17 Januar 2012

Brief an das Leben – Teil 1

Hallo Leben,

ich schreibe dir diesen Brief, weil du auch mal einen erhalten solltest. Ich weiß zwar nicht, ob man
sich bedanken sollte, dass du in uns bist oder ob man sich eher beschweren sollte. Auf jeden Fall gibt es dich und durch dich gibt es mich.
Irgendwann steigt alles, was lebt, in diesen Zug ein, in deinen Zug, der aber immer nur in eine Richtung fährt, ein zurück gibt es nicht. Eigentlich bist du ja egoistisch, Leben, denn du fährst nur dort lang, wo du lang fahren willst, und du hältst nur dort an, wo du anhalten möchtest.
Tja Leben, manchmal überlegt man sich die Notbremse zu ziehen und einfach aus zusteigen, aber selbst da machst du nicht mit, denn egal wo man aussteigt, man ist immer am Ziel, dort wo der Zug eh hin wollte. Das ist echt gemein von dir, warum lässt du den Zug dann eigentlich so lange fahren?

Früher muss der Zug schneller gefahren sein, denn früher sind die Menschen nicht so alt geworden wie heute, aber früher hattest du wohl auch noch nicht so eine Last mit dir zu tragen. Oder bist du einfach nur aus dem Takt gekommen? Durch die vielen Aufenthalte, die du einlegen musstest, um die ganzen Leute aussteigen zu lassen, die den Zug verlassen mussten, weil andere nicht wollten, das sie weiter in diesen Zug mitfahren sollten.

Tja, auch jetzt hältst du ziemlich oft noch zwischen durch an, weil Menschen, welche eigentlich eine ganz andere Endstation hatten, jetzt schon aussteigen, ja du hast recht, Menschen sind heutzutage sehr flexibel geworden. Manche steigen freiwillig aus, andere müssen aussteigen, weil sie dazu genötigt werden. Und du? Du schaust dir das einfach so an! Ist dein Zug denn schon so überfüllt, dass du Menschen los werden musst? Oder hast du einfach gar nicht mehr die Macht etwas dagegen zu tun? Hat der Mensch etwa kein Respekt mehr vor dir und du musst dich verstecken, dass sie dich nicht irgendwann mal in einen Käfig sperren? Tja Leben, ich glaube da bist du manchmal selbst dran schuld, hast du den Menschen doch soviel Platz gelassen um sich zu entwickeln.

Hey Leben, warum fährt dein Zug eigentlich durch so viele hässliche Gegenden? Warum sieht man in letzter Zeit so viel Kummer und Leid? Musst du gerade auf einem Nebengleis fahren, weil das Hauptgleis kaputt ist und repariert werden muss? Wann biegen wir denn dann wieder auf das Hauptgleis ab?

Naja Leben, ich weiß das Du versuchst es jedem Recht zu machen, aber darunter leiden leider auch sehr viele, doch was könntest du schon anders machen? Lass sie doch einfach das machen was sie wollen, oder meinst du, dass es dann alles aus dem Ruder läuft? Vielleicht hast du recht und es muss einfach so sein. Deswegen bin ich doch zum Entschluss gekommen mich zu bedanken, schließlich sitze ich hier wohl in der 1. Klasse in deinen Zug. Mir geht es eigentlich gut, natürlich sind auch wir durch dunkle Tunnel gefahren und auch ich habe Orte gesehen, die mir nicht gefallen haben. Aber im Großen und Ganzen geht es mir gut, nicht so wie den Leuten in der zweiten oder dritten Klasse. Naja, wo sollten die Leute auch hin, ist doch in der 1.Klasse deines Zuges gar nicht so viel Platz.

Leben, vielleicht schickst du mir ja mal ein paar Antworten, von mir bekommst du auf jeden Fall noch mehr Briefe. Habe ich dir doch noch so vieles zu schreiben, was in diesen ersten Brief gar nicht rein passt.

So das soll es auch erst mal gewesen sein, ich freue mich auf eine schnelle Antwort von dir

Liebe Grüße,

Sven

Bereits 2004 in meinem Forum veröffentlicht.

11 Dezember 2011

Blog Adventskalender 2011 – 11. Söckchen

11. Söckchen
11. Söckchen

Heute ist der 11.Dezember und somit Zeit für das 11.Türchen des Blogger-Advent-Kalenders Es ist das erste Mal, das ich dran teilnehme und ich hoffe, dass euch die Kurzgeschichte gefällt, die ich für euch geschrieben habe.

Als der Weihnachtsmann Weihnachten verschlief.. .

„Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hat der Weihnachtsmann verpennt.“, so heißt es in einem Weihnachtsgedicht. Und tatsächlich gab es einmal ein Weihnachtsfest, an dem der Weihnachtsmann verschlafen hatte. Das ist schon sehr lange her, und natürlich erinnert sich heute auch keiner mehr daran, wofür der Weihnachtsmann verantwortlich ist.

