19 September 2020

Tirade: 10 Männer mit Geld

Wow, da wird seit Monaten versucht alle davon zu überzeugen, dass der Mund-Nasen-Schutz wichtig ist, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann und dann sitzen beim Eröffnungsspiel der Bundesliga, welches Live in ganz Deutschland im Free-TV zu sehen war, 10 Herren ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz auf der Tribüne eines Stadions, aus welchem gerade ein Tag zuvor das – bis dahin zugelassene Publikum – ausgeschlossen wurde. Ganz ehrlich, haben die echt überhaupt kein Taktgefühl mehr, auch wenn die bayrische Corona-Verordnung das tatsächlich zulässt?

Welche Botschaft vermitteln diese Herren denn bitte, wenn sie, obwohl wir gerade in einer Pandemie sind, sich da ganz normal, ohne Mund-Nasen-Schutz, ohne Abstand, hinsetzen? Ist denen nicht bewusst, dass sie eine Vorbildfunktion haben und sie mit solch einer Aktion die Bemühungen der letzten Wochen kaputt machen? Muss es wirklich sein, dass die sich so demonstrativ ins Stadion setzen, so als ob die Pandemie ihnen nichts anhaben könnte, als ob sie sich nicht mit Covid-19 infizieren könnten? Ich kann mir da nur an den Kopf greifen, denn auch wenn die Corona-Verordnung das in Bayern so hergibt, sollten sich die Herren bewusst sein, dass das an ihre Fans eine gewisse Botschaft aussendet.

Jugendliche müssen sich seit Monaten einschränken, haben ihre physischen sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert und müssen, wenn sie sich dann doch mit ihren Freunden treffen, sich an alle möglichen Regeln halten, damit wir solidarisch die Menschen schützen, die dieses Virus ansonsten töten würde. Diese Jugendlichen sehen dann, dass der Vorstand der Bayern sich nicht an diese Regeln hält, was meint ihr, welche Schlüsse einige Jugendliche daraus ziehen werden? Dasselbe gilt natürlich auch für Erwachsene, die sich durchaus auch an Vorbildern orientieren!

Ja, es mögen nur 10 Leute sein und ja, die arbeiten zusammen in einem Verein, aber jeder von diesen Herren hat ja auch noch andere Verpflichtungen, trifft andere Menschen, hat also durchaus die Möglichkeit, sich mit dem Virus anzustecken und diesen dann in den Verein zu tragen. Und da ist egal, dass es da auch noch einen Hygiene-Plan der DFL gibt!

Es regt mich auf, weil ich – wegen Corona – Pleite bin, weil ich keinen Plan mehr habe, wie es die nächsten Monate weitergeht. Ich kann nur hoffen, dass es nicht wieder zu härteren Ausgangsbeschränkungen kommt, weil dann auch die Promotion-Jobs, die ich derzeit wieder ab und an habe, wegfallen würden. Und dann sitzen da 10 Menschen, die genügend Geld haben, die deswegen kaum von den Corona-Einschränkungen betroffen sind, und schaffen es einfach nicht, einen verdammten Mund-Nasen-Schutz zu tragen! Ich könnte gerade mächtig kotzen.

PS: Bevor ihr euch jetzt aufregt: Ich bin pleite, dieser Blog geht irgendwann in den nächsten Wochen eh offline!

11 August 2020

11.08.2020: Was läuft bei mir?

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Hach, die letzten Monate waren doch nicht ohne. Ein Grund, warum es hier so still war und ich auch mit meinen Wochenrück- und Vorblicken aufgehört habe, war, dass meine Oma gestorben ist. Nicht an Corona, aber wegen Corona konnten wir sie vorher nicht einmal mehr besuchen. Ist sehr schwierig, weil sie, auch wenn sie vielleicht nicht mehr viel mitbekommen hat, ziemlich einsam gestorben sein muss. Im Heim, bei all den anderen Menschen, wo nur ihre Kinder und Enkel nicht mehr gekommen sind. Wahrscheinlich wusste sie nicht einmal, warum wir nicht kommen können, dass wir nicht kommen durften. Das macht es irgendwie noch einmal schwerer, weil der Gedanke daran, dass sie ziemlich einsam gewesen sein muss, schmerzt. Zum Glück konnten wir aber wenigstens zu ihrer Beerdigung gehen, hier waren die Regeln dann schon nicht mehr so streng und so war wenigstens die Möglichkeit des Abschiedes gegeben.

