5 Februar 2020

MP-Wahl in #Thüringen: Geschichte wiederholt sich wohl doch!

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Als ich 2013 nach der Bundestagswahl davon redete, dass doch rein rechnerisch eine Mehrheit von Rot-Rot-Grün möglich wäre und es doch ein sinnvoller versuch sein könnte, eine solche Koalition zu wagen, wurde mir von vielen Seiten gesagt, dass das nicht gehe, weil die Unionsparteien die stärkste Fraktion stellen und deswegen eben diese Unionsparteien den klaren Auftrag haben, eine Regierung zu bilden. Dies wurde mir sowohl von CDUlern gesagt – was wenig verwunderlich ist – wie auch von SPDlern, die sich dann später ja auch in einer großen Koalition mit den Unionsparteien wiederfand.

Jetzt haben wir das Jahr 2020. Der Wind in Deutschland hat sich gedreht, durch die Erfolge der AfD ist eine Mitte-Links-Regierung in weite ferne gerückt und anscheinend auch eben dieser Konsens, der 2013 dazu geführt hat, dass nicht einmal Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linkspartei stattgefunden haben. Der 5. Februar 2020 ist der Tag, wo sich ein Kandidat der FDP mit Stimmen der CDU und der AfD zum Ministerpräsidenten in Thüringen hat wählen lassen, obwohl ganz klar der Kandidat der Linkspartei den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen hat, wenn denn die Maßstäbe von 2013 gelten würden. Aber das ist es nicht, was mich so wütend macht, es ist eben nur ein weiterer Schritt, um die Parteiendemokratie unglaubwürdig zu machen.

Wütend und auch sprachlos macht mich, dass sich Menschen, die sich für Demokraten halten, von Hassmenschen wählen lassen. Von Menschen, die zwar demokratisch gewählt wurden, die aber eben keine Demokraten sind. Die einer Ideologie anhängen, die in Europa und der ganzen Welt 12 Jahre lang für Krieg, Terror und unglaubliches Leid verantwortlich war. Die Menschen- und Gruppenhass großgeschrieben und viele Leben zerstört hat. Es macht mich wütend und müde, denn was willst du dieser Entwicklung noch entgegensetzen? Welche Texte sollten noch geschrieben werden, um diese Entwicklung umzukehren? Welche klugen Bücher müssen noch veröffentlicht werden, damit den Menschen klar wird, dass sie sich in die total falsche Richtung entwickeln? Ich glaube, sie sind schon alle geschrieben und den Menschen ist klar, dass sie sich wieder in die Richtung des Faschismus bewegen und sie schauen einfach nur zu!

Ich bewundere all die Menschen, die immer noch daran glauben, hier etwas Grundlegendes verändern zu können. Ich bewundere sie, weil ich diesen Glauben so langsam verliere, weil ich tatsächlich keine Antwort mehr auf die Frage habe, wie dieser Rechtsruck aufgehalten werden kann. Es fängt doch schon in den Medien an, wo auf jeden Bericht, der sich mit rechter Gewalt beschäftigt, gleich wieder gefühlt 10 Berichte kommen, die sich mit mutmaßlicher linker Gewalt auseinandersetzen. Der Feind steht Links, so die Botschaft! Wie sollst du gegen eine solche Medienmacht anrennen? Wie sollst du mit jemanden noch argumentativ auf eine Ebene kommen, dem ständig eingebläut wird, dass nicht nur die extreme Rechte schlimm ist, die ihren Menschenhass offen zur Schau trägt, sondern die extreme Linke viel schlimmer ist, obwohl es hier eben nicht um Menschenhass geht, sondern im Gegenteil darum, für alle Menschen eine gerechte Gesellschaft zu errichten? Und wie willst du hier überhaupt noch argumentieren, wenn sich dann in Thüringen ein angeblich liberaler Kandidat von eben dieser extremen Rechten zum Ministerpräsidenten wählen lässt? Wenn er mit dieser Handlung zeigt, dass es tausendmal besser ist, mit der extremen Rechten gemeinsame Sache zu machen, wenn sich damit ein linker Kandidat verhindern lässt, der nicht einmal zu den Linksextremen gehört, sondern eher zu den Sozialdemokraten?

Die Botschaft, die durch diese Wahl von den Konservativen ausgesendet wird, ist ziemlich deutlich. Und diese wird so auch in der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ ankommen. Extreme Rechte und Faschisten werden so in die Mitte der Gesellschaft geholt, werden zu wählbaren Alternativen gemacht, werden von den konservativen Bürgerlichen in ihre Kreise aufgenommen und gesellschaftsfähig gemacht. Mit welchem Argument sollst du gegen einen solchen Akt noch anreden, wie willst du jetzt noch vermitteln, dass die AfD schlecht für unsere Gesellschaft ist, wenn die Konservativen ihnen – zusammen mit den Liberalen – die Hand reichen?

