Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Abendhimmel

Gerade läuft eine Blogparade zum Thema „Was, wenn morgen mein (dein) letzter Tag wäre?“. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass Menschen sich Gedanken darüber machen, wie sie ihren letzten Tag verbringen wollen. Ich glaube, es ist auch ein Anzeichen dafür, dass viele Menschen mit ihrem Leben unzufrieden sind, weswegen sie sich den letzten Tag vorstellen, da sie an diesem Tag nicht mehr wirklich etwas zu verlieren haben.

Aus Grenzen ausbrechen

 

Der letzte Tag ist dabei meist ein Ausbrechen aus Grenzen, die wir Menschen uns selbst auferlegen. So wollen viele Menschen am letzten Tag ihres Lebens nicht mehr zur Arbeit gehen. Verständlich, denn für viele Menschen ist die Arbeit nicht sinnstiftend. Sie ist ein Übel, damit das Überleben finanziert werden kann. Arbeit soll das Einkommen bringen, mit dem sich die Menschen dann ihre Träume finanzieren können. Nur meist bleibt dann gar nicht mehr die Zeit, um die eigenen Träume zu leben. Deswegen ist für mich nicht verwunderlich, dass viele an ihrem letzten Tag nicht mehr arbeiten wollen.

Das Problem ist nur, dass der letzte Tag auch nur 24 Stunden hat, weswegen der letzte Tag überhaupt nicht reicht, um all die Träume zu leben, die vorher aufgeschoben wurden. Ein weiteres Problem ist, dass das Geld fehlt, um all die Dinge umzusetzen, die wir am letzten Tag gerne machen würden. Natürlich ist es möglich, sich einfach zu verschulden. Da es der letzte Tag ist, wäre das nicht wirklich schlimm, da der Zeitpunkt der Rückzahlung nicht mehr erlebt wird, aber sich zu verschulden ist meist auch nicht so einfach, schon gar nicht, wenn es der letzte Tag des Lebens ist.

Aber warum lassen wir uns diese Grenzen setzen? Warum entfalten wir uns nicht jeden Tag, warum lassen wir uns durch Geld einengen und überwinden diese Grenzen nicht einfach? Natürlich müssten wir dann immer noch Arbeiten, aber wenn diese Arbeit, unabhängig von Profiten, auf alle Menschen verteilt wird, dann ist es nur noch ein geringer Teil unseres Lebens. Der weitaus größere Teil würde uns dann zur persönlichen Entfaltung zur Verfügung stehen, auch wenn die Vorstellung wohl erst einmal erschreckt, denn zu viel Freizeit kann auch schnell langweilig werden. Wenn wir dann aber weiter denken, dann fällt uns auf, dass wir uns dann nicht mehr überlegen müssten, was wir tun, wenn morgen unser letzter Tag wäre, sondern wir könnten jeden Tag bewusst so Leben, wie wir es für richtig halten.

Doch warum schreibe ich das jetzt alles? Nun, weil die Vorstellung, dass wir den letzten Tag auf dieser Welt zu etwas Besonderen machen könnten, für mich komisch ist. Wenn ich nur den letzten Tag so leben würde, wie ich es für richtig halte, hätte ich gar keine Zeit mehr, um mich an diesen Tag zu erinnern. Ich wäre ja am nächsten Tag nicht mehr am Leben, weswegen es irgendwie sinnlos wäre.

Am letzten Tag meines Lebens möchte ich auf mein Leben zurückblicken. Ich möchte in Erinnerungen schwelgen, will über Dinge lachen, die ich erlebt habe, will vielleicht auch über Erinnerungen weinen. Am letzten Tag möchte ich nicht mehr aktiv etwas erleben, am letzten Tag will ich von meinem Leben etwas erzählen können, will mit anderen Menschen zusammen sein, mich verabschieden, mir Fotos ansehen. Ich möchte am letzten Tag meinen Träumen nicht hinterher hetzen, will nicht noch schnell all das Erleben, was ich in den Jahrzehnten davor verpasst habe. Ich will zurückblicken und sagen können, dass all das, was ich gemacht habe, okay war, nicht perfekt, aber doch so, dass ich damit zufrieden sein kann.

Wenn ich am letzten Tag unzufrieden bin, wenn ich am letzten Tag nicht sagen kann, dass mein Leben ausgefüllt war, dann habe ich etwas falsch gemacht. Nein, ich werde nicht all meine Träume gelebt haben, da bin ich mir sicher, aber ich werde all die Träume gelebt haben, die in mein Leben gepasst haben.
Wenn morgen also mein letzter Tag wäre, würde ich nichts Neues mehr tun. Ich würde mich von all den Menschen verabschieden, die mein Leben bereichert haben. Ich würde mit ihnen in Erinnerung schwelgen, würde mit ihnen Lachen, mit ihnen Weinen und am Ende würde ich, so hoffe ich zumindest, mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen.

Ja doch, ich weiß, der letzte Wochenrückblick ist schon wieder zwei Wochen her, aber was soll’s? Gibt es jetzt halt wieder einen Rückblick für zwei Wochen. Diese Woche habe ich auch wieder ein Foto von meiner Tomatenpflanze für euch, das folgt hier jetzt auch sofort ;).

Tomatenpflanze

Arbeiten

 

Nachdem es am Anfang nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, ist es in den letzten beiden Wochen doch noch besser geworden. Es wird zwar knapp werden, aber das Geld sollte reichen, um alle Kosten zu decken, die am Anfang des Monats anfallen. Für den nächsten Monat sieht es noch sehr viel besser aus, jedenfalls bis jetzt, habe nämlich schon die Termine für den halben Monat. Es geht also bergauf ;).