Damals hatte der Weihnachtsmann sehr viel um die Ohren, denn es war mal wieder Krieg auf Erden und auch die Pest verbreitete Leid und Schrecken auf der ganzen Welt. Täglich starben irgendwo auf der Welt Menschen, darunter auch viele Kinder. Für den Weihnachtsmann bedeutete das, dass er täglich sein großes Weihnachtsbuch aktualisieren musste. Dafür brauchte er manchmal den ganzen Tag und die ganze Nacht, sodass er keinen regelmäßigen Schlaf bekam. Computer gab es damals noch nicht, auch nicht beim Weihnachtsmann, weswegen es immer sehr lange dauerte, um das Weihnachtsbuch aktuell zu halten. Das ganze Jahr über musste der Weihnachtsmann die Namen der Kinder streichen, welche durch den Krieg oder durch die Pest ums Leben gekommen sind. Außerdem musste er die Adressen der Kinder aktualisieren, die durch den Krieg oder durch die Pest ihre Eltern verloren hatten und deswegen in ein Waisenhaus gekommen sind.
Natürlich musste er auch noch das Spielzeug kontrollieren, welches von seinen Helfern produziert wurde und auch die Rentiere brauchten seinen Zuspruch, damit sie am 24.12 auch bereit waren, seinen schweren Schlitten zu ziehen.

Es war also eine sehr harte Zeit für den Weihnachtsmann und so geschah es, das er am 23.12 einschlief. Er fiel in einen so tiefen Schlaf, dass auch seine Helfer nicht genug Lärm machen konnten, um ihn zu wecken. Sie versuchten es mit Trommeln und mit Trompeten. Sie ließen Luftballons und Raketen knallen, doch all das half nichts, der Weihnachtsmann erwachte nicht aus seinem tiefen Schlaf. Erst am späten Abend des 24. Dezember wachte der Weihnachtsmann wieder auf, natürlich war es inzwischen viel zu spät, um die Geschenke noch rechtzeitig zu verteilen.
Die Zeit konnte der Weihnachtsmann nicht zurückdrehen, obwohl er über Zauberkräfte verfügt. Deswegen überlegte er angestrengt, wie er die Weihnachtsgeschenke doch noch rechtzeitig zum Heiligabend ausliefern konnte. Er hätte natürlich die Geschenke auch einfach am 25. Dezember verteilen können, aber das war ihm dann doch zu peinlich und außerdem hatte er Angst, dass die Menschen dadurch noch die letzte Hoffnung auf Frieden verlieren würden. Er hatte schon mit seinem Zauber versucht Frieden auf die Welt zu bringen, aber so stark waren seine Kräfte leider nicht, und so konnte er nur darauf hoffen, dass die Menschen den Frieden irgendwann selbst finden würden. Wenn jetzt noch der Heiligabend ausfallen würde, könnte diese Hoffnung in weite ferne rücken.

Dann kam ihm eine Idee! Fast alle Monate im Jahr hatten mindestens 30 Tage, nur der Februar tanzte mit seinen 28 Tagen aus der Reihe. So beschloss er, dem Februar einen neunundzwanzigsten Tag zu geben. Es hätte natürlich blöd ausgesehen, wenn nur dieses eine Jahr einen Februar mit neunundzwanzig Tagen hätte. Da er aber nicht einfach jedes Jahr um einen Tag verlängern konnte, entschied er sich dafür, jedes vierte Jahr um einen Tag zu verlängern. Damit hatte er dann auch noch ein zweites Problem gelöst, welches ihn schon seit vielen Jahrhunderten quälte. Denn alle vier Jahre trafen sich der Osterhase, der Nikolaus und der Weihnachtsmann, um gemeinsam im warmen Meer zu schwimmen und sich über die Feiertage auszutauschen. Dieser Tag fehlte ihn aber immer in der Weihnachtsvorbereitung, was den Weihnachtsmann jedes Jahr aufs Neue ärgerte. Nun konnte er einfach den 29. Februar für dieses Treffen nutzen.

So belegte er die Menschen mit einem Zauber, damit diese sich an den 29. Februar erinnern konnten, den es bisher noch gar nicht gab. Der Zauber bewirkte auch, dass es für die Menschen den 29.Februar schon immer gab. Nun musste er nur noch die ganzen Kalender austauschen, die es auf der Erde gab. Das machte er, während er die Geschenke auslieferte. Damit hatte er seinen Fehler wieder ausgebessert und er rettete damit auch die Hoffnung der Menschen, die nur wenige Wochen später im Frieden leben durften.
Allerdings gab es ein paar Menschen, bei denen der Zauber des Weihnachtsmannes nicht wirkte. Diese Menschen versprachen dem Weihnachtsmann aber, die Geschichte niemanden zu erzählen. Es hielten sich auch alle an dieses Versprechen, nur einer entschied sich, diese Geschichte aufzuschreiben. Da inzwischen aber alle Menschen aus dieser Zeit gestorben sind, weiß niemand, ob diese Geschichte auch wahr ist. Nur der Weihnachtsmann weiß, ob sich das Ganze so zugetragen hat, und ob er wirklich einmal das Weihnachtsfest verschlafen hat. Selbst seine Helfer können sich nicht mehr an diese Geschichte erinnern, denn dazu liegt sie schon viel zu weit in der Vergangenheit.