Fakt ist: Liberale und Konservative sind keine glaubwürdigen Partner mehr im Kampf gegen Rechtsextremismus. Sie sind nicht mehr glaubwürdig, wenn es um den Kampf gegen Nazis und Faschisten geht und wer immer noch Rechtsextreme mit Linksextremen gleichstellt, notfalls sogar die Rechtsextremen vorzieht, um Linke zu verhindern, dem ist ehrlich gesagt nicht mehr zu Helfen. Und es gruselt mich, in welche Richtung sich diese Gesellschaft in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird!

2 Februar 2020

Rückblick Januar 2020

Erinnerungen

Eigentlich wollte ich dieses Jahr wieder mehr bloggen. Jetzt liegt der Januar schon wieder hinter uns und ich komme gerade einmal auf vier Blogartikel und da habe ich schon alle Blogs zusammengenommen. Hier waren es bisher nur drei, dies ist der vierte Artikel in diesem Jahr. Und ja, ich fange jetzt wieder mit Rückblicken an, denn ich fand die früher schon sehr Hilfreich und wollte eigentlich schon länger wieder damit anfangen – jetzt mache ich es dann einfach mal! Vielleicht auch bald wieder wöchentlich, wenn ich die Motivation dazu finde.

Das war der Januar 2020

Der Januar begann mit einem Magen-Darm-Infekt. Nichts Schlimmes, aber für ein paar Tage war ich schon außer Betrieb, also nicht ganz, aber in irgendein Büro fahren wollte ich nicht. Zum einen, weil ich zu bestimmten Orten eine gewisse Nähe halten wollte und zum anderen, weil ich niemand anderen anstecken wollte. Habe ich dann auch nicht gemacht, aber die erste Woche war halt erst mal nervig. Danach ging es dann aber auch für mich das Jahr wirklich los.

Und das dann tatsächlich gleich erst einmal mit sechs Windows 7 PCs, die noch auf Windows 10 gebracht werden wollten. Fünf davon wollten das auch, einer hat sein Dasein als Windows PC aufgegeben, bzw. wird es bald. Ansonsten habe ich neue spannende Aufgaben übernommen, darunter auch einen neuen Auftrag, der mich die nächsten Monate noch ein wenig fordern wird. Ich freue mich schon darauf, denn dadurch werde ich auch wieder eine Menge Lernen und meine Selbstständigkeit dadurch auf ein neues Level bringen. Wobei natürlich jeder Auftrag dazu beiträgt, meine Dienstleistungen zu verbessern. Ich sehe meine Selbstständigkeit ja auch als Chance, ständig neue Dinge zu erlernen und meine Neugierde zu befriedigen.

Auf dem Bild ist ein Tweet von mir zu sehen: Ich kann Arbeit und Lernen gar nicht getrennt sehen. Ich lerne eigentlich mit jedem Auftrag immer wieder neues, viel neues!

Sportlich gesehen war der Januar eine Katastrophe. Nicht nur die erste Woche, in der ich mich wegen des Magen-Darm-Infekts zurückhalten musste (was der Lutz niemals nicht nie machen würde), nein auch danach die Wochen fehlte ein wenig die Motivation. So sind es am Ende nur 40 Lauf-Kilometer geworden, mit dem Fahrrad bin ich überhaupt nicht gefahren. Kann im Februar eigentlich nur besser werden.

Insgesamt ist der Januar viel zu schnell vergangen oder – um es aus einer anderen Sicht zu betrachten – ich habe viel zu wenig aus dem Januar gemacht, bin aber dennoch nicht unzufrieden und freue mich jetzt auf den Februar, der dann hoffentlich noch mehr sportliche Aktivitäten mit sich bringt.

10 Januar 2020

Dieses Jahr wird fabelhaft (#WritingFriday)

Dieses Jahr wird fabelhaft, weil so Erfolgsgeschichten beginnen! Positiv denken, so sagen viele, ist der erste Schritt zu einem positiven und glücklichen Leben. Also wird dieses Jahr fabelhaft! Vergessen wir einfach, dass es bisher eher bescheiden angefangen hat, vergessen wir die Kriegsgefahren, die Brände, die noch aus dem letzten Jahr stammen, die vielen Baustellen in der Gesellschaft. Nein, vergessen wir das nicht, denn es gehört dazu und muss in eine positive Richtung gebracht werden, damit das Jahr wirklich fabelhaft werden kann. Die Brände als letzter Warnschuss vor der Klimakatastrophe, die die Politiker endlich ins Handeln bringt, die Kriegsgefahren als Quelle von Menschlichkeit, die die Menschheit endlich zusammenrücken lässt und der Menschenfeindlichkeit der ganzen Rechts-Konservativen und Faschisten endlich den Stinkefinger zeigt. Denn nur so kann das Jahr wirklich fabelhaft werden!

Dieses Jahr wird fabelhaft, wenn wir endlich anfangen unsere Demokratie zu stärken, neue Möglichkeiten schaffen, um an demokratischen Prozessen mitzuwirken. Der Staat muss anfangen, seine repressiven Tendenzen zu bekämpfen, damit das Jahr fabelhaft werden kann. Er muss eine unabhängige Stelle einrichten, die gegen Polizeigewalt ermittelt und er muss notfalls auch eine unabhängige Staatsanwaltschaft einrichten, die dann auch Anklagen gegen Polizisten durchzieht, ohne dabei irgendein Vertrauensverhältnis beachten und erhalten zu müssen.

