13 Dezember 2020

Ich bin dann Mal bei Flizz!

Kennt ihr noch Quizduell? Ich habe das Spiel bisher immer gerne gespielt, doch jetzt wird es vom Hersteller ziemlich kaputt gemacht! Nein, ich will nicht das Geld zurück, welches ich für die Premium-Version bezahlt habe. Nach mehreren Jahren werbefreier Nutzung, habe ich die Leistung bekommen, für die ich bezahlt habe. Die Infrastruktur hinter dem Spiel kostet ja weiterhin Geld und dass die nicht dauerhaft durch einen einmaligen Betrag finanziert werden kann, wird vielen hoffentlich klar sein, aber knapp 5,- Euro im Monat für die Werbefreiheit zu bezahlen, halte ich dann doch für übertrieben! Aber gut, ich habe mir damals Premium gekauft, weil mich die Werbung nervte, da diese das Spielerlebnis kaputt machte und das hat sich nicht geändert, weswegen ich mich jetzt vom Quizduell verabschiede.

Bye Bye Quizduell – Hallo FLIZZ

Ohne Quizspiel wird es aber auch weiterhin nicht gehen! Deswegen habe ich mir FLIZZ angesehen und ich finde die App cool. Das Design ist Mal was ganz anderes, hat seine Ecken und Kanten, aber es ist dennoch irgendwie gemütlich. Das Quizprinzip selbst ist ähnlich dem vom Quizduell und ja, auch hier wird Werbung eingeblendet, aber ob die wirklich stört, weiß ich noch nicht. Wenn, dann gibt es bei FLIZZ auch wieder die Möglichkeit, sich die Werbefreiheit zu erkaufen. Kostet knapp 5,- Euro, was aber jetzt schon wieder das Problem aufwirft, dass das keine dauerhafte Finanzierung der App sein kann. Hoffentlich finden die Entwickler hier dann, wenn es soweit ist, einen besseren Weg als Quizduell, um die Finanzierung zu sichern.

Quizzt mit mir!

Jetzt reicht es aber auch mit den einleitenden Gedanken, jetzt will ich mit euch Quizzen! Also installiert euch ganz schnell FLIZZ auf eurem Smartphone, legt euch ein Profil an und dann sucht mich im Spiel, fordert mich heraus und fügt mich zu eurer Freundesliste hinzu! Jetzt braucht ihr natürlich noch meinen Spielernamen und ja, der ist natürlich wie immer so ziemlich schwer, Vielleser werden ihn nicht einmal im Ansatz erdenken können und deswegen – weil er so geheim ist – wird er hier noch einmal erwähnt: Teufel100

11 Dezember 2020

Mal wieder das Thema Armut …

Geld

Leute, ich gebe es auf! Es hört mir eh keine zu und wenn mir Mal wer zuhört, dann kommt die Antwort, dass ich das doch gar nicht so sehen kann, weil ist halt nicht so schlimm. Doch, verdammt noch Mal, ich kann es so sehen, weil ich es selbst erlebt habe! Und nein, ich will nicht in andere Länder schauen, in denen die Armut noch viel schlimmer ist. Ja, es gibt sie, es gibt Länder, wo Menschen verhungern, weil WIR verdammt noch einmal nichts an unserem Wirtschaftssystem ändern wollen und weil WIR auch nichts von unserem Wohlstand abgeben möchten! Ganz im Gegenteil, unser Wohlstand basiert zu großen Teilen auf der Ausbeutung dieser Länder, also hört verdammt noch einmal auf damit, mich auf diese Länder hinzuweisen, solange ihr nicht bereit seid anzuerkennen, dass wir ein Teil des Problems sind!

Aber okay, fangen wir noch einmal von vorne an, weil Armut ist ja immer individuell und dafür kann ja kein anderer was. Sollen die sich halt in der Schule Mal ein wenig mehr anstrengen, dann schaffen sie es auch, die Armut hinter sich zu lassen! Genau, sie sollen sich in der Schule anstrengen, in der sie, weil sie sich bestimmte Statussymbole nicht leisten können, wegen ihrer Armut gemobbt werden. Sie sollen also an dem Ort gute Leistungen bringen, vor dem sie teilweise Angst haben, weil sie sich dort nicht mehr hintrauen und deswegen lieber zu Hause bleiben und den Unterricht schwänzen. Wo sie, wenn sie doch regelmäßig da sind, regelmäßig lernen müssen, dass ihre Beurteilung auch vom gesellschaftlichen Stand geprägt ist und sie halt im schlimmsten Fall nur eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen, obwohl sie durchaus mehr leisten könnten. An diesem Ort sollen die sich dann mehr anstrengen, um der Armut zu entkommen?

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich eigentlich Koch werden wollte? Das war schon im Kindergarten mein Traumberuf, aber ich hatte da nie eine Chance. Warum? Weil ich mir die Ausrüstung gar nicht leisten konnte, die ich aber schon bei jedem Praktikum hätte haben sollen. Jetzt kommen sicher gleich wieder die, die mir sagen, dass das schon irgendwie gegangen wäre, ich nur halt an der richtigen Stelle hätte nach Unterstützung fragen müssen. Denkt ihr doch gerade, oder? Und ja, ihr habt bestimmt recht, irgendwo hätte es sicher Unterstützung gegeben, irgendwo hätte sich ein gebrauchtes Messerset auftreiben lassen, irgendwer hätte sicher auch die andere Berufskleidung bezahlt. Nur es ist immer wieder ein neuer Kampf, es fühlt sich immer wieder genauso scheiße an, um alles betteln zu müssen, um eventuell irgendwo Mal eine Chance zu bekommen! Ich habe dann eine kaufmännische Ausbildung gemacht, weil die Zugangskosten einfach geringer waren.

