22 November 2018

Nicht unsichtbare Menschen lösen Probleme, sondern solidarische Gesellschaften

Es gibt Menschen ohne Obdach in Deutschland. Menschen, die keinen Raum haben, in den sie sich zurückziehen können, wo sie sich aufwärmen können, sich vor Regen, Sturm, Schnee und starker Hitze schützen können. Menschen die da sind, weil wir uns als Gesellschaft immer mehr individualisieren und für Solidarität kaum Platz ist. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, wer Scheitert, ist selbst schuld, wer abgehängt wird, muss dies auf individuelles Versagen zurückführen. Nicht die Wirtschaftsform ist schuld, nicht die daraus resultierende Gesellschaft, die immer unsolidarischer wird.

Anstatt diesen Menschen zu helfen, wird versucht, sie aus dem Stadtbild zu verdrängen, sie unsichtbar zu machen. Es werden Gründe gesucht, Ausreden, warum gerade diesen Menschen nicht geholfen werden muss. Sie sollen die schönen Ecken nicht verunstalten, sie verursachen zu viel Müll und stinken tut es doch auch immer. So ist der O-Ton und mit diesem O-Ton wird dann danach gerufen, dass die Menschen vertrieben werden müssen, weil es einfach unangenehm ist, dass diese Menschen da sind, wo sie sind. Schließlich möchte mensch seinen Wohlstand genießen, möchte sich wohlfühlen, möchte nicht daran erinnert werden, dass es da noch eine andere Seite gibt.

Die andere Seite, die Verdrängung von Menschen, die ständige Verteuerung von Wohnraum, der fehlende Ersatz und dadurch eben für einige der Weg in die Wohnungslosigkeit. Zum Glück bedeutet Wohnungslosigkeit nicht sofort auch wirklich, ohne Obdach dazustehen. Zum Glück gibt es da noch Familien die zusammenhalten oder Freunde, die einem vorübergehend einen Unterschlupf anbieten und damit die Hoffnung aufrechterhalten, doch noch bezahlbaren Wohnraum zu finden und nicht auf der Straße zu landen.

Und meist sind es dann die Menschen, die diese Seite ausblenden wollen, die für die Verteuerung des Wohnraums verantwortlich sind, weil sie bereit sind, immer höhere Mieten zu zahlen. Sie machen ja etwas dafür, sie gehen ja schließlich hart Arbeiten, sollen doch die anderen noch härter Arbeiten und wenn ein Vollzeitjob nicht reicht, dann sollen sie halt noch einen zweiten Vollzeitjob annehmen. Diese Ignoranz, die durch die Individualisierung entsteht. Dieser Wettbewerbsgedanke, der dem Wirtschaftssystem innewohnt und den die Gesellschaft verinnerlicht hat. Die Gesellschaft übrigens, die den Spruch erfunden hat: „Niemand muss in Deutschland obdachlos sein.“, übrigens der Satz, der auch leicht abgewandelt auf Arbeitslose angewendet wird: „Niemand muss in Deutschland arbeitslos sein. Wer arbeiten möchte, der findet auch Arbeit.“

Die Verantwortung für die Verdrängung wollen diese Menschen nicht übernehmen, sie wollen diese Verantwortung auf die Politik abwälzen. Die sollen etwas tun, sollen dafür sorgen, dass die Vermieter auch für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Die Politik ist schuld, wenn die Mieten ständig steigen, nicht der Mieter, der mit seiner Nachfrage und seiner Bereitschaft hohe Mieten zu zahlen, die Preise in die Höhe treibt.
Dabei wäre schon viel getan, wenn die Mieter selbst eben nicht bereit wären, jede noch so hohe Miete zu bezahlen, nur weil sie sich diese leisten können. Es wäre schön, wenn sich solidarische MieterInnenräte gründen, in denen sich die Mieterinnen und Mieter organisieren. Nicht nur ein paar, nicht nur die, die von der Verdrängung betroffen sind, sondern wirklich alle. Dass sie sich absprechen, sie den Wettbewerbsgedanken durchbrechen und notfalls eben mal nicht die Wohnung zu mieten, für die ein überteuerter Mietpreis verlangt wird. Das geht nur in einer solidarischen Gesellschaft, in einem solidarischen Kiez, wo nicht nur an den individuellen Nutzen gedacht wird, sondern an die Gemeinschaft.

Wenn Menschen Wohnraum haben, brauchen sie sich keine Zeltplätze aufbauen. Dann entstehen keine Orte, wo ein Müllproblem durch fehlende Infrastruktur entsteht. Wo Menschen ihre Notdurft in der freien Natur verrichten. Das Problem sind nicht diese Menschen, die auch irgendwo einen Platz brauchen. Das Problem ist der fehlende Wohnraum oder, um genauer zu sein, der fehlende bezahlbare Wohnraum. Und dieses Problem löst sich nicht, wenn die Menschen vertrieben werden, es verlagert sich. Sie brauchen ja weiterhin einen Ort zum Leben, der ist dann eben woanders, stört dort wieder andere Menschen, wird wieder dazu führen, dass die Menschen vertrieben werden. Ein Kreislauf, der keinerlei Probleme löst.

