16 April 2011

Manchmal fällt der Apfel doch weit vom Stamm – Kurzgeschichte

Vor einigen Wochen stolperte ich über einen Schreibwettbewerb, bei den es um das Thema „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ ging. Leider hatte ich nur noch eine Woche Zeit, um daran teilzunehmen, was ich natürlich nicht geschafft habe. Ich hatte aber mit der Kurzgeschichte schon begonnen, und wollte diese jetzt natürlich auch fertigstellen. Und weil ich ungern eine Kurzgeschichte ungelesen in einem Schubfach verschwinden lasse, veröffentliche ich diese jetzt hier auf meinen Blog. Viel Spaß beim Lesen.

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, sagte meine Oma immer. Und eigentlich hat sie ja recht, denn der Stamm, also die Eltern, dienen den meisten als ihre Vorbilder. Kinder übernehmen sich die Eigenschaften ihrer Eltern, egal ob diese Eigenschaften Positiv oder Negativ sind.

Meine Freundin zum Beispiel, sie ist eine totale Leseratte. Das kommt nicht einfach nur so, dass ist sie, weil auch ihre Mutter den ganzen Tag gelesen hat. Das hat sich bei ihr natürlich eingeprägt und so ist auch sie eine Leseratte geworden. Übrigens gilt das auch fürs Putzen, denn auch hier ist sie genauso gründlich wie ihre Mutter, aber ich erwähnte ja schon, dass es auch für die negativen Eigenschaften gilt. Bei meiner Freundin erkennt man sofort, von wem sie ihre Eigenschaften übernommen hat, und wer sie somit in ihrer Kindheit am meisten geprägt hat. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wenn ich einige Jahrzehnte früher auf die Welt gekommen wäre, dass ich mich dann in die Mutter meiner Freundin verliebt hätte, ich weiß nur nicht, ob das für meine Freundin jetzt eine Beleidigung ist, oder nicht. Ärgern tut sie sich auf jeden Fall immer, wenn ich schmunzle, sobald sie sagt, dass sie anders ist als ihre Mutter. Das wünscht sie sich vielleicht, aber sie ist es nicht.

Ich hingegen frage mich manchmal, ob ich nicht adoptiert worden bin. Ich finde an mir weder die Eigenschaften meiner Mutter wieder, noch die Eigenschaften von meinem Vater. Wir drei könnten unterschiedlicher nicht sein, was meine Oma auch schon festgestellt hat – und das, obwohl sie ja selbst behauptete, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.

Meine Mutter liebt zum Beispiel saubere Räume, also richtig sauber, so wie in einem Krankenhaus. Damit kann ich nicht wirklich etwas anfangen, ich brauche mein Chaos. Hier ein Stapel Bücher auf dem Boden, dort ein Haufen mit Unterlagen, die ich mir eventuell noch einmal ansehen muss. Es kann auch mal vorkommen, dass ich drei gebrauchte Tassen auf meinem Schreibtisch stehen habe, was mich aber nicht weiter aufregt, denn irgendwann räume ich diese ja weg und wasche sie dann auch ab.

Oder mein Vater, mein Vater liebte die Pünktlichkeit. Wenn man zu einer Verabredung zu spät kam, dann konnte es schon passieren, dass er einige Tage nicht mehr mit einem sprach. Ich hingegen halte gar nichts von Pünktlichkeit. Nicht das ich nicht versuche pünktlich zu sein, aber meist bin ich es eben nicht, was ich aber auch nicht wirklich schlimm halte. Im Gegenteil, für mich ist ein Mensch viel sympathischer, der zu einem Treffen mal zu spät kommt, auch wenn ich zehn Minuten auf ihn warten muss. Er zeigt mir, dass ich nicht der Einzige bin, der nicht perfekt ist.