Studium

 

Habt ihr schon einmal gelesen, dass sich ein Student darüber ärgert, dass er eine Klausur bestanden hat? Nö? Dann lest ihr es hier zum ersten Mal. Ja, ich ärgere mich darüber, dass ich eine Klausur bestanden habe. Als ich das Ergebnis bekam, war ich leicht geschockt, denn ich hatte mich bei dieser Klausur mit der Zeit verspekuliert, weswegen ich eine Aufgabe überhaupt nicht bearbeiten konnte – und das waren ungefähr 40 Punkte von 100. Da die Klausur aber generell sehr einfach war, hätte ich sie gerne noch ein zweites Mal geschrieben, da in dieser Klausur locker eine Zwei drin gewesen wäre, mit etwas Anstrengung sogar eine Eins. Jetzt habe ich die mit 51,5 Prozent bestanden, weswegen ich mit einer Vier leben muss. Das Problem ist nämlich, dass bestandene Klausuren nicht wiederholt werden dürfen.

Ansonsten wird das Semester jetzt mehr ein Urlaubssemester. Ich werde zwar ein paar Klausuren schreiben, aber ich bin derzeit mehr mit dem Geld verdienen zugange, wie oben schon unter Arbeit nachzulesen ist, aber das ist nicht so schlimm, denn lieber ein Semester mehr, als ganz aufhören müssen, oder?

Pflanzen

 

Oben habt ihr ja schon die Tomatenpflanze gesehen. Sie ist wunderschön groß geworden, womit ich schon fast nicht mehr gerechnet hätte. Aber okay, eine Tomatenpflanze ist besser als keine Tomatenpflanze und die ersten Blüten sind auch schon dran.
Auch die Mangopflanze wächst vor sich hin. Also zumindest bekommt sie mehrere neue Blätter. Wirklich größer geworden ist sie noch nicht, aber so ein Baum braucht wahrscheinlich auch länger, um wirklich groß zu werden. Gehe ich jetzt zumindest von aus, denn wirklich auskennen tue ich mich mit Mangopflanzen nicht.

Sport

 

Ich merke gerade, dass ich beim letzten Wochenrückblick gar nicht auf den Sport eingegangen bin. Nun, viel verpasst habt ihr nicht. Ich bin diesen Monat mehr Fahrrad gefahren als gelaufen. Irgendwie bin ich derzeit nicht wirklich in Laufstimmung, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich mir derzeit keine neuen Laufschuhe leisten kann und meine Laufschuhe so langsam am Ende sind. Aber mal sehen, auch Fahrradfahren ist ja was Schönes ;).

In Zahlen: Ich bin in diesem Monat bisher 41,78 Kilometer gelaufen und 177,4 Kilometer mit dem Rad gefahren. Mal sehen, was nächste Woche noch so dazu kommt.

Sonstiges

 

Tja, sonst war da die SPD mit ihrem Tarifeinheitsgesetz. Zum Kotzen sage ich! Die Partei, die aus der Arbeiterbewegung geboren wurde, ist inzwischen zu einer reinen Wirtschaftspartei verkommen. Eigentlich braucht sie keiner mehr, denn wer unsoziale Politik möchte, der kann auch CDU/CSU wählen.

Gestern stöberte ich ein wenig durch meine alten Blogartikel und musste mit erschrecken feststellen, dass ich radikaler geworden bin in meinen Ansichten. Zum Beispiel: 2011 war ich noch generell gegen Gewalt an Gegenständen. Damals wurde hier am Ostkreuz ein Kabelstrang der S-Bahn in Brand gesteckt, was natürlich zu Zugausfällen und anderen Störungen geführt hatte. Jetzt schreiben wir das Jahr 2015, und diese generelle Ablehnung ist gewichen. Ich lehne Gewalt gegen Gegenstände nicht mehr ab, im Gegenteil, ich sehe sie inzwischen als legitime Aktionsform, um politische Forderungen zu untermauern. Sicher ändern sich Ansichten über die Jahre, aber ich war gestern schon ein wenig geschockt, als mir das aufgefallen ist.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch das Bloggen dafür mitverantwortlich ist. Nein, das Bloggen hat mich nicht direkt radikaler gemacht, aber indirekt schon. Durch das Bloggen habe ich in den letzten Jahren meine Gedanken ausformuliert, habe sie aufgeschrieben, habe mir weitere Gedanken darüber gemacht, habe sie reflektiert und verworfen. Dadurch hat sich meine Art zu Denken weiterentwickelt, habe ich neue Argumente gefunden, bin zu neuen Einsichten gekommen, die ich ohne das Bloggen wahrscheinlich nicht erlangt hätte. Und ja, Bloggen ist auch eine Abbildung der Gesellschaft, worauf ich gestern auf Twitter hingewiesen wurde.

Aber es ist nicht nur das Bloggen, sondern auch das Kommentieren, das mich in den letzten Jahren viele Nerven gekostet hat. Es hat aber nicht nur Nerven gekostet, es hat auch neue Erkenntnisse gebracht, hat mich dazu gebracht, meine Standpunkte und Meinungen zu verteidigen, sie zu verwerfen, wenn sie falsch waren oder die Argumente zu verbessern, wenn ich der Überzeugung war, dass sie richtig sind. Ich habe dabei wohl auch verlernt Kompromisse einzugehen, zumindest dann, wenn diese Kompromisse an meinen Grundwerten rütteln würden. Dadurch habe ich viele Blogger und auch Twitterer verjagt, aber am Ende ist das wohl der einzige Weg, der sich richtig anfühlt.

Ich bin radikaler geworden in den letzten Jahren, aber ich bin auch sicherer geworden. Meine Meinung ist sicherer geworden, meine Argumentation auch. Ich lasse mich nicht mehr so leicht aus dem Konzept bringen, eben weil ich meine Gedanken meist schon ausformuliert habe. Ich weiß, wo ich stehe, ich weiß, wo ich die Gesellschaft sehe und ich weiß, was mir an dieser Gesellschaft überhaupt nicht gefällt. Und genau das ist auch der Grund, warum ich Sabotage – so hieß übrigens auch ein Buch, welches ich gelesen habe – inzwischen durchaus als legitimes Mittel ansehe, um politische Meinungen zu untermauern.

