24 November 2018

Arbeitnehmern erklären, warum Hartz4-Sanktionen abgeschafft werden sollten …

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer fragt, wie die SPD den arbeitenden Menschen erklären möchte, warum die Sanktionen für Hartz4-Empfänger abgeschafft werden sollen. Nun, es gibt da eine ganz einfach Erklärung, die die meisten ArbeiterInnen auch verstehen werden. Ich bin zwar nicht die SPD, bin auch schon lange kein Mitglied mehr, aber ich erkläre es gerne, denn dieser Neid gegenüber Hartz4-Empfängern, den auch Herr Theurer weiter schüren möchte, ist in Wirklichkeit die Blindheit für den eigentlichen Grund von Hartz4-Sanktionen.

Hartz4-Sanktionen hebeln die Lohnbildung am Markt aus

Der Hauptgrund, weswegen Hartz4-Sanktionen eingeführt wurden, ist, dass dadurch die Arbeitslosen zur Annahme von allen zumutbaren angebotenen Arbeitsstellen gezwungen werden können. Dadurch wurde die Lohnbildung am Markt ausgehebelt, denn die Menschen ohne Arbeit können seitdem nicht mehr selbst bestimmen, zu welchem Stundenlohn sie ihre Arbeit am Markt anbieten – jedenfalls dann nicht, wenn sie ihre Existenz nur über die Transferleistungen absichern können. Damit haben Hartz4-Sanktionen zu einem riesigen Ungleichgewicht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geführt. Ein Ungleichgewicht zu Gunsten der Arbeitgeber, welches schon ohne Hartz4-Sanktionen existierte, aber nicht ganz so stark war. Dadurch konnte sich ein riesiger Niedriglohnsektor entwickeln, denn die Maßgabe ist ja nicht, dass die Menschen von ihrer Arbeit ihr Leben wirklich finanzieren können sollen, sondern die Maßgabe war, dass die Menschen zumutbare Arbeit annehmen müssen – was auch immer zumutbare Arbeit sein soll. Für den Arbeitgeber ein wunderbares Druckmittel gegenüber qualifizierten Arbeitssuchenden, die dadurch ihre Lohnerwartungen zurückdrehen müssen.

Aber das wäre noch nicht die Erklärung für die arbeitende Bevölkerung, von denen viele ja immer der Meinung sind, dass ein schlecht bezahlter Job eben besser ist als gar kein Job. Die Erklärung folgt aber aus dem, was ich davor sagte, denn nicht nur bei Menschen ohne Arbeit verschob sich das Ungleichgewicht zu Gunsten der Arbeitgeber, sondern auch auf den Seiten der meisten arbeitenden Menschen. Niemand möchte in die Arbeitslosigkeit abrutschen, das wollte auch vor Hartz4 niemand. Aber noch weniger will jemand in dieses Sanktions- und Repressionssystem Hartz4 abrutschen. Da wird gerne auf Lohnerhöhungen verzichtet, was dann wieder die Verhandlungsposition von Gewerkschaften schwächt, es wird sogar gerne auf die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft verzichtet, um die eigene Arbeitsstelle nicht zu gefährden. Die Menschen akzeptieren sogar Abstriche beim Lohn/Gehalt, verzichten auf Urlaub oder bessere Arbeitsbedingungen, nur weil der Arbeitgeber mit dem Hartz4-System eine Drohkulisse aufbauen kann. Eine Abschaffung der Hartz4-Sanktionen würde dieser Drohkulisse schaden, sie würde den Absturz mildern, sie könnte sogar dazu führen, dass die Menschen wieder selbstbewusster in Lohnverhandlungen gehen können, weil im Hintergrund keine Sanktionen drohen, wenn ein bestimmtes Arbeitsentgelt vom Arbeitnehmer als zu gering angesehen, und deshalb das Jobangebot abgelehnt wird.

Die Reallohnentwicklung könnte also wieder in eine positive Richtung gehen, da durch den Wegfall der Hartz4-Sanktionen auch ein Druckmittel auf die ArbeitnehmerInnen wegfallen würde.

Ausspielen von arbeitenden Menschen gegen Menschen ohne Arbeit

Dass das den Mitgliedern der arbeitgebernahen FDP nicht gefällt, ist also kaum verwunderlich und das sie hier versucht Menschen mit Arbeit gegen Menschen ohne Arbeit auszuspielen, ist damit ebenfalls zu erklären. Den Arbeitgebern würde ein wunderschönes Druckmittel verloren gehen, sie müssten sich dann darauf einstellen, dass sie von den Gewinnsteigerungen wieder mehr an die Arbeitnehmer abgeben müssten, die Umverteilung von Unten nach Oben also ein wenig ausgebremst wird. Die Hoffnung kann eigentlich nur sein, dass die Menschen mit Arbeit dies irgendwann verstehen und sie nicht immer weiter nach unten treten. Die Abschaffung der Sanktionen ist positiv für jeden Arbeitnehmer, die Frage ist halt, ob die SPD das auch glaubwürdig vermitteln kann, nachdem sie ja selbst diese Sanktionen eingeführt hat.

