07.09.2025: Geht!

Mit Tränen in den Augen sitze ich hier, hab den Stift in der Hand und mein Heft liegt vor mir. Hab einen Text im Kopf, den ich schreien will, schaffe es aber nicht und bring ihn auch nicht zu Papier. Ein Gedicht, das sich nicht reimen will, eine Wut, die sich nicht zeigen will!

Geht!

„Geht!“, schreit die Stimme in meinem Kopf. Geht, solange es noch mit Würde möglich ist. Lasst sie stehen, mit ihrer Unmenschlichkeit, ihrem Hass, der sie in die Vergangenheit treibt! Ihr müsst dort nicht bleiben, nicht aus Mitgefühl, nicht aus Verantwortung und schon gar nicht wegen eines Pflichtgefühls. Mit der Wahl hat die Mehrheit dort deutlich gesagt, dass Wut und Hass das Ruder übernommen hat!

Geht, auch wenn es schwer ist, die Zelte abzubrechen, Freunde zurückzulassen und an einem neuen Ort wieder anzukommen. Es ist schwer und doch die Chance an einem Ort anzukommen, der Vielfalt liebt und dort eine Heimat zu bekommen. Und vielleicht ist es auch die letzte Chance, um Menschen wachzurütteln, Wut und Hass abzuschütteln.

Wenn plötzlich der Straßenimbiss fehlt und die Pflegekraft, die Ärztin verschwindet oder die Reinigungskraft, dann fällt diesen Menschen vielleicht doch noch auf, dass die Gesellschaft was anderes als Menschenhass braucht.

Klar fühlt sich das Gehen wie eine Niederlage an, doch ich würde gern sehen, wie lange der Menschenhass seinen Sieg feiern kann. Wie lange der Wohlstand dann erhalten bleibt, wenn Wut und Hass Kollegen und Freunde vertreibt. Weil diese eben nicht nur Kollegen und Freunde sind, sondern auch die Fremden, die nicht mehr Willkommen sind!

Vielleicht ist das die Therapie, die ein Land braucht, welches Vorurteile und Fremdenhass pflegt, welches Probleme nur mit Menschenhass löst. Die Schocktherapie, die dann deutlich aufzeigt, dass Wut, Hass und Unmenschlichkeit, zwar Freunde und Kollegen, aber keine Probleme vertreibt.

Und wenn sie nicht hilft, dann hoffe ich sehr, ihr baut einen Ort der Vielfalt und Freude, der dann für alle offen steht, die für Menschlichkeit, Toleranz und Liebe stehen, aus Verzweiflung ihrer Heimat den Rücken zudrehen und Gehen.

Wer schreibt hier? Sven Buchien

Ich bin Sven. Geboren 1982 in Ost-Berlin, seither ziemlicher Einzelgänger, der sich für alle möglichen Dinge interessiert und deswegen vieles nie zu einem Ende bringt. Mensch mit Abitur, der mal was Studieren wollte, aber das auch nicht beendet hat. Davor hat er aber zumindest die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel - Fachrichtung Großhandel erfolgreich beendet. Selbstständig. Ständig fragend in das Aquarium Welt schauend. Blogger. Dieser Blog hat nichts mit Aquarien zu tun! Er ist ein Aquarium voll mit meinen Gedanken, Geschichten, Erlebnissen und noch viel mehr. Eine bunte Welt, die ihr anschauen könnt, in die ihr eintauchen und diskutieren könnt, die ihr mit Kommentaren und Gedanken erweitern und bunter machen könnt. Es ist meine Welt, in der Gedanken fließend sind, dass Wasser, die Grundlage für das Leben, die Artikel, die die Fische in diesem Aquarium sind. Der Blog könnte auch Zettelkasten, Mülleimer oder Gedankenablage heißen, aber das Aquarium war es, was am besten passte und am besten passt. Eine kleine, eigene Welt, meine Gedanken- und Erlebniswelt, die durch das Glas drumherum für alle Sichtbar wird, die aber eben doch begrenzt ist durch mich, durch meine Erlebnisse, mein Wissen, offen aber für andere Gedanken, die diese Welt erweitern. In diesem persönlichen Blog teilt Sven Buchien regelmäßig Essays, Erfahrungsberichte und Notizen zu Themen wie IT, Gesellschaft und dem Alltag in Berlin.

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