23.06.2026: LebensABC – P wie Politisch

„Du sagst, du willst die Welt nicht ändern“, singt Rio Reiser in seinem Lied „Wann?“ (Youtube). Er singt weiter: „und ich frag‘ mich, wie machst du das nur?“. Genau diese Frage ist es, die sich mir auch immer stellt, wenn wieder wer zu mir sagt, dass er nicht politisch unterwegs ist. Wenn er*sie politischen Gesprächen aus dem Weg geht, weil es unangenehm werden könnte. Aber das Leben ist politisch, wir alle leben zusammen in einer Gesellschaft, auf einem Planeten, den wir nicht einfach so verlassen können, wir sind „kein Geist in einer Flasche“ und wir sind garantierte auch „kein Loch in der Natur“!

Entscheidungen, die wir treffen, Dinge, die wir tun oder nicht tun, beeinflussen auch meist die Gesellschaft, das Leben von anderen und sind somit zutiefst politisch und gestalten so auch die Welt, in der wir Leben. Da stellt keiner die Frage, ob wir das wollen oder nicht, es ist einfach so, auch wenn es uns nicht immer und nicht in jeder Situation bewusst ist.

So kann das erste „P“ in meinem Lebens-ABC eben auch nur für das Wort „Politisch“ stehen. Es ist etwas, was jeden begleitet, etwas, was nicht einfach verschwindet, weil es Unbehagen auslöst. Ich bin politisch, du bist politisch, wir alle sind politisch, auch wenn wir das Lied „Unpoliddisch“ von WIZO hören. Das ist keine Frage des Wollens, sondern eine Frage des Seins.

Klar, ich verstehe, dass das ein Minenfeld ist – also dieses politisch sein. Es ist unbequem und unangenehm, denn politisch sein bedeutet, sich auch mal zu streiten, andere Ansichten zu vertreten und das auch gegenüber Menschen, mit denen wir gar nicht streiten möchten. Politik kann Familienabende anstrengend machen und Freundschaften kompliziert, aber all das ist notwendig, um gesellschaftliche Entwicklungen voranzubringen, um Teil von diesen politischen Entwicklungen zu sein, um nicht nur zuzuschauen, wie andere die Gesellschaft bewusst zu ihrem Vorteil verändern.

Diskussionen, also das Streitgespräch, gehören zum Leben dazu, auch wenn ich natürlich weiß, dass diese bei vielen zu Unbehagen führen, weil wir Streiten immer als etwas Negatives kennengelernt haben. Eine Situation, nach der dann plötzlich wer sauer ist und erst einmal nicht mehr mit einem spricht, weil wir den Menschen mit Worten verletzt haben. Wir haben nicht gelernt, dass das Streiten etwas Positives ist, etwas, was auch funktioniert, ohne dabei andere Menschen zu verletzen. Nur deswegen versuchen viele, das Politische aus ihrem Leben auszuklammern, jedem gesellschaftlichen Thema aus dem Weg zu gehen, aber das Unbehagen baut sich dann halt an anderer Stelle auf, die Verletzungen entstehen trotzdem, weil eben nicht wirklich miteinander diskutiert wird, weil wir dann eben auch die anderen Personen nicht verstehen und ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen können.

Die gesellschaftlichen Debatten führen dann eben andere. Die entscheiden dann am Ende auch, wohin sich die Gesellschaft entwickelt, womit dann aber auch keiner zufrieden ist, weil in diesen Entscheidungen dann nicht die eigenen Ansichten und Gedanken bedacht sind. Und das Meckern darüber, zeigt dann eben doch wieder sehr gut auf, dass wir alle emotionale und politische Wesen sind.

Warum also nicht dazu stehen und gemeinsam lernen, wie ein Streitgespräch auch positiv geführt werden kann? Warum nicht endlich bewusst damit anfangen, die Gesellschaft zu gestalten? Warum nicht endlich bewusst politisch sein, wenn ihr es eh seid?

Jeder ist politisch, alles ist politisch. Sei also bewusst politisch, verzweifle bewusst an den Problemen und mische dich endlich bewusst ein, um diese zu beheben!

Oder wie Michael Friedmann es sagt (Link zur Quelle):

„Demokratie lebt vom Streit im besten Sinne des Wortes. Streit bedeutet, dass ich mich in Frage stelle, Argumente austausche und bereit bin, dem anderen zuzuhören“

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