Ich soll mich einfach hinsetzen und zehn Minuten schreiben, sagt die Autorin des Buches. Wir sollten alle mehr bloggen, sagen die Menschen aus dem Internet und ich selbst finde auch, dass die anderen mehr bloggen sollten, dass es mehr Menschen geben sollte, die ihre Gedanken, Erlebnisse und Gefühle in Blogs festhalten. Nur selbst bloggen? Dazu fehlt mir die Motivation.
Die Gedanken fühlen sich so an, als ob ich die schon zwanzigmal im Blog verarbeitet habe. Sie – die Gedanken – eh nur nerven, weil ich einen seltsamen Blick auf die Welt habe, mit dem andere nichts anfangen können.
Ich stelle mir zum Beispiel seit Monaten die Frage, warum wir unsere Demokratie so aufgebaut haben, dass am Ende wieder eine einzelne Person an der Spitze steht. Eine Person, die im Zweifel dann wieder viel zu viel Macht hat und mit dieser das eigene Land oder gar die ganze Welt ins Chaos führen kann? Brauchen wir wirklich einen Bundeskanzler, einen Bundespräsidenten oder halt Ministerpräsidenten und Bürgermeister?
Warum wählen wir denn Parlamente, wenn von den gewählten Repräsentant*Innen dann nur ein Teil wirklich die Politik im Land gestalten kann? Der Teil nämlich, der gerade in der Regierungsverantwortung ist? Warum braucht es diese weitere Verengung von Macht noch, wenn sie in Parlamenten eh schon auf wenige hunderte Menschen konzentriert ist? Warum verstümmeln wir Demokratie dann noch zusätzlich mit Fraktions- und Koalitionszwängen?
Könnten wir uns nicht zumindest diese Dinge sparen, wenn wir Demokratie schon nur als repräsentative Demokratie denken können und wollen? Verzicht auf Bundeskanzler*Innen und Ministerpräsident*Innen, auf Koalitions- und Fraktionszwang, damit alle demokratischen Fraktionen in den Parlamenten zusammen unsere Politik gestalten? Ich meine, eigentlich soll so ein Parlament ja unsere Gesellschaft abbilden und somit kann auch nur eine Zusammenarbeit aller demokratischen Fraktionen dazu beitragen, dass die Politik die Interessen der gesamten Gesellschaft abbildet. Und wenn wer fragt: Ja, antidemokratische Fraktionen gehören deutlich ausgegrenzt, weil diese eine demokratische Gesellschaft nicht weiter bringen! Diese wollen die Demokratie zerstören und ganz andere Machtverhältnisse etablieren.
Wäre es nicht schön, wenn Parlamente ein Ort wären, wo ein wirklicher Austausch von Ideen stattfinden kann? Wo Ideen nicht schon gescheitert sind, nur weil sie aus der demokratischen Opposition kommen? Ein Ort, wo es wirklich darum geht, die Interessen der gesamten Bevölkerung abzubilden? Ich könnte mir vorstellen, dass an so einem Ort bessere Gesetze entstehen, Gesetze, die inklusiver sind, weil viel mehr Perspektiven mitgedacht werden.
Das wäre zwar noch lange nicht das, was ich mir unter Demokratie vorstelle, aber es wäre ein Fortschritt und es würde Machtkonzentration verhindern und so vielleicht auch dazu beitragen, dass die Zufriedenheit und das Vertrauen der Bürger*Innen in unsere Demokratie wächst.
Ich weiß, ich langweile mit dem Thema und die Gedanken sind nicht neu, wie oben schon erwähnt. Die Menschen wollen Blogs lesen, in denen es um persönliche Themen geht, sie wollen Einblicke in das Leben der Person und genau das ist dann auch der Grund, warum mir das Bloggen so schwerfällt. Der Grund, für die fehlende Regelmäßigkeit von Beiträgen. Ich hätte nämlich durchaus Themen, nur die halt fast alle politisch geprägt!