Das Problem daran ist nur, dass ich dadurch auch die Gewalt an Gegenstände legitimiere, die mir überhaupt nicht gefällt. Eben weil diese Gewalt auch eine politische Meinung untermauern soll. Sie soll aber gleichzeitig auch geflüchtete Menschen davon abhalten, an einem friedlichen und geschützten Ort eine Unterkunft zu bekommen. Sie soll eine politische Forderung untermauern und gleichzeitig soll sie Menschen abschrecken. Und nein, diese Art von Gewalt an Gegenständen will ich nicht legitimieren.

Vor ein paar Jahren argumentierte ich noch genau mit diesem Argument gegen diese Art von Gewalt. Denn die Mittel, die ich als legitim für meine Ziele ansehe, muss ich gleichzeitig auch als legitime Mittel für die Ziele der anderen, der politischen Gegner, ansehen. Aber genau das will ich nicht und genau deswegen bin ich über mich selbst derzeit ein wenig schockiert.

Wuhuhuhu, schon drei Wochen keinen Wochenrückblick geschrieben. Das kann so natürlich nicht weitergehen, also wollen wir diese flaute mal wieder beenden, auch wenn ich gar nicht weiß, warum ich jetzt drei Wochen lang keinen Rückblick geschrieben habe. Ich müsste der Sache mal auf den Grund gehen, aber okay, vielleicht gab es irgendwas Wichtiges ;).

Arbeitnehmerrechte

Studium

 

Ich wage es kaum zu sagen, aber ich habe schon wieder so eine nervige Baustelle vor der Tür. Seit 2008 scheine ich durchgängig eine Baustelle vor dem Haus zu haben und ich kann euch sagen, es ist nervig. Nervig auch im Bezug auf das Lernen, denn das ist verdammt schwer, weswegen ich mich jetzt schon wieder darüber ärgere, mein Studium an der Fernuni zu machen. Und daran ist nicht die Fernuni schuld…

Ja, ich bin genervt und ich werde das Wichtigste dann jetzt wieder auf das Wintersemester verschieben und in diesem Semester endlich mal die Klausuren schreiben, die ich jetzt schon ein paar Semester vor mich herschiebe. Natürlich weiß ich, dass ich damit schon wieder etwas aufschiebe, aber ich brauche langsam ein paar vernünftige Noten und das ist nicht möglich, wenn ich hier wieder eine Baustelle vor der Tür habe.

Arbeit

 

Ich muss zugeben, ich war beim letzten Mal etwas zu optimistisch. Um meine Kosten zu decken, müsste ich, bei einem Stundenlohn von 8,50 Euro, um die 70 Stunden im Monat arbeiten. Wir haben heute den 10ten und bisher habe ich nur 3,5 Stunden. Ich muss also dringend noch etwas finden, wo ich zusätzlich Geld verdienen kann. Gelingt mir das nicht, wird dieser Blog hier wohl offline gehen. Aber ich hoffe natürlich, dass es nicht so weit kommt.

Nachtrag: Wenn der Blog offline geht, heißt das noch lange nicht, das ihr mich auch los seid. Denkt gar nicht erst darüber nach, ich habe ja auch bei Medium ein Profil und bei anderen Seiten auch 😉 – also nicht, dass ihr denkt, dass ich mich aus dem Staub mache ;).

Pflanzen

 

Meine Mangopflanze wächst weiterhin schön. Inzwischen bildet sie auch viele Wurzeln aus, sodass ich sie bald umpflanzen kann. Ich bin gespannt, wie groß die wohl wird.
Von meinen Tomatenpflanzen hat ja leider nur eine überlebt, diese ist aber wirklich schön groß geworden und inzwischen sind auch die ersten Blüten zu erkennen, sodass ich zuversichtlich bin, dass das wieder viele Tomaten gibt. Drei Pflanzen wären zwar schöner gewesen, aber hey, zumindest eine hat es geschafft.

Sonstiges

 

Ansonsten war diese Woche die GDL natürlich mein Top-Thema. Ich bleibe dabei, Streik ist ein Grundrecht und die GDL hat das Recht, dieses Grundrecht zu nutzen, um die Tarifpluralität durchzusetzen, die seit 2010 in Deutschland gilt. Wer meint, dass die Bahn zu wichtig ist, hätte sie nicht Teilprivatisieren, und er den Lokführern nicht den Beamtenstatus nehmen dürfen. Ansonsten hat die DB, weil die paar kleinen Wettbewerber nicht wirklich wichtig sind, ein Monopol, weswegen die Kunden natürlich dreimal so Hart getroffen von einem Streik getroffen sind. Aber auch daran ist die GDL nicht schuld, sondern die Politik, die dieses Monopol unbedingt privatisieren wollte. Wer also etwas dagegen hat, dass die Lokführer streiken, muss dafür sorgen, dass die ihren Beamtenstatus wiederbekommen. Den Lokführern aber erst den Beamtenstatus zu nehmen und ihnen dann auch noch das Streikrecht verweigern zu wollen – denn etwas anderes ist das Tarifeinheitsgesetz nicht – ist nicht hinnehmbar.

„Schreib doch einfach“, sagt sie, „lass dich nicht ablenken von dem, was ich hier tue.“ Nicht ablenken, sie hat leicht reden. Wie soll ich mich nicht ablenken lassen, wenn ich gerade nach allem suche, was mich vom Schreiben ablenkt? Hätte ich den Fokus gefunden, wäre die Figur, über die ich schreiben will, schon mit mir auf Reisen gegangen, dann hätte ich gar nicht mitbekommen, was sie dort tut, dann hätte sie mir gar nicht sagen müssen, dass ich mich nicht ablenken lassen soll.

Doch die Figur ist noch ziemlich verschwommen. Sie konnte mich noch nicht packen, konnte mich noch nicht aus dem Stuhl ziehen und mich auf die Reise mitnehmen. Noch hampelt sie dort hinten rum, hat bisher nicht einmal einen Namen, lacht mich aus, hat noch keine Zeit für mich. Ich bin mir sicher, dass sie irgendwann ins Licht kommen wird, dass sie mir irgendwann ihren Namen verraten wird und das ich irgendwann all das aufschreiben darf, was sie erlebt.

