22 September 2020

Demokratisch legitimiert?

Ich lese immer wieder irgendwas von „demokratisch legitimiert“ und frage mich dann, was soll das eigentlich heißen? Ein demokratisch legitimiertes Gesetz, was soll das sein? Jetzt Mal ehrlich, wie viele Menschen arbeiten an so einem Gesetz mit? Wie viel Mitsprache von Außen ist möglich, wenn neue Gesetze erarbeitet werden? Wie viele Menschen dürfen am Ende über das Gesetz abstimmen, dürfen es annehmen oder ablehnen? Genau, es sind eher wenige und sie spiegeln in vielen Fällen nicht einmal die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft. Was ist daran demokratisch legitimiert?

Klar, wir können Demonstrieren, wir dürfen unsere Meinung sagen, ohne dafür ins Gefängnis zu gehen. Wir können bei Wahlen antreten, können wählen, wen wir wollen, ohne dass uns irgendwelche Repressionen drohen, aber eine Entscheidungsmacht bei konkreten Gesetzesentwürfen haben wir nicht. Wir müssen darauf hoffen, dass die gewählten Repräsentanten alle Lebensmöglichkeiten mitdenken, sie sich auch an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, zwingen können wir sie dazu nicht, wie wir es beim Klimaschutz beobachten können. Ist es noch demokratisch legitimiert, wenn hier die Interessen von wenigen – die genügend Geld auf ihrem Konto haben – stärker bewertet werden als die Interessen von Vielen, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlagen verlieren? Ist es demokratisch legitimiert, wenn Männer über die Körper von Frauen entscheiden? Und wie demokratisch sind Gesetze, die Menschen ins Gefängnis bringen, die gar keine Straftat begangen haben, die friedlich hier in Deutschland gelebt haben, aber Mitglied einer Oppositionsgruppe waren, die in Deutschland nicht einmal verboten ist, aber in ihrem Land als Terrororganisation angesehen wird?

Und ja, sicher ist es immer noch angenehmer in Deutschland zu leben als in Nordkorea, aber darf das ein Grund sein, dass wir uns mit dem Zufrieden geben, was wir derzeit haben? Warum nutzen wir die Möglichkeiten nicht, um unsere Gesellschaft wirklich demokratisch zu strukturieren? Braucht es wirklich dauerhaft eine repräsentative Demokratie? Ist eine Regierungsform, wo die Macht weiterhin auf wenige Menschen verteilt ist, die deswegen weiterhin auch einen großen autoritären Charakter hat, tatsächlich das Ende der Entwicklung, oder haben wir es uns – nach dem Zweiten Weltkrieg – in dieser Regierungsform einfach nur zu bequem gemacht und dadurch die Weiterentwicklung verschlafen? Denn natürlich müsste diese Entwicklung von unten kommen, aus der Gesellschaft heraus, da autoritäre Institutionen eine solche Entwicklung garantiert nicht anstoßen!

Vielleicht sollten wir einmal darüber diskutieren, wie demokratisch diese Regierungsform wirklich ist, um dann zu schauen, ob Demokratie nicht vielleicht doch mehr ist, als alle paar Jahre irgendwo ein Kreuz zu machen. Wenn wir dann schon in der Debatte sind, würde ich auch gerne über das „demokratisch legitimiert“ sprechen, weil nicht jede Entscheidung, nicht jedes Gesetz für mich wirklich diese demokratische Legitimation hat.

19 September 2020

Tirade: 10 Männer mit Geld

Wow, da wird seit Monaten versucht alle davon zu überzeugen, dass der Mund-Nasen-Schutz wichtig ist, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann und dann sitzen beim Eröffnungsspiel der Bundesliga, welches Live in ganz Deutschland im Free-TV zu sehen war, 10 Herren ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz auf der Tribüne eines Stadions, aus welchem gerade ein Tag zuvor das – bis dahin zugelassene Publikum – ausgeschlossen wurde. Ganz ehrlich, haben die echt überhaupt kein Taktgefühl mehr, auch wenn die bayrische Corona-Verordnung das tatsächlich zulässt?

Welche Botschaft vermitteln diese Herren denn bitte, wenn sie, obwohl wir gerade in einer Pandemie sind, sich da ganz normal, ohne Mund-Nasen-Schutz, ohne Abstand, hinsetzen? Ist denen nicht bewusst, dass sie eine Vorbildfunktion haben und sie mit solch einer Aktion die Bemühungen der letzten Wochen kaputt machen? Muss es wirklich sein, dass die sich so demonstrativ ins Stadion setzen, so als ob die Pandemie ihnen nichts anhaben könnte, als ob sie sich nicht mit Covid-19 infizieren könnten? Ich kann mir da nur an den Kopf greifen, denn auch wenn die Corona-Verordnung das in Bayern so hergibt, sollten sich die Herren bewusst sein, dass das an ihre Fans eine gewisse Botschaft aussendet.

Jugendliche müssen sich seit Monaten einschränken, haben ihre physischen sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert und müssen, wenn sie sich dann doch mit ihren Freunden treffen, sich an alle möglichen Regeln halten, damit wir solidarisch die Menschen schützen, die dieses Virus ansonsten töten würde. Diese Jugendlichen sehen dann, dass der Vorstand der Bayern sich nicht an diese Regeln hält, was meint ihr, welche Schlüsse einige Jugendliche daraus ziehen werden? Dasselbe gilt natürlich auch für Erwachsene, die sich durchaus auch an Vorbildern orientieren!

