25 November 2020

Das gesellschaftliche Hamsterrad und die Pandemie

Baumreihe

Es ist gerade spannend zu sehen, wie sich Politiker*innen immer weiter in ihrem Hamsterrad drehen, aus dem sie nicht herauskommen, weil das bedeuten würde, dass gesellschaftliche Konzepte auf den Prüfstand müssten. Konzepte, die wir jetzt Jahrzehnte so gelebt haben, weil es einfach so schön einfach ist und die wir nur nicht antasten dürfen, weil es halt schon immer so war!

Da müssen Schüler*innen weiter in die Schule, weil es eben wichtig ist, dass sie in die Schule gehen. Sonst wären ja die Eltern plötzlich gebunden, könnten nicht mehr die volle Zeit ihrer Arbeit nachgehen und das würde ja der Wirtschaft schaden. Und überhaupt, die Kinder müssen doch in die Schule, müssen doch soziale Kontakte haben und Lernen geht halt nicht anders! Am Nachmittag allerdings, also in ihrer Freizeit, da müssen sie soziale Kontakte dann unbedingt vermeiden, muss ja jeder seine Opfer bringen in der Pandemie. Kurz gesagt: Vormittags in der Schule schön anstecken und Nachmittags dann den Virus im Haushalt verteilen! Wobei, in der Schule steckt sich ja keiner an, passiert ja alles woanders und überhaupt … ach lassen wir das.

Es gab ja nicht den Sommer, in dem wir Modelle hätten entwickeln können, die jetzt den Druck herausnehmen würden. Digitale Konzepte, die den Schüler*innen zumindest eine Wahlmöglichkeit hätten geben können. Aber dann könnte sich ja am Ende vielleicht herausstellen, dass das System der Schulpflicht gar nicht notwendig ist und es durch das Recht auf Lernen ersetzt werden könnte.

Wo ich das Thema gerade anspreche: Ein Recht auf Lernen könnte auch Schüler*innen aus einkommensschwachen Haushalten davor schützen, dass das Job-Center plötzlich der Meinung ist, dass diese kein Abitur brauchen, sondern lieber arbeiten gehen sollen. Aber das ist ein anderes Thema, welches halt immer wieder Mal aufkommt, aber niemanden wirklich interessiert. Warum sollten Jugendliche aus Hartz4-Haushalten auch dieselben Chancen haben wie andere?

Zurück zu den Schulen. Das Problem sind ja nicht nur die fehlenden digitalen Konzepte, das Problem ist ja auch der Datenschutz. Ja, Datenschutz ist wichtig, aber es muss möglich sein, dass das Internet weiterhin als Kommunikationskanal genutzt werden kann und es muss auch möglich sein, dieses riesige Wissensnetz als Lernplattform einzusetzen. Wenn Eltern das allerdings nicht möchten, dann nutzt das beste digitale Konzept nichts! Ja, nicht nur Politiker drehen sich im Hamsterrad, auch viele andere Menschen sind darin gefangen, kommen einfach nicht raus, haben Angst vor dem Neuen und halten am Alten fest, weil das halt schon immer so war!

Nicht Wirtschaft, sondern Menschen retten

Der nächste Punkt ist dann weiterhin das BGE. Menschen brauchen – gerade in der Pandemie – ein sicheres Einkommen! Damit ist sehr viel mehr Menschen geholfen, als mit den 9 Milliarden Euro, die an die Lufthansa gegangen sind. Die Wirtschaft sollte ein Konstrukt sein, dass dem Menschen zu einem guten Leben verhilft. Derzeit ist es aber ein Konstrukt, was für viele Menschen ein gutes Leben unmöglich macht, weil es die Lebensgrundlagen zerstört und Mensch, Tier und Natur ausbeutet. Darum müssen jetzt auch die Schulen offen bleiben, damit diese Wirtschaft weiterhin Wohlstand für wenige schafft. Wäre es nicht so, dann müssten wir die Wirtschaft nicht retten, weil wir sie einfach herunterfahren könnten und sie dann – nach der Pandemie – ohne Schäden wieder hochfahren könnten.

Wären Wohn- und Geschäftsräume nicht dazu da, um anderen Menschen Renditen zu bringen, wären sie also in gesellschaftlicher Hand, könnte die Gesellschaft jetzt entscheiden, dass sie für einen gewissen Zeitraum auf die zu zahlenden Mieten verzichtet. Genauso sieht es bei Strom, Telekommunikation und anderen wirtschaftlichen Bereichen aus, bei denen wir als Gesellschaft einfach hätten auf Einnahmen verzichten können, damit alle gut durch die Pandemie kommen. Dann hätte es danach einfach weiter gehen können, dann bräuchte jetzt keiner Angst haben, durch die Pandemie seine Existenz zu verlieren!

Eine solche Wirtschaft haben wir aber nicht, hatten wir vor der Pandemie nicht und hätten wir jetzt in der Pandemie auch nicht erreichen können, aber wir hätten ein BGE einführen können! Habe ich jetzt schon oft genug geschrieben, hier im Blog, auf Twitter, überall, wo ich regelmäßig schreibe. Haben wir auch nicht gemacht und damit wieder eine Chance verpasst, die Gesellschaft insgesamt solidarischer zu organisieren.

Da hätten wir dann schon ein weiteres gesellschaftliches Konstrukt angefasst, nämlich das Konstrukt der Erwerbsarbeit. Oje, Erwerbsarbeit, Schulpflicht, was denn noch?

Vielleicht generell die repräsentative Demokratie? Nein, ich will keine Diktatur! Allerdings will ich demokratische gesellschaftliche Institutionen! Eine demokratische Wirtschaft, eine demokratische Institution Schule und vieles mehr. Werde ich wahrscheinlich nie erleben, weil wir uns immer weiter in unserem Hamsterrad drehen, weil es morgen noch so ist, weil es immer schon so war.

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Verfasst 25. November 2020 von Sven in category "Corona", "Dies und Das", "Erlebnisse und Gedanken

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