Warum bloggen wir eigentlich? Geht es wirklich nur um die Mitnahme von Klicks, wenn ein aktuelles Ereignis es ermöglicht, oder geht es uns um den Austausch, ganz ohne den Katastrophen-Voyeurismus?
Ich finde ja, gerade wir Blogger*Innen haben Zeit. Wir müssen nicht tagesaktuell auf Ereignisse reagieren, wir können warten, bis es eine gesicherte Informationsbasis gibt.
Mir ist klar, dass das Schreiben Therapie sein kann. Es hilft dabei, den Kopf freizubekommen, um Gefühle zu verarbeiten. Doch zwischen Schreiben und Veröffentlichen liegt schon noch ein gewisser Weg. Jeder kann und soll sofort schreiben, wenn es dabei hilft, Dinge zu verarbeiten. Das Geschriebene muss aber nicht sofort veröffentlicht werden, auch wenn dadurch vielleicht ein Gefühl der Befreiung entsteht.
Wir haben die Zeit, wir müssen nicht die optimale Anzahl von Klicks generieren und deswegen möglichst zeitnah auf Ereignisse öffentlich reagieren. Dafür gibt es Journalist*Innen, die auf ihren Medien einen gewissen Informationsauftrag erfüllen sollen. Für Blogger*Innen besteht ein solcher Auftrag nicht, wir können Dinge sacken lassen, können Informationen sammeln und dann informiert auf Ereignisse reagieren. Druck ablassen auf Social-Media-Kanälen ist okay, in einem Blog kann dann aber mit Abstand reagiert werden, auch wenn der Mainstream dann schon wieder ganz andere Geschichten durchs Dorf treibt.

Kommentare
Hm… ja, bei manchen scheint es so, als ob es um Klicks und Zahlen geht, oder?
Für mich ist es eher ein Dokumentieren und ich liebe es so sehr in meiner Vergangenheit zu lesen und mich zu erinnern.
Moin Sari,
mein Problem sind ja nicht wirklich die Klicks. Wenn ein Artikel gut oder/und interessant ist, dann soll er die Klicks erhalten. Wenn Blogger*Innen gut und interessant schreiben, dann sollen sie damit gerne auch Geld verdienen. Was mich ja eher stört, ist, wenn dann eine Katastrophe, ein Anschlag oder ähnliches passiert, sofort ein Artikel veröffentlicht wird. Muss das wirklich sein?
Ich glaube, die Menschen, die in den Stunden nach so einem Ereignis nach Informationen suchen, wollen noch keine Blogartikel lesen, wo es dann in vielen Fällen um Gefühle und Ohnmacht geht. Die wollen erst mal Fakten, wollen wissen, wie schlimm es ist, vielleicht auch, ob Angehörige betroffen sind. Also das, was Journalisten liefern sollten, die vor Ort sind. Und wenn ein*e Blogger*In vor Ort ist, dann auch diese, aber all die anderen Artikel können ruhig zwei oder drei Tage warten. Sie können ja direkt geschrieben werden, aber sie müssen nicht direkt veröffentlicht werden. Und ja, dadurch partizipieren Blogger*Innen dann nicht an den Klickströmen, die das Ereignis auslöst, aber das müssen wir ja auch nicht.