Eine andere Frage ist aber auch, wie glaubwürdig ist die SPD überhaupt in Sachen Abkehr von Hartz4 und dessen Sanktionen? Mehrheiten dafür sind derzeit in weiter Ferne, denn neben der FDP ist auch die CDU/CSU und die AfD gegen die Abschaffung von Sanktionen. Die Grünen und die Linkspartei hingegen sind dafür, nur gibt es derzeit keine Mehrheit für die SPD, Grüne und Linkspartei. Da kann die SPD natürlich auch mal ein wenig was in den Raum stellen, was sie dann nie umsetzen kann, um die Partei selbst wieder etwas nach Links zu verschieben. Und im schlimmsten Fall kann sie, wenn sich dadurch die Wahlergebnisse nicht verbessern, damit argumentieren, dass es keine gesellschaftlichen Mehrheiten für die Abschaffung von Hartz4-Sanktionen gibt. In diesen Zeilen steckt jetzt natürlich auch sehr viel von meinem eigenen Misstrauen gegenüber der SPD und nur durch ein paar Worte, wird dieses Misstrauen sich nicht in Luft auflösen.

Wer ganz böse ist, der sieht in der Abkehr der SPD auch nur, dass der Niedriglohnsektor erfolgreich etabliert ist und er jetzt auch ohne Hartz4-Sanktionen auskommt.

22 November 2018

Nicht unsichtbare Menschen lösen Probleme, sondern solidarische Gesellschaften

Es gibt Menschen ohne Obdach in Deutschland. Menschen, die keinen Raum haben, in den sie sich zurückziehen können, wo sie sich aufwärmen können, sich vor Regen, Sturm, Schnee und starker Hitze schützen können. Menschen die da sind, weil wir uns als Gesellschaft immer mehr individualisieren und für Solidarität kaum Platz ist. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, wer Scheitert, ist selbst schuld, wer abgehängt wird, muss dies auf individuelles Versagen zurückführen. Nicht die Wirtschaftsform ist schuld, nicht die daraus resultierende Gesellschaft, die immer unsolidarischer wird.

Anstatt diesen Menschen zu helfen, wird versucht, sie aus dem Stadtbild zu verdrängen, sie unsichtbar zu machen. Es werden Gründe gesucht, Ausreden, warum gerade diesen Menschen nicht geholfen werden muss. Sie sollen die schönen Ecken nicht verunstalten, sie verursachen zu viel Müll und stinken tut es doch auch immer. So ist der O-Ton und mit diesem O-Ton wird dann danach gerufen, dass die Menschen vertrieben werden müssen, weil es einfach unangenehm ist, dass diese Menschen da sind, wo sie sind. Schließlich möchte mensch seinen Wohlstand genießen, möchte sich wohlfühlen, möchte nicht daran erinnert werden, dass es da noch eine andere Seite gibt.

Die andere Seite, die Verdrängung von Menschen, die ständige Verteuerung von Wohnraum, der fehlende Ersatz und dadurch eben für einige der Weg in die Wohnungslosigkeit. Zum Glück bedeutet Wohnungslosigkeit nicht sofort auch wirklich, ohne Obdach dazustehen. Zum Glück gibt es da noch Familien die zusammenhalten oder Freunde, die einem vorübergehend einen Unterschlupf anbieten und damit die Hoffnung aufrechterhalten, doch noch bezahlbaren Wohnraum zu finden und nicht auf der Straße zu landen.

Und meist sind es dann die Menschen, die diese Seite ausblenden wollen, die für die Verteuerung des Wohnraums verantwortlich sind, weil sie bereit sind, immer höhere Mieten zu zahlen. Sie machen ja etwas dafür, sie gehen ja schließlich hart Arbeiten, sollen doch die anderen noch härter Arbeiten und wenn ein Vollzeitjob nicht reicht, dann sollen sie halt noch einen zweiten Vollzeitjob annehmen. Diese Ignoranz, die durch die Individualisierung entsteht. Dieser Wettbewerbsgedanke, der dem Wirtschaftssystem innewohnt und den die Gesellschaft verinnerlicht hat. Die Gesellschaft übrigens, die den Spruch erfunden hat: „Niemand muss in Deutschland obdachlos sein.“, übrigens der Satz, der auch leicht abgewandelt auf Arbeitslose angewendet wird: „Niemand muss in Deutschland arbeitslos sein. Wer arbeiten möchte, der findet auch Arbeit.“