Diese Möglichkeit hatte ich bei meinem Onkel leider nicht, der schon ein paar Wochen vorher gestorben war. Leider waren zu dem Zeitpunkt die Bestimmungen noch strenger und die Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern nicht wirklich erlaubt. Das ist schon scheiße, auch wenn der Kontakt nicht so eng war, wie zu meiner Oma. Ich hätte dennoch gerne Abschied genommen, denn an Mecklenburg-Vorpommern und auch an meinem Onkel – okay, er war der Mann meiner Tante, aber dennoch nannten wir ihn Onkel – habe ich doch positive Erinnerungen, auch aus der Kindheit. Sollte leider nicht sein, weil Corona es nicht wollte, was mich schon ziemlich traurig macht.

Das mit meiner Oma geht mir leider nicht aus dem Kopf. Gerne hätte ich sie dieses Jahr noch einmal gesehen, gerne hätte ich noch ein wenig Zeit mit ihr verbracht. Es rächt sich leider, dass ich mir diese Zeit nicht zum Anfang des Jahres genommen habe. Es lehrt mich, dass das mit dem Verschieben von Besuchen leider auch dazu führen kann, dass es dann für Besuche einfach zu spät ist. Ich habe mir natürlich vorher auch die Zeit genommen, sie zu besuchen, zuletzt lag dann jetzt aber ein etwas längerer Abschnitt dazwischen und durch das ständige hinausschieben, habe ich sie jetzt dann gar nicht mehr gesehen. Das schmerzt schon ziemlich, auch wenn am Ende ein Virus die Schuld daran trägt, dass ich meine Oma nicht mehr sehen konnte.

Jetzt haben wir August, die Beerdigung ist auch schon wieder ein paar Wochen her und ich muss langsam wieder ins Handeln kommen. Mehrere Monate bin ich jetzt schon ohne Aufträge und wenn der August auch nicht besser wird, dann ist das mit der Zahlungsfähigkeit vorbei. Dann gibt es auch diesen Blog hier nicht mehr und all die anderen Seiten von mir. Hoffen wir einfach, dass das nicht so weit kommt!

Die Hoffnung ist leider ein wenig begrenzt, weil es da diese Wut-Hut-Maskenverweigerer-Egomanen gibt, die sich in ihrer Freiheit und in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen, wenn sie ein Stück Stoff vor Mund und Nase tragen müssen. Dabei gibt es gar kein Grundrecht auf „Ohne-Maske“-Einkaufen oder „Ohne-Maske“-Zugfahren. Ich habe es zumindest nicht gefunden und das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gilt auch nur solange, wie die Grundrechte von anderen nicht verletzt werden. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zum Beispiel und das Recht auf Leben. Aber erkläre das Mal diesen Menschen, die sich in einer riesigen Verschwörung wähnen, in einem Szenario, wo sie entrechtet werden sollen, durch ein Stück Stoff. Ich würde die gerne alle in Haftung nehmen, wenn es wieder zu Beschränkungen kommt, oder – noch schlimmer – zu einem richtigen Shutdown, wie ihn andere europäische Länder erlebt haben. Ist denen aber egal, denn sie wollen ihr Recht, andere Menschen anstecken zu können, wahren, können aber nicht erklären, worin sie durch eine Maske denn wirklich eingeschränkt sind? Vielleicht ist es die eigene Beschränktheit, die sie so einschränkt.

Das schreibe ich, obwohl ich ja auch nicht so begeistert von diesen Masken bin, obwohl ich auch die autoritären Züge, die dieser Virus ins Rampenlicht gezogen hat, ablehne. Ich trage die Maske dennoch, weil ich das Recht auf Leben respektiere, weil ich andere nicht in Gefahr bringen möchte, weil ich selbst nicht wissen kann, ob ich den Virus nicht vielleicht schon im Körper trage. Deswegen akzeptiere ich auch die anderen Regeln, über die autoritären Tendenzen können wir auch nach der Krise noch diskutieren und diese auch hoffentlich überwinden.

Die letzten Wochen waren schwierig, die nächsten Wochen sind es wohl auch, aber Kopf hängen lassen gilt jetzt nicht, jetzt muss es einfach irgendwie weiter gehen, denn irgendwann werden auch wieder bessere Zeiten kommen.

