Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Ich mach mir die Welt

Ich mach mir die Welt

Quelle: Twitter – Einfach aufs Bild klicken.

Jetzt ist es also raus! Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Gut für mich, allerdings schlecht für euch, denn euch gibt es in der Realität alle gar nicht. Beziehungsweise, es gibt euch schon, allerdings nur in meinem Kopf. Ihr seid alle meine Geschöpfe! Das kann euch gefallen, denn ihr seid für euer Handeln dann nicht wirklich verantwortlich, aber, ich kann euch alle auch wieder verschwinden lassen.

Mir war das natürlich vorher auch nicht bewusst, aber, nachdem jetzt eine meiner fiktiven Kreaturen sich das nicht mehr gefallen lassen will, ist mir das natürlich schlagartig bewusst geworden. Deswegen sehe ich übrigens auch nicht die Argumente anderer, denn ich habe sie mir ja selbst ausgedacht, oder ich habe sie mir eben nicht selbst ausgedacht. Wäre ja auch zu schwer, denn ich muss mir ja schon allein für 7 Milliarden Menschen Geschichten aus den Fingern saugen und dann auch noch in die Tiefe zu gehen, wäre einfach eine Überlastung.Ihr müsst ja bedenken, dass auch noch die Tiere hinzukommen und die Pflanzen.

Allerdings muss ich mich mit dieser Welt, die ich erschaffen habe, selbst strafen wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum ich Frau Merkel schon so lange an der Macht lasse. Erklärbar ist allerdings schon, warum sie nur reagiert und nicht selbst mal das Ruder in die Hand nimmt. Auch das wäre wohl zu viel Denkarbeit für mich. Dann lieber eine passive Kanzlerin denken, damit ich noch Kapazitäten für die wirklich wichtigen Dinge habe.

Wobei ich hier ja die Prioritäten auch selbst erdacht habe! Also sind das eben die wichtigen Dinge, die für mich wichtig sind. Habt ihr halt Pech gehabt. Ihr habt ein schlechtes Sexleben? Pech gehabt! Habe ich wohl keine Zeit, mir ein gutes Sexleben für euch auszudenken. Ihr seid ein Nazi? Pech gehabt! Immerhin brauche ich auch Kreaturen, die ich hassen kann! Nehmt es mir nicht übel, irgendwann seid ihr ja nicht mehr.

Ihr denkt jetzt bestimmt, ich bin Irre? Mag sein, aber denkt immer dran, ihr seid von mir erdacht. Wenn ich also Irre bin, seid auch ihr Irre! 😉

Ich diskutiere ja gerne und viel – mit SPD-Mitgliedern noch viel mehr und viel lieber – und warte in diesen Diskussionen immer auf Argumente der Gegenseite. Meist kommen die nicht, oder es werden welche wiederholt, die mich bisher schon nicht überzeugt haben. Auf Rückfragen wird meist sowieso nicht geantwortet, obwohl eine Antwort die Diskussion schon weiter bringen könnte. Meist denke ich mir dann, dass das irgendwie blöd ist, weil wenn man etwas zur Diskussion stellt, dann sollte man auch bereit sein, darüber zu diskutieren. Außer, man kennt die Person schon und weiß, dass die Diskussion eh nicht viel bringt – dann darf man es auch sein lassen, was ich durchaus auch tue.

Nun weiß ich allerdings seit gestern, dass gar nicht die Anderen schuld sind, nein, ich flüchte vor den Argumenten. Oder, um es in den Worten von Kevin Hönicke zu sagen:

„Hält man dir die Wahrheit vor oder die Schwächen deiner Aussagen vor, bemerke ich immer wieder die Flucht in irgendwelche unbelegte Vorwürfe.“

Quelle: Facebookseite von Kevin Hönicke

Nun bin ich mir natürlich nicht mehr ganz sicher, ob sich die Argumente und die Wahrheiten vor mir verstecken, oder ob ich die einfach übersehe. Wahrscheinlich habe ich eine spezielle Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt, weswegen ich mir eventuell eine spezielle Brille kaufen sollte, um diese Blindheit zu überwinden. Wobei, wenn man blind ist, dann hilft ja auch eine Brille nicht mehr. Es scheint also Hopfen und Malz verloren zu sein, ich werde wohl nie wieder diskutieren können, weil ich die Argumente nicht sehe. Oder gibt es doch noch Hoffnung?

Erklären würde das so einiges. Zum Beispiel, warum ich die Argumente der Berliner Volksbank nicht verstanden habe – ich habe sie einfach nicht gesehen. Oder warum ich die Junge Union nicht verstanden habe, als sie mir sagte, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, was mir Herr Hönicke – als Mitglied der SPD – sogar bestätigte.