Ich kann übrigens Gedanken lesen: Ihr denkt gerade, dass ich die Schuld nur bei den anderen suche, weil ich versuche, hier gesellschaftliche Zusammenhänge zu beschreiben. Natürlich habe ich die Fehler selbst gemacht, habe mir Chancen verbaut, habe Türen für immer verschlossen. Natürlich, aber es gibt halt immer auch eine gesellschaftliche Komponente. Die Angst zur Schule zu gehen ist nicht eine individuelle Schuld, sich bestimmte Dinge nicht leisten zu können auch nicht! Das spielt halt immer mit rein, auch wenn das natürlich keiner hören will.

Zu günstige Lebensmittel?

Wenn ihr dann Menschen verurteilt, die sich halt wirklich nur das billigste Fleisch leisten können, die sich wahrscheinlich nicht einmal das kaufen, was sie gerne essen würden, sondern das, was sie sich leisten können, dann ist das auch immer wieder heftig zu lesen. Nein, die Ausrede, dass ihr ja die anderen meint, die gilt dann einfach nicht. Natürlich kaufen auch Menschen günstige Lebensmittel, die sich eigentlich teurere Lebensmittel leisten könnten, aber ganz ehrlich, auch das hängt mit unserem Wirtschaftssystem zusammen. Ein System, welches immer neue Bedürfnisse weckt und bei dem sich Menschen immer wieder neu entscheiden müssen, wie sie ihre finanziellen Mittel aufteilen wollen. Wenn diese dann bei Lebensmitteln sparen können und dies auch tun, dann kann ich auch diese Entscheidung verstehen, auch wenn es natürlich kontraproduktiv ist!

Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, und doch gibt es viele Hunderttausende Menschen, die sich ihre Lebensmittel von den Tafeln holen müssen! Menschen, die ohne diese gespendeten Lebensmittel überhaupt keine Chance hätten, sich Nahrung und eine Wohnung leisten zu können. Da muss ich mich nicht über Menschen lustig machen, die günstige Lebensmittel kaufen, auch wenn die Herstellung dieser Lebensmittel unter katastrophalen Zuständen passiert. Wahrscheinlich habe ich schon viel zu oft erwähnt, dass wir eine Verbesserung in diesen Bereichen nur hinbekommen, wenn wir es schaffen, dass jeder Mensch auf dieser Erde – also nicht nur in Deutschland – ein vernünftiges, lebenswertes Leben mit positiven Zukunftsperspektiven führen kann. Das wird im Kapitalismus nicht möglich sein, da Kapitalismus auf Ausbeutung aufbaut, aber solange wir im Kapitalismus leben, muss irgendwie jeder überleben können und das halt notfalls auch, indem er viel zu günstige Lebensmittel kauft.

Und Fleisch ist hier jetzt nur ein Beispiel, damit mir jetzt niemand kommt und sagt, dass die Menschen dann halt auf Fleisch verzichten müssen. Dasselbe gilt für viele andere Lebensmittel auch, bei vielen anderen Lebensmitteln sind die Zustände auch nicht besser. Erntehelfer, die nicht einmal den Mindestlohn bekommen, Kleinbauern, die von ihrer Arbeit kaum leben können und vieles mehr. Überall gilt, dass die Preise für Lebensmittel wohl deutlich steigen müssten, damit die Erzeuger auch fair am Gewinn beteiligt werden könnten. Dabei müssen aber halt auch die Menschen mit gedacht werden, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind.

Arm dran? Selbst schuld? Warum du dein Schicksal nicht selbst in der Hand hast. | Der rote Faden
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Also gar nichts tun?

Doch! Aber nicht immer gegen Menschen, die dafür nicht wirklich was können. Die Ausbeutung von Natur, Tier und Mensch werden wir nur dann überwinden können, wenn wir den Kapitalismus überwinden. Das wird ein langer Weg, denn als Erstes müssen wir die Gesellschaft radikal demokratisieren. Die Wirtschaft, die Schule, jeder Lebensbereich, jede Institution muss radikal demokratisiert sein, damit Entscheidungen zum Umbau der Gesellschaft getroffen werden können. Bis dahin können wir sicher Verbesserungen erreichen und es ist natürlich auch weiterhin wichtig und notwendig die Missstände aufzuzeigen, aber wer mit dem Finger auf Menschen zeigt, die sich bestimmte Lebensweisen (noch) nicht leisten können, der wird diese Menschen nicht als Partner im Kampf gegen die Missstände gewinnen können. Dasselbe gilt für Kleidung, für Elektroartikel und für alle anderen Konsumgüter.