Ja, es mögen nur 10 Leute sein und ja, die arbeiten zusammen in einem Verein, aber jeder von diesen Herren hat ja auch noch andere Verpflichtungen, trifft andere Menschen, hat also durchaus die Möglichkeit, sich mit dem Virus anzustecken und diesen dann in den Verein zu tragen. Und da ist egal, dass es da auch noch einen Hygiene-Plan der DFL gibt!

Es regt mich auf, weil ich – wegen Corona – Pleite bin, weil ich keinen Plan mehr habe, wie es die nächsten Monate weitergeht. Ich kann nur hoffen, dass es nicht wieder zu härteren Ausgangsbeschränkungen kommt, weil dann auch die Promotion-Jobs, die ich derzeit wieder ab und an habe, wegfallen würden. Und dann sitzen da 10 Menschen, die genügend Geld haben, die deswegen kaum von den Corona-Einschränkungen betroffen sind, und schaffen es einfach nicht, einen verdammten Mund-Nasen-Schutz zu tragen! Ich könnte gerade mächtig kotzen.

PS: Bevor ihr euch jetzt aufregt: Ich bin pleite, dieser Blog geht irgendwann in den nächsten Wochen eh offline!

11 August 2020

11.08.2020: Was läuft bei mir?

Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin

Hach, die letzten Monate waren doch nicht ohne. Ein Grund, warum es hier so still war und ich auch mit meinen Wochenrück- und Vorblicken aufgehört habe, war, dass meine Oma gestorben ist. Nicht an Corona, aber wegen Corona konnten wir sie vorher nicht einmal mehr besuchen. Ist sehr schwierig, weil sie, auch wenn sie vielleicht nicht mehr viel mitbekommen hat, ziemlich einsam gestorben sein muss. Im Heim, bei all den anderen Menschen, wo nur ihre Kinder und Enkel nicht mehr gekommen sind. Wahrscheinlich wusste sie nicht einmal, warum wir nicht kommen können, dass wir nicht kommen durften. Das macht es irgendwie noch einmal schwerer, weil der Gedanke daran, dass sie ziemlich einsam gewesen sein muss, schmerzt. Zum Glück konnten wir aber wenigstens zu ihrer Beerdigung gehen, hier waren die Regeln dann schon nicht mehr so streng und so war wenigstens die Möglichkeit des Abschiedes gegeben.

Diese Möglichkeit hatte ich bei meinem Onkel leider nicht, der schon ein paar Wochen vorher gestorben war. Leider waren zu dem Zeitpunkt die Bestimmungen noch strenger und die Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern nicht wirklich erlaubt. Das ist schon scheiße, auch wenn der Kontakt nicht so eng war, wie zu meiner Oma. Ich hätte dennoch gerne Abschied genommen, denn an Mecklenburg-Vorpommern und auch an meinem Onkel – okay, er war der Mann meiner Tante, aber dennoch nannten wir ihn Onkel – habe ich doch positive Erinnerungen, auch aus der Kindheit. Sollte leider nicht sein, weil Corona es nicht wollte, was mich schon ziemlich traurig macht.

Das mit meiner Oma geht mir leider nicht aus dem Kopf. Gerne hätte ich sie dieses Jahr noch einmal gesehen, gerne hätte ich noch ein wenig Zeit mit ihr verbracht. Es rächt sich leider, dass ich mir diese Zeit nicht zum Anfang des Jahres genommen habe. Es lehrt mich, dass das mit dem Verschieben von Besuchen leider auch dazu führen kann, dass es dann für Besuche einfach zu spät ist. Ich habe mir natürlich vorher auch die Zeit genommen, sie zu besuchen, zuletzt lag dann jetzt aber ein etwas längerer Abschnitt dazwischen und durch das ständige hinausschieben, habe ich sie jetzt dann gar nicht mehr gesehen. Das schmerzt schon ziemlich, auch wenn am Ende ein Virus die Schuld daran trägt, dass ich meine Oma nicht mehr sehen konnte.

Jetzt haben wir August, die Beerdigung ist auch schon wieder ein paar Wochen her und ich muss langsam wieder ins Handeln kommen. Mehrere Monate bin ich jetzt schon ohne Aufträge und wenn der August auch nicht besser wird, dann ist das mit der Zahlungsfähigkeit vorbei. Dann gibt es auch diesen Blog hier nicht mehr und all die anderen Seiten von mir. Hoffen wir einfach, dass das nicht so weit kommt!

Die Hoffnung ist leider ein wenig begrenzt, weil es da diese Wut-Hut-Maskenverweigerer-Egomanen gibt, die sich in ihrer Freiheit und in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen, wenn sie ein Stück Stoff vor Mund und Nase tragen müssen. Dabei gibt es gar kein Grundrecht auf „Ohne-Maske“-Einkaufen oder „Ohne-Maske“-Zugfahren. Ich habe es zumindest nicht gefunden und das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gilt auch nur solange, wie die Grundrechte von anderen nicht verletzt werden. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zum Beispiel und das Recht auf Leben. Aber erkläre das Mal diesen Menschen, die sich in einer riesigen Verschwörung wähnen, in einem Szenario, wo sie entrechtet werden sollen, durch ein Stück Stoff. Ich würde die gerne alle in Haftung nehmen, wenn es wieder zu Beschränkungen kommt, oder – noch schlimmer – zu einem richtigen Shutdown, wie ihn andere europäische Länder erlebt haben. Ist denen aber egal, denn sie wollen ihr Recht, andere Menschen anstecken zu können, wahren, können aber nicht erklären, worin sie durch eine Maske denn wirklich eingeschränkt sind? Vielleicht ist es die eigene Beschränktheit, die sie so einschränkt.

