23 Oktober 2020

Wir Behinderer

Baumstamm auf dem Weg

Heute Morgen fuhr ich mit dem Rad zu einem Auftraggeber. An einer Ampel überquerte ein blinder Mensch die Straße, und ich musste sofort an die Blogparade von blindleben denken, in der es um Begegnungen mit blinden Menschen ging.

Ich stand da also mit dem Fahrrad an der – für mich roten – Ampel und wartete, bis der Mensch die Straße überquert hatte. Ich beobachtete ihn dabei und dann fiel mein Blick auf die eigentlich viel zu hohen Bordsteinkanten, die schon für sehende Fußgänger und Radfahrer gefährlich sind. Am liebsten hätte ich ihn vor der Gefahr gewarnt, aber mir ist schon bewusst, dass blinde Menschen diese Gefahren sehr gut ohne Warnung meistern und so war es dann natürlich auch in diesem Fall.

Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie blinde Menschen sich in der Stadt zurechtfinden. Fasziniert auch, weil all die Stadtdesigner, die Planer und wer für die Gestaltung der Stadt so verantwortlich ist, sich nicht wirklich darum kümmern, wie Menschen, die von der gesetzten gesellschaftlichen Norm abweichen, damit klarkommen. Wir Menschen, die irgendwie dieser Norm entsprechen, sind da doch irgendwie Behinderer! Wir behindern mit unserer Fixierung auf den Norm-Menschen Menschen, die eben nicht dieser Norm entsprechen. Wir behindern sie, schränken sie in ihrem Bewegungsradius ein, weil wir uns nicht bewusst sind, dass die Welt, die wir schaffen, für viele eben keine Barrierefreie Welt ist.

Meine Kontakte mit blinden Menschen sind tatsächlich auf diese zufälligen Begegnungen beschränkt. Ich sehe sie, wie sie sich souverän durch die Fußgängerzone bewegen. Und es sind ja nicht nur blinde Menschen, die sich souverän durch unsere NORMalo-Welt bewegen, obwohl wir NORMalos sie behindern, weil wir mit unserer Ausrichtung Behinderer sind.

Als ich meine Oma damals mit ihrem Rollstuhl durch die Gegend geschoben habe, damit sie weiterhin an der frischen Luft unterwegs sein kann, war jeder Bordstein ein Hindernis. Ein Hindernis für mich! Wie geht es da Rollstuhlfahrern, die keine Hilfe haben? Und es sind ja nicht nur Bordsteinkanten, es sind ja auch Geldautomaten, die viel zu hoch hängen, Waschbecken, die nicht erreichbar sind und viele andere Dinge, über die wir als NORMalos gar nicht nachdenken, weil sie unserer Norm entsprechen.

18 Oktober 2020

Lebens-ABC: F wie Fahrrad

Beim Buchstaben F kommt mir natürlich sofort das Fahrrad in den Sinn. Ich muss zugeben, dass ich erst ziemlich spät das Fahrradfahren gelernt habe, mit 10 oder 11 Jahren, kurz bevor es zur praktischen Fahrradführerschein-Prüfung kommen sollte. An der habe ich allerdings nie teilgenommen, weil ich am Tag der Prüfung immer noch viel zu unsicher unterwegs war und ich somit die Praxis wohl nie geschafft hätte – mal abgesehen davon, dass ich auch Links und Rechts nicht auseinanderhalten konnte, was mir auch heute noch Probleme macht, weswegen ich damals wohl auch deswegen so ziemlich durchgefallen wäre. Heute kenne ich da zum Glück die L-Regel, die mir – wenn ich wieder einmal unsicher bin – hilft, Links und Rechts zu unterscheiden. Es gelingt mir aber doch inzwischen immer häufiger, es auch ohne die L-Regel hinzubekommen, nur als Beifahrer im Auto versage ich da immer noch regelmäßig.

Irgendwann konnte ich dann aber Rad fahren, hatte es raus und irgendwann hatte ich dann auch ein BMX. Um es gleich zu sagen, mit dem, wofür ein BMX eigentlich gedacht war, hatte ich nichts am Hut, ich bin damit ganz normal gefahren und es war absolut cool, diese neue Mobilität nutzen zu können. Weniger cool war, dass ich mir regelmäßig meine Felgen zerstört habe, einmal bei einem Kontakt mit einem LKW, der zum Glück nur ein kaputtes Vorderrad zur Folge hatte, dann bei der Kollision mit einem anderen Radfahrer, welche ebenfalls mein Vorderrad zerstörte, oder auch ganz einfach Stürze, die zu Achten in meinen Felgen führten.

