22 April 2020

Egoistisch oder demokratisch?

Wer vor Gericht geht, um dort prüfen zu lassen, ob die Einschränkung seiner Grundrechte verhältnismäßig ist, ist nicht egoistisch! Diesen Satz will ich jetzt schon längere Zeit loswerden, schon deswegen, weil er eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es ist nicht Egoistisch Ausgangsbeschränkungen überprüfen zu lassen, es ist wichtig für eine Demokratie, dass dies möglich ist und dass jederzeit die Entscheidungen von Politikern überprüft werden können. Nur so können wir verhindern, dass solch eine Krise dazu genutzt wird, die Demokratie und die Freiheitsrechte zu beschränken.

Aber Demokratie scheint eh nur etwas für fröhliche und glückliche Zeiten zu sein, denn wenn ich mich so an Diskussionen und Tweets der letzten Wochen erinnere, scheint in solchen Krisen, wie wir sie jetzt haben, die Flucht zu Autoritäten die bequemere Option zu sein. Wenn Politiker nicht mehr als Autorität taugen, dann werden halt Wissenschaftler zu solchen Autoritäten erklärt. Unterschiedliche Meinungen sind dann nicht mehr zulässig, unterschiedliche Einschätzungen einfach nur problematisch und alles, was nicht ins Weltbild der eigenen Autorität passt, ist gleich eine Verschwörungstheorie und kann mit einer schönen Grafik, die schnell am eigenen Computer erstellt wird, widerlegt werden. Eigene Auswege aufzeigen, sich Gedanken machen, sich mit den Schattenseiten der jetzigen Einschränkungen auseinandersetzen, ist nicht notwendig, die Wissenschaft wird schon die Lösung präsentieren.

Eine demokratische Gesellschaft braucht die Wissenschaft, um Entscheidungen treffen zu können. Sie braucht aber keine Autoritäten, sondern sie braucht Wissen, sie braucht Einschätzungen und Entscheidungshilfen, um dann die richtigen und ausgewogenen Maßnahmen zu treffen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass solche Entscheidungsprozesse sogar zu einer sehr viel größeren Akzeptanz solcher Maßnahmen in der Bevölkerung führen und dass diese dann auch länger durchhaltbar sind, eben weil jeder einzelne Mensch in eine solche Entscheidungsfindung eingebunden ist und eben alle Aspekte betrachtet werden.

Wenn ich mir die sozialen Medien so ansehe, habe ich das Gefühl, dass viele sich überhaupt nicht die Mühe machen, sich mit anderen Aspekten zu beschäftigen. Da wird die Ausweitung der Kontaktsperren gefordert, ohne zu beachten, dass diese auch für viele Menschen mit negativen Folgen verbunden sind. Es wird vergessen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, dass diese sozialen Kontakte für viele sehr wichtig sind, um psychisch Gesund zu bleiben. Wer eine gute soziale Beziehung führt, wer die physische Isolation mit einem anderen Menschen oder der eigenen Familie durchstehen kann, mag dies nicht verstehen, aber er muss zumindest versuchen sich einzufühlen, muss versuchen die vielen Schattierungen und die vielen Farben zu sehen und das Schwarz-Weiß-Denken ablegen. In dieser Krise geht es eben nicht nur darum, dass wir die Leben der Menschen in der Risikogruppe retten, sondern es geht auch darum das Leben der Menschen zu retten, die durch diese Krise und die unbekannte Isolation in Depressionen verfallen, oder die schon vorher in einer waren und diese nur durch physische Kontakte durchgestanden haben.

Es gibt Menschen, die sind mit den besten Absichten in diese Phase gegangen. Menschen, die sich an die Regeln halten wollen, die aber an eine psychische Grenze kommen, die einfach wieder physischen Kontakt zu anderen Menschen brauchen, weil sie sonst durchdrehen. Die sind nicht egoistisch, die haben es einfach nicht gelernt, solange Distanz zu halten. Oder ist es egoistisch nicht Lesen zu können, weil es nie eine Möglichkeit gab, Lesen zu lernen?

Die Krise zeigt mir, dass wir als Gesellschaft noch viele Dinge lernen müssen. Wir müssen autoritäre Denkweisen überwinden, müssen demokratische Denkweisen etablieren, müssen Institutionen demokratisieren und wir müssen noch etwas machen: Wir müssen die Überlebensgrundlage der Menschen unabhängig von der Wirtschaft machen. Die Menschen müssen selbst entscheiden können, ob die Arbeit, die sie machen, in einer solchen Krise notwendig ist oder nicht. Sie müssen in der Lage sein, dieser Entscheidung dann auch Taten folgen zu lassen, indem sie die Arbeit einstellen, ohne in Existenznot zu geraten. Dies wird nur gelingen, wenn das Einkommen unabhängig von der Erwerbstätigkeit ist. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird eine Grundvoraussetzung sein, um unsere immer noch autoritäre Gesellschaft in eine demokratische Gesellschaft zu verwandeln.