Morgen geht es weiter mit dem 12.Türchen des Blogger-Advents-Kalenders. Das Türchen findet ihr vielleicht auf dem meinungs-blog, oder auf gregel.com oder auf timotime.de.

24 April 2011

Ein seltsamer Montag – Kurzgeschichte

Ich werde diesen Montag wohl nie vergessen. Es war ein ganz normaler Montag, wie immer stand ich um sechs Uhr auf und schaltete den Computer an. Dieser startete ganz normal, doch als ich meine tägliche Dosis Nachrichten konsumieren wollte, ging überhaupt nichts. Mein Browser öffnete keine einzige Internetseite, mein Feed-Reader blieb leer und auch mein E-Mail-Eingang blieb verschont. Eigentlich schön, aber ich ging davon aus, dass mein Internet eine Störung hatte, weswegen ich den Computer wieder ausschaltete und mich auf den Weg zu meiner Bank begab. Ich brauchte unbedingt die Kontoauszüge, welche ich mir im Internet ja nicht holen konnte.

Bei meiner Bank angekommen, schauten mich die Mitarbeiter der Bank, welche um diese Uhrzeit eigentlich noch gar nicht hier sein dürften, verdutzt an. Noch bevor sie irgendwas sagen konnten, schob ich meine Bankkarte in den Kontoauszugsdrucker, der mir aber nur antwortete, dass keine Daten vorhanden seien. Keine Daten? Ich hatte in diesen Monat doch noch gar keine Kontoauszüge geholt, was eigentlich bedeutet, dass sehr viele Daten vorhanden sein müssten. Ich ging also zu den Bankangestellten, um mir von diesen Antworten zu holen. Diese konnten mir allerdings nur mitteilen, dass derzeit keine Kundendaten vorhanden sind. Es wisse noch niemand, was in dieser Nacht passiert ist, allerdings sind derzeit alle Daten verschwunden. Die Techniker seien gerade dabei, die Backups zu bergen und in das System einzuspielen, das könnte aber noch ein paar Tage dauern.

Ein Blick in meine Geldbörse verriet mir, dass ich eigentlich noch Geld holen müsste. Da dies bei dieser Bank derzeit nicht möglich war, ging ich gleich weiter zu einer anderen Bank, bei der ich noch ein weiteres Konto besaß. Aber auch hier gab es genau dasselbe Problem. Die Kundendaten seien über Nacht gelöscht wurden und nun sei man dabei, die Backups wieder einzuspielen.

Für mich bedeutete das, dass ich derzeit nicht an mein Geld kam. Jetzt musste ich mir für die nächsten Tage wohl etwas einfallen lassen, wenn das mit den Backups denn wirklich so lange dauern sollte. Wie sollte ich einkaufen gehen? Wie meine Miete überweißen? Bei diesem Stichpunkt fiel mir ein, dass ich auch noch einmal bei meiner Wohnungsbaugesellschaft vorbei gehen müsste. Bei der letzten Betriebskostenabrechnung gab es einige Dinge, die ich mir nicht ganz erklären konnte, weswegen hier ein klärendes Gespräch notwendig war, bevor ich die zusätzlichen Kosten bezahlen würde, wenn sie denn berechtigt waren.

Da ich meine Buchführung derzeit nicht machen konnte, und auch der Einkauf derzeit nicht möglich war, da ich kein Geld hatte, entschloss ich mich dieses Gespräch direkt hinter mich zu bringen. Inzwischen war es auch schon neun Uhr, sodass die Wohnungsbaugesellschaft auch schon Sprechzeiten hatte.

Doch auch dort konnten mir die Berater derzeit nicht helfen, denn die Wohnungsbaugesellschaft hatte derzeit keinen Zugriff auf die Mieterdatenbank, es schiene geradeso, als ob alles gelöscht wäre. Die IT-Techniker seien aber dran, es könnte aber einige Tage dauern, bis die Daten wieder verfügbar wären. Meine Beraterin schrieb sich meinen Namen und meine Telefonnummer auf, und versprach mir, mich sofort anzurufen, sobald die Daten wieder verfügbar wären.

Unverrichteter Dinge ging ich wieder nach Hause, um mich hier dann wenigstens um die Kundenpflege zu kümmern. Auf meinem PC waren noch alle Daten vorhanden, so auch die Telefonnummern, die Anschrift, die Mahnungen, halt alles, was zu einem Unternehmen dazugehört. Es wäre allerdings viel zu schön gewesen, wenn denn wenigstens die Telefone gehen würden. Weder die Handys noch die Festnetztelefone funktionierten und ich hatte mich schon gewundert, warum mein Handy heut den ganzen Tag nicht geklingelt hatte.

Am Nachmittag kam dann meine Mutter vorbei. Auch sie hatte dieselben Probleme wie ich, sie konnte weder Geld abheben, somit nicht einkaufen gehen, niemanden anrufen und deswegen hatte sie sich entschlossen, mich zu besuchen. Wir fragten uns, wie es wohl weitergehen würde, wenn die Daten nicht wieder hergestellt werden könnten. Wie sollte ich nachweisen, wie viel Geld ich noch auf meinem Konto hatte? Wie sollte ich überhaupt etwas nachweisen und wie sollten die anderen mir etwas nachweisen? Wären wir dann alle schuldenfrei?