Die Verantwortung für die Verdrängung wollen diese Menschen nicht übernehmen, sie wollen diese Verantwortung auf die Politik abwälzen. Die sollen etwas tun, sollen dafür sorgen, dass die Vermieter auch für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Die Politik ist schuld, wenn die Mieten ständig steigen, nicht der Mieter, der mit seiner Nachfrage und seiner Bereitschaft hohe Mieten zu zahlen, die Preise in die Höhe treibt.
Dabei wäre schon viel getan, wenn die Mieter selbst eben nicht bereit wären, jede noch so hohe Miete zu bezahlen, nur weil sie sich diese leisten können. Es wäre schön, wenn sich solidarische MieterInnenräte gründen, in denen sich die Mieterinnen und Mieter organisieren. Nicht nur ein paar, nicht nur die, die von der Verdrängung betroffen sind, sondern wirklich alle. Dass sie sich absprechen, sie den Wettbewerbsgedanken durchbrechen und notfalls eben mal nicht die Wohnung zu mieten, für die ein überteuerter Mietpreis verlangt wird. Das geht nur in einer solidarischen Gesellschaft, in einem solidarischen Kiez, wo nicht nur an den individuellen Nutzen gedacht wird, sondern an die Gemeinschaft.

Wenn Menschen Wohnraum haben, brauchen sie sich keine Zeltplätze aufbauen. Dann entstehen keine Orte, wo ein Müllproblem durch fehlende Infrastruktur entsteht. Wo Menschen ihre Notdurft in der freien Natur verrichten. Das Problem sind nicht diese Menschen, die auch irgendwo einen Platz brauchen. Das Problem ist der fehlende Wohnraum oder, um genauer zu sein, der fehlende bezahlbare Wohnraum. Und dieses Problem löst sich nicht, wenn die Menschen vertrieben werden, es verlagert sich. Sie brauchen ja weiterhin einen Ort zum Leben, der ist dann eben woanders, stört dort wieder andere Menschen, wird wieder dazu führen, dass die Menschen vertrieben werden. Ein Kreislauf, der keinerlei Probleme löst.

Solange Menschen ignorant sind, sie denken, dass die Lösungen nur durch die Politik gefunden werden können, wird sich dieser Kreislauf nicht auflösen. In Dortmund müssen Menschen, die eh schon keine Wohnung haben, eine Strafe zahlen, wenn sie im Freien übernachten. Sie werden noch dafür bestraft, dass sie durch all die sozialen Sicherungssysteme gefallen sind, für Schicksalsschläge, für Verdrängung. Um den anderen Menschen ihren Wohlfühlwohlstand nicht zu nehmen, sollen die, die nichts haben, unsichtbar werden. Der eigene Kiez muss halt sauber bleiben!

21 November 2018

Wohnraum nutzen – Chancen sehen – Menschen helfen

Es ist Herbst, die lange Hitzeperiode ist vorbei, die Temperaturen gehen immer mehr gegen null, in der Nacht gibt es teilweise schon Frost, in einigen Gebieten gab es sogar schon den ersten Schnee. Auch zu dieser Jahreszeit gibt es Menschen, die keinen eigenen Wohnraum haben, die auf der Straße leben müssen, weil irgendwann mal etwas schiefging, Sicherungsnetze nicht gegriffen haben. Schicksalsschläge, die zu einem totalen Absturz führten. Es ist schon traurig, dass eine Gesellschaft so etwas zulässt, noch dazu eine reiche Gesellschaft, die das überhaupt nicht nötig hätte. Noch schlimmer wird es, wenn Bürokratie dazu führt, dass freier Wohnraum nicht genutzt werden kann, er leer steht, weil die Politik zu unflexibel ist, weil sie verschiedene Gesetze für verschiedene schutzbedürftige Gruppen haben.

Derzeit passiert das in Deutschland mit Unterkünften für geflüchtete Menschen. Es gibt derzeit mehr Unterkünfte als geflüchtete Menschen, doch anstatt diese Unterkünfte – zumindest für die Zeit im Winter – Menschen ohne Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wird darauf verwiesen, dass da unterschiedliches Baurecht gilt, die Unterkünfte für geflüchtete Menschen gedacht sind, diese somit auch für eine bestimmte Zeit gebunden sind. Das wäre ja auch okay, wenn diese denn für die Gruppe der geflüchteten Menschen gebraucht werden würden, wenn abzusehen wäre, dass diese in naher Zukunft die Unterkünfte benötigen werden. Aber derzeit ist das nicht der Fall, derzeit stehen Unterkünfte frei, obwohl es Menschen gibt, die diese dringend gebrauchen könnten.

