich noch viele andere Dinge überwunden werden müssen. Intoleranz zum Beispiel oder Rassismus, damit diese gesellschaftlichen Entscheidungen nicht zulasten von Minderheiten gehen.

Mitspracherecht in Familie und Schule

Der erste Schritt dorthin ist ein gesetzlich festgeschriebenes Mitspracherecht von Kindern und Jugendlichen in Familie und Schule. Das kommt nicht allein, auch wenn es natürlich Familien gibt, in denen die Kinder und Jugendlichen schon jetzt ein Mitspracherecht haben. Kinder und Jugendliche sind keine Verfügungsmasse, sind keine Wesen, die keine eigenständigen Entscheidungen treffen können. Natürlich brauchen sie Grenzen, natürlich müssen sich die Eltern um sie Sorgen und natürlich müssen Eltern auch mal harte Entscheidungen treffen können, aber wer demokratische Menschen will, der muss auch dafür sorgen, dass die demokratischen Werte schon früh gelebt werden können, denn eine autoritäre Familie prägt natürlich auch das Kind, welches in dieser Familie aufwächst. Deswegen kann es demokratische Menschen nur dann geben, wenn sie in demokratischen Familien aufwachsen, wenn sie schon früh lernen, dass sie in Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen mitwirken dürfen.

Damit das klappt, muss natürlich in der Schule auch das Werkzeug dafür vermittelt werden! Und das geht auch dort am besten, wenn Schüler*innen auch dort an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Stellt euch vor, Schüler*innen könnten jetzt in der Pandemie mit entscheiden, wie es mit dem Unterricht weitergeht, welche Möglichkeiten sinnvoll wären und welche nicht. Das wäre für die demokratische Bildung ein wichtiger Aspekt und würde viel besser vermitteln, warum jeder Mensch demokratische Verantwortung übernehmen muss. In unserem autoritären Bildungssystem entscheiden aber ein paar Kultusminister und die Schüler*innen haben dazu gefälligst keine eigene Meinung zu haben! So kann Demokratie nicht gelingen, so können keine demokratischen Menschen aufwachsen und so können Politiker natürlich ihre Macht noch lange erhalten.

7 Februar 2021

Datenschutz für mündige Menschen?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Datenschutz und die Einstellungen der Bürger*innen dazu, empfinde ich immer wieder als ein sehr seltsames Thema. Das Grundrecht auf die informationelle Selbstbestimmung ist ja eigentlich ein Abwehrrecht gegenüber den Staat und sich dann auf den Staat zu verlassen, wenn es um die Spielregeln beim Datenschutz geht, ist schon ziemlich merkwürdig. Wir verlangen hier, dass der Staat – beziehungsweise die Politik – hier die Spielregeln bestimmt, mit denen er sich selbst verbietet, sich an unseren Daten zu bedienen. Dass das nicht funktioniert, zeigt die ewige Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung oder die Verknüpfung von verschiedenen staatlichen Datenbanken, die mithilfe einer eindeutigen ID gelingen soll. Der Staat kann uns also nur dabei helfen, unsere Grundrechte gegenüber anderen Akteuren – zum Beispiel Unternehmen – durchzusetzen und auch dort sollten wir auf der Hut sein, was der Staat dort alles regelt und ob das wirklich immer zu unserem Vorteil ist.