Wird die Geschichte auf einem Bauernhof stattfinden? Werde ich über Schweine und Kühe schreiben? Kann ich da nicht sogar schon die Hühner hören? Nein, ich kann sie noch nicht hören, ich weiß nicht einmal, ob die Hühner überhaupt dabei sind, ob ich überhaupt über einen Bauernhof schreibe.

Vielleicht führt mich meine Figur ja auch in eine Gaststätte, oder an einem Imbiss. Warum nicht? Sind nicht die verrücktesten Geschichten schon an einem Imbiss entstanden? Der Mann, der gerade seine Bockwurst in den Senf taucht, während er von einem Ball am Kopf getroffen wird und sein Gedächtnis verliert. Ja, okay, von einem Ball verliert wohl niemand sein Gedächtnis und warum eigentlich eine Bockwurst mit Senf? Er könnte ja auch Pommes mit Ketschup essen oder ein Fischbrötchen. Nein, ich glaube, meine Figur wird mich nicht in eine Gaststätte führen, sie wird mit mir auch nicht zu einem Imbiss gehen.

Da kommt sie langsam auf mich zu, langsam werden die Umrisse meiner Figur schärfer. Ich kann noch nicht erkennen, ob es eine Frau oder ob es ein Mann ist, aber sie wird deutlicher. Und doch weiß ich noch nicht, wo mich diese Geschichte hinführen wird. Wird sie mich in eine freundliche Welt führen? Oder ist es eher eine traurige Welt, die mir auf dieser Reise begegnen wird? Wird meine Figur bis zum Ende überleben, wird sie glücklich sein? Oder werde ich sie unterwegs verlieren?

Nun gut, spekulieren hilft nicht. Solange die Figur noch im Nebel steht, solange wird mich alles ablenken. Auch wenn sie sagt, dass ich mich nicht ablenken lassen soll. Ich höre die Vögel draußen, schwebe mit ihnen durch die Lüfte. Sind die Vögel vielleicht heute meine Figur? Nein, die Vögel sind es nicht, auch sie lenken mich nur ab, genauso wie der Baum, der zusammen mit dem Wind tanzt. Oder der Fluss, der langsam vor sich hinrauscht, oder die Biene – ach eigentlich lenkt mich die gesamte Natur ab.

„Hallo“, höre ich es plötzlich von meinem Schreibtisch, „Hallo du, ich bin die Sabrina. Ich habe dich schon die ganze Zeit beobachtet, habe dir dabei zugesehen, wie du die Natur beobachtet hast.“ „Hallo Sabrina,“, sage ich, „wollen wir heute auf eine Reise gehen? Soll ich heute deine Geschichte aufschreiben?“ Sabrina nickt und sagt: „Nicht nur meine Geschichte. Ich werde dir all meine Freunde vorstellen, werde dir zeigen, wo ich wohne und wo ich arbeite. Du wirst heute eine Menge zu tun haben, während du mich durch meine Welt begleitest. Und du wirst mehrere Geschichten hören, die du aufschreiben wirst. Freust du dich schon?“ „Aber sicher“, sage ich zu Sabrina, obwohl ich noch gar nicht weiß, ob es denn eine freundliche oder traurige Geschichte ist.

Ich muss hier jetzt mal ein kleines Geheimnis loswerden. Seit 2008 schreibe ich jetzt hier diesen Blog, schon 2004 habe ich auf Lesensiegut.de angefangen Bücher vorzustellen, die ich gelesen habe und noch ein paar Jährchen früher habe ich auf anderen Portalen meine Gedichte veröffentlicht, die ich damals schon geschrieben habe. Seit ich hier diesen Blog schreibe, verbessert sich meine Rechtschreibung von Jahr zu Jahr merklich, 2010 wurde ich sogar bei Suite101 angenommen, die damals ziemlich strenge Regeln hatten – inzwischen existiert die Seite in dieser Form nicht mehr.

Schreiben tue ich das, weil es für mich nicht selbstverständlich ist, dass ich hier schreibe. Mein Ausdruck hat zwar schon immer gestimmt, aber in Rechtschreibung und Grammatik habe ich in der Schule regelmäßig versagt. Sowohl in der Grundschule wie auch in der Gesamtschule habe ich für diese beiden Dinge immer eine Sechs bekommen, vielleicht ab und an mal eine Fünf, aber meistens eben diese Sechs. Irgendwie waren damals alle Bemühungen, dies zu ändern, umsonst. Ich habe es nicht hinbekommen, obwohl ich schon damals sehr gerne Geschichten schrieb. Eine Zeitlang ließ ich es deswegen, schrieb nicht, weil ich es nervig fand, immer wieder diese dämlichen Fehler zu machen.

Und wahrscheinlich würde ich hier auch heute gar keinen Blog mehr schreiben, wenn das Verlangen mich mit Worten auszudrücken nicht größer gewesen wäre, als der Ärger über die Menschen, die sich über meine Rechtschreibung lustig gemacht haben. Und davon gab es nicht wenige, aber es gab eben auch Menschen, die haben sich für den Inhalt interessiert, die haben mir zwar auch Tipps gegeben und mich auf Rechtschreibfehler hingewiesen, aber sie haben mich auch immer wieder ermutigt, weiter zu schreiben und weiter zu veröffentlichen.

Und ich glaube, heute kann ich sagen, dass diese Menschen ein Glücksfall für mich waren. Wenn ich mir Blogartikel von 2008 ansehe, oder Buchbesprechungen von 2004, dann schüttel ich immer wieder mit dem Kopf, welche Fehler ich damals doch gemacht habe. Aber ich würde sie wohl immer noch machen, wenn ich nicht regelmäßig geschrieben hätte. Natürlich mache ich immer noch viel zu viele Fehler, aber ich sehe die Fortschritte und ich weiß, wenn ich weiter schreibe, dann werde ich auch irgendwann diese Fehler nicht mehr machen.