Solange Menschen ignorant sind, sie denken, dass die Lösungen nur durch die Politik gefunden werden können, wird sich dieser Kreislauf nicht auflösen. In Dortmund müssen Menschen, die eh schon keine Wohnung haben, eine Strafe zahlen, wenn sie im Freien übernachten. Sie werden noch dafür bestraft, dass sie durch all die sozialen Sicherungssysteme gefallen sind, für Schicksalsschläge, für Verdrängung. Um den anderen Menschen ihren Wohlfühlwohlstand nicht zu nehmen, sollen die, die nichts haben, unsichtbar werden. Der eigene Kiez muss halt sauber bleiben!

21 November 2018

Wohnraum nutzen – Chancen sehen – Menschen helfen

Es ist Herbst, die lange Hitzeperiode ist vorbei, die Temperaturen gehen immer mehr gegen null, in der Nacht gibt es teilweise schon Frost, in einigen Gebieten gab es sogar schon den ersten Schnee. Auch zu dieser Jahreszeit gibt es Menschen, die keinen eigenen Wohnraum haben, die auf der Straße leben müssen, weil irgendwann mal etwas schiefging, Sicherungsnetze nicht gegriffen haben. Schicksalsschläge, die zu einem totalen Absturz führten. Es ist schon traurig, dass eine Gesellschaft so etwas zulässt, noch dazu eine reiche Gesellschaft, die das überhaupt nicht nötig hätte. Noch schlimmer wird es, wenn Bürokratie dazu führt, dass freier Wohnraum nicht genutzt werden kann, er leer steht, weil die Politik zu unflexibel ist, weil sie verschiedene Gesetze für verschiedene schutzbedürftige Gruppen haben.

Derzeit passiert das in Deutschland mit Unterkünften für geflüchtete Menschen. Es gibt derzeit mehr Unterkünfte als geflüchtete Menschen, doch anstatt diese Unterkünfte – zumindest für die Zeit im Winter – Menschen ohne Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wird darauf verwiesen, dass da unterschiedliches Baurecht gilt, die Unterkünfte für geflüchtete Menschen gedacht sind, diese somit auch für eine bestimmte Zeit gebunden sind. Das wäre ja auch okay, wenn diese denn für die Gruppe der geflüchteten Menschen gebraucht werden würden, wenn abzusehen wäre, dass diese in naher Zukunft die Unterkünfte benötigen werden. Aber derzeit ist das nicht der Fall, derzeit stehen Unterkünfte frei, obwohl es Menschen gibt, die diese dringend gebrauchen könnten.

Ja, es besteht die Gefahr, dass diese Lösung nur von kurzer Zeit ist, dass wieder mehr Menschen ankommen, die sich auf der Flucht befinden. Das könnte am Ende zu Konflikten führen, aber warum braucht es eigentlich getrennte Unterkünfte für geflüchtete Menschen und Menschen ohne Wohnraum? Muss es solch eine Trennung wirklich geben? Könnte eine Durchmischung nicht vielleicht eine Chance sein, ein Gewinn für beide Seiten? Ein Gewinn für die Menschen ohne Obdach, weil sie den geflüchteten Menschen beim Ankommen helfen können? Weil sie dadurch vielleicht eine neue Aufgabe in einer solidarischen Gemeinschaft finden können? Und auch ein Gewinn für die geflüchteten Menschen, die nicht abgeschottet wären, die sofort Kontakt zu Menschen aus Deutschland hätten? Muss dies immer gleich als ein Konfliktherd gedacht werden oder kann es nicht als Chance gedacht werden, als Win-Win-Situation, als Chance für mehr Akzeptanz, für mehr Solidarität?

Wohnraum nicht zu nutzen, nur weil es die Bürokratie verhindert, ist der falsche Weg. Ein Weg, der auch wieder Hetzern Futter gibt, der ihnen wieder die Möglichkeit eröffnet, verschiedene hilfsbedürftige Gruppen gegeneinander auszuspielen. Es ist die Art Politik, die nicht weiter denkt, die nicht die Chancen sieht, die sich ergeben könnten. Die auf Paragraphen besteht, die nicht sinnvoll sind. Die auch nicht nachvollziehbar sind, denn auch die leerstehenden Unterkünfte kosten Geld und da ist auch egal, aus welchem Topf dieses Geld kommt!

Und wenn dann die ersten Berichte von Menschen kommen, die in der Kälte erfroren sind, weil unserer Gesellschaft es nicht fertigbringt, jeden Menschen anständigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dann steigt die Wut. Dieselbe Wut die hochkommt, wenn auf dem Mittelmeer wieder Menschen ertrinken. Unnötiges Sterben in den Straßen eines reichen Landes, unnötiges Sterben auf den Meeren.

Vielleicht können wir den Menschen zumindest ein schönes Weihnachtsfest bescheren. Hier in Berlin organisiert die Kälte Nothilfe immer ein Weihnachtsfest. Klar, es gibt da auch schon vorher ein großes Event von Frank Zander, aber muss das schon alles sein? Ich denke nicht! Mehr Infos findet ihr unter dem Link auf Facebook.

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Bild vom Facebookpost der Kälte Nothilfe