Datenschutz und Privacy sind wichtige Themen, jedoch finde ich es schwierig, immer wieder nach Verboten durch die Politik zu rufen. Diese Kultur, die da gepflegt und mit der DSGVO auch umgesetzt wurde, ist eine Kultur der Entmündigung der Menschen. Und Entmündigung macht bequem, weil wir uns dann nicht mehr mit den wichtigen Themen auseinandersetzen, weil wir verlernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Natürlich muss der Gesetzgeber einen Rahmen erlassen, der für Unternehmen und auch für den Staat bindend ist, aber jeder Mensch sollte schon bewusst handeln und entscheiden können, was er zulassen möchte und was nicht. Das ginge einfacher, wenn die Datenschutzregeln schon festlegt werden könnten, bevor die Webseite besucht wird und die Entscheidung nicht erst auf der Webseite getroffen werden muss. Eine DSGVO, die hier Standards festgeschrieben hätte, die von Unternehmen und Staat umgesetzt und eingehalten werden müssten und die einfach in die Zugangssoftware zum Internet – also im Browser – integriert wurden wären, welche dann jeder Mensch einmalig festlegt, wenn er den Browser zum ersten Mal startet, wäre hier ein sehr viel besserer Weg gewesen. Weg von Verboten und hin zu Menschen, die selbstbestimmt ihre Entscheidungen treffen. 

WhatsApp wird hier ja immer als Beispiel gebracht, aber muss ich den Service wirklich gleich Verbieten oder wäre die sinnvollere Option nicht die, dass wir bei jedem Telefonbucheintrag vorher festlegen könnten, ob dieser für andere Apps – also nicht nur für WhatsApp – freigegeben wird oder nicht? Wäre das nicht der sinnvollere Weg, der das Internet nicht unnötig komplizierter macht, als es sein müsste? Keks-Banner wären Geschichte, Datenschutzerklärungen könnten sehr viel kürzer ausfallen und verständlicher werden, das Surfen im Internet wäre tatsächlich wieder bequemer möglich, auch in dem Bewusstsein, dass ich genau weiß, welche Daten die Webseiten nutzen dürfen und welche nicht. Beim Beispiel WhatsApp könnte ich so sogar die Datenschutzpräferenzen aller meiner Kontakte achten und respektieren.

Im Übrigen halte ich auch nichts davon, dass es de facto eigentlich eine Altersgrenze für das Internet gibt. Das Internet ist ein riesiger Wissenspool und jeder – also auch Kinder – sollten den Zugang zu diesem Wissenspool nutzen können. Aber so, wie wir Kindern und Jugendlichen den Zugang zu politischen und demokratischen Entscheidungsräumen verwehren, genauso wollen wir ihnen den Zugang zu diesem Wissensraum verschließen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist schön der autoritäre Charakter unserer Gesellschaft zu beobachten und meine Frage ist da immer, wie aus Menschen, die in der Familie und in der autoritären Institution Schule autoritären Entscheidungen ausgesetzt sind, bei denen sie keine Mitspracherechte haben, überhaupt zu demokratischen Menschen erzogen werden sollen. Genauso Frage ich mich beim Internet, wie diese Menschen einen selbstbewussten und selbstbestimmten Umgang mit dem Wissensraum Internet erlernen sollen, wenn sie bis zu einem bestimmten Alter ausgeschlossen werden, beziehungsweise darauf hoffen müssen, dass die Eltern die Chancen erkennen und sie so den Zugang erhalten. 

Datenschutz ist ein schönes Feld um zu beobachten, wie Autoritär unsere Gesellschaft doch noch geprägt ist. Wir verlassen uns darauf, dass wir von Politik und Staat beschützt werden, wollen unsere Entscheidungen in der Gewissheit treffen, dass der Staat sich für uns Regeln überlegt hat, die die negativen Aspekte unserer Entscheidungen, die wir nicht mitgedacht haben, abfedern. Das macht uns bequem, das hält uns davon ab, uns mit Themen wie die Verschlüsselung von Daten nachzudenken. Ist ja reglementiert und deswegen kann ich halt eine Postkarte – also eine E-Mail – durch das Internet schicken, obwohl die Möglichkeit, diese E-Mail in einen Briefumschlag zu stecken, durchaus gegeben und auch kein Hexenwerk mehr ist. Klar, es kostet Zeit, sich damit auseinanderzusetzen und sich die Informationen zu besorgen, aber wir sollten uns die Zeit einfach nehmen, so wie wir uns für eine demokratische Gesellschaft generell sehr viel mehr Zeit nehmen sollten, um unsere Demokratie weiterzuentwickeln und um so die Entscheidungs- und Mitgestaltungsräume zu erweitern.