19 Mai 2020

Dieses Jahr wird wohl doch nicht fabelhaft …

Herbst

Am Anfang des Jahres schrieb ich ja, dass das Jahr fabelhaft werden würde. Damals wusste ich noch nicht, dass da ein Virus auf uns zukommt, der erst einmal alles zum Stillstand bringt und so viele Menschen auf eine harte Probe stellen würde. Soziale Kontakte, Arbeit, Einkommen – plötzlich war alles irgendwie bedroht und doch bin ich der Meinung, dass wir das Jahr immer noch nutzen könnten, es immer noch fabelhaft werden könnte, wenn wir an den positiven Punkten anknüpfen und wir unsere Gesellschaft in die richtige Richtung weiter entwickeln.

Schule

Damals schrieb ich, dass die Schule in diesem Jahr endlich zu einem demokratischen Ort weiterentwickelt werden könnte. Ich ging natürlich von der Klimabewegung aus, die diese Entwicklung hätte vorantreiben können. Aber durch das Virus ergeben sich natürlich neue Denkmöglichkeiten. Schule als demokratischer Ort, wo Lehrende und Lernende gleichberechtigt sind, sie demokratische Werkzeuge erlernen und nutzen und so die autoritäre Institution Schule zu einer demokratischen Institution wandeln. Natürlich sind wir weit weg davon. Vielmehr sehen wir weiterhin die autoritären Bemühungen des Staates, der die Schüler möglichst schnell wieder in die autoritären Strukturen bringen will und genau hier wäre jetzt ein Zeitfenster, in welchem sich die Schüler ein Mitspracherecht erkämpfen könnten. Da haben konservative Politiker natürlich etwas dagegen, immerhin lief das schon immer so und warum sollte sich daran etwas ändern? Aber es spricht halt viel dafür, endlich etwas an diesen alten Strukturen zu verändern.

Schulpflicht zum Beispiel! Bei der Einführung war diese durchaus sinnvoll, sollten die Kinder doch aus der Arbeit geholt und in die Schule gebracht werden. Inzwischen sollten wir aber in einer Gesellschaft leben, in der diese Pflicht durch ein Recht auf Schule ersetzt werden könnte. Viel besser wäre sogar noch ein Recht auf Lernen und das in einer demokratischen Institution Schule. Schule sollte ein Ort sein, an dem wirklich alle Kinder und Jugendliche eine Chance haben, auch die, die nicht der Norm entsprechen, die das heutige Schulsystem verlangt. Schule sollte auch der Ort sein, wo all die Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft nicht nur erlernt, sondern auch gelebt werden. Schule als Ort, an dem Ideen für unsere Zukunft entstehen, die dann auch von der Politik ernst genommen werden müssen. Schulen als Hotspot der Demokratie.

Ja, das ist jetzt schon der hundertste Artikel zu dem Thema von mir, aber ich sehe leider keine Diskussion zu diesem Thema, als ob der Ort Schule wirklich für immer der autoritäre Ort sein muss, an dem vielen Kindern und Jugendlichen der Spaß am Lernen verloren geht.

Die Grenzen

Okay, die Grenzen sind derzeit dicht! Genau das Gegenteil von dem, was ich mir im damaligen Artikel gewünscht habe. Ich kann da jetzt auch erst einmal nicht viel Positives sehen, außer, dass die AfD jetzt einmal gesehen hat, wie das mit geschlossenen Grenzen so ist, weswegen sie jetzt in Mecklenburg ja auch Grenzöffnungen gefordert hat. Ob das aber langfristige Folgen hat und die AfD-Wähler jetzt einmal darüber nachdenken, was sie da eigentlich wählen, wage ich zu bezweifeln.

Dafür haben wir aber am Anfang der Krise gesehen, dass das mit der Solidarität schon irgendwie klappen könnte. Da war soviel Elan, soviel „Wir-schaffen-das“, was schon ein positives Signal ist. Die Politik selbst hat dieses Gefühl nie wirklich vermittelt. Sie hat ein wenig versucht die Wirtschaft zu retten, halbherzig, mit falschen Signalen, aber die ärmeren Menschen in unserer Gesellschaft hat sie bis jetzt im Stich gelassen.