Das war für mich immer ärgerlich, denn wenn etwas an meinem Rad kaputt war, bedeutete das, dass ich längere Zeit auf diese Art von Mobilität verzichten musste, da das Geld fehlte, um sofort wieder Ersatz zu kaufen.

Dennoch ist das Fahrrad bis heute meine liebste Form der Mobilität geblieben, auch wenn ich 2010 – damals noch ohne Fahrradhelm – sehr viel Glück hatte. Auf meinem Weg zur Mathe-Abi-Prüfung holte mich eine Autofahrerin vom Rad, nachdem sie mir die Vorfahrt genommen hatte. Geschockt waren wir beide, wobei ich eher ziemlich verärgert war, weil ich es eilig hatte, weil ich zu meiner Abi-Prüfung wollte, aber die Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Das Rad, welches damals zu Schrott ging, hatte mir mein Laufpartner Bernd geschenkt und ich liebte das Fahrrad und würde damit wahrscheinlich heute noch durch die Gegend fahren, wenn der Unfall nicht gewesen wäre.

Mein jetziges Fahrrad fand dann 2014 den Weg zu mir. Dieses wurde mir von meiner Oma gesponsert und wurde von Bernd und mir ausgesucht. Inzwischen fahre ich damit seit sechs Jahren unfallfrei durch die Stadt, immer mit Helm, immer mit sehr viel Vorsicht und mit einer ziemlich defensiven Fahrweise. Vorher war ich eigentlich auch schon ein vorsichtiger Fahrer, hatte aber Vertrauen in die anderen Verkehrsteilnehmer und ging deswegen auch davon aus, dass mir niemand die Vorfahrt nehmen würde, was sich nach dem Unfall 2010 aber deutlich geändert hat.

Im ersten Jahr nach dem Unfall bin ich dann gar kein Rad gefahren, ich hatte tatsächlich erst einmal die Schnauze voll, doch dann kam die Sehnsucht und mit der Sehnsucht kam Nextbike. Mit Nextbike habe ich dann wieder größere Touren gemacht, die größte Tour war dabei natürlich die Tour nach Mecklenburg-Vorpommern, die mir Nextbike damals ermöglicht hat.

Inzwischen habe ich auch einen Fahrradanhänger und ganz ehrlich, mehr braucht es in einer Großstadt wie Berlin gar nicht! Selbst auf dem Land könnte ich mir vorstellen, mit einem Rad – vielleicht mit einem Lastenrad – gut ausgerüstet zu sein, wobei es da natürlich darauf ankommt, wieweit die nächste Einkaufsmöglichkeit entfernt ist.

Das Fahrrad gehört also so ziemlich zu meinem Leben dazu! Ein eigenes Auto hatte ich bisher nicht. Wenn ich denn doch einmal ein Auto brauche, nutze ich Carsharing-Angebote und bin da dann immer schon gestresst, wenn ich 30 Minuten brauche, um einen Parkplatz zu finden. Autos sind einfach nicht meine Welt, sind nicht meine Form der Fortbewegung und solange ich mit dem Fahrrad fahren kann, wird es immer das Verkehrsmittel meiner Wahl sein.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

15 Oktober 2020

12 Jahre

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Ach Leute, wie die Zeit doch rennt. Wir haben schon wieder Oktober und im Oktober vor 12 Jahren habe ich diesen Blog hier gestartet. 12 Jahre, das sind auch 1.318 Artikel, 4.088 Kommentare, viele innere Kämpfe und auch viele äußere Kämpfe. Der eigentliche Grund, warum ich diesen Blog hier gestartet habe, war, dass ich mein Abitur nachgeholt habe und ich einen Ort brauchte, wo ich für mich noch einmal das Gelernte rezipieren konnte. Diesen Zweck hatte der Blog 2010 dann eigentlich auch schon erfüllt und das es ihn überhaupt noch gibt, liegt wohl auch daran, dass ich schlecht loslassen kann.