Ich bitte daher ab jetzt um Verständnis! Wenn ich in einer Diskussion die Argumente nicht entdecken kann, dann ist das nicht böswillig gemeint, sondern ich sehe sie einfach nicht. Mein Körper flüchtet vor Argumenten, weswegen sie durch mein Gehirn ausgeblendet werden, weswegen ich eine Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt habe. Das ist eine Behinderung, und niemand darf deswegen diskriminiert werden. Ich bitte also darum, nicht all zu fies mit mir umzugehen, wenn ich mal wieder euren Argumenten nicht folgen kann.

Demnächst werde ich dann auch ein Buch zu dem Thema veröffentlichen. Es wird den Titel tragen: „Meine Flucht vor den Argumenten“. Das Vorwort wird dann hoffentlich Kevin Hönicke schreiben, und es soll eine Hilfe für all die Menschen sein, die ebenfalls eine solche Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt haben.

Hier nun noch einige Beispiele für Diskussionen, bei denen ich die Argumente einfach nicht gesehen habe:

Nachdem die CDU/CSU knapp 42 Prozent der Stimmen bekommen hat – sie aber keiner gewählt haben will – geht es jetzt fleißig daran, irgendwelche fiktiven Mehrheiten zu basteln. Ich rede da jetzt nicht von den Mehrheiten, die durch eine Koalition entstehen, sondern von den fiktiven Mehrheiten der Wähler, die irgendeine Koalition präferieren sollen. Dem Wählerwillen also, vom dem einige behaupten, dass der ganz klar für eine Schwarz-Rote Koalition ist, obwohl die Union-Wähler eigentlich eine Schwarz-Gelbe Regierung haben wollten. Andere behaupten, der Wähler hat sich klar für Rot-Rot-Grün entschieden und noch andere sind so dreist und behaupten, dass die Mehrzahl der Wähler keine linke Politik will.

Ich könnte mir auch Mehrheiten konstruieren, wenn ich wollte. Ich könnte zum Beispiel eine Studie anführen, die belegt, dass die SPD durchaus mehr Nichtwähler zum Wählen hätte überzeugen können, wenn diese eine Koalition mit der Linkspartei NICHT ausgeschlossen hätte. Ich könnte behaupten, dass die Wähler von SPD und Grünen eher zu einer Regierung mit der Linkspartei tendieren, weil sie die Politik von Schwarz-Gelb ja abwählen wollten – kurz gesagt, ich könnte jetzt vieles behaupten, was ich nicht belegen kann, weil die anderen eben nicht in der Lage sind, das Gegenteil zu belegen.

Fakt ist nur, dass einige die SPD gewählt haben, weil ihnen das SPD-Programm gefiel, andere die Grünen, weil ihnen das Programm der Grünen gefiel und wieder andere die Linkspartei oder die CDU/CSU, weil sie mit dem Programm übereinstimmten. Welche Koalition sie präferieren, konnte der Wähler allerdings nicht kundtun. Eine solche Möglichkeit gab es nicht auf dem Wahlzettel – zumindest nicht bei mir. Es gibt also auch keine Möglichkeit jetzt zu bestimmen, welche Koalition die größere Legitimation in der Bevölkerung hätte. Diese Legitimation kann immer nur nachträglich bei der nächsten Wahl gegeben werden. Entweder ist dann nämlich die Bevölkerung zufrieden mit der Politik der Koalition und wählt diese wieder, oder sie lehnt die Politik ab und entzieht einer solchen Koalition die Legitimation.

Wer eine legitimierte Koalition haben möchte, müsste jetzt die vier möglichen Koalitionsverträge ausarbeiten lassen – also die zwischen Schwarz-Rot (2x), zwischen Schwarz-Grün und zwischen Rot-Rot-Grün – und diese dann dem Wähler zur Abstimmung vorlegen. Das würde also einen zweiten Wahlgang bedeuten, bei dem dann der beste Koalitionsvertrag ausgewählt wird. Nur so könnte eine Koalition eine Legitimation erhalten, denn die zwei möglichen Koalitionen, die vor der Wahl bekannt waren und somit zur Wahl standen, wurden eindeutig nicht gewählt.

Wer also für oder gegen eine Koalition argumentiert, sollte dies immer mit seinen eigenen Argumenten tun und nicht mit irgendwelchen fiktiven Mehrheiten, die man nicht belegen kann. Ist es denn so schlimm, wenn die eigene Meinung nicht mehrheitsfähig ist? Wird man dadurch zu einem Verlierer der Gesellschaft? Kann man eigene Meinungen nur vertreten, wenn man dazu Mehrheiten im Rücken hat? Ich glaube nicht, denn nur weil die Mehrheit etwas für richtig hält, muss es noch lange nicht richtig sein. Hört also auf mit fiktiven Mehrheiten, hört auf zu behaupten, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine linke Politik will, oder belegt die Behauptungen durch Fakten. Ansonsten sagt einfach ganz deutlich, dass ihr das nicht wollt, dass ihr andere Dinge präferiert, und fangt so eine vernünftige Diskussion an, eine Diskussion, in der ihr eure Argumente vorbringt und nicht die Argumente von irgendwelchen fiktiven Mehrheiten.