6 Februar 2021

Post auf Abwegen … – 06.02.2021

Radfahren in Berlin

Ich hatte ja noch nie außerhalb von Berlin einen angemeldeten Wohnsitz. Ich war mal längere Zeit in Bayern, damals, nach der Schule, als ich einen Ausbildungsplatz zum Koch gesucht habe, aber auch da war ich nicht gemeldet, war jetzt auch nicht so, dass ich dort ewig war, ein paar Wochen halt. Ansonsten habe ich aber immer in Berlin gelebt und wie schon erwähnt, ich war auch immer hier gemeldet.

Deswegen bin ich auch ziemlich irritiert davon, dass Teile meiner Post in Niedersachsen landen. Gut, dort lebt mein Bruder und so bekomme ich wenigstens mit, dass meine Post dort landet, aber ich habe keine Ahnung, wie das passieren kann. Es fing schon vor ein paar Jahren an, als meine Metro-Werbung permanent bei meinem Bruder landete. Dafür hatte ich jetzt noch eine Erklärung, weil auch mein Bruder – als er noch in Berlin lebte – bei der Metro angemeldet war und ich einfach davon ausging, dass da bei der Zuordnung von den Adressen etwas schiefging. Jetzt landete allerdings auch die Post von meiner Krankenversicherung bei meinem Bruder und da gibt es keinen Zusammenhang, da mein Bruder dort nie versichert war. Das beunruhigt mich, weil ja auch andere, wichtige Post, bei ihm landen könnte. Meine Bankkarte zum Beispiel, oder Post vom Finanzamt, die mich dann nicht rechtzeitig erreicht.

Da ich absolut keinen Plan habe, wie Unternehmen an Adressen kommen, die ich ihnen nicht mitgeteilt habe, muss ich mich jetzt die nächsten Tage auf Spurensuche begeben, damit ich diese Fehler bei der Postzustellung abstellen kann. Seltsam dabei ist allerdings, dass nicht die gesamte Post von den Unternehmen bei meinem Bruder landen, sondern immer nur bestimmte Briefe. Von meiner Krankenversicherung habe ich zum Beispiel gestern ganz normal einen Brief erhalten, auch mit der richtigen Anschrift darauf, von der Metro habe ich auch immer die normalen Briefe bekommen, nur die Werbesendungen gingen zu meinem Bruder und ich habe keinen Plan, warum das passiert!

Vielleicht hattet ihr ja mal ein ähnliches Problem und könnt mir Tipps hier lassen, wo ich meine Spurensuche beginnen könnte. Als erstes werte ich natürlich nächste Woche gleich bei meiner Krankenversicherung anrufen, die sollten ja eigentlich wissen, wie sie an die Adresse von meinem Bruder gekommen sind. Zum Glück ist es die Adresse von meinem Bruder, denn im schlimmsten Fall könnten ja auch wildfremde Menschen meine Post erhalten, was ich dann wahrscheinlich nie erfahren würde …

31 Januar 2021

Lebenszeit sinnvoll nutzen …

„Die Lebenszeit sinnvoll nutzen“, diesen Satz höre ich immer wieder und ich frage mich, was das eigentlich bedeuten soll. Woher weiß ich denn, dass ich gerade meine Lebenszeit sinnvoll nutze? Und was ist mit den vielen Tätigkeiten, die ich erledigen muss, um überleben zu können? Sind auch diese Tätigkeiten sinnvoll genutzte Lebenszeit, obwohl sich mir der Sinn dieser Tätigkeiten nicht wirklich ergibt? Auf der anderen Seite wird das Leben im Internet, die Zeit, die in sozialen Netzwerken verbracht wird oder auf anderen Seiten, als verschwendete Zeit gebrandmarkt. Ist das wirklich verschwendete Zeit?

