11 Juli 2021

Lebens-ABC: J wie Joggen

Bild mit der Aufschrift "Joggen"

Das Lebens-ABC geht mit dem Buchstaben „J“ weiter und da kann natürlich nur Joggen kommen. Ihr seid nicht wirklich überrascht, oder?

Fangen wir doch einfach damit an, dass ich lange Zeit Sport gehasst habe. Ich bin schon immer gerne Fahrrad gefahren, das war es dann aber auch schon. Ich muss also nicht erwähnen, dass ich eigentlich total unsportlich war und es durchaus auch immer noch bin und meine ersten Laufversuche habe ich 2004/2005 bei der Bundeswehr gemacht. Nicht unbedingt freiwillig, denn die Laufrunde war freitags vor Dienstschluss Pflicht, doch so wirklich was abgewinnen konnte ich dem damals noch nicht viel. Das Ganze wurde dann durch eine Verletzung, die ich mir bei irgendeiner anderen Übung im Wald zugezogen hatte, erst einmal unterbrochen, was auch das Ende meiner Zeit bei der Bundeswehr war.

Nachdem mein Fuß wieder okay war, fing ich langsam wieder an mit dem Joggen. Ich weiß nicht wirklich, warum ich das gemacht habe, aber anscheinend war da bei der Bundeswehr doch irgendwie ein Funken hängen geblieben, der sich jetzt langsam ausbreitete. Allerdings lief ich da noch nicht regelmäßig, öfter lagen mehrere Wochen zwischen den Läufen und Aufzeichnungen habe ich keine geführt. Deswegen kann ich auch nicht wirklich genau sagen, wann ich mit dem Joggen so richtig begonnen habe.

Am 23.09.2007 habe ich dann damit begonnen, meine Laufeinheiten aufzuzeichnen, damals habe ich noch geschätzt, wie lang meine Runde ungefähr war, weswegen die Aufzeichnung damals eher ungenau war, was die Kilometerzahl angeht, aber die Zeit habe ich damals genau erfasst. Das war dann auch der Zeitraum, ab dem ich regelmäßig gelaufen bin und ich nicht mehrere Wochen Pause zwischen den Joggingeinheiten gemacht habe.

An der Abendschule, an der ich damals mein Abitur nachgeholt habe, hing dann irgendwann ein Aushang für einen Volkslauf und weil ich dachte, dass das eventuell eine gute Idee ist, habe ich mich für diesen Volkslauf angemeldet und bin da für die Abendschule gestartet. Es war spannend, hat auch ziemlich viel Spaß gemacht, auch wenn ich von unserer Gruppe wohl einer der Letzten war, der ins Ziel kam. Dieser erste Volkslauf hat mich dem Laufen noch näher gebracht. Nicht unbedingt, weil ich Gewinnen wollte, sondern weil der Zieleinlauf doch immer etwas Schönes mit sich bringt. Das war dann auch der Anfang meiner Volkslaufkarriere, dank der ich auch meinen Laufpartner und Freund Bernd kennengelernt habe, wobei ich das selbst gar nicht so mitbekommen habe, aber er schrieb mich dann irgendwann per Mail an, ob wir nicht gemeinsam unser Lauftraining machen wollten. Das war im Jahr 2009 nach dem Kreuzberger Viertelmarathon. Seither haben wir unser Training bis zum Beginn der Pandemie gemeinsam gestaltet, haben in den ersten Jahren auch viele Volksläufe gemeinsam besucht und sind auch mit dem Fahrrad viel durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Schon deswegen ist das Joggen inzwischen ein fester Bestandteil meines Lebens.

Wahrscheinlich hätte ich auch den Lutz nie virtuell kennengelernt, wenn ich nicht mit dem Joggen begonnen hätte und viele schöne Erlebnisse, die mir das Joggen gebracht hat, hätte ich auch nicht erlebt. Und ganz ehrlich, so ein paar Laufabenteuer warten auch noch auf mich.

Joggen hat mein Leben bereichert. Nicht nur das Laufen selbst, sondern auch die vielen Dinge, die rund um das Laufen passiert sind, möchte ich nicht vermissen. Mit 20 hätte ich euch wohl für verrückt erklärt, wenn ihr mir das erzählt hättet, mit 30 war ich dann schon vom Laufvirus infiziert und inzwischen gehört das Joggen schon über 13 Jahre zu meinem Leben dazu.