Ja, es besteht die Gefahr, dass diese Lösung nur von kurzer Zeit ist, dass wieder mehr Menschen ankommen, die sich auf der Flucht befinden. Das könnte am Ende zu Konflikten führen, aber warum braucht es eigentlich getrennte Unterkünfte für geflüchtete Menschen und Menschen ohne Wohnraum? Muss es solch eine Trennung wirklich geben? Könnte eine Durchmischung nicht vielleicht eine Chance sein, ein Gewinn für beide Seiten? Ein Gewinn für die Menschen ohne Obdach, weil sie den geflüchteten Menschen beim Ankommen helfen können? Weil sie dadurch vielleicht eine neue Aufgabe in einer solidarischen Gemeinschaft finden können? Und auch ein Gewinn für die geflüchteten Menschen, die nicht abgeschottet wären, die sofort Kontakt zu Menschen aus Deutschland hätten? Muss dies immer gleich als ein Konfliktherd gedacht werden oder kann es nicht als Chance gedacht werden, als Win-Win-Situation, als Chance für mehr Akzeptanz, für mehr Solidarität?

Wohnraum nicht zu nutzen, nur weil es die Bürokratie verhindert, ist der falsche Weg. Ein Weg, der auch wieder Hetzern Futter gibt, der ihnen wieder die Möglichkeit eröffnet, verschiedene hilfsbedürftige Gruppen gegeneinander auszuspielen. Es ist die Art Politik, die nicht weiter denkt, die nicht die Chancen sieht, die sich ergeben könnten. Die auf Paragraphen besteht, die nicht sinnvoll sind. Die auch nicht nachvollziehbar sind, denn auch die leerstehenden Unterkünfte kosten Geld und da ist auch egal, aus welchem Topf dieses Geld kommt!

Und wenn dann die ersten Berichte von Menschen kommen, die in der Kälte erfroren sind, weil unserer Gesellschaft es nicht fertigbringt, jeden Menschen anständigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dann steigt die Wut. Dieselbe Wut die hochkommt, wenn auf dem Mittelmeer wieder Menschen ertrinken. Unnötiges Sterben in den Straßen eines reichen Landes, unnötiges Sterben auf den Meeren.

Vielleicht können wir den Menschen zumindest ein schönes Weihnachtsfest bescheren. Hier in Berlin organisiert die Kälte Nothilfe immer ein Weihnachtsfest. Klar, es gibt da auch schon vorher ein großes Event von Frank Zander, aber muss das schon alles sein? Ich denke nicht! Mehr Infos findet ihr unter dem Link auf Facebook.

Bild Facebookpost Kälte Nothile
Bild vom Facebookpost der Kälte Nothilfe
21 November 2018

Weil sie ein Mädchen ist!

„Weil sie ein Mädchen ist“, sagten Sie, „kann und darf sie das nicht!“
„Warum?“, fragte ich.

Sie hat Füße und Beine, mit denen sie läuft, wie ich.
Sie hat Hände und Arme, mit denen sie greift, wie ich.
Sie hat einen Mund, mit dem sie redet, wie ich.
Eine Nase, mit der sie riecht, wie ich.
Zwei Augen, mit denen sie sieht, wie ich.
Und zwei Ohren, mit denen sie hört, wie ich.
Warum darf und kann sie das nicht?

„Weil sie ein Mädchen ist.“

Sie kann fühlen, wie ich.
Sie kann stark sein, wie ich.
Sie kann schwach sein, wie ich.
Sie kann lachen, wie ich.
Sie kann weinen, wie ich.
Verträgt Schmerzen, sogar mehr als ich!
Warum kann und darf sie dann nicht?

„Weil sie ein Mädchen ist.“

Sie kann, wenn sie denn will, Berge bezwingen.
Kann auf Bäume klettern,
schneller laufen, als ich.
Sie kann Rechnen, kann Schreiben und kann lesen, wie ich.
Sie kann Leben gebären, nein, dass kann ich nämlich nicht.
Sie kann LKWs fahren, kann Pilotin sein.
Kann Raketen steuern,
sie kann Chefin sein.
Warum darf und kann sie denn das alles nicht?

„Eben nur, weil sie ein Mädchen ist! …“

19 November 2018

Kein Umweltschutz wegen zu hoher Auslastung im Alltag?

