22 Februar 2021

Es braucht nicht mehr Politiksimulation und Planspiele!

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Mehr politische Planspiele, mehr Politiksimulationen, irgendwie sind das die einzig greifbaren Ideen, um unsere Gesellschaft demokratischer zu gestalten. Aber warum immer nur simulieren, warum nur spielen, warum nicht Menschen einfach von Anfang an, an demokratischen Entscheidungen beteiligen? Weg von der autoritären Familie, in der die Kinder und Jugendlichen keine wirklichen Mitspracherechte haben, weg von der autoritären Schule, in der sich Demokratie darin ausdrückt, einmal im Jahr eine Klassensprecherin zu wählen! Die Simulation von Demokratie macht Demokratie nicht besser, sie bringt Schüler*innen nicht weiter, diese entkommen dadurch nicht den autoritären Strukturen, in denen sie eingesperrt sind und in denen sie lernen, dass sie eben nicht wirklich mitgestalten können!

Wer Demokratie will, wer sie verteidigen und verbessern will, der muss anfangen, die autoritären Strukturen aufzubrechen und dazu gehören eben auch Familie und Schule! Aber auch Unternehmen und andere Institutionen müssen demokratisiert werden, wenn wir es wirklich ernst meinen mit der Demokratie. Alle paar Jahre wählen gehen und sich dann von Menschen repräsentieren lassen, ohne hier Eingriffsmöglichkeiten zu haben, wenn dieser Repräsentant mit seinen politischen Entscheidungen gegen alle meine persönlichen Werte verstößt, ist vielleicht eine Übergangslösung von einem diktatorisch-autokratischen System hin zu einer Demokratie, aber es kann nicht der Endzustand der Demokratie bleiben! Nur, um aus dieser Übergangslösung irgendwann einmal ausbrechen zu können, braucht es Menschen, die nicht in autoritären Strukturen aufwachsen, die nicht von einem autoritären Bildungssystem und von einem autoritären Wirtschaftssystem geprägt werden. Es braucht Menschen, die die demokratischen Werkzeuge beherrschen, die wissen, dass sie Mitgestalten können, dass ihre persönlichen Entscheidungen auch immer eine politische Dimension haben.

Planspiele und Simulationen haben keine Auswirkungen auf das reale Leben, sie machen die Auswirkungen nicht erfahrbar und so wird auch die Bedeutung von Demokratie nicht greifbarer. Kurz, sie machen vielleicht Spaß, werden die Gesellschaft aber nicht demokratischer machen. Das wird nur geschehen, wenn wir alle diese Gesellschaft mitgestalten können, wenn alle in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden und wenn wir gleichzeitig akzeptieren, dass nicht alle mitmachen wollen, weil sie durchaus das Recht haben, zu bestimmten Themen einfach keine Meinung zu haben. Dazu müssen Politiker natürlich Macht abgeben, sie werden sie irgendwann sogar komplett verlieren, weil die Entscheidungsprozesse in der Gesellschaft stattfinden und nicht mehr in Hinterzimmern, aber das wäre kein Verlust, es wäre ein Gewinn, auch wenn dazu natürlich noch viele andere Dinge überwunden werden müssen. Intoleranz zum Beispiel oder Rassismus, damit diese gesellschaftlichen Entscheidungen nicht zulasten von Minderheiten gehen.

Mitspracherecht in Familie und Schule

Der erste Schritt dorthin ist ein gesetzlich festgeschriebenes Mitspracherecht von Kindern und Jugendlichen in Familie und Schule. Das kommt nicht allein, auch wenn es natürlich Familien gibt, in denen die Kinder und Jugendlichen schon jetzt ein Mitspracherecht haben. Kinder und Jugendliche sind keine Verfügungsmasse, sind keine Wesen, die keine eigenständigen Entscheidungen treffen können. Natürlich brauchen sie Grenzen, natürlich müssen sich die Eltern um sie Sorgen und natürlich müssen Eltern auch mal harte Entscheidungen treffen können, aber wer demokratische Menschen will, der muss auch dafür sorgen, dass die demokratischen Werte schon früh gelebt werden können, denn eine autoritäre Familie prägt natürlich auch das Kind, welches in dieser Familie aufwächst. Deswegen kann es demokratische Menschen nur dann geben, wenn sie in demokratischen Familien aufwachsen, wenn sie schon früh lernen, dass sie in Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen mitwirken dürfen.