Während wir so diskutierten, schaltete meine Mutter das Fernsehen ein. Auch hier gab es wohl Probleme, aber ein eingeschränktes Programm konnte man inzwischen wieder senden. Von überall auf der Welt kamen dieselben Meldungen, überall seien die Daten nicht verfügbar und das Internet sei wohl vollkommen gelöscht.

Das Internet gelöscht? Ist das denn überhaupt möglich?

Die Regierungen aller Länder saßen derzeit in Krisensitzungen, denn es mussten schnell Lösungen gefunden werden. Derzeit hatten wohl nur sehr wenige Leute noch Bargeld zur Verfügung, die Vermögen, welche in irgendwelchen Computern standen, sind derzeit nicht abrufbar, weswegen der größte Teil der Bevölkerung ohne Geld sei. Die Banken sollten jetzt ermitteln, wie lange sie wohl bräuchten, bis die Daten wieder verfügbar sind. Erst dann könnten die Regierungen einen Notfallplan erarbeiten, um die Bevölkerung zu versorgen.

Den restlichen Tag verbrachten wir mit irgendwelchen Brettspielen, da wir nicht wirklich etwas zu tun hatten. Meine Mutter ging gegen 22 Uhr wieder nach Hause und ich legte mich ins Bett. Ich hoffte, dass am nächsten Tag wieder alles beim Alten sein würde, denn was wäre, wenn das nicht der Fall sein würde?

16 April 2011

Manchmal fällt der Apfel doch weit vom Stamm – Kurzgeschichte

Vor einigen Wochen stolperte ich über einen Schreibwettbewerb, bei den es um das Thema „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ ging. Leider hatte ich nur noch eine Woche Zeit, um daran teilzunehmen, was ich natürlich nicht geschafft habe. Ich hatte aber mit der Kurzgeschichte schon begonnen, und wollte diese jetzt natürlich auch fertigstellen. Und weil ich ungern eine Kurzgeschichte ungelesen in einem Schubfach verschwinden lasse, veröffentliche ich diese jetzt hier auf meinen Blog. Viel Spaß beim Lesen.

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, sagte meine Oma immer. Und eigentlich hat sie ja recht, denn der Stamm, also die Eltern, dienen den meisten als ihre Vorbilder. Kinder übernehmen sich die Eigenschaften ihrer Eltern, egal ob diese Eigenschaften Positiv oder Negativ sind.

Meine Freundin zum Beispiel, sie ist eine totale Leseratte. Das kommt nicht einfach nur so, dass ist sie, weil auch ihre Mutter den ganzen Tag gelesen hat. Das hat sich bei ihr natürlich eingeprägt und so ist auch sie eine Leseratte geworden. Übrigens gilt das auch fürs Putzen, denn auch hier ist sie genauso gründlich wie ihre Mutter, aber ich erwähnte ja schon, dass es auch für die negativen Eigenschaften gilt. Bei meiner Freundin erkennt man sofort, von wem sie ihre Eigenschaften übernommen hat, und wer sie somit in ihrer Kindheit am meisten geprägt hat. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wenn ich einige Jahrzehnte früher auf die Welt gekommen wäre, dass ich mich dann in die Mutter meiner Freundin verliebt hätte, ich weiß nur nicht, ob das für meine Freundin jetzt eine Beleidigung ist, oder nicht. Ärgern tut sie sich auf jeden Fall immer, wenn ich schmunzle, sobald sie sagt, dass sie anders ist als ihre Mutter. Das wünscht sie sich vielleicht, aber sie ist es nicht.

Ich hingegen frage mich manchmal, ob ich nicht adoptiert worden bin. Ich finde an mir weder die Eigenschaften meiner Mutter wieder, noch die Eigenschaften von meinem Vater. Wir drei könnten unterschiedlicher nicht sein, was meine Oma auch schon festgestellt hat – und das, obwohl sie ja selbst behauptete, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.

Meine Mutter liebt zum Beispiel saubere Räume, also richtig sauber, so wie in einem Krankenhaus. Damit kann ich nicht wirklich etwas anfangen, ich brauche mein Chaos. Hier ein Stapel Bücher auf dem Boden, dort ein Haufen mit Unterlagen, die ich mir eventuell noch einmal ansehen muss. Es kann auch mal vorkommen, dass ich drei gebrauchte Tassen auf meinem Schreibtisch stehen habe, was mich aber nicht weiter aufregt, denn irgendwann räume ich diese ja weg und wasche sie dann auch ab.

