Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

„Schreib doch einfach“, sagt sie, „lass dich nicht ablenken von dem, was ich hier tue.“ Nicht ablenken, sie hat leicht reden. Wie soll ich mich nicht ablenken lassen, wenn ich gerade nach allem suche, was mich vom Schreiben ablenkt? Hätte ich den Fokus gefunden, wäre die Figur, über die ich schreiben will, schon mit mir auf Reisen gegangen, dann hätte ich gar nicht mitbekommen, was sie dort tut, dann hätte sie mir gar nicht sagen müssen, dass ich mich nicht ablenken lassen soll.

Doch die Figur ist noch ziemlich verschwommen. Sie konnte mich noch nicht packen, konnte mich noch nicht aus dem Stuhl ziehen und mich auf die Reise mitnehmen. Noch hampelt sie dort hinten rum, hat bisher nicht einmal einen Namen, lacht mich aus, hat noch keine Zeit für mich. Ich bin mir sicher, dass sie irgendwann ins Licht kommen wird, dass sie mir irgendwann ihren Namen verraten wird und das ich irgendwann all das aufschreiben darf, was sie erlebt.

Wird die Geschichte auf einem Bauernhof stattfinden? Werde ich über Schweine und Kühe schreiben? Kann ich da nicht sogar schon die Hühner hören? Nein, ich kann sie noch nicht hören, ich weiß nicht einmal, ob die Hühner überhaupt dabei sind, ob ich überhaupt über einen Bauernhof schreibe.

Vielleicht führt mich meine Figur ja auch in eine Gaststätte, oder an einem Imbiss. Warum nicht? Sind nicht die verrücktesten Geschichten schon an einem Imbiss entstanden? Der Mann, der gerade seine Bockwurst in den Senf taucht, während er von einem Ball am Kopf getroffen wird und sein Gedächtnis verliert. Ja, okay, von einem Ball verliert wohl niemand sein Gedächtnis und warum eigentlich eine Bockwurst mit Senf? Er könnte ja auch Pommes mit Ketschup essen oder ein Fischbrötchen. Nein, ich glaube, meine Figur wird mich nicht in eine Gaststätte führen, sie wird mit mir auch nicht zu einem Imbiss gehen.

Da kommt sie langsam auf mich zu, langsam werden die Umrisse meiner Figur schärfer. Ich kann noch nicht erkennen, ob es eine Frau oder ob es ein Mann ist, aber sie wird deutlicher. Und doch weiß ich noch nicht, wo mich diese Geschichte hinführen wird. Wird sie mich in eine freundliche Welt führen? Oder ist es eher eine traurige Welt, die mir auf dieser Reise begegnen wird? Wird meine Figur bis zum Ende überleben, wird sie glücklich sein? Oder werde ich sie unterwegs verlieren?

Nun gut, spekulieren hilft nicht. Solange die Figur noch im Nebel steht, solange wird mich alles ablenken. Auch wenn sie sagt, dass ich mich nicht ablenken lassen soll. Ich höre die Vögel draußen, schwebe mit ihnen durch die Lüfte. Sind die Vögel vielleicht heute meine Figur? Nein, die Vögel sind es nicht, auch sie lenken mich nur ab, genauso wie der Baum, der zusammen mit dem Wind tanzt. Oder der Fluss, der langsam vor sich hinrauscht, oder die Biene – ach eigentlich lenkt mich die gesamte Natur ab.

„Hallo“, höre ich es plötzlich von meinem Schreibtisch, „Hallo du, ich bin die Sabrina. Ich habe dich schon die ganze Zeit beobachtet, habe dir dabei zugesehen, wie du die Natur beobachtet hast.“ „Hallo Sabrina,“, sage ich, „wollen wir heute auf eine Reise gehen? Soll ich heute deine Geschichte aufschreiben?“ Sabrina nickt und sagt: „Nicht nur meine Geschichte. Ich werde dir all meine Freunde vorstellen, werde dir zeigen, wo ich wohne und wo ich arbeite. Du wirst heute eine Menge zu tun haben, während du mich durch meine Welt begleitest. Und du wirst mehrere Geschichten hören, die du aufschreiben wirst. Freust du dich schon?“ „Aber sicher“, sage ich zu Sabrina, obwohl ich noch gar nicht weiß, ob es denn eine freundliche oder traurige Geschichte ist.

Ich muss hier jetzt mal ein kleines Geheimnis loswerden. Seit 2008 schreibe ich jetzt hier diesen Blog, schon 2004 habe ich auf Lesensiegut.de angefangen Bücher vorzustellen, die ich gelesen habe und noch ein paar Jährchen früher habe ich auf anderen Portalen meine Gedichte veröffentlicht, die ich damals schon geschrieben habe. Seit ich hier diesen Blog schreibe, verbessert sich meine Rechtschreibung von Jahr zu Jahr merklich, 2010 wurde ich sogar bei Suite101 angenommen, die damals ziemlich strenge Regeln hatten – inzwischen existiert die Seite in dieser Form nicht mehr.

Schreiben tue ich das, weil es für mich nicht selbstverständlich ist, dass ich hier schreibe. Mein Ausdruck hat zwar schon immer gestimmt, aber in Rechtschreibung und Grammatik habe ich in der Schule regelmäßig versagt. Sowohl in der Grundschule wie auch in der Gesamtschule habe ich für diese beiden Dinge immer eine Sechs bekommen, vielleicht ab und an mal eine Fünf, aber meistens eben diese Sechs. Irgendwie waren damals alle Bemühungen, dies zu ändern, umsonst. Ich habe es nicht hinbekommen, obwohl ich schon damals sehr gerne Geschichten schrieb. Eine Zeitlang ließ ich es deswegen, schrieb nicht, weil ich es nervig fand, immer wieder diese dämlichen Fehler zu machen.

Und wahrscheinlich würde ich hier auch heute gar keinen Blog mehr schreiben, wenn das Verlangen mich mit Worten auszudrücken nicht größer gewesen wäre, als der Ärger über die Menschen, die sich über meine Rechtschreibung lustig gemacht haben. Und davon gab es nicht wenige, aber es gab eben auch Menschen, die haben sich für den Inhalt interessiert, die haben mir zwar auch Tipps gegeben und mich auf Rechtschreibfehler hingewiesen, aber sie haben mich auch immer wieder ermutigt, weiter zu schreiben und weiter zu veröffentlichen.