Fazit

Okay, es wird mit großer Wahrscheinlichkeit kein fabelhaftes Jahr. Nicht nur, weil dieser Virus derzeit so viele Einschränkungen mit sich bringt, sondern auch, weil wir die positiven Möglichkeiten, die durch dieses Virus eröffnet wurden, nicht nutzen werden. Jetzt hätten wir die Stellschrauben in Richtung Klimaschutz drehen können, jetzt hätten wir die Wirtschaft und die Gesellschaft in genau diese Richtung drehen können, doch die Politik spricht lieber von der nächsten Kaufprämie für Autos. Und die Wähler? Die belohnen es, indem sie wieder mehr zu den autoritären konservativen Parteien umschwenken.

11 Mai 2020

11.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Ist schon wieder eine Woche vorbei? Wo ist die hin? Nein, ehrlich, wo ist die Woche hin? Okay, vielleicht ist es schon ganz gut, dass die Zeit derzeit fliegt, vielleicht bekomme ich dadurch gar nicht alles mit, worüber ich mich dann eh nur aufregen würde. Warum zum Beispiel alle Schüler*Innen bis zu den Sommerferien noch einmal in der Schule gewesen sein sollen, erschließt sich mir nicht. Wenn sich Deutschland nicht in der Digitalsteinzeit befinden würde, wäre digitales Lernen nicht so ein Stückwerk wie jetzt, sondern eine wirkliche Alternative. Ja, dann müsste auch endlich allen Schüler*Innen ein eigenes Endgerät zur Verfügung stehen, am besten mit mobilem Internet, aber das wurde ja bisher erfolgreich verdrängt.

Meiner Meinung nach ist Schule als Ort für Frontalunterricht gar nicht so wichtig, wichtiger ist Schule als Lernort, als Ort für soziale Kontakte und sozialen Austausch. Schule als demokratische Institution, in der jeder Schüler, jede Schülerin und alle dazwischen Mitentscheiden können, wie das Lernen stattfindet. Ein Ort, der die Neugier an Neuem erhält und so auch den Spaß am Lernen. Ein solcher Ort kann dann auch eine Zeitlang verlagert werden, wenn es die Situation erfordert, weil jeder Lernende auch wirklich selbstständig Lernen kann, auch zu Hause, auch mit viel Motivation, weil das Lernen Spaß macht, die Neugierde noch vorhanden ist. Aber okay, solange die Wirtschaft im Mittelpunkt steht und sie die Schule als autoritäre Institution braucht, um die Menschen an das derzeitige System zu gewöhnen, wird sich wohl nicht viel ändern. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte hier eine Wende bringen, hätte jetzt in dieser Krise dazu beitragen können, die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen, weil die Menschen keine Angst um ihre Existenz haben müssten. Jetzt haben wir halt Menschen, die sich auf Demos gegen diese Maßnahmen treffen und dort den Virus fleißig verteilen. Aber so läuft das halt in unserem System, welches als Mittelpunkt die Wirtschaft und das Kapital hat und eben nicht den Menschen.

Beruflich

Es gibt immer Mal wieder ein wenig was zu tun. Es freut mich, weil einige Auftraggeber sich doch irgendwie durch die Krise retten können. Das ist natürlich auch deswegen schön, weil es teilweise nicht nur Auftraggeber sind, sondern auch Freunde. Und natürlich eröffnet das auch für einen selbst Perspektiven, weil es nach der Krise nicht bei null beginnt, sondern schon ein kleines Fundament da ist, auf dem wieder etwas aufgebaut werden kann.

Und auch die Projekte, die jetzt durch die Krise erst entstehen, machen Mut. Ob sie am Ende auch wirklich ein Erfolg werden, wird sich zeigen müssen, aber machen ist wohl besser als nichts machen und deswegen machen wir jetzt halt ein wenig was.

Körper und Geist

Ich habe wieder ein wenig mehr gelesen in der letzten Woche! Dazu konnte ich mich tatsächlich motivieren. Ich meine damit natürlich nicht die Artikel im Internet, die ich sowieso täglich konsumiere, sondern tatsächlich Bücher, bzw. ein Buch. Ich bin da eh ziemlich langsam geworden, brauche für ein Buch viel zu viel Zeit, aber lieber länger an einem Buch lesen als gar nicht lesen, oder?

Sport habe ich nicht wirklich gemacht. War zwar schönes Wetter in der letzten Woche, aber die Motivation ist immer noch nicht gegeben. Wird sicher wieder besser, aber ich bin derzeit auch nicht in der Stimmung, mich dazu zu zwingen – dasselbe gilt übrigens für das Schreiben von Blogartikeln. Themen hätte ich einige, Gedanken genauso, die sortiert werden wollen, aber die Motivation, diese Gedanken dann auch festzuhalten, fehlt halt derzeit.