Oder mein Vater, mein Vater liebte die Pünktlichkeit. Wenn man zu einer Verabredung zu spät kam, dann konnte es schon passieren, dass er einige Tage nicht mehr mit einem sprach. Ich hingegen halte gar nichts von Pünktlichkeit. Nicht das ich nicht versuche pünktlich zu sein, aber meist bin ich es eben nicht, was ich aber auch nicht wirklich schlimm halte. Im Gegenteil, für mich ist ein Mensch viel sympathischer, der zu einem Treffen mal zu spät kommt, auch wenn ich zehn Minuten auf ihn warten muss. Er zeigt mir, dass ich nicht der Einzige bin, der nicht perfekt ist.

Das sind jetzt nur zwei Beispiele von vielen, in denen ich mich von meinen Eltern unterscheide und weswegen ich mich natürlich auch immer frage, warum ich dann doch soweit vom Stamm gefallen bin. Ich glaube einer der Gründe dafür war, dass meine Eltern beide berufstätig waren. Ich verbrachte wenig Zeit mit meinen Eltern, im Gegensatz zu meiner Freundin, die mit ihrer Mutter sehr viel Zeit verbracht hat. Ich verbrachte meine Zeit mit immer neuen Babysittern oder neuen Erziehern im Kindergarten und neuen Lehrern in der Schule. Von denen habe ich mir auch sehr viel abgeschaut, denn ich erinnere mich an einen jungen Lehrer, der ständig zu spät zum Unterricht kam. Er nahm es auch sehr locker, als eines Tages die gesamte Klasse zu seinem Unterricht zu spät kam. Er grinste nur kurz und trug dann alle Schüler als anwesend ins Klassenbuch ein. Ein sympathischer Mensch eben!

Ich bin meinen Eltern nicht böse darüber, dass sie beide Arbeiten waren. Im Gegenteil, ich finde es sogar gut, denn dadurch konnte ich viele verschiedene Charaktere kennenlernen, von denen ich mir viele verschiedene Eigenschaften abgeschaut habe. Und es gab ja auch sehr viele schöne Erlebnisse, die ich zusammen mit meinen Eltern erleben dürfte. Und sie haben mich nicht ins Internat abgeschoben, was bei einigen meiner Freunde durchaus passiert ist, deren Eltern beide berufstätig waren. Und wenn ich ehrlich bin, so fände ich es doch sehr langweilig, wenn ich dieselben Eigenschaften wie meine Eltern hätte, oder wäre es nicht langweilig, wenn wir alle genauso aussehen würden, wie unsere Eltern?

Und wenn mich jemand fragt, warum ich denn nicht so bin wie meine Eltern, dann sage ich, dass ich Glück hatte. Denn als ich als junger Apfel vom Baum gefallen bin, erfasste mich ein Windstoß, der mich über die Wiese trug. So konnte ich viele Dinge erleben, die andere nicht erlebt haben, und ich landete eben nicht vor dem Stamm meines Baumes, sonder ein paar Meter weiter entfernt, sodass ich ihn zwar noch sehen konnte, aber eben auch die vielen anderen Stämme, die es auf unserer Wiese zu sehen gab.

16 Februar 2011

Kleine grüne Männchen – Kurzgeschichte

Ich habe heute mal wieder in meinem Schulzeug vom Abendgymnasium gestöbert und bin dabei auf diese kleine Geschichte gestoßen, welche ich geschrieben habe. Ich weiß leider nicht mehr, weswegen ich diese Geschichte geschrieben habe und wie ich auf das Thema gekommen bin, aber ich gehe mal davon aus, dass wir irgendeinen Text oder eine Geschichte gelesen haben und dazu dann selbst etwas schreiben sollten. Da mir die damalige Fassung nicht mehr gefiel, habe ich sie hier ein wenig umgebaut. Wie immer würde mich eure Meinung interessieren. Aber genug geschrieben, denn die Geschichte ist nun auch schon nicht mehr viel größer.

Gestern um 23 Uhr sind in Bielefeld die kleinen grünen Männchen gelandet. Ich muss das wissen, denn ich habe sie aus meinem Fenster heraus beobachtet. Ich konnte mich gerade noch in meinen Schrank retten, der für mich eigentlich viel zu klein ist, da ich ungefähr zwei Meter groß bin. Meine Freundin schlief leider viel zu fest, sodass ich ihr nicht mehr Bescheid geben konnte.

Dann kamen die grünen Männer schon zum Fenster herein und machten sich über meine Freundin her, welche immer noch seelenruhig im Bett vor sich hin schnarchte, was sich ehrlich gesagt anhörte, als ob jemand einen Baum fällt. Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum ich wach war und warum ich mich im Schrank verstecken konnte.

Als die grünen Männchen merkten, dass nur eine Person im Bett lag und schlief, die gerade einmal 160 Zentimeter groß war, blieb nur das kleinste der grünen Männchen bei meiner Freundin am Bett. Die anderen kletterten wieder aus dem Fenster heraus und verschwanden aus meinem Blickfeld.

Das kleinste Männchen machte sich dann daran, in die Nase meiner Freundin zu schlüpfen und die Kontrolle über sie zu übernehmen.

Genau aus diesem Grund weiß ich heute auch genau, dass es nicht meine Freundin war, die mich heute verraten hat, sondern das kleine grüne Männchen in ihr!

