28 Oktober 2018

Diskutieren

Ich glaube, ich werde ab jetzt in jede Diskussion mit irgendwelchen Vorurteilen hineingehen, denn die werden einem ja eh vorgeworfen, wenn mensch eine andere Ansicht hat. Jedenfalls ist das derzeit mein Eindruck und somit schon das erste Vorurteil, welches ich ab jetzt haben werde.

Diskutieren um Horizont zu erweitern

Ich finde Diskussionen wichtig und ja, ich mache das, um meine eigenen Argumente zu schärfen oder eben, um diese über Board zu werfen, weil diese sich in einer Diskussion als vollkommener Müll herausgestellt haben. Ich gehe aber in eine solche Diskussion immer mit meinem Erfahrungsschatz, mit dem Wissen, welches ich bis zu dieser Diskussion gesammelt habe. Also auch mit den Verknüpfungen im Gehirn, die sich bis zu diesem Zeitpunkt gebildet haben. Und ich bin mir bewusst, dass das meine Erfahrungen, meine Verknüpfungen sind, die bei anderen komplett anders sein können, oder nur in bestimmten Punkten. Deswegen funktioniert eine Diskussion auch nur, wenn Freiraum für Fragen da ist. Dieser Freiraum ist nicht gegeben, wenn auf eine solche Frage mit irgendwelchen Vorurteilen beantwortet werden, die der Fragende doch zu haben scheint.

Fragen dienen der Einordnung. Wir alle ordnen Informationen irgendwie ein. Und sicher ordne ich Informationen von Person zu Person anders ein, weil jede Person einen anderen Hintergrund hat, andere Erfahrungen gemacht oder eben nicht gemacht hat. Woher soll ich diese Infos aber nehmen, wenn ich nicht nachfrage? Wenn ich also Frage, ob jemand Erfahrungen mit Armut gemacht hat, ob er schon einmal ohne Strom leben musste, für einen gewissen Zeitraum ohne Nahrung oder sogar mit der Angst, in den nächsten Wochen die Wohnung zu verlieren, dann mache ich das nicht, weil ich davon ausgehe, dass diese Erfahrungen nie gemacht wurden, sondern zur Einordnung. Wenn ich davon ausgehen würde, dass diese Erfahrungen nicht vorhanden sind, dann würde ich diese Frage so nicht stellen. Wenn ich aber von etwas als gegeben ausgehe, dann sind es eben wieder Vorurteile, und die bringen keinen weiter.

Diese Fragen dienen also der Einordnung. Muss ich meine Argumente eventuell überprüfen, muss ich eingestehen, dass andere zum Thema der Diskussion bessere Erfahrungswerte einbringen, die ich dann für mich nutzen kann, um meinen Horizont zu erweitern, um andere Verknüpfungen zu schaffen? Oder muss ich eventuell andere Argumente finden, um meine Sichtweise zu vermitteln, weil die Verknüpfungen, die ich zum Thema habe, bei den anderen nicht gegeben sind? Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder denselben Hintergrund hat, wenn ich das machen würde, dann wären wir wahrscheinlich tatsächlich bei einer Diskussion, die nur mit Vorurteilen geführt wird, die aber niemanden weiter bringt. Nur dann kann ich mir die Energie für eine solche Diskussion auch sparen.

Ich habe ja die Befürchtung, dass sehr viele Menschen inzwischen Diskussionen immer gleich als Angriffe auf die eigene Person deuten, sie also gleich in den Abwehrmodus gehen und es nicht um den Austausch von Argumenten und Erfahrungen geht. Das ist traurig, weil genau hier das Problem und die Gefahr für unsere Demokratie liegt. Wenn wir Diskussionen als persönliche Angriffe deuten, dann sind wir nicht offen und vergeben so die Chance, bessere Ideen und Argumente zu entwickeln.

Und warum machst du es dann doch ab und an?

Jetzt werden mir hier einige, die mir auf Twitter und Facebook folgen, vorwerfen, dass ich ab und an Diskussionen auch mit irgendwelchen Vorurteilen abwürge. Mache ich tatsächlich, bei Nazis und Rechtspopulisten (wobei ich nicht sagen will, dass das was anderes ist). Bei allen anderen Diskussionen nehme ich mir aber immer die Zeit, um meine Argumente vorzubringen und diese auch zu Untermauern. Jedenfalls solange, solange es die Gegenseite ebenfalls tut. Wenn dann allerdings ein Tweet kommt, der mir unterstellt, dass ich genau diese Vorurteile habe, die in diesem Tweet erwähnt werden, dann kann solch eine Diskussion nichts bringen.

PS:

Eigentlich wollte ich in diesem Artikel noch auf die Tweets verlinken, die mich dazu gebracht haben, meine Gedanken dazu noch einmal aufzuschreiben. Ich glaube allerdings, dass das auch ohne diese geht, dass dieser Artikel auch so all das vermittelt, was ich schreiben wollte.

1 Oktober 2013

Berliner Volksbank, Mischkalkulation und ich (das kleine Arschloch der Nation)

Ich hatte heute auf Twitter eine Diskussion mit einem Mitarbeiter der Berliner Volksbank. Anlass war – mal wieder – die asoziale Gebührenstruktur der Volksbank. Menschen, die eh schon ein geringes Einkommen von unter 1.250,- Euro haben, dürfen, wenn sie kein Mitglied der Berliner Volksbank sind, ab nächstes Jahr 6,- Euro pro Monat für ihr Girokonto bezahlen. Menschen mit mehr Einkommen zahlen 2,- Euro, wenn sie kein Mitglied sind. Sind sie Mitglied, dann zahlen sie mit geringen Einkommen 4,- Euro oder mit höheren Einkommen 0,- Euro.

