Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Wisst ihr, es gibt ja Dinge, die sollte mensch lieber lassen. Dazu gehört zum Beispiel, dass ihr euch, wenn ihr in einem Seminar ein negatives Beispiel für irgendwas braucht, keinen Menschen nehmen solltet, der zufällig in den Raum kommen könnte. Es kommt nämlich überhaupt nicht gut, wenn dann erst einmal Stille ist und dann vom Vorträger die Bemerkung kommt, dass das jetzt gerade kein passendes Beispiel ist.

Und jetzt zum abschreiben: Ist etwas unpassend, wenn die Person plötzlich im Raum ist, dann ist es auch unpassend, wenn die Person nicht im Raum ist!

Ich verstehe durchaus, dass es in einem Seminar Beispiele geben muss, damit etwas greifbarer wird. Allerdings sind diese Beispiele dann entweder passend, dann kann sie auch die Person hören, die als Beispiel herhalten muss, oder sie sind unpassend, dann sind sie es aber generell und sollten nicht genutzt werden. Wenn plötzlich Stille entsteht, dann weiß die Person, die den Vortrag hält, ganz genau, dass ihr Beispiel die Person, die als Beispiel herhalten muss, verletzen könnte. Und wenn dem so ist, dann sollte sich die Person, die den Vortrag hält, eine fiktive Person erdenken. Diese kann sie nämlich nicht verletzen, denn sie existiert nicht.

Ich musste das kurz einmal für all die aufschreiben, die denken, dass ein Vortrag oder ein Seminar besonders lustig wird, wenn eine abwesende, aber real existierende Person, zum negativen Beispiel gemacht wird. Ein solches Beispiel ist nur dann passend, wenn es ebenso gebracht werden würde, wenn die Person im Raum ist und wenn es nichts ist, was die Person verletzen könnte.

So, und jetzt macht dort weiter, wobei ich euch gerade gestört habe.

Ich habe euch schon lange nicht mehr mit meinem Studium genervt. Gut, es gab einfach nichts zu schreiben, da ich mich nicht wirklich mit dem Studium beschäftigt habe. Warum? Nun, zum einen musste ich im letzten Jahr (2016) erst einmal schauen, dass ich genügend Geld verdiene. Ich glaube, ich habe schon öfter erwähnt, dass es sich mit einer schwierigen Finanzsituation eher schlecht studieren lässt. Nachdem das geklärt war, kam leider der Selbstmord von meinem Neffen, wodurch ich im Oktober dann doch ziemlich aus der Bahn geworfen wurde.

Jetzt gilt es aber, endlich in die Zukunft zu schauen. Finanziell muss ich mir erst einmal keine Sorgen machen, sodass ich mich jetzt mit den Planungen für das nächste Semester auseinandersetzen kann. Ja klar, ich habe wieder eine Menge Zeit verschenkt, aber das ist egal, denn in der Zeit ist auch die Motivation heimgekehrt, die Motivation dazu, dieses Studium erfolgreich zu beenden. Ob ich das jetzt mit 35 mache oder mit 36, ich glaube der Zeitplan ist egal. Ich habe derzeit wieder Spaß daran, mich mit Informatik und Wirtschaft zu beschäftigen, also die beiden Themen, die mein Studium berührt und ich glaube, mit diesem Schwung kann ich das Studium jetzt “Neustarten”.

Das Studium erinnert mich aber auch immer an meinen Neffen. Er studierte Verwaltungsinformatik und er war verdammt gut darin. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Eigentlich wollte ich nur kurz anmerken, dass ich euch jetzt wieder öfter mit meinem Studium nerven werde, stellt euch also schon einmal darauf ein.

2016 ist jetzt also gegangen. Die Zeit der Jahresrückblicke ist gekommen, bzw. sie ist eigentlich schon fast wieder vorbei. Normalerweise schreibe ich auch immer einen. Ich schreibe über die Laufkilometer, die ich im Jahr zurück gelegt haben, über die Ziele, die ich erreicht habe und über die, die ich nicht erreicht habe. Ich schaue auf das kommende Jahr, auf die nächsten Ziele, die es zu erreichen gilt und auf mein Studium. Normalerweise!