Sind wir nicht vielleicht ein wenig vorschnell, wenn wir bestimmte Tätigkeiten als sinnvoll einstufen und andere als Verschwendung von Zeit? Wer setzt dafür die Norm? Die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Politik oder vielleicht doch jeder für sich selbst? Und wenn jeder für sich selbst die Norm setzt und selbst entscheidet, was er mit seiner Zeit macht, könnte dann nicht eigentlich nur fremdbestimmte Zeit verschwendet sein? Also die Zeit der Lohnarbeit zum Beispiel, in der ich Aufgaben erledigen muss, die mir von einer anderen Person vorgegeben werden?

Kann der Mensch in unserer Gesellschaft dann überhaupt seine Zeit sinnvoll nutzen oder ist das nicht gerade durch den Aufbau unserer Gesellschaft unmöglich, weil ein großer Teil der Zeit durch Fremdeinflüsse verbracht wird? Ich bin da gerade ein wenig Ideenlos und vielleicht könnt ihr ja einfach ein paar Kommentare hier lassen, die mir Klarheit bringen.

28 Januar 2021

Meine digitale Mediengeschichte

Bild Wissen sammeln, Zeichnung.

Das Internet und ich, die Geschichte hat irgendwann 1998 angefangen. Damals noch nicht so wirklich schnell, da ich nur einen Amiga 2000 hatte, was die Übertragung noch einmal ordentlich ausgebremst hat. Ja, es gab damals schon einen Internetbrowser für den Amiga, aber das Aufrufen von Webseiten hat ewig gedauert, was also nicht wirklich Spaß gemacht hat.

Richtig los mit den neuen Medien ging es dann so 2001/2002, als ich die Foren und Chats für mich entdeckte. 2004 startete ich dann meinen ersten Blog, nachdem ich durch eine Zeitschrift darauf aufmerksam wurde. Allerdings war ich damals nicht wirklich gefestigt, sodass der Blog ziemlich schnell von mir wieder gelöscht wurde. Im selben Jahr startete ich meine Literaturseite, die einem Blog schon nahekam, aber auf einfache HTML-Dateien basierte. Später zog ich mit der Seite auf ein CMS um, wo es leichter für mich war, meine Buchbesprechungen zu veröffentlichen. Nebenbei war ich weiterhin in Foren unterwegs, wo die Kommunikation mit anderen Menschen viel Spaß machte. Super war damals, dass die Diskussionen immer wieder nachgelesen werden konnten und sich so auch die Möglichkeit ergab, sich mit seinen eigenen Argumenten später noch einmal zu beschäftigen und Widersprüche zu finden, was mich generell sehr viel weiter brachte.

2006 fing ich dann an, mein Abitur auf dem Abendgymnasium nachzuholen, was nicht viel mit den neuen Medien zu tun hat, aber nach einem kleinen Tief und einer Auszeit machte ich mich 2007 auf den Weg zum Abitur und nutzte hierfür ab 2008 einen weiteren Blog, um dort das Gelernte zu reflektieren und so mein Wissen zu festigen. Was als Lernblog begann, ist heute mein persönlicher Blog, in dem ich alle Gedanken und Erlebnisse von mir einfange. Und er hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich im Jahr 2010 mein Abitur dann auch in der Tasche hatte.

Ebenfalls 2008 entdeckte ich dann die sozialen Netzwerke. Es begann mit Twitter, wo ich mich registrierte, um einer anderen Buchbloggerin zu folgen. Durch das geweckte Interesse ging es dann weiter zu Facebook. Wirklich datensparsam bin ich auf beiden Plattformen nicht, was für mich kein Problem ist, weil ich mir so ziemlich bewusst bin, dass das später auch gegen mich verwendet werden könnte. Allerdings stehe ich zu meinen Meinungen und zu meinen Entwicklungen über die vielen Jahre und finde es spannend, meine früheren Ichs dort immer wiederzuentdecken und meine Entwicklung zu verfolgen. In den letzten 12 Jahren kamen dann noch viele andere soziale Netzwerke hinzu, die alle ihren Reiz haben oder hatten und die alle dazu beigetragen haben, meinen Blick auf die Welt zu erweitern. Instagram, Google+ und wie die Netzwerke alle hießen, darunter auch dezentrale Netzwerke wie Mastodon und Diaspora.

