Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Erinnerungen

Erstaunt werden sich jetzt einige Fragen, wie der Sven nur auf die Behauptung kommt, dass er sich das Linkssein eigentlich gar nicht leisten kann. Eine politische Einstellung kostet ja schließlich kein Geld und Links sein, das kann doch jeder, egal wie viel Geld er oder sie auf dem Konto hat. Stimmt theoretisch ja auch, aber praktisch?

Praktisch kostet Links sein natürlich doch Geld. Das fängt schon bei den Büchern an. Wie viele Bücher von linken Schriftstellern würde ich gerne lesen, kann es aber nicht, weil ich mir Bücher für 20,- Euro und mehr einfach nicht leisten kann. Hinzu kommt, dass ich diese Bücher dann auch meist nicht in Bibliotheken bekomme und so muss ich – leider ist das so – auf die Lektüre meist verzichten, außer ich stolpere durch Zufall irgendwo in einem Bücher Second-Hand-Laden über das Buch, dann hat es aber auch meist schon ein paar Jahre auf dem Buckel und ist nicht mehr ganz so aktuell.

Aber es sind ja nicht nur die Bücher, es sind auch die Zeitschriften und die Zeitungen, die Geld kosten. Sicher kann ich einiges im Internet nachlesen und sicher ist doch auch einiges kostenlos, aber ich habe dann schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich dann der Zeitschrift, bzw. dem Autor keine Anerkennung zukommen lassen kann, schließlich müssen die ja auch von was Leben.

Aber es sind halt auch die Veranstaltungen. Wenn sie denn in Berlin stattfinden, habert es meistens am Eintritt. Ja, der Eintritt ist gerechtfertigt, denn die Referenten haben auch Kosten, die durch diesen Betrag gedeckt werden müssen. Ja, ab und an schaffe ich es, mir den Eintritt für solche Veranstaltungen zu leisten, wie zum Beispiel im letzten Jahr beim „Marx-is-Muss“-Kongress hier in Berlin, aber bei den meisten Veranstaltungen muss ich dann doch passen. Auch politische Abendveranstaltungen, bei denen der Eintritt zwar nichts kostet, aber der Wirt auf seine Kosten kommen möchte, muss ich mir sparsam einteilen. Es gibt so viele Termine in der Woche, aber mehr als zwei pro Woche, das sind dann schon ungefähr 10,- Euro für Getränke, sind einfach nicht drin. Und da spreche ich schon von guten Monaten, denn 40,- Euro im Monat sind eine Menge Geld.

Aber es sind ja auch andere Dinge. Mitmachen bei Demos zum Beispiel. In Berlin ist das kein Problem, aber wenn es dann in ein anderes Bundesland geht, dann ist auch das mit Kosten verbunden. Für viele ist das selbstverständlich, irgendwo bekommt man das Geld schon her, aber dazu braucht es Vernetzung und die ist meist nur dann möglich, wenn man regelmäßig an Veranstaltungen teilnimmt.

Ich könnte sicher noch einiges mehr aufzählen, aber ich glaube, dass was ich vermitteln wollte, ist klar geworden. Auch das politische Leben muss finanziert werden, auch Politik ist im Kapitalismus den kapitalistischen Regeln unterworfen. Ich bin, da bin ich ehrlich, immer wieder erstaunt, wie andere sich das leisten können. Vielleicht bin ich auch ein wenig neidisch darauf, denn ich würde das auch gerne können. Ich würde auch gerne an vielen politischen Veranstaltungen teilnehmen, würde gerne immer die aktuellen Bücher lesen, mir jedes Magazin kaufen – es gibt so verdammt viele Interessante davon – und mich jeden Abend mit Leuten treffen, um mit denen über Politik zu diskutieren. Aber das ist aus finanzieller Sicht einfach nicht möglich. Auch hier wird eine Isolierung geschaffen, die nur schwer zu überwinden ist, auch wenn natürlich die Veranstalter, die ihre Kosten decken müssen, nichts dafür können.

Ich habe natürlich dennoch meine politische Einstellung, meine Gedanken, meine Meinungen. Ich werde mich durch den Kapitalismus nicht aufhalten lassen, meine politische Anschauung zu haben und ich werde mich auch nicht davon abhalten lassen, diese auch öffentlich zu machen. Das ist übrigens auch so ein Punkt, den ich noch gar nicht angesprochen habe, die Angst, durch die politische Meinung, schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Ich mach mir die Welt

Ich mach mir die Welt

Quelle: Twitter – Einfach aufs Bild klicken.

Jetzt ist es also raus! Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Gut für mich, allerdings schlecht für euch, denn euch gibt es in der Realität alle gar nicht. Beziehungsweise, es gibt euch schon, allerdings nur in meinem Kopf. Ihr seid alle meine Geschöpfe! Das kann euch gefallen, denn ihr seid für euer Handeln dann nicht wirklich verantwortlich, aber, ich kann euch alle auch wieder verschwinden lassen.