2016 ist aber kein normales Jahr. 2016 hat mir meinen Neffen genommen, auch wenn mein Neffe sich diesen Weg selbst ausgesucht hat. Die letzten Monate, also Oktober, November und Dezember, waren seltsam. Irgendwie vergingen sie, irgendwie schaffte ich es mich abzulenken, andere Dinge zu tun. Mit der Arbeit zum Beispiel. Nein, ich habe keine Höchstleistungen bringen können, ich saß ziemlich oft im Büro und musste mit den Tränen kämpfen, musste schauen, dass zumindest das Nötigste klappte. Sicherlich hätte ich mich zurück ziehen können, aber wen hätte das was gebracht?

Das Jahr 2016 hatte auch positive Aspekte. Nur ich kann sie nicht aufschreiben, weil eben dieses eine Ereignis alles überschattet, weil es das Jahr kaputt gemacht hat. Es ist dieser einer Anruf, an den ich mich auch in zehn Jahren noch erinnern kann, dieser eine Moment, der alles anders gemacht hat. Alles andere ist zwar auch irgendwie da, aber es ist nicht greifbar, so wie auch die letzten Monate des Jahres nicht greifbar sind.

Jetzt ist 2016 vorbei und ich muss mich erst einmal sammeln. Ich muss mich wieder konzentrieren, meine Leistung wieder abrufen. Nein, es wird nicht von jetzt auf gleich gehen. Veränderungen sind kein harter Schnitt, sie sind fließend. Einen Verlust kann keiner einfach am 31.12 um 23:59 Uhr verdauen, aber wenn ich wirklich einen erfolgreichen Weg mit meinem derzeitigen Auftraggeber gehen will, dann muss ich jetzt wieder besser werden, konzentrierter und auch motivierter.

Das Jahr 2017 wartet auf mich und ich hoffe, dass es keine bösen Überraschungen bereithält. Auf ein erfolgreiches Jahr 2017 für uns alle.

Mehr Überwachung, mehr Kontrollen, mehr Abschottung, dies sind die Schlagworte, über die gerade in den Medien diskutiert wird. Über die immer diskutiert wird, wenn irgendwo in Europa etwas passiert. Warum diskutieren wir aber nicht mal über Waffenexporte, Armut, Ausbeutung von Rohstoffen durch westliche Firmen und Angst? Warum diskutieren wir nicht über die Perspektivlosigkeit, die dazu führt, dass Menschen ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Familie bei Terrororganisationen suchen? Warum reden wir nicht über den rechten Terror hier in Deutschland? Über die brennenden Unterkünfte, die für geflüchtete Menschen gedacht waren? Über Übergriffe, die eben auch dazu führen, dass die Menschen, die schon hier in Deutschland sind, sich auch noch in die Fänge von Terrororganisationen begeben?

Darüber schweigen wir lieber, weil wir uns dann eingestehen müssten, dass wir den Terror, der jetzt zurück kommt, selbst exportiert haben. Es ist leichter gegen geflüchtete Menschen zu hetzen, da dadurch die Mitschuld an dem, was in der Welt passiert, was somit zwangsläufig auch bei uns passiert, nicht sichtbar wird.

Damit werden wir den Terror auf dieser Welt aber nicht besiegen können. Wir können ihn nur besiegen, wenn wir statt Waffen Menschlichkeit exportieren. Wir, also der Teil der Welt, der in Wohlstand lebt, müssen dafür sorgen, dass kein Mensch mehr hungern muss. Wir müssen Solidarität leben und nicht Ausbeutung. Wir müssen verhindern, dass Menschen wegen Rohstoffen vertrieben werden. Enteignet, damit wenige Menschen noch mehr Profit erwirtschaften und noch mehr Geld anhäufen können.

Mehr Überwachung, mehr Kontrolle, mehr Abschottung wird den Terror nicht besiegen, genauso wenig wie Bomben und Kriege – die gegen den Terror helfen sollen – das schaffen werden.

Die ganzen Terrororganisationen profitieren von unserem System. Sie zahlen Sold an Menschen, die sonst keine Möglichkeit hätten, ihre Familie zu ernähren. Und jetzt muss sich jeder von uns Fragen: Was würde ich tun, um meine Familie zu ernähren? Terror oder Hunger? Vielleicht sterben oder ganz bestimmt sterben?

Wir könnten das ändern! Wir könnten den Hunger besiegen und somit verhindern, dass sich Menschen dazu entscheiden, zu Terrororganisationen zu gehen. Ganz bestimmt ist dadurch die Terrororganisation noch nicht gestoppt, da es den Anführern nicht ums Geld geht. Denen geht es um Macht! Gestoppt wäre aber der Zulauf von verzweifelten Menschen, die das nicht aus Überzeugung machen sondern aus Verzweiflung. Und damit wäre schon viel erreicht, denn dadurch wären die vielen Selbstmordattentäter schon einmal weg. Denn die Anführer wollen, wie oben schon erwähnt, Macht und nicht selbst sterben.