8 Dezember 2020

#FürMichFürUns – 1 Million Postkarten (Werbung)

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Kennt ihr noch meine Postkartenwand? Menschen, die hier schon länger mitlesen, werden sich sicher noch daran erinnern, dass ich a.) Postkarten liebe und ich diese b.) an einer Wand in meinem Zimmer sammle. Postkarten sind immer ein kleiner Farbtupfer im Briefkasten, die uns ein wenig am Leben von anderen Personen teilhaben lassen. Ein Bild aus einer anderen Gegend, ein lustiger Comic, ein nachdenklicher Spruch. Alles Dinge, die uns ein wenig was über den anderen Menschen erzählen, ohne dass dieser viel erzählen muss und natürlich zeigt es auch, dass da andere Menschen an uns denken. Menschen, die sich die Zeit nehmen, um uns eine kleine Freude zu bereiten, indem sie uns eine Postkarte zusenden.

Die Einsamkeit durchbrechen

Vielleicht ist die Zwischenüberschrift ein wenig übertrieben, aber gerade jetzt in der Pandemie, in der wir unsere sozialen Kontakte einschränken müssen, in der wir auch nicht durch die Welt reisen können, um andere Orte zu erleben, könnten Postkarten ein Mittel sein, um diese Form der Einsamkeit zu durchbrechen. Sicher, nicht jeder ist jetzt einsam, aber es gibt doch viele Menschen, die derzeit nur wenige oder sogar gar keine Kontakte zu anderen Menschen haben und auch wenn wir inzwischen Kommunikationskanäle haben, über die wir in Echtzeit miteinander in Kontakt treten können, ist so eine Postkarte doch ein Symbol, um den anderen Menschen noch einmal deutlich zu zeigen, dass wir an diesen denken. Es ist etwas, was in die Hand genommen werden kann, um Menschen durch schwierige und einsame Momente zu führen. Also nutzt die Chance und schreibt euren Liebsten, die ihr derzeit nicht besuchen könnt, eine schöne Postkarte und lasst sie dadurch an eurem Leben teilhaben.

#FürMichFürUns – MyPostcard und die Deutsche Post verschenken 1 Million Postkarten

Weil die Zeiten so sind, wie sie derzeit sind, gibt es derzeit von MyPostcard und der Deutschen Telekom eine Aktion, bei der 1 Million Postkarten verschenkt werden. Leichter wird es wohl nicht mehr, um mit dem Versenden von Postkarten anzufangen. Um an der Aktion teilzunehmen, müsst ihr euch die MyPostcard-App installieren und hier in den Bereich #FürMichFürUns wechseln. Dort könnt ihr dann ein Motiv für eine Postkarte wählen und dieses mit einem eigenen Foto versehen. Wer kein eigenes Foto hat, der kann auch ein vorgefertigtes Motiv wählen. Dann müsst ihr nur noch einen kleinen Text verfassen und natürlich die Empfänger-Adresse angeben und schon kann die Karte kostenfrei versandt werden. Wer die App nicht installieren kann, kann auch alternativ über den Webbrowser an der Aktion teilnehmen. Weitere Infos zur Aktion findet ihr auf der Webseite zur Aktion (hier klicken).

Bild mir mehreren Menschen, die eine Postkarte der Aktion in der Hand halten.

Ihr solltet euch aber nicht allzu viel Zeit lassen, denn die Aktion ist auf 1 Million Postkarten beschränkt und jeder Nutzer darf insgesamt 3 kostenlose Postkarten versenden. Aber auch wenn das Kontingent aufgebraucht ist, sind Postkarten eine schöne Möglichkeit, um seinen liebsten Menschen eine Freude zu machen. Auch dazu könnt ihr die App und eure eigenen Fotos nutzen. Das kostet dann natürlich Geld, ist aber möglich, ohne dabei in direkten Kontakt zu anderen Menschen zu kommen.

Gemeinsam durch die Pandemie

Ich glaube, dass wir diese kleinen Aktionen brauchen, um gemeinsam durch die Pandemie zu kommen. Kleine Aufmerksamkeiten, die uns immer wieder daran erinnern, dass die Menschen da draußen auch in dieser schwierigen Situation an uns denken und wohl auch gerne bei uns wären, wenn die Möglichkeit dazu bestehen würde. Gemeinsam schaffen wir es, auch wenn es schwerfällt, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. Wir machen es, um die Menschen zu schützen, weil wir sie Lieben, weil wir sie auch in ein paar Jahren noch persönlich treffen wollen und ich bin mir sicher, dass da die Motivation hochgehalten werden kann, wenn wir etwas in der Hand halten, was uns zeigt, dass uns die anderen Menschen in der Pandemie nicht vergessen haben.

8 Dezember 2020

Lebens-ABC: H wie Hartz4

Hartz4 begleitet mich wie ein Schatten. Ich diskutiere nicht nur gerne mit anderen darüber, ich musste auch schon selbst damit leben und es ist nicht so romantisch, wie es einige Menschen gerne darstellen. Hartz4 ist ein Fluch, isoliert, lässt einen mit der ständigen Angst leben, plötzlich ohne eine finanzielle Absicherung dazustehen, weil einem ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Okay, diese Sorge wurde jetzt etwas abgemildert, da es keine Sanktionen von 100 Prozent mehr geben darf, aber es gibt weiterhin Sanktionen und auch diese können einem auch noch die letzte Würde nehmen, die Mensch noch hat.