Mir war das natürlich vorher auch nicht bewusst, aber, nachdem jetzt eine meiner fiktiven Kreaturen sich das nicht mehr gefallen lassen will, ist mir das natürlich schlagartig bewusst geworden. Deswegen sehe ich übrigens auch nicht die Argumente anderer, denn ich habe sie mir ja selbst ausgedacht, oder ich habe sie mir eben nicht selbst ausgedacht. Wäre ja auch zu schwer, denn ich muss mir ja schon allein für 7 Milliarden Menschen Geschichten aus den Fingern saugen und dann auch noch in die Tiefe zu gehen, wäre einfach eine Überlastung.Ihr müsst ja bedenken, dass auch noch die Tiere hinzukommen und die Pflanzen.

Allerdings muss ich mich mit dieser Welt, die ich erschaffen habe, selbst strafen wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum ich Frau Merkel schon so lange an der Macht lasse. Erklärbar ist allerdings schon, warum sie nur reagiert und nicht selbst mal das Ruder in die Hand nimmt. Auch das wäre wohl zu viel Denkarbeit für mich. Dann lieber eine passive Kanzlerin denken, damit ich noch Kapazitäten für die wirklich wichtigen Dinge habe.

Wobei ich hier ja die Prioritäten auch selbst erdacht habe! Also sind das eben die wichtigen Dinge, die für mich wichtig sind. Habt ihr halt Pech gehabt. Ihr habt ein schlechtes Sexleben? Pech gehabt! Habe ich wohl keine Zeit, mir ein gutes Sexleben für euch auszudenken. Ihr seid ein Nazi? Pech gehabt! Immerhin brauche ich auch Kreaturen, die ich hassen kann! Nehmt es mir nicht übel, irgendwann seid ihr ja nicht mehr.

Ihr denkt jetzt bestimmt, ich bin Irre? Mag sein, aber denkt immer dran, ihr seid von mir erdacht. Wenn ich also Irre bin, seid auch ihr Irre! 😉

Ich würde ja gerne etwas schreiben, aber was bringt es?

Was bringt es, wenn ich von Obdachlosen schreibe, die nachts unter der Brücke schlafen, weil sie keine Unterkunft haben? Was bringt es, wenn ich davon schreibe, dass diese Menschen im Winter frieren und einige sogar erfrieren? Dass sie dies tun in einem der reichsten Länder der Welt! Was bringt es? Was bringt es, wenn man als Antwort bekommt, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, weil wir ein super Sozialsystem haben, das alle Bürger mit deutschem Pass auffängt?

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, aber was bringt es?

Wenn ich schreiben würde, dass es vielen Menschen auf dieser Welt schlecht geht, weil es uns gut geht, was würde das bringen? Wenn ich von Ausbeutung schreiben würde und von Armut und Hunger, was bringt das schon? Es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, dass wir den Menschen Arbeit bringen, dass sie deswegen dankbar sein müssten und dass sich diese Menschen selbst aus ihrer Armut und aus ihrem Hunger befreien sollen.

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, doch ich wüsste nicht was, denn es bringt nichts!

Deutschland exportiert Waffen in andere Länder und wundert sich, wenn Krieg ist. Sollte ich vielleicht schreiben, dass Waffen Menschen töten, weil sie genau dafür gebaut wurden? Ich weiß, Waffen töten nicht, würdet ihr sagen, sondern der Mensch tötet. Also was würde es bringen, wenn ich was dazu schreibe?

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, doch alles, was ich bisher schrieb, wurde nur ausgelacht! Ich würde gerne, aber es bringt nichts!

Eine bessere Welt, dass wollen viele, aber was bedeutet eine bessere Welt? Besser für mich? Besser für Deutschland? Besser für die ganze Welt? Und warum besser, wenn es mir doch gut geht? Sollen sich die anderen doch anstrengen, damit es ihnen gut geht! Solange ich nichts abgeben muss, solange zeige ich sogar meine Solidarität, aber nur dann und auch nur, wenn ich diese verdammten Probleme nicht direkt vor meiner Haustür erleben muss! Und wenn die Omi Brot klaut, weil die Rente nicht reicht, dann gehört sie in den Knast, weil das geklaute Brot keinen Profit generiert. Nicht in den Knast gehört dagegen ein Fußballmanager, der Steuern hinterzieht, weil er doch soviel gutes für die Gesellschaft gemacht hat.

Ich würde gerne etwas schreiben, aber es bringt nichts! Ich könnte heulen, wenn ich die Welt sehe, aber es bringt nichts!

Ich bin sprachlos, ich werde immer sprachloser und ich weiß gar nicht, wie man diese Sprachlosigkeit noch steigern soll. Ich surfe durchs Web, lese Kommentare, schüttel mit dem Kopf und bin sprachlos. Ich lese Zeitungsartikel, lese Kriegshetze, schüttel mit dem Kopf und bin sprachlos. Ich sehe massenweise Essen, welches vernichtet wird, sehe Menschen hungern, sehe die Zerstörung von Nahrung und bin sprachlos. Ich sehe diese Welt und bin sprachlos.

Ich würde gerne etwas schreiben, hab es lange versucht, doch es bringt nichts!