Lasst uns doch also einmal darüber diskutieren, wie wir Menschlichkeit exportieren können. Lasst uns darüber reden, wie wir eine solidarische Weltgemeinschaft werden, die nicht aus Neid, Missgunst, Hunger und Angst besteht. Erst wenn wir darüber sprechen, erst dann beginnen wir wirklich mit dem Kampf gegen den Terror.

„Nicht alle AfD-Wähler sind Nazis.“ Diesen Satz höre ich immer wieder und ja, er wird wahrscheinlich auch tatsächlich auf einige AfD-Wähler zutreffen, aber was ist, wenn die AfD aufgrund solcher Protestwähler an die Macht kommt?

Genau, auch diese Protestwähler haben dann dazu beigetragen, tragen also dieselbe Mitschuld und dann ist es doch total egal, ob sie Nazis sind oder eben nicht. Was die AfD dann mit ihrer Macht macht, das haben diese Menschen dann genauso zu verantworten, auch wenn sie es „gar nicht wollten“. Dieser Fakt muss einfach ins Bewusstsein der „Protestwähler“, denn wenn sie wirklich nicht wollen, was die AfD will, dann sollten sie auch nicht aus Protest diese Partei wählen. Und wählen sie die Partei doch, dann müssen sie eben auch damit Leben, dass sie in die rechte Ecke geschoben werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wollte ja auch keiner Schuld gewesen sein! Ob es damals auch alles nur „Protestwähler“ waren, die von der Arisierung von jüdischem Vermögen profitiert haben?

“Hmmm … das ist natürlich Doof!”, dachte ich mir eben, als mir ein Gast der Lounge erzählte, dass er keine Milch verträgt. Das ich bisher nicht selbst auf den Gedanken gekommen bin, dass ich in der Lounge mal einen Gast haben könnte, der auf irgendwas allergisch ist, ist natürlich auch Doof. Dadurch bin ich nämlich überhaupt nicht vorbereitet, habe nicht einmal einen Notfallplan in der Hand, um jetzt schnell etwas für diesen Gast tun zu können, und das ist deswegen Doof, weil ich natürlich möchte, dass sich jeder Gast in der Lounge wohlfühlt.

Ich habe jetzt Süßigkeiten hier, in denen überall Milch drin ist. Sowohl in den Keksen wie auch in den Schokoladenriegeln ist Milch und in der Kaufhalle, in der ich eben war, hatten sie keine Süßigkeiten, die für Menschen mit Laktoseintoleranz geeignet gewesen wären. Das ist natürlich auch Doof. Alles Doof irgendwie.

Allerdings, auch wenn es alles Doof ist, besteht dadurch auch die Chance jetzt etwas zu ändern. Wir müssen schon bei der Organisation der Veranstaltungen die Möglichkeit bieten, uns über Allergien der Gäste zu informieren. Wir haben ja bereits eine Wunschliste, und diese kann natürlich um diesen Punkt erweitert werden. Ob mir dann auch alle relevanten Allergien mitgeteilt werden, ist dann natürlich nicht sicher, aber es gibt eben auch Dinge, die ich selbst nicht beeinflussen kann. Die anderen, an denen ich was machen kann, sollte ich aber angehen, denn eine Allergie darf nicht dazu führen, dass ein Gast sich nicht wohl fühlt bei uns in der Lounge. Eine Allergie soll nicht zu einer Art Ausgrenzung führen, denn auch das wäre total Doof.

Es ist November geworden. Ich weiß gar nicht, wo die Zeit schon wieder hin ist. Der Oktober ging schneller, als er gekommen ist, er verflog, konnte aber nicht die Trauer mitnehmen, die er mitgebracht hat. Er hat sie hier gelassen und ist selbst so schnell wie möglich wieder gegangen. Er weiß schon warum!

Es ist November geworden. Die Blätter fallen schon seit einigen Wochen von den Bäumen. Das Grün verschwindet langsam, hinterlässt eine unwirkliche Welt. Grau ist die Welt noch nicht, dass verhindern die bunten Blätter gekonnt, die derzeit auf den Wegen und Wiesen liegen. Sie können aber nicht hinweg täuschen über die Kälte, die der Oktober mitgebracht hat, sie können den Verlust nicht überdecken und sie wissen, dass dieser Verlust, den sie nicht verdecken können, ein Verlust für immer ist.