22 April 2020

Egoistisch oder demokratisch?

Wer vor Gericht geht, um dort prüfen zu lassen, ob die Einschränkung seiner Grundrechte verhältnismäßig ist, ist nicht egoistisch! Diesen Satz will ich jetzt schon längere Zeit loswerden, schon deswegen, weil er eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es ist nicht Egoistisch Ausgangsbeschränkungen überprüfen zu lassen, es ist wichtig für eine Demokratie, dass dies möglich ist und dass jederzeit die Entscheidungen von Politikern überprüft werden können. Nur so können wir verhindern, dass solch eine Krise dazu genutzt wird, die Demokratie und die Freiheitsrechte zu beschränken.

Aber Demokratie scheint eh nur etwas für fröhliche und glückliche Zeiten zu sein, denn wenn ich mich so an Diskussionen und Tweets der letzten Wochen erinnere, scheint in solchen Krisen, wie wir sie jetzt haben, die Flucht zu Autoritäten die bequemere Option zu sein. Wenn Politiker nicht mehr als Autorität taugen, dann werden halt Wissenschaftler zu solchen Autoritäten erklärt. Unterschiedliche Meinungen sind dann nicht mehr zulässig, unterschiedliche Einschätzungen einfach nur problematisch und alles, was nicht ins Weltbild der eigenen Autorität passt, ist gleich eine Verschwörungstheorie und kann mit einer schönen Grafik, die schnell am eigenen Computer erstellt wird, widerlegt werden. Eigene Auswege aufzeigen, sich Gedanken machen, sich mit den Schattenseiten der jetzigen Einschränkungen auseinandersetzen, ist nicht notwendig, die Wissenschaft wird schon die Lösung präsentieren.

Eine demokratische Gesellschaft braucht die Wissenschaft, um Entscheidungen treffen zu können. Sie braucht aber keine Autoritäten, sondern sie braucht Wissen, sie braucht Einschätzungen und Entscheidungshilfen, um dann die richtigen und ausgewogenen Maßnahmen zu treffen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass solche Entscheidungsprozesse sogar zu einer sehr viel größeren Akzeptanz solcher Maßnahmen in der Bevölkerung führen und dass diese dann auch länger durchhaltbar sind, eben weil jeder einzelne Mensch in eine solche Entscheidungsfindung eingebunden ist und eben alle Aspekte betrachtet werden.

Wenn ich mir die sozialen Medien so ansehe, habe ich das Gefühl, dass viele sich überhaupt nicht die Mühe machen, sich mit anderen Aspekten zu beschäftigen. Da wird die Ausweitung der Kontaktsperren gefordert, ohne zu beachten, dass diese auch für viele Menschen mit negativen Folgen verbunden sind. Es wird vergessen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, dass diese sozialen Kontakte für viele sehr wichtig sind, um psychisch Gesund zu bleiben. Wer eine gute soziale Beziehung führt, wer die physische Isolation mit einem anderen Menschen oder der eigenen Familie durchstehen kann, mag dies nicht verstehen, aber er muss zumindest versuchen sich einzufühlen, muss versuchen die vielen Schattierungen und die vielen Farben zu sehen und das Schwarz-Weiß-Denken ablegen. In dieser Krise geht es eben nicht nur darum, dass wir die Leben der Menschen in der Risikogruppe retten, sondern es geht auch darum das Leben der Menschen zu retten, die durch diese Krise und die unbekannte Isolation in Depressionen verfallen, oder die schon vorher in einer waren und diese nur durch physische Kontakte durchgestanden haben.

Es gibt Menschen, die sind mit den besten Absichten in diese Phase gegangen. Menschen, die sich an die Regeln halten wollen, die aber an eine psychische Grenze kommen, die einfach wieder physischen Kontakt zu anderen Menschen brauchen, weil sie sonst durchdrehen. Die sind nicht egoistisch, die haben es einfach nicht gelernt, solange Distanz zu halten. Oder ist es egoistisch nicht Lesen zu können, weil es nie eine Möglichkeit gab, Lesen zu lernen?