Das sind jetzt nur zwei Beispiele von vielen, in denen ich mich von meinen Eltern unterscheide und weswegen ich mich natürlich auch immer frage, warum ich dann doch soweit vom Stamm gefallen bin. Ich glaube einer der Gründe dafür war, dass meine Eltern beide berufstätig waren. Ich verbrachte wenig Zeit mit meinen Eltern, im Gegensatz zu meiner Freundin, die mit ihrer Mutter sehr viel Zeit verbracht hat. Ich verbrachte meine Zeit mit immer neuen Babysittern oder neuen Erziehern im Kindergarten und neuen Lehrern in der Schule. Von denen habe ich mir auch sehr viel abgeschaut, denn ich erinnere mich an einen jungen Lehrer, der ständig zu spät zum Unterricht kam. Er nahm es auch sehr locker, als eines Tages die gesamte Klasse zu seinem Unterricht zu spät kam. Er grinste nur kurz und trug dann alle Schüler als anwesend ins Klassenbuch ein. Ein sympathischer Mensch eben!

Ich bin meinen Eltern nicht böse darüber, dass sie beide Arbeiten waren. Im Gegenteil, ich finde es sogar gut, denn dadurch konnte ich viele verschiedene Charaktere kennenlernen, von denen ich mir viele verschiedene Eigenschaften abgeschaut habe. Und es gab ja auch sehr viele schöne Erlebnisse, die ich zusammen mit meinen Eltern erleben dürfte. Und sie haben mich nicht ins Internat abgeschoben, was bei einigen meiner Freunde durchaus passiert ist, deren Eltern beide berufstätig waren. Und wenn ich ehrlich bin, so fände ich es doch sehr langweilig, wenn ich dieselben Eigenschaften wie meine Eltern hätte, oder wäre es nicht langweilig, wenn wir alle genauso aussehen würden, wie unsere Eltern?

Und wenn mich jemand fragt, warum ich denn nicht so bin wie meine Eltern, dann sage ich, dass ich Glück hatte. Denn als ich als junger Apfel vom Baum gefallen bin, erfasste mich ein Windstoß, der mich über die Wiese trug. So konnte ich viele Dinge erleben, die andere nicht erlebt haben, und ich landete eben nicht vor dem Stamm meines Baumes, sonder ein paar Meter weiter entfernt, sodass ich ihn zwar noch sehen konnte, aber eben auch die vielen anderen Stämme, die es auf unserer Wiese zu sehen gab.

16 Februar 2011

Kleine grüne Männchen – Kurzgeschichte

Ich habe heute mal wieder in meinem Schulzeug vom Abendgymnasium gestöbert und bin dabei auf diese kleine Geschichte gestoßen, welche ich geschrieben habe. Ich weiß leider nicht mehr, weswegen ich diese Geschichte geschrieben habe und wie ich auf das Thema gekommen bin, aber ich gehe mal davon aus, dass wir irgendeinen Text oder eine Geschichte gelesen haben und dazu dann selbst etwas schreiben sollten. Da mir die damalige Fassung nicht mehr gefiel, habe ich sie hier ein wenig umgebaut. Wie immer würde mich eure Meinung interessieren. Aber genug geschrieben, denn die Geschichte ist nun auch schon nicht mehr viel größer.

Gestern um 23 Uhr sind in Bielefeld die kleinen grünen Männchen gelandet. Ich muss das wissen, denn ich habe sie aus meinem Fenster heraus beobachtet. Ich konnte mich gerade noch in meinen Schrank retten, der für mich eigentlich viel zu klein ist, da ich ungefähr zwei Meter groß bin. Meine Freundin schlief leider viel zu fest, sodass ich ihr nicht mehr Bescheid geben konnte.

Dann kamen die grünen Männer schon zum Fenster herein und machten sich über meine Freundin her, welche immer noch seelenruhig im Bett vor sich hin schnarchte, was sich ehrlich gesagt anhörte, als ob jemand einen Baum fällt. Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum ich wach war und warum ich mich im Schrank verstecken konnte.

Als die grünen Männchen merkten, dass nur eine Person im Bett lag und schlief, die gerade einmal 160 Zentimeter groß war, blieb nur das kleinste der grünen Männchen bei meiner Freundin am Bett. Die anderen kletterten wieder aus dem Fenster heraus und verschwanden aus meinem Blickfeld.

Das kleinste Männchen machte sich dann daran, in die Nase meiner Freundin zu schlüpfen und die Kontrolle über sie zu übernehmen.

Genau aus diesem Grund weiß ich heute auch genau, dass es nicht meine Freundin war, die mich heute verraten hat, sondern das kleine grüne Männchen in ihr!

