29 April 2018

Kurze Momente: Der stürmische Tag

Es gibt ja diese Momente im Leben, die schnell wieder vergessen werden, weil sie eben auch nicht so wichtig sind, die einem dann aber plötzlich wieder einfallen. Viele Jahre später erst, in einem stillen Moment, bei einer Dokumentation, beim Lesen oder aber auch, wenn es keinen speziellen Grund dafür gibt.

Eben fiel mir ein Moment in meinem Leben ein, welcher schon mindestens 24 Jahre zurück liegt. Damals ging ich noch in die Grundschule und es war ein ziemlich stürmischer Tag in Berlin. An diesem Tag war ich auf dem Weg von der Grundschule nach Hause, vorher machte ich mit meinem damaligen Schulfreund aber noch einen kurzen Stopp in der Kaufhalle. Nein, einen Stopp im Supermarkt, denn darauf bestand die Verkäuferin damals. Kaisers, um es ganz genau zu sagen. Die Kaufhallen – und ja, in der DDR nannten wir die so – waren damals, kurz nach der Wiedervereinigung, ja irgendwie alle Kaisers oder eben Plus. Beide Marken gibt es ja inzwischen nicht mehr. Schon interessant, was in 24 Jahren so passiert.

Aber zurück zum Moment, der mir gerade durch den Kopf ging. Es war damals ein stürmischer Tag, wie ich oben eben schon erwähnte und ich hatte mir gerade in der Kaufhalle etwas zum naschen gekauft. Als ich die Kaufhalle verließ, wurde ich von irgendeinem Dachteil der Kaufhalle am Oberschenkel getroffen. Eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit, aber eine wirklich große Verletzung hatte ich dadurch nicht davon getragen, eine kleine Prellung, die noch ein paar Tage schmerzte, aber ich war weder beim Arzt, noch musste mich wer aus der Kaufhalle abholen. Allerdings musste ich seinerzeit in der Kaufhalle ein paar Minuten bleiben, wahrscheinlich um sicherzustellen, dass auch wirklich nichts passiert war.

Warum mir dieser Moment gerade jetzt wieder in den Kopf kommt? Nun, ich habe gerade so eine Art Dokumentation über den Rettungsdienst in Großbritannien gesehen und da wurde eine Frau bei einem Sturm von einem Stück Holz erschlagen. Die Frau war eine Verkäuferin und machte gerade Pause, als sie dieser kurze Augenblick aus dem Leben riss. Und da fiel mir dieser eine Moment von vor 24 Jahren wieder ein. Ein bisschen mehr Wind, ein anderer Winkel und dann hätte mich dieses Dachteil auch am Kopf treffen können. Es kann manchmal so schnell gehen, einfach so.

Die Kaufhalle selbst gibt es übrigens auch nicht mehr. Das Gebäude wurde vor kurzem abgerissen. Ein weiterer Ort meine Jugend, der verschwunden ist. Der nächste Ort, der nicht mehr für Erinnerungen sorgen kann. Aber ich habe ihn überlebt, immerhin hätte an diesem stürmischen Tag – wie mir erst jetzt wirklich bewusst wird – mein Leben ein Ende finden können.

6 Januar 2018

Störungsmeldung ( @o2de )

Da ich ja bei o2 anscheinend nur eine Störungsmeldung per Telefon aufgeben kann, welches aber nicht funktioniert, weil die ja Festnetz auf VoIP umgestellt haben, werde ich es auf diesen Weg machen. Klar hätte ich auch ein Handy, um bei o2 anzurufen, aber ich finde es schon eine Frechheit, dass o2 das zur Voraussetzung bei einer DSL-Störung macht. Es gibt Menschen, die haben tatsächlich nur einen Festnetzanschluss und können auch nicht so einfach auf das Handy eines Freundes zugreifen, auch wenn o2 das vorschlägt. Anscheinend sind die Twittermitarbeiter auch so isoliert von ihren anderen Kollegen, dass diese keinerlei Störungsmeldungen weitergeben können. Kurz gesagt, seit Weihnachten kann ich – zum wiederholten Male – mein Internet und mein Festnetz nicht wirklich nutzen. Es ist immer mal für fünf Minuten da, dann wieder für 10 Minuten weg, dann mal wieder da, dann mal für mehrere Stunden weg und so weiter.