Und ich glaube, heute kann ich sagen, dass diese Menschen ein Glücksfall für mich waren. Wenn ich mir Blogartikel von 2008 ansehe, oder Buchbesprechungen von 2004, dann schüttel ich immer wieder mit dem Kopf, welche Fehler ich damals doch gemacht habe. Aber ich würde sie wohl immer noch machen, wenn ich nicht regelmäßig geschrieben hätte. Natürlich mache ich immer noch viel zu viele Fehler, aber ich sehe die Fortschritte und ich weiß, wenn ich weiter schreibe, dann werde ich auch irgendwann diese Fehler nicht mehr machen.

Ob ich, wenn ich jetzt in der Schule wieder Diktate schreiben würde, nicht immer noch eine Sechs für meine Rechtschreibung bekommen würde, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass mich diese Noten damals ziemlich demotiviert haben. Und ich glaube, dass diese Demotivation ein Grund war, warum sich meine Rechtschreibung nicht verbessert hat.

„Bello, wirst du wohl herkommen!“, rief Katja dem Hund hinterher, der sich im Park gerade von ihr abgesetzt hatte. Katja ist 26 Jahre alt und Hundesitterin. Sie ist die beliebteste Hundesitterin in der Stadt, weswegen sie mehr Nachfrager hat, als sie überhaupt bedienen kann. Gerade ist sie mit Bello unterwegs, einem mittelgroßen Hund, der für die nächsten sechs Stunden in ihrer Obhut sein wird.

Wenn Katja einmal nicht auf Hunde aufpasst, dann geht sie gerne in die Bibliothek, denn Bücher sind ihre Leidenschaft. Und obwohl sie viel Zeit damit verbringt, auf die Hunde anderer Menschen aufzupassen, verbringt sie doch die meiste Zeit – jedenfalls in ihrer Realität – mit den Büchern.

Hundesitterin ist Katja eigentlich auch nur geworden, weil sie schon in ihrer Jugend immer auf die Hunde der Nachbarn aufgepasst hat, um sich damit ihr Taschengeld aufzubessern. Von daher konnte sie viel Erfahrung im Umgang mit Hunden sammeln, was ihr jetzt zugutekam, denn nur dadurch konnte sie diesen Ferienjob zu ihrem Hauptberuf machen. Reich werden kann sie mit dem Job nicht, obwohl ihre Auftraggeber meist sehr reiche Leute sind, aber immerhin kann Katja damit einen guten Lebensstandard finanzieren, und da sie, bis auf die Bücher, keine Süchte hatte, konnte sie sogar noch Geld sparen. Einen Teil davon verwendete sie, um sich für das Alter abzusichern, mit dem anderen Teil konnte sie jedes Jahr einen schönen Urlaub machen, den sie mit ihrer besten Freundin verbrachte.

Sabine, so heißt ihre beste Freundin, begleitet Katja auch oft bei den Spaziergängen mit den Hunden, obwohl Sabine eigentlich kein so wirklicher Hundefan ist. Sie hatte eigentlich mal Angst vor Hunden, weil sie als Kind von einem Hund verfolgt wurde. Ihr Glück war, dass sie sich in einem Kaufhaus verstecken konnte, sonst wäre Sabine damals wohl von dem Hund gebissen wurden. Katja half ihr aber dabei, diese Angst zu überwinden, denn als Katjas beste Freundin kam Sabine natürlich mit vielen Hunden in Kontakt.

Heute war Sabine nicht dabei, was Katja aber nicht weiter störte. Natürlich findet Katja es schön, wenn sie sich während ihrer langen Spaziergänge mit ihrer besten Freundin unterhalten kann, aber ab und an liebt sie es auch, sich einfach nicht mit anderen Menschen unterhalten zu müssen. Heute war so ein Tag, denn eigentlich wollte sie heute in der Bibliothek sein. Bello war heute gar nicht eingeplant, doch da sie Zeit hatte, konnte sie den spontanen Auftrag annehmen, wofür sie allerdings einen Aufschlag von 50 Prozent auf ihr Honorar berechnete. Eigentlich noch viel zu wenig, wie Katja fand, denn durch diesen Auftrag ist ihr ein großes Abenteuer entgangen, auf das sie sich schon die letzten beiden Tage gefreut hatte.

Bibliothek und Abenteuer? Ja, für Katja ist das möglich. Katja hat da nämlich ein Geheimnis, das sie bisher mit niemandem geteilt hat. Katja kennt in der Bibliothek einen kleinen Raum, in den sie sich immer mit einem Buch zurückzieht, sobald sie sich aus der Masse der Bücher eines ausgesucht hat. Anscheinend wussten nicht einmal die Angestellten der Bibliothek, dass es diesen Raum gab, aber dieser Raum war natürlich nicht Katjas Geheimnis. Er war nur nützlich, weil Katja dann nicht unbedingt jedes Buch ausleihen muss, und sie ihre Abenteuer auch in der Bibliothek erleben kann.

Katja liest die Bücher nicht, so wie sie jeder andere liest, sondern sie verschwindet in den Büchern. Ihr Geheimnis ist, dass sie sich in die Bücher hinein beamen kann. Damit ist nicht gemeint, dass Katja eine sehr ausgeprägte Phantasie hat, wodurch sich die Geschichte real in ihrem Kopf abspielt, sondern damit ist gemeint, dass Katja wirklich in diesem Buch ist. Würde jemand den Raum betreten, während Katja ihr Abenteuer erlebt, so würde er nur das aufgeschlagene Buch auf dem Tisch finden, Katja selbst würde sich nicht in diesem Raum befinden.

Diese Fähigkeit entdeckte Katja eher zufällig. Damals, sie war gerade 10 Jahre alt, las sie eine Kindergeschichte, und plötzlich, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, war sie mitten in der Geschichte. Sie erlebte alles hautnah, und erst, nachdem sie das Ende der Geschichte erreicht hatte, war sie zurück in ihrem Zimmer. Natürlich war die Abwesenheit von Katja nicht unbemerkt geblieben, weswegen sie später noch Ärger mit ihren Eltern bekam, die sich nämlich Sorgen um Katja gemacht hatten. Aber als Katja begriff, dass sie wirklich im Buch war, war ihr dieser Ärger ziemlich egal. Nach einigen weiteren Abenteuern bemerkte sie dann auch, dass ihr Aufenthalt in den Büchern immer genau eine Stunde betrug, egal wie viel Zeit während des Abenteuers verstrich, und so konnte sie natürlich ihre Abenteuer sehr gut planen, sodass die Eltern gar nicht mehr bemerkten, wenn sie wieder einmal für eine Stunde spurlos verschwunden war.

Und noch besser ist, dass Katja in dieser Bücherwelt nicht sterben kann. Also nicht wirklich sterben! Die Person, die sie in dieser Bücherwelt ist, kann schon während des Abenteuers sterben. Katja ist das aber erst zweimal passiert, und ehrlich gesagt, waren ihr diese zwei Sterbeszenen schon zu viel.

