27 Juni 2018

Gedanken zur Bloggerwelt – #WirLiebenBlogs

Blogs, Blogs,Blogs – früher gab es so viele davon, früher hatte ich in meinem Feedreader täglich mehrere hundert Artikel. Nein, nicht alle haben mich interessiert, aber einige waren schon dabei. Artikel, die mir einen neuen Blick auf ein Thema erlaubten oder mir neue Aspekte näher brachten. Ist jetzt aber auch schon wieder länger her, inzwischen gibt es sehr viel mehr Artikel, die einfach nur noch Klicks bringen sollen, die keine neuen Aspekte beleuchten, keine spannenden Diskussionen ermöglichen. Die Blogs in meinen Feedreader sind zum größten Teil Mainstream geworden. Oder es gibt sie gar nicht mehr! Viele Blogs, in denen schöne Diskussionen möglich waren, haben ihre Pforten geschlossen, nicht erst durch die DSGVO, sondern schon vorher. Vieles hat sich in die sozialen Netzwerke verlagert, ist dadurch unsichtbar geworden, obwohl die meisten ja denken, dass dadurch die Reichweite steigt, dass die eigene Meinung sichtbarer wird.

#WirLiebenBlogs

Meinung sichtbar machen, dass geht immer noch am besten mit Blogs. Die Meinung ist auch noch ein paar Tage oder Wochen später auffindbar und die Kommentare – die geführten Diskussionen – auch. Soziale Netzwerke sind schnelllebig, sie verschlingen die Meinungen, behalten sie in ihrer Blase und nicht einmal dort kommen sie bei allen an. Und Meinungen werden dort auch nur sehr oberflächlich behandelt. Es ist halt kein Blogartikel, es ist meist nur ein kurzes Statement, keine Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken, sondern nur ein niederschreiben von den derzeitigen Eindrücken.

Mir fehlen inzwischen echt die Blogs, in denen sich Menschen mit ihren Meinungen auseinandersetzen, sie eine Grundlage geben, über die dann Diskutiert werden, ja auch mal gestritten werden kann. Der fünfzigste Artikel im Feedreader, der nur einen kurzen Klick für den Blog generieren möchte, inspiriert leider auch nicht wirklich, selbst noch Zeit ins bloggen zu stecken. Es wird also Zeit, neue Blogs zu finden. Blogs, in denen noch über die eigene Meinung nachgedacht wird. In meinem Feedreader gibt es diese nämlich nicht mehr.

Und doch ist die Aktion #WirLiebenBlogs dazu da, Blogs zu empfehlen, und so möchte ich wenigstens die empfehlen, die ich noch gerne lese. Blogs, in denen es immer noch um den Menschen dahinter geht und nicht um die Werbung unter dem Artikel.

Da ist die Claudia von der Sammelmappe, die uns in ihrem Blog an ihren Gedanken und Eindrücken teilhaben lässt.

Dann der Thomas von Wildbits, der dort ebenfalls einen Einblick in sein Leben, in seine Gedanken zulässt und zusätzlich auch Texte aus seinem Autorenleben veröffentlicht.

Die Verena von flying thoughts gehört auch in diese Reihe. Sie bloggt über ihr Leben, über ihre Hobbys, ihr Studium und zusätzlich auch über Bücher. Auch ihr Blog gehört zu den wenigen, die nicht darauf aus sind, Klicks zu generieren, sondern um dem Leben eine Struktur zu geben.

Die Gitte hat ihren Blog schreibnudel, dem ich auch schon ewig folge. Hier geht es ums Schreiben. Viele gute Tipps, von denen ich auch schon einige umgesetzt habe. Und ja, hier geht es natürlich auch darum, die eigenen Dienstleistungen zu verkaufen, aber das ist ja nichts negatives.

Das sind die Blogs, die ich euch empfehlen möchte. Ich folge noch ein paar Blogs mehr und nicht auf alle, die ich hier jetzt nicht erwähnt habe, trifft das zu, was ich in den Zeilen vor den Empfehlungen geschrieben habe, aber es ist ja im Leben immer so, dass eine Auswahl getroffen werden muss.