5 Februar 2011

Die lachende Ente – Teil 3 – Kurzgeschichte

Ich stehe nun schon seit vielen Jahrzehnten hier – immer an dieser Stelle und zu jeder Jahreszeit. Im Sommer genauso wie im Winter, auch wenn es schneit, regnet und stürmt. Das ist auch kein Wunder, denn ich bin fest verwurzelt mit dieser Erde.

Schon seit einigen Jahren läuft hier jeden Abend eine Joggerin lang, nein das ist falsch, es laufen hier jeden Abend zwei Joggerinnen lang. Ich kann sie immer schon aus der Ferne sehen, die Menschen, wie sie sich mit ihren beiden Beinen fortbewegen. Das ist durch meine Größe möglich, und ich bin immer neidisch auf die Menschen. Ich würde mich auch gerne fortbewegen können, würde auch gerne die Welt sehen, dass Meer, von welchem mir die Vögel immer berichten. Jedes Jahr erzählen sie mir davon, immer wenn sie hier vorbeikommen, hier einen Halt machen.

Heute war die Joggerin nicht mit ihrer Freundin unterwegs. Ich weiß, nicht warum, denn sie waren immer zu zweit. Aber sie war auch nicht alleine, jemand folgte ihr. Ich konnte ihre Angst spüren, konnte sehen, wie sie schneller wurde. Leider konzentrierte sie sich nicht auf den Weg, denn dann hätte sie meine Wurzel sehen können. Wenn mich die Menschen verstehen würden, dann hätte ich ihr noch zugerufen, dass sie dort ist, dort wo sie schon immer ist. Leider kann ich meine Wurzeln nicht bewegen, ich kann mich leider überhaupt nicht bewegen. Wenn ich das könnte, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Da ich es aber nicht kann, musste ich mitansehen, wie die Joggerin das erste Mal über meine Wurzel fiel. Das ist ihr bisher noch nie passiert und das, obwohl sie schon so lange hier langläuft. Als sie sich mit ihren Händen abfing, um nicht mit dem Gesicht auf den Boden aufzuschlagen, viel ihr etwas vom Armgelenk. Viele Menschen laufen damit herum, wozu es da ist, dass weiß ich leider nicht.

Auf einmal war er da, die zweite Person, die ihr folgte. Er war schnell, der zweite Mensch. Er trat von hinten an ihr heran, griff nach ihr, ein Knacken folgte und in der ferne lachte eine Ente. Auf einmal war die Joggerin ganz ruhig, sie bewegte sich nicht mehr, atmete nicht mehr, sie war tot. Ihr Verfolger packte den leblosen Körper und brachte ihn weg, aber nicht weit weg, sondern in ein Haus, in welchem schon seit Jahren kein Mensch mehr lebte. Er verschwand mit ihr in diesem Haus und tauchte erst am frühen Morgen wieder auf, ohne die Joggerin. Er schaute sich kurz um und ging vom Haus weg. Irgendwann konnte ich ihn dann nicht mehr sehen.

Später kamen dann viele andere Menschen hierher. Sie suchten die Joggerin und fanden nur das Teil, welches ihr gestern vom Armgelenk gefallen ist. Auch den vielen Menschen konnte ich bei ihrer Suche nicht helfen, obwohl ich wusste, wo die Joggerin ist. Aber die Menschen verstehen mich leider nicht!

Hier findet ihr den zweiten Teil von der Kurzgeschichte : Die lachende Ente – Teil 2

Und hier findet ihr den ersten Teil der Kurzgeschichte : Die lachende Ente – Teil 1