5 Februar 2011

Die lachende Ente – Teil 3 – Kurzgeschichte

Ich stehe nun schon seit vielen Jahrzehnten hier – immer an dieser Stelle und zu jeder Jahreszeit. Im Sommer genauso wie im Winter, auch wenn es schneit, regnet und stürmt. Das ist auch kein Wunder, denn ich bin fest verwurzelt mit dieser Erde.

Schon seit einigen Jahren läuft hier jeden Abend eine Joggerin lang, nein das ist falsch, es laufen hier jeden Abend zwei Joggerinnen lang. Ich kann sie immer schon aus der Ferne sehen, die Menschen, wie sie sich mit ihren beiden Beinen fortbewegen. Das ist durch meine Größe möglich, und ich bin immer neidisch auf die Menschen. Ich würde mich auch gerne fortbewegen können, würde auch gerne die Welt sehen, dass Meer, von welchem mir die Vögel immer berichten. Jedes Jahr erzählen sie mir davon, immer wenn sie hier vorbeikommen, hier einen Halt machen.

Heute war die Joggerin nicht mit ihrer Freundin unterwegs. Ich weiß, nicht warum, denn sie waren immer zu zweit. Aber sie war auch nicht alleine, jemand folgte ihr. Ich konnte ihre Angst spüren, konnte sehen, wie sie schneller wurde. Leider konzentrierte sie sich nicht auf den Weg, denn dann hätte sie meine Wurzel sehen können. Wenn mich die Menschen verstehen würden, dann hätte ich ihr noch zugerufen, dass sie dort ist, dort wo sie schon immer ist. Leider kann ich meine Wurzeln nicht bewegen, ich kann mich leider überhaupt nicht bewegen. Wenn ich das könnte, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Da ich es aber nicht kann, musste ich mitansehen, wie die Joggerin das erste Mal über meine Wurzel fiel. Das ist ihr bisher noch nie passiert und das, obwohl sie schon so lange hier langläuft. Als sie sich mit ihren Händen abfing, um nicht mit dem Gesicht auf den Boden aufzuschlagen, viel ihr etwas vom Armgelenk. Viele Menschen laufen damit herum, wozu es da ist, dass weiß ich leider nicht.

Auf einmal war er da, die zweite Person, die ihr folgte. Er war schnell, der zweite Mensch. Er trat von hinten an ihr heran, griff nach ihr, ein Knacken folgte und in der ferne lachte eine Ente. Auf einmal war die Joggerin ganz ruhig, sie bewegte sich nicht mehr, atmete nicht mehr, sie war tot. Ihr Verfolger packte den leblosen Körper und brachte ihn weg, aber nicht weit weg, sondern in ein Haus, in welchem schon seit Jahren kein Mensch mehr lebte. Er verschwand mit ihr in diesem Haus und tauchte erst am frühen Morgen wieder auf, ohne die Joggerin. Er schaute sich kurz um und ging vom Haus weg. Irgendwann konnte ich ihn dann nicht mehr sehen.

Später kamen dann viele andere Menschen hierher. Sie suchten die Joggerin und fanden nur das Teil, welches ihr gestern vom Armgelenk gefallen ist. Auch den vielen Menschen konnte ich bei ihrer Suche nicht helfen, obwohl ich wusste, wo die Joggerin ist. Aber die Menschen verstehen mich leider nicht!

Hier findet ihr den zweiten Teil von der Kurzgeschichte : Die lachende Ente – Teil 2

Und hier findet ihr den ersten Teil der Kurzgeschichte : Die lachende Ente – Teil 1

2 Februar 2011

Die lachende Ente – Teil2 – Kurzgeschichte

Hatte sie ihn gesehen? Er war gerade dabei in ein leer stehendes Haus einzusteigen, in welchem er die Nacht verbringen wollte. Genau in diesem Moment lief die Joggerin an dem Grundstück vorbei und er hätte schwören können, dass sie ihm genau in die Augen gesehen hat. Wenn sie ihn wirklich gesehen hatte, dann würde die Joggerin wahrscheinlich die Polizei rufen und dieses Risiko konnte er nicht eingehen. Nicht er, wo seine DNA doch bundesweit gesucht wird. Wer weiß, ob die Polizei nicht auf die Idee kommen würde, eine DNA-Probe von ihm zu nehmen, sobald sie ihn wegen Einbruchs verhaftet hatte? Dieses Risiko war ihm einfach zu groß. Sicher könnte es auch Einbildung sein und die Joggerin hatte ihn gar nicht gesehen. Aber das wusste er nicht und sollte es so sein, dann war die Joggerin eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie hätte ja fünf Minuten vorher hier langlaufen können, oder fünf Minuten später. Dass sie es genau in diesem Moment getan hatte, das war nicht sein Problem, das war ihres.

Er machte sich auf dem Weg, leise, fast unsichtbar schlich er durch die Nacht. Die Joggerin hatte er immer im Auge. Er merkte, dass sie immer nervöser wurde, irgendwas hatte sie. Wahrscheinlich hatte sie ihn wirklich gesehen und hatte nun Angst, dass er sie verfolgt. Was er ja auch tat, aber das wusste sie nicht. Sie wurde immer schneller, er konnte förmlich hören, wie ihr Puls explodierte und sehen konnte er, dass sie sich nicht mehr auf den Weg konzentrierte.