Das schreibe ich, obwohl ich ja auch nicht so begeistert von diesen Masken bin, obwohl ich auch die autoritären Züge, die dieser Virus ins Rampenlicht gezogen hat, ablehne. Ich trage die Maske dennoch, weil ich das Recht auf Leben respektiere, weil ich andere nicht in Gefahr bringen möchte, weil ich selbst nicht wissen kann, ob ich den Virus nicht vielleicht schon im Körper trage. Deswegen akzeptiere ich auch die anderen Regeln, über die autoritären Tendenzen können wir auch nach der Krise noch diskutieren und diese auch hoffentlich überwinden.

Die letzten Wochen waren schwierig, die nächsten Wochen sind es wohl auch, aber Kopf hängen lassen gilt jetzt nicht, jetzt muss es einfach irgendwie weiter gehen, denn irgendwann werden auch wieder bessere Zeiten kommen.

11 August 2020

Dieses Gefühl …

Erinnerungen

Es wird ja viel geschrieben und gesprochen über Kinderarmut und das dagegen was getan werden muss. Passieren tut nicht viel, weil die zuständigen Personen die Dringlichkeit nicht sehen. Das Jobcenter weigert sich zum Beispiel hartnäckig, einen PC als Grundausstattung für Schüler*innen anzuerkennen – jedenfalls so lange, bis ein Sozialgericht dann entscheidet, dass die Verweigerung falsch ist. Chancengleichheit gibt es nicht und wer es miterlebt hat, der fragt am Ende auch gar nicht, woher die Wut dieser Kinder und Jugendlichen kommt.

Ich schreibe das, weil mir gerade auf Twitter wieder aufgefallen ist, was ich als Kind bzw. Jugendlicher gern alles gemacht hätte, es aber nicht konnte, weil einfach kein Geld da war. Ich fand zum Beispiel Angeln ganz spannend und hätte dies gern auch öfter gemacht, aber es fing da ja schon bei der Ausbildung an, die gebraucht wird, um einen Fischereischein zu bekommen. Das Geld war nicht da, genauswenig wie das Geld für den eigentlichen Fischereischein und Angelschein da gewesen wäre. So zog sich das durch die Kindheit, sodass ich nie ein wirkliches Hobby hatte. Auch die soziale Teilhabe war damals schon schwierig und ist es heute immer noch. Wenn andere etwas gemacht haben, was Geld kostete, war es für mich nicht wirklich möglich, dies auch zu machen, eben weil es Geld kostete. Ist heute nicht anders und grenzt viele Kinder und Jugendliche aus!

Natürlich willst du als Kind und Jugendlicher irgendwo dazu gehören! Irgendwann gibst du es aber auf, weil du weißt, dass das ohne Geld nicht wirklich möglich ist. Dann suchst du irgendwo Anschluss, wo Geld keine Rolle spielt und baust dort Wut auf die anderen auf, die dir all die Möglichkeiten verwehren, die andere Kinder und Jugendliche in deinem Alter haben.

Wenn dann, Jahre später, dir irgendwelche Leute erzählen wollen, dass das gar nicht so schlimm ist, die Kinder ja alle Chancen hätten, dann kommt diese Wut wieder hoch. Wenn die Leute von Chancengleichheit sprechen, davon, dass die einfach alle nur hart genug hätten arbeiten müssen, dann ist da einfach irgendwann nur noch Hass auf diese Menschen. Menschen, die gar nicht wissen, wie es ist, wenn du wochenlang keinen Strom hast, weil die Stromrechnung nicht bezahlt wurde, die nicht wissen wie sich die Angst anfühlt aus der Wohnung zu fliegen, weil die Miete nicht gezahlt wurde. Die irgendwo in einem Einfamilienhaus aufgewachsen sind, dir aber erzählen wollen, wie schwer sie sich alles erarbeitet haben! Die sich dann wundern, warum du nicht sachlich mit ihnen über ein Thema diskutierst, bei dem sie einfach nicht mitreden können, weil sie es nie erlebt haben.

Ich hatte vor Jahren auf Twitter Mal eine Diskussion mit einer Anwältin, die während der letzten Wochen und Monate ihres Studiums Nudeln mit Tomatensoße essen musste, weil das Geld knapp war. Das ist sicher nicht angenehm, aber es ist eben nicht die Erfahrung, die wirkliche Armut bedeutet. Mal ein paar Monate zu verzichten, mit dem Wissen, dass danach ein gutes Gehalt auf einen wartet, ist etwas anderes, als gar nicht zu wissen, wie die Nudeln gekocht werden sollen, weil der Strom abgestellt ist und die Angst davor, in ein paar Wochen vielleicht nicht einmal mehr in der Wohnung zu leben, in der du zu Hause bist. Das sind unterschiedliche Erfahrungen, die nicht vergleichbar sind, weil hinter beiden Erfahrungen eine komplett unterschiedliche Zukunftserwartung steckt. Wer das in einer Diskussion als gleichwertige Erfahrung einbringen möchte, hat nicht viel verstanden, auch wenn er eventuell die eleganteren Wörter verwendet.