Gestern habe ich auf Twitter zufällig eine Diskussion zum Thema „Umweltschutz“ mitbekommen. Ich habe mich nicht eingemischt, weil ich die Leute nicht kannte und weil ich mich dann wahrscheinlich wieder viel zu viel aufgeregt hätte. Aber so wirklich lässt mich diese Diskussion nicht los, ich rege mich jetzt schon die gesamte Zeit darüber auf, weil es einfach genau die Einstellung ist, die am Ende verhindert, dass sich überhaupt etwas ändert. Grob wiedergegeben ging es in der Diskussion darum:

„… dass das Thema Umweltschutz nicht in den Alltag integriert werden kann, weil die Person dazu zu ausgelastet ist und ihr Tagesablauf schon hart durchgeplant ist.“

Konkret ging es um Plastiktüten oder Stoffbeutel. Es ist also zu schwer, sich einen Stoffbeutel in die Handtasche zu stecken oder in den Rucksack, oder in die Jackentasche oder wo so ein Stoffbeutel noch gut verstaut werden kann. Es ist zu schwer, hier seinen Alltag anzupassen, dauert ja solange, sich, nachdem der Beutel benutzt wurde, diesen wieder in die Tasche zu stecken. Da könnte der hart durchgeplante Alltag durcheinander kommen …

Leute, ich habe vor einigen Jahren für mich entschieden, dass ich nie wieder Plastiktüten kaufen werde. Von heute auf morgen und es hat mich nicht eingeschränkt. Ich konnte weiterhin spontan einkaufen gehen, weil ich halt immer einen Beutel dabei hatte, und nein, so ein Beutel ist nicht schwer, es macht sich also auch niemand den Rücken kaputt, wenn er einen solchen Stoffbeutel immer dabei hat. Und wen der Umweltschutz an dieser Stelle egal ist, dem sei gesagt, dass so eine Plastiktüte bei jedem Einkauf knapp 10 Cent kostet. Wer also häufiger spontan einkaufen geht, der gibt da eine Menge Geld nur für die Tüten aus, einfach mal ausrechnen, ob da so ein Stoffbeutel nicht soviel Geld spart, dass mensch sich am Ende des Jahres noch ein schönes Geschenk leisten kann.

Alltagsroutinen hinterfragen

Stoffbeutel sind jetzt nur ein Beispiel, nur ein kleines, aber jeder kann einmal überlegen, was er in seinem Alltag anders machen kann, und zwar ohne seine Alltagsroutinen zu ändern – wobei Routinen ja sowieso etwas Langweiliges an sich haben. Braucht es für Äpfel, Kartoffeln oder anderes Obst und Gemüse wirklich die Plastiktüte? Auch auf diese verzichte ich! Wenn es geht, dann nehme ich unverpacktes Obst und Gemüse, einzeln! Ja, die fallen meist nicht aus dem Einkaufswagen oder Korb, die können da ruhig ohne Verpackung drin liegen und später auch im Einkaufsbeutel, das schadet weder dem Obst noch dem Gemüse.

Oder das Auto. Brauche ich es wirklich für jede kurze Strecke? Brauche ich es überhaupt oder wäre ich mit einem Mix aus öffentlichen Personennahverkehr, Bike-, und Carsharing nicht besser dran? Könnten wir uns nicht im Kiez oder im Haus ein gemeinschaftliches Lastenrad anlegen, um damit Großeinkäufe zu erledigen? Muss ich dadurch meine Alltagsroutinen wirklich so stark verändern? Oder könnte das nicht sogar zu einer Verbesserung meiner Lebensqualität führen?

Wir könnten das jetzt für viele Dinge durchgehen, aber ich glaube, dass diese Beispiele schon ausreichen. Sie zeigen, worauf ich hinaus möchte: wir müssen alle unsere Alltagsroutinen hinterfragen und schauen, wo wir sie anpassen können, um die Umwelt zu schützen. Und das geht auch, wenn der bisherige Alltag schon komplett durchgeplant ist!

Keiner ist Perfekt

Keiner ist Perfekt, auch nicht beim Thema Umweltschutz! Aber nur, weil wir vielleicht nicht alles umsetzen können, bedeutet das nicht, dass wir nicht zumindest das umsetzen sollten, was für uns möglich ist. Wir müssen nicht immer auf den Gesetzgeber warten, wir können dem Zwang, der uns durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Normen einengt, in kleinen Schritten auch selbst entkommen. Natürlich muss der Gesetzgeber auch steuernd eingreifen, aber eben nicht nur er, sondern auch der Konsument. Und klar, nicht jeder muss alles mitmachen. Wer bestimmte Trends dämlich findet, andere aber für sinnvoll hält, der sollte nicht auf die sinnvollen Trends verzichten, sondern nur auf die, die er dämlich findet.

PS:

Gerade wurde ein ähnlicher Artikel über Twitter geteilt. Da meiner jetzt erst später veröffentlicht wird, verlinke ich ihn gerne, damit nicht der Verdacht aufkommt, dass ich diesen eventuell kopiert hätte. Außerdem passt er super zum Thema: Die mit dem ausgestreckten Zeigefinger.