Damit das klappt, muss natürlich in der Schule auch das Werkzeug dafür vermittelt werden! Und das geht auch dort am besten, wenn Schüler*innen auch dort an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Stellt euch vor, Schüler*innen könnten jetzt in der Pandemie mit entscheiden, wie es mit dem Unterricht weitergeht, welche Möglichkeiten sinnvoll wären und welche nicht. Das wäre für die demokratische Bildung ein wichtiger Aspekt und würde viel besser vermitteln, warum jeder Mensch demokratische Verantwortung übernehmen muss. In unserem autoritären Bildungssystem entscheiden aber ein paar Kultusminister und die Schüler*innen haben dazu gefälligst keine eigene Meinung zu haben! So kann Demokratie nicht gelingen, so können keine demokratischen Menschen aufwachsen und so können Politiker natürlich ihre Macht noch lange erhalten.

28 April 2012

U20-Poetry-Slam in Berlin – Mein Freitagabend ;-)

Am Freitag war ich beim U20 Poetry-Slam hier in Berlin. Stattgefunden hat er im „Podewil“ in der Klosterstraße. Ich wusste nicht wirklich, was auch mich zukommt, aber ich habe es nicht bereut, mir das Ganze einmal anzusehen.

GRIPS-Theater und Podewil = U20 Poetry-Slam-Berlin

 

Zuerst musste ich suchen, wo ich denn nun eigentlich rein muss, aber ich hätte einfach nur zu den vielen Jugendlichen gehen müssen, die sich am Eingang eines Hauses aufgehalten haben. Dort wehte auch die GRIPS-Theater-Flagge, aber ich weiß bis heute noch nicht, ob das auch der tatsächliche Standort des GRIPS-Theaters ist – foursquare hat mir nämlich eine andere Straße angezeigt, die knapp 5 Kilometer entfernt lag.
Der Eintritt kostete mich 6,- Euro, was ich durchaus in Ordnung finde für ein schönes Freitagabend-Programm. Allerdings fand der Poetry-Slam diesmal nicht in einem Café oder in einer Bar statt, sondern tatsächlich in einem kleinen Theater-Raum. Getränke gab es vor dem Raum zu kaufen, allerdings nur in den Pausen und davon gab es nur eine. Das ist aber bei einer Dauer von gerade mal 150 Minuten (mit Pause) ausreichend.
Um kurz vor 20 Uhr ging es dann auch endlich los. Der Ablauf war derselbe, wie bei jedem Poetry-Slam, den ich bisher gesehen habe – das Publikum entschied über den Gewinner mit seinem Applaus. 14 Slamer stellten sich dem Wettkampf, alle unter 20 ;-), und trugen, in einer Zeit von 5 Minuten, ihre Werke vor. Dabei ist mir aufgefallen, dass es sehr viel Gesellschaftskritik gibt, die Jugend von heute ist also nicht verloren, im Gegenteil, sie macht mir sogar Mut für die Welt von morgen. Aber auch Lustiges war zu hören, und auch ein Gedicht über Müll, oder so 😉
Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, man kann ja auch nicht viel falsch machen, wenn nur ein Mikro, eine Couch, zwei Moderatoren und ein Slamer auf der Bühne steht ;-). Mir hat es Spaß gemacht, und ich werde mir auch in zwei Monaten wieder den U20-Poetry-Slam ansehen.

Ich war übrigens fast der älteste im Raum, älter waren wohl nur noch der männliche Moderator und die Verantwortlichen für die Technik. Vielleicht saß auch hier und da noch eine Mutter im Publikum, aber die meisten waren tatsächlich jünger als ich ;-).

Workshop vor dem Slam

 

Vor dem Slam findet übrigens auch immer ein Slamer-Workshop für U20-Jährige statt. Dieser ist kostenlos, das ist aber auch schon alles, was ich darüber sagen kann, denn ich bin nun einmal älter als 20 und habe dort nichts mehr verloren. Ich kann mir aber vorstellen, dass es eine schöne Erfahrung für die Jugendlichen ist und in zwei Monaten besteht wieder die Chance, an diesen Workshop teilzunehmen. In zwei Monaten, das ist übrigens der 15.06.2012, also wieder ein Freitag.

Rettet das GRIPS-Theater

 

Leider musste ich gestern wieder feststellen, dass der Berliner Senat an den falschen Stellen spart. Dem GRIPS-Theater fehlen wohl 100.000 Euro, um ihre Arbeit fortsetzen zu können. Dabei ist das GRIPS-Theater ein Ort, an welchem Kinder und Jugendliche ihre Kreativität zeigen können und wo sie sich kostengünstig Theateraufführungen ansehen können. Es wäre schade, wenn für dieses Theater kein Geld mehr zur Verfügung stehen würde, damit sich Kinder und Jugendliche die Veranstaltungen ansehen können. Mehr erfahrt ihr auf der Seite vom GRIPS-Theater.