Fehlerbeschreibung:

 

LEDs am Router gehen aus und zwar alle, bis auf die Power und WLAN-LED. Irgendwann synchronisiert sich der Router dann wieder mit der DSL-Leitung, um dann, wenn es Lust hat, wieder für ein paar Minuten online zu gehen. Oder eben auch nicht, denn oftmals schafft der Router die Synchronisierung nicht. Ab und an leuchten dann auch mal zwei LEDs Rot, meist kurz bevor der Router dann mal wieder für ein paar Minuten online ist.

Dieses Phänomen tritt jetzt nicht zum ersten Mal auf, sondern in regelmäßigen Abständen. Zwischendurch habe ich dann immer ein paar Wochen ruhe, um dann wieder für zwei, drei Wochen meinen Anschluss wieder nicht nutzen zu können. In der Anfangszeit habe ich dies auch regelmäßig der Hotline gemeldet, aber eine Lösung wurde nie gefunden. Es wurde die Geschwindigkeit reduziert, der Port neu gestartet, als es noch Alice war, wurden mir mehrere Modems zugeschickt und so weiter und so fort. Nach der Umstellung auf VoIP ist es aber eben noch schlimmer geworden. Die Ausfälle treten öfter und länger auf und es ist halt eben auch so, wenn die Internetleitung nicht da ist, geht auch das Festnetz nicht mehr.

Und irgendwann stellt sich dann eben eine Resignation ein. Irgendwann habe ich einfach keine Lust mehr, die Hotline anzurufen. Schon deswegen nicht, weil o2 ja auch gerne mal einen dafür bestraft, wenn mensch die Leute in der Hotline auf einen Fehler in einer Rechnung hinweist.

o2 sieht die ständigen Verbindungsabbrüche im System und könnte somit von selbst auf diese Probleme reagieren. o2 hat sogar meine Handynummer, um sich im Notfall, wenn sie mich denn wirklich zur Problemlösung brauchen, bei mir zu melden. Aber o2 weiß eben halt auch, dass ich nicht viel machen kann, dass ich meine Gebühren auch dann bezahlen muss, wenn o2 die Leistung nicht erbringt, für die ich Zahle. o2 weiß halt, dass sie am längeren Hebel sitzen.

Nein, ich mache mir keine Hoffnungen, dass es bei einem anderen Anbieter besser wird, dennoch bin ich jetzt gewechselt, weil es einfach am Ende bedeutend günstiger wird und die Technologie auch eine andere ist. Ein alter ADSL-Anschluss wird jetzt in einen VDSL-Anschluss umgewandelt, was vielleicht die ständigen Ausfälle ein wenig minimiert. Hätte o2 keine „Fair-Use-Regelung“, hätte ich das vielleicht schon vor Monaten bei o2 selbst gemacht, aber eine solche Regelung unterstütze ich nicht. Bis der Wechsel abgeschlossen ist, werde ich aber wohl damit leben müssen, dass ich von zu Hause nicht anständig arbeiten kann, weil solange der Fehler in meiner Internetleitung wohl weiterhin vorhanden sein wird, weil o2 diesen eben nicht behebt.

20 Dezember 2017

Blog Adventskalender 2017 – 20.Söckchen

Immer, wenn sich bei mir eine Socke vom Blog Adventskalender befindet, schreibe ich eine Kurzgeschichte für euch. Dieses Jahr habe ich lange überlegt und erst heute Nacht auf dem Heimweg von einer Weihnachtsfeier kam mir die Idee für die diesjährige Kurzgeschichte. Deswegen muss ich euch heute mit einem Entwurf dieser Geschichte überraschen, was ihr an der ein oder anderen Stelle beim lesen wahrscheinlich bemerken werdet. Die Protagonistin der Geschichte ist dabei nicht neu, es gab bereits eine Kurzgeschichte mit ihr auf diesem Blog. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und noch vier entspannte Tage bis Heiligabend.

Am Ende war mir nur noch kalt. Ich schwamm und schwamm doch überall war nur Wasser. Kaltes Wasser. Salziges Wasser. Und dann war das Wasser komplett um mich herum. Unten nur Dunkelheit und oben das Licht, dass sich im Wasser brach. Und dann nur noch schwarz. Schwarz und kalt.

