Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Seit einigen Jahren schreibe ich hier unregelmäßig über geflüchtete Menschen, ich schreibe nicht nur, ich kotze mich aus über die Menschenfeindliche Stimmung in unserem Land, darüber, dass wir vergessen, welche Verantwortung wir gegenüber den geflüchteten Menschen haben. Was mich in dieser Zeit immer irritiert hat, ist, dass die großen Blogs, also die, die eine sehr große Reichweite haben, meist über das Thema geschwiegen haben. Ich war erschüttert, wie wenige der großen Blogger sich für dieses Thema interessiert haben, wie viele lieber über Katzen gebloggt haben, oder über andere Dinge, die durchaus auch wichtig sind, die aber eben nichts gegen diese Menschenfeindlichkeit bewirkten, die sich in unserem Land breit macht.

Inzwischen brennen in Deutschland wieder Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Geflüchtete Menschen werden in Deutschland mit Hass begrüßt, die Politiker geben diesem Hass Nahrung, indem sie abwertend von Wirtschaftsflüchtlingen reden, von Sozialschmarotzern, die nur unser Geld haben wollen. Es sind dieselben Politiker, die sich dann darüber wundern, dass die Mitte der Gesellschaft so rassistisch ist und die alles dafür tun, um die Stimmung gegenüber geflüchteten Menschen noch mehr aufzuheizen. Und was machen die großen Blogger? Sie machen nichts, sie schreiben weiter über Katzen und über Themen, die nichts gegen die Menschfeindlichkeit bewirken.

Warum? Ich verstehe dieses Schweigen nicht. Liegt es daran, dass diese Blogger angst davor haben, dass sie dadurch Leser verschrecken könnten? Fürchten sie, dass sie dadurch an Reichweite verlieren? Wenn ja, warum? Brauchen diese Blogger wirklich rassistische Leser? Bringen die mehr Geld?

Ich weiß es nicht! Ich weiß aber, dass ich es schrecklich finde, dass die großen Blogs kaum etwas zu diesem Thema schreiben. Sie hätten die Reichweite, sie könnten sich gegen den Rassismus stellen, der sich in der Gesellschaft eingenistet hat, sie könnten ein Zeichen setzen, doch sie nutzen diese Chance nicht. Sie schreiben nicht über die Menschen, die während ihrer Flucht ihr Leben verloren haben. Sie schreiben nichts über die Fluchtgründe, über das Elend, die Not, das Leid oder die Armut. Nichts über die Ausbeutung, über Kriege und Verfolgung. Sie schweigen darüber, vielleicht aus Angst davor, eine Position beziehen zu müssen.

Wenn ich mir überlege, wieoft ich auf Twitter schon geblockt wurde, weil ich darauf hingewiesen habe, dass ein Tweet ziemlich rassistisch war. Wenn ich mich an die Diskussionen erinnere , in denen ich am Ende persönlich angegriffen wurde, weil ich die geflüchteten Menschen verteidigt habe. Für meinen Blog war das wahrscheinlich nicht immer gut, aber hey, auf Arschlöcher kann ich gerne verzichten. Und wenn ich, weil ich meine Meinung vertrete, nur 10 Leser im Blog habe, dann ist das eben so. Wichtig ist doch, dass ich mich wohl fühle, dass ich zu meiner Meinung stehe, dass ich eine Position bezogen habe. Schweigen kann die Welt nicht verbessern. Blogger, die Position beziehen, die aufhören zu schweigen, können das. Große Blogs, die eine große Reichweite haben, können das noch mehr.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das, dass die großen Blogger in Deutschland endlich Position beziehen. Gerne auch mit Katzencontent …

Blogs, die was zu sagen haben …

 





11 Comments

  1. Ghost (35 comments)
    09:35 on August 9th, 2015

    Guten Morgen Sven, mit großem Erschrecken haben ich deinen Artikel hier gelesen. Jetzt meine Frage dazu: Was für eine Verantwortung haben wir geflüchteten Menschen gegenüber? Wir haben sie weder eingeladen, noch gezwungen nach Deutschland zu kommen. Mit dem Krieg hat meine, bzw. unserere, Generation nichts mehr zu tun. Also, was für eine Verantwortung habe ich jetzt gegenüber geflüchteten Menschen?

    Und auch der Hass ist verständlich. Ein Beispiel aus meinem Dorf. Ich lebe in einer 600-Seelen Gemeinde. Uns hat man jetzt 104 Asyslbewerber, Tendenz steigend, in das Dorf gesetzt. Die neue Situation: Wir alle, unsere Tiere, unsere Rentner, unsere Kinder – alles sind Hurensöhne. Die Vokabel beherrschen sie perfekt. Keiner traut sich nach 19.00 Uhr noch freiwillig auf die Straße, weil keiner weiß, ob es bei der netten Vokabel bleibt. Die machen sich hier im Ort breit, sogar deren Kinder attakieren die Autos von Lehrern und Hortnerinnen auf dem Schulparkplat. – Jetzt frage ich dich: Warum soll ich sowas noch mit offenen Armen empfangen?

