Juli 30 2018

Habt ihr es dann endlich?

Na, habt ihr es dann endlich? Habt ihr alle möglichen Vergleiche und Witze über Menschen gemacht, die in der ehemaligen DDR gelebt haben? Habt ihr auch den letzten Zweifel daran beseitigt, dass der Rassismus und Menschenhass nur von den Ostdeutschen kommt?

Jetzt mal ehrlich, wundert ihr euch wirklich, dass die Teilung in den Köpfen immer noch vorhanden ist? Glaubt ihr wirklich, dass ihr das mit eurer Arroganz, eurer “Siegermentalität” überwinden könnt? Dieses Getue vom gönnerhaften Wessi, der die Ostdeutschen ja nur aus Mitleid aufgenommen hat und der dafür so viele Opfer bringen musste? Dieses permanente “Ihr-müsst-uns-dankbar-sein”? Ohne überhaupt ein wenig zu reflektieren, dass die Ostdeutschen auch eine Menge verloren haben und sie ebenfalls teuer für die Wiedervereinigung bezahlt haben! Klar wurden da aus zwei Staaten ein Staat. Natürlich gab es da unterschiedliche Systeme für die soziale Absicherung, die irgendwie miteinander vereint werden mussten. Klar haben die Ostdeutschen nicht in das westdeutsche System eingezahlt, solange es die DDR noch gab, aber ist das ein Grund, dauerhaft dieses Überhebliche an sich zu haben, ständig irgendeine Dankbarkeit einzufordern? Und ganz ehrlich, macht diese Arroganz den Rassismus erträglicher, der derzeit in der Gesellschaft immer mehr zum Vorschein kommt?

In der Diskussion immer unerwähnt bleibt, dass die Treuhand das Volksvermögen der ehemaligen DDR zu Geld gemacht hat. Niemand erwähnt die vielen westdeutschen Investoren, die in den neuen Bundesländern Unternehmen aufgekauft haben, um diese dann langsam aber sicher abzuwickeln. Die Menschen, die mit dem neuen Wirtschaftssystem überhaupt nicht klar gekommen sind, die dachten, dass alles besser wird und sich deswegen überschuldet und am Ende dann alles verloren haben, was sie sich irgendwie aufgebaut hatten. Der Verlust der eigenen Identität, die Herabwürdigung der eigenen Lebensleistung, weil diese ja in der DDR erbracht wurde und nicht in der BRD. Darüber diskutieren wir nicht!

Wenn ich mir die Diskussion so ansehe, dann könnte mensch glauben, dass die ehemaligen Bürger der DDR nur genommen haben, aber selbst nichts gegeben oder verloren hätten. Sie haben aber eine ganze Menge verloren!

Wenn wir über den Rassismus in den neuen Bundesländern reden, der absolut Scheiße und erschreckend ist, dann sollten wir vielleicht auch einmal überlegen, ob diese Überheblichkeit und diese Siegermentalität der Westdeutschen nicht eine Ursache dafür ist. Ob die andauernde Abwertung der Lebensleistung, die großen Verluste nach der Wiedervereinigung, die Perspektivlosigkeit, die die blühenden Landschaften gebracht haben, nicht eine Erklärung für diesen Fremdenhass sein könnten. Wenn wir das in unsere Überlegungen mit einfließen lassen, dann könnten wir eventuell auch eine Lösung für das Problem finden, dann könnten wir den Rechtspopulisten eine positive Erzählung entgegen setzen, die dann aber auch die Lebensleistung dieser Menschen respektiert und sie nicht andauernd abwertet. Oder glaubt ihr wirklich, dass ihr mit diesen ständigen Anfeindungen eine solidarische Gesellschaft schaffen könnt, die offen ist für alle? Glaubt ihr wirklich, dass ihr mit ständigen Abwertungen die Menschen in den neuen Bundesländern weltoffener macht?