Ihr heutiges Abenteuer musste sie nun allerdings verschieben, aber irgendwie musste sie sich ihr Leben in dieser realen Welt ja finanzieren. Das Gute an Büchern ist aber, dass sie nicht einfach verschwinden können, und so kann sich Katja doch schon wieder freuen, denn das Abenteuer, das sie heute durch den Auftrag verpasst hat, kann sie jederzeit nachholen.

Thema geklaut bei der Blogparade von Cluewriting

„Was für ein geiles Wort!“, dachte sich Paul, als er sein Werk betrachtete. Er hatte zwar keine Ahnung, was das für ein Gerät sein sollte, aber die Länge des Wortes hatte ihn gereizt. Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass er es irgendwo gelesen hatte, und vor einer Woche fand er dann auch die passende Wand, an der er dieses Wort verewigen konnte. Und heute hat er es dann umgesetzt, hat sich für jeden Buchstaben extra viel Zeit genommen, denn Zeit hatte er hier genug, und das Wort an die Wand gebracht. Ein halbes Jahr Vorbereitung hat er in das Projekt gesteckt, und jetzt war es vollendet.

Stift um Stift hat Paul verbraucht, um das richtige Design zu finden. Nicht das Wort war wichtig, sondern das Design. Die Kunst versteckte sich in den Details und hier konnte er sich austoben, denn das Wort hatte 41 Buchstaben. 41 Buchstaben sind eine Menge Platz für Kunst und genau darum ging es Paul, als er dieses Projekt startete.

Er musste sogar einen Ferienjob aufnehmen, damit er sich die vielen Dosen mit Sprühfarbe leisten konnte, die er brauchte, um dieses Projekt umsetzen zu können. Paul hatte viel Spaß in der Werbeagentur, denn auch dort konnte er kreativ arbeiten und der Chef war so zufrieden mit Paul, dass er ihm gleich einen Ausbildungsvertrag anbot. Dabei hatte Paul noch ein Jahr Schule vor sich, bevor er in die Arbeitswelt starten würde. Das war dem Chef natürlich auch bewusst, weswegen er in den Vertrag auch einen Notenschnitt mit aufnahm, den Paul erreichen musste, damit der Ausbildungsvertrag gültig ist. Nichts, was nicht erreichbar wäre, aber der Chef der Werbeagentur will damit vermeiden, dass Paul die Motivation verliert, weil er seinen Ausbildungsvertrag bereits in der Tasche hat.

Paul war klar, dass er diesen Ausbildungsvertrag nur bekommen hatte, weil er so hart an diesem Projekt gearbeitet hat, weswegen es schon ein Erfolg war, bevor es heute seine Vollendung gefunden hatte.

Und diese Wand hier hatte er auch nur gefunden, weil er diesen Ferienjob hatte. Denn hätte er für die Werbeagentur nicht das Päckchen zu einem Kunden bringen müssen, dann wäre er nie über diese Brücke gefahren. Und wäre er nicht über diese Brücke gefahren, nun, dann hätte er vor einer Woche nicht diese Wand entdeckt. Obwohl er sie eigentlich nur entdeckt hatte, weil er, als er unkonzentriert durch die Gegend schaute, beinahe das Gleichgewicht verloren hätte und er sich nur gerade so vor einem Sturz mit dem Fahrrad bewahren konnte. Und genau dabei entdeckte er diese perfekte Wand.

Dieser Ferienjob brachte ihm also nicht nur das Geld, mit dem er sich die Sprühfarbe kaufen konnte, er brachte ihm auch die perfekte Wand, um sein Projekt abschließen zu können, und er brachte ihn Sicherheit für die Zukunft. Wegen dieser Zukunft überlegte er auch kurz, das Projekt doch nicht zu einem Ende zu bringen, denn wenn er dabei erwischt wurde, würde seine sichere Zukunft wieder auf wackligen Pfeilern stehen. Doch dann sagte er sich, dass dieses Projekt der Grund für all diese Entwicklungen war, und deswegen musste es nun auch zu einem Ende gebracht werden.

Drei Stunden hat er nun dafür gebraucht und nun stand das Wort endlich an dieser Wand. Er konnte es noch immer nicht glauben, dass das jetzt das Ende sein sollte, aber es ist nur das Ende von diesem Projekt, nicht das Ende seines Lebens, denn das fing gerade erst an. „Hochfrequenzniederspannungsvorschaltgerät“ – Paul wusste immer noch nicht, was das ist, aber er wusste, dass er so ein Teil unbedingt mal sehen musste, denn dieses Gerät war daran schuld, dass seine nähere Zukunft jetzt schon gesichert war.

„Kommen Sie, kommen Sie schnell“, ruft er der Menge entgegen. „Pünktlichkeit ist heute gefragt“, sagt er, „wenn Sie das Haus noch sehen wollen.“

Das Haus? Ist es nicht schon viel zu spät dazu? Gesehen habe ich es schon oft, doch lange wird es wohl nicht mehr sein. Doch doch, es ist ein wirklich schönes Haus, von außen glänzt es sogar und es zieht wirklich viele Menschen an, aber im Inneren ist es nicht mehr als eine Hütte.
Pünktlichkeit könnte wohl schon zu spät sein, denn es krieselt im Fundament des Hauses. Ja, es wird täglich Beton hinein gepumpt, aber dieser schafft es nicht, das Fundament wieder zu stabilisieren.

„Ein schönes Gebäude, oder?“, fragt mich ein Tourist, der noch nie im Inneren des Hauses war. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, in diesem Haus zu leben”, sagte er weiter. Ich lächel ihn an und frage: „Warum wollen sie in diesem Haus leben? Nur weil es von Außen so schön glänzt?“ Er schaut mich an, ist verblüfft, fragt mich, ob ich nicht selbst auch in diesem Haus leben wolle. „Hab ich schon“, antworte ich ihm. „Und warum jetzt nicht mehr?“, möchte der Tourist wissen. Ich deutete ihm, dass er sich doch auf die Bank setzen sollte, denn die Antwort würde etwas länger dauern.

„Warum ich nicht mehr in dem Haus lebe? Nun, es liegt wohl an der Hektik, die in diesem Haus herrscht. Es ist wohl die Tatsache, dass es darin durchaus schöne Dinge zu bestaunen gibt, aber sie sind halt tatsächlich nur dazu da, um sie zu bestaunen. Das Problem ist, dass nur wenige Hausbewohner diese Dinge überhaupt benutzen dürfen, die restlichen Bewohner aber müssen sich mit kleinen Appartments zufriedengeben, die nur das Nötigste beherbergen.“

Der Tourist machte große Augen. Er konnte nicht glauben, dass es in diesem wunderbaren Haus Appartments geben sollte, die nicht genauso schön sind.