Und ich bin weiterhin neugierig auf die Welt, auf die Menschen, die in ihr leben, auf die vielen neuen Ansätze für digitale Medien und soziale Netzwerke, vermisse aber schon die Foren von damals, mit denen ich in diese Welt eingetaucht bin. Vielleicht kommen die irgendwann Mal wieder, aber wenn nicht, sind die vielen anderen digitalen Netzwerke und Medien ja auch gut genug, um Zeit zu verschwenden.

21 Januar 2021

#Solimaske – 21.01.2021

#Solimaske ist also der neue Hashtag auf Twitter. Das Ziel dahinter ist, Menschen, die sich die medizinischen Masken nicht leisten können, die jetzt bald zur Pflicht werden, mit einer solchen Maske auszustatten. Das hört sich super an und wird sicher auch den Menschen helfen, den geholfen werden soll, aber ich halte es dennoch für den falschen Weg.

Ich habe nicht wirklich was dagegen, dass sich Menschen zusammentun, um anderen Menschen zu helfen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn sich der Staat aus seiner Verantwortung stiehlt! Ein super Beispiel dafür sind die Tafeln, die inzwischen zu einem festen Bestandteil des Sozialsystems geworden sind und die der Staat nutzt, um die Sozialleistungen wie Hartz4 so knapp wie möglich zu halten. Würden die Tafeln wegfallen, würden viele Hartz4-Bezieher*innen nicht mehr wissen, wie sie eine vernünftige Mahlzeit auf den Tisch bekommen sollten! Genauso falsch empfinde ich meine GoFundMe-Kampagne, die ich starten musste, um irgendwie durch die Pandemie zu kommen, aber der Staat stiehlt sich auch hier aus der Verantwortung.

Die Frage ist, ob wir das jetzt bei den Masken wieder zulassen möchten. Der Staat beschließt, dass die Bürger*innen bestimmte Masken nutzen müssen und dann ist er auch in der Verantwortung, allen Menschen diese Masken zur Verfügung zu stellen. Immerhin geht es hier auch darum, dass die Menschen ohne Masken nicht mehr einkaufen könnten und in ihrer Mobilität beschränkt wären. Da kann es nicht sein, dass die Hilfe wieder Privat organisiert wird. Nicht, weil private Hilfe was Schlechtes wäre, sondern weil der Staat eine Fürsorgepflicht für seine Bürger*innen hat!

Wir sollten ihn diesmal nicht daraus entlassen! Wer Unternehmen mit Milliarden retten kann, wer zum Beispiel die Lufthansa mit 9 Milliarden unterstützt, der kann auch dafür sorgen, dass alle Bürger*innen genügend Masken kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Und ja, ich rede von allen, nicht nur von bedürftigen Menschen, sondern jeder sollte diese Masken kostenlos bekommen, denn der Staat beschränkt mit dieser Maskenpflicht den Zugang zur Grundversorgung, er beschränkt die Möglichkeit sich Lebensmittel zu kaufen, er beschränkt die Möglichkeit sich zu bewegen, um zum Beispiel zu Arztterminen zu kommen, oder zu Gerichtsterminen, oder zu Terminen beim Jobcenter, um einfach Mal ein paar Dinge zu nennen, die der Staat mit der Maskenpflicht beschränkt.

Wenn jetzt Menschen privat diese Aufgabe übernehmen, dann wird sich das wieder zu einem festen Bestandteil des staatlichen Handelns entwickeln, auch wenn es überhaupt nicht darauf ausgelegt ist. Der Staat wird sich darauf verlassen, das sich die Bürger*innen gegenseitig helfen, um sich so selbst aus seiner Verantwortung zu entlassen.

