19 November 2018

Kein Umweltschutz wegen zu hoher Auslastung im Alltag?

Gestern habe ich auf Twitter zufällig eine Diskussion zum Thema „Umweltschutz“ mitbekommen. Ich habe mich nicht eingemischt, weil ich die Leute nicht kannte und weil ich mich dann wahrscheinlich wieder viel zu viel aufgeregt hätte. Aber so wirklich lässt mich diese Diskussion nicht los, ich rege mich jetzt schon die gesamte Zeit darüber auf, weil es einfach genau die Einstellung ist, die am Ende verhindert, dass sich überhaupt etwas ändert. Grob wiedergegeben ging es in der Diskussion darum:

„… dass das Thema Umweltschutz nicht in den Alltag integriert werden kann, weil die Person dazu zu ausgelastet ist und ihr Tagesablauf schon hart durchgeplant ist.“

Konkret ging es um Plastiktüten oder Stoffbeutel. Es ist also zu schwer, sich einen Stoffbeutel in die Handtasche zu stecken oder in den Rucksack, oder in die Jackentasche oder wo so ein Stoffbeutel noch gut verstaut werden kann. Es ist zu schwer, hier seinen Alltag anzupassen, dauert ja solange, sich, nachdem der Beutel benutzt wurde, diesen wieder in die Tasche zu stecken. Da könnte der hart durchgeplante Alltag durcheinander kommen …

Leute, ich habe vor einigen Jahren für mich entschieden, dass ich nie wieder Plastiktüten kaufen werde. Von heute auf morgen und es hat mich nicht eingeschränkt. Ich konnte weiterhin spontan einkaufen gehen, weil ich halt immer einen Beutel dabei hatte, und nein, so ein Beutel ist nicht schwer, es macht sich also auch niemand den Rücken kaputt, wenn er einen solchen Stoffbeutel immer dabei hat. Und wen der Umweltschutz an dieser Stelle egal ist, dem sei gesagt, dass so eine Plastiktüte bei jedem Einkauf knapp 10 Cent kostet. Wer also häufiger spontan einkaufen geht, der gibt da eine Menge Geld nur für die Tüten aus, einfach mal ausrechnen, ob da so ein Stoffbeutel nicht soviel Geld spart, dass mensch sich am Ende des Jahres noch ein schönes Geschenk leisten kann.

Alltagsroutinen hinterfragen

Stoffbeutel sind jetzt nur ein Beispiel, nur ein kleines, aber jeder kann einmal überlegen, was er in seinem Alltag anders machen kann, und zwar ohne seine Alltagsroutinen zu ändern – wobei Routinen ja sowieso etwas Langweiliges an sich haben. Braucht es für Äpfel, Kartoffeln oder anderes Obst und Gemüse wirklich die Plastiktüte? Auch auf diese verzichte ich! Wenn es geht, dann nehme ich unverpacktes Obst und Gemüse, einzeln! Ja, die fallen meist nicht aus dem Einkaufswagen oder Korb, die können da ruhig ohne Verpackung drin liegen und später auch im Einkaufsbeutel, das schadet weder dem Obst noch dem Gemüse.

Oder das Auto. Brauche ich es wirklich für jede kurze Strecke? Brauche ich es überhaupt oder wäre ich mit einem Mix aus öffentlichen Personennahverkehr, Bike-, und Carsharing nicht besser dran? Könnten wir uns nicht im Kiez oder im Haus ein gemeinschaftliches Lastenrad anlegen, um damit Großeinkäufe zu erledigen? Muss ich dadurch meine Alltagsroutinen wirklich so stark verändern? Oder könnte das nicht sogar zu einer Verbesserung meiner Lebensqualität führen?

Wir könnten das jetzt für viele Dinge durchgehen, aber ich glaube, dass diese Beispiele schon ausreichen. Sie zeigen, worauf ich hinaus möchte: wir müssen alle unsere Alltagsroutinen hinterfragen und schauen, wo wir sie anpassen können, um die Umwelt zu schützen. Und das geht auch, wenn der bisherige Alltag schon komplett durchgeplant ist!

Keiner ist Perfekt

Keiner ist Perfekt, auch nicht beim Thema Umweltschutz! Aber nur, weil wir vielleicht nicht alles umsetzen können, bedeutet das nicht, dass wir nicht zumindest das umsetzen sollten, was für uns möglich ist. Wir müssen nicht immer auf den Gesetzgeber warten, wir können dem Zwang, der uns durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Normen einengt, in kleinen Schritten auch selbst entkommen. Natürlich muss der Gesetzgeber auch steuernd eingreifen, aber eben nicht nur er, sondern auch der Konsument. Und klar, nicht jeder muss alles mitmachen. Wer bestimmte Trends dämlich findet, andere aber für sinnvoll hält, der sollte nicht auf die sinnvollen Trends verzichten, sondern nur auf die, die er dämlich findet.

PS:

Gerade wurde ein ähnlicher Artikel über Twitter geteilt. Da meiner jetzt erst später veröffentlicht wird, verlinke ich ihn gerne, damit nicht der Verdacht aufkommt, dass ich diesen eventuell kopiert hätte. Außerdem passt er super zum Thema: Die mit dem ausgestreckten Zeigefinger.


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Verfasst 19. November 2018 von Sven in category "Dies und Das", "Erlebnisse und Gedanken

2 COMMENTS :

  1. By Torsten (7 comments) on

    Hallo Sven,

    ja, das Leben ist bei vielen schon durchgetaktet. Da hat man für nichts Zeit 🙂 Dabei ist doch vieles so einfach und kann problemlos in den Alltag integriert werden!

    Mach weiter so!

    Beste Grüsse

    Torsten

  2. By Johannes (2 comments) on

    Ein schöner Beitrag!
    Es muss und kann nicht immer gleich die ganz große Ökorevolution sein. Es sind doch schlußendlich die bewußten kleinen Achtsamkeiten im Alltag, die Schritt für Schritt ein Umdenken bewirken.

    Grüße, Johannes

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