„Aber das ist nicht das einzige Problem. Es sind nicht nur diese kleinen Appartments, die einem das Leben in diesem Haus so unangenehm machen, es sind auch die Geräusche. Das knarren in den Wänden und dann ist da noch das Fundament, das ständig mit Beton ausgebessert werden muss, ohne dass es irgendeine Verbesserung gibt. Und die Grundversorgung ist auch eher unzuverlässig in diesem Haus, allerdings nur in den kleinen Appartments. In den großen Wohnungen gibt es diese Probleme nicht und irgendwie gibt es dort auch nicht diese nervigen Geräusche, die in den kleinen Appartments zu hören sind.“

Der Tourist schaut mich an und fragt mich, warum die Menschen denn nicht einfach ausziehen, wenn das Gebäude denn innen gar nicht so schön ist?

„Nun, die Menschen glauben einfach nicht, dass es ein anderes Haus geben könnte, dass besser ist als das, in dem sie jetzt leben. Sie haben sich an das Haus gewöhnt, sie haben sich an die nervenden Geräusche gewöhnt und das Fundament macht ihnen auch keine wirklichen Sorgen, denn das droht nun schon so lange zu zerbröckeln, dass keiner mehr daran glaubt, dass das wirklich einmal kaputt gehen könnte. Die Menschen sind froh, dass sie überhaupt etwas haben, dass sie nur selten hungern müssen und das die Grundversorgung gegeben ist, auch wenn sie unzuverlässig ist.“

„Und warum bauen sich die Menschen nicht einfach ein neues Haus? Ein Haus, das auf einem stabilen Fundament steht und in dem es für jeden mehr gibt als diese kleinen Appartments?“ Eine interessante Frage, die der Tourist da stellt.

„Ich vermute, dass die Menschen einfach Angst davor haben, das alte Haus abzureißen. Sie müssten ja dann erst einmal das aufgeben, was sie jetzt haben, um dann das Haus total neu aufzubauen. Es gibt sicher einige Menschen, die dazu durchaus willens wären, aber dieser Wille schwindet natürlich umso mehr, umso größer die Appartments werden. Und die Menschen, die in diesem Haus eine Wohnung besitzen, die sind auf jeden Fall gegen einen Abriss des Hauses. Nicht nur, weil sie am meisten zu verlieren hätten, sondern auch, weil sie danach kleinere Wohnungen hätten, wenn der Platz neu aufgeteilt wird. Sie würden also mehr verlieren als die anderen, dafür aber weniger zurück bekommen und deswegen versuchen sie alles, um die Mehrheit der Bewohner auf ihrer Seite zu bekommen. Und genau deswegen wird kein neues Haus gebaut, weil es Bewohner gibt, die das alte Haus nicht aufgeben möchten.“

Der Tourist schmunzelt mich an. Er meint, dass er wohl verstanden hat, was dort in diesem Haus los ist. Natürlich möchte er jetzt nicht mehr in diesem Haus leben, auch wenn es von Außen natürlich immer noch wunderschön aussieht. „Aber“, sagt er, „der Rasen vor dem Haus, das ist schon englischer Rasen, oder?“

„Ja“, sagte ich, „der Rasen vor dem Haus ist tatsächlich englischer Rasen und es ist ein schöner Ort, um sich zu entspannen. Allerdings bestehe halt immer die Gefahr, dass das Haus einbricht und dann wäre von diesem englischen Rasen auch nicht mehr viel zu sehen.“

Der Tourist verabschiedete sich, ging weiter, schüttelte noch einmal mit dem Kopf, und kaufte sich dann Zuckerwatte, von der er sich genüsslich kleine Stücke in den Mund schob.

Lasst uns in ein Land reisen, in dem es derzeit nicht so rosig aussieht. Durch gierige Heuschrecken, ist in diesem Land die Ernte in den letzten Jahren viel zu knapp ausgefallen, sodass die Bevölkerung des Landes nicht ausreichend versorgt werden kann. Die Heuschrecken versuchen sogar noch an die letzten Lebensmittel des Landes zu kommen, weil sie mit dem, was sie bisher erbeutet haben, nicht zufrieden sind.

In diesem Land lebt das Meerschweinchen Donat. Donat ist noch jung, aber schon ohne Familie, da diese durch Krankheit oder durch Gewalt getötet wurde. Bisher konnte Donat sich aber ziemlich gut versorgen, zumindest war das so, bis die Heuschrecken über das Land gekommen sind. Jetzt hat auch das junge Meerschweinchen Probleme damit, genügend Nahrung zu finden und wenn es mal was findet, dann kommt nicht selten eine Heuschrecke, die etwas von dem abhaben will, was er gefunden hat. Und es bleibt ihn meist auch nichts anderes übrig als den geforderten Teil abzugeben, denn die Heuschrecken haben mit den Meerschweinchen Verträge abgeschlossen, in denen genau das geregelt ist. Und so kann Donat nichts machen, wenn er nicht ins Gefängnis will, obwohl er es locker mit einer solchen Heuschrecke aufnehmen könnte.

Nun hat Donat aber gehört, dass es ein Land gibt, in dem es für alle Bewohner genügend Nahrung gibt. Es gibt dort nicht nur genügend Nahrung, sondern es gibt dort zu viel Nahrung, weswegen ein großer Teil einfach vernichtet wird. So haben es Donat zumindest die anderen erzählt, die in den letzten Jahren das Land verlassen haben, um in das Land zu kommen, wo es zu viel Nahrung gibt. Und da von diesen keiner mehr zurückgekehrt ist, möchte sich auch Donat jetzt auf den Weg in dieses Land begeben. Er ist sich sicher, dass er in einem solchen Land willkommen ist und er ist überzeugt, dass er eines Tages wieder in seine Heimat kann, sobald die Heuschrecken weg sind und sein Land wieder genügend Nahrung für die eigenen Bewohner hat.

Donat machte sich also auf den Weg und verließ seine Heimat. Ihm war nicht wirklich wohl dabei, denn an diesem Ort hier wurde er damals geboren, hier liegt seine Familie begraben und hier hat er seine Freunde. Die meisten von ihnen wollen sich nicht mehr auf eine solch gefährliche Reise begeben, weswegen Donat sie hier zurücklassen muss. Aber dadurch, dass er weggeht, bleibt für seine Freunde mehr Nahrung übrig, weswegen Donat auch mit dem Gefühl geht, etwas Gutes zu tun. Dementsprechend motiviert ging das Meerschweinchen seine Reise auch an und so kam ihn der erste Tag auch gar nicht so lang vor.