14 Januar 2021

Das Arschloch ist das Virus selbst!

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Stellt euch Mal folgende – von mir absolut frei erfundene – Aussagen vor:

„Hättest du nicht mit deinem Kind gekuschelt, nachdem es einen absolut schrecklichen Tag in der Schule hatte und dich an die Regeln, die derzeit in der Pandemie gelten, gehalten, dann hättest du dich auch nicht mit Covid-19 infizieren können!“

Mein krankes Hirn

oder:

„Hättest du dich doch nur die letzten 10 Monate komplett in deiner Wohnung isoliert, jeden sozialen Kontakt vermieden und dir deine Einkäufe nur zu Vollmond liefern lassen, dann würden wir dich jetzt hier nicht ….“

Mein noch kränkeres Hirn

Nein, die zweite Aussage denke ich jetzt nicht weiter und ja, es ist ein absolut seltsamer Einsteig in einen Blogartikel, aber nachdem ich die Kommentare gelesen habe, die unter folgendem Erfahrungsbericht(Link klicken) zu finden waren, der von einer Person geschrieben wurde, die sich mit Covid-19 infiziert hat, verzweifle ich an dieser Welt schon wieder ein wenig mehr!

Ich halte diese Erfahrungsberichte für wichtig, ich halte sie für eine Bereicherung und ich wünschte mir sehr viel mehr davon. Doch solange es Menschen gibt, die hier die Schuld an der Infektion individualisieren möchten und damit jegliche Kritik an den Staat und seine Institutionen abschmettern wollen, dann wird es diese Berichte nicht geben, dann werden wir viele wichtige Hinweise nicht erhalten, viele Dinge, aus denen wir lernen könnten, die uns sogar besser durch eine eigene Erkrankung führen könnten. Doch wenn hier wieder ein persönliches Versagen herbeiphantasiert wird, weil es kann ja nur krank werden, wer sich nicht zu hundert Prozent an die Regeln gehalten hat, wird die Scham der Menschen verhindern, dass diese über ihre eigene Erkrankung schreiben!

Keiner von uns hat sich in den letzten Monaten zu hundert Prozent an die Regeln gehalten, keiner von uns ist bis hierhin fehlerfrei durch die Pandemie gegangen. Jeder von uns hat sich Situationen ausgesetzt, bei denen wir uns hätten infizieren können. Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die ihre Kontakte zu anderen Menschen auf null runtergefahren haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er bleibt es auch in einer Pandemie und somit besteht immer die Gefahr, sich zu infizieren! Deswegen ist eine Infektion auch nicht die Frage der persönlichen Schuld, zumindest dann nicht, wenn sich die Person so weit wie möglich an alle Regeln hält. Bei Personen, die den Virus und die Pandemie noch immer abstreiten, ist eine andere Bewertung durchaus möglich, aber um die geht es hier nicht.

Von der App bis zur Impfung – alles absolut scheiße!

Wann hören wir auf, aus dieser Pandemie einen Wettbewerb zu machen? Wann hören wir auf, aus jedem kleinen Fehler einen Elefanten zu machen, weil wir persönlich ja soviel besser sind und das alles anders gemacht hätten? Ja, genau darauf spiele ich mit meiner Zwischenüberschrift an! Keiner von uns hat wirklich Erfahrungen mit einer Massenimpfung, niemand hat sich vorher Gedanken über eine App gemacht, die eine datenschutzfreundliche Kontaktverfolgung ermöglicht, aber wenn ich so in meinen Filterblasen unterwegs bin, dann scheint es jeder besser zu können.