In den vergangen 12 Jahren – und ihr könnt sie vollständig nachlesen – habe ich mich durch den Blog auch verändert. Ich habe hier meine Meinungen und Argumente geschärft, habe sie aufgeschrieben, habe sie über den Haufen geschmissen, habe sie neu Gedacht und habe mich dadurch immer weiter entwickelt. Hier im Blog stehen Meinungen und Gedanken, die ich heute wohl nicht mehr so aufschreiben würde. Das ist spannend, weil es einem selbst oft gar nicht bewusst ist, wie sich die eigenen Gedankengänge, die eigenen Meinungen und Argumente verändern.

Spannend auch dahingehend, wie sich mein Schreiben verändert hat – ich rede jetzt nicht von den vielen Fehlern, die in meinen Texten waren, einige davon gibt es auch heute noch in meinen neuen Texten zu bestaunen. Nein, ich rede hier vom Ausdruck! Ich lese ab und an in meinen alten Texten und merke, wie ich sie heute komplett anders formulieren würde. Einige Texte fühlen sich auch ziemlich fremd an, weil ich mir gar nicht vorstellen kann, dass ich diese Texte Mal genau so aufgeschrieben habe und doch sind es meine Texte, bin ich es, der sich in diesen Texten verbirgt. Es ist spannend und deswegen bleiben die Texte auch online, egal, ob ich noch zu 100 Prozent hinter den Texten stehe oder nicht.

12 Jahre sind es jetzt also, dass dieser Blog in dieser Form online ist. 12 Jahre lang werfe ich jetzt meine Gedanken, meine Erlebnisse, Gefühle und auch meine Kurzgeschichten in dieses Aquarium, sehe zu, wie sie schwimmen und hoffe, dass sie auch von anderen Menschen gesehen werden. 12 Jahre, die ich vielleicht irgendwann Mal in einem Buch zusammenfassen und in mein Regal stellen sollte. Und wenn ich es dann mit 80 nehmen und lesen würde, wäre es wahrscheinlich für mich wieder genauso spannend und aufregend, meine alten Gedanken, Erlebnisse und Kurzgeschichten wieder neu zu entdecken.

12 Oktober 2020

Könnt ihr mir einen Gefallen tun?

Screen von der Corona-Warn-App

Leute, tut ihr mir einen Gefallen und installiert die Corona-App? Ja, ich hatte am Anfang auch bedenken, weil Bluetooth nicht die sicherste Schnittstelle ist, habe mich aber dann doch entschieden die App zu installieren, weil ich als Selbstständiger mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt komme. Wenn ich als Promoter unterwegs bin, um zum Beispiel mit Rädern mit Werbebanner-Anhänger durch die Gegend fahre, dann ist die Nachverfolgung meiner Kontakte sehr schwer. Eigentlich ist sie unmöglich. Die App ist der einzige Weg, um eine ernsthafte Nachverfolgung der Kontakte zu ermöglichen. Listen in Restaurants oder bei Veranstaltungen bringen nicht wirklich viel, schon allein wegen der Angst vieler Menschen, dass die Daten für andere Dinge missbraucht werden, bei der App besteht die Gefahr nicht!

Klar, es bleibt weiterhin der Punkt, dass die verwendete Schnittstelle nicht die sicherste ist, aber in der Pandemie müssen wir abwägen. Was ist wichtiger? Die Gesundheit und das Leben von Menschen oder eine abgeschaltete Bluetooth-Schnittstelle? Vielleicht kann auch ein Mittelweg gegangen werden, wenn nämlich ein zweites Smartphone für die Corona-App genutzt wird, auf dem keine sensiblen Daten drauf sind, wenn denn wirklich wer über Bluetooth das Smartphone knackt. Ich meine jetzt nicht, dass dafür extra ein neues Smartphone gekauft werden soll, sondern vielleicht liegt noch ein gebrauchtes irgendwo in der Schublade, welches für die Corona-App geeignet ist. Wenn dort dann nur die Corona-App läuft und nichts anderes, wäre ein Angriff auf das Smartphone nicht wirklich mit einem großen Schaden verbunden.

Also Leute, tut mir den Gefallen und installiert die App! Je mehr Menschen sie nutzen, desto besser wird die Nachverfolgung und um so mehr Freiheiten können in dieser Pandemie erhalten bleiben.