Er erinnerte sich an sein erstes Opfer. Sie war zwar keine Joggerin, aber als sie erkannte, was er vorhatte, da fing auch sie an, zu laufen. Damals konnte er ebenfalls fühlen, wie ihr Puls explodierte, wie das Adrenalin durch ihre Adern schoss und wie sie sich nicht auf den Weg konzentrierte. Er konnte ihren Instinkt verstehen, sie wollte weg, wollte noch nicht sterben aber er hatte sie auserwählt. Sie sollte sein erstes Opfer sein, er wollte sie und niemand anderen. Dass sie weglief, das erregte ihn nur noch mehr. Er wollte sie haben und er bekam sie auch, damals.

Inzwischen waren es schon sehr viel mehr Opfer geworden, alle sahen sie sich ähnlich, alle gefielen sie ihm und alle wollte er haben. Und er bekam sie alle, hatte Macht über sie, sie mussten machen, was er von ihnen wollte und das in den letzten Minuten ihres Lebens.

Heute war es aber anders, diesmal wollte er sie gar nicht, sie sieht zwar nicht schlecht aus, aber sie ist nicht die Art Frau, welche er begehrt. Sie war einfach nur zur falschen Zeit an ihm vorbei gelaufen. Plötzlich sah er sie stolpern, sie fiel über eine Baumwurzel, ihr Trainingscomputer fiel ihr vom Handgelenk. Er würde es für sie kurz machen, schmerzlos, nicht so wie bei seinen eigentlichen Opfern. Während er seine Tat ausführte, hörte er eine lachende Ente. Ob sie das wohl auch getan hätte, wenn sie wüsste, was hier gerade geschah?

Am nächsten Tag war er schon weit weg. Die Leiche der Frau lag in seinem Versteck, und bevor die Polizei sie finden würde, ist er schon wieder mehrere Hundert Kilometer entfernt. Die Joggerin tat ihm leid, sie hätte nicht sterben müssen. Als er an einem kleinen Laden vorbeikam, konnte er kurz den Nachrichten lauschen. Die Polizei sucht schon nach ihr, Sabrina hieß sie. Sie bittet um Hilfe bei der Suche nach der Vermissten. Vielleicht würde er am Abend kurz anrufen, und einen anonymen Tipp geben.

Teil 1 der Kurzgeschichte findet ihr hier: Die lachende Ente – Teil1 – Kurzgeschichte

1 Februar 2011

Die lachende Ente – Kurzgeschichte

Wie jeden Abend machte sich Sabrina für ihr Lauftraining bereit. Sie befüllte ihre Trinkflaschen mit warmen Tee, steckte die Flaschen in ihren Gürtel und startete ihren Trainingscomputer. Danach nahm sie ihren Schlüssel, öffnete die Tür und betrat den Flur. Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, trat sie ins Freie, atmetet einmal tief ein und genoss die frische, kalte Luft, welche sich in ihren Lungen ausbreitete. Danach lief sie los, nachdem der Trainingscomputer den Satelliten gefunden hatte und sie die Aufzeichnung ihrer Daten gestartet hatte.

Heute lief sie das erste Mal alleine, nachdem sich am Vortag ihre Freundin verletzt hatte. Sie stolperte über einen Stein und verstauchte sich dabei den Knöchel. Für Sabrina war das kein Grund mit dem Training auszusetzen. Es war zwar Winter, und somit schon ziemlich dunkel, als sie loslief, aber davor hatte sie keine Angst, denn in ihrer Gegend war bisher noch nie etwas passiert.

Ihre Laufstrecke führte an einem Fluss entlang. Sie liebte diese Strecke, denn hier lag noch ein besonderer Geruch in der Luft. Außerdem beruhigte sie der Anblick des Wassers, die kleinen Wellen, welche die Oberfläche des Wassers bedeckten. Ebenso liebte sie es, den Enten nachzusehen, wie sie langsam über das Wasser schwammen, oder den Schwänen, wenn sie ihren Kopf zwischen ihren Flügeln steckten. Sie liebte es auch, wenn die Lichter der Häuser, welche auf der anderen Seite des Ufers standen, vom Wasser reflektiert werden. Eigentlich liebte sie alles an der Strecke! Die Bäume, die Blätter, der Boden, der ziemlich weich war, da es keinen Beton gab, der ihn zupflasterte.

Doch an diesem Abend war etwas anders. Nachdem sie die Hälfte der Strecke hinter sich hatte, fühlte sie sich plötzlich beobachtet. Sie schaute sich um, doch da war nirgendwo jemand. Sie wurde schneller und schneller, wusste aber nicht wieso. Irgendetwas war da, irgendwer folgt ihr, machte ihr Angst. Überall sah sie jetzt jemanden, der Baumstamm, den sie schon hundert Mal gesehen hatte, sah plötzlich aus wie ein Mensch. Hinter jedem Baum, der sich bewegte, sah sie einen Menschen, der auf sie zukam. Sabrina wurde immer nervöser, ihr Puls ging noch weiter in die Höhe, Adrenalin schoss durch ihren Körper und plötzlich stolperte sie über eine Baumwurzel, an die sie überhaupt nicht mehr gedacht hatte, obwohl sie schon seit Jahren an dieser Stelle ist.