Als ich aufwachte, lag ich in einem großen Bett. Ich hatte einen roten Schlafanzug an und lag in einem warmen weichen Bett. Wo war ich? Wurde ich doch noch gerettet, oder bin ich im tiefen Meer, irgendwo zwischen Afrika und Europa, ertrunken? Ja, ich war auf dem Meer, ich wollte nach Europa, doch dann ging mein Boot unter. Daran kann ich mich erinnern. Auch daran, dass mich am Ende die Kraft verließ. Ja, ich musste gestorben sein und dieses Bett hier, dass befindet sich bestimmt auf einer riesigen Wolke.

Ich stand auf und ging zum Fenster. Draußen war alles weiß, ich musste also wirklich auf einer Wolke sein. Oder war das etwa Schnee? Davon gehört hatte ich bereits, aber gesehen hatte ich noch nie welchen. War ich vielleicht doch in Europa? Wurde ich vielleicht doch noch gerettet?

Nachdem ich das Fenster nicht öffnen konnte, ging ich zur Tür, die sich ohne Probleme öffnen lies. Es war eine schwere Holztür und davor lag ein langer Flur, der zu einer Treppe führte. Ich ging langsam zur Treppe, lauschte den Geräuschen, die aus der unteren Etage kamen und folgte diesen. Unten an der Treppe lag ein riesiger Saal, in dem viele kleine Leute hin und her huschten.

„Jamila, du bist wach?“, fragte mich auf einmal eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und da stand plötzlich ein dicker alter Mann hinter mir. Er hatte einen langen weißen Bart, hinter dem sich ein Lächeln versteckte. Außerdem hatte er einen roten Mantel, eine rote Hose und schwarze Schuhe an. Ich fragte mich, woher er meinen Namen wusste. Alles, was ich dabei hatte, ist mit dem Boot untergegangen. Mit dem Boot, dass uns nach Europa bringen sollte. Zum Schluss hatte ich nur noch die Sachen, die ich am Körper trug und da war garantiert nichts dabei, auf dem mein Name stand.

„Wir dachten schon, dass du ewig schlafen würdest“, sagte der alte Mann weiter. „Aber jetzt bist du ja wach und du musst einen riesigen Hunger haben. Also komm, ich bringe dich in die Küche, wo du erst einmal ordentlich etwas zum Essen bekommst.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und ging zu einer Tür.

„Worauf wartest du, Jamila? Dort an der Treppe bekommst du bestimmt nichts zwischen die Zähne.“

Zögerlich ging ich auf diesen Mann und die Tür zu. Eigentlich sollte ich wohl Angst haben, aber dieser Mann strahlte soviel Wärme und Fröhlichkeit aus, dass ich diese Angst nicht hatte. Ich ging mit ihm durch die Tür und wir standen gemeinsam in einer große und warmen Küche, in der gerade eine alte Frau dabei war, Essen zu machen.

„Schau mal Sandra, wen ich dir mitbringe.“, sagte der alte Mann zu der Frau.

„Ah, unser junger Gast ist ja endlich wach! Worauf sie wohl Hunger hat?“, sagte die Frau, die mich mit einem dicken Lächeln begrüßte.

„Wir sollten ihr vielleicht zeigen, was wir so in unserm Kühlschrank verstecken, oder was meinst du?“, sagte der alte Mann zur Frau, die mich daraufhin mit einer leichten Umarmung zum Kühlschrank schob. Sie öffnete die Tür und ich erschrak vor der großen Auswahl, dir dort drin zu finden war. Es war dort soviel drin, dass die Entscheidung schwer fiel, jedoch fand ich, dass so ein Stück Torte ziemlich passend war. Ich nahm es mir und setzte mich an den Tisch, der ebenfalls in der Küche stand.

Der alte Mann setzte sich ebenfalls an dich Tisch und lächelte mich an.

„Na Jamila, du wunderst dich wahrscheinlich darüber, dass ich deinen Namen kenne. Wahrscheinlich fragst du dich auch, wo du hier überhaupt bist und wie du hier her kommst. Was ich dir versichern kann, ist, dass du hier nicht im Himmel bist. Du bist dort auf dem Meer nicht gestorben. Wobei du schon ganz viel Glück hattest, dass ich mich gerade dort in der Gegend aufgehalten habe. Aber eigentlich bin ich gerade sehr unhöflich, denn obwohl ich genau weiß, wer du bist, weißt du noch gar nicht, wer ich bin. Mein Name ist Santa. Wahrscheinlich kennst du mich nicht, obwohl ich auch bei einigen Kindern in Afrika ziemlich bekannt bin.“