Die Blätter selbst sind der Beginn für etwas Neues. Sie werden dem Baum, von dem sie gefallen sind, Nahrung liefern, damit dieser im nächsten Jahr wieder neue Blätter bekommt. Sie wissen, dass das kein Abschied für immer ist. Es ist nur ein Neubeginn. Kann auch mein Verlust ein Neubeginn sein? Kann er etwas verändern, hat er etwas positives? Oder wird es ein Verlust werden, der noch viel mehr Zerstörungskraft hat, der nichts Neues hervorbringt, der nur noch mehr Verlust mit sich bringt, noch mehr Narben?

Derzeit ist er ein Sturm, er bringt so viel Bewegung und mit der Bewegung auch soviel Reibung. Die Bewegungen, die der Sturm bringt, sind mir zu schnell, sie lassen mich an Grenzen stoßen. Dann doch lieber aussteigen, kurz innehalten, sich nicht vom Sturm mitnehmen lassen. Ruhe, sich besinnen, sich ordnen. Es ist derzeit nichts so, wie es vorher war, es kann gar nicht so sein und ich will auch gar nicht so tun, als ob es so sein könnte. Ich kann aber auch nicht so tun, als ob jetzt alles anders ist, es nicht mehr so ist, wie es vorher war, mich dem Sturm ergeben und so tun, als ob jetzt alles besser ist. Ist es nicht, kann es nicht sein.

Der Oktober mag vorbei sein, seine Erinnerungen lässt er aber hier, genauso den Verlust, den er mitgebracht hat. Der November kann nichts dafür, vielleicht bringt er aber Besinnung mit. Besinnung, die dabei hilft, alles neu zu Ordnen, alles wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, wenn der Sturm weg ist. Erst wenn er weg ist, kann ich wieder einsteigen in das Spiel, erst dann habe ich die Kraft, eine neue Ordnung zu finden. Derzeit sitze ich eher auf einem Stein und beobachte den Sturm, schaue, was er durcheinander bringt, ohne die Kraft zu haben, ihn daran zu hindern.

Es ist nicht einfach zu akzeptieren, dass mein Neffe jetzt einfach weg ist. Auch wenn er jetzt Beerdigt wurde, wenn es endgültig ist, ist es nicht einfach. Wie schön wäre es doch, wenn die Zeit zurückgedreht werden könnte. Einfach zurück zu dem Moment, wo er seine Wohnung verlässt. Ihm einfach die Hand auf die Schulter legen, ihn festhalten, ihn einfach ganz fest drücken, ihm sagen, dass er nicht allein ist, ihn einfach mitnehmen und das Seil einfach wegwerfen.

Verdammt wäre das schön, aber was wäre dann? Was würde das kosten? Wie würde es sich auf die Zukunft auswirken? Würde es ihn wirklich retten? Oder würde es einfach nur den Zeitpunkt verschieben, an dem wir ihn dann doch verlieren?

Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, wir müssen mit dem Leben leben, welches wir haben und irgendwie ist das ja auch okay so. Schmerz gehört zum Leben dazu, und wie zufrieden wären wir mit dem Leben, dass wir uns nach unseren Vorstellungen zusammengebaut haben, mit dem Wissen, was wir falsch gemacht haben? Würden wir nicht bei jedem Versuch Fehler machen, würde es nicht bei jedem Versuch Momente geben, die wir ändern wollen? Würden wir aus dem ändern dann überhaupt noch heraus kommen? Wahrscheinlich nicht! Deswegen ist das Akzeptieren wohl besser, auch wenn es schwerer ist. All die Momente, all die Fehler, all die Verluste und Gewinne, die Tränen und das Lachen, all das, was wir erlebt haben, macht uns doch erst zu dem, was wir sind. Würden wir daran was ändern, wären wir ganz wer anderes, nicht mehr wir, wollen wir das wirklich?

Es ist nicht einfach zu akzeptieren, aber es gehört zum Leben. Ich werde noch mehr Menschen verlieren, die ich Liebe. Es wird immer wieder wehtun, jedes Mal werde ich mir wünschen, dass ich es ändern kann, aber jedes Mal werde ich mir dann auch sagen, dass das nicht gut wäre, weil ich nun einmal das bin, was ich Erlebt und Gefühlt habe und nicht das, was ich mir irgendwie zusammenbaue.