Dieses Jahr könnte fabelhaft werden, wenn Schulen zu demokratischen Orten werden. Demokratie und Mitbestimmung muss erlernt werden, ebenso wie die vielen Werkzeuge, die zur Meinungsbildung notwendig sind. Schule muss kein Ort sein, wo Jugendliche einfach nur allem zustimmen, was ihnen in irgendeiner Hierarchie vorgekaut wird. Es muss ein Ort der Mitbestimmung werden, der Begegnung und eben auch der politischen Meinungsbildung. Sie darf nicht weiterhin ein Mittel sein, um Jugendliche von Protest fernzuhalten, um sie Disziplinieren zu können, wenn sie für ihre Zukunft einstehen. Wie fabelhaft könnte unsere Gesellschaft werden, wenn Demokratie nicht nur darauf stehen, sondern wenn sie gelebt werden würde.

Wenn wir in diesem Jahr anfangen würden, Grenzen zu überwinden, dann könnte es auch deswegen fabelhaft werden. Nicht Mauern bauen, nicht Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen, nicht immer mehr Waffen in Krisengebiete exportieren ist der richtige Weg, sondern solidarisch zusammen stehen, den Menschen helfen, ihnen eine Zukunft bieten ist der Weg, den wir gehen müssen. Gier, Macht und Egoismus müssen überwunden werden, genauso wie Ausbeutung und Hunger.

Okay, vielleicht ist das ein wenig viel für ein einziges Jahr, aber wenn wir mit der Umsetzung anfangen, dann könnte es dennoch fabelhaft werden. Erfolgsgeschichten beginnen schließlich auch mit dem ersten Kapitel, manchmal auch mit einem Vorwort, aber dieses Vorwort habe ich jetzt einfach schon Mal geschrieben. Das erste Kapitel schreiben wir dann jetzt zusammen, oder?

Dieser Artikel gehört zur #WritingFriday Aktion

7 Januar 2020

Zurzeit genervt: Soziale Sicherungssysteme

Ich bin ja zurzeit ein wenig genervt! Genervt davon, dass die Bundesregierung beim Thema Rentenversicherungspflicht für Selbstständige nicht aus dem Arsch kommt. Anfang 2019 hieß es noch, dass das bis Ende 2019 geregelt wird, jetzt haben wir 2020 und ein Gesetz ist immer noch nicht zu sehen. Klar, es soll jetzt im Frühjahr 2020 irgendwas kommen, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das wirklich klappt. Genervt bin ich, weil es absolut keine Planungsgrundlage gibt, niemand weiß, was da eigentlich auf einen zukommt. Ich würde es gerne wissen, ich würde gerne Planen, ob ich die Selbstständigkeit dann noch aufrechterhalten kann oder nicht.

Ich habe ja nichts gegen eine Rentenversicherungspflicht, vermute aber, dass das Gesetz nicht wirklich gut ausgestaltet werden wird. Allerdings glaube ich nicht, dass dadurch die Rente sicherer wird, dass die sozialen Sicherungssysteme dadurch gestärkt werden und ich halte die sozialen Sicherungssysteme auch nicht für gerecht, zumindest halte ich die Rente nicht für gerecht. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann, dass die sozialen Sicherungssysteme von der Form der Arbeit unabhängig gemacht werden. Das Selbstständige genauso dort drin sind wie Arbeitnehmer, dass ein Wechsel zwischen Selbstständigkeit und Angestelltenverhältnis problemlos möglich ist, ohne Nachteile, ohne aus dem Sicherungssystem zu fallen.

Wo ich beim Wünschen bin: Ich wünsche mir auch, dass die SPD endlich einsieht, dass es Menschen gibt, die sich nicht in ein abhängiges Arbeitsverhältnis zwängen wollen. Es wäre so schön, wenn die SPD endlich kapiert, dass das Arbeitsrecht die Freiheit der Menschen einengt, dass es eine Fortführung der Feudalherrschaft ist. Klar gibt es die sozialen Sicherungssysteme, aber das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist nicht auf Augenhöhe. Das Arbeitsverhältnis schränkt die Freiheiten ein, weil deine Priorität auf den Erhalt deiner Arbeitskraft gelegt wird. Es wäre schön, wenn die SPD hier endlich wirklich Arbeiterpartei wäre und sie dieses Verhältnis auf Augenhöhe bringt. Sie wird es tun müssen, weil sich die Arbeitswelt immer mehr ändert, weil sich die Menschen immer mehr ändern, weil sie sich immer weiter individualisieren und sie nicht mehr in dieses Korsett passen, welches das Arbeitsrecht bildet.