Am Abend merkte Donat dann aber, dass er Hunger hat und so machte er sich auf die Suche nach Nahrung. Erst fand er nichts, doch dann kam er an eine Hütte, in der eine ältere Meerschweinchen-Frau lebte. Er sah die Hütte sehnsüchtig an, da er inzwischen auch ziemlich Müde war und er dort in der Hütte einen gemütlichen Schlafplatz vermutete. Plötzlich wurde Donat von der älteren Frau angesprochen. Er hatte sie gar nicht kommen hören, weswegen er auch leicht zusammenzuckte. Die ältere Frau lachte freundlich und wollte wissen, was er denn um diese Zeit hier draußen machte. Eigentlich konnte sie es sich schon denken, denn hier sind schon so viele junge Meerschweinchen durchgekommen, aber da sie sich gerne unterhält, fragt sie immer wieder nach und immer wieder wird ihr dieselbe Geschichte erzählt. Sie bot Donat an, bei ihr zu übernachten. Zusätzlich bot sie ihm einen Teller Suppe an, eine gute, starke Suppe, die ihn für den nächsten Tag stärken würde. Natürlich nahm Donat die Einladung an, auch wenn er nicht wusste, wie er sich bei der älteren Frau bedanken sollte.

Während die alte Frau die Suppe aufwärmte, erzählte sie Donat so einige Geschichten. Geschichten von Früher, Geschichten von der Heimat, bevor die Heuschrecken hier eingefallen sind und die Macht übernommen haben. Donat kann sich auch noch an die letzten Jahre erinnern, bevor die Heuschrecken kamen. Aber das ist Vergangenheit, denn jetzt sind die Heuschrecken hier im Land und das Leben, dass er damals leben durfte, ist vorbei.

Am nächsten Tag bereitete die ältere Frau noch ein Frühstück für Donat zu. Danach wünschte sie ihm noch eine gute Reise, bevor sich die Wege der beiden trennten.

Donat war noch mehrere Tage unterwegs, bevor er an die Grenzen des Landes kam, in dem es so viel Nahrung geben soll, dass sogar ein Teil davon vernichtet wird. In diesen Tagen traf er auf viele andere Meerschweinchen, die ihm einen Schlafplatz und etwas zu Essen anboten. Er traf sogar alte Bekannte wieder, die sich vor langer Zeit auf diese Reise begeben hatten. Sie hatten aufgegeben und sind dann gleich an dem Ort geblieben, weil sie auch keine Lust mehr hatten, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Alle wünschten ihm eine gute Reise und nun war Donat endlich an der Grenze angekommen.

Das junge Meerschweinchen dachte, dass es jetzt einfach die Grenze Überquerren könnte, aber dem war nicht so. Überall war ein riesiger Zaun, den er weder überwinden konnte, noch gab es eine Lücke in diesem Zaun. Was er aber sah, waren Berge von Lebensmittel, die hinter dem Zaun lagen und die dort verrotteten. Und er sah dort Heuschrecken in Uniform, die diese Berge von Lebensmitteln bewachten. Er sah, wie die Heuschrecken über ihn lachten, und als er nach ihnen rief, lachten sie noch mehr. Donat hatte hunger, doch auf seiner Seite des Zauns gab es nichts, was er hätte essen können. Und die Heuschrecken auf der anderen Seite wollten ihm auch nichts geben, sie sagten, dass diese Lebensmittel unbedingt verrotten müssten, weil das die Gesetze ihres Landes so vorsahen.

Donat war verzweifelt. Er wollte unbedingt in dieses Land. Nein, eigentlich wollte er nicht in dieses Land, er wollte nur die Nahrung, die dort so sinnlos verrottete und er wollte wissen, warum die Heuschrecken die Nahrung aus seiner Heimat holten, obwohl sie doch selbst genügend hatten. Doch er bekam keine Antwort.

Er fand es ungerecht, und weil er diese Ungerechtigkeit nicht einfach hinnehmen wollte, lief er Tage lang am Zaun auf und ab, er wollte unbedingt einen Weg in dieses Land finden. Er war so darin vertieft, dass ihm gar nicht auffiel, dass er schon seit Tagen nichts mehr gegessen hatte. Doch Meerschweinchen brauchen Nahrung, und so brach Donat eines Tages einfach zusammen. Er verhungerte vor einem Zaun, hinter dem genügend Nahrung lag, um seinen ganzen Heimatort ein ganzes Jahr lang zu versorgen. Donat hörte die Heuschrecken ein letztes Mal lachen, bevor er seine Augen für immer schloss.

Jetzt geht es wieder los, das rumgehacke auf der GDL. Dabei macht die GDL nur genau das, für das sie da ist. Sie kämpft für ihre Mitglieder um einen möglichst guten Tarifabschluss. Und sie macht sogar noch mehr, denn sie kämpft offen für die Tarifpluralität. Sie kämpft also nicht nur für ihre Mitglieder, sie kämpft für alle Arbeitnehmer, sie kämpft um die Arbeitnehmerrechte, für die vor ihr schon so viele Generationen kämpfen mussten.

Die Bundesregierung plant mit dem Tarifeinheitsgesetz diese Arbeitnehmerrechte zu beschneiden, und die Deutsche Bahn AG spielt auf Zeit, weil dieses Gesetz noch in diesem Jahr kommen soll. Und dann gibt es die Arbeitnehmer, die zwar immer wieder jammern, dass sie viel zu wenig Geld in den Taschen haben, die aber nichts anderes zu tun haben, als gegen den Streik der GDL zu hetzen. Dann kommt immer das Argument, dass diese Berufsgruppe doch schon genug verdient und das sie mit ihren Streiks doch nur denen schadet, die noch weniger verdienen.

Aber nein, sie schaden diesen Menschen eben nicht. Ganz im Gegenteil, sie zeigen diesen Menschen eigentlich auf, welche Mittel sie zur Verfügung hätten, um eine vernünftige Lohnerhöhung zu erhalten. Sie zeigen auf, dass Streiks immer noch ein wirkungsvolles Mittel sind und sie zeigen auf, dass es dazu eben starke Gewerkschaften braucht, die nicht mit den Arbeitgebervertretern kuscheln, weil das Spitzenpersonal der Gewerkschaften sich erhofft, eine Stelle in der Wirtschaft zu bekommen, wenn sie den Unternehmen nicht wirklich wehtun. Es müsste endlich wieder mehr Streiks in Deutschland geben und zwar unabhängig davon, wie viel diese Berufsgruppe denn nun verdient oder nicht. Streiks sind ein Mittel, um die Gewinne von oben nach unten zu verteilen und sie sind ein Mittel, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Streiks könnten sogar noch sehr viel mehr sein, wenn sie denn in der Gesellschaft endlich wieder mehr Akzeptanz erfahren würden. Streiks könnten neoliberale Gesetze verhindern, die sich gegen die Arbeitnehmer richten, sie könnten also die Gesellschaft auch insgesamt verbessern.

