9 November 2020

Wo ist die Mobilisierung?

Bild von der Demo "Unteilbar" in Berlin

Sagt Mal, was läuft hier eigentlich falsch? In Leipzig marschieren zehntausende Wut-Hut-Maskenverweigerer, weil diese der Meinung sind, dass sie – wegen ein bisschen Stoff – in ihrer Freiheit und in ihren Grundrechten beschränkt sind, aber wenn die EU wirkliche Grundrechtsbeschränkungen plant, indem sie einen Generalschlüssel für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Kommunikationsapps wie WhatsApp, Signal und Co. plant, berichten davon nur eine handvoll Medien, aber die Mobilisierung dagegen bleibt aus. Klar, es geht derzeit um einen Entwurf, aber auch gegen einen Entwurf kann schon mobilisiert werden, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass das nicht stillschweigend hingenommen wird!

Warum gelingt es menschenverachtenden Personen, so viele Menschen zu mobilisieren, die anderen Menschen mit ihrem Handeln Schaden zufügen, die sogar in kauf nehmen, dass da andere Menschen sterben, weil sie meinen, dass so ein Mund-Nasenschutz einfach nur schrecklich ist, aber keiner mobilisiert, wenn es um die wirkliche Einschränkung von Grundrechten geht? Ich verstehe es einfach nicht!

Wir sollten anfangen, nicht immer bis zum letzten Moment zu warten, um Irrwege der Politik zu verhindern. Wir sollten schon bei Entwürfen zeigen, dass wir ganz klar gegen solche Grundrechtsbeschränkungen sind, auch dann, wenn als Primärziel immer und immer wieder die Terrorbekämpfung vorgegeben wird. Alle, die immer noch sagen, dass sie nichts zu verbergen hätten, werden sich wundern, wenn sie irgendwann mit einer totalitären Regierung aufwachen. Einer Regierung, die dann all die schönen Werkzeuge nutzen kann, die gerade von repräsentativ-demokratischen Entscheidungsträgern eingeführt werden! Ist uns unsere Privatsphäre wirklich so egal? Sind uns unsere Grundrechte wirklich so unwichtig, dass wir sie dem vorgeblichem Ziel von mehr Sicherheit unterordnen, und dabei den komplett gläsernen Menschen schaffen, nur weil es möglich ist?

Es wundert mich, dass all die Menschen, die sich über Facebook, Google und Co. aufregen, weil diese eine riesige Datensammlung aufbauen, sich nicht darüber aufregen, wenn der Staat sich immer mehr Zugänge in unsere Kommunikation schafft. Terrorbekämpfung kann nicht alles sein, Sicherheitsgesetze nicht die Erklärung für alle Grundrechtsbeschränkungen! Um es einmal deutlich zu sagen: all diese Einschränkungen der Grundrechte, all diese Befugnisse für Sicherheitsbehörden, führen dazu, dass ALLE Menschen unter Generalverdacht gestellt werden!

Nur, um da einmal einen Vergleich zu haben: die Forderung nach einer externen Ermittlungsbehörde, die sich mit Fällen von Polizeigewalt beschäftigt, führt regelmäßig zu der Aussage, dass wir die Polizist*innen nicht unter Generalverdacht stellen dürfen! Warum wird diese Argumentationskette nicht einmal dazu genutzt, um die Grundrechte zu verteidigen? Dann würden Polizei- und Sicherheitsgesetze komplett anders aussehen, aber solange jeder meint, dass er nichts zu verbergen hat, wird sich nichts daran ändern, das autoritär-konservative Politiker unsere Grundrechte immer weiter einschränken.

PS: Nein liebe Wut-Hut-Maskenverweigerer, dieser Beitrag wird an meiner Verachtung zu eurem Menschenhass und eurem Egoismus nichts ändern. Hass und Hetze hat nichts mit dem zu tun, was ich in diesem Artikel versuche zu vermitteln!