Santa? Wie Santa Claus? Der Weihnachtsmann? Meine Verwunderung war mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn der alte Mann nickte mir kurz zu. In unserem Dorf feierten wir kein Weihnachten, aber ich wusste, dass es das Weihnachtsfest in der christlichen Welt gab und ich wusste auch, worum es dort ging. Aber natürlich glaubte ich nicht an den Weihnachtsmann. Für mich war es nie so wirklich verständlich, warum es im Jahr nur drei Tage für Nächstenliebe und Besinnlichkeit geben sollte. Warum nur drei Tage, um mit der Familie zusammen zu sein?

„Ja genau, ich bin dieser Santa Claus, über den du gerade Nachdenkst und nein, ich kann natürlich keine Gedanken lesen, es sei denn, sie sind jemanden – so wie dir gerade – ins Gesicht geschrieben.“

Wow! Ist er sich sicher, dass er keine Gedanken lesen kann?

Aber wenn es wirklich Santa Claus ist, wenn es ihn wirklich gibt, warum kommt er dann nicht zu allen Kindern auf dieser Welt? Warum kann er seinen Weihnachtszauber nicht einsetzen, um diese Welt besser zu machen? Kaum hatte ich das Gedacht, hatte ich es auch schon ausgesprochen.

Der Weihnachtsmann sah mich ernst an und sagte:

“Nun, dass ich Geschenke bringe, ist eher eine Deutung der Menschen. Wie sollte ich das auch machen? Ich bin viel mehr der Gedanke. Der Gedanke an Besinnlichkeit und Frieden, der in jedem Menschen steckt. Ich bin die Hoffnung auf eine bessere Welt, auf etwas Glück für jeden Menschen auf dieser Welt. Ich bin nicht das Konsumfest, dass in vielen Ländern auf dieser Welt gefeiert wird, nicht die drei Feiertage, die sich die Menschen geben, um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, damit sie diese dann wieder ein ganzes Jahr ignorieren können. Ich bin die Hoffnung der Menschen, die zusammen mit Jesus geboren wurde, die gewachsen ist, um den Menschen Mut zu machen. Ich bin der Funken, der die Welt tief in den Herzen der Menschen zum leuchten bringt, der Kindheitserinnerungen weckt und zeigt, dass es eine Welt geben kann, in der es weniger Sorgen und sehr viel mehr Glück für alle gibt. Und nur, weil du ganz viel davon in deinem Herzen trägst, nur deswegen konnte ich dich dort im Meer leuchten sehen. Nur deshalb konnte ich dich Retten. Jamila, du bist die, die den Frieden bringt, du bist die, die mich aus dem finsteren Verlies holen kann. Dem Verlies, dass die Menschen in ihren Herzen um mich herum gebaut haben.

Wenn du willst, Jamila, dann bist du der Mensch, der die Hoffnung zurückbringen kann. Die Hoffnung für all die Menschen auf der Welt, die derzeit auf der Flucht sind. Die Hoffnung auf ein besseres Leben für alle. Für die Menschen, die sich im Trott der Welt verlaufen haben. Die sich verlaufen haben in diese Konsumwelt, in der es nur wenigen wirklich gut geht. Wenn du das willst, dann helfe ich dir auch dabei. Aber erst später, denn jetzt musst du erst einmal wieder zu Kräften kommen und dein eigenes Glück finden. Und ich bin der, der dir die Hoffnung dafür gibt.”

Diese Antwort machte mich sprachlos, weswegen ich mich erst einmal weiter mit meinem Stück Kuchen beschäftigte.

Ich bin Jamila.

Ich bin die, die den Frieden in die Welt bringt.

Wie ihr sicher merkt, hat diese Kurzgeschichte ein offenes Ende. Es wird also mit sehr großer Wahrscheinlichkeit noch eine Fortsetzung geben. Eine Fortsetzung des Blog Adventskalenders gibt es auf jeden Fall. Das Söckchen von Morgen findet ihr hier, oder hier, oder vielleicht auch hier.

Wollt ihr eine Fortsetzung von Jamilas Weihnachtsgeschichte?

