8 August 2018

Nachtgedanken: Ausbildung

Eigentlich sollte ich schon seit Stunden schlafen. Eigentlich wollte ich auch schon seit Stunden schlafen, aber irgendwie ist es dann doch ein wenig warm und mein Körper kommt gerade nicht richtig runter, obwohl ich Müde bin. Stattdessen lese ich gerade Blogs im Feedreader (meiner lebt immer noch und ich liebe Feeds) und schreibe hier so ein wenig meine Gedanken nieder.

Ausbildung

Vor ein paar Tagen diskutierte ich auf Twitter mal wieder über die Ausbildung im Allgemeinen. Ausbildung ist dabei für mich eine Investition von zwei Seiten. Die eine Seite ist der Auszubildende selbst. Er investiert mit der Ausbildung in seine berufliche Zukunft. Wenn er Glück hat, steht er danach ziemlich gut da, hat all die Werkzeuge, die er braucht, um in ein gutes Berufsleben zu starten und verdient damit dann seinen Lebensunterhalt.

Die andere Seite, die da eine Investition tätigt, ist das Unternehmen selbst. Im Idealfall bilden Unternehmen junge Menschen aus, damit diese dann später im Unternehmen als Fachkräfte arbeiten. Sie sollen nachrücken für die Fachkräfte, die das Unternehmen in Richtung Ruhestand verlassen oder die in anderen Unternehmen neue Herausforderungen suchen. Es ist also eine Investition in die Zukunft des Unternehmens, die sich für das Unternehmen dann auszahlt, wenn der Auszubildende die Ausbildung erfolgreich abschließt und anschließend im Unternehmen Werte schafft, also, um es ganz vereinfacht zu sagen, Profite für das Unternehmen erwirtschaftet.

Natürlich kostet die Ausbildung Geld, aber ich halte es für falsch, wenn immer nur der Zeitraum der Ausbildung betrachtet wird, denn das Ziel der Ausbildung für das Unternehmen ist ja nicht die Ausbildung selbst, sondern die Fachkraft, die danach dem Unternehmen zur Verfügung steht. Gerade im kapitalistischen System geht es nicht nur um die Weitergabe von Wissen, sondern es geht darum, die Menschen in die Wertschöpfungsketten zu integrieren, damit diese Profite erwirtschaften.

Ich glaube übrigens auch nicht, dass die Nutzen-Kosten-Rechnung in jedem Ausbildungsberuf für die Unternehmen immer negativ ist. Klar zahlen die Unternehmen den Ausbilder, klar zahlen sie die Prüfungsgebühren an die IHK und ja, sie zahlen auch eine Ausbildungsvergütung an den Lehrling, aber im Gegenzug wird durch viele Lehrlinge auch ein wirtschaftlicher Nutzen erzeugt.

Sicher gibt es auch Ausbildungen, in denen die Kosten-Nutzen-Rechnung für das Unternehmen in den Ausbildungsjahren negativ ist. Aber auch hier gilt, dass das eine Investition in die Zukunft des Unternehmens ist. Oder in die Zukunft des gesellschaftlichen Wissens, wenn von vornherein klar ist, dass der Auszubildende nur die Ausbildung absolviert und danach nicht im Unternehmen verbleibt.

Und warum zahlt die Ausbildung nicht der Staat beziehungsweise die Gesellschaft?

Wenn eine Ausbildung Wissen weitergibt und somit sichert, dann ist das mit Sicherheit ein Nutzen für die Gesellschaft, aber im kapitalistischem System schöpft nicht die Gesellschaft die Gewinne ab, sondern es sind die Unternehmen, die diese Gewinne für sich beanspruchen. Natürlich zahlen sie davon Steuern, aber dafür steht ihnen auch eine anständige Infrastruktur zur Verfügung, die staatlich finanziert wurde. Und den größten Teil der Ausbildung zahlt ja auch die Gesellschaft, denn die drei Jahre Ausbildung im Betrieb sind ja nur die Spezialisierung auf ein bestimmtes Fachgebiet, die Ausbildung selbst beginnt aber schon in der Schule, wo den jungen Menschen die Werkzeuge wie Lesen, Schreiben und Rechnen mitgegeben werden.