Okay, die Pandemie ist derzeit ein wenig schwierig. Aufgrund der Einnahmesituation bin ich jetzt seit Anfang 2021 ohne Laufschuhe und somit auch ohne Lauftraining, aber das ist nur ein kleiner Dämpfer und ich bin mir sicher, dass ich auch 2021 ein paar Kilometer Laufen werde, bis dahin muss jetzt erst einmal das Wandern und das Radfahren dabei helfen, fit zu bleiben.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

1 Juni 2021

Lebens-ABC: I wie Impetus

Impetus, laut Wörterbuch ist das ein anderes Wort für Anstoß, Antrieb oder Schwung. Das passt irgendwie zu meinem Leben, außerdem ist es auch ein schönes Wort! Derzeit fehlt dieser Impetus ein wenig in meinem Leben, wobei „derzeit“ untertrieben ist, denn eigentlich fehlt er seit 2010. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich in diesem Jahr meine Abiturprüfungen bestanden habe. Seither blieben wirkliche Erfolge aus, also Erfolge, die durch irgendeinen Abschluss belegt sind.

Zwischen den Jahren 2000 bis 2010 hatte ich viel Impetus. 2000 war der erste Anstoß, den ich gebraucht habe, der Grundausbildungslehrgang, den ich damals vom Jobcenter aus machen musste. Wobei es ziemliches Glück war, denn dort lernte ich eine Pädagogin kennen, die mir dabei half, meine schulische Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel zu bekommen. Ohne diese Pädagogin wäre ich damals an meiner Deutschnote gescheitert, die 1999 in mein Abschlusszeugnis geschrieben wurde. Ja, meine Rechtschreibung und Grammatik waren mies, was hier im Blog auch noch zu bestaunen ist, aber mein Ausdruck, meine Leserführung und alles, was in so einem Aufsatz bewertet wurde, war damals schon okay, nur die Rechtschreibung und mein unregelmäßiger Schulbesuch haben mir damals so ein wenig das Genick gebrochen. Die Pädagogin konnte mir aber bestätigen, dass meine Deutschleistungen durchaus auf dem Niveau der Mindestnote waren, die für den Zugang zur schulischen Ausbildung notwendig war und so eröffnete sich mir die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel zu absolvieren.

Das war natürlich Antrieb genug, diese Chance auch zu nutzen. Dieser Impetus führte dazu, dass ich 2002, also nach dem ersten Ausbildungsjahr, meinen mittleren Schulabschluss erreichte, und zwar mit einer Durchschnittsnote von 1,8, was für mich ein absoluter Erfolg war. Zugeben muss ich hier, dass der erste Versuch, den ich ebenfalls im Rahmen des Grundausbildungslehrganges bei einer Nichtschülerprüfung getätigt hatte, gründlich in die Hose ging. Einen zweiten Versuch hätte ich noch machen können, aber wenn ich den wieder nicht bestanden hätte, wäre der Weg zur mittleren Reife verschlossen gewesen und dieses Risiko wollte ich nicht eingehen. Musste ich zum Glück auch nicht, da sich mir durch meine schulische Ausbildung die Chance auf den mittleren Schulabschluss eröffnete, was noch einmal zusätzlich Schwung gab, um mich ordentlich anzustrengen! Ich hatte übrigens Glück, dass ich 1999 noch keine Abschlussprüfungen schreiben musste, um einen Schulabschluss zu bekommen. Es wurden nur bestimmte Anforderungen an die Noten gestellt, um einen bestimmten Schulabschluss zu erreichen – meine Noten reichten damals aus, um den erweiterten Hauptschulabschluss zu erhalten. Deswegen war es auch mein erster Versuch, den Realschulabschluss in der Nichtschülerprüfung zu erreichen, wobei es wahrscheinlich auch der erste Versuch gewesen wäre, wenn es damals schon eine Prüfung gegeben hätte, weil ich mit meinen Fehlzeiten und den daraus resultierenden schlechten Noten (Unentschuldigtes Fehlen = Note 6 für die Stunde) gar nicht die Zulassung zur MSA-Prüfung bekommen hätte. Ich halte übrigens nicht viel davon, dass es für solch eine wichtige Sache – und der Schulabschluss ist nun einmal wichtig für das weitere Leben – nur zwei Versuche gibt, aber das ist ein anderes Thema.