Die Krise zeigt mir, dass wir als Gesellschaft noch viele Dinge lernen müssen. Wir müssen autokratische Denkweisen überwinden, müssen demokratische Denkweisen etablieren, müssen Institutionen demokratisieren und wir müssen noch etwas machen: Wir müssen die Überlebensgrundlage der Menschen unabhängig von der Wirtschaft machen. Die Menschen müssen selbst entscheiden können, ob die Arbeit, die sie machen, in einer solchen Krise notwendig ist oder nicht. Sie müssen in der Lage sein, dieser Entscheidung dann auch Taten folgen zu lassen, indem sie die Arbeit einstellen, ohne in Existenznot zu geraten. Dies wird nur gelingen, wenn das Einkommen unabhängig von der Erwerbstätigkeit ist. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird eine Grundvoraussetzung sein, um unsere immer noch autoritäre Gesellschaft in eine demokratische Gesellschaft zu verwandeln.

Ein weiteres Beispiel sind die Schulen. In einer demokratischen Gesellschaft sollten auch Schulen Orte der Demokratie sein. Schüler*Innen brauchen Mitspracherechte, sie müssen Mitentscheiden dürfen, wie es in einer solchen Krise weitergehen kann. Wie soll eine Gesellschaft zu einer demokratischen Gesellschaft werden, wenn die Kinder und Jugendlichen auf Autoritäten getrimmt werden? Es kann so nicht gelingen, weshalb hier ein grundlegender Hebel zu sehen ist, um unsere Gesellschaft zu transformieren.

25 März 2020

Jetzt werdet Mal wieder normal!

Leute, so langsam bin ich ja genervt. Ich dachte wirklich, dass sich die Hamsterkäufe irgendwann erledigt haben und die Regale in den Kaufhallen langsam wieder voller werden. Anscheinend aber habe ich mich geirrt und die Hamsterer haben sich irgendwo Lagerplätze angemietet und füllen diese weiterhin mit allem, was sie in die Hände bekommen können. Es ist für mich nicht verständlich, schließlich befinden wir uns in keinem Krieg. Die Infrastruktur zur Herstellung der Produkte wird nicht zerstört, die Produktion kann weitergehen, geht sogar weiter und wird für Produkte des Grundbedarfs wahrscheinlich auch nicht eingeschränkt. Auch die Nahrungsmittelproduktion geht weiter, die Kühe geben tatsächlich weiter Milch, auch wenn der Virus unterwegs ist, die Produktion von Klopapier, Mehl und Co geht weiter, auch wenn der Virus an die Tür klopft. Es gibt keinen Grund zu hamstern! Es sei denn, ihr wollt euch jetzt die nächsten sechs Monate in eure Wohnung einschließen und diese nicht mehr verlassen. Doch auch damit solltet ihr ja irgendwann fertig sein, denn wenn ihr euch erst einschließt, wenn die Krise vorbei ist, bringt euch das nicht wirklich was.

An dieser Stelle muss ich jetzt einmal etwas zynisch werden und ich bitte alle, es nicht falsch zu verstehen. Ich möchte, dass möglichst jeder Gesund aus dieser Pandemie herausgeht, aber selbst wenn wir den Super-GAU annehmen, werden auch nach der Pandemie noch 90 Prozent der Bevölkerung ihrem Alltag nachgehen, werden ihre Arbeit erledigen, Lebensmittel herstellen, Waren für den Grundbedarf produzieren und sich wieder dem sozialen Leben hingeben. Es hört sich eventuell böse an, aber wenn sich die Hamsterer dies bitte einmal vor Augen führen, dann merken sie, dass das Hamstern sinnlos ist. Die Welt geht nicht unter, wir werden nicht in einen Nachkriegszustand geraten, werden keine Mangelwirtschaft erleben – es sei denn, es drehen jetzt alle durch!

Okay, ich habe jetzt allen ein paar Wochen Panik zugestanden, aber jetzt könnten wir dann wieder in den Normalmodus beim Einkaufen übergehen. Jeder sollte jetzt wieder so einkaufen, wie er es vor der Krise gemacht hat. Das Leben geht weiter und wenn wir uns alle ein klein wenig solidarisch verhalten, dann auch für viele Menschen aus der Risikogruppe!

Solidarisch bedeutet hierbei übrigens auch, dass sich jetzt keiner auf der Rolltreppe in der Kaufhalle an den anderen vorbeidrängelt. So eilig kann es derzeit wirklich niemand haben! Haltet Abstand, drängelt euch nicht vor, lasst den Menschen ihren Raum. Darum geht es jetzt!