Hier noch ein kleines Update von einem anderen Blog. Der Johnny Haeusler vom Spreeblog schreibt gerade ein Quarantäne-Tagebuch und das sie so schnell reagieren und damit wohl auch verhindern konnten, dass sie viele andere anstecken, liegt an der Corona-App. Also ein praktisches Beispiel, warum die App so wichtig ist!

Bild GofundMe-Kampagne

9 Oktober 2020

Was mich wirklich glücklich macht

Wildwiese bei Erkner umgeben von Wald

Ich überlege die ganze Zeit, wie ich euch erklären kann, was Glück für mich ist. Wie ich euch vermitteln kann, wie dieses Gefühl bei mir ausgelöst wird, wie ich zeigen kann, was mich wirklich glücklich macht. Ich hoffe, ich habe ein paar Wanderer unter meinen Leser*innen, die das Gefühl, welches ich beschreiben möchte, kennen. Die es verstehen, weil es für sie genauso Glück bedeutet, wie es für mich eben jenes Glück bedeutet.

Meine Beschreibung fängt früh an einem beliebigen Tag im Frühjahr, Sommer oder Herbst an. Die Sonne beginnt gerade ihren Weg über unseren Himmel, draußen ist die Luft noch ein wenig feucht von der Nacht, es liegt auch noch ein wenig Dunst in der Luft. Ich schnüre meine Schuhe zu, mein Rucksack ist für die Wanderung bereits gepackt, gleich geht es los. Erst einmal zum Bahnhof, auf dem Weg dorthin das erste Glücksgefühl durch diesen wunderbaren Morgen, der noch so frisch und unschuldig ist, der die Vorfreude steigen lässt. Vom Bahnhof dann zum Wandergebiet am Rande der Stadt, vielleicht auch schon außerhalb, jedenfalls dorthin, wo es Natur gibt, Wald, Waldboden, Wiesen und vor allem wenige Häuser, noch besser sind natürlich auch wenige Menschen. Vorher weiß mensch das ja nie so wirklich, aber wenn die Wanderung dann anfängt und es wirklich wenige Menschen gibt, kilometerweit einem kein anderer Wanderer begegnet, dann ist es das zweite Glücksgefühl. Immer weiter dem Weg folgen, nicht wissen, was hinter der nächsten Biegung kommt und dann plötzlich vor einer wunderschönen und bunten Wildwiese stehen, schon wieder dieses Glücksgefühl. Und dann plötzlich der Anstieg, anstrengend, die Haut wird nass, das Herz pocht, immer schneller, der Puls geht hoch. Dann ist der Aufstieg geschafft und gibt den Blick frei auf eine wunderschöne Naturlandschaft, das pure Glück, das Gehirn schüttet Unmengen an Glückshormonen aus, die Tränen kommen einen in die Augen. Das ist Glück, das bedeutet Glück für mich!

Leider wird dieses Glück immer mehr getrübt, von dem Müll, der selbst in den einsamsten Gegenden überall rumliegt. Das Taschentuch, die Bierdose, die Pappdose von einem Burger King. Überall in der Landschaft, als ob es das natürlichste auf der Welt ist, seinen Müll überall liegenzulassen, ihn achtlos in die Natur zu werfen, weil er ja sonst nur Ballast ist. Das zerstört mir dann mein Glück, macht mich wütend, weil es unnötig ist, weil es das Erlebnis zerstört.

„Was macht dich wirklich Glücklich?“, fragt die wwf-Jugend in ihrer Blogparade. Aus diesem Anlass entstand dieser Artikel und ich hoffe, dass ich ein wenig vermitteln konnte, was mich wirklich glücklich macht. Und wie sieht es bei euch aus? Was macht euch wirklich Glücklich?

8 Oktober 2020

Blogparade: Wie hat Corona euer Leben verändert? #pandemieleben

Baumreihe

Hach, ich muss es doch einmal wieder probieren, ich muss Mal wieder eine Blogparade starten. Es geht um Corona und darum, wie sich euer Leben in den letzten Monaten verändert hat, ob sich überhaupt was verändert hat oder ob ihr so weiter gelebt habt wie bisher. Es gibt tatsächlich schon Blogparaden zu Corona, zum Beispiel die, wo ihr 10 Bilder von eurem Corona-Alltag verbloggen sollt, oder die, die sich mit der Ablenkung von der Corona-Pandemie beschäftigt, vergessen dürfen wir natürlich auch nicht die Zukunft nach Corona, die ebenfalls in einer Blogparade abgefragt wurde. Ich finde aber, dass noch zu wenig sichtbar wird, wie anders das Leben mit der Corona-Pandemie ist und deswegen braucht es diese Blogparade.