Jetzt bin ich irgendwie vom eigentlichen Thema abgekommen, denn es geht mir immer noch um die sozialen Sicherungssysteme, nicht nur um die Rentenversicherungspflicht. Die Anhänger des freien Marktes werden mich jetzt hassen, aber ich wäre zum Beispiel auch dafür, dass es nur eine Krankenversicherung gibt. Es braucht keinen Wettbewerb zwischen Krankenkassen, es braucht auch keine private Krankenversicherung, es braucht eine Krankenversicherung die für die optimale Versorgung aller Menschen sorgt, unabhängig vom Einkommen und Status. Und bei der Rentenversicherung sehe ich es ähnlich, auch wenn mich hierfür die Anhänger der Leistungsgesellschaft steinigen werden. Es braucht keine unterschiedlich hohen Renten, es braucht keine Abhängigkeit vom Verdienst, es braucht eine Rente, die ein gutes Leben im Alter sichert. Dazu muss jeder natürlich seinen Teil beitragen. Der Angestellte von seinem Einkommen, der Selbstständige und Unternehmer von seinem Gewinn, und zwar unabhängig davon, ob er Angestellte hat oder nicht.

Davon sind wir weit entfernt, jetzt reden wir erst einmal darüber, wie sich eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige gestalten lassen kann, ohne dass diese dadurch Reihenweise zu Hartz4-Empfängern werden. Stabiler wird das Rentensystem dadurch nicht, mehr Rücklagen lassen sich dadurch auch nicht bilden, da die Anzahl der Berechtigten dadurch später dann auch steigt, also auch die Ausgaben steigen, aber es braucht endlich Rechtssicherheit und eine Planungsgrundlage für die Zukunft.

5 Januar 2020

Ziele für 2020 (#WritingFriday)

Es gibt da ja zum Ende eines Jahres immer wieder den Brauch, sich für das neue Jahr einen Vorsatz zu suchen. Ich halte davon ja nicht viel, habe das auch schon öfter erwähnt, weil ich der Meinung bin, dass die Umsetzung von Vorsätzen sofort beginnen sollte und nicht in die Zukunft verschoben gehört. Entweder ich möchte etwas Erreichen oder ich will es eben nicht! Will ich es, dann fange ich sofort damit an, will ich es nicht, dann lasse ich es halt. Klar brauchen manche Vorsätze eine Vorbereitungszeit, aber diese Vorbereitung gehört ja zur Umsetzung mit dazu. Wenn mein Vorsatz zum Beispiel ist, dass ich mehr Sport machen will, ich aber bisher überhaupt keinen Sport gemacht habe, dann sollte ich vorher mit einem Arzt sprechen, bevor ich anfange. Aber den Termin bei der Ärztin zu machen, ist dann eben der erste Schritt bei der Umsetzung des Vorsatzes. Aber okay, darüber soll ich hier jetzt gar nicht schreiben, ich soll über Vorsätze für das Jahr 2020 schreiben.

Klar habe ich Ziele!

Natürlich habe ich für das Jahr 2020 auch Ziele, es sind Ziele, die ich bisher noch nicht erreicht habe. Ziele von Wegen, die ich schon längere Zeit laufe, bei denen ich auch schon Umwege gelaufen bin. Dazu gehört immer noch mein Studium! Es ist zwar noch immer nicht das Ziel, dass ich es bis zum Ende des Jahres abgeschlossen haben möchte, dieses Ziel habe ich auf das Jahr verschoben, in dem ich 40 werde. (Ist auch nicht mehr so lang, aber noch genügend Zeit, um es zu erreichen) Aber für 2020 wäre es schön, wenn ich zumindest wieder 2 bis 3 Klausuren schreiben würde, ich wieder ins Tun komme. Ich arbeite darauf schon eine ganze Weile hin, habe zum Beispiel einen Kurs zur Selbstmotivation angefangen und beschäftige mich auch viel mit dem Thema Lernen. Ich bin also auf dem Weg, gehe aber ein paar Umwege, um dann wieder auf Kurs zu kommen.

2020 würde ich auch gerne den Weg meiner Selbstständigkeit weiter gehen. Ich möchte endlich genügend Gewinn erwirtschaften, um einen Teil davon für meine Rente weglegen zu können. Das wäre die nächste Etappe auf meinem Weg, die ich erreichen möchte und die durchaus erreichbar ist. Auch hierzu muss ich Umwege gehen, muss mich Weiterbilden, muss Ängste hinter mich lassen, muss aufhören über Vergangenes zu grübeln.

Vielleicht verlasse ich 2020 aber auch den Weg der Selbstständigkeit und schlüpfe wieder in ein abhängiges Arbeitsverhältnis. Ziele können sich durchaus auch ändern, wenn es plötzlich Abzweigungen auf dem Weg gibt, die interessant genug scheinen, um den eigentlichen Weg zu verlassen. Ich lasse mich da gerne überraschen.

Wie ihr hier seht, halte ich meine Ziele ziemlich vage, auch weil sie nur weitere Etappen sind, die ich auf meinem Weg erreichen kann, aber nicht unbedingt muss. Gut, endlich mehr für die Rente zu tun, das wäre in meinem Alter schon nicht schlecht, aber da ich in der Gegenwart lebe, und ich die Zukunft eben sehr schlecht vorhersagen kann, ist es kein Muss, diese Etappe in diesem Jahr zu erreichen. Wichtig ist, dass ich sie rechtzeitig erreiche, damit es für die Rente dann auch noch einen Nutzen hat.