20 März 2020

Alles Corona oder was?

Eigentlich sollte ich gerade andere Dinge tun. Eigentlich wollte ich gar nichts schreiben, aber derzeit nervt mich einiges und es blockiert mich, weil ich dadurch meine Aufträge nicht mit voller Energie abarbeiten kann. Und gerade jetzt ist es für mich wichtig, mich mit voller Energie meinen Aufträgen zu widmen, stehen doch einige davon auf der Kippe, weil die Corona-Krise meine Auftraggeber in Existenznot bringt. Deswegen nerven mich die Nachrichten, die den Panikmodus verschärfen, derzeit richtig böse.

Ja, wir müssen Rücksicht nehmen auf die Risikogruppe, wir müssen alles dafür tun, damit möglichst wenige gleichzeitig krank werden, aber wir sollten daraus keinen Krieg gegen das soziale Wesen Mensch machen!

Wie meine ich das? Nun, dass das mit dem Einschränken der sozialen Kontakte nicht von jetzt auf gleich klappt zum Beispiel. Klar, es gibt Menschen, die bekommen das sofort hin, die haben meist auch schon andere erprobte Wege, um mit anderen Menschen im Kontakt zu bleiben, ohne dabei auf den persönlichen Kontakt angewiesen zu sein. Aber Menschen sind nun einmal individuell, nicht jeder geht mit der Situation gleich um, nicht jeder kann von jetzt auf gleich seinen Modus umstellen. Für einige bricht dadurch jetzt eine wichtige Stütze im Leben weg, ein wichtiger Ankerpunkt. Das braucht Zeit! Aber: Wenn ich derzeit durch Berlin gehe, dann sehe ich leere Straßen und leere Parks. Wenn ich suchen würde, würde ich wahrscheinlich auch Orte finden, an dem ich Fotos mit Menschenansammlungen machen könnte, aber das ist nicht in der ganzen Stadt so.

Die Forderungen nach Ausgangssperren, die ich gefühlt schon gelesen habe, als die jetzigen Maßnahmen noch nicht einmal in Kraft waren, halte ich für übertrieben. Ich halte es sogar für falsch, weil gerade damit noch mehr Panik geschürt wird, die dann zu noch mehr Hamsterkäufen führt und die all die anderen, die nicht zu solchen Hamsterkäufen neigen, ratlos zurücklässt. Und diese Forderung führt auch dazu, dass Menschen jetzt noch schnell die Zeit nutzen, um in der freien Natur unterwegs zu sein und dann kommt es natürlich an beliebten Orten in der Stadt auch dazu, dass dort viele Menschen unterwegs sind.

Panik hilft nicht …

Wir müssen jetzt endlich aus den Panikmodus heraus kommen, müssen endlich einmal begreifen, dass nicht die Menschen, die ihren ganz normalen sozialen Instinkten folgen, an der Problematik Schuld tragen, die wir derzeit erleben. Diese Schuld ist bei Menschen zu suchen, die das Gesundheitssystem zu einem Profitsystem umgebaut haben. Sie liegt dort, wo die medizinische Versorgung so verknappt wurde, dass sie schon in normalen Zeiten an der Überlastungsgrenze arbeitet und es eben gar keine Kapazitäten gibt, die in der Krise noch hochgefahren werden könnten. Sie liegt also bei den Politikern, die jetzt auf die Menschen zeigen, die das Ganze derzeit noch nicht so ernst nehmen.

Und überhaupt: Wie lange sollen diese Maßnahmen denn jetzt greifen? Vier Wochen? Vier Monate? Vielleicht sogar bis ins nächste Jahr hinein, wenn dann endlich ein Impfstoff gefunden ist? Es gibt da auch diese gefährliche Ungewissheit. Ich bin durchaus dafür, eine gewisse Zeit das soziale Leben – und dazu gehört dann aber auch die Wirtschaft – auf ein Minimum zu reduzieren, um notwendige Maßnahmen umsetzen zu können. Nur, diese notwendigen Schritte müssen dann auch erläutert werden und es muss einen Zeitplan geben. In einem idealen Gesundheitssystem wäre dieser Zeitrahmen die Zeit gewesen, die benötigt wird, um die Kapazitäten im Gesundheitssystem zu erhöhen. Da es diese Krisenkapazitäten in unserem Gesundheitssystem aber gar nicht gibt, fällt dieser Zeitrahmen schon einmal weg. Und um es kurz zu erwähnen: Ich hoffe, wir lernen daraus und schaffen dann jetzt in den nächsten Jahren genau diese Kapazitäten, schaffen ein Heer von Hilfskräften für das Gesundheitssystem, welches aktiviert werden kann, sobald es zu solchen Krisen kommt, damit das geschulte Personal dann von bestimmten Arbeiten befreit werden und sich um die Intensivpatienten kümmern kann. Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass noch mehr solcher neuen Krankheiten in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommen.