27 Februar 2014

Meine Flucht vor Argumenten

Ich diskutiere ja gerne und viel – mit SPD-Mitgliedern noch viel mehr und viel lieber – und warte in diesen Diskussionen immer auf Argumente der Gegenseite. Meist kommen die nicht, oder es werden welche wiederholt, die mich bisher schon nicht überzeugt haben. Auf Rückfragen wird meist sowieso nicht geantwortet, obwohl eine Antwort die Diskussion schon weiter bringen könnte. Meist denke ich mir dann, dass das irgendwie blöd ist, weil wenn man etwas zur Diskussion stellt, dann sollte man auch bereit sein, darüber zu diskutieren. Außer, man kennt die Person schon und weiß, dass die Diskussion eh nicht viel bringt – dann darf man es auch sein lassen, was ich durchaus auch tue.

Nun weiß ich allerdings seit gestern, dass gar nicht die Anderen schuld sind, nein, ich flüchte vor den Argumenten. Oder, um es in den Worten von Kevin Hönicke zu sagen:

„Hält man dir die Wahrheit vor oder die Schwächen deiner Aussagen vor, bemerke ich immer wieder die Flucht in irgendwelche unbelegte Vorwürfe.“

Quelle: Facebookseite von Kevin Hönicke

Nun bin ich mir natürlich nicht mehr ganz sicher, ob sich die Argumente und die Wahrheiten vor mir verstecken, oder ob ich die einfach übersehe. Wahrscheinlich habe ich eine spezielle Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt, weswegen ich mir eventuell eine spezielle Brille kaufen sollte, um diese Blindheit zu überwinden. Wobei, wenn man blind ist, dann hilft ja auch eine Brille nicht mehr. Es scheint also Hopfen und Malz verloren zu sein, ich werde wohl nie wieder diskutieren können, weil ich die Argumente nicht sehe. Oder gibt es doch noch Hoffnung?

Erklären würde das so einiges. Zum Beispiel, warum ich die Argumente der Berliner Volksbank nicht verstanden habe – ich habe sie einfach nicht gesehen. Oder warum ich die Junge Union nicht verstanden habe, als sie mir sagte, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, was mir Herr Hönicke – als Mitglied der SPD – sogar bestätigte.

Ich bitte daher ab jetzt um Verständnis! Wenn ich in einer Diskussion die Argumente nicht entdecken kann, dann ist das nicht böswillig gemeint, sondern ich sehe sie einfach nicht. Mein Körper flüchtet vor Argumenten, weswegen sie durch mein Gehirn ausgeblendet werden, weswegen ich eine Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt habe. Das ist eine Behinderung, und niemand darf deswegen diskriminiert werden. Ich bitte also darum, nicht all zu fies mit mir umzugehen, wenn ich mal wieder euren Argumenten nicht folgen kann.

Demnächst werde ich dann auch ein Buch zu dem Thema veröffentlichen. Es wird den Titel tragen: „Meine Flucht vor den Argumenten“. Das Vorwort wird dann hoffentlich Kevin Hönicke schreiben, und es soll eine Hilfe für all die Menschen sein, die ebenfalls eine solche Blindheit gegenüber Argumenten entwickelt haben.

Hier nun noch einige Beispiele für Diskussionen, bei denen ich die Argumente einfach nicht gesehen habe:

3 September 2013

Meinungen

Ich habe vorhin irgendwo das Kinderlied mit den Elefanten und den Bäumen gehört. Also konkret geht es um die Größe, die Bäume haben müssen, damit Elefanten darunter spazieren gehen können, ohne sich zu stoßen. Ich würde fast behaupten, dass das inzwischen sicher auch als Ballermann-Hit gespielt wird. Aber egal, darum geht es nicht. Es geht um einen anderen Gedankengang, den ich durch dieses Lied bekommen habe.

Es geht um Meinungen und darum, was das für Meinungen sein müssen, an die sich keiner stößt, durch die keine Reibungen entstehen, durch die keinem wehgetan wird. Kann es solche Meinungen überhaupt geben? Ich glaube nicht! Wäre es nicht auch traurig, wenn jeder die gleiche Meinung hätte? Von der Langeweile einmal abgesehen, die dadurch aufkommen würde. Es wäre auch ein Verlust für unsere Gesellschaft, denn unterschiedliche Meinungen beleuchten Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wodurch dann auch Schwachstellen anderer Meinungen aufgedeckt werden können – natürlich auch Schwachstellen in der eigenen Meinung. Die gibt es auch, und natürlich tut es weh, diese selbst zu erkennen.