18 November 2018

Wenn du um 15 Uhr schon wieder müde bist …

Um 15 Uhr schon wieder total müde zu sein, liegt entweder daran, dass der Körper eine Erkältung oder sonst irgendeine Krankheit ausbrütet, oder es liegt an einem sieben Monate alten Kater, der zwar auch gerne schläft, aber nicht zu den Zeiten, wo mensch selbst gerne schlafen würde.

Ein solcher Kater wird meist dann aktiv, wenn der Mensch inaktiv wird, er also gerade ins eigene Bett gehen möchte. Dann wird für den Kater alles zu einem riesigen Spielplatz. Der Schreibtisch, auf den er nicht rauf soll, die Pflanzen, die er aus irgendeinen Grund nicht leiden kann und die er deswegen permanent angreift. Auch die Regale, die Bücher, Tische und was es noch so gibt, sind nicht sicher, eignen sich super, um Krach zu machen und den Menschen wach zu halten.
Dann wären da noch die Taschentücherpackungen, die der Kater absolut liebt und gerne auseinander nimmt, sobald er die Chance dazu hat. Warum auch immer er das tut?

Genügend Dinge also, die den Menschen am Einschlafen hindern! Irgendwann ist so ein Kater dann aber auch müde und legt sich ins Bett, allerdings nicht solange, wie es der Mensch gerne hätte, und so geht es dann um fünf Uhr schon weiter. Vier bis fünf Stunden schlaf reichen für so einen Kater. Vier bis fünf Stunden schlaf müssen also auch dem Menschen reichen.

Dann muss wieder Zeit sein fürs spielen und wenn der Mensch nicht will, dann werden halt die Füße angegriffen, oder die Pflanzen, oder die Kopfhörer oder jeder andere Gegenstand, der irgendwie heil bleiben sollte, wodurch der Mensch aus seinem Bett aufstehen muss, um den Kater von seinen zerstörerischen Spielen abzuhalten.

Und wenn das Werk erledigt ist, der Mensch aus seinem Bett vertrieben wurde, dann ist für den Kater Zeit das erste Nickerchen einzulegen, natürlich erst, nachdem er sein Frühstück zu sich genommen hat.

Und so kommt es dann, dass mensch selbst um kurz nach 15 Uhr in einem Café sitzt und total übermüdet ist, während er einen Cappuccino trinkt und versucht, sich auf ein Buch zu konzentrieren.

28 Oktober 2018

Diskutieren

Ich glaube, ich werde ab jetzt in jede Diskussion mit irgendwelchen Vorurteilen hineingehen, denn die werden einem ja eh vorgeworfen, wenn mensch eine andere Ansicht hat. Jedenfalls ist das derzeit mein Eindruck und somit schon das erste Vorurteil, welches ich ab jetzt haben werde.

Diskutieren um Horizont zu erweitern

Ich finde Diskussionen wichtig und ja, ich mache das, um meine eigenen Argumente zu schärfen oder eben, um diese über Board zu werfen, weil diese sich in einer Diskussion als vollkommener Müll herausgestellt haben. Ich gehe aber in eine solche Diskussion immer mit meinem Erfahrungsschatz, mit dem Wissen, welches ich bis zu dieser Diskussion gesammelt habe. Also auch mit den Verknüpfungen im Gehirn, die sich bis zu diesem Zeitpunkt gebildet haben. Und ich bin mir bewusst, dass das meine Erfahrungen, meine Verknüpfungen sind, die bei anderen komplett anders sein können, oder nur in bestimmten Punkten. Deswegen funktioniert eine Diskussion auch nur, wenn Freiraum für Fragen da ist. Dieser Freiraum ist nicht gegeben, wenn auf eine solche Frage mit irgendwelchen Vorurteilen beantwortet werden, die der Fragende doch zu haben scheint.

Fragen dienen der Einordnung. Wir alle ordnen Informationen irgendwie ein. Und sicher ordne ich Informationen von Person zu Person anders ein, weil jede Person einen anderen Hintergrund hat, andere Erfahrungen gemacht oder eben nicht gemacht hat. Woher soll ich diese Infos aber nehmen, wenn ich nicht nachfrage? Wenn ich also Frage, ob jemand Erfahrungen mit Armut gemacht hat, ob er schon einmal ohne Strom leben musste, für einen gewissen Zeitraum ohne Nahrung oder sogar mit der Angst, in den nächsten Wochen die Wohnung zu verlieren, dann mache ich das nicht, weil ich davon ausgehe, dass diese Erfahrungen nie gemacht wurden, sondern zur Einordnung. Wenn ich davon ausgehen würde, dass diese Erfahrungen nicht vorhanden sind, dann würde ich diese Frage so nicht stellen. Wenn ich aber von etwas als gegeben ausgehe, dann sind es eben wieder Vorurteile, und die bringen keinen weiter.

