Oktober 22 2018

Familienkrach wegen Nachrichten

Es gibt ja hier bei mir immer mal wieder Streit über die Nachrichten. Es geht meist um Nachrichten, wo mit Vorteilen gespielt wird, wo Vergleiche gezogen werden, die diese Vorurteile scheinbar bestätigen. Nachrichten, die Nährboden für rechte Hetze bieten, obwohl dies überhaupt nicht notwendig wäre. Dann kommt es hier immer wieder zur Diskussion, weil ich es Scheiße finde und die anderen nicht verstehen, warum ich es Scheiße finde.

Vergleich zwischen Obdachlosen und geflüchteten Menschen

Heute gab es mal wieder so einen Aufreger! Eigentlich sollte es ein Artikel zur Unterfinanzierung von Obdachlosenunterkünften sein, daraus wurde aber ein Bericht darüber, dass für die geflüchteten Menschen mehr Geld ausgegeben wird. Dass Unterkünfte für geflüchtete Menschen leer stehen, es für die Obdachlosen aber nicht genügend Unterkünfte gibt. Ein beliebtes Vorurteil von rechten Hetzern, aber eben nicht, um die Bedingungen für Obdachlose zu verbessern, sondern nur, um gegen die geflüchteten Menschen Stimmung zu machen.

Natürlich ist es dämlich, wenn freier Wohnraum leersteht und es auf der anderen Seite Obdachlose gibt, die diesen brauchen. Allerdings können dafür die geflüchteten Menschen nichts. Sie können genauso wenig dafür, dass die Politik zu wenige finanzielle Mittel für Obdachlose bereitstellt. Das kann aber eben auch angesprochen werden, ohne dass dafür ein rechtes Vorurteil bedient werden muss. Wie kommt so ein Bericht denn bei betroffenen Menschen an? Er treibt einen Keil zwischen Obdachlose und geflüchtete Menschen, er schürt die rassistischen Vorurteile und bestätigt diese bei den Personen, die diese Vorurteile haben.

Und genau darüber rege ich mich immer wieder auf, auch darum, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass die Medien da ganz genau wissen, was sie damit bewirken. Sie können das machen, weil sich viele dieser Wirkung gar nicht bewusst sind, weil sie denken, dass da ein neutraler Bericht gesendet wird, der gar keine Menschenfeindlichkeit enthält, der nur über Missstände aufklären möchte. Aber nun erklär den Leuten mal, dass das falsch ist! Die Menschenfeindlichkeit, der Rassismus, der durch solche Berichte genährt wird, ist ja in dem Bericht selbst nicht zu finden. Da geht es ja schließlich nur um Fakten.

Ist es wirklich so schwer zu erkennen, dass es in diesen Berichten meist nur darum geht, Vorurteile zu verfestigen bzw. diese zu bestätigen? Wäre das nicht der Fall, würde auf solche Vergleiche verzichtet werden. Es ist nämlich durchaus möglich einen Bericht über die Notlagen von obdachlosen Menschen zu machen, ohne einen Vergleich zu den geflüchteten Menschen zu ziehen. Es ist durchaus möglich auf Missstände hinzuweisen, ohne dadurch irgendwelche rassistischen Vorurteile zu bedienen.

Dezember 5 2014

Mal wieder was zum Thema Alltagsrassismus

Heute Nacht habe ich bei Twitter mal wieder gemerkt, wie weit verbreitet Alltagsrassismus ist und das viele diesen gar nicht mehr als Rassismus wahrnehmen. Am Ende wurde ich dann sogar von der Person geblockt, weil sie sich nicht als Rassist sieht und sich auch nicht Rassist nennen lassen möchte. Zu meiner Verteidigung möchte ich schon jetzt sagen, dass das Wort „Rassist“ in meinen Tweets gar nicht vorkam, aber fangen wir mal von vorne an.

Heute Nacht rief bei Domian eine ältere Frau an – sie war über 90. Ihr wurden 1.000,- Euro geklaut, die sie sich an einem Geldautomaten geholt hatte. Der Aufschrei über die Räuber war groß, was natürlich nicht wirklich was Schlimmes ist. Dann kam aber folgender Tweet von einem Nutzer, dem ich zu diesem Zeitpunkt noch auf Twitter gefolgt bin:

„drecksau …. immer mehr von diesem assis drecks pack kommt alls aus polen und rumänien #domian“

Ich verzichte hier bewusst auf eine Namensnennung, da ich den User jetzt nicht an einen Pranger stellen will. Es geht mir um den Tweet, der voll ist mit Vorurteilen und Rassismus. Darauf wollte ich den User hinweisen und schrieb:

„hallo? Was sollen diese ekligen Vorurteile?“

Ja, ich finde diese Vorurteile eklig. Ändern wir doch mal kurz die Sicht der Dinge. Machen wir einfach mal folgendes Gedankenspiel: In den Niederlanden ist eine Räuberbande aus Deutschland unterwegs und verbreitet dort angst und Schrecken. Die Niederländer regen sich nun darüber auf und sprechen vom „deutschen kriminellen Pack“. Wie würden wir uns fühlen? Würden wir es fair finden, wenn wir wegen einiger weniger Personen als kriminelles Pack abgestempelt werden würden? Wie würden wir uns fühlen, wenn wir in den Niederlanden unterwegs wären und sich die Leute von uns wegsetzen, sobald sie mitbekommen, dass wir aus Deutschland kommen? Ich gehe einfach mal davon aus, dass das uns nicht gefallen würde, dass wir darüber sauer wären, wenn wir in einen Topf mit Kriminellen gesteckt werden. Und ja, es gibt deutsche Kriminelle, es gibt Deutsche, die ältere Damen ausrauben, es gibt Deutsche, die Andere betrügen, es gibt Deutsche, die Menschen zusammenschlagen, und es gibt Deutsche, die all die anderen Straftaten begehen.

Die Unterhaltung ging noch ein wenig weiter, und der User wollte nicht verstehen, dass Kriminalität nichts mit der Nationalität zu tun hat. Der User wollte weiterhin seine Vorurteile ausleben und nicht verstehen, dass es sich hierbei um Alltagsrassismus handelt. Aber wie schon gesagt, ich habe das Wort Rassismus nicht einmal verwendet, ich habe tatsächlich nur gesagt, dass es keine Rechtfertigung gibt, ganze Völker zu verurteilen, und dafür wurde ich dann geblockt.

Das wird mich aber weiterhin nicht daran hindern, auf solche Arten von Alltagsrassismus hinzuweisen. Ich werde weiterhin meine Meinung dazu schreiben und vielleicht wird dann der ein oder andere über das Nachdenken, was er da in einen Tweet so schreibt. Und ja, auch ich schreibe manchmal ekelhafte Tweets. Auch ich denke manchmal nicht darüber nach, was ich da gerade so twittere, aber wenn mich wer darauf hinweist, lasse ich mich gerne auf eine Diskussion darüber ein und sehe auch ein, wenn einer meiner Tweets nicht okay war.