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30 September 2017

Ein Jahr ist es jetzt her …

Es ist jetzt ein Jahr her. Vor einem Jahr bist du freiwillig von uns gegangen, hast uns hier alleine gelassen. Für mich ist es immer noch nicht greifbar! Ich sehe dich immer noch, wie du hier mit uns Dart spielst, wie du die Pfeile mit so viel Kraft auf die Dartscheibe wirfst, sodass ich denke, dass da gleich ein Loch in der Dartscheibe und der Tür ist. Mich verfolgt das Bild, wie du im Sarg liegst, du dich nicht bewegst. Das letzte Bild von dir, bevor du für immer verschwunden bist.

Das Bild passt nicht! Es ist für mich nicht in Einklang zu bringen mit dem Jungen, der mit Marmelade im Gesicht fröhlich am Tisch sitzt und strahlt, der mit mir Dragonballs schaut. Du bist weg, ich weiß es und doch will ich es auch nach einem Jahr nicht glauben. Auch nach einem Jahr sitze ich da und muss mir die Tränen aus dem Gesicht wischen, wenn ich an dich denke. Jeder Gedanke an dich tut weh, weil du fehlst, weil du nicht mehr da bist und weil es niemanden gibt, dem ich dafür die Schuld geben kann.

365 Tage bist du jetzt weg. Du hast dich davon gestohlen, einfach so! Nein, ich kann dir dafür keine Vorwürfe machen. Du hast das ja nicht gemacht, weil du anderen weh tun wolltest. Du bist gegangen, weil das Leben dir Schmerzen bereitet hat. Warum genau, das werden wir nie erfahren. Hättest du uns nicht wenigstens einen Hinweis hinterlassen können? Einen Abschiedsbrief? Ein paar Worte, warum du gegangen bist? Ein paar Worte, die das Begreifen leichter gemacht hätten? Die am Anfang vielleicht noch mehr Schmerz verursacht hätten, die aber dabei geholfen hätten, zu verstehen, warum du gegangen bist?

Du bist gegangen! Heimlich, still und leise hast du uns hier vor einem Jahr alleine gelassen. Und wir? Wir mussten weitermachen, das Leben weiterleben – mussten Funktionieren! Verdammt, um zu Funktionieren musste ich dich verdrängen, musste ich die Gedanken an dich verdrängen. Jeder Gedanke an dich brachte auch Tränen mit, Tränen, die ein weiter so verhindert hätten.

Wenn es nach dem Leben weitergeht, dann hoffe ich, dass du deinen Frieden gefunden hast. Ich hoffe wirklich, dass es dir gut geht auf deiner Wolke. Ich hoffe, dass du dich von den Qualen, die dir das Leben bereitet haben muss, befreien konntest und du glücklich bist, wenn es denn nach dem Leben doch weitergehen sollte. Wenn nicht, dann bist du auf jeden Fall befreit von dem, was dich kaputt gemacht hat.

Die Erinnerungen an dich werden nie vergehen, ich hoffe nur, dass sie irgendwann nicht mehr so wehtun. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann an dich erinnern kann ohne dabei Tränen wegwischen zu müssen. Das ich die schönen Erinnerungen an dich genießen kann, ich vielleicht auch wieder über diese lachen kann. Ein Jahr ist dafür allerdings zu kurz, zwei Jahre wahrscheinlich auch, aber auch wenn es wehtut, ich werde weiterhin an dich denken.

5 September 2017

Bayern mit Rad – Tag 1

So so, in Bayern gibt es also Steigungen. Hätte ich mir ja eigentlich vor meinem Fahrradurlaub überlegen können. Nagut, das war mir natürlich auch vorher schon bekannt, aber das meine Kondition so schlecht ist, dass hätte ich dann doch nicht gedacht.

Heute war der erste Tag hier in Bayern und somit auch die erste Fahrradtour, aber ich habe mein Fahrrad an den Steigungen eindeutig mehr geschoben also gefahren. Mir war schon bewusst, dass es Steigungen geben würde, die ich nicht auf dem Rad bewältigen würde, aber es waren dann auch Steigungen dabei, die ich im letzten Jahr noch locker geschafft habe. Meine Kondition hat also ziemlich abgebaut und so war ich nach über drei Stunden und 27 Kilometern doch ziemlich am Ende.

27 Kilometer, eine Distanz die schon ziemlich lächerlich ist. Gut, dass ich hier in den Bergen nicht das schaffe, was ich sonst in Berlin oder Brandenburg schaffe, dass war mit bewusst, aber so wenig: ich bin geschockt!