Ich weiß, viele haben ihr Bild von Hartz4-Empfänger*innen. Bei den meisten ist es nicht positiv, wird durch all das geprägt, was in den Medien so über Menschen in Hartz4 Bezug so erzählt wird, weil meistens die Negativbeispiele gezeigt werden, die es auch gibt, die aber nicht die Regel sind. Überhaupt sollte unsere Gesellschaft auch ein Recht auf Faulheit aushalten können, gibt es eh nicht genügend Erwerbsarbeit für alle Menschen!

Hartz4 hat nur vordergründig etwas mit Hilfsleistungen zu tun. Vielmehr ist es ein reines Repressionssystem, welches nicht nur Menschen betrifft, die aktuell Hartz4 erhalten, sondern auch Menschen, die in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen stecken, sich aber nicht trauen, sich zu organisieren, um etwas gegen die schlechte Bezahlung zu machen, weil sie Angst davor haben, dadurch ihren Job zu verlieren und in Hartz4 zu rutschen. Es ist ein System, welches Grundrechte einschränkt und Menschen in den Niedriglohnsektor zwängt, ohne eine wirkliche Wahl zu haben und ohne die Chance zu haben, seine Lohnvorstellungen durchzusetzen.

Natürlich weiß ich, dass es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass sie lieber für 3,- Euro die Stunde arbeiten gehen, als sich in die Abhängigkeit von Hartz4 zu begeben. Das erzählen diese Menschen aber meist aus einer Position heraus, in der ein scheinbar sicheres Arbeitsverhältnis besteht und dieses auch vernünftig bezahlt wird. Dass sie damit beweisen, dass das Hartz4-System ein System der Angst und Entwürdigung ist, ist diesen Menschen wahrscheinlich nicht einmal bewusst, aber mit ihrer Angst in Hartz4 zu rutschen, mit ihrer Bereitschaft das auch dadurch zu verhindern, indem sie einen Job annehmen würden, in welchem sie nur ein paar Euro die Stunde verdienen, zeigen sie, dass auch sie Angst vor diesem entwürdigenden System haben.

Hartz4 begleitet mich wie ein Schatten, und auch wenn ich in den letzten Jahren kein Hartz4 erhalten habe, so hatte ich nie wirklich viel Geld zur Verfügung. Ich habe es mit meiner Selbstständigkeit verdient, aber Luxusbedürfnisse konnte ich damit nie erfüllen. Einfach Mal ein Buch kaufen ist genauso unmöglich wie eine ordentliche Altersvorsorge. Es ist schwer, wirklich da unten raus zu kommen, auch wenn ich gerade nicht in Bezug stehe. Jede Krise kann dazu führen, dass ich Träume beerdigen muss, um mich wieder in das Repressionssystem begeben zu können.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

5 Dezember 2020

53 Prozent der Warn-App-Nutzer mit positivem Ergebnis teilen dieses in der App!

Screen von der Corona-Warn-App

Leute, ich muss euch sagen, dass ich gestern ziemlich geschockt war! Ich habe mir Mal wieder die Statistiken zur Corona-App angesehen und musste feststellen, dass die App immer noch nicht so weit verbreitet ist, wie sie sollte. Derzeit gibt es wohl rund 23,5 Millionen Downloads. Damit hätten gerade einmal 1/4 der in Deutschland lebenden Menschen die App installiert, aber selbst das stimmt nicht, weil von den Downloads ja noch nicht auf die aktive Nutzung geschlossen werden kann und wenn dann noch Menschen in der Zwischenzeit ein neues Smartphone gekauft haben und auf diesem die App neu installierten, dann fällt die Zahl noch einmal.

Aber das ist es gar nicht, was mich so geschockt hat, auch wenn es mich enttäuscht, weil die APP eigentlich die einzig wirkliche Möglichkeit ist, um Infektionsketten zu unterbrechen. Wir können uns zwar der Illusion hingeben, dass die Gesundheitsämter all den Menschen hinterhertelefonieren könnten, die mit einem infizierten Kontakt hatten, aber das ist unmöglich und bindet die Ressourcen, die für andere Tätigkeiten wichtig wären! Geschockt war ich davon, dass von den 174.998 potenziell teilbaren Testergebnissen, die im Zeitraum vom 01. September 2020 bis zum 02. Dezember 2020 verifiziert wurden und positiv waren, nur 95.340 (54 Prozent) tatsächlich geteilt wurden. 46 Prozent haben sich entschieden, die eventuellen Kontakte, die per App gesammelt wurden, nicht darüber zu informieren, dass sie ein positives Testergebnis hatten. 46 Prozent haben die Möglichkeit nicht genutzt, um eventuelle Infektionsketten zu durchbrechen und ich frage mich: warum?

Dass die App auf Freiwilligkeit basiert ist wichtig, sonst würden die Menschen diese ablehnen und gar nicht nutzen, aber wenn ich die App nutze, warum informiere ich dann nicht die Menschen, die ich eventuell angesteckt habe? Das passiert ja anonym, es weiß also keiner, wer da positiv getestet wurde. Es bestünde für diesen Menschen aber die Chance, sich selbst in Quarantäne zu begeben, sich testen zu lassen und damit Infektionsketten zu beenden.