2 Februar 2011

Die lachende Ente – Teil2 – Kurzgeschichte

Hatte sie ihn gesehen? Er war gerade dabei in ein leer stehendes Haus einzusteigen, in welchem er die Nacht verbringen wollte. Genau in diesem Moment lief die Joggerin an dem Grundstück vorbei und er hätte schwören können, dass sie ihm genau in die Augen gesehen hat. Wenn sie ihn wirklich gesehen hatte, dann würde die Joggerin wahrscheinlich die Polizei rufen und dieses Risiko konnte er nicht eingehen. Nicht er, wo seine DNA doch bundesweit gesucht wird. Wer weiß, ob die Polizei nicht auf die Idee kommen würde, eine DNA-Probe von ihm zu nehmen, sobald sie ihn wegen Einbruchs verhaftet hatte? Dieses Risiko war ihm einfach zu groß. Sicher könnte es auch Einbildung sein und die Joggerin hatte ihn gar nicht gesehen. Aber das wusste er nicht und sollte es so sein, dann war die Joggerin eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie hätte ja fünf Minuten vorher hier langlaufen können, oder fünf Minuten später. Dass sie es genau in diesem Moment getan hatte, das war nicht sein Problem, das war ihres.

Er machte sich auf dem Weg, leise, fast unsichtbar schlich er durch die Nacht. Die Joggerin hatte er immer im Auge. Er merkte, dass sie immer nervöser wurde, irgendwas hatte sie. Wahrscheinlich hatte sie ihn wirklich gesehen und hatte nun Angst, dass er sie verfolgt. Was er ja auch tat, aber das wusste sie nicht. Sie wurde immer schneller, er konnte förmlich hören, wie ihr Puls explodierte und sehen konnte er, dass sie sich nicht mehr auf den Weg konzentrierte.

Er erinnerte sich an sein erstes Opfer. Sie war zwar keine Joggerin, aber als sie erkannte, was er vorhatte, da fing auch sie an, zu laufen. Damals konnte er ebenfalls fühlen, wie ihr Puls explodierte, wie das Adrenalin durch ihre Adern schoss und wie sie sich nicht auf den Weg konzentrierte. Er konnte ihren Instinkt verstehen, sie wollte weg, wollte noch nicht sterben aber er hatte sie auserwählt. Sie sollte sein erstes Opfer sein, er wollte sie und niemand anderen. Dass sie weglief, das erregte ihn nur noch mehr. Er wollte sie haben und er bekam sie auch, damals.

Inzwischen waren es schon sehr viel mehr Opfer geworden, alle sahen sie sich ähnlich, alle gefielen sie ihm und alle wollte er haben. Und er bekam sie alle, hatte Macht über sie, sie mussten machen, was er von ihnen wollte und das in den letzten Minuten ihres Lebens.

Heute war es aber anders, diesmal wollte er sie gar nicht, sie sieht zwar nicht schlecht aus, aber sie ist nicht die Art Frau, welche er begehrt. Sie war einfach nur zur falschen Zeit an ihm vorbei gelaufen. Plötzlich sah er sie stolpern, sie fiel über eine Baumwurzel, ihr Trainingscomputer fiel ihr vom Handgelenk. Er würde es für sie kurz machen, schmerzlos, nicht so wie bei seinen eigentlichen Opfern. Während er seine Tat ausführte, hörte er eine lachende Ente. Ob sie das wohl auch getan hätte, wenn sie wüsste, was hier gerade geschah?

Am nächsten Tag war er schon weit weg. Die Leiche der Frau lag in seinem Versteck, und bevor die Polizei sie finden würde, ist er schon wieder mehrere Hundert Kilometer entfernt. Die Joggerin tat ihm leid, sie hätte nicht sterben müssen. Als er an einem kleinen Laden vorbeikam, konnte er kurz den Nachrichten lauschen. Die Polizei sucht schon nach ihr, Sabrina hieß sie. Sie bittet um Hilfe bei der Suche nach der Vermissten. Vielleicht würde er am Abend kurz anrufen, und einen anonymen Tipp geben.

Teil 1 der Kurzgeschichte findet ihr hier: Die lachende Ente – Teil1 – Kurzgeschichte

1 Februar 2011

Die lachende Ente – Kurzgeschichte

Wie jeden Abend machte sich Sabrina für ihr Lauftraining bereit. Sie befüllte ihre Trinkflaschen mit warmen Tee, steckte die Flaschen in ihren Gürtel und startete ihren Trainingscomputer. Danach nahm sie ihren Schlüssel, öffnete die Tür und betrat den Flur. Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, trat sie ins Freie, atmetet einmal tief ein und genoss die frische, kalte Luft, welche sich in ihren Lungen ausbreitete. Danach lief sie los, nachdem der Trainingscomputer den Satelliten gefunden hatte und sie die Aufzeichnung ihrer Daten gestartet hatte.

