7 Februar 2019

Ausbeutungsgrundsicherung

Es regt mich auf! Es regt mich auf, wenn eine Grundrente, von der Menschen gerade so Leben könnten, von der Anzahl der Beitragsjahre abhängig gemacht wird. Es darf dann keine Brüche im Leben geben, kein Versuch einer Selbstständigkeit, keine längeren Pausen, in denen sich ein Mensch neu erfinden kann. Die Pflege von Familienangehörigen wird so auch zum Luxus, ebenso wie andere Lebensentwürfe. Alles ist auf einen kapitalistischen Markt ausgerichtet. Wertvoll ist, wer sich dieser kapitalistischen Logik unterwirft, wer sich ausbeuten lässt, wer seine gesamte Lebensplanung der Arbeit und dem Arbeitgeber unterwirft.

All die Sicherungssysteme sind genau darauf ausgelegt. Du bist nur abgesichert, wenn du dich und deine Arbeitskraft als Arbeitnehmer verkaufst. Generell geht es nur um deine Arbeitskraft, für die du auch in deiner Freizeit alles zu tun hast, um sie zu erhalten. Deine Freiheit hört da auf, wo du den Gewinn deines Arbeitgebers gefährden könntest, wo du dich also sozialwidrig verhältst. Und auch diese Respekt-Rente ist nichts anderes!

Sozialwidrig ist auch so ein Wort. Wer hat sich das einfallen lassen? Ist ein Mensch, der sich nicht damit abfinden kann, in einem Arbeitsverhältnis eingesperrt zu sein, wirklich ein sozialwidrig handelnder Mensch? Oder ist es nicht eher die Gesetzgebung, die Ausrichtung auf das Kapital, die kapitalistische Ausrichtung unserer Gesellschaft sozialwidrig? Wenn Frauen* Erziehungsarbeit leisten und dafür nicht entlohnt werden, wer handelt da sozialwidrig? Die Frau oder der Staat? Wohl eher der Staat, weil er die Leistung der Frauen nicht anerkennt. Wenn Menschen sich um ihre Angehörige kümmern und dafür auch noch bestraft werden, wer handelt dann sozialwidrig? Wohl auch wieder der Staat?

Menschen sollten die Möglichkeit haben sich auszuprobieren, sich zu entwickeln, ohne dabei den Druck im Rücken zu spüren, dass das später negative Folgen haben könnte, wenn es nicht funktioniert. Die Gesellschaft könnte sehr viel weiter sein, wenn Menschen nicht an sinnloser Arbeit festhalten müssten, weil dadurch ihre Existenz gesichert wird. Wir könnten sehr viel weiter beim Klima- und Umweltschutz sein, wenn die Arbeitsplätze in klimaschädlichen Branchen, für die es bereits Alternativen gibt, wegfallen könnten, ohne dass dadurch die Menschen, die diese Arbeitsplätze innehaben, in existenzielle Nöte geraten würden.

Aber so läuft das nicht in unserer Gesellschaft. In unserer Gesellschaft ist nur bezahlte Arbeit auch wertvolle Arbeit. In unserer Gesellschaft dreht sich alles um Profit, um Ausbeutung, um das Schaffen von Werten, von denen nur wenige Menschen in großem Umfang profitieren. Und so muss natürlich eine Grundrente von der Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsjahre abhängig gemacht werden. Wo kämen wir denn hin, wenn das anders wäre?


*Ich schreibe hier Frauen, weil diese Arbeit in der Mehrheit von Frauen erbracht wird, nicht weil ich das Rollenbild, was sich dahinter verbirgt, irgendwie cool finden würde.

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Verfasst 7. Februar 2019 von Sven in category "Dies und Das", "Erlebnisse und Gedanken

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