Ist es die Angst vor einer drohenden Stigmatisierung? Wenn ja, ist es nicht traurig, dass wir in unserer modernen Gesellschaft noch Angst davor haben müssen? Es ist ein Virus, den kann jeder bekommen, egal wie vorsichtig er oder sie ist! Deswegen ist es wichtig, damit offen umzugehen, denn eine verschwiegene Infektion bringt niemanden weiter und kann am Ende sogar dazu führen, dass da draußen Menschen unnötig sterben! Wenn 46 Prozent ihre positiven Ergebnisse nicht teilen, dann werden die Zahlen nicht sinken, dann werden die noch weiter explodieren und unsere Freiheiten werden weiter eingeschränkt bleiben, bis eine gewisse Impfquote erreicht wurde, wollen wir das wirklich?

Wenn ich dann heute auf Twitter beim Spreeblick noch lese, dass sich einige Labore die Freiheit herausnehmen und eigenständige entscheiden, keinen Code für die Warn-App zu generieren, weil sie diese für nicht sinnvoll halten, dann werde ich tatsächlich richtig sauer. So wird das nichts! So werden wir in eine Situation kommen, wo die Ärzt*innen entscheiden müssen, welche Patienten Leben dürfen und welche nicht! Wollen wir da wirklich hinkommen, ist das wirklich weniger schlimm, als eine unsichere Bluetooth-Schnittstelle oder die Angst, dass der Datenschutz nicht gegeben ist?

25 November 2020

Das gesellschaftliche Hamsterrad und die Pandemie

Baumreihe

Es ist gerade spannend zu sehen, wie sich Politiker*innen immer weiter in ihrem Hamsterrad drehen, aus dem sie nicht herauskommen, weil das bedeuten würde, dass gesellschaftliche Konzepte auf den Prüfstand müssten. Konzepte, die wir jetzt Jahrzehnte so gelebt haben, weil es einfach so schön einfach ist und die wir nur nicht antasten dürfen, weil es halt schon immer so war!

Da müssen Schüler*innen weiter in die Schule, weil es eben wichtig ist, dass sie in die Schule gehen. Sonst wären ja die Eltern plötzlich gebunden, könnten nicht mehr die volle Zeit ihrer Arbeit nachgehen und das würde ja der Wirtschaft schaden. Und überhaupt, die Kinder müssen doch in die Schule, müssen doch soziale Kontakte haben und Lernen geht halt nicht anders! Am Nachmittag allerdings, also in ihrer Freizeit, da müssen sie soziale Kontakte dann unbedingt vermeiden, muss ja jeder seine Opfer bringen in der Pandemie. Kurz gesagt: Vormittags in der Schule schön anstecken und Nachmittags dann den Virus im Haushalt verteilen! Wobei, in der Schule steckt sich ja keiner an, passiert ja alles woanders und überhaupt … ach lassen wir das.

Es gab ja nicht den Sommer, in dem wir Modelle hätten entwickeln können, die jetzt den Druck herausnehmen würden. Digitale Konzepte, die den Schüler*innen zumindest eine Wahlmöglichkeit hätten geben können. Aber dann könnte sich ja am Ende vielleicht herausstellen, dass das System der Schulpflicht gar nicht notwendig ist und es durch das Recht auf Lernen ersetzt werden könnte.

Wo ich das Thema gerade anspreche: Ein Recht auf Lernen könnte auch Schüler*innen aus einkommensschwachen Haushalten davor schützen, dass das Job-Center plötzlich der Meinung ist, dass diese kein Abitur brauchen, sondern lieber arbeiten gehen sollen. Aber das ist ein anderes Thema, welches halt immer wieder Mal aufkommt, aber niemanden wirklich interessiert. Warum sollten Jugendliche aus Hartz4-Haushalten auch dieselben Chancen haben wie andere?

Zurück zu den Schulen. Das Problem sind ja nicht nur die fehlenden digitalen Konzepte, das Problem ist ja auch der Datenschutz. Ja, Datenschutz ist wichtig, aber es muss möglich sein, dass das Internet weiterhin als Kommunikationskanal genutzt werden kann und es muss auch möglich sein, dieses riesige Wissensnetz als Lernplattform einzusetzen. Wenn Eltern das allerdings nicht möchten, dann nutzt das beste digitale Konzept nichts! Ja, nicht nur Politiker drehen sich im Hamsterrad, auch viele andere Menschen sind darin gefangen, kommen einfach nicht raus, haben Angst vor dem Neuen und halten am Alten fest, weil das halt schon immer so war!

Nicht Wirtschaft, sondern Menschen retten

Der nächste Punkt ist dann weiterhin das BGE. Menschen brauchen – gerade in der Pandemie – ein sicheres Einkommen! Damit ist sehr viel mehr Menschen geholfen, als mit den 9 Milliarden Euro, die an die Lufthansa gegangen sind. Die Wirtschaft sollte ein Konstrukt sein, dass dem Menschen zu einem guten Leben verhilft. Derzeit ist es aber ein Konstrukt, was für viele Menschen ein gutes Leben unmöglich macht, weil es die Lebensgrundlagen zerstört und Mensch, Tier und Natur ausbeutet. Darum müssen jetzt auch die Schulen offen bleiben, damit diese Wirtschaft weiterhin Wohlstand für wenige schafft. Wäre es nicht so, dann müssten wir die Wirtschaft nicht retten, weil wir sie einfach herunterfahren könnten und sie dann – nach der Pandemie – ohne Schäden wieder hochfahren könnten.