Heute lief sie das erste Mal alleine, nachdem sich am Vortag ihre Freundin verletzt hatte. Sie stolperte über einen Stein und verstauchte sich dabei den Knöchel. Für Sabrina war das kein Grund mit dem Training auszusetzen. Es war zwar Winter, und somit schon ziemlich dunkel, als sie loslief, aber davor hatte sie keine Angst, denn in ihrer Gegend war bisher noch nie etwas passiert.

Ihre Laufstrecke führte an einem Fluss entlang. Sie liebte diese Strecke, denn hier lag noch ein besonderer Geruch in der Luft. Außerdem beruhigte sie der Anblick des Wassers, die kleinen Wellen, welche die Oberfläche des Wassers bedeckten. Ebenso liebte sie es, den Enten nachzusehen, wie sie langsam über das Wasser schwammen, oder den Schwänen, wenn sie ihren Kopf zwischen ihren Flügeln steckten. Sie liebte es auch, wenn die Lichter der Häuser, welche auf der anderen Seite des Ufers standen, vom Wasser reflektiert werden. Eigentlich liebte sie alles an der Strecke! Die Bäume, die Blätter, der Boden, der ziemlich weich war, da es keinen Beton gab, der ihn zupflasterte.

Doch an diesem Abend war etwas anders. Nachdem sie die Hälfte der Strecke hinter sich hatte, fühlte sie sich plötzlich beobachtet. Sie schaute sich um, doch da war nirgendwo jemand. Sie wurde schneller und schneller, wusste aber nicht wieso. Irgendetwas war da, irgendwer folgt ihr, machte ihr Angst. Überall sah sie jetzt jemanden, der Baumstamm, den sie schon hundert Mal gesehen hatte, sah plötzlich aus wie ein Mensch. Hinter jedem Baum, der sich bewegte, sah sie einen Menschen, der auf sie zukam. Sabrina wurde immer nervöser, ihr Puls ging noch weiter in die Höhe, Adrenalin schoss durch ihren Körper und plötzlich stolperte sie über eine Baumwurzel, an die sie überhaupt nicht mehr gedacht hatte, obwohl sie schon seit Jahren an dieser Stelle ist.

Das Lachen einer Ente war das letzte was sie hörte.

Am nächsten Tag suchte ein Polizeiaufgebot nach Sabrina, nachdem sie in der Nacht nicht nach Hause gekommen war. Ihr Mann hatte sie als vermisst gemeldet und hoffte nun, dass sie nur etwas Abstand brauchte und sich irgendwo ein Hotelzimmer genommen hat. Doch als die Polizei neben einer Baumwurzel den Trainingscomputer von Sabrina fand, war ihrem Mann sofort klar, dass sie kein Hotelzimmer genommen hat.

16 Dezember 2010

Weihnachtsgeschichte

Ich habe im Jahre 2005 mal eine Weihnachtsgeschichte geschrieben, die ich heute, fünf Jahre danach, mal wieder herausholen möchte. Ich hatte diese damals auf einen Portal veröffentlicht, welches heute zwar noch existiert, aber nach den Verkauf an ein anderes Unternehmen tot ist. Dort passiert absolut nichts mehr, aber ich möchte meine Geschichten und Gedichte doch irgendwie nicht dort versauern lassen. Also veröffentliche ich die hier jetzt auch einmal. Übrigens kann man super darüber diskutieren ;-). (Um nicht zu sagen Streiten.)