Der mittlere Schulabschluss im Jahr 2002 gab mir dann den notwendigen Impetus, um auch meine Berufsausbildung selbst im Jahr 2004 erfolgreich zu beenden, was mir gleichzeitig auch neue Wege eröffnete, denn nur diese beiden Voraussetzungen ermöglichten es mir, dass ich mein Abitur nachholen konnte. Vorher – in den Jahren 2004 und 2005 – musste ich allerdings erst einmal ein kleines Loch durchleben, denn meine Zeit bei der Bundeswehr war nicht wirklich erfolgreich. Neuen Schwung brachte dann meine Schwester, die mir 2006 von der Möglichkeit erzählte, dass ich das Abitur am Abendgymnasium machen könnte. Das war mir bis dahin nicht bewusst, hat mich aber vor dem Fehler bewahrt, auch das Abitur als Nichtschülerprüfung ablegen zu wollen – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht geschafft hätte.

Ich nahm 2006 also alle meine Unterlagen, weil ich mir nicht sicher war, ob ich die Voraussetzungen komplett erfülle, und ging damit ins Sekretariat des Abendgymnasiums und bekam dann kurze Zeit später die Mitteilung, dass das der Fall ist und ich in den halbjährigen Vorkurs aufgenommen wurde. Der verlief tatsächlich auch ziemlich erfolgreich und so kam ich ohne Probleme in die Einführungsphase, wo es dann einen kleinen Rückschritt gab, weil ich mir selbst nicht mehr zugetraut habe, dass ich das Abitur schaffen könnte. Ich meldete mich also zum Halbjahr vom Abendgymnasium ab, um mir selbst erst einmal bewusst zu werden, ob ich das wirklich machen will. Ich weiß gar nicht, was der Impetus war, der mich dann davon überzeugte, mich doch wieder anzumelden, sodass ich dann im Jahr 2007 wieder mit der Einführungsphase begann und diese – bis auf Deutsch – auch ziemlich gut abschloss. Damit kam ich dann auch in die Qualifikationsphase, wo ich mich auch in Deutsch wieder steigern konnte, wobei das wahrscheinlich auch an den Lehrer*innen lag, die ich in dieser Phase bekam. Meine mündliche Deutschprüfung habe ich dann übrigens mit 11 Punkten bestanden, was ich so nie erwartet hätte.

2010 habe ich dann also meine Abiprüfungen bestanden und seitdem ist die Luft irgendwie raus. Ja, ich habe mich dann 2012 an der Fernuniversität in Hagen eingeschrieben, aber es fehlte von Anfang an der Antrieb, sodass ich das Studium nie beendet habe und der ist bis jetzt auch nicht wirklich wieder eingekehrt. Es ist zwar nicht so, dass ich in den letzten elf Jahren nichts gemacht hätte, im Gegenteil, ich habe viele neue und interessante Dinge ausprobiert, aber es ist nichts Greifbares, nichts, was ich irgendwie nachweisen könnte. So langsam wird es also Zeit für neuen Impetus, es braucht neuen Schwung in meinem Leben, etwas, was mich wieder Antreibt und was mir einen Anstoß gibt, mich wieder neu zu erfinden.

8 Dezember 2020

Lebens-ABC: H wie Hartz4

Hartz4 begleitet mich wie ein Schatten. Ich diskutiere nicht nur gerne mit anderen darüber, ich musste auch schon selbst damit leben und es ist nicht so romantisch, wie es einige Menschen gerne darstellen. Hartz4 ist ein Fluch, isoliert, lässt einen mit der ständigen Angst leben, plötzlich ohne eine finanzielle Absicherung dazustehen, weil einem ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Okay, diese Sorge wurde jetzt etwas abgemildert, da es keine Sanktionen von 100 Prozent mehr geben darf, aber es gibt weiterhin Sanktionen und auch diese können einem auch noch die letzte Würde nehmen, die Mensch noch hat.