Wären Wohn- und Geschäftsräume nicht dazu da, um anderen Menschen Renditen zu bringen, wären sie also in gesellschaftlicher Hand, könnte die Gesellschaft jetzt entscheiden, dass sie für einen gewissen Zeitraum auf die zu zahlenden Mieten verzichtet. Genauso sieht es bei Strom, Telekommunikation und anderen wirtschaftlichen Bereichen aus, bei denen wir als Gesellschaft einfach hätten auf Einnahmen verzichten können, damit alle gut durch die Pandemie kommen. Dann hätte es danach einfach weiter gehen können, dann bräuchte jetzt keiner Angst haben, durch die Pandemie seine Existenz zu verlieren!

Eine solche Wirtschaft haben wir aber nicht, hatten wir vor der Pandemie nicht und hätten wir jetzt in der Pandemie auch nicht erreichen können, aber wir hätten ein BGE einführen können! Habe ich jetzt schon oft genug geschrieben, hier im Blog, auf Twitter, überall, wo ich regelmäßig schreibe. Haben wir auch nicht gemacht und damit wieder eine Chance verpasst, die Gesellschaft insgesamt solidarischer zu organisieren.

Da hätten wir dann schon ein weiteres gesellschaftliches Konstrukt angefasst, nämlich das Konstrukt der Erwerbsarbeit. Oje, Erwerbsarbeit, Schulpflicht, was denn noch?

Vielleicht generell die repräsentative Demokratie? Nein, ich will keine Diktatur! Allerdings will ich demokratische gesellschaftliche Institutionen! Eine demokratische Wirtschaft, eine demokratische Institution Schule und vieles mehr. Werde ich wahrscheinlich nie erleben, weil wir uns immer weiter in unserem Hamsterrad drehen, weil es morgen noch so ist, weil es immer schon so war.

23 November 2020

Gut, es ist ein Jammerjahr!

Bäume, Wolken und ein Gewässer

Das Jahr neigt sich langsam seinem Ende zu, noch ein paar Wochen hat es, dann ist Schluss. Die Zeit rennt und die Zeit fühlt sich so verloren an, weil die letzten Monate mich nicht weiter gebracht haben. Jeder Schritt nach vorne bedeute gleichzeitig wieder Stillstand, immer wenn es wieder aufwärts ging, lauerte an der nächsten Ecke schon wieder das Tal und das macht einen dann doch fertig! Es hilft aber nichts, es muss ja irgendwie weitergehen, nein, es geht irgendwie weiter, auch wenn ich in den letzten Monaten schon häufiger alles hinwerfen wollte. Dieser Krampf, dieses von Monat zu Monat denken, weil es auf dem Konto einfach keine Rücklage mehr gibt und das Ziel einfach nur ist, zumindest die laufenden Kosten irgendwie weiterhin zahlen zu können, macht einen irre und nicht die Möglichkeit zu haben, notfalls halt Hartz4 zu beantragen, noch sehr viel mehr.

Irgendwie bin ich jetzt bis November gekommen. Wie genau, weiß ich auch nicht, aber bis hierhin konnte ich irgendwie alles bezahlen, was bezahlt werden musste und das, obwohl ich schon seit August damit rechne, dass ich das nicht mehr schaffe! Geholfen haben mir da natürlich auch die beiden Spenden bei meiner gofundme-Kampagne und ein paar kleinere Aufträge, die ich in den letzten Monaten dann doch hatte. Hilfen vom Staat habe ich nicht bekommen, auch wenn sich die Politiker immer wieder damit rühmen, dass den Solo-Selbstständigen doch so geholfen wurde. Ich schrieb es glaube schon, dass mir die bisherigen Hilfen, die es gegeben hätte, nicht wirklich etwas gebracht hätten, weil ich das Geld nicht hätte ausgeben dürfen und irgendwie scheint es mir, dass durch die Hilfen die Ungleichheiten in der Gesellschaft nur vergrößert wurden, weil gefühlt die reichsten Menschen um den Betrag der Hilfen reicher geworden sind in der Krise.

Ich bin weiterhin der Meinung, dass ein BGE mehr gebracht hätte, aber dagegen hat sich ja die sozialdemokratische Partei Deutschlands sehr gut gewehrt, weil sie die Menschen lieber in Hartz4 sehen will, wo sie mit Repressionen die Menschen klein halten kann. Hat schon einmal wer ausgerechnet, wie viel BGE hätte ausgezahlt werden können, wenn all die Hilfen, die ausgeschüttet werden sollten, in diese Idee geflossen wären? Mir hätte es jedenfalls viele schlaflose Nächte und uns allen wahrscheinlich ein paar Querdenker erspart, weil zumindest eine finanzielle Absicherung bestanden hätte, mit der die Existenz hätte gesichert werden können. Aber okay, wo kämen wir denn hin, wenn wir die Krise genutzt hätten, um neue Konzepte auszuprobieren? Könnte ja passieren, dass die Bekämpfung der Pandemie nachher noch gelingt, weil die Menschen einfach zu Hause bleiben!