Nehmen wir die Impfung: Klar wurden und werden Fehler gemacht, aber abgesehen davon, wie viele Menschen hätten denn bis heute schon geimpft sein müssen, damit die Impfstrategie nicht Scheiße wäre? Einige scheinen zu meinen, dass der Impfstoff in unendlicher Menge zur Verfügung steht und die Regierung einfach nur hätte mehr kaufen müssen, damit wir jetzt schon sehr viel weiter wären mit der Impfung. Dabei steht er nicht unendlich zur Verfügung, dabei ist er jetzt schon ungerecht verteilt und es wird auf dieser Welt Menschen geben, die noch zwei oder drei Jahre auf eine Impfung warten müssen. Darüber müssen wir reden, nicht über die paar Fehler, die in den vergangenen Wochen gemacht wurden. Fehler, die jetzt gemacht werden, optimieren den Impfverlauf in den nächsten Monaten, in denen dann auch ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sie gehören zum Lernprozess, den wir alle in dieser Pandemie durchlaufen und sie bereichern unseren Erfahrungsschatz.

Wenn wir uns also über etwas aufregen wollen, dann muss es das unsolidarische Patentrecht sein, welches verhindert, dass der Impfstoff jetzt einfach in ärmeren Ländern selbst produziert wird, ohne das hohe Lizenzkosten anfallen. Oder über das kapitalistische System an sich, wodurch auch in der Krise wieder die profitieren, die schon vorher immer profitiert haben und die, die vorher schon abgehängt waren, noch weiter abgehängt werden.

Jetzt bin ich aber irgendwie abgeschweift, war ich doch eigentlich bei den Kommentaren, die versuchen berechtigte Kritik zu unterbinden, indem sie irgendeine individuelle Schuld konstruieren. Hört doch einfach auf damit, nehmt Erfahrungsberichte über die Krankheit mit, freut euch darüber, wenn Menschen sich trauen, über ihre Erkrankung zu schreiben, weil das unseren Wissensschatz erweitert, weil es euch bereichert, es Handlungsempfehlungen gibt und ihr ganz einfach wisst, was auf euch zukommen könnte, wenn ihr dann selbst betroffen seid! Das Arschloch ist nicht die Person, die an dem Virus erkrankt, das Arschloch ist das Virus selbst!

12 Januar 2021

FFP2-Masken – 12.01.2021

Baumreihe

Die Corona-Pandemie zeigt immer deutlicher, dass die Politik Menschen mit geringen Einkommen in ihren Maßnahmen einfach nicht mitdenkt. Seit Monaten verweigert der Bund Menschen, die im Hartz4-Bezug sind, einen Corona-Mehrbedarf, der aber dringend nötig wäre, da andere Hilfsangebote nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen – ebenfalls wegen der Pandemie. Jetzt kommt Bayern und führt die Pflicht ein, im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel FFP2-Masken zu tragen. Die Idee mag ja nicht schlecht sein, da hierdurch auch der Eigenschutz erhöht wird, aber erneut wird davon ausgegangen, dass sich alle Menschen diese Masken leisten können. Dem ist aber nicht so!

In Haushalten mit niedrigem Einkommen – Hartz4-Empfänger mit einbezogen – sind die Einnahmen meist schon fest verplant für Miete, Strom, Heizung und Nahrungsmittel. Jede zusätzliche Ausgabe bedeutet, dass irgendwo anders gespart werden muss, im schlimmsten Fall also bei den Lebensmitteln. Politiker haben dies anscheinend noch immer nicht verstanden! Oder doch, sie haben es verstanden, es ist ihnen aber absolut egal. Klar, FFP2-Masken kosten derzeit „nur“ 3,- Euro das Stück, aber diese drei Euro fehlen dann eben bei der Nahrung, ist halt nur ein ganzes Brot mit etwas Wurstaufschnitt, oder das Kilo Äpfel, was dann eben wegfällt …

Ja, ich habe diese Diskussion tatsächlich schon häufiger geführt und dann kommt halt, dass die halt weniger Rauchen sollen, weil hier das Vorurteil besteht, dass jeder Mensch, der ein niedriges Einkommen hat, raucht. Dasselbe gilt ebenso für Alkohol, oder es kommen die Experten, die Mal drei Monate mit Hartz4 überleben mussten und daraus eine Erzählung für das ganze Leben machen. Ich weiß also, dass viele wieder versuchen werden, diesen Umstand mit irgendwelchen Argumenten wegzudiskutieren. Allerdings weiß ich auch, dass sich dieser Umstand nicht wegdiskutieren lässt!