Ob ich, wenn ich jetzt in der Schule wieder Diktate schreiben würde, nicht immer noch eine Sechs für meine Rechtschreibung bekommen würde, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass mich diese Noten damals ziemlich demotiviert haben. Und ich glaube, dass diese Demotivation ein Grund war, warum sich meine Rechtschreibung nicht verbessert hat.

„Bello, wirst du wohl herkommen!“, rief Katja dem Hund hinterher, der sich im Park gerade von ihr abgesetzt hatte. Katja ist 26 Jahre alt und Hundesitterin. Sie ist die beliebteste Hundesitterin in der Stadt, weswegen sie mehr Nachfrager hat, als sie überhaupt bedienen kann. Gerade ist sie mit Bello unterwegs, einem mittelgroßen Hund, der für die nächsten sechs Stunden in ihrer Obhut sein wird.

Wenn Katja einmal nicht auf Hunde aufpasst, dann geht sie gerne in die Bibliothek, denn Bücher sind ihre Leidenschaft. Und obwohl sie viel Zeit damit verbringt, auf die Hunde anderer Menschen aufzupassen, verbringt sie doch die meiste Zeit – jedenfalls in ihrer Realität – mit den Büchern.

Hundesitterin ist Katja eigentlich auch nur geworden, weil sie schon in ihrer Jugend immer auf die Hunde der Nachbarn aufgepasst hat, um sich damit ihr Taschengeld aufzubessern. Von daher konnte sie viel Erfahrung im Umgang mit Hunden sammeln, was ihr jetzt zugutekam, denn nur dadurch konnte sie diesen Ferienjob zu ihrem Hauptberuf machen. Reich werden kann sie mit dem Job nicht, obwohl ihre Auftraggeber meist sehr reiche Leute sind, aber immerhin kann Katja damit einen guten Lebensstandard finanzieren, und da sie, bis auf die Bücher, keine Süchte hatte, konnte sie sogar noch Geld sparen. Einen Teil davon verwendete sie, um sich für das Alter abzusichern, mit dem anderen Teil konnte sie jedes Jahr einen schönen Urlaub machen, den sie mit ihrer besten Freundin verbrachte.

Sabine, so heißt ihre beste Freundin, begleitet Katja auch oft bei den Spaziergängen mit den Hunden, obwohl Sabine eigentlich kein so wirklicher Hundefan ist. Sie hatte eigentlich mal Angst vor Hunden, weil sie als Kind von einem Hund verfolgt wurde. Ihr Glück war, dass sie sich in einem Kaufhaus verstecken konnte, sonst wäre Sabine damals wohl von dem Hund gebissen wurden. Katja half ihr aber dabei, diese Angst zu überwinden, denn als Katjas beste Freundin kam Sabine natürlich mit vielen Hunden in Kontakt.

Heute war Sabine nicht dabei, was Katja aber nicht weiter störte. Natürlich findet Katja es schön, wenn sie sich während ihrer langen Spaziergänge mit ihrer besten Freundin unterhalten kann, aber ab und an liebt sie es auch, sich einfach nicht mit anderen Menschen unterhalten zu müssen. Heute war so ein Tag, denn eigentlich wollte sie heute in der Bibliothek sein. Bello war heute gar nicht eingeplant, doch da sie Zeit hatte, konnte sie den spontanen Auftrag annehmen, wofür sie allerdings einen Aufschlag von 50 Prozent auf ihr Honorar berechnete. Eigentlich noch viel zu wenig, wie Katja fand, denn durch diesen Auftrag ist ihr ein großes Abenteuer entgangen, auf das sie sich schon die letzten beiden Tage gefreut hatte.

Bibliothek und Abenteuer? Ja, für Katja ist das möglich. Katja hat da nämlich ein Geheimnis, das sie bisher mit niemandem geteilt hat. Katja kennt in der Bibliothek einen kleinen Raum, in den sie sich immer mit einem Buch zurückzieht, sobald sie sich aus der Masse der Bücher eines ausgesucht hat. Anscheinend wussten nicht einmal die Angestellten der Bibliothek, dass es diesen Raum gab, aber dieser Raum war natürlich nicht Katjas Geheimnis. Er war nur nützlich, weil Katja dann nicht unbedingt jedes Buch ausleihen muss, und sie ihre Abenteuer auch in der Bibliothek erleben kann.

Katja liest die Bücher nicht, so wie sie jeder andere liest, sondern sie verschwindet in den Büchern. Ihr Geheimnis ist, dass sie sich in die Bücher hinein beamen kann. Damit ist nicht gemeint, dass Katja eine sehr ausgeprägte Phantasie hat, wodurch sich die Geschichte real in ihrem Kopf abspielt, sondern damit ist gemeint, dass Katja wirklich in diesem Buch ist. Würde jemand den Raum betreten, während Katja ihr Abenteuer erlebt, so würde er nur das aufgeschlagene Buch auf dem Tisch finden, Katja selbst würde sich nicht in diesem Raum befinden.

Diese Fähigkeit entdeckte Katja eher zufällig. Damals, sie war gerade 10 Jahre alt, las sie eine Kindergeschichte, und plötzlich, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, war sie mitten in der Geschichte. Sie erlebte alles hautnah, und erst, nachdem sie das Ende der Geschichte erreicht hatte, war sie zurück in ihrem Zimmer. Natürlich war die Abwesenheit von Katja nicht unbemerkt geblieben, weswegen sie später noch Ärger mit ihren Eltern bekam, die sich nämlich Sorgen um Katja gemacht hatten. Aber als Katja begriff, dass sie wirklich im Buch war, war ihr dieser Ärger ziemlich egal. Nach einigen weiteren Abenteuern bemerkte sie dann auch, dass ihr Aufenthalt in den Büchern immer genau eine Stunde betrug, egal wie viel Zeit während des Abenteuers verstrich, und so konnte sie natürlich ihre Abenteuer sehr gut planen, sodass die Eltern gar nicht mehr bemerkten, wenn sie wieder einmal für eine Stunde spurlos verschwunden war.

