7 Februar 2021

Datenschutz für mündige Menschen?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Datenschutz und die Einstellungen der Bürger*innen dazu, empfinde ich immer wieder als ein sehr seltsames Thema. Das Grundrecht auf die informationelle Selbstbestimmung ist ja eigentlich ein Abwehrrecht gegenüber den Staat und sich dann auf den Staat zu verlassen, wenn es um die Spielregeln beim Datenschutz geht, ist schon ziemlich merkwürdig. Wir verlangen hier, dass der Staat – beziehungsweise die Politik – hier die Spielregeln bestimmt, mit denen er sich selbst verbietet, sich an unseren Daten zu bedienen. Dass das nicht funktioniert, zeigt die ewige Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung oder die Verknüpfung von verschiedenen staatlichen Datenbanken, die mithilfe einer eindeutigen ID gelingen soll. Der Staat kann uns also nur dabei helfen, unsere Grundrechte gegenüber anderen Akteuren – zum Beispiel Unternehmen – durchzusetzen und auch dort sollten wir auf der Hut sein, was der Staat dort alles regelt und ob das wirklich immer zu unserem Vorteil ist.

Datenschutz und Privacy sind wichtige Themen, jedoch finde ich es schwierig, immer wieder nach Verboten durch die Politik zu rufen. Diese Kultur, die da gepflegt und mit der DSGVO auch umgesetzt wurde, ist eine Kultur der Entmündigung der Menschen. Und Entmündigung macht bequem, weil wir uns dann nicht mehr mit den wichtigen Themen auseinandersetzen, weil wir verlernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Natürlich muss der Gesetzgeber einen Rahmen erlassen, der für Unternehmen und auch für den Staat bindend ist, aber jeder Mensch sollte schon bewusst handeln und entscheiden können, was er zulassen möchte und was nicht. Das ginge einfacher, wenn die Datenschutzregeln schon festlegt werden könnten, bevor die Webseite besucht wird und die Entscheidung nicht erst auf der Webseite getroffen werden muss. Eine DSGVO, die hier Standards festgeschrieben hätte, die von Unternehmen und Staat umgesetzt und eingehalten werden müssten und die einfach in die Zugangssoftware zum Internet – also im Browser – integriert wurden wären, welche dann jeder Mensch einmalig festlegt, wenn er den Browser zum ersten Mal startet, wäre hier ein sehr viel besserer Weg gewesen. Weg von Verboten und hin zu Menschen, die selbstbestimmt ihre Entscheidungen treffen. 

WhatsApp wird hier ja immer als Beispiel gebracht, aber muss ich den Service wirklich gleich Verbieten oder wäre die sinnvollere Option nicht die, dass wir bei jedem Telefonbucheintrag vorher festlegen könnten, ob dieser für andere Apps – also nicht nur für WhatsApp – freigegeben wird oder nicht? Wäre das nicht der sinnvollere Weg, der das Internet nicht unnötig komplizierter macht, als es sein müsste? Keks-Banner wären Geschichte, Datenschutzerklärungen könnten sehr viel kürzer ausfallen und verständlicher werden, das Surfen im Internet wäre tatsächlich wieder bequemer möglich, auch in dem Bewusstsein, dass ich genau weiß, welche Daten die Webseiten nutzen dürfen und welche nicht. Beim Beispiel WhatsApp könnte ich so sogar die Datenschutzpräferenzen aller meiner Kontakte achten und respektieren.

Im Übrigen halte ich auch nichts davon, dass es de facto eigentlich eine Altersgrenze für das Internet gibt. Das Internet ist ein riesiger Wissenspool und jeder – also auch Kinder – sollten den Zugang zu diesem Wissenspool nutzen können. Aber so, wie wir Kindern und Jugendlichen den Zugang zu politischen und demokratischen Entscheidungsräumen verwehren, genauso wollen wir ihnen den Zugang zu diesem Wissensraum verschließen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist schön der autoritäre Charakter unserer Gesellschaft zu beobachten und meine Frage ist da immer, wie aus Menschen, die in der Familie und in der autoritären Institution Schule autoritären Entscheidungen ausgesetzt sind, bei denen sie keine Mitspracherechte haben, überhaupt zu demokratischen Menschen erzogen werden sollen. Genauso Frage ich mich beim Internet, wie diese Menschen einen selbstbewussten und selbstbestimmten Umgang mit dem Wissensraum Internet erlernen sollen, wenn sie bis zu einem bestimmten Alter ausgeschlossen werden, beziehungsweise darauf hoffen müssen, dass die Eltern die Chancen erkennen und sie so den Zugang erhalten. 