30 Juni 2017

Saubere Lappen

“Könnten Sie mir bitte einen Lappen geben?”
“Klar”
“Nein, keinen der schon im Klo benutzt wurde. Hören Sie, keinen, der schon im Klo war …”

Klar, keiner der schon im Klo war, denke ich mir. Aber was denkt dieser Mensch eigentlich von mir? Das ich ihm einen Lappen gebe, den ich schon im Klo verwendet habe? Klar, könnte ich machen, aber das wäre ja zu meinem Nachteil, denn ich müsste dann wohl danach die Küche komplett desinfizieren, müsste den Kaffeevollautomaten mehrmals reinigen und desinfizieren, damit die nächsten Gäste nicht durch irgendwelche Keime krank werden. Aber anscheinend denkt dieser Mensch, dass mir das nicht Bewusst ist, oder egal, oder beides. Mir sind meine Gäste aber nicht egal, sie sollen sich wohlfühlen und nicht krank werden, sollen Spaß haben, sich auch entspannen können.

Eigentlich hätte ich große Lust unfreundlich zu werden, aber auch dieser Mensch ist ein Gast bei mir, auch er soll sich wohlfühlen und so bleibt dann halt einfach nur freundlich zu bleiben und dem Menschen einen Lappen zu geben – einen sauberen natürlich, einen, der in seinem Leben als Lappen noch nie Kontakt mit einer Toilette hatte, der schon immer und ewiglig für den Einsatz in der Küche gedacht war und ist.

Denken aber darf ich mir meinen Teil, darf mir Gedanken darüber machen, wie dieser Mensch über mich denkt. Anscheinend denkt er, dass ich Blöd bin, so zumindest kommt seine Aussage bei mir an. Ist das eigentlich schon eine gut versteckte Beleidigung? Eigentlich sind es schon jetzt viel zu viele Gedanken, die ich mir über diesen Menschen mache, aber so funktioniert Kommunikation. Eventuell war es nicht einmal böse gemeint, war es nur Verunsicherung, weil der Standort der Lappen eventuell blöd gewählt ist. Aber dennoch ist es ärgerlich, denn natürlich sind die Lappen sauber, sind sie gut und sicher Verstaut.

“Natürlich gebe ich ihnen einen sauberen Lappen …”, sage ich noch, und schon ist die Situation auch wieder beendet, das Nachdenken aber noch nicht.

5 Juni 2017

Lesbos – Blackbox Europa

WOW! Nachdem ich knapp 90 Minuten mit den Tränen gekämpft habe, war das der erste Gedanke, der mir in den Kopf kam. Einfach nur WOW. Nein, es war kein WOW-Thema, um das es gestern in der Box im „Deutsches Theater Berlin“ ging.

„Lesbos – Blackbox Europa“ heißt das Stück, welches ich mir angesehen habe. Der Name verrät schon, worum es geht. Es geht um die geflüchteten Menschen, es geht um Flucht, um Europa, um Menschlichkeit oder eben um Unmenschlichkeit. Es geht um Träume, um versunkene Träume.

Das Publikum sitzt auf Hockern in einem rechteckigen Raum. Die Sitze, die es in der Box durchaus gibt, sind durch eine Leinwand verdeckt. Während des Stücks werden die Wände mit Bildern angestrahlt und die Darsteller erzählen von ihren Erfahrungen, die sie auf Lesbos gemacht haben oder auf der Flucht, denn einer der Darsteller ist selbst nach Europa geflohen.

Das Stück macht betroffen. Von Betroffenheit können sich die Menschen, die auf der Flucht vor unmenschlichen Zuständen in diesen unmenschlichen Zuständen landen, nichts kaufen. Ihr Leben wird nicht besser dadurch! Es ist dieses Ungreifbare, dieses nichts ändern können, weil die Mehrheit der Menschen oder zumindest die Mehrheit der Politiker, die es ändern könnten, nichts ändern wollen. Es ist die Verteidigung des eigenen Wohlstandes gegen die Menschlichkeit.

All das deute ich natürlich rein in das Stück. Vieles davon sind einfach nur meine Gedanken.