Aber die Akzeptanz fehlt, weil Streiks in die Bequemlichkeit unseres Lebens eingreifen. Wenn der Zug nicht fährt, geht ein Stück Mobilität verloren. Wenn die Post nicht liefert, kann das Paket mit dem Buch erst später geöffnet werden. Wenn die VerkäuferInnen streiken, ist der Einkauf mal nicht zeitnah zu erledigen.
Ja, ich könnte noch mehr aufzählen, aber es ist doch unsere Bequemlichkeit, die uns nicht erkennen lässt, dass diese Einschränkungen einem guten Ziel dienen. Es geht darum, dass sich die Arbeitnehmer einen fairen Anteil vom Kuchen sichern. Es geht darum, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dinge, von denen nicht nur die jetzigen Arbeitnehmer profitieren, sondern auch die nächste Generation. Die Bequemlichkeit ist es, die stärker ist, als die Solidarität mit anderen Arbeitnehmern. Die Bequemlichkeit ist es, die die Arbeitgeber stärkt und die Arbeitnehmer immer weiter schwächt.

Wir schwächen uns also selbst und wir sollten uns dann nicht darüber wundern, dass sich das Kapital auf immer weniger Menschen konzentriert. Wir sind ja schon zu faul, um für unseren fairen Anteil an den Gewinnen zu kämpfen. Wir sind schon so von der neoliberalen Politik geblendet, dass wir tatsächlich denken, dass der Verzicht auf faire Löhne dazu führt, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden oder zumindest dazu, dass der eigene Arbeitsplatz sicher ist. Dem ist aber nicht so….

Eigentlich müssten jetzt alle Gewerkschaften Demos gegen das Tarifeinheitsgesetz organisieren. Eigentlich müssten Millionen von Menschen auf der Straße sein, aber dazu reicht es nicht mehr. Es reicht ja nicht einmal mehr zur Solidarität mit den Menschen, die für mehr Geld und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Und am Ende wundern sich alle, warum die Armut immer größer wird und sich immer mehr Menschen immer weniger leisten können. Und sobald die Leibeigenschaft dann wieder eingeführt ist, wundern wir uns, wie es soweit kommen konnte…

Wochenrückblick, jaha und zwar für zwei Wochen. Aber davor natürlich wieder ein Intro:

Landschaft

Ich habe geträumt. Ich habe geträumt, dass ich in einem Hochhaus lebe, ganz weit oben. Ich blicke über eine Stadt, die nicht Berlin ist. Beobachte die Lichter bei Nacht. Die Straßen, die Autos, die als Lichter auftauchen und als Lichter verschwinden. Ich träume oft, dass ich in diesem Hochhaus lebe, einem Hochhaus, das nicht in Berlin steht. Ich träume oft, dass ich aus Berlin wegziehe, obwohl ich in Berlin geboren bin, obwohl ich Berlin liebe. Doch die Liebe scheint es zu sein, die mich wegzieht, denn in meinen Träumen finde ich in dieser fremden Stadt die Frau, die ich liebe. Manchmal treffe ich sie, wenn ich mit dem Fahrstuhl fahre. Manchmal, wenn ich in dieser fremden Stadt in einem Café sitze. Manchmal treffe ich sie aber auch, während ich in dieser fremden Stadt durch die Nacht laufe. Ich weiß nicht, was ich in dieser Stadt will, ich weiß nicht, warum ich in dieser Stadt die Frau treffe, die ich liebe und ich weiß auch nicht, warum ich in einem Hochhaus leben will, ganz oben, von wo aus ich in der Nacht die Lichter der Stadt beobachten kann.

Studium

 

Im Studium geht derzeit ein bissel was schief. Nein, nicht bei mir, sondern bei der Uni. Irgendwie haben die ihre Logistik umgestellt und so kommt es zu Verspätungen bei der Auslieferung der Lehrbriefe und all dem anderen Material. Kurz gesagt, eigentlich wurde alles ein klein wenig nach hinter geschoben und so wird es erst ab der nächsten Woche so richtig richtig spannend, denn dann folgt die erste Einsendeaufgabe, die aber eigentlich noch gar nicht so wichtig ist, weil sie nicht relevant ist für die Klausurzulassung.

Sport

 

Ich bin wieder gelaufen. In der 15. Kalenderwoche 16 Kilometer und in der 16. Kalenderwoche 10 Kilometer. Nein, ist nicht wirklich viel, aber wieder ein Anfang. In diesem Jahr habe ich übrigens, seit ich meine Läufe aufschreibe, so dieser Jahreszeit die wenigsten Kilometer gelaufen. Macht mir jetzt noch keine Sorgen, denn das Jahr ist ja noch lang, aber ich finde es schon erwähnenswert.

Rad gefahren bin ich auch. Jetzt zwar nicht soviel, wie es eigentlich hätte sein können, denn das Wetter war super, aber ich bin Rad gefahren. Am 06.04 sogar durch den Müritz Nationalpark. Ja, es ist schön dort und noch schöner ist es dort Rad zu fahren ;).

Arbeit

 

Geht jetzt irgendwann los, also im Mai. Wollte zwar schon in diesen Monat Geld verdienen, aber irgendwie ist nichts los. Keiner braucht meine Hilfe im Garten, keiner braucht sie im Büro, niemand möchte, dass ich beim Umzug helfe und Texte braucht derzeit auch keiner. Aber egal, ist halt so.

Pflanzen

 

Hach die Pflanzen. 3 von 4 Tomatenpflanzen sind leider eingegangen. Eine wächst super, aber ich würde jetzt mal behaupten, die ist erst über den Berg, sobald ich sie umgetopft habe und sie weiter so wächst, wie sie jetzt wächst.

Die Mangopflanze hat ein zweites Blatt bekommen und das Dritte und Vierte ist auch schon zu erkennen. Nur richtig große Wurzeln scheint diese Pflanze nicht zu bekommen, was für mich zum Vorteil ist, denn dann muss ich sie nicht umtopfen ;).