Auf Twitter fallen mir diese Diskussionen immer wieder auf. Ich halte mich raus, weil die Diskussionen auf der einen Seite wehtun, und auf der anderen Seite einfach eine Stimmung in mir auslösen, die mich nicht sachlich diskutieren lässt. Es ist dasselbe Gefühl, welches mich daran hindert, Dinge loszulassen, weil es ein Scheitern wäre, welches einfach unerträglich ist. Auch das verstehen andere Menschen dann nicht, die dann meinen, Tipps geben oder sich Lustig machen zu müssen, weil es für sie lächerlich ist. Mag sein, dass es das wirklich ist, aber es schmerzt dennoch und macht die ganze Angelegenheit nicht besser.

Es sind die vielen Erfahrungen, die dann auch noch unterdrückt werden, in eine persönliche Schuld umgewandelt werden sollen. Die dann niemand hören möchte, weil dies in unserer Gesellschaft doch gar nicht so ist und jeder Mensch doch irgendwo Mal negative Erfahrungen sammelt. Erfahrungen, die unterdrückt von Personen unterdrückt werden, weil sonst ihre eigene Heldengeschichte nicht mehr so heldenhaft wäre. Erfahrungen die auch weitere Generationen von Kindern und Jugendlichen machen werden müssen, weil unsere Gesellschaft es nicht hinbekommt, eine gerechte Gesellschaft zu sein, in der tatsächlich Chancengleichheit herrscht!

25 Mai 2020

25.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Bodo Ramelow will die Einschränkungen der Grundrechte in Thüringen nicht verlängern. Eigentlich eine gute Nachricht, auch wenn die Corona-Krise natürlich noch nicht vorbei ist, doch die Reaktionen der Menschen sind dann doch eher negativ. Wunderlich ist das für mich nicht wirklich, denn die Erziehung in unserer Gesellschaft ist auf Autoritäten ausgerichtet und die Eigenverantwortung steht da hinten an. Deswegen ist auch die Kritik an den Plänen von Herrn Ramelow nicht überraschend, denn den Leuten fehlt das Vertrauen in eben diese Eigenverantwortung der Menschen. Sie glauben einfach nicht daran, was ich absolut traurig finde, da gerade in einer demokratischen Gesellschaft eben diese Eigenverantwortung wichtig wäre!

Dass das mit der Eigenverantwortung ein Wunschtraum ist, zeigt aber eben auch die Erfahrung mit all den anderen Krisen, die wir derzeit haben. Die Biodiversität nimmt ab, die Temperatur steigt, die Jahre werden immer wärmer, es regnet immer weniger, aber Umwelt- und Klimaschutz geht trotzdem nur, wenn die Regierung hier Regeln, Gesetze und Verbote erlässt. Auf Plastiktüten verzichten? Nur wenn es ein Gesetz gibt, sonst ist es doch viel zu bequem. To-Go-Pappbecher durch Mehrwegbecher ersetzen? Niemals, ist doch viel zu unbequem. Auf Inlandsflüge verzichten? Hallo? Das geht nun einmal sehr viel schneller und ist am Ende auch noch günstiger als die Bahn! Wir könnten schon viel weiter sein, könnten die politische Ebene vor uns hertreiben, ihnen die Entscheidungen abnehmen, aber wir machen es nicht, weil wir gewohnt sind, die Ansagen von Oben zu bekommen, weil wir eine Autorität brauchen, die uns sagt, wo es langgeht.

Deswegen sind diese negativen Reaktionen, die Ramelow schon irgendwo durch Verschwörungstheoretiker getrieben sehen, auch so ein schöner Einblick in unsere Gesellschaft. Sie zeigt die Angst vor einer wirklich demokratisch verantwortlichen Gesellschaft, den Wunsch, dass es eine Autorität gibt, die alles vorgibt, die die Richtung anzeigt und so wenig wie möglich Eigenverantwortung voraussetzt. Das ist traurig, ist aber eben auch ein politisches Ergebnis, weil diese den Bürger*Innen nicht viel zutrauen und den Machtverlust fürchten, wenn sie politische Entscheidungen auf sehr viel mehr Schultern verteilen würden.

Beruflich

Hach, es könnte vieles viel einfacher sein, aber anscheinend stimmt derzeit die Kommunikation mit einem Auftraggeber nicht wirklich. Die Frage bei mir ist derzeit, ob es weiterhin Sinn macht, eine solche Geschäftsbeziehung aufrechtzuerhalten, in der es in der Kommunikation nur noch zu Unterstellungen kommt. Damit muss ich mich in den nächsten Tagen auseinandersetzen, denn wirklich Spaß macht das nicht und es ist auch nicht produktiv. Aber es ist eh die Zeit der Umbrüche und vielleicht gehört das jetzt einfach dazu.

Körper und Geist

Am Wochenende habe ich an einem virtuellen Lauf teilgenommen. Richtige Volksläufe sind ja derzeit nicht möglich, weswegen solche virtuellen Läufe eventuell für die Motivation ganz nützlich sind. Insgesamt waren es aber auch in der letzten Woche nur knapp 20 Laufkilometer, was aber schon mehr ist, als in den Wochen davor. Radfahren war ich leider gar nicht, aber auch das wird wieder besser werden – hoffe ich.

Ansonsten habe ich in der letzten Woche ein wenig was für meine Bildung gemacht. Online-Kurse gibt es ja doch eine ganze Menge und derzeit habe ich tatsächlich richtig Lust darauf, meinen Wissenshorizont zu erweitern. Jetzt muss ich nur dran bleiben, denn die Online-Kurse gehen noch ein paar Wochen und die bringen ja nur was, wenn ich diese auch abschließe.