Ich wollte doch nur Gedichte schreiben,
wollte Gefühle aneinander reiben.
Ich wollte doch nur Geschichten erzählen;
wollte meine eigenen Welten auswählen.

Ich weiß, mit dieser Frage setzt sich keiner gerne auseinander, führt es doch unsere eigene Sterblichkeit vor die Augen. Doch wenn man einmal nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern sich ein wenig tiefer mit dieser Frage beschäftigt, dann könnte das uns den Sinn des Lebens etwas näher bringen. Und ich meine wirklich nur näher, denn ergründen werden wir den Sinn nie, jedenfalls nicht, solange wir leben.

Doch warum sterben wir? Würden wir ewig Leben, dann wäre doch vieles sehr viel einfacher. Wir müssten uns zum Beispiel keine Sorgen machen, dass wir Zeit verschwenden – wir bräuchten also auch niemanden erklären, warum wir wieder eine Nacht durchgespielt haben. Zeit wäre dann unwichtig, denn wer nicht stirbt, braucht sich keine Gedanken um die Zeit zu machen.
Wir würden wahrscheinlich auch nicht nach dem Sinn des Lebens suchen, denn das ist eine Erscheinung, die durch die Endlichkeit unseres Lebens ausgelöst wird.

Auf der anderen Seite muss einem aber auch klar sein, dass wir uns nicht vermehren würden. Oder einfach nach einer gewissen Zeit nicht mehr dürften, weil die Erde sonst überbevölkert wäre. Da wir nicht sterben, muss auch keiner ersetzt werden. Es müsste also keinen Neuanfang geben, was die Geburt eines Kindes ja nun einmal ist. Das würde dann wohl auch bedeuten, dass alte Strukturen ewig erhalten bleiben würden, da es keine neuen Impulse geben würde, diese zu ändern.
Dann wäre die Frage, ob nach einigen Jahrhunderten die Langeweile nicht überhandnehmen würde. Wenn man alles gesehen hat, hat man alles gesehen. Wenn alles erforscht ist, ist alles erforscht, und wenn jeder Geschlechtspartner einmal entdeckt wurde, wurde er entdeckt. Es würde eine Sättigung eintreten, die wohl in Langeweile und in einer inneren Leere enden würde.
Jedes Kind entdeckt die Welt neu, mache seine eigenen, neuen Erfahrungen, sammelt sein eigenes Wissen und entwickelt daraus seine eigene Meinung – durch die er dann neue Impulse setzen kann. Dass würde es so wohl nicht geben, wenn wir nicht sterben würden – kurz gesagt, die Welt wäre wohl ziemlich langweilig.

Man kann diese Gedanken noch weiterführen, was ich zu gegebener Zeit auch machen werde, aber was ich hier festhalten möchte, ist, dass sterben nichts Negatives ist. Sterben ist ein Ende, so wie alles auf der Erde irgendwann einmal endet. Nicht nur unser Leben, sondern alles Leben wird irgendwann zu Ende sein. Irgendwann wird nicht einmal mehr die Erde existieren und somit auch das Wissen, welches wir Menschen derzeit so mühevoll zusammen tragen. Ein Ende ist aber immer auch ein Anfang – es wird also danach wieder was kommen. Das gilt auch für unser Ende, auch danach wird was kommen. Wir werden es nicht bewusst erleben, weil es uns nicht mehr gibt, aber unsere Atome werden weiter existieren, sie werden in andere Systeme neu verbaut werden, werden als Nahrung dienen und werden wieder Leben spenden. Wir existieren also weiter, wenn auch nicht als dieser Verbund, der wir jetzt sind und auch nicht mit dem Bewusstsein, welches wir jetzt haben, aber das ist eben nur ein Zustand von vielen, den wir jetzt für eine gewisse Zeit angenommen haben.

Die Eingangsfrage ist damit natürlich nicht beantwortet, aber es ist auch keine Frage, die wir beantworten können, es ist einfach nur ein Anreiz, um einmal darüber nachzudenken und vielleicht um die Angst vor dem Sterben zu verlieren.

Vor Kurzen hatte ich hier einen alten Foren-Beitrag von mir veröffentlicht. Es handelte sich um meinen Brief an das Leben, welchen ich mal wieder etwas in den Vordergrund rücken wollte. Nun gab es dazu, von einem anderen Forumbenutzer, damals schon eine Antwort, die ich im anderen Beitrag nicht verlinkt hatte, weil ich die Umlaute noch nicht bearbeitet hatte. Die Arbeit habe ich mir heute gemacht, und deswegen möchte ich hier jetzt auch noch auf die Antwort verlinken. Außerdem verlinke ich noch auf meinen zweiten Brief an das Leben und auf die zweite Antwort, die ich auch heute bearbeitet habe, damit auch die Umlaute in diesen Beiträgen wieder stimmen.

Ich hoffe, dass die Beiträge noch ein wenig Beachtung finden, und es hier oder im Forum auch noch ein paar Kommentare dazu gibt. Jetzt wünsche ich aber erst einmal viel Spaß beim lesen.