21 November 2018

Weil sie ein Mädchen ist!

„Weil sie ein Mädchen ist“, sagten Sie, „kann und darf sie das nicht!“
„Warum?“, fragte ich.

Sie hat Füße und Beine, mit denen sie läuft, wie ich.
Sie hat Hände und Arme, mit denen sie greift, wie ich.
Sie hat einen Mund, mit dem sie redet, wie ich.
Eine Nase, mit der sie riecht, wie ich.
Zwei Augen, mit denen sie sieht, wie ich.
Und zwei Ohren, mit denen sie hört, wie ich.
Warum darf und kann sie das nicht?

„Weil sie ein Mädchen ist.“

Sie kann fühlen, wie ich.
Sie kann stark sein, wie ich.
Sie kann schwach sein, wie ich.
Sie kann lachen, wie ich.
Sie kann weinen, wie ich.
Verträgt Schmerzen, sogar mehr als ich!
Warum kann und darf sie dann nicht?

„Weil sie ein Mädchen ist.“

Sie kann, wenn sie denn will, Berge bezwingen.
Kann auf Bäume klettern,
schneller laufen, als ich.
Sie kann Rechnen, kann Schreiben und kann lesen, wie ich.
Sie kann Leben gebären, nein, dass kann ich nämlich nicht.
Sie kann LKWs fahren, kann Pilotin sein.
Kann Raketen steuern,
sie kann Chefin sein.
Warum darf und kann sie denn das alles nicht?

„Eben nur, weil sie ein Mädchen ist! …“

18 August 2018

Meine Gedanken zu: #MenAreTrash – Männer sind Abfall

„Provozieren, aber richtig!“, ist der Titel eines Workshops, in dem es um provokative Moderation geht. Provozieren, dass will auch der Hashtag #MenAreTrash in den sozialen Medien, nur macht er das auch wirklich? Tatsächlich habe ich kein Problem damit, wenn Frauen ihre Erfahrungen mit Männern genau so kanalisieren. Selbst wenn ich ein Problem damit hätte, bliebe die Frage, warum gerade ich Bewerten sollen könnte, wie Frauen mit ihren Erfahrungen umzugehen haben? Wenn Frauen meinen, dass Männer Abfall sind, dann sollen sie das gerne kundtun. Sie sollen ihre Wut aufschreiben, ihn in die Welt des Internets schicken, sich mit anderen Austauschen, die das genauso sehen. Nur, wenn dem so ist, warum schreibe ich dann hier meine Gedanken auf?

Weil ich den Hashtag auf der anderen Seite dann eben doch für Kontraproduktiv halte. Nicht, weil ich den Frauen ihre negativen Erfahrungen absprechen möchte, sondern weil er eine Debatte um das Thema erschwert. Sicher werden jetzt einige Denken oder auch sagen, dass dieser Hashtag nicht zur Debatte gedacht ist, dass die Männer einfach mal zuhören sollen, sie den Erfahrungen der Frauen Aufmerksamkeit schenken sollen. Nur, wenn wir ehrlich sind, gehen die Botschaften, die transportiert werden sollen, sehr schnell unter. Der Hashtag allein löst bei vielen schon einen abwehrenden Reflex aus. Die Botschaften werden vielleicht noch gelesen, aber eben nicht verstanden, weil darüber gar nicht nachgedacht wird. Nachgedacht wird, wie dieser Hashtag abgewehrt werden kann! Diese Abwehr lässt sich unter dem Hashtag wunderbar beobachten. Der Hass, der da losgelassen wird, macht es unmöglich, überhaupt noch die Tweets zu finden, die eine Botschaft enthalten, für die dieser Hashtag eigentlich erfunden wurde. Tatsächlich gibt es unter dem Hashtag mehr Tweets, die den Hashtag entweder verteidigen oder ihn ablehnen. Da ist dann die Frage, wie du als unbeteiligter Dritter, der dem Hashtag gegenüber weder Pro noch Contra eingestellt ist, dann noch die Botschaften finden sollst, die der Hashtag eigentlich übermitteln möchte? Die Tweets also, die am Ende doch ein Nachdenken auslösen und zu einer Debatte führen könnten?