In einem Land vor gar nicht all zu langer Zeit waren die Menschen glücklich und Weihnacht war weiß. Die Häuser strahlten im Lichtermeer, die Herzen der Menschen strahlten noch mehr. Sie spendeten Geld in ein anderes Land, damit dort die Menschen auch etwas von Weihnachten haben.
Doch in der Stadt zur Weihnachtszeit gab es auch Kinder in Not und Leid. Die Eltern fern, das Lichtermeer aus und niemand der sie daraus holt. Man schaut nur weg, denn es ist so fern. Und niemand hat die Kinder gern. Es sind die Kinder vom Bahnhof Zoo, sie nehmen Drogen auf dem dreckigen Klo. Das ist Weihnachten am Bahnhof Zoo! Die Menschen erfreute das Lichtermeer. Sie gingen spazieren, sie irrten umher. Sie aßen glücklich in ihrem Haus und wussten durch ihre Spenden sieht es in Afrika bald genauso aus. Es ging ihnen gut, in diesem Land und jeder sollte vom Reichtum etwas haben. Doch sie vergaßen die Kinder vom Bahnhof Zoo. Die, die dort lagen auf dem dreckigen Klo. Für einige war es der letzte Tag. Am Nächsten lagen sie in einen billigen Sarg. Sie waren allein in dieser reichen Stadt, in der niemand was für sie übrig hat. Die Augen waren kahl und leer, sie sahen nicht einmal das Lichtermeer. Eine fröhliche Weihnacht ging durch die Stadt. Der Weihnachtsmann hat jeden was mitgebracht. Den einen die Eisenbahn, den Teddy, die Uhr, den anderen den Tod und Drogen. So sitzen die einen in ihren Häusern oder in der Kirche, die anderen frieren, oder sterben gerade, im dreckigen Klo am Bahnhof Zoo.

So jetzt bin ich einmal auf eure Kommentare gespannt 😉 .

16 November 2010

Jürgen, er macht es schon wieder!

Ick kann dit alles nicht verstehen. Meen Junge ist nicht so wie andere Burschen. Aber ick bin nicht dran Schuld, also meene Erziehung war janz normal und als Bub hat er ja auch das jetan, was andere Gören in seinem alter auch jemacht haben. Er ist auf Bäume jeklettert, so wie jedes Kind eben, hat Cowboy und Indianer jespielt und es jab keine Anzeichen dafür, dass meen Junge so aus der Reihe fällt.

Doch als er dann älter wurde, konnte man die Anzeichen deutlich erkennen. Immer wenn ick dann einschreiten wollte, ich erziehend auf ihn einwirken wollte, kam Jürgen dazwischen. Der sagte dann immer, dat ich den Jungen machen lassen sollte. Dit würde sich schon von janz allein wieder jeben und er würde früher oder später schon wieder auf dem Pfad der Tugend wandeln. Aber nichts is. Und nu is er schon so alt. Da hilft nicht einmal mehr eine Therapie.

Wir haben es ja versucht, Jürgen und ich. Wir haben den Jungen auf nen kalten Entzug jesetzt und jehofft, dat dit besser wird. Aber es wurde nicht besser. Und Schuld daran ist einzig und allein der Jürgen, weil der dem Hannes, dit is unser Junge, weil er dem allet durchgehen lassen hat als Kind.

Und nun! Nun hat er dit schon wieder jemacht. Er hat schon wieder eine Jeschichte jeschrieben. Jürgen, nu mach doch ma watt dajegen!

15 November 2010

Eine letzte Berührung

Er streichelte ihr ganz langsam durchs Haar. Eher zufällig hatte er dieses berührt und konnte dann nicht widerstehen, durch die Haare zu streicheln. Ganz langsam und vorsichtig.

Sie merkte die Berührung, die Wärme, welche durch seine Hände abgestrahlt wurde. Schon lange hatte sie diese Wärme nicht mehr gespürt, weswegen sie es sich auch gefallen lies, obwohl vorher noch keine Annäherung stattgefunden hatte.

Er wollte nicht nur ihr Haar spüren, weswegen er mit seinen Fingern auch langsam über ihre Wangen strich. Die Wärme gefiel ihm, gleichzeitig merkte er, wie sich die Wangen langsam rot färbten.

Sie spürte die Berührungen nur noch, denn sie hatte die Augen geschlossen. Sie wollte den Augenblick genießen, sie wollte seine Lippen spüren, seinen Atem. Sie näherte sich seinem Mund, hoffte auf Erwiderung. Sie merkte, wie auch er sich auf sie zubewegte. Spürte seinen Atem in ihrem Gesicht, sie merkte die Finger von ihm wieder in Ihren Haaren, sie fühlte den leichten Druck, den die Finger ausübten, um ihren Kopf zu stabilisieren.