Ich weiß, viele haben ihr Bild von Hartz4-Empfänger*innen. Bei den meisten ist es nicht positiv, wird durch all das geprägt, was in den Medien so über Menschen in Hartz4 Bezug so erzählt wird, weil meistens die Negativbeispiele gezeigt werden, die es auch gibt, die aber nicht die Regel sind. Überhaupt sollte unsere Gesellschaft auch ein Recht auf Faulheit aushalten können, gibt es eh nicht genügend Erwerbsarbeit für alle Menschen!

Hartz4 hat nur vordergründig etwas mit Hilfsleistungen zu tun. Vielmehr ist es ein reines Repressionssystem, welches nicht nur Menschen betrifft, die aktuell Hartz4 erhalten, sondern auch Menschen, die in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen stecken, sich aber nicht trauen, sich zu organisieren, um etwas gegen die schlechte Bezahlung zu machen, weil sie Angst davor haben, dadurch ihren Job zu verlieren und in Hartz4 zu rutschen. Es ist ein System, welches Grundrechte einschränkt und Menschen in den Niedriglohnsektor zwängt, ohne eine wirkliche Wahl zu haben und ohne die Chance zu haben, seine Lohnvorstellungen durchzusetzen.

Natürlich weiß ich, dass es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass sie lieber für 3,- Euro die Stunde arbeiten gehen, als sich in die Abhängigkeit von Hartz4 zu begeben. Das erzählen diese Menschen aber meist aus einer Position heraus, in der ein scheinbar sicheres Arbeitsverhältnis besteht und dieses auch vernünftig bezahlt wird. Dass sie damit beweisen, dass das Hartz4-System ein System der Angst und Entwürdigung ist, ist diesen Menschen wahrscheinlich nicht einmal bewusst, aber mit ihrer Angst in Hartz4 zu rutschen, mit ihrer Bereitschaft das auch dadurch zu verhindern, indem sie einen Job annehmen würden, in welchem sie nur ein paar Euro die Stunde verdienen, zeigen sie, dass auch sie Angst vor diesem entwürdigenden System haben.

Hartz4 begleitet mich wie ein Schatten, und auch wenn ich in den letzten Jahren kein Hartz4 erhalten habe, so hatte ich nie wirklich viel Geld zur Verfügung. Ich habe es mit meiner Selbstständigkeit verdient, aber Luxusbedürfnisse konnte ich damit nie erfüllen. Einfach Mal ein Buch kaufen ist genauso unmöglich wie eine ordentliche Altersvorsorge. Es ist schwer, wirklich da unten raus zu kommen, auch wenn ich gerade nicht in Bezug stehe. Jede Krise kann dazu führen, dass ich Träume beerdigen muss, um mich wieder in das Repressionssystem begeben zu können.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

28 Oktober 2020

Lebens-ABC: G wie Geduld

Baumreihe

Das Wort „Geduld“ begleitet mich in meinem Leben komischerweise ständig. Ich weiß nicht wieso, aber egal was ich mache, als positives Merkmal wird immer sofort meine Geduld erwähnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein solch geduldiger Mensch bin, ich würde es eher mit Gelassenheit umschreiben, weil Panik und Stress bei Problemlösungen nicht viel bringen. Entweder, ich kann ein Problem sofort lösen, dann wären Panik und Stress eh unnötig, oder ich bekomme es nicht sofort gelöst, dann wären Stress und Panik hinderlich. Im zweiten Fall würde mich blockieren, wenn ich ungeduldig und gestresst wäre und wäre dann nicht mehr in der Lage, mir einen Plan B, gegebenenfalls sogar einen Plan C auszudenken. Das wäre – um es einmal an einem Beispiel festzumachen – bei einem Livestream aber nicht wirklich hilfreich, wenn bei diesem zum Beispiel die Kamera nicht funktioniert. Wenn ich da in Panik verfalle, weil der Livestream in 20 Minuten starten soll, kann ich die 20 Minuten nicht nutzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. In einem solchen Fall sind Geduld und Gelassenheit gefragt! Natürlich kann es sein, dass ich keine Lösung finde und der Livestream deswegen ausfällt, aber wenn ich panisch und ungeduldig bin, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passieren wird, obwohl vielleicht nur ein Kabel falsch angesteckt ist.