Datenschutz ist ein schönes Feld um zu beobachten, wie Autoritär unsere Gesellschaft doch noch geprägt ist. Wir verlassen uns darauf, dass wir von Politik und Staat beschützt werden, wollen unsere Entscheidungen in der Gewissheit treffen, dass der Staat sich für uns Regeln überlegt hat, die die negativen Aspekte unserer Entscheidungen, die wir nicht mitgedacht haben, abfedern. Das macht uns bequem, das hält uns davon ab, uns mit Themen wie die Verschlüsselung von Daten nachzudenken. Ist ja reglementiert und deswegen kann ich halt eine Postkarte – also eine E-Mail – durch das Internet schicken, obwohl die Möglichkeit, diese E-Mail in einen Briefumschlag zu stecken, durchaus gegeben und auch kein Hexenwerk mehr ist. Klar, es kostet Zeit, sich damit auseinanderzusetzen und sich die Informationen zu besorgen, aber wir sollten uns die Zeit einfach nehmen, so wie wir uns für eine demokratische Gesellschaft generell sehr viel mehr Zeit nehmen sollten, um unsere Demokratie weiterzuentwickeln und um so die Entscheidungs- und Mitgestaltungsräume zu erweitern.

28 Januar 2021

Meine digitale Mediengeschichte

Bild Wissen sammeln, Zeichnung.

Das Internet und ich, die Geschichte hat irgendwann 1998 angefangen. Damals noch nicht so wirklich schnell, da ich nur einen Amiga 2000 hatte, was die Übertragung noch einmal ordentlich ausgebremst hat. Ja, es gab damals schon einen Internetbrowser für den Amiga, aber das Aufrufen von Webseiten hat ewig gedauert, was also nicht wirklich Spaß gemacht hat.

Richtig los mit den neuen Medien ging es dann so 2001/2002, als ich die Foren und Chats für mich entdeckte. 2004 startete ich dann meinen ersten Blog, nachdem ich durch eine Zeitschrift darauf aufmerksam wurde. Allerdings war ich damals nicht wirklich gefestigt, sodass der Blog ziemlich schnell von mir wieder gelöscht wurde. Im selben Jahr startete ich meine Literaturseite, die einem Blog schon nahekam, aber auf einfache HTML-Dateien basierte. Später zog ich mit der Seite auf ein CMS um, wo es leichter für mich war, meine Buchbesprechungen zu veröffentlichen. Nebenbei war ich weiterhin in Foren unterwegs, wo die Kommunikation mit anderen Menschen viel Spaß machte. Super war damals, dass die Diskussionen immer wieder nachgelesen werden konnten und sich so auch die Möglichkeit ergab, sich mit seinen eigenen Argumenten später noch einmal zu beschäftigen und Widersprüche zu finden, was mich generell sehr viel weiter brachte.

2006 fing ich dann an, mein Abitur auf dem Abendgymnasium nachzuholen, was nicht viel mit den neuen Medien zu tun hat, aber nach einem kleinen Tief und einer Auszeit machte ich mich 2007 auf den Weg zum Abitur und nutzte hierfür ab 2008 einen weiteren Blog, um dort das Gelernte zu reflektieren und so mein Wissen zu festigen. Was als Lernblog begann, ist heute mein persönlicher Blog, in dem ich alle Gedanken und Erlebnisse von mir einfange. Und er hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich im Jahr 2010 mein Abitur dann auch in der Tasche hatte.