Dieser Beitrag gehört eigentlich zu #WritingFriday, aber da ich mit einem Magen-Darm Infekt ins Jahr gestartet bin, kommt er erst heute.

7 November 2019

Es ist also wieder November …

Erinnerungen

Es ist also schon wieder November! Wo ist das Jahr hin? Was habe ich mit der Zeit gemacht? Habe ich überhaupt etwas Sinnvolles gemacht?

Gerade war noch Silvester. Gerade waren noch die Ziele für das neue Jahr. Es stand doch eben noch viel zu viel Essen auf dem Tisch und es wurde laute Musik gehört und draußen flogen die Raketen und Knaller durch die Gegend. Gerade war doch noch 2018, wurde von uns verabschiedet und das Jahr 2019 begrüßt und jetzt ist schon wieder November? Was ist mit der Zeit dazwischen passiert?

Klar, ich habe gearbeitet, habe neue Aufträge übernommen, habe meine Motivationslosigkeit ein wenig in den Griff bekommen. Dieses Loch, welches sich 2016 plötzlich in mein Leben geschlichen hat, welches das Leben aller Menschen in meiner Familie und das Leben anderer nahestehender Menschen plötzlich verändert hat. Dieses Loch, welches dadurch entstanden ist, das ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr da war. Drei Jahre ist das jetzt her, drei Jahre, die einem so sinnlos vorkommen, weil sie die Frage nicht beantworten konnten, weil sie einfach weiter liefen, weil die Zeit einem keine Pause gab. Zwei Jahre davon in einem Modus, in dem es einfach nur um das Weitermachen ging. Nicht darum, alte und neue Pläne umzusetzen, nicht darum, sich in irgendeine Richtung weiterzuentwickeln. Es ging nur darum, diese Zeit zu überstehen, irgendwie weiterhin Geld zu verdienen, ohne wirkliche Ambitionen auf mehr, ohne wirkliche Ambitionen auf Zukunft.

Und jetzt geht auch das dritte Jahr zu Ende und ich weiß eigentlich nicht, wo es hin ist. Klar, ich habe neue Aufträge angenommen, neue Herausforderungen und auch die alten Herausforderungen wollen langsam wieder angegangen werden, aber es ist nicht einfach. Ich versuche es, versuche mir wieder ein finanzielles Polster aufzubauen, versuche meinen Weg zu finden und habe das Gefühl, dass ich auch 2019 für diese Suche verloren habe. Es treiben mich Dinge um, die relativ unwichtig sind, die erst dann wichtig werden, wenn sie tatsächlich eintreten und die bis dahin einfach nur Ballast sind, weil diese Dinge vorher nicht angegangen werden können, weil sie erst angegangen werden können, wenn sie eingetreten sind. Aber es sind wohl diese kleinen Dinge, die mich ablenken, weil sie mich dazu zwingen, über diese Dinge nachzudenken. Und doch bräuchte ich diese Ablenkung gar nicht, weil ich genügend andere Dinge habe, die ich gerade tatsächlich umsetzen könnte, die ich zu einem erfolgreichen Abschluss bringen könnte, oder die ich zumindest irgendwie abschließen müsste, und wenn es nur ein Abschluss durch den Abbruch der Aufgabe wäre.

2019 steht irgendwie für diese Sinnlosigkeit, die sich 2016 in mein Leben geschlichen hat. Es steht dafür, dass ich mich selbst derzeit nicht mit konkreten Zielen motivieren kann, mich in irgendeine Richtung weiterzuentwickeln. Es ist eine Aneinanderreihung von Tagen und Wochen, die mich nirgendwo hingebracht haben. Ob das jetzt ewig so weitergeht? Ob dieses Loch, welches seit 2016 hier wohnt, immer weiter meine Motivation schluckt? Und wenn ja, wo soll das denn enden?

„Und die Welt dreht sich weiter und das sie sich weiter dreht, ist für mich nicht zu verstehen, merkt sie nicht das einer Fehlt …“

Und sie dreht sich und dreht sich und dreht sich. Und die Gesellschaft verlangt danach, dass sich die Welt weiterdreht und die Normen von jeden erfüllt werden. Sie droht, wenn jemand diese Normen nicht erfüllen kann, droht mit Ausschluss, droht mit Strafe und du drehst dich dann halt mit. Muss ja weitergehen, muss ja vorwärtsgehen, muss ja!

Hätte ja auch weitergehen müssen, wenn 2016 nicht gewesen wäre und hat 2016 denn wirklich so viel verändert? Die Luft war ja auch vorher schon raus, ich war ja auch vorher schon einen Weg gegangen, der mich irgendwie nicht dorthin geführt hat, wo ich hinwollte, der zumindest nicht direkt dorthin geführt hat! Aber 2016 kam das Loch, es kicherte und fragte, wozu ich denn überhaupt noch Motivation bräuchte und verschlang diese. Motivation ist seit 2016 Mangelware, genau wie viele andere Dinge, die einem in Leben weiterbringen sollten.

