Es sind jetzt ein paar Tage vergangen, seit der Wahl in Sachsen-Anhalt. Meine erste Reaktion konntet ihr schon am Montag lesen. Sie war nicht so offensiv, hat die Wahl nicht direkt adressiert, weil ich ja möchte, dass in den ersten Stunden und Tagen die wirklich relevanten Dinge gelesen werden. Für Gefühle und Ängste ist ein paar Tage später noch immer Zeit.
Nun sind also ein paar Tage vergangen, und ich habe natürlich mitverfolgt, wie das Netz so reagiert hat. Die Wahl war ja nun leider in einem ostdeutschen Bundesland und so konnte wieder schön das Bashing gegen Ostdeutsche beobachtet werden. Es war wieder alles dabei! Die einen möchten ihren Soli zurück, die anderen wollen eine Mauer bauen und überhaupt wird mehr Dankbarkeit von den Ostdeutschen verlangt, immerhin haben die Westdeutschen sie ja aufgenommen …
Ich will mich gar nicht weiter darüber aufregen. Das habe ich 2018 schon gemacht, kann aber verstehen, wenn es andere Menschen aus dem Osten ankotzt. Am Ende war die Wiedervereinigung halt keine Wiedervereinigung, die auf Augenhöhe stattgefunden hat. Kein Zusammensetzen und schauen, was es in beiden Staaten Gutes gab, was dann in den gemeinsamen Staat übernommen wird, wodurch etwas Gemeinsames und Neues hätte entstehen können. Es war am Ende halt nur eine Übernahme, wo alles verschwinden musste, was mit der DDR zu tun hatte – auch die Lebensbiografien- und Leistungen der Menschen, die dort gelebt haben. Aber wie schon gesagt, darüber habe ich mich 2018 aufgeregt, inzwischen Ignoriere ich es einfach.
Es wird uns nicht weiterbringen, denn dieses Spiel bringt nur die AfD weiter. Dass diese Partei aber eben nicht nur ein ostdeutsches Problem ist, sollten die beiden Wahlen im letzten Jahr eigentlich deutlich gezeigt haben. Wir könnten weiterkommen, wenn wir endlich aufhören würden, jeder Spaltung hinterherzurennen. Wenn wir Lebensleistungen anerkennen würden, egal ob sie in einem noch existierenden Land erbracht wurden oder in einem, was seit Jahrzehnten nicht mehr existiert.
Wenn ich mir die Erzählungen immer so anschaue, dann dürfte es in Ostdeutschland eigentlich keine Verlierer*Innen gegeben haben, immerhin ist ja soviel Geld in den Osten geflossen. Das ist aber nicht der Fall, es gab viele, die sehr viel verloren haben.
Nein, mehr jetzt nicht zu dem Thema, denn es ist am Ende keine Entschuldigung dafür, dass so viele Menschen sich für Hass und Hetze entschieden haben, das Menschenfeindlichkeit wieder Salonfähig ist und nur noch aus Bauchgefühlen heraus entschieden wird. Auch wenn wir emotionale Blobs sind, sollten wir schon in der Lage sein, Fakten anzunehmen, zu interpretieren und Entscheidungen auch daran auszurichten. Die werden garantiert auch weiterhin einen Anteil Bauchgefühl enthalten, der darf nur halt nicht 100 Prozent betragen und von Hass und Hetze getragen sein.
Politisch stellen
Was mich ärgert und was mir Angst macht, sind tatsächlich die Reaktionen, die weiterhin gegen eine Prüfung eines AfD-Verbots argumentieren. Die Stimmen, welche noch immer meinen, dass sich die AfD in Regierungsverantwortung selbst entzaubert und die immer noch meinen, die AfD politisch stellen zu können. Das hat vor ein paar Jahrzehnten nicht funktioniert und das wird auch jetzt nicht funktionieren! Da wäre es doch wenigstens schön zu wissen, ob das Bundesverfassungsgericht für oder gegen ein Verbot wäre. Damit ließe sich dann wenigstens arbeiten.