Seine Lippen bewegten sich auf ihre Lippen zu. Er spürte ihren Atem im Gesicht, merkte, wie sich ihre Augen langsam wieder öffneten, wie sich auch ihre Lippen auf seine zubewegten. Nur noch wenige Sekunden, dann würden sich ihre Lippen berühren.

Sie entspannte sich weiter. Jetzt wollte sie nicht mehr nur passiv sein, ihre Hände bewegten sich, streichelten durch sein Haar. Auch sie konnte die Wärme spüren, als sie über seine Wangen streichelte. Ihre Lippen berührten sich, beide küssten sich, lange und intensiv. Sie wollte nicht aufhören, wollte weiter diese Nähe spüren, wollte noch mehr nähe spüren. Deswegen tastete sie sich ganz langsam über seinen Rücken, streichelte ihn, drückte ihn ganz nah an sich ran.

Seine Hand legte sich auf ihren Rücken, er war sich nicht sicher, ob er die Umarmung erwidern sollte, ob er sie auch an sich drücken sollte. Ganz langsam zog er auch sie an sich heran, die Lücke zwischen ihren Körpern wurde immer kleiner, bis sie verschwand. Nur noch die Kleidung war jetzt zwischen ihnen.

Sie knöpfte sein Hemd ganz langsam auf, streifte es über seinen Rücken ab, fühlte die Wärme seiner Haut. Auf seiner Stirn bildeten sich Schweißtropfen, das konnte sie beobachten, weil sie den langen Kuss beendet hatten. Er war anstrengend, aber schön und weckte in ihr das verlangen nach mehr.

Er öffnete ihre blaue Bluse, es waren nur wenige Knöpfe. Dann zog er ihr die Bluse aus, ganz langsam. Er küsste ihre Schultern und ihre Arme.

Sie berührte seinen Po, sie überlegte nur kurz und öffnete dann seine Hose. Sie zog ihn aus, alles, bis er vollkommen nackt vor ihr stand.

Es ging ihm eigentlich ein wenig zu schnell. Aber auch er wollte noch näher mit ihr zusammen sein, er zog ihren BH aus, dann ihren Rock, bis sie am Ende auch nackt vor ihm stand.

Wieder streichelte er ihr langsam durchs Haar, wieder entwickelte sich diese Spannung zwischen ihnen, diese Spannung, die am Ende zum Kuss führte. Diesmal war nichts mehr zwischen ihnen, keine Kleidung, welche die Wärme ihrer Körper isolierte. Jetzt konnte er sie spüren, wenn er ihren Rücken streichelte, sie konnte ihn spüren, wenn sie ihn an sich zog.

Schon lange hatten die beiden dieses Gefühl nicht mehr gefühlt, diese Wärme und diese Nähe, die sie jetzt wieder spürten. Es war ihre letzte Nacht, eine intensive Nacht. Sie kosteten sie aus, genossen den letzten Tropfen ihrer Liebe.

Am nächsten Tag würde er sie verlassen. Bis dahin waren aber noch ein paar Stunden, Stunden, die sie intensiver nutzten als die letzten 10 Jahre ihrer Ehe.

31 Oktober 2010

Der Haselnussbaum

Es war einmal ein Haselnussbaum. Dieser stand viele Jahrzehnte an ein und derselben Stelle. Er erlebte, wie Straßen und Gehwege erbaut wurden. Er erlebte den Krach, welchen die Menschen machten und sah den Müll, der achtlos auf sein kleines Grundstück geworfen wurde.

Eines Tages entschloss sich der Baum, sich zu wehren. Er wollte nicht mehr den Krach erleben, nicht mehr den Müll ertragen und auch keine Autos mehr sehen. So begann er, es muss gerade Herbst gewesen sein, die Menschen mit seinen Haselnüssen zu bewerfen. Er wartete darauf, bis die Menschen unter ihm waren, und warf dann gezielt seine Haselnüsse ab. In den meisten Fällen traf er die Menschen, welche sich dann erschrocken nach oben wanden, kurz mit dem Kopf schüttelten und weiter gingen.