Ablauf

Da jede Blogparade (harte) Regeln braucht, hier der kurze Ablauf:

  • Die Frage: Wie hat Corona euer Leben in den letzten Monaten verändert?
  • Die Aufgabe: Schreibt einen Blogartikel zum Thema, veröffentlicht diesen auf euren Blog und verlinkt den Artikel hier in den Kommentaren.
  • Zeitraum: Wir haben heute den 08.10.2020 und ich würde sagen, die Blogparade läuft bis zum 05.11.2020. Ihr habt also vier Wochen Zeit, um euren Artikel zu verfassen
  • Hashtag: #pandemieleben

Ich freue mich auf eure Blogartikel und hoffe, dass ihr alle Gesund durch die Pandemie kommt, oder zumindest ohne größere Schäden, wenn euch das Virus doch erwischt.

5 Oktober 2020

05.10.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Ich sehe mir ja inzwischen täglich die Corona-Zahlen für Berlin an. Sie steigen! In mehreren Bezirken liegt der Wert der 7-Tage Inzidenz über 50 und somit über den kritischen Wert, sodass auch bei der Berliner Corona-Ampel dieser Wert auf Rot steht, die anderen beiden Werte sind zum Glück weiterhin im grünen Bereich – die Frage ist halt, wie lange noch?

Derzeit habe ich ab und an noch ein paar Einsätze als Promoter, deswegen ist dieser Blog hier überhaupt noch erreichbar, aber es reicht halt nur, um die laufenden Kosten bis zum jetzigen Zeitpunkt zu bedienen, ein Polster kann ich mir mit den Einnahmen nicht aufbauen und ich muss immer hoffen, dass die Rechnungen zeitnah überwiesen werden. Wenn die Werte sich aber weiterhin so verschlechtern, werden auch diese Aufträge bald wieder wegfallen, dann wird es wieder zu größeren Einschränkungen kommen und das macht mir schon ein wenig angst. Natürlich erzählt die Politik, dass sie härtere Einschnitte für die Wirtschaft nicht ein zweites Mal zulassen möchte, aber am Ende hat die Gesundheit und das Leben der Menschen einen höheren Stellenwert und das nicht so zu sehen, wäre höchst fahrlässig von der Politik. Deswegen müssen wir wieder mit härteren Einschnitten rechnen, muss ich damit rechnen, dass der Herbst und Winter für mich wieder sehr schwer wird und ich weiterhin kaum Einnahmen haben werde. Ist deprimierend, aber noch deprimierender wäre es, wenn wir wegen der Wirtschaft Menschen sterben lassen.

Die letzten Wochen

Die letzten Wochen waren auf jeden Fall ganz angenehm, nachdem ich die absolute Auftragslosigkeit verlassen habe. Ich durfte endlich wieder ein wenig was machen, hatte Aufträge und mein Terminkalender hatte in den letzten zwei Wochen sogar mehr belegte als unbelegte Tage. Absolut wohltuend für mich und auch absolut wichtig für meine Motivation, die in den letzten Monaten ja doch im Keller war. Ich habe jeden einzelnen Auftrag genossen, jede Stunde, die ich wieder was zu tun hatte und werde es auch noch so lange tun, wie es noch möglich ist.

Dennoch muss ich auch an die nächsten Wochen und Monate denken und habe deswegen eine Kampagne bei GoFundMe gestartet. Natürlich ist mir bewusst, dass viele von euch auch mit der Situation kämpfen und das es andere Projekte gibt, die jetzt erst einmal Hilfe brauchen, aber vielleicht hat der ein oder andere von euch ja doch noch ein paar Euros über. Jetzt höre ich mich schon an wie die armen Menschen in der S-Bahn, die sich dort ihre nächste Übernachtung in einer Unterkunft oder ihre nächste Mahlzeit verdienen müssen. Ganz so schlimm ist es bei mir aber zum Glück noch nicht, ich kann mir ja derzeit sogar noch den Luxus leisten, hier einen Blog zu schreiben, meine Gedanken zu sammeln und dadurch irgendwie durch diese Zeit zu kommen.