Abgesehen davon, und auch wenn immer wieder betont wird, dass es hier nicht um das Individuum geht, ist dieser Hashtag natürlich auch verletzend. Am Ende sind wir alle Menschen mit Gefühlen. Und wenn Gefühle verletzt werden, dann ist eine konstruktive Debatte oder eben nur ein konstruktives Zuhören schon fast ausgeschlossen. Darüber sollten wir uns bewusst werden, auch dann, wenn wir provozieren möchten. Die Provokation soll ja am Ende irgendwas bewirken, sie soll konstruktive Prozesse auslösen, die die Gesellschaft verbessern und die Gleichberechtigung von Frau und Mann befördern. Ob das mit verletzenden Provokationen funktioniert, wage ich dann eben doch zu bezweifeln. Allerdings finde ich eben auch, dass Männer da auch einfach mal ihre Eitelkeiten zu Hause lassen könnten, sie ihre abwehrende Reaktion einfach mal zurückhalten sollten, um so den Botschaften – die transportiert werden sollen – auch eine Chance zu geben, beim Empfänger anzukommen.

Ansonsten beweist dieser Hashtag wieder einmal wunderbar, wie einige Männer versuchen Frauen und dessen Erfahrungen zu unterdrücken, wie Männer also genau das tun, was ihnen vorgeworfen wird. Und dann darf jeder halt auch einmal darüber nachdenken, ob der Hashtag dann nicht doch auf einige Männer zutrifft …

9 August 2018

Die ewige Diskussion über den Schutz von Leben – Schwangerschaftsabbrüche

In Argentinien hat sich die Regierung gegen die Freigabe von Schwangerschaftsabbrüchen entschieden. Soweit so schlecht! Was mich an der Debatte darüber aber viel mehr stört, dass sind all die Kommentare, die die Meinung vertreten, dass es in der Diskussion nicht allein um die Frage geht, wem der weibliche Körper denn eigentlich gehört, wer also darüber die Entscheidungshoheit hat, sondern viel mehr um den Schutz von Leben.

Nein, verdammt noch mal, genau darum geht es in der Debatte nicht! Würde es um den Schutz von Leben gehen, dann würden wir andere gesellschaftliche Debatten führen.

Wir würden darüber debattieren, wie wir verhindern können, das Kinder in Armut aufwachsen. Wir würde dafür sorgen, dass kein Mensch mehr unter Hunger leiden muss. Wenn wir Leben schützen wollten, wenn es wirklich darum gehen würde, dann würden wir die Produktion von Massenvernichtungswaffen einstellen, wir würden generell auf die Produktion von Kriegswaffen verzichten.

Wir würden dann über eine solidarische Gesellschaft diskutieren – eine Gesellschaft, die sich die Erziehungsarbeit teilt, die Frauen unterstützt und sie nach der Geburt nicht allein lässt. Eine Gesellschaft, die die Leistungen, die Frauen hier erbringen, auch wertschätzt, die aber der Frau auch nach einer Schwangerschaft noch alle Wege offen lässt.
Wir würden reden über eine bessere Umverteilung von Lebensmitteln, über den Zugang zu sauberen Trinkwasser für alle Menschen auf dieser Welt. Wir würden dann nicht darüber diskutieren, wie wir Menschen im Mittelmeer ersaufen lassen können, um die Grenzen besser zu schützen.

Aber um all das geht es gar nicht. Es geht in der Debatte nicht um den Schutz von Leben. Die Debatte, die hier eigentlich geführt wird, ist doch, ab wann gehört der weibliche Körper der Gesellschaft, ab wann muss sich die Frau gesellschaftlichen Wertevorstellungen unterwerfen und darf nicht mehr autonom über ihren eigenen Körper verfügen.

Sind wir doch ehrlich. Die meisten Frauen machen sich den Schritt hin zur Abtreibung nicht einfach. Wenn sie ihn aber gehen, dann haben sie auch gute Gründe dafür und dann gehen sie diesen Weg, ob er nun legal ist oder nicht. Der Unterschied ist aber, dass ein legaler Weg die Risiken für die Frau minimiert.