Es ist also schon wieder November, Weihnachten steht vor der Tür und auch Silvester. Es wird wieder geknallt werden, es wird wieder viel zu viel Essen auf dem Tisch stehen und es werden wieder Ziele für das Jahr 2020 warten und dann ist vielleicht schon bald wieder November …

27 September 2019

Keinen Plan!

Müde sitze ich im Büro. Es ist kurz nach 10 Uhr und die Motivation ist schon im Wochenende. Eigentlich ist sie immer im Wochenende, eigentlich möchte ich in keinem Büro sitzen, möchte über meine Zeit selbst entscheiden. Ich kann das eigentlich auch, denn ich bin selbstständig, entscheide selbst, was ich machen will, doch auf der anderen ist da der Zwang, Geld verdienen zu müssen. Ohne kommt Mensch nicht weit in unserer Gesellschaft.

So sitze ich im Büro, suche nach Motivation, um dann die Dinge zu tun, die ich tun muss, um Geld zu verdienen. Irgendwie gelingt es auch immer wieder, irgendwie ist nach ewigen sechs Stunden die Arbeit erledigt, die zu erledigen war. Es ist auch ganz gut, dass ich dieser Arbeit nachgehe, sonst würde ich wohl zu Hause versauern, würde auch nicht viel tun, weil ich soviel tun möchte und es einfach viel zu viel ist, was ich tun will und genau da liegt irgendwie mein Problem.

Keinen Plan wo ich hin will!

Das Problem ist ja, dass ich eigentlich immer noch nicht so genau weiß, wohin ich im Leben will! Ja, ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht und ja, ich habe mein Abitur nachgeholt, aber mehr habe ich in den 36 Jahren meines Lebens auch noch nicht wirklich erreicht. Wobei, so wirklich richtig ist es ja nicht, denn ich habe in den letzten Jahren viele Dinge gemacht, die mir Spaß gemacht haben, aber es war noch nicht das dabei, was meinem Leben einen Sinn gibt.

Seit 2012 bin ich jetzt Student, aber ist es wirklich das, was ich will? Vor sieben Jahren dachte ich das, doch inzwischen bin ich mir nicht wirklich sicher, denn eigentlich weiß ich nur, dass ich gar keinen Plan habe.

Ich lebe so vor mich hin, verdiene irgendwie immer ein wenig Geld, sodass ich nicht von Hartz4 abhängig bin. Rede mir jedes Semester ein, dass es ab jetzt besser wird, aber eigentlich kann es das nicht, weil der Plan fehlt. Warum studiere ich eigentlich? Was will ich später einmal damit anfangen? Will ich damit später überhaupt etwas anfangen?

Eigentlich weiß ich nur, dass ich nicht in einem 40 Stunden Job gefangen sein möchte, dass ich von der Fünf-Tage-Woche nicht wirklich viel halte, ich nicht in einem Arbeitsvertrag gefangen sein möchte. Klar, ich will sinnvolle Arbeit verrichten, Dinge, die für die Gesellschaft einen wirklichen Wert haben. Ich möchte nicht die Profitgier von einzelnen Unternehmern unterstützen und doch muss ich natürlich irgendwie selbst überleben. Ich will ständig neues lernen, mir die Zeit dafür nehmen können, aber einen Plan, wie ich das alles unter einen Hut bringen kann, habe ich nicht. Natürlich lähmt mich das! Meist sogar sosehr, dass ich eher gar nichts mache, obwohl da genügend Dinge wären, die ich zu erledigen hätte.

Ich verstehe tatsächlich nicht, wie sich Menschen ewig mit einem Job arrangieren können, der sie nicht ausfüllt, der nicht ihrer Berufung entspricht. Mich lähmt das, mir raubt das die Motivation für all die anderen schönen Dinge. Statt zu Wandern sitze ich dann am Wochenende eher zu Hause und überlege, wie ich mein Bankkonto wieder mit Geld befüllen kann. Aber da ich mich damit auch nicht wirklich beschäftigen will, lenke ich mich wieder mit anderen Dingen ab und so komme ich überhaupt nicht weiter, komme nicht auf den Weg, den ich mit totaler Motivation gehen kann. Ein Teufelskreis, der absolut nervig ist!

16 September 2019

Lebens-ABC: E wie Eigensinn

Echse

Irgendwie ging mir bei dem Buchstaben „E“ das Wort „Eigensinn“ nicht aus dem Kopf. Der Duden sagt mir, dass die Bedeutung von Eigensinn ein hartnäckiges Beharren auf einer Meinung oder einer Absicht ist. Irgendwie erkenne ich mich in dieser Bedeutung auch ein klein wenig wieder, denn wenn ich so zurückschaue, dann konnte und kann ich sehr Eigensinnig sein.

Ich beharre zwar nicht immer hartnäckig auf meiner Meinung, auch wenn es durchaus möglich ist, dass ich das tue, aber auf viele Absichten habe ich in meinem Leben schon beharrt. Wenn ich zum Beispiel die Absicht hatte, den Kindergarten ausfallen zu lassen, dann konnte ich schon sehr viel Eigensinn entwickeln, um dies auch durchzusetzen, oder zumindest die Ankunft im Kindergarten zu verzögern. Auch die Absicht, mir freie Tage von der Schule zu gönnen, konnte ich mit sehr viel Eigensinn umsetzen. Ich würde sagen, dass ich ein sehr eigensinniges Kind war und ich würde weiterhin behaupten, dass sich das bis heute nicht wirklich geändert hat.