Sonstiges

 

Steht nur hier, weil es die Überschrift immer gibt. Habe aber eigentlich nichts Sonstiges zu sagen. Wobei, doch, ich habe was zu sagen. Es ist die Wut in mir, die ich aber irgendwie nicht zu fassen bekomme und die ich nicht in meine Kurzgeschichten unterbringen kann. Zwei Kurzgeschichten habe ich geschrieben, zwei Kurzgeschichten zum selben Thema, aber ich bin nicht zufrieden, weil immer noch nicht die Wut rüberkommt, die ich vermitteln will, die in mir ist. Es werden also wohl noch ein paar mehr Kurzgeschichten kommen, solange, bis die Wut darin zu lesen ist, die ich habe, auch wenn es irgendwie kaum Rückmeldungen gibt.

Jamila, ein junges Mädchen vom afrikanischen Kontinent. Sie ist gerade erst 15 und doch schon so erwachsen. Sie ist auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt, einen Ort, an dem sie keinen Hunger erleiden muss, einen Platz, an dem sie sich sicher fühlt. Jamila möchte eine Ausbildung machen, möchte Arbeiten, will Geld verdienen. Das Mädchen kennt keinen Neid, freut sich darüber, dass es anderen Menschen gut geht, aber es möchte sich seinen Teil von diesem Wohlstand erarbeiten, möchte niemanden etwas wegnehmen. Wenn Jamila in Afrika die Möglichkeit dazu hätte, würde sie es dort tun – nein, sie wird es dort tun, sobald sie genügend Geld verdient hat, um dort etwas aufzubauen. Und wenn es mit dem Geld nicht klappt, dann möchte sie wenigstens genügend Bildung erwerben, um diese dann an andere afrikanische Kinder weiterzugeben, damit die etwas aufbauen können, in ihrem Land, welches auf dem afrikanischen Kontinent liegt.

Jamila möchte hier nicht weg. Sie liebt dieses Land, sie liebt die Natur, die Landschaften. Hier hat sie ihre Wurzeln, hier hat sie ihre Familie, aber hier muss sie eben auch ständig mit ihrem Hunger leben. Und dann diese Gewalt. Nein, die meisten Menschen sind nicht Böse, da ist sich Jamila sicher, es sind die Umstände, die sie zu dem machen, was sie inzwischen sind. Wenn die Menschen nicht ständig hungern müssten, obwohl sie so viel arbeiten, dann wären sie friedlicher, dann würden sie sich nicht mit Gewalt das holen müssen, was sie zum Leben brauchen. Jamila weiß, wo das Geld ist, das hier fehlt. Es ist dort, wo die Rohstoffe hingehen, die hier abgebaut werden und für die nur wenig Geld gezahlt wird.

Jamila würde gerne Politik machen, aber das ist in ihrem Land kaum möglich. Wenn es möglich wäre, würde sie vieles in ihrem Land ändern, sie würde dafür sorgen, dass es den Menschen gut geht, aber ihr fehlt das Geld, um hier Politik machen zu können. Und den Menschen in ihrem Land fehlt die Bildung, um etwas ändern zu können. Und genau deswegen möchte sie nach Europa. Sie möchte Geld verdienen und sie möchte Wissen sammeln und mit beiden möchte sie zurück in ihr Land.

Schauen wir mal, wo Jamila gerade ist, schauen wir mal, wie weit sie schon ist, ob sie Europa schon erreicht hat:

„Jamila, wo bist du gerade?“

„Ich bin hier, siehst du mich?“

„Jamila, ich sehe viel Wasser, sehr viel Wasser, aber dich sehe ich nicht. Wo ist denn dein Boot?“

„Mein Boot ist gesunken. Es waren wohl zu viele Menschen drauf, aber ich bin hier, schau einmal genau hin. Ich schwimme hier, siehst du mich? Ich versuche es weiterhin, versuche nach Europa zu kommen.“

„Jamila, Europa ist noch viel zu weit weg. Da ist doch nirgendwo Land, da ist nur Wasser, überall Wasser um dich herum.“

„Ja, sehr viel Wasser. Salziges Wasser. Aber ich muss schwimmen. Was sollte ich auch sonst tun? Hier ist kein Schiff, das mir zur Hilfe kommt, hier ist niemand, also muss ich schwimmen. Schwimmen und hoffen, dass ich das Land erreiche.“

„Aber Jamila, so weit kann doch keiner schwimmen! Es ist viel zu weit weg!“

„Ich muss, oder soll ich Aufgeben? Wenn ich nicht mehr schwimme, gehe ich unter, und wenn ich untergehe, kann ich nichts mehr ändern. Und es gibt viel zu ändern. In Europa, in Afrika, überall. Ich muss nach Europa kommen und dort komme ich nur hin, wenn ich schwimme.“
„Es muss doch irgendwo ein Schiff sein, Jamila, irgendwo muss es doch Hilfe für dich geben. Ich würde dir so gerne helfen, aber ich kann nicht. Warum kann ich dir nicht helfen, Jamila?“

„Weil du nicht hier bist, weil du kein Boot hast, und wenn du eines hättest, dann wärst du immer noch nicht hier. Und hier ist auch kein anderes Schiff und deswegen muss ich weiter schwimmen und hoffen.“

„Jamila, wo bist du? Ich kann dich nicht mehr sehen, nur noch Wasser… – Jamila?“

Jamila ist fort! War sie dort überhaupt? Schwamm sie eben wirklich dort auf dem Wasser, war sie da? Ja, Jamila war dort, nun ist sie fort, für immer. Jamilia, auf hebräisch bedeutet das „Die den Frieden bringt“ – Jamila ist ertrunken, vor der Küste des Friedensnobelpreisträgers. Wer bringt jetzt den Frieden? Den Frieden nach Afrika, den Frieden unter die Menschen? Jamila kann es nicht mehr, sie musste sterben, weil Europa Angst davor hat, den Wohlstand zu teilen. Den Wohlstand, der zum Teil auch aus Afrika stammt.

Vierhundert Menschen! Vierhundert Menschen, die, wenn wir genauer hinsehen, gerade um ihr überleben kämpfen. Sie treiben auf dem Meer, ihr Boot ist gekentert, keine Hilfe weit und breit. Sie kämpfen, wollen weiter, wollen hier nicht sterben. Sie haben noch Träume, sie haben Familie und sie tragen Verantwortung für diese Familie. Vierhundert Menschen! Die Herkunft ist egal, die Religion ist egal, wichtig ist nur, dass es Menschen sind. Wichtig ist, dass sie Träume haben, dass sie in ein anderes Leben flüchten wollen, dass sie die Hoffnung für Menschen sind, die sie zurücklassen mussten. Vierhundert Menschen!