Bild GofundMe-Kampagne

Wer GoFundMe nicht mag, mir aber einen Cappuccino zukommen lassen möchte, kann dies über den Paypal-Me -Button machen, der unter jedem Artikel zu finden ist oder eben direkt über die Kaffeetasse an der Seite.

Körper und Geist

Ich habe in der letzten Woche endlich Mal wieder mehr Kalorien verbrannt als zu mir genommen und somit ein paar Kilos vom Corona-Speck verbrannt. Da muss zwar noch deutlich mehr passieren, aber der Trend geht ja zumindest hier in die richtige Richtung. Laufen ist derzeit leider nicht möglich, da ich mich seit einer Woche mit einem schmerzenden Bein zu beschäftigen habe. Ich weiß nicht Mal wirklich, von wo der eigentliche Schmerz ausgeht, aber das Knie ist besonders betroffen. Dafür kann ich aber Radfahren, ist vielleicht nicht die beste Medizin, aber ich vermute einfach, dass die Schmerzen auch ein wenig vom Bewegungsmangel her kommen, den ich in den letzten Monaten durchaus hatte.

Für den Geist beschäftige ich mich derzeit halt weiterhin mit kostenlosen Weiterbildungsangeboten. Gibt ja genügend und ich habe dadurch auch schon einige interessante „Entdeckungen“ gemacht, die ich in der nächsten Zeit weiterverfolgen werde. Wenn wir die Corona-Pandemie dann irgendwann hinter uns gelassen haben, wird das auch für meine Selbstständigkeit Impulse bringen, sodass ich hier durchaus schon längerfristig denke, trotz Motivationsloch, trotz derzeitiger Existenznöte. Jammern alleine löst das Problem ja nicht.

Hoffen wir einfach, dass wir alle Gesund durch die Zeit kommen, denn nur wenn wir am Leben bleiben, können wir eine Zeit nach der Pandemie planen.

23 September 2020

(Il)legale Partys und Corona

Derzeit gibt es ja viele illegale Partys in Berlin, Ursache dafür ist natürlich die Pandemie, aber auch die Politik, die hier immer noch nicht kreativ genug ist. Einige werden jetzt wieder sagen, dass die jungen Menschen doch wohl Mal verzichten können, kann doch nicht so schwer sein! Und ja, wenn ich jetzt nur von mir persönlich ausgehe – was viele in diesem Zusammenhang ja tun – fällt es wirklich nicht schwer. Ich war allerdings schon vor der Pandemie eher selten bei Massenveranstaltungen, einzig und allein der Besuch bei meinem Fußballverein war immer Mal notwendig und den vermisse ich auch jetzt schon, aber ansonsten fehlt es mir nicht. Nun bin ich aber nicht der Bezugspunkt, denn andere Menschen brauchen eben die Party als Ventil, um den Stress, der durch das normale Leben entsteht, abzubauen. Für andere, Singles, die alleine wohnen, ist das die Möglichkeit, um in sozialen Kontakt mit anderen Menschen zu kommen und der Einsamkeit zu entfliehen. Diese Bedürfnisse kannst du für eine gewisse Zeit zurückstellen, aber eben halt nicht ewig!

Schon am Anfang der Pandemie schrieb ich, dass die Einschränkungen für einen gewissen Zeitraum durchaus Sinn ergeben, dieser Zeitraum aber eben mit einer Perspektive verknüpft sein muss. Diese Perspektive hat der Senat aber bisher nicht geschaffen und inzwischen kommen wir in den Herbst. Und ja, der Artikel ist am Anfang der Pandemie entstanden und einiges davon würde ich heute so wohl nicht mehr schreiben.

Ich glaube, wir hätten weniger Probleme mit Partygängern, wenn es eine legale Möglichkeit geben würde. Hierzu hätte der Senat den Clubbetreibern Flächen zuweisen müssen, die für solche Partys hätten genutzt werden können. Im Gegenzug hätten die Veranstalter natürlich ein Hygiene-Konzept erstellen, hätten natürlich auf die Einhaltung der Regeln achten müssen. Es hätte personalisierte Tickets geben können, die eine Nachverfolgung ermöglichen und es hätte Verantwortliche für den Müll und dessen Beseitigung gegeben. Einige von euch werden mir jetzt aber entgegenrufen, dass die Fallzahlen steigen, wir immer noch mitten in der Pandemie stecken und das ganze doch unverantwortlich ist!