Geduld ist auch in anderen Situationen wichtig für mich. Wenn ich einem Kunden zum fünften oder zehnten Mal erkläre, wie etwas geht, dann funktioniert das mit Geduld sehr viel besser. Irgendwann bleibt es hängen, irgendwann wird die andere Person es verstanden und verinnerlicht haben und es ist doch sehr viel angenehmer, wenn sich diese Person bei mir bis dahin melden kann, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich ungeduldig und somit auch gereizt reagiere. Ich jedenfalls habe bei Personen, die bei meinen Nachfragen ungeduldig und gereizt reagieren, Angst, diese beim nächsten Problem erneut anzusprechen, was dann dazu führt, dass ein Problem wahrscheinlich nicht richtig gelöst wird, woraus dann neue Probleme entstehen. Da hilft Gelassenheit und Geduld viel, um Vertrauen und auch ein gutes Gefühl aufzubauen und wir alle wollen uns am Ende doch wohlfühlen, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich gereizt und ungeduldig bin. Wenn in einer Diskussion jemand absolut keine Lust hat, auf die eingebrachten Argumente zu reagieren, sie absichtlich überliest und dann behauptet, dass da bisher gar keine Argumente kamen, dann bin ich sehr ungeduldig. Wenn jemand meint, dass ein Beitrag, in einem Forum zum Beispiel, an dem ich 10 Minuten geschrieben habe, keinerlei Argumente enthält, dann aber nicht einmal bereit ist, seinerseits ein wenig Zeit zu investieren, um dies auch zu begründen, dann bin ich echt ein ungeduldiger und gereizter Mensch, da ist dann auch meine Gelassenheit ganz weit weg!

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

18 Oktober 2020

Lebens-ABC: F wie Fahrrad

Beim Buchstaben F kommt mir natürlich sofort das Fahrrad in den Sinn. Ich muss zugeben, dass ich erst ziemlich spät das Fahrradfahren gelernt habe, mit 10 oder 11 Jahren, kurz bevor es zur praktischen Fahrradführerschein-Prüfung kommen sollte. An der habe ich allerdings nie teilgenommen, weil ich am Tag der Prüfung immer noch viel zu unsicher unterwegs war und ich somit die Praxis wohl nie geschafft hätte – mal abgesehen davon, dass ich auch Links und Rechts nicht auseinanderhalten konnte, was mir auch heute noch Probleme macht, weswegen ich damals wohl auch deswegen so ziemlich durchgefallen wäre. Heute kenne ich da zum Glück die L-Regel, die mir – wenn ich wieder einmal unsicher bin – hilft, Links und Rechts zu unterscheiden. Es gelingt mir aber doch inzwischen immer häufiger, es auch ohne die L-Regel hinzubekommen, nur als Beifahrer im Auto versage ich da immer noch regelmäßig.

Irgendwann konnte ich dann aber Rad fahren, hatte es raus und irgendwann hatte ich dann auch ein BMX. Um es gleich zu sagen, mit dem, wofür ein BMX eigentlich gedacht war, hatte ich nichts am Hut, ich bin damit ganz normal gefahren und es war absolut cool, diese neue Mobilität nutzen zu können. Weniger cool war, dass ich mir regelmäßig meine Felgen zerstört habe, einmal bei einem Kontakt mit einem LKW, der zum Glück nur ein kaputtes Vorderrad zur Folge hatte, dann bei der Kollision mit einem anderen Radfahrer, welche ebenfalls mein Vorderrad zerstörte, oder auch ganz einfach Stürze, die zu Achten in meinen Felgen führten.

Das war für mich immer ärgerlich, denn wenn etwas an meinem Rad kaputt war, bedeutete das, dass ich längere Zeit auf diese Art von Mobilität verzichten musste, da das Geld fehlte, um sofort wieder Ersatz zu kaufen.