7 Juni 2018

Die Angst läuft mit bei Läuferinnen

Lauftraining

Vor einigen Wochen gab es auf Twitter die Diskussion, wie sich Läufer beim Laufen verhalten sollen, wenn sie hinter einer Läuferin her laufen. Inzwischen gibt es auf einem großen Läufermagazin sogar eine Umfrage dazu und auch ich habe in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht. Wahrscheinlich zu viel, wahrscheinlich auch, weil ich Kurzgeschichten schreibe und meine Phantasie da immer gleich eine Geschichte daraus macht.

Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, die zur Diskussion standen. Zum einen das flotte Überholen der Läuferin, dann das ändern der eigenen Laufstrecke, oder eben das langsamere Laufen, damit die Läuferin Abstand gewinnt. Ich bin tatsächlich zu dem Schluss gekommen, dass das alles keine brauchbaren Lösungen sind. Warum, das schreibe ich jetzt in den folgenden Absätzen. Eventuell sollten Menschen, die eh schon zu viel Angst haben, hier nicht weiter lesen, denn ich möchte nicht, dass ihr euch dann überhaupt nicht mehr zu eurem Lauftraining traut.

Langsamer laufen oder die eigene Strecke verändern

Fangen wir mit diesen beiden Punkten an. Im ersten Moment hören sich beide super an und könnten wahrscheinlich auch dafür sorgen, dass sich die Läuferinnen besser fühlen, aber ich finde, dass das zu kurz gedacht ist. Denn auf dem zweiten Blick verlieren die Läuferinnen dadurch die Kontrolle über die Situation, weil sie nämlich gar nicht wissen, was die Läufer da tatsächlich machen. Wer sagt denn, dass sie wirklich ihre Laufstrecke ändern? Niemand! Genauso könnten sie eine Abkürzung nehmen und an einer unübersichtlichen Stelle warten. Was ebenso für Läufer gilt, die sich zurückfallen lassen.

Hinzu kommt, dass sich die Läuferin denken könnte, dass die Situation dadurch beendet ist und sie sich – so wie ich es ab und an tue – in ihren Gedanken verliert und die Strecke dadurch nicht mehr mit voller Achtsamkeit beobachtet. Das führt dazu, dass der Überraschungsmoment für den möglichen Täter wieder größer wird, das Risiko der Gegenwehr also abnimmt.

Überholen

Bliebe noch das Überholen. Das ist allerdings nur möglich, wenn der Läufer tatsächlich schneller ist als die Läuferin. Ist nicht immer der Fall, aber wenn, dann hätte die Läuferin die Situation zumindest solange unter Kontrolle, wie sie den Läufer vor sich sieht. Problematisch wird es aber dann, sobald der Läufer aus dem Blickfeld verschwindet, denn dann gilt wieder all das, was ich im ersten Punkt schon angesprochen habe. Und ich vermute sogar, dass Männer, die wirklich etwas vorhaben, auf eben diesen Überraschungseffekt setzen und sie deswegen eher die Situation erst einmal entspannen.

Es gibt meiner Meinung nach keine wirkliche Lösung, es gibt scheinbare Sicherheit, aber wirklich gelöst werden könnte das Problem nur, wenn wir in der Gesellschaft endlich soweit kommen, dass Läuferinnen vor Läufern keine Angst haben, das Frauen keine Ängste mehr vor Männern haben, weil es eine emanzipierte Gesellschaft ist, in der alle Menschen gleichberechtigt miteinander Leben, in der sexualisierte Gewalt der Vergangenheit angehört.

Was also tun?

Ich weiß es nicht. Ich bin wirklich überfragt! Ich kann die Ängste von Läuferinnen verstehen, aber es gibt keine Lösung, die dieses Ängste abschalten wird. Wichtig wäre vielleicht, dass wir Männer nicht die Temposteigerungen der Läuferinnen mitmachen, das wir einfach normal weiterlaufen.

Ich habe bisher meistens das Tempo verringert, wenn ich nicht überholen konnte und werde dies wohl auch weiterhin tun, aber wie oben schon erwähnt, es ist wohl eher eine Scheinsicherheit. Doch solange es hilft, die Ängste von Läuferinnen ein wenig zu lindern, ist es angebracht und schadet mir nicht.