Diese Fragen dienen also der Einordnung. Muss ich meine Argumente eventuell überprüfen, muss ich eingestehen, dass andere zum Thema der Diskussion bessere Erfahrungswerte einbringen, die ich dann für mich nutzen kann, um meinen Horizont zu erweitern, um andere Verknüpfungen zu schaffen? Oder muss ich eventuell andere Argumente finden, um meine Sichtweise zu vermitteln, weil die Verknüpfungen, die ich zum Thema habe, bei den anderen nicht gegeben sind? Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder denselben Hintergrund hat, wenn ich das machen würde, dann wären wir wahrscheinlich tatsächlich bei einer Diskussion, die nur mit Vorurteilen geführt wird, die aber niemanden weiter bringt. Nur dann kann ich mir die Energie für eine solche Diskussion auch sparen.

Ich habe ja die Befürchtung, dass sehr viele Menschen inzwischen Diskussionen immer gleich als Angriffe auf die eigene Person deuten, sie also gleich in den Abwehrmodus gehen und es nicht um den Austausch von Argumenten und Erfahrungen geht. Das ist traurig, weil genau hier das Problem und die Gefahr für unsere Demokratie liegt. Wenn wir Diskussionen als persönliche Angriffe deuten, dann sind wir nicht offen und vergeben so die Chance, bessere Ideen und Argumente zu entwickeln.

Und warum machst du es dann doch ab und an?

Jetzt werden mir hier einige, die mir auf Twitter und Facebook folgen, vorwerfen, dass ich ab und an Diskussionen auch mit irgendwelchen Vorurteilen abwürge. Mache ich tatsächlich, bei Nazis und Rechtspopulisten (wobei ich nicht sagen will, dass das was anderes ist). Bei allen anderen Diskussionen nehme ich mir aber immer die Zeit, um meine Argumente vorzubringen und diese auch zu Untermauern. Jedenfalls solange, solange es die Gegenseite ebenfalls tut. Wenn dann allerdings ein Tweet kommt, der mir unterstellt, dass ich genau diese Vorurteile habe, die in diesem Tweet erwähnt werden, dann kann solch eine Diskussion nichts bringen.

PS:

Eigentlich wollte ich in diesem Artikel noch auf die Tweets verlinken, die mich dazu gebracht haben, meine Gedanken dazu noch einmal aufzuschreiben. Ich glaube allerdings, dass das auch ohne diese geht, dass dieser Artikel auch so all das vermittelt, was ich schreiben wollte.

27 Oktober 2018

Wenn dein Unterbewusstsein dir den Schlaf raubt …

Eigentlich lag ich schon im Bett und wollte schlafen. Doch leider bin ich ein Mensch, der nicht abschalten kann, wenn ein Problem auftritt, dass so nicht auftreten sollte, und für das ich auch noch keine Idee habe, wie ich es tatsächlich lösen könnte. Dann arbeitet mein Gehirn immer weiter, will, dass ich mich weiter auf die Suche nach Lösungsmöglichkeiten mache. Ich habe so schon Tage und Nächte durchgemacht, weil ich nicht abschalten konnte, weil mein Gehirn sich geweigert hat zu schlafen, obwohl ich komplett müde war und ich mir auch ziemlich sicher war, dass die Lösung schneller zu finden wäre, wenn ich einfach mal darüber schlafen würde.

Jetzt ist es zum Beispiel ein Raspberry PI, der nicht so will, wie ich es will. Nur, auch wenn mein Gehirn es nicht einsehen will, ich kann wirklich gerade nicht viel machen, weil das Gerät nicht bei mir ist, weil ich darauf nur über eine VPN Verbindung zugreifen kann und ich deswegen nicht die Fehleranalyse durchführen kann, die ich durchführen müsste. Es könnte nämlich alles sein! Defekter RAM, defekte SD-Karte oder sonst irgendein Defekt. Eventuell sogar nur ein kleiner Fehler im Filesystem der SD-Karte, den ich innerhalb von wenigen Minuten beheben könnte. Problem ist halt, dass all diese Dinge nur dann möglich wären, wenn ich den kleinen Rechner hier hätte.