Wenn wir diese Punkte betrachten, dann sollte es für Unternehmen durchaus zumutbar sein, die Investition und das Risiko für die letzten drei Jahre der (Fach)Ausbildung selbst zu tragen.

Ich hoffe, dass einigermaßen klar geworden ist, was ich sagen will. Wenn nicht, dann entschuldige ich mich, aber es ist auch schon spät und eigentlich möchte ich schon seit einigen Stunden schlafen.

6 Juni 2012

Fachkräftemangel? Ach leckt mich doch…

Fachkräftemangel – ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie mir dieses Wort langsam auf den Keks geht. Fachkräftemangel, dieses verdammte Wort höre ich schon seit meiner Ausbildung, und die habe ich im Jahr 2004 beendet, also vor 8 Jahren. Dennoch gibt es ihn immer noch, den Fachkräftemangel. Aber warum?

Es gibt so viele Arbeitslose, mehrere Millionen, da werden doch wohl ein paar Tausend dabei sein, die entweder qualifiziert genug sind, um eine Fachausbildung zu bekommen, oder die schlau genug sind, um durch Weiterbildungen und Ausbildungen qualifiziert zu werden. Warum wurde es nicht gemacht? Wahrscheinlich um das Bild vom faulen Hartz4-Empfänger aufrecht zu erhalten, der nicht einmal in der Lage ist die Bundeskanzlerin zu erkennen. Ob wir wohl immer noch Fachkräftemangel hätten, wenn die Millionen die in sinnlose Bewerbungstraining-Maßnahmen gesteckt wurden, in die Ausbildung, oder in die Schulbildung der Arbeitslosen gesteckt wurden wäre? Wenn man willigen Arbeitslosen dabei geholfen hätte, einen vernünftigen Schulabschluss nachzuholen? Ich glaube, dann hätten wir diesen Fachkräftemangel nicht mehr, dann wären die Stellen besetzt und wir müssten nicht jammern.

Ich weiß selbst, wie schwer es war, die drei Jahre zu finanzieren, in welchen ich mein Abitur auf der Abendschule nachgeholt habe. Das kann verbessert werden, die Arbeitsagenturen könnten mit diesen Schulen zusammenarbeiten, sie könnten den Arbeitslosen weniger Steine in den Weg legen, wenn diese ihren Schulabschluss nachholen möchten. Aber das wäre wohl zu einfach, zu einfach für den Staat und zu teuer für die Unternehmen.
Denn auch die Unternehmen könnten sich ihre Fachkräfte ausbilden. Dafür müssten sie Geld in die Hand nehmen, damit die Ausbildungswilligen das Studium leisten können. Aber wozu sollte man das tun, wenn im Ausland die Fachkräfte ja schon ausgebildet wurden, und sie somit sofort und kostengünstig für die deutsche Wirtschaft zur Verfügung stehen?

Ach so, ich vergaß, die meisten Arbeitslosen sind zu doof. Es ist gar nicht möglich diese auszubilden, denn die Gehirne sind einfach viel zu klein. Ach ja, und außerdem trinken die meisten ja schon morgens um acht die dritte Flasche Bier und machen sich ihre erste Flasche Wodka auf. Ich habe also überhaupt nichts gesagt, diese Menschen sind verloren, sie sind es nicht wert ausgebildet zu werden, sie haben gar keine Chance verdient, um zu beweisen, dass sie durchaus in der Lage sind, eine Ausbildung zur Fachkraft zu überstehen.

Ach, was rege ich mich eigentlich auf. Liebe Leser, wir brauchen Fachkräfte, begebt euch in die Ausbildungslager in Thailand, damit ihr hier dann eine Chance auf Arbeit habt.