19 Mai 2020

Dieses Jahr wird wohl doch nicht fabelhaft …

Herbst

Am Anfang des Jahres schrieb ich ja, dass das Jahr fabelhaft werden würde. Damals wusste ich noch nicht, dass da ein Virus auf uns zukommt, der erst einmal alles zum Stillstand bringt und so viele Menschen auf eine harte Probe stellen würde. Soziale Kontakte, Arbeit, Einkommen – plötzlich war alles irgendwie bedroht und doch bin ich der Meinung, dass wir das Jahr immer noch nutzen könnten, es immer noch fabelhaft werden könnte, wenn wir an den positiven Punkten anknüpfen und wir unsere Gesellschaft in die richtige Richtung weiter entwickeln.

Schule

Damals schrieb ich, dass die Schule in diesem Jahr endlich zu einem demokratischen Ort weiterentwickelt werden könnte. Ich ging natürlich von der Klimabewegung aus, die diese Entwicklung hätte vorantreiben können. Aber durch das Virus ergeben sich natürlich neue Denkmöglichkeiten. Schule als demokratischer Ort, wo Lehrende und Lernende gleichberechtigt sind, sie demokratische Werkzeuge erlernen und nutzen und so die autoritäre Institution Schule zu einer demokratischen Institution wandeln. Natürlich sind wir weit weg davon. Vielmehr sehen wir weiterhin die autoritären Bemühungen des Staates, der die Schüler möglichst schnell wieder in die autoritären Strukturen bringen will und genau hier wäre jetzt ein Zeitfenster, in welchem sich die Schüler ein Mitspracherecht erkämpfen könnten. Da haben konservative Politiker natürlich etwas dagegen, immerhin lief das schon immer so und warum sollte sich daran etwas ändern? Aber es spricht halt viel dafür, endlich etwas an diesen alten Strukturen zu verändern.

Schulpflicht zum Beispiel! Bei der Einführung war diese durchaus sinnvoll, sollten die Kinder doch aus der Arbeit geholt und in die Schule gebracht werden. Inzwischen sollten wir aber in einer Gesellschaft leben, in der diese Pflicht durch ein Recht auf Schule ersetzt werden könnte. Viel besser wäre sogar noch ein Recht auf Lernen und das in einer demokratischen Institution Schule. Schule sollte ein Ort sein, an dem wirklich alle Kinder und Jugendliche eine Chance haben, auch die, die nicht der Norm entsprechen, die das heutige Schulsystem verlangt. Schule sollte auch der Ort sein, wo all die Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft nicht nur erlernt, sondern auch gelebt werden. Schule als Ort, an dem Ideen für unsere Zukunft entstehen, die dann auch von der Politik ernst genommen werden müssen. Schulen als Hotspot der Demokratie.

Ja, das ist jetzt schon der hundertste Artikel zu dem Thema von mir, aber ich sehe leider keine Diskussion zu diesem Thema, als ob der Ort Schule wirklich für immer der autoritäre Ort sein muss, an dem vielen Kindern und Jugendlichen der Spaß am Lernen verloren geht.

Die Grenzen

Okay, die Grenzen sind derzeit dicht! Genau das Gegenteil von dem, was ich mir im damaligen Artikel gewünscht habe. Ich kann da jetzt auch erst einmal nicht viel Positives sehen, außer, dass die AfD jetzt einmal gesehen hat, wie das mit geschlossenen Grenzen so ist, weswegen sie jetzt in Mecklenburg ja auch Grenzöffnungen gefordert hat. Ob das aber langfristige Folgen hat und die AfD-Wähler jetzt einmal darüber nachdenken, was sie da eigentlich wählen, wage ich zu bezweifeln.

Dafür haben wir aber am Anfang der Krise gesehen, dass das mit der Solidarität schon irgendwie klappen könnte. Da war soviel Elan, soviel „Wir-schaffen-das“, was schon ein positives Signal ist. Die Politik selbst hat dieses Gefühl nie wirklich vermittelt. Sie hat ein wenig versucht die Wirtschaft zu retten, halbherzig, mit falschen Signalen, aber die ärmeren Menschen in unserer Gesellschaft hat sie bis jetzt im Stich gelassen.

Fazit

Okay, es wird mit großer Wahrscheinlichkeit kein fabelhaftes Jahr. Nicht nur, weil dieser Virus derzeit so viele Einschränkungen mit sich bringt, sondern auch, weil wir die positiven Möglichkeiten, die durch dieses Virus eröffnet wurden, nicht nutzen werden. Jetzt hätten wir die Stellschrauben in Richtung Klimaschutz drehen können, jetzt hätten wir die Wirtschaft und die Gesellschaft in genau diese Richtung drehen können, doch die Politik spricht lieber von der nächsten Kaufprämie für Autos. Und die Wähler? Die belohnen es, indem sie wieder mehr zu den autoritären konservativen Parteien umschwenken.

18 Mai 2020

18.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Leute, Leute, Leute! Da schaue ich mir ein Video an, wo ein paar Menschen von diesen Anti-Corona-Regeln-Demos an und muss gleich eine Frau sehen, die da total zusammenbricht, weil sie ihre Eltern und Großeltern nicht mehr sehen darf und sie Angst hat, dass diese ihre Enkel nicht mehr aufwachsen sehen können. Irgendwie ist das genau die Situation, die ich erwartet habe! Menschen, die mit der sozialen Isolation nicht klarkommen und deswegen geistig zusammenbrechen. Sicher gilt das nicht für all diese Verschwörungstheoretiker, aber in diesem Fall wird schon deutlich, dass diese Frau Unterstützung von einem Psychiater oder einer Psychiaterin braucht. Ich glaube, dass da einige dabei sind, die einfach mit der sozialen Isolation nicht klarkommen. Darüber hat sich die Politik leider keine Gedanken gemacht, macht sie sich wahrscheinlich immer noch nicht, aber so haben natürlich komische Menschen mit komischen Ansichten die Chance, ihre kruden Gedanken unter das Volk zu bringen. Ist schon irgendwie unheimlich!

