Mit Tränen in den Augen sitze ich hier, hab den Stift in der Hand und mein Heft liegt vor mir. Hab einen Text im Kopf, den ich schreien will, schaffe es aber nicht und bring ihn auch nicht zu Papier. Ein Gedicht, das sich nicht reimen will, eine Wut, die sich nicht zeigen will!
Geht!
„Geht!“, schreit die Stimme in meinem Kopf. Geht, solange es noch mit Würde möglich ist. Lasst sie stehen, mit ihrer Unmenschlichkeit, ihrem Hass, der sie in die Vergangenheit treibt! Ihr müsst dort nicht bleiben, nicht aus Mitgefühl, nicht aus Verantwortung und schon gar nicht wegen eines Pflichtgefühls. Mit der Wahl hat die Mehrheit dort deutlich gesagt, dass Wut und Hass das Ruder übernommen hat!
Geht, auch wenn es schwer ist, die Zelte abzubrechen, Freunde zurückzulassen und an einem neuen Ort wieder anzukommen. Es ist schwer und doch die Chance an einem Ort anzukommen, der Vielfalt liebt und dort eine Heimat zu bekommen. Und vielleicht ist es auch die letzte Chance, um Menschen wachzurütteln, Wut und Hass abzuschütteln.
Wenn plötzlich der Straßenimbiss fehlt und die Pflegekraft, die Ärztin verschwindet oder die Reinigungskraft, dann fällt diesen Menschen vielleicht doch noch auf, dass die Gesellschaft was anderes als Menschenhass braucht.
Klar fühlt sich das Gehen wie eine Niederlage an, doch ich würde gern sehen, wie lange der Menschenhass seinen Sieg feiern kann. Wie lange der Wohlstand dann erhalten bleibt, wenn Wut und Hass Kollegen und Freunde vertreibt. Weil diese eben nicht nur Kollegen und Freunde sind, sondern auch die Fremden, die nicht mehr Willkommen sind!
Vielleicht ist das die Therapie, die ein Land braucht, welches Vorurteile und Fremdenhass pflegt, welches Probleme nur mit Menschenhass löst. Die Schocktherapie, die dann deutlich aufzeigt, dass Wut, Hass und Unmenschlichkeit, zwar Freunde und Kollegen, aber keine Probleme vertreibt.
Und wenn sie nicht hilft, dann hoffe ich sehr, ihr baut einen Ort der Vielfalt und Freude, der dann für alle offen steht, die für Menschlichkeit, Toleranz und Liebe stehen, aus Verzweiflung ihrer Heimat den Rücken zudrehen und Gehen.