Das Lachen einer Ente war das letzte was sie hörte.

Am nächsten Tag suchte ein Polizeiaufgebot nach Sabrina, nachdem sie in der Nacht nicht nach Hause gekommen war. Ihr Mann hatte sie als vermisst gemeldet und hoffte nun, dass sie nur etwas Abstand brauchte und sich irgendwo ein Hotelzimmer genommen hat. Doch als die Polizei neben einer Baumwurzel den Trainingscomputer von Sabrina fand, war ihrem Mann sofort klar, dass sie kein Hotelzimmer genommen hat.

16 Dezember 2010

Weihnachtsgeschichte

Ich habe im Jahre 2005 mal eine Weihnachtsgeschichte geschrieben, die ich heute, fünf Jahre danach, mal wieder herausholen möchte. Ich hatte diese damals auf einen Portal veröffentlicht, welches heute zwar noch existiert, aber nach den Verkauf an ein anderes Unternehmen tot ist. Dort passiert absolut nichts mehr, aber ich möchte meine Geschichten und Gedichte doch irgendwie nicht dort versauern lassen. Also veröffentliche ich die hier jetzt auch einmal. Übrigens kann man super darüber diskutieren ;-). (Um nicht zu sagen Streiten.)

In einem Land vor gar nicht all zu langer Zeit waren die Menschen glücklich und Weihnacht war weiß. Die Häuser strahlten im Lichtermeer, die Herzen der Menschen strahlten noch mehr. Sie spendeten Geld in ein anderes Land, damit dort die Menschen auch etwas von Weihnachten haben.
Doch in der Stadt zur Weihnachtszeit gab es auch Kinder in Not und Leid. Die Eltern fern, das Lichtermeer aus und niemand der sie daraus holt. Man schaut nur weg, denn es ist so fern. Und niemand hat die Kinder gern. Es sind die Kinder vom Bahnhof Zoo, sie nehmen Drogen auf dem dreckigen Klo. Das ist Weihnachten am Bahnhof Zoo! Die Menschen erfreute das Lichtermeer. Sie gingen spazieren, sie irrten umher. Sie aßen glücklich in ihrem Haus und wussten durch ihre Spenden sieht es in Afrika bald genauso aus. Es ging ihnen gut, in diesem Land und jeder sollte vom Reichtum etwas haben. Doch sie vergaßen die Kinder vom Bahnhof Zoo. Die, die dort lagen auf dem dreckigen Klo. Für einige war es der letzte Tag. Am Nächsten lagen sie in einen billigen Sarg. Sie waren allein in dieser reichen Stadt, in der niemand was für sie übrig hat. Die Augen waren kahl und leer, sie sahen nicht einmal das Lichtermeer. Eine fröhliche Weihnacht ging durch die Stadt. Der Weihnachtsmann hat jeden was mitgebracht. Den einen die Eisenbahn, den Teddy, die Uhr, den anderen den Tod und Drogen. So sitzen die einen in ihren Häusern oder in der Kirche, die anderen frieren, oder sterben gerade, im dreckigen Klo am Bahnhof Zoo.

So jetzt bin ich einmal auf eure Kommentare gespannt 😉 .

16 November 2010

Jürgen, er macht es schon wieder!

Ick kann dit alles nicht verstehen. Meen Junge ist nicht so wie andere Burschen. Aber ick bin nicht dran Schuld, also meene Erziehung war janz normal und als Bub hat er ja auch das jetan, was andere Gören in seinem alter auch jemacht haben. Er ist auf Bäume jeklettert, so wie jedes Kind eben, hat Cowboy und Indianer jespielt und es jab keine Anzeichen dafür, dass meen Junge so aus der Reihe fällt.

Doch als er dann älter wurde, konnte man die Anzeichen deutlich erkennen. Immer wenn ick dann einschreiten wollte, ich erziehend auf ihn einwirken wollte, kam Jürgen dazwischen. Der sagte dann immer, dat ich den Jungen machen lassen sollte. Dit würde sich schon von janz allein wieder jeben und er würde früher oder später schon wieder auf dem Pfad der Tugend wandeln. Aber nichts is. Und nu is er schon so alt. Da hilft nicht einmal mehr eine Therapie.

Wir haben es ja versucht, Jürgen und ich. Wir haben den Jungen auf nen kalten Entzug jesetzt und jehofft, dat dit besser wird. Aber es wurde nicht besser. Und Schuld daran ist einzig und allein der Jürgen, weil der dem Hannes, dit is unser Junge, weil er dem allet durchgehen lassen hat als Kind.

Und nun! Nun hat er dit schon wieder jemacht. Er hat schon wieder eine Jeschichte jeschrieben. Jürgen, nu mach doch ma watt dajegen!