Nun, die Alternative dazu sehen wir gerade. Illegale Partys im Park, die nach Stunden aufgelöst werden, bei denen es aber keine Nachverfolgbarkeit der Personen gibt, kein Hygiene-Konzept, keine Verantwortlichen, die auf dessen Einhaltung achten. Wir haben unkontrollierbare Partys, die sich notfalls halt in Gebäude verlagern, wo sie nicht so schnell auffliegen und von der Polizei aufgelöst werden. Ist das der bessere Zustand? Und nein, ich glaube nicht daran, dass wir diese Partys ewig lang unterdrücken können, und genau das ist mein Punkt in der Diskussion. Dann doch lieber legale Partys, mit Hygiene-Konzept, mit Verantwortlichen, die darüber wachen und mit Nachverfolgbarkeit.

Ich möchte auf keinen Fall Corona verharmlosen, dafür haben wir alle viel zu viel über den Virus in den letzten Monaten gelernt, aber ich werbe dafür, dass wir uns durchaus in die Lage von Menschen versetzen, die grundsätzlich schon bereit wären, sich an die Regeln zu halten, wenn sie im Gegenzug ein Ventil bekommen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Es könnte so viel leichter sein, auch die Durchsetzung von Hygiene-Regeln auf den Partys selbst, wenn wir nicht nur versuchen mit negativen Anreizen die Leute davon zu überzeugen, sondern es eben auch mit Konzepten für positive Anreize versuchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich sowohl die Veranstalter, wie auch die Gäste, sehr um die Einhaltung der Regeln bemühen würden, damit solche Freiräume auch weiterhin genutzt werden könnten, nur dazu hätte der Senat diese erst einmal schaffen müssen.

22 September 2020

Demokratisch legitimiert?

Ich lese immer wieder irgendwas von „demokratisch legitimiert“ und frage mich dann, was soll das eigentlich heißen? Ein demokratisch legitimiertes Gesetz, was soll das sein? Jetzt Mal ehrlich, wie viele Menschen arbeiten an so einem Gesetz mit? Wie viel Mitsprache von Außen ist möglich, wenn neue Gesetze erarbeitet werden? Wie viele Menschen dürfen am Ende über das Gesetz abstimmen, dürfen es annehmen oder ablehnen? Genau, es sind eher wenige und sie spiegeln in vielen Fällen nicht einmal die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft. Was ist daran demokratisch legitimiert?

Klar, wir können Demonstrieren, wir dürfen unsere Meinung sagen, ohne dafür ins Gefängnis zu gehen. Wir können bei Wahlen antreten, können wählen, wen wir wollen, ohne dass uns irgendwelche Repressionen drohen, aber eine Entscheidungsmacht bei konkreten Gesetzesentwürfen haben wir nicht. Wir müssen darauf hoffen, dass die gewählten Repräsentanten alle Lebensmöglichkeiten mitdenken, sie sich auch an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, zwingen können wir sie dazu nicht, wie wir es beim Klimaschutz beobachten können. Ist es noch demokratisch legitimiert, wenn hier die Interessen von wenigen – die genügend Geld auf ihrem Konto haben – stärker bewertet werden als die Interessen von Vielen, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlagen verlieren? Ist es demokratisch legitimiert, wenn Männer über die Körper von Frauen entscheiden? Und wie demokratisch sind Gesetze, die Menschen ins Gefängnis bringen, die gar keine Straftat begangen haben, die friedlich hier in Deutschland gelebt haben, aber Mitglied einer Oppositionsgruppe waren, die in Deutschland nicht einmal verboten ist, aber in ihrem Land als Terrororganisation angesehen wird?