Gut, es ist ein Jammerjahr. Da muss nicht nur ich durch, da müssen wir alle durch. Nur gehen mir langsam die Ideen aus, denn ohne Geld ist es halt so ziemlich unmöglich, irgendwelche Ideen umzusetzen. Aber okay, irgendwie wird auch diese Woche wieder vergehen und vielleicht schaffe ich es auch diesen Monat wieder, irgendwie genug zu verdienen, um die laufenden Kosten zu bezahlen. Ich glaube derzeit nicht daran, aber selbst wenn nicht, muss es ja irgendwie weiter gehen. Ich lasse mich überraschen!

11 November 2020

Drohen, einschüchtern, Meinungsfreiheit einschränken …

Herbst

Dieses Internet ist echt spannend, besonders dann, wenn du eine harmlose Diskussion führst, und dir am Ende ein Teilnehmer, den du bis dahin nicht wirklich beachtet hast, mit dem Anwalt droht, weil er sich durch eine allgemeine Aussage angegriffen fühlt. Passiert immer wieder Mal, meist ist eine Aussprache am nächsten Tag möglich, in der all das geklärt wird, aber derzeit gibt es da draußen eine Gruppe von Menschen, denen ich durchaus zutraue, den Weg zum Anwalt zu gehen. Nicht, weil sie mit ihren Anschuldigungen irgendwie Erfolg haben könnten, sondern nur, um dem anderen einen finanziellen Schaden zuzufügen, indem erst einmal ein Brief vom Anwalt geschrieben wird, mit dem du dann zu deinen eigenen Anwalt musst, um das prüfen zu lassen. Dann zahlst du auf jeden Fall die Erstberatung und im schlimmsten Fall, wenn es zu einem Verfahren kommt, noch die restlichen Kosten, weil die Gegenseite kein Geld hat.

Einschränkung der Meinungsfreiheit durch Einschüchterung

Das ist die Ausgangslage! Einige werden jetzt sagen, dass das ja nicht schlimm ist, wenn an den Vorwürfen nichts dran ist, aber ist das wirklich so einfach? Ich finde nicht, denn es kommen da noch andere Ebenen ins Spiel. Wenn das einmal passiert, dann mag das noch okay und verkraftbar sein, aber wenn dir dann in jeder zweiten Diskussion, in der es um ein bestimmtes Thema geht, mit dem Anwalt gedroht wird und es mehrmals dazu kommt, dass du einen Anwalt aufsuchen musst und diese Kosten erst einmal tragen musst, wirst du dich in deinen Meinungsäußerungen einschränken. Im schlimmsten Fall wirst du Plattformen meiden, auf denen das ständig geschieht. Das ist ein Problem, weil das derzeit genau die Vorgehensweise ist, die einige Gruppen dort draußen versuchen, um ungeliebte Meinungen zu unterdrücken. Diese Gruppen versuchen sich selbst zum Opfer zu machen, um die Gegenseite einzuschüchtern, sie daran zu hindern, ihre Meinung weiterhin öffentlich zu verbreiten, damit die eigene Meinung uneingeschränkt und ohne Widerspruch verbreitet werden kann.

Dadurch wird Meinungsäußerung dann zu einem Privileg für Menschen, die es sich leisten können, weil sie sich gegen die Vorwürfe der anderen zur wehr setzen können. Das ist ein riesiges Problem, weswegen ich auch das System der Abmahnungen in diesen Fall als schwierig ansehe. Auch wenn Abmahnungen ja erst einmal was Positives sind, weil so kleinere Streitigkeiten auch ohne ein gerichtliches Verfahren beigelegt werden können. Das Problem sind aber die entstehenden Kosten, die auf jeden Fall erst einmal auf einen zukommen, wenn die Abmahnung geprüft werden muss. Und da die Mehrheit hier wahrscheinlich keine Juristen sind, läuft dies darauf hinaus, einen Anwalt aufzusuchen.

Ich habe keine Ahnung, wie dieses System besser gestaltet werden könnte, vielleicht gibt es auch schon einen Verein, der sich um Abmahnungen kümmert, die gezielt darauf ausgelegt sind, durch Einschüchterung die Meinungsfreiheit einzuschränken, nur ist das halt auch ein Problem für die Plattformbetreiber selbst, wenn immer mehr Menschen aufhören, dort aktiv an Diskussionen teilzunehmen. Das schränkt die Pluralität an Meinungen ein und es schränkt die Meinungsbildung an sich ein.

Hinter Pseudonymen verstecken

Jetzt wäre es natürlich möglich, sich hinter Pseudonymen zu verstecken, die erst einmal nicht so leicht einer realen Person zuzuordnen sind, um eine solche Diskussion zu führen. Dann hätte auch die Gegenseite erst einmal mehr Kosten, um die Person zu identifizieren und würde sich somit ansehen, ob es überhaupt Erfolgsaussichten hat, aber dann gibt es halt Menschen – und dazu gehöre ich – die sich nicht wirklich verstecken können, weil es zum Beispiel Pflichtangaben gibt, die auf dem eigenen Blog hinterlegt sein müssen. Deswegen ist das Pseudonym zwar ein wichtiges Instrument im Internet, aber den Vorteil können halt nicht alle Nutzen.