In letzter Zeit kommt es mir aber so vor, dass dies nicht erwünscht ist. Niemand möchte auf die Schwachstellen der eigenen Meinung hingewiesen werden. Zum Teil wird die mediale Macht, die einige Menschen ja durchaus besitzen, dazu gebraucht, um Menschen mundtot zu machen. Sie werden dann schnell in eine Schublade gesteckt, die möglichst negativ ist, damit die Meinung auch möglichst im negativen Kontext aufgenommen wird. Es kommt mir so vor, als ob Meinungsvielfalt inzwischen unerwünscht ist. Es gibt nur die gute Meinung, das ist die, die von den Menschen verbreitet wird, die eine große Reichweite haben, und dann gibt es die schlechten Meinungen, die ganz schnell durch irgendwelche Kampagnen auch genau dazu gemacht werden. Und viele lassen sich dann vor den Karren spannen, ohne überhaupt die Meinungen einmal genauer betrachtet zu haben. Es gewinnt also nicht immer die bessere Meinung, sondern eher die Meinung, die die besseren Multiplikatoren hatte, die bessere Reichweite, den besseren Bezug zur vordefinierten Meinung.

Oben schrieb ich, dass Meinungen immer jemanden wehtun, dass sie Reibung erzeugen, dass sich daran gestoßen werden muss. Das ist richtig, denn nur so kann man seine eigene Meinung prüfen, seine eigene Meinung auf Schwachstellen überprüfen. Jeder sollte offen für andere Meinungen sein, auch wenn sie einem erst einmal nicht gefallen. Natürlich bedeutet offen nicht, dass nicht diskutiert werden darf. Im Gegenteil, Offenheit verlangt gerade eine Diskussion zum Thema, aber eben zum Thema, nicht zur Person, die dahinter steht. Der Austausch von Argumenten zeigt auf, wo Schwachstellen sind – eigene und die der anderen Meinung.

Was mir auch oft auffällt, ist die Frage, warum der Gegenüber den eigenen Standpunkt nicht versteht. Oder die Frage, ob der Gegenüber nicht lesen oder zuhören kann. Da muss ich dann immer mit dem Kopf schütteln, denn das zeigt, dass wir viel zu oft davon ausgehen, dass jeder dasselbe Wissen hat, jeder dieselben Erfahrungen gemacht hat und jeder genau weiß, aus welchen Erfahrungen die Meinung des anderen entstanden ist. Aber das ist Schwachsinn! Jeder macht andere Erfahrungen, hat andere Verknüpfungen im Wissensnetz und deswegen andere Assoziationen zum Thema. Deswegen sollte man Fragen, auch wenn sie sich naiv anhören, immer ernst nehmen. Ich habe schon ein paar Mal nachfragen müssen, wie bestimmte Dinge in einem Blogartikel gemeint sind, weil mir einfach die Verknüpfungen, bzw. die Erfahrungen fehlten. Oft genug wurde ich deswegen angemacht – was übrigens sehr produktiv in der Meinungsbildung ist. Bei vielen Artikeln konnte ich mir bis heute noch keine Meinung bilden, was ich ziemlich schade finde.

Da machen sich Autorinnen und Autoren die mühe, einen Artikel zu verfassen, der meist auch noch mehrere A4-Seiten lang ist, aber wenn dann jemand nachfragt, um auch wirklich alles zu verstehen, wird dieser von der Seite angemacht. Schließlich muss man die vordefinierten Meinungen, die dem Mainstream entsprechen, doch kennen.

Ich bin ziemlich froh, dass dies hier nur ein kleiner Blog ist, dass ich für die vielen Elite-Blogger unbedeutend bin, weil ich deswegen nicht Gefahr laufe, irgendwann einmal die falsche Meinung zu haben, die dann durch andere weggemoppt wird. Ich kann hier schreiben, ohne mich verbiegen zu müssen. Und da sind wir wieder beim Kinderlied, denn die ganzen Elite-Blogger können einem schon leidtun. Sie müssen Meinungen haben, die keinem wehtun, oder zumindest nicht den Menschen, für die sie Elite-Blogger sind. Ich stelle mir das so ziemlich schwer vor! Ich persönlich möchte nämlich anstoßen, ich möchte Reaktionen provozieren, die dann eventuell in einer sachlichen Diskussion enden, durch die am Ende für beide Seiten ein Erkenntnisgewinn steht.