Und ja, sicher ist es immer noch angenehmer in Deutschland zu leben als in Nordkorea, aber darf das ein Grund sein, dass wir uns mit dem Zufrieden geben, was wir derzeit haben? Warum nutzen wir die Möglichkeiten nicht, um unsere Gesellschaft wirklich demokratisch zu strukturieren? Braucht es wirklich dauerhaft eine repräsentative Demokratie? Ist eine Regierungsform, wo die Macht weiterhin auf wenige Menschen verteilt ist, die deswegen weiterhin auch einen großen autoritären Charakter hat, tatsächlich das Ende der Entwicklung, oder haben wir es uns – nach dem Zweiten Weltkrieg – in dieser Regierungsform einfach nur zu bequem gemacht und dadurch die Weiterentwicklung verschlafen? Denn natürlich müsste diese Entwicklung von unten kommen, aus der Gesellschaft heraus, da autoritäre Institutionen eine solche Entwicklung garantiert nicht anstoßen!

Vielleicht sollten wir einmal darüber diskutieren, wie demokratisch diese Regierungsform wirklich ist, um dann zu schauen, ob Demokratie nicht vielleicht doch mehr ist, als alle paar Jahre irgendwo ein Kreuz zu machen. Wenn wir dann schon in der Debatte sind, würde ich auch gerne über das „demokratisch legitimiert“ sprechen, weil nicht jede Entscheidung, nicht jedes Gesetz für mich wirklich diese demokratische Legitimation hat.

19 September 2020

Tirade: 10 Männer mit Geld

Wow, da wird seit Monaten versucht alle davon zu überzeugen, dass der Mund-Nasen-Schutz wichtig ist, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann und dann sitzen beim Eröffnungsspiel der Bundesliga, welches Live in ganz Deutschland im Free-TV zu sehen war, 10 Herren ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz auf der Tribüne eines Stadions, aus welchem gerade ein Tag zuvor das – bis dahin zugelassene Publikum – ausgeschlossen wurde. Ganz ehrlich, haben die echt überhaupt kein Taktgefühl mehr, auch wenn die bayrische Corona-Verordnung das tatsächlich zulässt?

Welche Botschaft vermitteln diese Herren denn bitte, wenn sie, obwohl wir gerade in einer Pandemie sind, sich da ganz normal, ohne Mund-Nasen-Schutz, ohne Abstand, hinsetzen? Ist denen nicht bewusst, dass sie eine Vorbildfunktion haben und sie mit solch einer Aktion die Bemühungen der letzten Wochen kaputt machen? Muss es wirklich sein, dass die sich so demonstrativ ins Stadion setzen, so als ob die Pandemie ihnen nichts anhaben könnte, als ob sie sich nicht mit Covid-19 infizieren könnten? Ich kann mir da nur an den Kopf greifen, denn auch wenn die Corona-Verordnung das in Bayern so hergibt, sollten sich die Herren bewusst sein, dass das an ihre Fans eine gewisse Botschaft aussendet.

Jugendliche müssen sich seit Monaten einschränken, haben ihre physischen sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert und müssen, wenn sie sich dann doch mit ihren Freunden treffen, sich an alle möglichen Regeln halten, damit wir solidarisch die Menschen schützen, die dieses Virus ansonsten töten würde. Diese Jugendlichen sehen dann, dass der Vorstand der Bayern sich nicht an diese Regeln hält, was meint ihr, welche Schlüsse einige Jugendliche daraus ziehen werden? Dasselbe gilt natürlich auch für Erwachsene, die sich durchaus auch an Vorbildern orientieren!

Ja, es mögen nur 10 Leute sein und ja, die arbeiten zusammen in einem Verein, aber jeder von diesen Herren hat ja auch noch andere Verpflichtungen, trifft andere Menschen, hat also durchaus die Möglichkeit, sich mit dem Virus anzustecken und diesen dann in den Verein zu tragen. Und da ist egal, dass es da auch noch einen Hygiene-Plan der DFL gibt!

Es regt mich auf, weil ich – wegen Corona – Pleite bin, weil ich keinen Plan mehr habe, wie es die nächsten Monate weitergeht. Ich kann nur hoffen, dass es nicht wieder zu härteren Ausgangsbeschränkungen kommt, weil dann auch die Promotion-Jobs, die ich derzeit wieder ab und an habe, wegfallen würden. Und dann sitzen da 10 Menschen, die genügend Geld haben, die deswegen kaum von den Corona-Einschränkungen betroffen sind, und schaffen es einfach nicht, einen verdammten Mund-Nasen-Schutz zu tragen! Ich könnte gerade mächtig kotzen.

PS: Bevor ihr euch jetzt aufregt: Ich bin pleite, dieser Blog geht irgendwann in den nächsten Wochen eh offline!