Nicht immer bringt mir mein Eigensinn einen Vorteil. Mit Sicherheit würden andere Menschen auch behaupten, dass das eine negative Eigenschaft ist, doch ich finde, dass der Eigensinn durchaus positiv sein kann. Er hilft dabei, ausgetretene Wege zu verlassen und mit Neugier Umwege zu gehen, auf denen sehr viel mehr zu entdecken ist, als auf den Wegen, die am schnellsten zum Ziel führen. Sicher hat mir mein Eigensinn schon einige Türen verschlossen, aber dafür hat er mir auch viele andere Türen eröffnet und hat mich auf viele Umwege geführt, die ich im Nachhinein zum größten Teil auch super fand.

Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.

5 September 2019

Zahltag – Zuschauen beim Scheitern!

Wenn Fernsehsender wie RTL eines gut können, dann ist es, dass sie sich die schwächten Mitglieder der Gesellschaft suchen und diese im TV bloßstellen. Sie suchen sich verzweifelte Menschen und machen mit denen dann Formate wie „Zahltag“. Dort bekommen Hartz4-Empfänger einen Koffer voll mit Geld. Soviel Geld, wie sie sonst ein ganzes Jahr über vom Jobcenter bekommen hätten. Halt nicht gestückelt, sondern auf einmal. Das nennt RTL dann die Chance ihres Lebens, denn mit diesem Geld sollen diese verzweifelten Menschen sich dann eine Existenz außerhalb von Hartz4 aufbauen.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Die Teilnehmer bekommen soviel Geld, dass das Existenzminimum für ein Jahr gedeckt ist. Damit müssen sie ihre laufenden Fixkosten bezahlen – die verschwinden ja nicht plötzlich – und sollen davon gleichzeitig noch eine Existenz in der Selbstständigkeit aufbauen. Eine Selbstständigkeit, die innerhalb von wenigen Monaten Gewinne abwirft, damit die Teilnehmer dann weiterhin ihre Fixkosten zahlen können. Nein, nicht innerhalb von einem Jahr, denn durch die zusätzlichen Kosten für die Selbstständigkeit, wird das Budget kein ganzes Jahr reichen. Realistischer ist wohl ein halbes Jahr, danach droht die Schuldenfalle, wenn die Unternehmung dann nicht genügend Gewinne abwirft. Wer selbst schon einmal den Weg in die Selbstständigkeit gewagt hat, der weiß, dass das eher schwierig wird und das Format somit eher auf das Scheitern der Teilnehmer ausgelegt ist, auch wenn RTL ein paar Experten dabei hat.

Gekommen um zu Scheitern!

Wenn RTL es ernst meinen würde, dann würden sie die Teilnehmer erst einmal ordentlich auf die Aufgabe vorbereiten. Existenzgründerseminare, Gründertrainings und eben auch eine permanente Begleitung durch die Experten. All das ist nämlich mit dem Budget, welches den Teilnehmern zur Verfügung steht, nicht finanzierbar. Meint RTL es ernst? Ich glaube eher nicht! Es geht um Emotionen, es geht darum, Menschen scheitern zu sehen.

RTL könnte es anders machen, könnte den Menschen wirkliche Hilfe bieten und sie mit Trainings und Lehrgängen unterstützen. Der Sender könnte erst einmal testen, ob sich die Menschen wirklich zur Selbstständigkeit eignen und er müsste ihnen mehr als das Jahresbudget Hartz4 zur Verfügung stellen, damit die Selbstständigkeit nicht in der Überschuldung endet und die Teilnehmer noch weiter nach unten abrutschen.

Die Macher der Sendung sollten nicht mit den Hoffnungen der Menschen spielen. Menschen, die durch Hartz4 so gedemütigt sind, dass sie alles versuchen, um aus diesem System herauszukommen. Die dabei die Risiken übersehen, weil sie auf einem Schlag eine Menge Geld haben, was über das Jahr gesehen aber eben gar nicht so viel ist, weil es eben genau das Geld ist, welches sonst die gesamten Kosten der Teilnehmer, die innerhalb eines Jahres anfallen, finanziert. Und genau das wird ausgeblendet!

Vernünftig wäre nämlich, wenn die Teilnehmer sich mit dem Geld nur dann in die Selbstständigkeit wagen, wenn sie sonst keine Verpflichtungen hätten. Wenn sie also keine Kinder hätten oder andere Angehörige, für die dieses Geld ebenso benötigt wird und die nicht einfach mal so ein oder zwei Wochen hungern können, wenn die Unternehmung nicht genügend Gewinne abwirft. Ansonsten ist es eigentlich total unverantwortlich, weil bei einem möglichen Scheitern eben auch die anderen Familienangehörigen leiden, weil dieser Verzicht, diese Anspannung, dieser Stress dazu führen kann, dass die Familie zerbricht, der Zusammenhalt nicht ausreicht, um diese Aufgabe zu meistern.

