Alles Doof – Geschichten aus der Lounge

“Hmmm ... das ist natürlich Doof!”, dachte ich mir eben, als mir ein Gast der Lounge erzählte, dass er keine Milch verträgt. Das ich bisher nicht selbst auf den Gedanken gekommen bin, dass ich in der Lounge mal einen Gast haben könnte, der auf irgendwas allergisch ist, ist natürlich auch Doof. Dadurch bin ich nämlich überhaupt nicht vorbereitet, habe nicht einmal einen Notfallplan in der Hand, um jetzt schnell etwas für diesen Gast tun zu können, und das ist deswegen Doof, weil ich natürlich möchte, dass sich jeder Gast in der Lounge wohlfühlt. Ich habe jetzt Süßigkeiten hier, in denen überall Milch drin ist. Sowohl in den Keksen wie auch in den Schokoladenriegeln ist Milch und in der Kaufhalle, in der ich eben war, hatten sie keine Süßigkeiten, die für Menschen mit Laktoseintoleranz geeignet gewesen wären. | mehr

Es ist November geworden …

Es ist November geworden. Ich weiß gar nicht, wo die Zeit schon wieder hin ist. Der Oktober ging schneller, als er gekommen ist, er verflog, konnte aber nicht die Trauer mitnehmen, die er mitgebracht hat. Er hat sie hier gelassen und ist selbst so schnell wie möglich wieder gegangen. Er weiß schon warum! Es ist November geworden. Die Blätter fallen schon seit einigen Wochen von den Bäumen. Das Grün verschwindet langsam, hinterlässt eine unwirkliche Welt. Grau ist die Welt noch nicht, dass verhindern die bunten Blätter gekonnt, die derzeit auf den Wegen und Wiesen liegen. Sie können aber nicht hinweg täuschen über die Kälte, die der Oktober mitgebracht hat, sie können den Verlust nicht überdecken und sie wissen, dass dieser Verlust, den sie nicht verdecken können, ein Verlust für immer ist. | mehr

Aber was wäre dann?

Es ist nicht einfach zu akzeptieren, dass mein Neffe jetzt einfach weg ist. Auch wenn er jetzt Beerdigt wurde, wenn es endgültig ist, ist es nicht einfach. Wie schön wäre es doch, wenn die Zeit zurückgedreht werden könnte. Einfach zurück zu dem Moment, wo er seine Wohnung verlässt. Ihm einfach die Hand auf die Schulter legen, ihn festhalten, ihn einfach ganz fest drücken, ihm sagen, dass er nicht allein ist, ihn einfach mitnehmen und das Seil einfach wegwerfen. Verdammt wäre das schön, aber was wäre dann? Was würde das kosten? Wie würde es sich auf die Zukunft auswirken? Würde es ihn wirklich retten? Oder würde es einfach nur den Zeitpunkt verschieben, an dem wir ihn dann doch verlieren? Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, wir müssen mit dem Leben leben, welches wir haben und irgendwie ist das ja auch okay so. | mehr

Zwei Wochen sind es jetzt schon …

Es ist jetzt zwei Wochen her! Zwei Wochen, in denen ich mich mit Arbeit ablenke, um mir nicht andauernd dieselben Fragen zu stellen. Mein Körper merkt das natürlich, mir ist das bewusst. Mir ist bewusst, dass meine Rückenschmerzen ein Signal sind, aber ich muss noch durchhalten, ich muss mich noch bis Dienstag ablenken. Am Mittwoch heißt es dann Abschied nehmen. Abschied von einem Menschen, der 21 Jahre lang Teil meines Lebens war. Nicht durchgehend, ist klar, aber er war mein Neffe. Nein, er ist mein Neffe, tief im Herzen wird er weiterleben, wird er bei uns bleiben, auch wenn ich ihn am Mittwoch ein letztes Mal sehen werde. Zumindest hier auf der Erde, denn auch wenn ich nicht daran Glaube, ausschließen, dass es nach dem Leben doch noch etwas gibt, können wir alle nicht. | mehr