Ebenfalls 2008 entdeckte ich dann die sozialen Netzwerke. Es begann mit Twitter, wo ich mich registrierte, um einer anderen Buchbloggerin zu folgen. Durch das geweckte Interesse ging es dann weiter zu Facebook. Wirklich datensparsam bin ich auf beiden Plattformen nicht, was für mich kein Problem ist, weil ich mir so ziemlich bewusst bin, dass das später auch gegen mich verwendet werden könnte. Allerdings stehe ich zu meinen Meinungen und zu meinen Entwicklungen über die vielen Jahre und finde es spannend, meine früheren Ichs dort immer wiederzuentdecken und meine Entwicklung zu verfolgen. In den letzten 12 Jahren kamen dann noch viele andere soziale Netzwerke hinzu, die alle ihren Reiz haben oder hatten und die alle dazu beigetragen haben, meinen Blick auf die Welt zu erweitern. Instagram, Google+ und wie die Netzwerke alle hießen, darunter auch dezentrale Netzwerke wie Mastodon und Diaspora.

Und ich bin weiterhin neugierig auf die Welt, auf die Menschen, die in ihr leben, auf die vielen neuen Ansätze für digitale Medien und soziale Netzwerke, vermisse aber schon die Foren von damals, mit denen ich in diese Welt eingetaucht bin. Vielleicht kommen die irgendwann Mal wieder, aber wenn nicht, sind die vielen anderen digitalen Netzwerke und Medien ja auch gut genug, um Zeit zu verschwenden.

24 Dezember 2020

Anstand im Netz, gibt es das überhaupt?

Bild Wissen sammeln, Zeichnung.

Anstand im Netz, gibt es das überhaupt? Dies ist die erste Frage, die im Kurs „Anstand im Netz“ gestellt wird. Und natürlich müssen wir uns diese Frage stellen, denn wer regelmäßig auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Medien unterwegs ist, wird sich auch regelmäßig diese Frage stellen. Schnell rutscht eine Diskussion von der sachlichen Ebene auf die Persönliche, schnell wird nicht mehr argumentiert, sondern beleidigt, weil die gefühlte Anonymität im Netz das zulässt und weil schnell vergessen wird, dass da auf der anderen Seite auch ein Mensch ist! Ein Mensch mit Gefühlen, mit anderen Erfahrungswerten und Assoziationen. Ein Mensch der durch Worte durchaus verletzt werden kann, auch wenn wir ihn persönlich gar nicht sehen, wir den Menschen hinter der Diskussion nicht wahrnehmen.

Es gibt Menschen, die spielen im Internet eine Rolle, wollen etwas sein, was sie im realen Leben nicht sind. Dabei vergessen sie aber, dass auch das Internet ein Ort ist, in welchem sich normale Menschen treffen, Menschen, die keine Rolle spielen, die genau so sind, wie sie sind. Verletzlich, emotional, menschlich! Würde es keinen Anstand im Netz geben, dann wären diese Menschen auch nicht im Internet, dann wären nur noch die Menschen hier, die tatsächlich eine Rolle spielen, die Grenzen austesten möchten, die einen Scheiß auf das geben, was andere Menschen im Internet schreiben.

Doch so ist das Internet zum Glück nicht! Natürlich gibt es viele, die sich hinter der Anonymität verstecken, die meinen, dass sie andere Menschen beleidigen und einschüchtern müssen. Aber es gibt auch Menschen, die bauen sichere Orte für all die, die sich im Internet mit Anstand begegnen möchten, die sich hier austauschen und ihren Horizont erweitern wollen. Es gibt diesen Anstand, wie die vielen Netiquetten beweisen, die überall im Internet zu finden sind.

Natürlich müssen wir aufpassen, dass diese Räume nicht verdrängt werden. Wir müssen zeigen, dass das Internet kein anonymer Raum ist und das in diesem Raum Menschen agieren. Das ist die Aufgabe von uns allen und wir müssen notfalls auch Grenzen ziehen, Leitplanken, die verhindern, dass das anständige Miteinander durch Trolle zerstört wird.

Das Internet ist ein Ort, welcher von Menschen gestaltet wird. Die meisten von diesen haben sowohl im realen wie auch im virtuellen Raum Anstand und vermitteln diesen auch. Und weil das so ist, kann die Antwort auf die Frage auch nur sein, dass es auf jeden Fall sehr viel Anstand im Netz gibt.

Dieser Artikel ist meine Antwort auf die Reflexionsfragen zum Online-MOOC “Anstand im Netz”, der durch die virtuelle Hochschule Bayern (vhb) angeboten wird.