30 Juni 2017

Saubere Lappen

“Könnten Sie mir bitte einen Lappen geben?”
“Klar”
“Nein, keinen der schon im Klo benutzt wurde. Hören Sie, keinen, der schon im Klo war …”

Klar, keiner der schon im Klo war, denke ich mir. Aber was denkt dieser Mensch eigentlich von mir? Das ich ihm einen Lappen gebe, den ich schon im Klo verwendet habe? Klar, könnte ich machen, aber das wäre ja zu meinem Nachteil, denn ich müsste dann wohl danach die Küche komplett desinfizieren, müsste den Kaffeevollautomaten mehrmals reinigen und desinfizieren, damit die nächsten Gäste nicht durch irgendwelche Keime krank werden. Aber anscheinend denkt dieser Mensch, dass mir das nicht Bewusst ist, oder egal, oder beides. Mir sind meine Gäste aber nicht egal, sie sollen sich wohlfühlen und nicht krank werden, sollen Spaß haben, sich auch entspannen können.

Eigentlich hätte ich große Lust unfreundlich zu werden, aber auch dieser Mensch ist ein Gast bei mir, auch er soll sich wohlfühlen und so bleibt dann halt einfach nur freundlich zu bleiben und dem Menschen einen Lappen zu geben – einen sauberen natürlich, einen, der in seinem Leben als Lappen noch nie Kontakt mit einer Toilette hatte, der schon immer und ewiglig für den Einsatz in der Küche gedacht war und ist.

Denken aber darf ich mir meinen Teil, darf mir Gedanken darüber machen, wie dieser Mensch über mich denkt. Anscheinend denkt er, dass ich Blöd bin, so zumindest kommt seine Aussage bei mir an. Ist das eigentlich schon eine gut versteckte Beleidigung? Eigentlich sind es schon jetzt viel zu viele Gedanken, die ich mir über diesen Menschen mache, aber so funktioniert Kommunikation. Eventuell war es nicht einmal böse gemeint, war es nur Verunsicherung, weil der Standort der Lappen eventuell blöd gewählt ist. Aber dennoch ist es ärgerlich, denn natürlich sind die Lappen sauber, sind sie gut und sicher Verstaut.

“Natürlich gebe ich ihnen einen sauberen Lappen …”, sage ich noch, und schon ist die Situation auch wieder beendet, das Nachdenken aber noch nicht.

9 Juni 2016

Morgens, kurz nach fünf Uhr in Deutschland

Foto von einem Telefon

Donnerstag, kurz nach fünf, noch viel zu früh, um sich mit irgendjemanden zu streiten. Es ist der dritte Tag, an dem ich meinem Auftraggeber erklären muss, dass der Verein immer noch nicht telefonisch erreichbar ist und das auch die Internetleitung noch nicht steht. Dabei hängt das eine vom anderen ab, denn der Telefonanschluss sollte am Dienstag auf Voice over IP umgestellt werden, der nächste heiße Scheiß, so scheint es jedenfalls, wenn du dem Gerede der Telekommunikationsunternehmen glaubst. Allerdings scheint das Umschalten auf diese Technologie gar nicht so einfach zu sein, und so ist der Verein jetzt schon seit Dienstag nicht telefonisch erreichbar. Der Horror! Im schlimmsten Fall gehen Aufträge verloren und somit auch Gelder, kein schöner Gedanke.

Aber ich weiche ab, denn um kurz nach fünf musste ich heute wieder den Support anrufen. Nachdem auch die Internetleitung nicht funktioniert, musste dafür am Mittwoch eine Lösung gefunden werden und diese Lösung war ein Surfstick, der eventuell, wenn etwas Glück im Spiel ist, mit der nächsten Rechnung verrechnet wird. Aber das liegt in der Zukunft, keiner weiß, wie viel Spaß ich bis dahin noch mit dem Support haben werde.
Nein, es geht jetzt noch nicht um die Zukunft, es geht noch um die Vergangenheit, denn nachdem ich am Mittwoch nun diesen Stick gekauft hatte, rief ich erneut beim Support an, denn dieser wollte mit kostenloses Datenvolumen auf den Stick buchen, damit das Unternehmen wieder online ist. Die Bearbeiterin war freundlich, versicherte mir auch, dass sie das Datenvolumen aufgebucht hätte und wünschte mir noch einen schönen Tag.