Ich habe überhaupt nichts dagegen für mein Girokonto eine Gebühr zu bezahlen, nur wenn eine Dienstleistung 6,- Euro kostet, dann kostet sie für alle 6,- Euro und nicht nur für Menschen, die eh schon wenig Geld haben. Dass Mitglieder der Volksbank einen Rabatt bekommen, ist hingegen vollkommen normal – diesen Vorteil gönne ich ihnen. Was ich aber nicht einsehe, ist, dass ich mit meinem niedrigen Einkommen noch die Girokonten der Menschen mitfinanziere, die eh schon genügend Geld haben. Laut Volksbank-Mitarbeiter mache ich das ja auch nicht, weil die Menschen mit höherem Einkommen ja EVENTUELL noch weitere Produkte in Anspruch nehmen und sie deswegen einen Rabatt bekommen. So schön hat der Mitarbeiter das natürlich nicht ausgedrückt, aber er schwafelte immer was von Mischkalkulation und dass das schon irgendwie hinkommt.

Sicher ist es eine Mischkalkulation! Eine Mischkalkulation, in der drei Gruppen enthalten sind. Die, die ein geringes Einkommen haben und deswegen die volle Gebühr zahlen müssen. Dann die, die ein Einkommen über 1.250,- Euro haben, weswegen sie eventuell weitere Produkte kaufen und die dadurch gleich erst einmal einen Rabatt eingeräumt bekommen. Und natürlich die, die tatsächlich weitere Produkte in Anspruch nehmen. In dieser Mischkalkulation subventioniert die erste und die letzte Gruppe die zweite Gruppe und das findet die Berliner Volksbank auch gerecht. Egal ob die zweite Gruppe tatsächlich weitere Produkte kauft oder nicht, den Rabatt kann sie dennoch in Anspruch nehmen. Aber wahrscheinlich ist für diese Gruppe die Infrastruktur günstiger als für die erste Gruppe. Wahrscheinlich kosten die Überweisungen der ersten Gruppe mehr Geld, als die Überweisungen der zweiten Gruppe und wahrscheinlich ist auch der Beratungsbedarf der ersten Gruppe größer als der, der zweiten Gruppe.

Ich meine, ist ja auch logisch. Mit meinem geringeren Einkommen kann ich ja die Infrastruktur der Bank häufiger in Anspruch nehmen, die großen Einkommen können sich ja nichts leisten. Und natürlich werde ich mit einem geringeren Einkommen häufiger den Berater aufsuchen, weil ich ja noch soviel Geld für irgendwelche Investitionen in der Tasche habe, für die ich den Berater in der Volksbank unbedingt brauche….

Wenn die Bank denn wenigstens so ehrlich wäre und sagen würde, dass die Kunden mit den größeren Einkommen die Bank sofort verlassen würden, wenn sie tatsächlich 6,- Euro Kontoführungsgebühren zahlen müssten, weil die Leute ja nicht doof sind und sich einfach eine Bank mit 0,- Euro Kontoführungsgebühr suchen, wäre die Geschichte ja gegessen, aber so ehrlich ist die Bank ja nicht. Sie gibt nicht zu, dass es für Kunden mit geringem Einkommen meist eben nicht so einfach ist, die Bank zu wechseln, wenn sie schon ein Girokonto haben. Sie geben nicht zu, dass ihre Mischkalkulation nur aus diesem Grund funktioniert. Würden nämlich alle Kunden, die diese 6,- Euro zahlen müssen, die Bank verlassen, hätten sich die subventionierten Konten für Einkommen über 1.250,- Euro schnell erledigt.

Dass es also viel fairer wäre, wenn tatsächlich erst einmal alle die Grundgebühr zahlen, die dadurch wahrscheinlich auch für alle sehr viel günstiger werden würde, gibt die Berliner Volksbank nicht zu. Kunden, die tatsächlich noch weitere Produkte der Bank in Anspruch nehmen, kann man nämlich auch nachträglich durch einen Rabatt belohnen. Aber das ist ja nicht die Geschäftsphilosophie der Berliner Volksbank. Auf Twitter steht im Profil „Vertrauen, Sicherheit und Fairness“ – die Fairness sollten sie allerdings schnell aus ihrem Profil löschen, denn die ist nicht gegeben.

Ich habe keine Ahnung, wie ich euch hier die gesamte Unterhaltung verlinken kann, ich werde deswegen auf den ersten Tweet verlinken, auf den ich eine Antwort bekommen habe. Weiß nicht, ob das ausreicht.

Ansonsten bin ich jetzt auf der Suche nach einer neuen Bank, was mir von dem netten Mitarbeiter der Berliner Volksbank so ans Herz gelegt wurde, weil Widerspruch ist in unserer Gesellschaft nicht erlaubt – auch nicht, wenn man schon 17 Jahre Kunde ist. Derzeit schwanke ich zwischen .comdirect und der Sparda-Bank, aber vielleicht habt ihr ja noch ein paar andere Banken, die ich mir eventuell mal anschauen sollte. Wichtig ist für mich allerdings, dass die Kunden fair behandelt werden. Dass also geringere Einkommen nicht mehr bezahlen als hohe Einkommen.