Sind wir doch ehrlich, ihr fühlt euch besser, wenn ihr den Rassismus von euch wegschieben könnt. Es ist so, wie mit der Armut, oder? Ihr denkt euch: “Natürlich gibt es auch bei uns Rassismus, aber der in den neuen Bundesländern von den Ostdeutschen, der ist doppelt so schlimm wie unser eigener.”? Oder liege ich da falsch? Ist es nicht derselbe Erklärungsversuch, wie bei der Armut, die natürlich in Deutschland vorhanden ist, aber die nicht wirklich schlimm ist, weil sie in Afrika ja mindestens zehnmal so schlimm ist? Ist es nicht so, dass ihr euch mit diesen vergleichen besser fühlen wollt, weil im Vergleich zu anderen ist es ja gar nicht so schlimm? Denkt doch einfach mal darüber nach, bevor ihr dann wieder die nächste Abwertung raus haut und damit die Spaltung noch tiefer macht.

August 8 2015

Macht’s Maul auf … – Rassismus in der Gesellschaft

Seit einigen Jahren schreibe ich hier unregelmäßig über geflüchtete Menschen, ich schreibe nicht nur, ich kotze mich aus über die Menschenfeindliche Stimmung in unserem Land, darüber, dass wir vergessen, welche Verantwortung wir gegenüber den geflüchteten Menschen haben. Was mich in dieser Zeit immer irritiert hat, ist, dass die großen Blogs, also die, die eine sehr große Reichweite haben, meist über das Thema geschwiegen haben. Ich war erschüttert, wie wenige der großen Blogger sich für dieses Thema interessiert haben, wie viele lieber über Katzen gebloggt haben, oder über andere Dinge, die durchaus auch wichtig sind, die aber eben nichts gegen diese Menschenfeindlichkeit bewirkten, die sich in unserem Land breit macht.

Inzwischen brennen in Deutschland wieder Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Geflüchtete Menschen werden in Deutschland mit Hass begrüßt, die Politiker geben diesem Hass Nahrung, indem sie abwertend von Wirtschaftsflüchtlingen reden, von Sozialschmarotzern, die nur unser Geld haben wollen. Es sind dieselben Politiker, die sich dann darüber wundern, dass die Mitte der Gesellschaft so rassistisch ist und die alles dafür tun, um die Stimmung gegenüber geflüchteten Menschen noch mehr aufzuheizen. Und was machen die großen Blogger? Sie machen nichts, sie schreiben weiter über Katzen und über Themen, die nichts gegen die Menschfeindlichkeit bewirken.

Warum? Ich verstehe dieses Schweigen nicht. Liegt es daran, dass diese Blogger angst davor haben, dass sie dadurch Leser verschrecken könnten? Fürchten sie, dass sie dadurch an Reichweite verlieren? Wenn ja, warum? Brauchen diese Blogger wirklich rassistische Leser? Bringen die mehr Geld?

Ich weiß es nicht! Ich weiß aber, dass ich es schrecklich finde, dass die großen Blogs kaum etwas zu diesem Thema schreiben. Sie hätten die Reichweite, sie könnten sich gegen den Rassismus stellen, der sich in der Gesellschaft eingenistet hat, sie könnten ein Zeichen setzen, doch sie nutzen diese Chance nicht. Sie schreiben nicht über die Menschen, die während ihrer Flucht ihr Leben verloren haben. Sie schreiben nichts über die Fluchtgründe, über das Elend, die Not, das Leid oder die Armut. Nichts über die Ausbeutung, über Kriege und Verfolgung. Sie schweigen darüber, vielleicht aus Angst davor, eine Position beziehen zu müssen.

Wenn ich mir überlege, wieoft ich auf Twitter schon geblockt wurde, weil ich darauf hingewiesen habe, dass ein Tweet ziemlich rassistisch war. Wenn ich mich an die Diskussionen erinnere , in denen ich am Ende persönlich angegriffen wurde, weil ich die geflüchteten Menschen verteidigt habe. Für meinen Blog war das wahrscheinlich nicht immer gut, aber hey, auf Arschlöcher kann ich gerne verzichten. Und wenn ich, weil ich meine Meinung vertrete, nur 10 Leser im Blog habe, dann ist das eben so. Wichtig ist doch, dass ich mich wohl fühle, dass ich zu meiner Meinung stehe, dass ich eine Position bezogen habe. Schweigen kann die Welt nicht verbessern. Blogger, die Position beziehen, die aufhören zu schweigen, können das. Große Blogs, die eine große Reichweite haben, können das noch mehr.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das, dass die großen Blogger in Deutschland endlich Position beziehen. Gerne auch mit Katzencontent …

Blogs, die was zu sagen haben …