Doch genau diese Dramen sind, die diese Sendung braucht, weil es genau das ist, was der Zuschauer sehen will. Er will seine Vorurteile bestätigt sehen, will sehen, dass diese Menschen überfordert sind, sie erst einmal Fehler machen, wodurch der Zuschauer sich in seinen eigenen Vorurteilen bestätigt sieht.

Es bleibt zu hoffen, dass der Schaden durch diese Sendung möglichst gering bleibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Hoffnungen der Teilnehmer nicht zerstört werden, dass sie es doch irgendwie schaffen und es den Zusammenhalt in der Familie stärkt.

19 Juni 2019

Lebewesen Demokratie

Ich habe ja das Gefühl, dass einige Menschen Demokratie als etwas verstehen, dass in sich schon abgeschlossen ist. Dass die Entwicklung schon fertig ist, die Regeln feststehen. Ein System, welches sich nur verändern kann, wenn es dies durch seine eigenen Regeln tut, es sich immer innerhalb seines eigenen Regelwerkes bewegt. Ein verlassen dieses Regelwerkes wäre sofort undemokratisch, würde die Veränderung delegitimieren. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Demokratie ist kein Ding, das irgendwie von außen kommt. Demokratie ist keine Naturkonstante, sie ist ein Lebewesen, welches durch uns alle lebt und nur überleben kann, wenn es durch uns alle getragen wird, es in uns leben darf. Ein Lebewesen, welches sich von ständig neuen Impulsen ernährt, Impulse, die jeder einzelne von uns einbringen darf und soll. Es ist in der Entwicklung nicht abgeschlossen, hat aber im Idealfall immer den Entwicklungsstand, der in der aktuellen Zeit möglich ist, darf aber in der Entwicklung nie stehen bleiben, nie zufrieden sein. Demokratie muss immer mehr Menschen die Teilhabe ermöglichen, muss in immer mehr Bereiche der Gesellschaft vordringen, muss diese für sich beanspruchen.

Dafür bedarf es Bildung! Die Menschen müssen die Grundwerkzeuge für die Demokratie erlernen, müssen Debattieren können, sich Informationsquellen erschließen und Informationen einordnen können. Sie müssen sich aber auch permanent mit neuen Werkzeugen und Ansätzen für eine Weiterentwicklung der Demokratie beschäftigen können, dürfen sich nie mit dem aktuellen Stand der Demokratie zufriedengeben und Prozesse hinterfragen und verbessern dürfen. Nur so kann Demokratie gelebt werden, nur so kann die Demokratie überleben.

Warum schreibe ich das?

Nachdem das jetzt einmal gedacht ist, ich meine Gedanken einmal aufgeschrieben habe, sollte ich vielleicht auch noch erwähnen, warum ich das überhaupt Festgehalten habe. Ich bin die letzten Wochen immer wieder gestolpert. Gestolpert über Parteien, die an ihrem Regelwerk stur festhalten wollen, die „das-schon-immer-so-gemacht“-haben und es sich nicht anders vorstellen können. Die in ihrer Möglichkeit Demokratie anders zu denken so eingeschränkt sind, dass sie auch nur die kleinste Änderung schon in das Reich der Utopien schicken.

Ebenso bin stolpere ich immer wieder über Menschen, die der Meinung sind, dass es nur dann demokratische Entscheidungen geben kann, wenn hierfür feste Rahmen gegeben werden und die einen Ausbruch aus diesem festgelegten Rahmen für undemokratisch halten.

In beiden Fällen frage ich mich immer, wie sich Demokratie weiterentwickeln soll. Ich stehe dann da und überlege, ob es irgendwo Naturgesetze für die Demokratie gibt, die also schon immer so waren und die immer so bleiben müssen. Meiner Meinung nach dürfen Demokraten nicht unflexibel sein, müssen immer offen für Neues sein. Neue Impulse müssen zugelassen, neue Werkzeuge erprobt werden. Dadurch verschieben sich Machtverhältnisse, dadurch verteilt sich die Macht auf noch mehr Schultern, schränkt dadurch natürlich die Machtfülle von einzelnen Personen ein. Ein Demokrat muss dazu bereit sein, darf nicht seine Machtfülle verteidigen, nur weil das schon immer so war oder weil das bisher so am besten funktioniert hat. Demokraten lassen Veränderungen zu, lieben Veränderungen und sind sogar davon begeistert, wenn immer mehr Menschen in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden. Sie akzeptieren, dass sich Regeln ändern, es Verschiebungen gibt und versuchen eben nicht, Veränderungen aufzuhalten.

Mit Verschiebungen meine ich hier übrigens nicht, dass die AfD immer stärker wird oder den Rechtsruck der Bevölkerung. Ich meine Verschiebungen bei den Entscheidungsfindungen, ich rede von neuen demokratischen Werkzeugen, die ein mehr an direkter Demokratie, und somit ein weniger an repräsentativer Demokratie ermöglichen.