Ich hoffe, dass es euch soweit gut geht und ihr die schwere Situation übersteht, ohne dabei all zu große psychische Schäden davon zu tragen. Hoffentlich habt ihr genügend Menschen, mit denen ihr reden könnt, wenn auch nur über Videotelefonie oder auch nur mit normaler Telefonie. Aber auch für alle anderen muss die Politik schnell Lösungen finden, damit sie die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Beruflich

Letzte Woche war ich ja noch positiv gestimmt, habe mich auf neue Projekte gefreut, doch das hat sich dann letzten Montag auch gleich wieder gelegt. Ich war am Ende des Tages dann ziemlich genervt, auch weil ich nicht verstanden habe, was der Auftraggeber mit einem bestimmten Konzept erreichen will. Ich habe es bis heute noch nicht verstanden, aber okay, so ist es dann halt auch manchmal. In bestimmten Konstellationen bist du dann halt fehl am Platz, weil du keinen Plan hast, wie du dem Kunden konkret helfen sollst, da du das Konzept nicht wirklich verstehst. Dafür ergibt sich vielleicht bald ein neues Projekt in ähnliche Richtung bei einem neuen Auftraggeber. Bin gespannt, gehe diesmal aber nicht mit ganz so viel Optimismus in die ganze Sache, weil es halt nur wieder enttäuscht werden kann.

Körper und Geist

Sportlich war die Woche wieder einmal enttäuschend. Ich bin ein wenig Fahrrad gefahren, habe mich aber nur zu knapp 3 Kilometern joggen überwinden können. Kann nur besser werden, hoffe ich zumindest.

Dafür habe ich endlich ein Buch zu Ende gelesen. Die Buchbesprechung folgt dann hoffentlich in den nächsten Tagen. Allerdings nicht hier, sondern auf meinem Literaturblog – eventuell sollte ich die irgendwann Mal zusammenlegen und nur noch einen Blog führen, aber auf der anderen Seite ist das auch wieder cool, dass die beiden Blogs getrennt sind.

11 Mai 2020

11.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Ist schon wieder eine Woche vorbei? Wo ist die hin? Nein, ehrlich, wo ist die Woche hin? Okay, vielleicht ist es schon ganz gut, dass die Zeit derzeit fliegt, vielleicht bekomme ich dadurch gar nicht alles mit, worüber ich mich dann eh nur aufregen würde. Warum zum Beispiel alle Schüler*Innen bis zu den Sommerferien noch einmal in der Schule gewesen sein sollen, erschließt sich mir nicht. Wenn sich Deutschland nicht in der Digitalsteinzeit befinden würde, wäre digitales Lernen nicht so ein Stückwerk wie jetzt, sondern eine wirkliche Alternative. Ja, dann müsste auch endlich allen Schüler*Innen ein eigenes Endgerät zur Verfügung stehen, am besten mit mobilem Internet, aber das wurde ja bisher erfolgreich verdrängt.

Meiner Meinung nach ist Schule als Ort für Frontalunterricht gar nicht so wichtig, wichtiger ist Schule als Lernort, als Ort für soziale Kontakte und sozialen Austausch. Schule als demokratische Institution, in der jeder Schüler, jede Schülerin und alle dazwischen Mitentscheiden können, wie das Lernen stattfindet. Ein Ort, der die Neugier an Neuem erhält und so auch den Spaß am Lernen. Ein solcher Ort kann dann auch eine Zeitlang verlagert werden, wenn es die Situation erfordert, weil jeder Lernende auch wirklich selbstständig Lernen kann, auch zu Hause, auch mit viel Motivation, weil das Lernen Spaß macht, die Neugierde noch vorhanden ist. Aber okay, solange die Wirtschaft im Mittelpunkt steht und sie die Schule als autoritäre Institution braucht, um die Menschen an das derzeitige System zu gewöhnen, wird sich wohl nicht viel ändern. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte hier eine Wende bringen, hätte jetzt in dieser Krise dazu beitragen können, die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen, weil die Menschen keine Angst um ihre Existenz haben müssten. Jetzt haben wir halt Menschen, die sich auf Demos gegen diese Maßnahmen treffen und dort den Virus fleißig verteilen. Aber so läuft das halt in unserem System, welches als Mittelpunkt die Wirtschaft und das Kapital hat und eben nicht den Menschen.

Beruflich

Es gibt immer Mal wieder ein wenig was zu tun. Es freut mich, weil einige Auftraggeber sich doch irgendwie durch die Krise retten können. Das ist natürlich auch deswegen schön, weil es teilweise nicht nur Auftraggeber sind, sondern auch Freunde. Und natürlich eröffnet das auch für einen selbst Perspektiven, weil es nach der Krise nicht bei null beginnt, sondern schon ein kleines Fundament da ist, auf dem wieder etwas aufgebaut werden kann.

