Anfang letzten Jahres ging mir eine Idee durch den Kopf, die ich im Fediverse wie folgt beschrieben habe:
Völlig dämlicher Gedanke ging mir durch den Kopf. Gedanke:
Um Demokratie zu stärken, sucht sich jede Familie einmal in der Woche einen Termin für einen Familien-Demokratie-Stammtisch. Da wird über ein aktuelles Thema diskutiert, was ein paar Tage vorher festgelegt wurde, sodass jeder in der Familie die Zeit hat, sich über das Thema zu informieren, Quellen zu sammeln, diese dann natürlich auch zum #DemokratieStammtisch mitzubringen und dann wird in der ersten Runde am Stammtisch jedem ein gewisses Zeitfenster gegeben, wo er*sie seinen Standpunkt vortragen kann, ohne das er*sie von den anderen unterbrochen wird. Danach wird diskutiert und es werden gemeinsam die Quellen bewertet, die von den einzelnen Menschen miteingebracht wurden. Ganz offen, ohne dass es am Ende eine*n Sieger*In oder eine*n Verlierer*In gibt.
Verrückt! Ich weiß, total verrückt! Mord und Totschlag würde es geben!
Die Idee kam mir im Zeitraum rund um die Bundestagswahl 2025 und eigentlich finde ich diese Idee noch immer total spannend. Ein solcher Demokratiestammtisch vermittelt die Werkzeuge, die wir in einer Demokratie brauchen und er festigt sie, weil sie auch gleich direkt angewendet werden.
Debatten führen, also miteinander ein Streitgespräch führen können, ist eines dieser Werkzeuge und wohl auch eines der Wichtigsten in einer Demokratie und sollte somit auch schon früh als etwas Positives verankert werden.
Ich erwähne das, weil ich 2024 in einer Studie(PDF) gelesen habe, – korrekter ist, ich habe eine Zusammenfassung gelesen – dass gerade einmal drei von zehn Menschen gerne über Politik sprechen und sogar weniger als eine von zehn Personen spricht sehr gerne über Politik. Das ist schon sehr erschreckend, weil sich eine demokratische Gesellschaft nur dann weiterentwickeln kann, wenn sie miteinander debattiert. Nur wenn gemeinsam über politische Themen gesprochen wird, kann eine Demokratie überhaupt funktionieren. Solange es aber für viele Menschen eher unangenehm ist, über politische Themen zu streiten, haben wir als demokratische Gesellschaft ein Problem.
So ein Demokratiestammtisch in der Familie und später dann vielleicht auch mit Freund*Innen kann die Angst vor dem Streitgespräch nehmen. Dazu müssen natürlich Regeln vermittelt und die Debatte mit positiven Gefühlen und Erlebnissen verknüpft werden.
Open-Source-Werkzeugkasten
Nun ist mir natürlich bewusst, dass viele von uns erst einmal selbst lernen müssen, wie so ein Streitgespräch geführt wird, damit es mit positiven Erlebnissen und Gefühlen verknüpft werden kann und auch andere Werkzeuge müssen erste einmal vermittelt werden, damit so ein Demokratiestammtisch überhaupt funktionieren kann. Deswegen wäre wohl der erste Schritt, bevor diese Demokratiestammtische überhaupt etabliert werden können, einen Open-Source-Werkzeugkasten zu erstellen, in welchem sich Anleitungen und Werkzeuge befinden, die für einen guten Stammtisch notwendig sind. Also Dinge wie zum Beispiel eine Anleitung, um die Qualität von Quellen zu bewerten oder wie Zuhören richtig funktioniert. Vorlagen, um die Vorbereitung des Demokratiestammtisches zu erleichtern, also zum Beispiel eine Vorlage, auf der Argumente und Quellen für den eigenen Standpunkt gesammelt werden. Und wahrscheinlich vieles mehr, was mir aber spontan nicht einfällt.
Mehr Blogs durch Familienblogs?
Da ja gerade wieder überall gefordert wird, dass mehr Menschen bloggen sollen, wäre dann eine weitere Überlegung, die Ergebnisse des Demokratiestammtisches zusammenzufassen und diese dann in „Familienblogs“ zu veröffentlichen. Dadurch würde sich die Möglichkeit eröffnen, die Gedanken und Argumente, die in der Familie ausgetauscht wurden, in eine öffentliche Debatte einzubringen. Dritte könnten dann mit eigenen Gedanken, Argumenten und Standpunkten den Blickwinkel weiten oder sogar einen komplett neuen Blickwinkel eröffnen, sodass viele Aspekte in die Debatte einfließen. Wir hätten plötzlich Räume, um gesellschaftliche Debatten zu führen, in denen wir gemeinsame Standpunkte finden könnten. Wir könnten endlich herausfinden, was wir als Gesellschaft wollen und wohin wir wollen. Wir könnten gemeinsam für etwas sein und nicht immer nur gegen etwas!