Und noch besser ist, dass Katja in dieser Bücherwelt nicht sterben kann. Also nicht wirklich sterben! Die Person, die sie in dieser Bücherwelt ist, kann schon während des Abenteuers sterben. Katja ist das aber erst zweimal passiert, und ehrlich gesagt, waren ihr diese zwei Sterbeszenen schon zu viel.

Ihr heutiges Abenteuer musste sie nun allerdings verschieben, aber irgendwie musste sie sich ihr Leben in dieser realen Welt ja finanzieren. Das Gute an Büchern ist aber, dass sie nicht einfach verschwinden können, und so kann sich Katja doch schon wieder freuen, denn das Abenteuer, das sie heute durch den Auftrag verpasst hat, kann sie jederzeit nachholen.

Thema geklaut bei der Blogparade von Cluewriting

„Was für ein geiles Wort!“, dachte sich Paul, als er sein Werk betrachtete. Er hatte zwar keine Ahnung, was das für ein Gerät sein sollte, aber die Länge des Wortes hatte ihn gereizt. Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass er es irgendwo gelesen hatte, und vor einer Woche fand er dann auch die passende Wand, an der er dieses Wort verewigen konnte. Und heute hat er es dann umgesetzt, hat sich für jeden Buchstaben extra viel Zeit genommen, denn Zeit hatte er hier genug, und das Wort an die Wand gebracht. Ein halbes Jahr Vorbereitung hat er in das Projekt gesteckt, und jetzt war es vollendet.

Stift um Stift hat Paul verbraucht, um das richtige Design zu finden. Nicht das Wort war wichtig, sondern das Design. Die Kunst versteckte sich in den Details und hier konnte er sich austoben, denn das Wort hatte 41 Buchstaben. 41 Buchstaben sind eine Menge Platz für Kunst und genau darum ging es Paul, als er dieses Projekt startete.

Er musste sogar einen Ferienjob aufnehmen, damit er sich die vielen Dosen mit Sprühfarbe leisten konnte, die er brauchte, um dieses Projekt umsetzen zu können. Paul hatte viel Spaß in der Werbeagentur, denn auch dort konnte er kreativ arbeiten und der Chef war so zufrieden mit Paul, dass er ihm gleich einen Ausbildungsvertrag anbot. Dabei hatte Paul noch ein Jahr Schule vor sich, bevor er in die Arbeitswelt starten würde. Das war dem Chef natürlich auch bewusst, weswegen er in den Vertrag auch einen Notenschnitt mit aufnahm, den Paul erreichen musste, damit der Ausbildungsvertrag gültig ist. Nichts, was nicht erreichbar wäre, aber der Chef der Werbeagentur will damit vermeiden, dass Paul die Motivation verliert, weil er seinen Ausbildungsvertrag bereits in der Tasche hat.

Paul war klar, dass er diesen Ausbildungsvertrag nur bekommen hatte, weil er so hart an diesem Projekt gearbeitet hat, weswegen es schon ein Erfolg war, bevor es heute seine Vollendung gefunden hatte.

Und diese Wand hier hatte er auch nur gefunden, weil er diesen Ferienjob hatte. Denn hätte er für die Werbeagentur nicht das Päckchen zu einem Kunden bringen müssen, dann wäre er nie über diese Brücke gefahren. Und wäre er nicht über diese Brücke gefahren, nun, dann hätte er vor einer Woche nicht diese Wand entdeckt. Obwohl er sie eigentlich nur entdeckt hatte, weil er, als er unkonzentriert durch die Gegend schaute, beinahe das Gleichgewicht verloren hätte und er sich nur gerade so vor einem Sturz mit dem Fahrrad bewahren konnte. Und genau dabei entdeckte er diese perfekte Wand.

Dieser Ferienjob brachte ihm also nicht nur das Geld, mit dem er sich die Sprühfarbe kaufen konnte, er brachte ihm auch die perfekte Wand, um sein Projekt abschließen zu können, und er brachte ihn Sicherheit für die Zukunft. Wegen dieser Zukunft überlegte er auch kurz, das Projekt doch nicht zu einem Ende zu bringen, denn wenn er dabei erwischt wurde, würde seine sichere Zukunft wieder auf wackligen Pfeilern stehen. Doch dann sagte er sich, dass dieses Projekt der Grund für all diese Entwicklungen war, und deswegen musste es nun auch zu einem Ende gebracht werden.

Drei Stunden hat er nun dafür gebraucht und nun stand das Wort endlich an dieser Wand. Er konnte es noch immer nicht glauben, dass das jetzt das Ende sein sollte, aber es ist nur das Ende von diesem Projekt, nicht das Ende seines Lebens, denn das fing gerade erst an. „Hochfrequenzniederspannungsvorschaltgerät“ – Paul wusste immer noch nicht, was das ist, aber er wusste, dass er so ein Teil unbedingt mal sehen musste, denn dieses Gerät war daran schuld, dass seine nähere Zukunft jetzt schon gesichert war.

„Kommen Sie, kommen Sie schnell“, ruft er der Menge entgegen. „Pünktlichkeit ist heute gefragt“, sagt er, „wenn Sie das Haus noch sehen wollen.“

Das Haus? Ist es nicht schon viel zu spät dazu? Gesehen habe ich es schon oft, doch lange wird es wohl nicht mehr sein. Doch doch, es ist ein wirklich schönes Haus, von außen glänzt es sogar und es zieht wirklich viele Menschen an, aber im Inneren ist es nicht mehr als eine Hütte.
Pünktlichkeit könnte wohl schon zu spät sein, denn es krieselt im Fundament des Hauses. Ja, es wird täglich Beton hinein gepumpt, aber dieser schafft es nicht, das Fundament wieder zu stabilisieren.

„Ein schönes Gebäude, oder?“, fragt mich ein Tourist, der noch nie im Inneren des Hauses war. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, in diesem Haus zu leben”, sagte er weiter. Ich lächel ihn an und frage: „Warum wollen sie in diesem Haus leben? Nur weil es von Außen so schön glänzt?“ Er schaut mich an, ist verblüfft, fragt mich, ob ich nicht selbst auch in diesem Haus leben wolle. „Hab ich schon“, antworte ich ihm. „Und warum jetzt nicht mehr?“, möchte der Tourist wissen. Ich deutete ihm, dass er sich doch auf die Bank setzen sollte, denn die Antwort würde etwas länger dauern.