Soziale Isolation macht krank!

Wir müssen über diesen Zeitrahmen auch deswegen sprechen, weil soziale Isolation den Menschen krank macht. Dieser Punkt darf nicht vergessen werden, auch wenn er derzeit für viele zweitrangig ist. Nicht jeder hat die Möglichkeit mit Skype und Co. den Kontakt zu halten, nicht jeder kennt sich mit der Technik aus oder hat die finanziellen Mittel, um sich überhaupt die notwendigen Geräte anzuschaffen. Und nicht für jeden reicht dieser Ersatz, um das Bedürfnis nach sozialer Nähe zu befriedigen. Diese Krise wird viele Menschen in eine persönliche Krise stürzen, vielleicht sogar in eine Depression! Hier braucht es dann auch Solidarität, hier braucht es dann auch Hilfe, vielleicht braucht es diese auch jetzt schon!

Wir brauchen keine Ausgangssperren, nur weil sich das in den Medien gut anhört. Wir brauchen keine übertriebene Panikmache, sondern wir brauchen eine Politik, die diese Maßnahmen erklärt, die aufklärt, die die Menschen auch mitnimmt. Wir brauchen Vertrauen in die Politik, eine stärkere Bindung der Menschen an demokratische Prozesse. Dann hätten wir jetzt nämlich weder das Problem der übertriebenen Panik in der Bevölkerung noch das Problem der übertriebenen Anteilslosigkeit, welches ja der Gegenpol ist, der mir auch auf die Nerven geht. Wir brauchen übrigens auch keine Politiker, die erst gar nichts tun, um dann im Panikmodus viel zu schnell alle Möglichkeiten ausnutzen, nur damit sie am Ende nicht irgendwie in einem schlechten Licht stehen.

Solidarisch sein, nicht nur jetzt, sondern immer!

Das Ziel ist klar: Wir müssen die Risiken für die Risikogruppen minimieren. Wir müssen alle dazu beitragen, dass diese Menschen die Zeit, die gebraucht wird, um einen Impfstoff zu entwickeln – oder zumindest um wirksame Medikamente zu entwickeln – auch haben. Dass wir von jetzt auf gleich mehr Beatmungsgeräte und mehr Intensivbetten plus Personal haben, ist leider unrealistisch, aber auch hier müssen wir dran bleiben, nicht nur jetzt, sondern auch nach der Krise. Die Solidarität wird auch danach gebraucht, um die Hauptursache für das jetzige Problem zu lösen, denn die Problemlösung kann jetzt nicht immer darin bestehen, dass das soziale Leben eingeschränkt wird. Und es braucht generell mehr Solidarität: mehr Solidarität im Kampf gegen den Klimawandel, mehr im Kampf gegen Ausbeutung, mehr Solidarität für erwerbslose Menschen, für Menschen ohne Obdach und vieles mehr.

Masken für die, die sie brauchen!

Noch mehr regt mich auf, dass derzeit eine Aktion läuft, die die Menschen dazu bringen möchte, jetzt Masken zu tragen. Hatte das Personal im Gesundheitssystem nicht schon Engpässe? Hatten die Menschen, die Masken beruflich brauchen, nicht schon Probleme? Warum wollen wir das jetzt mit so einer Aktion wieder forcieren, wo sich die Lage in dem Bereich jetzt wieder ein wenig entspannt? Klar werden die Fakten richtig sein, die rund um das Maskentragen verbreitet werden, aber hey, genau diese Dinge wollen wir lösen, indem wir Abstand zu anderen Menschen halten. Haltet diesen Abstand, dann braucht es verdammt noch Mal keine Masken! Aber auch hier gilt: wer sich dadurch sicherer fühlt, der soll die Masken gerne tragen, solange diese nicht an einer anderen Stelle fehlen.

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