  2. Horst Schulte (13 comments)
    10:26 on August 9th, 2015

    Ich kommentiere ja hier nicht so häufig.

    Bei diesem Artikel sind wir 100%ig einer Meinung. Vielleicht -nur vielleicht- könnte ich für Leute Verständnis haben, die persönlich schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht haben.

    Die, die sich äußern, haben solche Erfahrungen in der Regel nicht gemacht. Sie haben Angst vor allem möglichen. Vor allem wahrscheinlich vor dem Fremden. Intelligente Menschen sollten in der Lage sein, die Dimension dessen zu überblicken, mit dem wir es zu tun haben.

    Es ist eine neue Völkerwanderung. Und für deren Auslösung haben wir mit gesorgt. Diese Einsicht teilen nicht viele. Und sie hilft auch leider nicht, die Probleme zu lösen.

    Mit unseren Blogs ist das so eine Sache. Da wird sich lieber in Allgemeinplätzen verloren. Nur nicht anecken, immer schön im Mainstream dabei sein. Ist zwar langweilig, aber man muss sich nicht für seine Meinung rechtfertigen.

    Auch, wenn du mich nicht mehr leiden kannst, Sven. Dein Artikel war toll und das wollte ich hier mal sagen. Auch als Kontrapunkt zu dem vorherigen Kommentar, für den ich überhaupt kein Verständnis aufbringe.

  3. Ghost (35 comments)
    10:52 on August 9th, 2015

    @Horst Schulte
    Sie müssen diesen Kommentar nicht verstehen. Er ist ja auch vollkommen anders als das, was immer behauptet wird, von friedlichen Flüchtlingen….

  4. Horst Schulte (13 comments)
    11:06 on August 9th, 2015

    Menschen sind unterschiedlich. Flüchtlinge nehme ich von dieser simplen Feststellung nicht aus. Aber es ist schlimm, dass Ereignisse wie aufeinander losprügelnde Flüchtlinge und andere Negativbeispiele von Menschenfeinden instrumentalisiert werden. Das ist zu einfach, und es wird den Problemen, die zu lösen sind, einfach nicht gerecht.

  5. […] Macht’s Maul auf … | Svens kleiner Blog | Quelle […]

  6. […] Macht’s Maul auf … – Rassismus in der Gesellschaft […]

  7. Jürgen (21 comments)
    15:16 on August 11th, 2015

    Deal? Wir schreiben große Blogs an wie sie das ganze sehen, und ob sie darüber bloggen möchten?

  8. Horst Schulte (13 comments)
    16:15 on August 11th, 2015

    Können wir machen – oder Sven? Wie kommen wir an eine Liste? Oder tragen wir sie aus dem Kopf zusammen?
    Habt ihr gelesen, dass ein Blogger aufgegeben hat?
    http://goo.gl/C0jEp0

  9. Sven (68 comments)
    11:51 on August 13th, 2015

    Klar könnten wir die Blogger anschreiben und ihnen nahelegen, sich endlich mal zu positionieren, aber ganz ehrlich, wie ehrlich wird die Positionierung sein, wenn sie durch einen externen Anstoß kommt? Die Erkenntnis, dass jetzt endlich das Maul aufgemacht werden muss, muss den Leuten schon selbst kommen.

    @Ghost

    Ja, ich habe lange überlegt ob ich dir hier in den Kommentaren jetzt darlege, warum WIR eine Verantwortung gegenüber diesen Menschen haben. Ich hätte übers Kaffeetrinken gesprochen, über die Jeans und die Baumwolle, über T-Shirts, aber auch über unsere Vergangenheit, unsere damaligen Kolonien, über den Wohlstand, den wir in dieser Zeit aufgebaut haben und von dem auch du heute noch profitierst, den du nicht abgelehnt hast. Ich habe mir dann aber gesagt, dass das Internet viele schöne Artikel zu diesen Themen bereit hält und wenn du wirklich wissen willst, warum WIR Verantwortung tragen, dann machst du dir die Mühe, diese Artikel zu finden und zu lesen.

  10. […] mich jedenfalls darüber, dass Blogger Flagge […]

  11. […] selten mit Hass begrüßt. Ich kann gar nicht laut genug rufen: Ich bin gegen Fremdenhass. Lasst uns das Maul aufmachen gegen Rassismus in der Gesellschaft . Die Flüchtlinge nehmen uns hier nichts weg. Sie tun uns […]

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