Ich bin mir also ziemlich bewusst, dass ich an diesem Problem vorerst nichts ändern kann, aber das ärgert mich unterbewusst sosehr, das mir mein schlaf verwehrt bleibt. Eventuell auch deswegen, weil es mit genau diesem Raspberry erst vor ein paar Monaten schon Probleme gab und ich jemand bin, der Systeme mag, die einfach laufen, ohne das dort groß eingegriffen werden muss. Und das ärgert mich doppelt, weil ein zweiter Raspberry, der sogar noch mehr Aufgaben zu erledigen hat, dies nun schon seit knapp zwei Jahren tut, ohne dabei größere Probleme zu machen (wenn wir einmal von dem USB-Hub und der externen Festplatte absehen, die ich gegrillt habe, indem ich von beiden die Netzstecker verwechselt habe – weswegen ich Umbaumaßnahmen in Büros übrigens auch hasse).

Übrigens bin ich mir inzwischen ziemlich sicher, dass der Raspberry ein Problem mit seinem RAM-Speicher hat, aber erklär das mal jemand meinem Unterbewusstsein. Jenes möchte sich immer noch nicht mit dieser Erklärung zufriedengeben, sodass ich hier jetzt genau diesen Text schreibe. Anders kann ich mich nicht ablenken von dem Problem, welches eigentlich überhaupt nicht da sein sollte, da es überhaupt keinen Grund dafür gibt – außer eben ein defekter RAM-Speicher auf dem PI, was allerdings auch eine komplett neue Erfahrung wäre. Und wo ich so darüber nachdenke, könnte natürlich auch der Controller für den SD-Karten-Slot einen Defekt haben, der ebenfalls diesen Fehler verursachen könnte. Und so wird es wahrscheinlich noch die nächsten Stunden gehen.

Schafft ihr es, solche Aufgaben komplett hinter euch zu lassen, oder geht es euch eventuell sogar wie mir?

22 Oktober 2018

Familienkrach wegen Nachrichten

Es gibt ja hier bei mir immer mal wieder Streit über die Nachrichten. Es geht meist um Nachrichten, wo mit Vorteilen gespielt wird, wo Vergleiche gezogen werden, die diese Vorurteile scheinbar bestätigen. Nachrichten, die Nährboden für rechte Hetze bieten, obwohl dies überhaupt nicht notwendig wäre. Dann kommt es hier immer wieder zur Diskussion, weil ich es Scheiße finde und die anderen nicht verstehen, warum ich es Scheiße finde.

Vergleich zwischen Obdachlosen und geflüchteten Menschen

Heute gab es mal wieder so einen Aufreger! Eigentlich sollte es ein Artikel zur Unterfinanzierung von Obdachlosenunterkünften sein, daraus wurde aber ein Bericht darüber, dass für die geflüchteten Menschen mehr Geld ausgegeben wird. Dass Unterkünfte für geflüchtete Menschen leer stehen, es für die Obdachlosen aber nicht genügend Unterkünfte gibt. Ein beliebtes Vorurteil von rechten Hetzern, aber eben nicht, um die Bedingungen für Obdachlose zu verbessern, sondern nur, um gegen die geflüchteten Menschen Stimmung zu machen.

Natürlich ist es dämlich, wenn freier Wohnraum leersteht und es auf der anderen Seite Obdachlose gibt, die diesen brauchen. Allerdings können dafür die geflüchteten Menschen nichts. Sie können genauso wenig dafür, dass die Politik zu wenige finanzielle Mittel für Obdachlose bereitstellt. Das kann aber eben auch angesprochen werden, ohne dass dafür ein rechtes Vorurteil bedient werden muss. Wie kommt so ein Bericht denn bei betroffenen Menschen an? Er treibt einen Keil zwischen Obdachlose und geflüchtete Menschen, er schürt die rassistischen Vorurteile und bestätigt diese bei den Personen, die diese Vorurteile haben.

Und genau darüber rege ich mich immer wieder auf, auch darum, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass die Medien da ganz genau wissen, was sie damit bewirken. Sie können das machen, weil sich viele dieser Wirkung gar nicht bewusst sind, weil sie denken, dass da ein neutraler Bericht gesendet wird, der gar keine Menschenfeindlichkeit enthält, der nur über Missstände aufklären möchte. Aber nun erklär den Leuten mal, dass das falsch ist! Die Menschenfeindlichkeit, der Rassismus, der durch solche Berichte genährt wird, ist ja in dem Bericht selbst nicht zu finden. Da geht es ja schließlich nur um Fakten.

Ist es wirklich so schwer zu erkennen, dass es in diesen Berichten meist nur darum geht, Vorurteile zu verfestigen bzw. diese zu bestätigen? Wäre das nicht der Fall, würde auf solche Vergleiche verzichtet werden. Es ist nämlich durchaus möglich einen Bericht über die Notlagen von obdachlosen Menschen zu machen, ohne einen Vergleich zu den geflüchteten Menschen zu ziehen. Es ist durchaus möglich auf Missstände hinzuweisen, ohne dadurch irgendwelche rassistischen Vorurteile zu bedienen.