Dort, ein Mädchen, vielleicht 18 Jahre alt. Sie sieht noch gut aus, könnte es schaffen, wenn Hilfe unterwegs wäre. Sie schwimmt noch, hat noch keine Probleme damit, sich über Wasser zu halten. Ist das noch ein Lächeln, das über ihr Gesicht huscht? Ist das noch Hoffnung? Glaubt sie, dass noch alles gut wird?

Als sie vor mehreren Wochen ihr Heimatdorf verließ, hatte sie große Pläne. Sie wollte raus aus der Armut, wollte in eine andere Welt. Sie wollte gar nicht viel, sie wollte lernen. Mehr wollte sie nicht! Sie wollte Wissen sammeln, wollte Studieren, wollte Geld verdienen, damit sie den Menschen in ihrem Dorf helfen kann. Sie wollte Hoffnung in ihr Dorf bringen, wollte beweisen, dass sie nicht hungern müssen, dass es ihnen genauso gut gehen kann, wie den Menschen in der Welt, in die sie fliehen wollte.

Sie wollte nicht viel? Doch, sie wollte viel! Sie wollte die Welt verändern, wollte Ungerechtigkeiten benennen und sie abschaffen. Obwohl sie in einem kleinen Dorf lebte, konnte sie lesen und schreiben. Und sie las viel. Viel über die Welt, in die sie fliehen wollte und über die Möglichkeiten, die sie hätte, um dort die Welt zu verändern. Ihr war bewusst, dass sie noch viel lernen musste, um überhaupt eine Chance zu haben und ihr war bewusst, dass sie kämpfen musste, um ihre Ziele zu erreichen.

Wollen wir ihr einen Namen geben, denn sie hat einen Namen verdient. Nicht irgendeinen, nicht einen, den wir nicht aussprechen können, weswegen wir ihn schnell wieder vergessen. Geben wir ihr einen Namen, wie er in Europa oft zu hören ist. Nennen wir sie Svenja.

Svenja entschied sich vor vielen Wochen, ihr Dorf zu verlassen. Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht, denn sie verließ nicht nur die Armut, die dort herrschte, sondern auch ihre Familie und Freunde. Sie verließ all die Menschen, mit denen sie aufgewachsen ist, mit denen sie viel gelacht hat und auch viel geweint. Sie verließ die Welt, in der sie aufgewachsen ist und die sie geprägt hat. Sie verließ den Ort, an dem sie viele Sonnenauf- und Untergänge erlebt hat, an dem sie sooft die Sterne beobachtet und ja, an dem sie auch das erste Mal geküsst hat. Svenja machte sich diese Entscheidung nicht leicht, aber der Hunger, den sie in ihrem Dorf oft erleben musste, stärkte sie. Nein, nicht nur der Hunger, auch die Gewalt, die in ihrem Land herrschte und die auch vor ihrem Dorf keinen Halt machte, half ihr dabei, diese Entscheidung zu treffen. Sie zog also los, um diese andere Welt zu erreichen, von der sie schon soviel gelesen hatte.

Sie machte sich auf den Weg, auf dem Svenja viele andere Menschen kennenlernte. In den Wochen, die sie bis zum Meer brauchte, lernte sie eine alte Frau kennen, bei der sie übernachten durfte. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon eine Woche unterwegs, hatte wenig geschlafen und mehr als einmal musste sie sich vor Männern in Sicherheit bringen, die nichts Gutes von ihr wollten. Nach dieser Woche hatte Svenja schon viel von ihrem Mut verloren. Sie dachte daran, wieder umzukehren, wieder in ihr Dorf zu gehen, zurück zu ihren Freunden und zu ihrer Familie. Scheitern, hatte ihr Vater ihr gesagt, scheitern sei nichts Schlimmes, denn scheitern können nur die Menschen, die etwas gewagt haben. Sie hätte also in ihr Dorf zurückkehren können, ohne das ihr irgendwer Vorwürfe gemacht hätte. Aber Svenja hielt durch und sie traf diese alte Frau, bei der sie übernachten durfte. Und sie blieb dort nicht nur eine Nacht, sie blieb dort fünf Nächte. Sie half der Frau bei ihrer Arbeit. Svenja holte Wasser aus dem Brunnen, der sich in der Nähe der Hüte befand. Sie sammelte die Eier der Hühner ein, die der alten Frau gehörten und sie übernahm viele andere Arbeiten. Im Gegenzug bekam sie Essen, Trinken und eine Schlafstelle. Aber das Wichtigste, was sie bekam, waren die vielen Geschichten, die die alte Frau jeden Abend erzählte. Geschichten, die Svenja wieder neuen Mut gaben und die sie in der anderen Welt, in die sie gerade flüchtete, anderen Menschen erzählen wollte, um diesen Menschen Mut zu machen. Denn, wie sie von der alten Frau erfuhr, es gab auch in dieser Welt Menschen, die Mut brauchten, weil es ihnen nicht so gut ging, weil auch sie in Armut lebten. Als sie weiterzog, wünschte ihr die alte Frau viel Glück. Sie hoffte, dass Svenja sie nicht so schnell vergisst und das sie sich vielleicht noch einmal wiedersehen, auch wenn der alten Frau bewusst war, dass ihr Leben nur noch eine kurze Zeitspanne hatte.

Svenja ging weiter, begegnete auf ihrer Reise einen jungen Mann. Doch, sie verliebte sich in ihn, jedoch war der Wunsch, in die andere Welt zu gelangen, stärker und so ließ sie den jungen Mann, nach einigen Tagen, zurück. Für Liebe hatte sie auch in der Welt hinter dem Meer noch genügend Zeit.

Sie erreicht das Meer, schaffte es auf ein Schiff, das noch 399 andere Menschen nach Europa bringen sollte und sie freute sich darauf, in Europa zu lernen.

Gewiss hätte Svenja es schaffen können. Sie war eine starke Frau, gerade erst 18 Jahre alt. Sie hätte viel zu erzählen gehabt, hätte vielleicht sogar ein Buch schreiben können, mit dem sie vielleicht sogar viel Geld verdient hätte. Aber auf dem offenen Meer kenterte ihr Schiff, war plötzlich nicht mehr da. Svenja war jung, hatte noch genügend Kraft, und wenn Hilfe gekommen wäre, dann wäre sie sicher unter den wenigen Menschen gewesen, die hätten gerettet werden können. Aber die Hilfe kam nicht und irgendwann machte Svenja ihren letzten Atemzug, dann verließ sie die Kraft, dann verlor sie den Mut und dann sank sie auf den Grund des Meeres, zusammen mit ihrem Traum und der Hoffnung und den Geschichten der alten Frau, die sie erzählen wollte. Und vor ihr und nach ihr versanken weitere 399 Träume, sanken auf den Grund des Meeres. Vierhundert versunkene Träume.