Deswegen müssten wir eine gesellschaftliche Diskussion darüber führen, wie wir die Meinungsvielfalt im Internet schützen können, ohne das bestimmte Gruppen die Möglichkeit haben, durch irgendwelche Aktionen dem Gegenüber einen finanziellen Schaden zuzufügen. Es muss möglich sein, seine Meinung auch unter seiner richtigen Identität zu vertreten – so lange diese vom Grundgesetz gedeckt ist – ohne Angriffe zu befürchten, die einen dann in die Situation bringen, entscheiden zu müssen, ob Mensch seine Meinung noch öffentlich vertreten will.

Ich schreibe diese Artikel natürlich nicht ohne Grund, denn die Situation, die ich oben beschrieben habe, betrifft mich gerade wieder selbst. Noch ist nichts passiert und wenn was passiert, bin ich mir ziemlich sicher, dass all meine Aussagen weder beleidigend, noch in irgendeiner anderen Art und Weise strafbar sind. Doch auch ich muss natürlich, wenn etwas kommt, zum Anwalt gehen, um mich dagegen zu wehren. Viel schlimmer ist aber diese Ungewissheit, die eine solche Aussage erst einmal auslöst. Denn auch wenn ich mir sicher bin, dass das alles okay war, werde ich jetzt natürlich noch öfter darüber nachdenken, ob ich meine Meinung zu einem Thema auch schreibe und somit hat die Drohung mit dem Anwalt dann auch schon ihr erstes Ziel erreicht!

9 November 2020

Wo ist die Mobilisierung?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Sagt Mal, was läuft hier eigentlich falsch? In Leipzig marschieren zehntausende Wut-Hut-Maskenverweigerer, weil diese der Meinung sind, dass sie – wegen ein bisschen Stoff – in ihrer Freiheit und in ihren Grundrechten beschränkt sind, aber wenn die EU wirkliche Grundrechtsbeschränkungen plant, indem sie einen Generalschlüssel für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Kommunikationsapps wie WhatsApp, Signal und Co. plant, berichten davon nur eine handvoll Medien, aber die Mobilisierung dagegen bleibt aus. Klar, es geht derzeit um einen Entwurf, aber auch gegen einen Entwurf kann schon mobilisiert werden, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass das nicht stillschweigend hingenommen wird!

Warum gelingt es menschenverachtenden Personen, so viele Menschen zu mobilisieren, die anderen Menschen mit ihrem Handeln Schaden zufügen, die sogar in kauf nehmen, dass da andere Menschen sterben, weil sie meinen, dass so ein Mund-Nasenschutz einfach nur schrecklich ist, aber keiner mobilisiert, wenn es um die wirkliche Einschränkung von Grundrechten geht? Ich verstehe es einfach nicht!

Wir sollten anfangen, nicht immer bis zum letzten Moment zu warten, um Irrwege der Politik zu verhindern. Wir sollten schon bei Entwürfen zeigen, dass wir ganz klar gegen solche Grundrechtsbeschränkungen sind, auch dann, wenn als Primärziel immer und immer wieder die Terrorbekämpfung vorgegeben wird. Alle, die immer noch sagen, dass sie nichts zu verbergen hätten, werden sich wundern, wenn sie irgendwann mit einer totalitären Regierung aufwachen. Einer Regierung, die dann all die schönen Werkzeuge nutzen kann, die gerade von repräsentativ-demokratischen Entscheidungsträgern eingeführt werden! Ist uns unsere Privatsphäre wirklich so egal? Sind uns unsere Grundrechte wirklich so unwichtig, dass wir sie dem vorgeblichem Ziel von mehr Sicherheit unterordnen, und dabei den komplett gläsernen Menschen schaffen, nur weil es möglich ist?

Es wundert mich, dass all die Menschen, die sich über Facebook, Google und Co. aufregen, weil diese eine riesige Datensammlung aufbauen, sich nicht darüber aufregen, wenn der Staat sich immer mehr Zugänge in unsere Kommunikation schafft. Terrorbekämpfung kann nicht alles sein, Sicherheitsgesetze nicht die Erklärung für alle Grundrechtsbeschränkungen! Um es einmal deutlich zu sagen: all diese Einschränkungen der Grundrechte, all diese Befugnisse für Sicherheitsbehörden, führen dazu, dass ALLE Menschen unter Generalverdacht gestellt werden!

Nur, um da einmal einen Vergleich zu haben: die Forderung nach einer externen Ermittlungsbehörde, die sich mit Fällen von Polizeigewalt beschäftigt, führt regelmäßig zu der Aussage, dass wir die Polizist*innen nicht unter Generalverdacht stellen dürfen! Warum wird diese Argumentationskette nicht einmal dazu genutzt, um die Grundrechte zu verteidigen? Dann würden Polizei- und Sicherheitsgesetze komplett anders aussehen, aber solange jeder meint, dass er nichts zu verbergen hat, wird sich nichts daran ändern, das autoritär-konservative Politiker unsere Grundrechte immer weiter einschränken.

PS: Nein liebe Wut-Hut-Maskenverweigerer, dieser Beitrag wird an meiner Verachtung zu eurem Menschenhass und eurem Egoismus nichts ändern. Hass und Hetze hat nichts mit dem zu tun, was ich in diesem Artikel versuche zu vermitteln!