„Warum ich nicht mehr in dem Haus lebe? Nun, es liegt wohl an der Hektik, die in diesem Haus herrscht. Es ist wohl die Tatsache, dass es darin durchaus schöne Dinge zu bestaunen gibt, aber sie sind halt tatsächlich nur dazu da, um sie zu bestaunen. Das Problem ist, dass nur wenige Hausbewohner diese Dinge überhaupt benutzen dürfen, die restlichen Bewohner aber müssen sich mit kleinen Appartments zufriedengeben, die nur das Nötigste beherbergen.“

Der Tourist machte große Augen. Er konnte nicht glauben, dass es in diesem wunderbaren Haus Appartments geben sollte, die nicht genauso schön sind.

„Aber das ist nicht das einzige Problem. Es sind nicht nur diese kleinen Appartments, die einem das Leben in diesem Haus so unangenehm machen, es sind auch die Geräusche. Das knarren in den Wänden und dann ist da noch das Fundament, das ständig mit Beton ausgebessert werden muss, ohne dass es irgendeine Verbesserung gibt. Und die Grundversorgung ist auch eher unzuverlässig in diesem Haus, allerdings nur in den kleinen Appartments. In den großen Wohnungen gibt es diese Probleme nicht und irgendwie gibt es dort auch nicht diese nervigen Geräusche, die in den kleinen Appartments zu hören sind.“

Der Tourist schaut mich an und fragt mich, warum die Menschen denn nicht einfach ausziehen, wenn das Gebäude denn innen gar nicht so schön ist?

„Nun, die Menschen glauben einfach nicht, dass es ein anderes Haus geben könnte, dass besser ist als das, in dem sie jetzt leben. Sie haben sich an das Haus gewöhnt, sie haben sich an die nervenden Geräusche gewöhnt und das Fundament macht ihnen auch keine wirklichen Sorgen, denn das droht nun schon so lange zu zerbröckeln, dass keiner mehr daran glaubt, dass das wirklich einmal kaputt gehen könnte. Die Menschen sind froh, dass sie überhaupt etwas haben, dass sie nur selten hungern müssen und das die Grundversorgung gegeben ist, auch wenn sie unzuverlässig ist.“

„Und warum bauen sich die Menschen nicht einfach ein neues Haus? Ein Haus, das auf einem stabilen Fundament steht und in dem es für jeden mehr gibt als diese kleinen Appartments?“ Eine interessante Frage, die der Tourist da stellt.

„Ich vermute, dass die Menschen einfach Angst davor haben, das alte Haus abzureißen. Sie müssten ja dann erst einmal das aufgeben, was sie jetzt haben, um dann das Haus total neu aufzubauen. Es gibt sicher einige Menschen, die dazu durchaus willens wären, aber dieser Wille schwindet natürlich umso mehr, umso größer die Appartments werden. Und die Menschen, die in diesem Haus eine Wohnung besitzen, die sind auf jeden Fall gegen einen Abriss des Hauses. Nicht nur, weil sie am meisten zu verlieren hätten, sondern auch, weil sie danach kleinere Wohnungen hätten, wenn der Platz neu aufgeteilt wird. Sie würden also mehr verlieren als die anderen, dafür aber weniger zurück bekommen und deswegen versuchen sie alles, um die Mehrheit der Bewohner auf ihrer Seite zu bekommen. Und genau deswegen wird kein neues Haus gebaut, weil es Bewohner gibt, die das alte Haus nicht aufgeben möchten.“

Der Tourist schmunzelt mich an. Er meint, dass er wohl verstanden hat, was dort in diesem Haus los ist. Natürlich möchte er jetzt nicht mehr in diesem Haus leben, auch wenn es von Außen natürlich immer noch wunderschön aussieht. „Aber“, sagt er, „der Rasen vor dem Haus, das ist schon englischer Rasen, oder?“

„Ja“, sagte ich, „der Rasen vor dem Haus ist tatsächlich englischer Rasen und es ist ein schöner Ort, um sich zu entspannen. Allerdings bestehe halt immer die Gefahr, dass das Haus einbricht und dann wäre von diesem englischen Rasen auch nicht mehr viel zu sehen.“

Der Tourist verabschiedete sich, ging weiter, schüttelte noch einmal mit dem Kopf, und kaufte sich dann Zuckerwatte, von der er sich genüsslich kleine Stücke in den Mund schob.

Lasst uns in ein Land reisen, in dem es derzeit nicht so rosig aussieht. Durch gierige Heuschrecken, ist in diesem Land die Ernte in den letzten Jahren viel zu knapp ausgefallen, sodass die Bevölkerung des Landes nicht ausreichend versorgt werden kann. Die Heuschrecken versuchen sogar noch an die letzten Lebensmittel des Landes zu kommen, weil sie mit dem, was sie bisher erbeutet haben, nicht zufrieden sind.

In diesem Land lebt das Meerschweinchen Donat. Donat ist noch jung, aber schon ohne Familie, da diese durch Krankheit oder durch Gewalt getötet wurde. Bisher konnte Donat sich aber ziemlich gut versorgen, zumindest war das so, bis die Heuschrecken über das Land gekommen sind. Jetzt hat auch das junge Meerschweinchen Probleme damit, genügend Nahrung zu finden und wenn es mal was findet, dann kommt nicht selten eine Heuschrecke, die etwas von dem abhaben will, was er gefunden hat. Und es bleibt ihn meist auch nichts anderes übrig als den geforderten Teil abzugeben, denn die Heuschrecken haben mit den Meerschweinchen Verträge abgeschlossen, in denen genau das geregelt ist. Und so kann Donat nichts machen, wenn er nicht ins Gefängnis will, obwohl er es locker mit einer solchen Heuschrecke aufnehmen könnte.