Es ist jetzt zwei Wochen her! Zwei Wochen, in denen ich mich mit Arbeit ablenke, um mir nicht andauernd dieselben Fragen zu stellen. Mein Körper merkt das natürlich, mir ist das bewusst. Mir ist bewusst, dass meine Rückenschmerzen ein Signal sind, aber ich muss noch durchhalten, ich muss mich noch bis Dienstag ablenken.

Am Mittwoch heißt es dann Abschied nehmen. Abschied von einem Menschen, der 21 Jahre lang Teil meines Lebens war. Nicht durchgehend, ist klar, aber er war mein Neffe. Nein, er ist mein Neffe, tief im Herzen wird er weiterleben, wird er bei uns bleiben, auch wenn ich ihn am Mittwoch ein letztes Mal sehen werde. Zumindest hier auf der Erde, denn auch wenn ich nicht daran Glaube, ausschließen, dass es nach dem Leben doch noch etwas gibt, können wir alle nicht.

Das Leben geht weiter!

Die Welt dreht sich weiter! Ich habe es jetzt zwei Wochen erleben dürfen. Zwei Wochen, in denen ich viel geweint habe. In denen ich aber auch gelacht hab, in denen ich weiter gearbeitet habe, in denen ich weiter in Büchern gelesen habe. Die Zeit bleibt nicht stehen, die Erde hört nicht auf sich zu drehen. Ich weiß, dass sind Banalitäten die jeder kennt, die nie irgendwer angezweifelt hat, aber sie werden einem noch einmal bewusster, wenn ein geliebter Mensch viel zu früh geht.

Zumindest hat aber in den letzten beiden Wochen das Wetter gestimmt. Grau und regnerisch. Natürlich kam auch mal die Sonne durch, so wie ich gelacht habe, hat auch der Himmel ab und an mal gelacht. Ich hoffe, dass er auch am Mittwoch lacht. Lacht, weil er jetzt eine wundervolle Seele mehr hat. Eine Seele, die ihm sehr viel Freude bringen wird, eine Seele, die sich selbst befreit hat, befreit von der Verzweiflung und Einsamkeit. Dort, wo sie jetzt ist, wenn es sie denn gibt, wird sie sicher fröhlich sein, auch wenn wir hier alle traurig darüber sind, dass sie gegangen ist.

Zwei Wochen ist es jetzt her, und doch noch immer nicht greifbar. Zwei Wochen, in denen ich mich mit Arbeit abgelenkt habe, um mir nicht andauernd dieselben Fragen zu stellen …

Abschied von Eric

Mein Dank für das Bild geht an @antiglitzerfee

Aktuell ist es ja so: Um zu verdrängen was passiert ist, will mein Gehirn irgendwelche Verschwörungstheorien erfinden. Es fragt mich – obwohl mein Gehirn und Ich ja eins sind – ob das wirklich freiwillig war, oder ob da nicht jemand Druck ausgeübt hat, damit mein Neffe diesen Weg geht. Ich weiß, dass ist total blöd, aber es ist halt so: Wenn ich wüsste, dass das nicht freiwillig war, würden die Fragen verschwinden und ich hätte eine Person, die ich Hassen könnte. Es wäre einfacher, auch wenn die Trauer natürlich dieselbe wäre.

Es ist leider nicht so, auch wenn mein Verstand gerne wollte, dass es so ist. Es gibt niemanden, den ich dafür Verantwortlich machen kann und das ist so verdammt schwer.

Eine andere Verschwörungstheorie von meinem Gehirn ist ja, dass das alles gar nicht stimmt, das es nur ein übler Scherz ist. Ich wäre so dankbar, wenn es nur ein Scherz wäre. Natürlich ein scheiß Scherz, aber der Mensch wäre wenigstens noch da. Aber es ist natürlich kein übler Scherz! Niemand würde auf die Idee kommen, so einen Scherz zu machen. Aber wirklich glauben wird mein Verstand das wohl erst, wenn ich Abschied nehmen konnte, wenn ich meinen Neffen gesehen habe.

Nur dann wird es auch endgültig, dann kann ich mich nicht mehr hinter solchen Dingen verstecken. Ich glaube, dass das noch einmal verdammt hart wird, wenn ich dann wirklich Abschied nehmen muss, für immer. Das wird noch einmal ein zweiter Schlag ins Genick werden, das wird die Fassung, die ich langsam wieder zurück gewinne, wieder zum verschwinden bringen. Damit muss ich Leben, denn nicht hingehen, keinen Abschied zu nehmen, wäre falsch, auch wenn es schwer ist, auch wenn es endgültig ist.