Mit der Zeit gingen immer weniger Menschen unter den Baum entlang. Sie machten einen großen Bogen und warfen keinen Müll mehr unter den Baum. Auch Autofahrer mieden den Baum. Dann kam der Tag, an welchem der Baum durch ein rot-weißes Absperrband von den Menschen abgetrennt wurde und der Baum feierte seinen Sieg. Er war sich sicher, dass ihn die Menschen jetzt in Ruhe lassen würden.

Doch der Baum irrte! Seine Ruhe hielt nur ein paar Wochen an, bis eines Tages ein großes Auto kam, aus welchem Menschen ausstiegen, welche einen Helm auf dem Kopf hatten. Diese Menschen hatten auch ein Gerät mit, welches ziemlich viel Krach machte und einen Gestank von sich gab, den der Baum überhaupt nicht vertragen konnte. Deshalb fing der Baum wieder an, mit Haselnüssen zu werfen. Viele hatte er zwar nicht mehr, da er in den letzten Wochen schon zu viele verbraucht hatte, aber mit dem Rest hoffte er, die Menschen wieder vertreiben zu können. Doch die Attacken halfen nichts, die Haselnüsse trafen die Menschen zwar am Kopf, aber es störte sie nicht, da sie vom Helm geschützt wurden.

Die Menschen gingen mit dem Gerät, welches sie Motorsäge nannten, immer näher an seinem Stamm heran. Als sie den Stamm berührten, fühlte der Baum nur noch Schmerz. Sie drangen immer tiefer in ihn ein, bis er am Ende fiel. Die anderen Bäume in der Straße versuchten noch ihn zu retten, doch als sie sahen, was mit dem Baum geschah, stellten sie ihren Widerstand ein.

Der Haselnussbaum konnte sich nun auch nicht mehr wehren, er nahm sein Schicksal hin und starb langsam, als er von einem noch größeren Auto abtransportiert wurde.

Seit diesem Tag traute sich kein Baum mehr, Widerstand zu leisten. Sie nahmen alles hin, was der Mensch mit ihnen machte, auch wenn es hieß, dass der ein oder andere von ihnen starb.

10 November 2009

Utopias erster Schweinegrippe-Toter – Kurzgeschichte

Eine fast wahre Geschichte spielte sich Gestern in Utopia ab. Ein Bewohnter Utopias verließ gegen 7 Uhr seine Wohnung um sich auf den Weg zu seiner Arbeit zu machen. Um 7:20 Uhr machte er einen kleinen Stopp in einen Starbrucks um sich einen Kaffee zu kaufen, diesen hatte er dann auch schon um 7:30 Uhr in der Hand. Danach machte er sich auf den Weg zum Bahnhof, von welchen aus er zwei Stationen mit den Zug in die Innenstadt von Utopia fuhr. Dort angekommen verließ er den Bahnhof in Richtung zu seinen Büro wo er pünktlich um 8:30 seine Arbeit aufnahm. Nach angaben der anderen Büromitarbeiter musste er um 9:00 kräftig niesen und um 9:30 hatte er sogar schon 5 Taschentücher verbraucht.

Um 12 Uhr machte er sich dann auf den Weg in ein Restaurant, in welches er jeden Tag ging um dort sein Mittag zu sich zu nehmen. Auf dem Weg dorthin musste er über eine große Fußgänger-Brücke gehen. Als er diese auf der anderen Seite verlassen wollte, musste er plötzlich furchtbar niesen. Durch sein niesen verlor er sein Gleichgewicht, woraufhin er er die Treppe der Fußgänger-Brücke hinunter stürzte und sich dabei das Genick brach.

Am nächsten Tag stand in der Tageszeitung von Utopie „Erstes Totesopfer durch die Schweinegrippe in Utopia“ , in der Zeile unter der Überschrift stand, „Hätte eine Impfung sein Leben retten können?“

Was die Leute von der Zeitung nicht wussten ist, dass er gar nicht durch seine Schweinegrippeinfektion hatte niesen müssen, auch wenn er den Virus tatsächlich im Blut hatte, sondern durch eine Staubwolke die durch einen LKW ausgelöst wurde.

Und die Moral von der Geschichte, glaub nicht nur was die Zeitung schreibt 😉