Und auch die Projekte, die jetzt durch die Krise erst entstehen, machen Mut. Ob sie am Ende auch wirklich ein Erfolg werden, wird sich zeigen müssen, aber machen ist wohl besser als nichts machen und deswegen machen wir jetzt halt ein wenig was.

Körper und Geist

Ich habe wieder ein wenig mehr gelesen in der letzten Woche! Dazu konnte ich mich tatsächlich motivieren. Ich meine damit natürlich nicht die Artikel im Internet, die ich sowieso täglich konsumiere, sondern tatsächlich Bücher, bzw. ein Buch. Ich bin da eh ziemlich langsam geworden, brauche für ein Buch viel zu viel Zeit, aber lieber länger an einem Buch lesen als gar nicht lesen, oder?

Sport habe ich nicht wirklich gemacht. War zwar schönes Wetter in der letzten Woche, aber die Motivation ist immer noch nicht gegeben. Wird sicher wieder besser, aber ich bin derzeit auch nicht in der Stimmung, mich dazu zu zwingen – dasselbe gilt übrigens für das Schreiben von Blogartikeln. Themen hätte ich einige, Gedanken genauso, die sortiert werden wollen, aber die Motivation, diese Gedanken dann auch festzuhalten, fehlt halt derzeit.

4 Mai 2020

04.05.2020: Was läuft bei mir?

Erinnerungen

Während ich noch überlege, warum der Verband der Nordrhein-Westfälischen Omnibusunternehmen am 15. Mai den Staat übernehmen möchte, wir eine Impfung brauchen, um gechippt zu werden, wo es doch beim Zahnarzt viel einfacher gehen würde und ich noch teste, ob ich jetzt an einer CO2-Vergiftung sterben werde, weil ich eine Maske trage, klaue ich einfach Mal das Stöckchen von runomatic, der sich die Idee dazu vom Harlerunner geklaut hat. Ich werde aber wahrscheinlich kein Stöckchen daraus machen, sondern die Chance nutzen, um meinen regelmäßigen Rückblick wieder ins Leben zu rufen. Ist dann jetzt schon der x-te Versuch, aber ich glaube, dass das diesmal durchaus gelingen wird.

Gegenwart

Klar, ich bin durch die derzeitige Krise auch betroffen. Ich muss zum Beispiel eine Maske tragen! Letzten Mittwoch war Premiere und ich habe es bereits nach fünf Minuten gehasst. Eine CO2-Vergiftung befürchte ich nicht, bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich den Effekt hat, den es haben soll. Jedenfalls nicht, wenn die Leute weiterhin die Masken außerhalb der Pflichtbereiche unterm Kinn tragen oder sie nur über den Mund, nicht aber über die Nase ziehen. Aber egal, solange sich andere Menschen dadurch besser fühlen, trage auch ich die Maske in der Kaufhalle und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, hoffe aber, dass die anderen dann auch endlich den Abstand einhalten und nicht mit mir kuscheln …

Ansonsten fühle ich mich jetzt gar nicht so eingeengt, was aber daran liegt, dass ich auch vorher kaum unterwegs war. Der Gang ins Café fehlt ein wenig, aber irgendwann wird das wieder möglich sein, und dann wird auch wieder Auswärts der Cappuccino getrunken. Es ist schon ein kleines Ritual, bei dem ich auch immer ein Buch dabei habe und darin lese, was derzeit ebenfalls fehlt und dazu führt, dass ich tatsächlich weniger lese. Aber auch das wird wieder, auch wenn es noch ein wenig dauern wird.

Beruflich

Da trifft mich der Virus schon ein wenig härter. Eigentlich lief es dieses Jahr wieder super, es kamen langsam mehr und mehr Auftraggeber*innen hinzu und dann kam der Virus und vieles war wieder weg. Im Mai muss es jetzt unbedingt wieder mehr werden, sonst wird es ab dem nächsten Monat sehr unbequem für mich, also finanziell, und da ich auch immer noch Student bin – so schnell wird sich das nicht ändern 😉 – habe ich auch nicht die Möglichkeit Hartz4 zu beantragen. Es muss also jetzt im Mai wieder nach oben gehen, ansonsten weiß ich auch nicht mehr.

Körper und Geist

Oje, wir sollten eventuell nicht darüber reden, dass ich während der letzten sechs Wochen knapp 10 Kilogramm zugenommen habe. Eventuell verschweige ich auch, dass ich dieses Jahr erst 110 Kilometer gelaufen bin. Dafür habe ich dieses Jahr aber schon eine kleinere Radtour gemacht, was ja in den letzten zwei Jahren nicht der Fall war. Hat Spaß gemacht und war aber auch sehr anstrengend, weil die Wege echt sehr sandig waren. Aber geschafft ist geschafft, schweigen wir einfach über den Muskelkater danach, okay?

Geistig nutze ich die Zeit, um mein Wissen weiter auszubauen. Ich habe mir ein paar Kurse bei Udemy gekauft und beschäftige mich derzeit mit einem Kurs zu Computer-Netzwerken. So ein wenig Vertiefung kann da nicht schaden und für meine Dienstleistungen ist das auf jeden Fall ein Gewinn, weil ich danach noch mehr von dem erklären kann, was ich derzeit einfach so mache. Und eigentlich ist der Kurs auch eine Vorbereitung auf das CompTIA-Network+-Zertifikat, aber die Zertifikate kann ich mir am Ende leider nie leisten, aber okay, damit muss ich halt schon mein ganzes Leben lang leben. Ist halt so.

22 April 2020

Egoistisch oder demokratisch?