Aktuell ist es ja so …

Aktuell ist es ja so: Um zu verdrängen was passiert ist, will mein Gehirn irgendwelche Verschwörungstheorien erfinden. Es fragt mich - obwohl mein Gehirn und Ich ja eins sind - ob das wirklich freiwillig war, oder ob da nicht jemand Druck ausgeübt hat, damit mein Neffe diesen Weg geht. Ich weiß, dass ist total blöd, aber es ist halt so: Wenn ich wüsste, dass das nicht freiwillig war, würden die Fragen verschwinden und ich hätte eine Person, die ich Hassen könnte. Es wäre einfacher, auch wenn die Trauer natürlich dieselbe wäre. Es ist leider nicht so, auch wenn mein Verstand gerne wollte, dass es so ist. Es gibt niemanden, den ich dafür Verantwortlich machen kann und das ist so verdammt schwer. Eine andere Verschwörungstheorie von meinem Gehirn ist ja, dass das alles gar nicht stimmt, das es nur ein übler Scherz ist. | mehr

Meine Welt ist kaputt …

Meine Welt ist kaputt! Plötzlich! Ohne Vorwarnung! Zersprungen in tausend Teile. Neunhundertneunundneunzig dieser Teile werde ich wieder zusammensetzen können, doch ein Teil wird für immer fehlen. Dieses Teil werde ich nur mit Erinnerungen füllen können, mit schönen Erinnerungen. Sie werden nicht ausreichen, um die Leere zu füllen, die das fehlende Stück hinterlässt, aber sie werden die restlichen Teile zusammen halten. Die Welt ist kaputt, weil plötzlich jemand fehlt, der nicht fehlen darf. Der jetzt noch nicht fehlen darf! Einfach weg, für immer. Scherben auf fegen, Scherben zusammen kleben, fein säuberlich, damit die Bruchkanten nicht all zu deutlich zu sehen sind. Doch diese Eine, diese fehlende Scherbe, sie wird immer daran erinnern, sie wird immer dafür sorgen, dass die Welt nie wieder so sein wird, wie sie vorher war. | mehr

Der Tag danach …

Der Tag nach dem Anruf ist der Tag, an dem die bohrenden Fragen kommen. Hättest du es merken können? Hättest du es verhindern können? Hättest du es bemerken müssen? Ich bin mir sicher, dass sich diese Fragen alle Angehörigen stellen. Fragen, auf die es keine Antworten gibt, auf die es nie Antworten geben wird. Der Mensch, der sie beantworten könnte, lebt nicht mehr. Er kann nicht mehr sagen, warum er diesen Weg gewählt hat. Er kann nicht mehr sagen, wie wir ihm hätten helfen können. Sicher ist, dass der Entschluss nicht von jetzt auf gleich kam. Sicher ist auch, dass wir uns diese Gedanken viel zu spät machen. Warum haben wir eigentlich so wenig Zeit für einen Menschen, den wir lieben? Warum leben wir aneinander vorbei und nicht miteinander? | mehr

Mach’s gut Eric …

Wenn ein Mensch sich entscheidet seinem Leben freiwillig ein Ende zu setzen, muss es schlimm in ihm ausgesehen haben. Nein, das ist nicht Feige, es gibt keine Vorwürfe, die irgendwer diesem Menschen machen kann. Es ist auch keine Wut vorhanden, es ist einfach nur Trauer. Ich habe gehofft, niemals einen solchen Text schreiben zu müssen. Jetzt muss ich es, einfach um irgendwas zu tun. Ich muss es, weil die Gedanken, die mir seid dem Anruf durch den Kopf gehen, raus müssen. Ein Anruf, der das eigene Leben für immer verändert, es wird nie wieder so sein, wie es vor dem Anruf war. Schon deswegen nicht, weil ein Mensch aus meinem Leben verschwunden ist, einfach so, unerwartet. Wäre es ein Unfall gewesen oder eine Krankheit, durch die dieser Mensch gestorben wäre, es wäre was anderes. | mehr

Arme Kinder in unserer Gesellschaft …

Wenn ich mir so überlege, wie wenig uns die Kinder von armen Menschen wert sind. Ein wenig was über 260,- Euro, damit müssen sie einen ganzen Monat lang versorgt werden. Essen, Trinken, Kleidung, alles muss davon gezahlt werden. Natürlich klappt das, weil es Kleidung aus zweiter Hand gibt und weil ungesundes Essen eben günstig ist, aber so wird schon früh der Grundstein gelegt für die Ausgrenzung der Kinder. Wer keine vernünftige Markenkleidung trägt, wer nicht die finanzielle Möglichkeit hat, am sozialen Leben teilzunehmen, wird von den anderen in der Gruppe nicht akzeptiert. Eine Mitgliedschaft in Vereinen? Für Kinder und Jugendliche aus Hartz4-Familien unmöglich. Vernünftige Förderung von Talenten? Wovon soll diese denn gezahlt werden? | mehr