Dennoch ist das Fahrrad bis heute meine liebste Form der Mobilität geblieben, auch wenn ich 2010 – damals noch ohne Fahrradhelm – sehr viel Glück hatte. Auf meinem Weg zur Mathe-Abi-Prüfung holte mich eine Autofahrerin vom Rad, nachdem sie mir die Vorfahrt genommen hatte. Geschockt waren wir beide, wobei ich eher ziemlich verärgert war, weil ich es eilig hatte, weil ich zu meiner Abi-Prüfung wollte, aber die Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Das Rad, welches damals zu Schrott ging, hatte mir mein Laufpartner Bernd geschenkt und ich liebte das Fahrrad und würde damit wahrscheinlich heute noch durch die Gegend fahren, wenn der Unfall nicht gewesen wäre.

Mein jetziges Fahrrad fand dann 2014 den Weg zu mir. Dieses wurde mir von meiner Oma gesponsert und wurde von Bernd und mir ausgesucht. Inzwischen fahre ich damit seit sechs Jahren unfallfrei durch die Stadt, immer mit Helm, immer mit sehr viel Vorsicht und mit einer ziemlich defensiven Fahrweise. Vorher war ich eigentlich auch schon ein vorsichtiger Fahrer, hatte aber Vertrauen in die anderen Verkehrsteilnehmer und ging deswegen auch davon aus, dass mir niemand die Vorfahrt nehmen würde, was sich nach dem Unfall 2010 aber deutlich geändert hat.

Im ersten Jahr nach dem Unfall bin ich dann gar kein Rad gefahren, ich hatte tatsächlich erst einmal die Schnauze voll, doch dann kam die Sehnsucht und mit der Sehnsucht kam Nextbike. Mit Nextbike habe ich dann wieder größere Touren gemacht, die größte Tour war dabei natürlich die Tour nach Mecklenburg-Vorpommern, die mir Nextbike damals ermöglicht hat.

Inzwischen habe ich auch einen Fahrradanhänger und ganz ehrlich, mehr braucht es in einer Großstadt wie Berlin gar nicht! Selbst auf dem Land könnte ich mir vorstellen, mit einem Rad – vielleicht mit einem Lastenrad – gut ausgerüstet zu sein, wobei es da natürlich darauf ankommt, wieweit die nächste Einkaufsmöglichkeit entfernt ist.

Das Fahrrad gehört also so ziemlich zu meinem Leben dazu! Ein eigenes Auto hatte ich bisher nicht. Wenn ich denn doch einmal ein Auto brauche, nutze ich Carsharing-Angebote und bin da dann immer schon gestresst, wenn ich 30 Minuten brauche, um einen Parkplatz zu finden. Autos sind einfach nicht meine Welt, sind nicht meine Form der Fortbewegung und solange ich mit dem Fahrrad fahren kann, wird es immer das Verkehrsmittel meiner Wahl sein.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

25 August 2019

Lebens-ABC: D wie Draußen

Draußen in der Natur

Kann es eigentlich etwas Schöneres geben, als draußen in der Natur zu sein?

Draußen, das ist dort, wo nicht ganz so viele Menschen sind, wo ich schon mal eine halbe Stunde auf einer Bank sitzen kann, ohne das ein anderer Mensch vorbei kommt. Draußen im Wald, am See, am Feld, in der Natur.

Es ist doch wunderbar einfach mal durch die Gegend laufen zu können, ohne ständig durch andere abgelenkt zu werden. Den eigenen Gedanken nachgehen, dabei eben nicht ständig dem Lärm der Menschheit ausgesetzt zu sein. Nicht die S-Bahn zu hören, nicht das Auto oder anderen Zivilisationslärm. Einfach auf das Rad setzen und raus aus der Stadt, rein in die Ruhe. Oder Wandern! Kurz mit der S-Bahn an den Stadtrand fahren, dorthin, wo Berlin selbst schon fast zum Dorf wird und dann einfach wandern. Bessere Möglichkeiten, um den Kopf einmal für frische Ideen freizubekommen, gibt es doch gar nicht, oder?

Dort draußen ist auch die Perspektive eine andere. Es ist nicht dein Zimmer, nicht deine Wohnung und schon gar nicht dein Stammcafe. Es ist auch nicht dein Kiez, in dem du schon jeden Stein mehrmals gesehen hast, wenn auch meist nur unbewusst. Es ist einfach was anderes, ein Ort, der neugierig entdeckt werden kann, der voll ist mit Impulsen, die mich wieder aufladen können, die mir neue Blickwinkel erlauben, neue Gedanken ermöglichen.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.