Wer vor Gericht geht, um dort prüfen zu lassen, ob die Einschränkung seiner Grundrechte verhältnismäßig ist, ist nicht egoistisch! Diesen Satz will ich jetzt schon längere Zeit loswerden, schon deswegen, weil er eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es ist nicht Egoistisch Ausgangsbeschränkungen überprüfen zu lassen, es ist wichtig für eine Demokratie, dass dies möglich ist und dass jederzeit die Entscheidungen von Politikern überprüft werden können. Nur so können wir verhindern, dass solch eine Krise dazu genutzt wird, die Demokratie und die Freiheitsrechte zu beschränken.

Aber Demokratie scheint eh nur etwas für fröhliche und glückliche Zeiten zu sein, denn wenn ich mich so an Diskussionen und Tweets der letzten Wochen erinnere, scheint in solchen Krisen, wie wir sie jetzt haben, die Flucht zu Autoritäten die bequemere Option zu sein. Wenn Politiker nicht mehr als Autorität taugen, dann werden halt Wissenschaftler zu solchen Autoritäten erklärt. Unterschiedliche Meinungen sind dann nicht mehr zulässig, unterschiedliche Einschätzungen einfach nur problematisch und alles, was nicht ins Weltbild der eigenen Autorität passt, ist gleich eine Verschwörungstheorie und kann mit einer schönen Grafik, die schnell am eigenen Computer erstellt wird, widerlegt werden. Eigene Auswege aufzeigen, sich Gedanken machen, sich mit den Schattenseiten der jetzigen Einschränkungen auseinandersetzen, ist nicht notwendig, die Wissenschaft wird schon die Lösung präsentieren.

Eine demokratische Gesellschaft braucht die Wissenschaft, um Entscheidungen treffen zu können. Sie braucht aber keine Autoritäten, sondern sie braucht Wissen, sie braucht Einschätzungen und Entscheidungshilfen, um dann die richtigen und ausgewogenen Maßnahmen zu treffen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass solche Entscheidungsprozesse sogar zu einer sehr viel größeren Akzeptanz solcher Maßnahmen in der Bevölkerung führen und dass diese dann auch länger durchhaltbar sind, eben weil jeder einzelne Mensch in eine solche Entscheidungsfindung eingebunden ist und eben alle Aspekte betrachtet werden.

Wenn ich mir die sozialen Medien so ansehe, habe ich das Gefühl, dass viele sich überhaupt nicht die Mühe machen, sich mit anderen Aspekten zu beschäftigen. Da wird die Ausweitung der Kontaktsperren gefordert, ohne zu beachten, dass diese auch für viele Menschen mit negativen Folgen verbunden sind. Es wird vergessen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, dass diese sozialen Kontakte für viele sehr wichtig sind, um psychisch Gesund zu bleiben. Wer eine gute soziale Beziehung führt, wer die physische Isolation mit einem anderen Menschen oder der eigenen Familie durchstehen kann, mag dies nicht verstehen, aber er muss zumindest versuchen sich einzufühlen, muss versuchen die vielen Schattierungen und die vielen Farben zu sehen und das Schwarz-Weiß-Denken ablegen. In dieser Krise geht es eben nicht nur darum, dass wir die Leben der Menschen in der Risikogruppe retten, sondern es geht auch darum das Leben der Menschen zu retten, die durch diese Krise und die unbekannte Isolation in Depressionen verfallen, oder die schon vorher in einer waren und diese nur durch physische Kontakte durchgestanden haben.

Es gibt Menschen, die sind mit den besten Absichten in diese Phase gegangen. Menschen, die sich an die Regeln halten wollen, die aber an eine psychische Grenze kommen, die einfach wieder physischen Kontakt zu anderen Menschen brauchen, weil sie sonst durchdrehen. Die sind nicht egoistisch, die haben es einfach nicht gelernt, solange Distanz zu halten. Oder ist es egoistisch nicht Lesen zu können, weil es nie eine Möglichkeit gab, Lesen zu lernen?

Die Krise zeigt mir, dass wir als Gesellschaft noch viele Dinge lernen müssen. Wir müssen autoritäre Denkweisen überwinden, müssen demokratische Denkweisen etablieren, müssen Institutionen demokratisieren und wir müssen noch etwas machen: Wir müssen die Überlebensgrundlage der Menschen unabhängig von der Wirtschaft machen. Die Menschen müssen selbst entscheiden können, ob die Arbeit, die sie machen, in einer solchen Krise notwendig ist oder nicht. Sie müssen in der Lage sein, dieser Entscheidung dann auch Taten folgen zu lassen, indem sie die Arbeit einstellen, ohne in Existenznot zu geraten. Dies wird nur gelingen, wenn das Einkommen unabhängig von der Erwerbstätigkeit ist. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird eine Grundvoraussetzung sein, um unsere immer noch autoritäre Gesellschaft in eine demokratische Gesellschaft zu verwandeln.

Ein weiteres Beispiel sind die Schulen. In einer demokratischen Gesellschaft sollten auch Schulen Orte der Demokratie sein. Schüler*Innen brauchen Mitspracherechte, sie müssen Mitentscheiden dürfen, wie es in einer solchen Krise weitergehen kann. Wie soll eine Gesellschaft zu einer demokratischen Gesellschaft werden, wenn die Kinder und Jugendlichen auf Autoritäten getrimmt werden? Es kann so nicht gelingen, weshalb hier ein grundlegender Hebel zu sehen ist, um unsere Gesellschaft zu transformieren.