Nun hat Donat aber gehört, dass es ein Land gibt, in dem es für alle Bewohner genügend Nahrung gibt. Es gibt dort nicht nur genügend Nahrung, sondern es gibt dort zu viel Nahrung, weswegen ein großer Teil einfach vernichtet wird. So haben es Donat zumindest die anderen erzählt, die in den letzten Jahren das Land verlassen haben, um in das Land zu kommen, wo es zu viel Nahrung gibt. Und da von diesen keiner mehr zurückgekehrt ist, möchte sich auch Donat jetzt auf den Weg in dieses Land begeben. Er ist sich sicher, dass er in einem solchen Land willkommen ist und er ist überzeugt, dass er eines Tages wieder in seine Heimat kann, sobald die Heuschrecken weg sind und sein Land wieder genügend Nahrung für die eigenen Bewohner hat.

Donat machte sich also auf den Weg und verließ seine Heimat. Ihm war nicht wirklich wohl dabei, denn an diesem Ort hier wurde er damals geboren, hier liegt seine Familie begraben und hier hat er seine Freunde. Die meisten von ihnen wollen sich nicht mehr auf eine solch gefährliche Reise begeben, weswegen Donat sie hier zurücklassen muss. Aber dadurch, dass er weggeht, bleibt für seine Freunde mehr Nahrung übrig, weswegen Donat auch mit dem Gefühl geht, etwas Gutes zu tun. Dementsprechend motiviert ging das Meerschweinchen seine Reise auch an und so kam ihn der erste Tag auch gar nicht so lang vor.

Am Abend merkte Donat dann aber, dass er Hunger hat und so machte er sich auf die Suche nach Nahrung. Erst fand er nichts, doch dann kam er an eine Hütte, in der eine ältere Meerschweinchen-Frau lebte. Er sah die Hütte sehnsüchtig an, da er inzwischen auch ziemlich Müde war und er dort in der Hütte einen gemütlichen Schlafplatz vermutete. Plötzlich wurde Donat von der älteren Frau angesprochen. Er hatte sie gar nicht kommen hören, weswegen er auch leicht zusammenzuckte. Die ältere Frau lachte freundlich und wollte wissen, was er denn um diese Zeit hier draußen machte. Eigentlich konnte sie es sich schon denken, denn hier sind schon so viele junge Meerschweinchen durchgekommen, aber da sie sich gerne unterhält, fragt sie immer wieder nach und immer wieder wird ihr dieselbe Geschichte erzählt. Sie bot Donat an, bei ihr zu übernachten. Zusätzlich bot sie ihm einen Teller Suppe an, eine gute, starke Suppe, die ihn für den nächsten Tag stärken würde. Natürlich nahm Donat die Einladung an, auch wenn er nicht wusste, wie er sich bei der älteren Frau bedanken sollte.

Während die alte Frau die Suppe aufwärmte, erzählte sie Donat so einige Geschichten. Geschichten von Früher, Geschichten von der Heimat, bevor die Heuschrecken hier eingefallen sind und die Macht übernommen haben. Donat kann sich auch noch an die letzten Jahre erinnern, bevor die Heuschrecken kamen. Aber das ist Vergangenheit, denn jetzt sind die Heuschrecken hier im Land und das Leben, dass er damals leben durfte, ist vorbei.

Am nächsten Tag bereitete die ältere Frau noch ein Frühstück für Donat zu. Danach wünschte sie ihm noch eine gute Reise, bevor sich die Wege der beiden trennten.

Donat war noch mehrere Tage unterwegs, bevor er an die Grenzen des Landes kam, in dem es so viel Nahrung geben soll, dass sogar ein Teil davon vernichtet wird. In diesen Tagen traf er auf viele andere Meerschweinchen, die ihm einen Schlafplatz und etwas zu Essen anboten. Er traf sogar alte Bekannte wieder, die sich vor langer Zeit auf diese Reise begeben hatten. Sie hatten aufgegeben und sind dann gleich an dem Ort geblieben, weil sie auch keine Lust mehr hatten, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Alle wünschten ihm eine gute Reise und nun war Donat endlich an der Grenze angekommen.

Das junge Meerschweinchen dachte, dass es jetzt einfach die Grenze Überquerren könnte, aber dem war nicht so. Überall war ein riesiger Zaun, den er weder überwinden konnte, noch gab es eine Lücke in diesem Zaun. Was er aber sah, waren Berge von Lebensmittel, die hinter dem Zaun lagen und die dort verrotteten. Und er sah dort Heuschrecken in Uniform, die diese Berge von Lebensmitteln bewachten. Er sah, wie die Heuschrecken über ihn lachten, und als er nach ihnen rief, lachten sie noch mehr. Donat hatte hunger, doch auf seiner Seite des Zauns gab es nichts, was er hätte essen können. Und die Heuschrecken auf der anderen Seite wollten ihm auch nichts geben, sie sagten, dass diese Lebensmittel unbedingt verrotten müssten, weil das die Gesetze ihres Landes so vorsahen.

Donat war verzweifelt. Er wollte unbedingt in dieses Land. Nein, eigentlich wollte er nicht in dieses Land, er wollte nur die Nahrung, die dort so sinnlos verrottete und er wollte wissen, warum die Heuschrecken die Nahrung aus seiner Heimat holten, obwohl sie doch selbst genügend hatten. Doch er bekam keine Antwort.

Er fand es ungerecht, und weil er diese Ungerechtigkeit nicht einfach hinnehmen wollte, lief er Tage lang am Zaun auf und ab, er wollte unbedingt einen Weg in dieses Land finden. Er war so darin vertieft, dass ihm gar nicht auffiel, dass er schon seit Tagen nichts mehr gegessen hatte. Doch Meerschweinchen brauchen Nahrung, und so brach Donat eines Tages einfach zusammen. Er verhungerte vor einem Zaun, hinter dem genügend Nahrung lag, um seinen ganzen Heimatort ein ganzes Jahr lang zu versorgen. Donat hörte die Heuschrecken ein letztes Mal lachen, bevor er seine Augen für immer schloss.