Um es noch einmal anzumerken: Es geht hier nicht nur um Menschen, die derzeit im Hartz4-Bezug stehen, es geht um Rentner*innen, es geht um Arbeiter*innen im Niedriglohnsektor, es geht um Alleinerziehende, es geht also um all die Menschen, die weit unter dem durchschnittlichen Einkommen eines Bundesbürgers liegen und die nicht einfach so Mal 90,- Euro im Monat für FFP2-Masken übrig haben!

Natürlich kann diese Summe auch wieder runtergerechnet werden, aber diese Menschen haben eben auch nicht die 10,- Euro oder 3,- Euro, es ist einfach kein Budget da für Mehrausgaben! Die Alltagsmasken, also der Mund-Nasen-Schutz, konnte durch viele Menschen noch kostengünstige selbst hergestellt werden, dies fällt bei FFP2-Masken komplett weg. Hinzu kommt, dass die Preise für die FFP2-Masken stark steigen werden, wenn sich mehr Bundesländer für eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken entscheiden. Dann wäre die obere Rechnung eh obsolet, weil wir dann nicht mehr von 3,- Euro pro Stück sprechen werden, sondern von 10,- Euro oder mehr.

Wenn die Politik also schon für mehr Eigenschutz sorgen will, dann muss sie auch an die nötige finanzielle Unterstützung für einkommensarme Menschen denken! Dazu gehört ein ordentlicher Aufschlag bei Hartz4-Empfängern und ebenso Ausgleichszahlungen an Menschen mit geringen Einkommen. Das ist übrigens die Gruppe, die auch so schon eine niedrigere Lebenserwartung hat. Wenn diese jetzt nicht unterstützt wird, indem sie mehr Geld erhält, wird sich das auch in der Pandemie widerspiegeln. Davon, diesen Menschen die Masken kostenlos zur Verfügung zu stellen, um keinen finanziellen Ausgleich schaffen zu müssen, halte ich übrigens nicht viel, weil hier dann wieder so knapp kalkuliert wird, dass es nicht für alle Menschen reichen wird.

Unsolidarisches Verhalten

Dass die Politik zu FFP2-Masken übergehen muss, um den Eigenschutz der Menschen zu erhöhen, liegt übrigens auch im unsolidarischen Verhalten einiger Menschen. Menschen, die die Maske unter der Nase tragen mussten, wenn sie diese denn überhaupt getragen haben, weil sie sich in ihrer Freiheit sosehr eingeschränkt fühlten! Dass sie dadurch allerdings eher die Freiheiten von Menschen mit niedrigem Einkommen noch mehr beschneiden, ist diesen Menschen absolut egal, da es nur um das eigene Ego geht!

9 Januar 2021

Abschiedskonzert von Revolte Springen (von 2015)

Seit gestern gehen mir folgende Zeilen nicht mehr aus dem Kopf:

Vielleicht heißt Leben ja Kämpfen,
vielleicht ja vielleicht,
vielleicht ist es auch ein blöder Vergleich,
und ich hätte auch keinen Schiss diesen Kampf zu verliern,
ich hab bloß manchmal Angst ihn zu führn.

Revolte Springen

Und weil dem so ist, weil ihr eh alle im Shutdown seid und kaum soziale Kontakte haben dürft, verlinke ich euch hier jetzt das Abschlusskonzert von Revolte Springen aus dem November 2015. Setzt euch die Kopfhörer auf, dreht die Lautstärke hoch und lasst euch die nächsten 1 Stunde und 50 Minuten mitnehmen.

Revolte Springen - Abschiedskonzert im Supamolli
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