Gentrifizierung: Wenn Journalisten den Protest nicht verstehen …

„Entschuldigen Sie, natürlich finde ich es scheiße das Menschen sich Wohnraum nicht mehr leisten können, aber daran bin doch ich nicht Schuld und nein, es gibt natürlich auch kein Recht darauf, dass sich die Stadt nicht verändert. Schuld ist doch nur der Vermieter und nicht ich, obwohl ich es bin, der die hohen Mieten zahlt und ich auch bereit bin, diese hohen Mieten zu zahlen. Und warum sollte ich den Vermieter an sein soziales Gewissen erinnern? Dafür ist doch die Politik da! Und alle, die dies eben doch tun, tun dies nur aus Eigennutz ...“ Nein, das ist natürlich nicht meine Meinung, so liest sich allerdings die Kolumne von Özlem Topcu, welche in der „Zeit“ veröffentlicht wurde. Sie spricht von autoritären und selbstgerechten Protest der linksautonomen Szene gegen die Gentrifizierung. | mehr

Morgens, kurz nach fünf Uhr in Deutschland

Donnerstag, kurz nach fünf, noch viel zu früh, um sich mit irgendjemanden zu streiten. Es ist der dritte Tag, an dem ich meinem Auftraggeber erklären muss, dass der Verein immer noch nicht telefonisch erreichbar ist und das auch die Internetleitung noch nicht steht. Dabei hängt das eine vom anderen ab, denn der Telefonanschluss sollte am Dienstag auf Voice over IP umgestellt werden, der nächste heiße Scheiß, so scheint es jedenfalls, wenn du dem Gerede der Telekommunikationsunternehmen glaubst. Allerdings scheint das Umschalten auf diese Technologie gar nicht so einfach zu sein, und so ist der Verein jetzt schon seit Dienstag nicht telefonisch erreichbar. Der Horror! Im schlimmsten Fall gehen Aufträge verloren und somit auch Gelder, kein schöner Gedanke. | mehr

Wenn Provokation nervt – Kritische Gedanken zu „Das Schweigen der Männer“

Es gibt ja so Bücher, die benutzen bestimmte Aussagen und Sprüche, um den Leser zu provozieren. Es gibt aber auch Bücher, die benutzen diese Aussagen und Sprüche viel zu oft, sie wollen wahrscheinlich auch provozieren, aber durch die Häufigkeit der Wiederholung, wird es dann einfach nur noch nervig. Auf „Das Schweigen der Männer“ trifft der zweite Fall zu – jedenfalls bei mir, obwohl ich gerade einmal die Hälfte des Buches gelesen habe. Dasa Szekely, die Autorin des Buches, möchte den männlichen Leser anscheinend bei der Ehre packen, nein, eigentlich bei den Eiern, denn die werden auf den ersten hundert Seiten sehr oft erwähnt. Der eine Mann hat „zu viele Eier“, der andere Mann „zu wenige Eier“ und den, der genau die „richtige Anzahl von Eiern“ hat, den sucht sie in ihrem Buch. | mehr

Der April 2016

Joa, der April ist also wieder vorbei. Wirklich vermissen werde ich diesen April nicht, denn der April 2016 brachte nicht wirklich so viel Gutes. Anfang des Monats verstarb die nervige Mietzekatze. Dann ging der Monitor kaputt, dann viel mein Smartphone so ungünstig, dass ich jetzt ein Display mit schönem Muster habe und am Ende hatte mein Hinterrad am Fahrrad mal wieder eine Acht, was mich auch noch einmal Geld und Nerven gekostet hat. Ich wüsste jetzt also nicht, warum ich dem April hinterher trauern sollte. Sport war im April auch nicht viel, aber okay, dafür kann der April nichts, daran bin ich selbst schuld. Ich hätte ja einfach nur mehr Sport treiben müssen, dann wäre auch viel Sport im April drin gewesen. Gelesen habe ich ein wenig was, ja, ich habe einige Bücher beendet. | mehr