Heute um kurz nach fünf komme ich dann in das Büro, schalte das Internet ein und bekomme die Nachricht, dass das Datenvolumen bereits aufgebraucht wäre. Wir reden hier von 50 GB. Da das natürlich nicht sein konnte, rief ich also kurz nach fünf beim Support an, einfach um kurz nachzuhören, was da wohl passiert sei. Eigentlich hatte ich vor freundlich zu bleiben, aber wie willst du freundlich bleiben, wenn dir um kurz nach fünf schon eine unfreundliche Dame die Schuld geben will? Schuld an eine Situation, die der Telekommunikationsanbieter verschuldet hat, weil er den Anschluss nicht umgeschaltet sondern stillgelegt hat und die wohl noch ein paar Tage anhält, weil er einen Fehler im System nicht sofort beheben kann, obwohl er ihn selbst produziert hat.

Ich musste mir also anhören, dass wir das Datenvolumen von 50 GB innerhalb von 12 Stunden verbraucht hätten – mit einer Leitung, die maximal 2 Mbit/s hergibt. Schuld daran sollte sein, dass ich den Stick nicht nach jeder E-Mail, die im Büro abgerufen wird, vom Netz getrennt habe. Ich stelle mir gerade vor, wie ich jedes mal das mobile Datennetz meines Smartphones deaktiviere, nachdem ich eine Mail abgerufen habe und schlage in Gedanken meinen Kopf gegen die Wand.

Auf die Idee, dass die Mitarbeiterin, die ich am Tag zuvor in der Leitung hatte, um den Stick mit dem Datenvolumen bestücken zu lassen, einen Fehler gemacht hat, weshalb das Datenvolumen gar nicht gebucht wurde, kam die nette unfreundliche Support-Mitarbeiterin um kurz nach fünf natürlich nicht und ich hatte nicht wirklich die Lust dazu, mit ihr darüber zu diskutieren, nachdem ich, weil der Telefonanschluss im Büro nicht funktionierte, gerade einmal 4 Stunden geschlafen hatte. Ich wollte nicht über eine Leitung diskutieren, die im Büro gerade einmal dazu reicht, um wenigstens die Mails abzurufen und zu beantworten, wenn schon das Telefon nicht funktioniert. Über eine Leitung, die nicht dazu geeignet ist, um sich irgendwo Videos anzusehen, mit der ich gar keine Trafficintensiven Dienste nutzen könnte, die ich bräuchte, um 50 GB Traffic zu erzeugen. Mal davon abgesehen, dass ich hier zu Hause nicht einmal auf 50 GB Traffic im Monat komme, obwohl ich hier Spotify und Youtube regelmäßig nutze und auch mein Linux regelmäßig Updates herunter lädt. Und ich wollte auch nicht unfreundlich werden, nicht so früh am Tag.

Diesen Part übernahm dann mein Auftraggeber, als er später am Tag erneut die Hotline anrief, nachdem der Telekommunikationsanbieter nicht einmal in der Lage war mitzuteilen, ab wann denn der Telefonanschluss wieder funktioniert. Um es noch einmal zu erwähnen, es geht hier nicht um einen privaten Anschluss, es geht um den Anschluss eines Vereins. Hier hängen also auch Existenzen dran, Mitarbeiter, die darauf angewiesen sind, dass die Kommunikation nach außen funktioniert. Und ja, zur Kommunikation eines Vereins oder Unternehmens gehört auch heute ncoch das klassische Telefon, aber eben auch das Internet, weswegen zumindest der Surfstick funktionieren muss.