02.07.2026: Meine fünf Minutengedanken zu Renten und Generationen.

In letzter Zeit wird wieder viel über die Rente gesprochen und geschrieben. Es ist ein Dauerthema, schon über Jahrzehnte, weil sich die Gesellschaft verändert, aber das Rentensystem sich an diese Veränderung nicht so einfach anpassen lässt. Beim Holger im Aussernet-Blog gibt es zum Beispiel einen Artikel, der die junge Generation in der Pflicht sieht. Er meint, dass sich die junge Generation besonders viel Zeit lässt, um ins Berufsleben zu starten und es diese ungenutzten Beitragsjahre sind, die am Ende fehlen und zum Problem für die Rentenkasse werden. Nicht die älteren Menschen sollen immer später in Rente gehen, sondern die jüngeren Menschen sollen früher starten, in die Rentenkasse einzuzahlen.

Dabei wurde das Alter für die Einschulung schon von sechs auf fünf Jahre gesenkt, damit die jungen Menschen dann dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung stehen. Auch wurde das Turboabitur angeführt, wo derselbe Stoff in 12 statt 13 Jahren vermittelt wird, damit die jungen Menschen dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung stehen. Insgesamt könnten Abiturienten also schon zwei Jahre früher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen als Früher, Schüler*Innen, die sich mit der mittleren Reife zufriedengeben oder mit einem erweiterten Hauptschulabschluss immer noch ein Jahr früher. Die Verlagerung gab es also schon und sie hat das Problem der Rentenkasse nicht gelöst.

Auch spricht Holger nicht an, dass sich auch die Anforderungen an die Berufsausbildungen verschoben haben. Dort, wo in den 80iger Jahren noch ein Hauptschulabschluss gereicht hat, wird heute ein sehr guter Realschulabschluss oder sogar das Abitur verlangt, um den Ausbildungsplatz zu bekommen. Also, selbst wenn junge Menschen gar nicht studieren wollen, kann es für diese dennoch notwendig sein, das Abitur zu machen, um in ihrem Ausbildungsberuf eine Chance zu haben. Und nein, das liegt nicht daran, weil die Abschlüsse immer leichter zu erreichen sind, es liegt daran, dass die Anforderungen in den letzten Jahren einfach gestiegen sind!

Junge Menschen gehen ja durchaus in die Berufsausbildung und machen das auch gerne. Dass es aber mehr gibt, die lieber Studieren möchten, ist für mich absolut nachvollziehbar, denn wer studiert, hat eine größere Chance, ein Einkommen zu erzielen, mit dem mehr als nur die Existenzsicherung möglich ist.

Mir schwirrt zu diesem Punkt noch sehr viel mehr im Kopf herum, aber es soll ja um die Rente gehen. Wir wissen alle, dass diese Dinge, die sich auf Generationen beziehen, meist nur in den Köpfen existieren und nicht wirklich in der Realität und deswegen mache ich es kurz und behaupte, dass der spätere Berufseinstieg und damit der spätere Beginn der Beitragszahlungen in die Rentenkasse, gar nicht das Problem ist.

Mehr Beiträge, höhere Ansprüche, dasselbe Defizit!

Es entlastet auch nicht die Rentenkassen, weil aus jeder Einzahlung eben später auch ein Anspruch entsteht, wenn denn das Minimum an Beitragsjahren und der Renteneintritt erreicht wird. Das Defizit der Rentenkasse bleibt also stabil, auch wenn jetzt jeder nur noch einen Hauptschulabschluss macht und dann mit 14 seine Ausbildung beginnt – wenn er*sie in einem Bundesland lebt, wo das möglich wäre.

Auch ein höheres Renteneintrittsalter oder die Einbeziehung von noch mehr Menschen in das Umlagesystem lösen das Problem nicht. Weder das Problem der Rentenkassen, noch das Problem der Krankenkassen und auch nicht das Problem der Pflegeversicherung. Ob die Einbeziehung von Selbstständigen, Beamten und Politikern aus anderen Gründen gerecht wäre, will ich hier jetzt gar nicht diskutieren, aber am Defizit der Rentenkasse ändert es halt nichts, weil durch all die zusätzlich generierten Einnahmen eben auch neue und zusätzliche Ansprüche entstehen! Vielleicht kollabieren die Kassen dann ein paar Jahre später, aber das Problem – dass sie kollabieren werden – lässt sich dadurch halt nicht lösen.

Lösen lässt sich das Problem nur, wenn wir unser Umlagesystem so umbauen, dass die Kassen Einnahmen generieren, die nicht zu zusätzlichen Ansprüchen führen. Zum Beispiel könnte es Rentenbeiträge für Roboter geben. Roboter – und den Begriff nutze ich hier sehr weit gefasst – brauchen am Ende keine Rente, aber auch sie schaffen durch ihre Arbeit Mehrwerte und von diesen Mehrwerten darf durchaus auch ein Teil ins Rentensystem fließen.

Das Umlagesystem, so wie wir es jetzt haben, ging immer davon aus, dass es immer mehr Menschen gibt, die einer Erwerbsarbeit nachgehen als Rentner*Innen, die eine Rente aus diesem Umlagesystem bekommen. Nun wird die Gesellschaft immer älter und die Geburtenrate geht immer weiter zurück und so müssen immer weniger Erwerbstätige mit ihren Beiträgen die Renten von immer mehr Rentner*Innen finanzieren. Das ist kein Vorwurf an die Rentner*Innen, die sich ihre Rente verdient haben, es soll aber deutlich machen, dass die Lasten nicht immer weiter auf die jungen Arbeiter*Innen verteilt werden können, die gleichzeitig mit Kaufkraftverlusten zu kämpfen haben. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, was die Steigerung von Beiträgen in die Umlagesysteme der Sozialversicherung angeht. Die jungen Menschen müssen von ihrem Einkommen schließlich auch noch ihr gegenwärtiges Leben finanzieren können und in einer gerechten Gesellschaft sprechen wir hier halt auch davon, dass das ein gutes Leben sein sollte. Am Ende leben wir alle nur einmal und da sollte es in jedem Lebensalter möglich sein, dieses eine Leben auch einfach mal zu genießen, ohne dass die Erwerbsarbeit dazwischen kommt.

Deswegen stellten sich mir dann auch die Nackenhaare auf, als ich beim Alex den Punkt zur Rentenreform entdeckte, wo es um eine verpflichtende private Rente geht, die am Kapitalmarkt aufgebaut werden soll. Woher soll das Geld dafür kommen, wenn es jetzt schon Menschen gibt – mehrere Millionen Menschen – die an der Armutsgrenze leben und die schon jetzt nicht teilweise nicht mehr wissen, wie sie die letzten Tage bis zur nächsten Lohn- und Gehaltszahlung überbrücken sollen?

Es funktioniert nicht! Ich kann nicht immer mehr Lohn- oder Gehalt in die Umlagesysteme der Sozialversicherungen und verpflichtend in den Kapitalmarkt verschieben. Es funktioniert nicht, die Alters-, Gesundheits- und Pflegesysteme allein durch Arbeitseinkommen zu finanzieren. Wir müssen uns als Gesellschaft da endlich was anderes einfallen lassen, und zwar ohne die Verantwortung immer bei den anderen Generationen zu suchen!

Reichtum hat diese Gesellschaft ja schon ausreichend generiert, nur bei der Verteilung des Reichtums sind wir bis jetzt grandios gescheitert, was im existierenden Wirtschaftssystem auch nicht verwunderlich ist.

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