Ein weiteres Beispiel sind die Schulen. In einer demokratischen Gesellschaft sollten auch Schulen Orte der Demokratie sein. Schüler*Innen brauchen Mitspracherechte, sie müssen Mitentscheiden dürfen, wie es in einer solchen Krise weitergehen kann. Wie soll eine Gesellschaft zu einer demokratischen Gesellschaft werden, wenn die Kinder und Jugendlichen auf Autoritäten getrimmt werden? Es kann so nicht gelingen, weshalb hier ein grundlegender Hebel zu sehen ist, um unsere Gesellschaft zu transformieren.

1 August 2012

Geld müsste eine zeitlich begrenzte Gültigkeit bekommen!

GeldEs wird ja derzeit viel über den Euro diskutiert und wie man ihn wieder stabil bekommt. Es wird über Schulden diskutiert, die über Jahrzehnte gemacht wurden und die man nicht von heute auf morgen verschwinden lassen kann und es wird über die sozialen Leistungen der Staaten gesprochen, die für einen Teil dieser Schulden verantwortlich sind. Aber über wirkliche Lösungen wird nicht gesprochen, es wird nicht analysiert, was wirklich falsch läuft, warum das Geldsystem immer wieder Krisen durchläuft und warum es so immer weiter gehen wird.

Geld müsste eine zeitlich begrenzte Gültigkeit bekommen

 

Nein, ich bin kein Experte, aber ich habe mir jetzt schon öfter Gedanken gemacht, wieso Geld nicht stabil ist. Eines der Hauptprobleme ist, das Geld ewig „gelagert“ werden kann. Der Geldwert besteht also auch dann noch, wenn der Gegenwert, also die Ware, schon lange nicht mehr vorhanden ist. Das mag für eine kurze Zeit okay sein, aber wenn auf Konten Geldwerte über Jahrzehnte lagern, deren Gegenwerte nicht mehr vorhanden sind, kann es nicht Gesund sein für das System. Geld muss zirkulieren, es muss wandern, damit notwendige Investitionen getätigt werden können. Wandert das Geld nicht mehr, muss Neues „geschaffen“ werden, um das Geld, welches auf den Bankkonten rumliegt, welches nicht genutzt wird, zu ersetzen. Auf lange Sicht schadet das dem Geldsystem, denn es kommt immer mehr Geld ins System und mit dem Geld immer mehr Schulden – Grenzen kann es so nicht mehr geben. Nur irgendwann kommt man an dem Punkt, wo einfach zu viele Schulden vorhanden sind und wo zu viel Geldwerte vorhanden sind, denen keine realen Werte mehr gegenüberstehen. Die einen haben das Geld und können es nicht mehr ausgeben, weil sie viel zu viel davon haben und die anderen haben die Schulden und können die nicht mehr abbezahlen, weil sie viel zu viel davon haben.
Meiner Meinung nach ist das falsch. Geld muss zirkulieren, und wenn jemand zu viel davon hat, muss es irgendwann wieder von seinem Konto verschwinden. Geld müsste also auch eine zeitliche Gültigkeit bekommen. Das betrifft den Normalverdiener nicht, sondern nur den, der mehr Geld hat, als er verbrauchen kann. Wenn man zum Beispiel sagt, dass das „Geld“, welches 10 Jahre lang nur auf einem Konto rumgelegen hat, verfällt und somit auch die Schulden, die diesem Geld gegenüberstehen (Staatsschulden), würde das dazu Beitragen, dass das Geld ständig in Bewegung bleibt und das es nicht mehr Geld gibt, als es nötig ist.

Sicherlich ist die Frage berechtigt, wie man bei virtuellem Geld feststellen kann, ob es nun schon 10 Jahre auf dem Konto liegt, oder ob es nicht zwischenzeitlich auf dem Markt unterwegs war und hier neue Werte geschaffen hat? Das ist ein Problem, welches man lösen müsste, es müsste Regeln geben, wie festgestellt wird, ob Geld älter als 10 Jahre ist, oder eben nicht. Ich muss ehrlich sein, ich habe auch noch keine Ahnung, wie man dieses Problem lösen kann, aber ich könnte mir vorstellen, dass es durch eine Art „Bilanz“ möglich sein sollte, in welcher man alle Einnahmen und Ausgaben der letzten 10 Jahre gegenüberstellt. Sollte sich hierbei herausstellen, dass mehr Geld auf dem Konto ist, als es nach dieser Bilanz sein dürfte, würde die Differenz an Gültigkeit verlieren.

Ebenso müsste es auch eine Wertigkeit für die Investitionen geben, denn solche, die tatsächlich reale Gegenwerte schaffen, sind wichtiger, als die, die nur neues virtuelles Geld schaffen.

Natürlich sollte es einen Freibetrag geben, der hiervon nicht betroffen ist, damit man sich fürs Alter absichern kann. Dieser Geldwert sollte aber begrenzt sein und jährlich nur um den Inflationsausgleich, wenn es denn noch eine Inflation gibt, erhöht werden.

Außerdem sollte auch darüber nachgedacht werden, ob Geldwerte unbegrenzt vererbt werden können. Auch hier könnte ich mir die Begrenzung auf einen bestimmten Betrag vorstellen, und alles, was darüber hinaus geht, verliert seine Gültigkeit. Damit würde in jeder Generation ein neuer Wettbewerb starten, sich ein Vermögen aufzubauen und an diesem Wettbewerb wäre jeder beteiligt, nicht nur die, die schon mit einem Millionenvermögen auf die Welt kamen.