29 Mai 2017

Alles hat ein Ende …

“Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei …”, so sang ich damals unter der Wäscheleine im Hof meines Opas. Auch meine Oma war damals noch dabei, ich war jung, ich liebte das Lied und auf dem Dorf, im Hof meines Opas, fühlte ich mich verdammt wohl. Da war der Garten, der immer genügend Karotten für mich hatte. Natürlich noch im Boden, aber wenn sie zu klein waren, wurden sie halt von mir wieder in den Boden gesteckt. Meistens waren sie aber nicht zu klein.
Da waren die Erdbeeren, die immer sehr viel besser geschmeckt haben, als die Erdbeeren, die es sonst gab. Außerdem ist frisch von der Pflanze eh immer besser. Der viel zu saure Rhabarber, die Stachelbeeren und all die anderen Dinge, die den Garten so interessant gemacht haben.

Dann waren da auch die Hasen und die Hühner. Ich liebte die Hasen und die Hühner. Ich liebte es, die Eier einzusammeln, ich liebte es, die Hühner zu füttern. Ich liebte das Dorfleben.

Alles hat ein Ende. Auch ein Leben. Das Leben von meinem Opa dauerte 94 Jahre. Es begann zwischen den beiden großen Kriegen, durchdauerte die DDR und ging auch in der BRD noch ein paar Jahrzehnte weiter. 11 Tage nach seinem 94 Geburtstag endete es dann.

Rückblickend habe ich viel zu wenig Zeit mit meinem Opa verbracht. Klar, als Kind war ich oft bei ihm, einmal sogar an Silvester, aber umso älter ich wurde, umso weniger Kontakt gab es. Das letzte Mal habe ich ihn im Oktober 2015 gesehen, davor lange 10 Jahre gar nicht und danach leider auch nicht mehr. Die Zeit rennt und sie lässt dabei Jahre manchmal wie Wochen vergehen. Oder sie stellt das Leben auf den Kopf, wie meines letztes Jahr im Oktober auf den Kopf gestellt wurde, macht andere Dinge für den Moment wichtiger.

Aber mein Opa war nicht einsam, er hatte auch in Mecklenburg, in seinem Dorf und in der Umgebung, viel Familie. Familie die ihn durchs Leben begleitete, auch wenn wie “Berliner” sooft nicht dabei waren und neben der Familie natürlich auch viele Freunde. Er hatte ein schönes Leben und bis zum Ende auch ein weitgehend selbstbestimmtes.

14 Mai 2017

Warum der vorletzte Platz beim #ESC2017 nichts über die Qualität sagt

Ich muss es zugeben, ich schaue mir gerne den Eurovision Song Contest(ESC) an, aber die Diskussionen am Tag danach lassen mich immer schmunzeln. Ich habe das Gefühl, dass es da ein großes Missverständnis über die Aussagekraft der Platzierungen gibt, weswegen die Diskussion danach immer in die falsche Richtung geht. Deswegen muss ich jetzt doch einen Artikel dazu schreiben, obwohl ich nicht denke, dass ich wirklich ein Experte auf dem Gebiet bin.

Was sagt uns der vorletzte Platz über das Lied?

 

Wir sind also auch im Jahr 2017 wieder nur auf den letzten Positionen beim ESC zu finden, aber was sagt uns das eigentlich? Nicht viel! Denn beim ESC gibt es nur für die besten 10 Songs Punkte von den Ländern. Bedeutet also, dass die Songs, die zwar von der Qualität der Beiträge her im Mittelfeld des Teilnehmerfeldes liegen und mit Platz 11 in der Länderwertung vielleicht nur knapp an der Top10 vorbei gerutscht sind, keine Punkte mehr bekommen. Und so kann ein Song, der von der Qualität her im Mittelfeld anzusiedeln ist, eben auch auf den letzten oder vorletzten Platz der Wertung landen. Wissen tun wir über den deutschen Beitrag also nur, dass er nicht gut genug war, um in die Top10 der Länderwertungen zu kommen, wir wissen aber nicht, ob es tatsächlich der zweit-schlechteste Song des Wettbewerbs war. Das wüssten wir nur, wenn es für jeden Song, der am Wettbewerb teilnimmt, Punkte geben würde. Für den letzten also 1 Punkt und für den 1 dann 28 Punkte, oder 26 oder wie auch immer die Regelung dann wäre.

Unser Beitrag war nicht schlecht …

 

Nein, der deutsche Beitrag war nicht schlecht, aber er war auch kein Song, der einen Platz in den Top10 verdient hätte. Ich habe diesmal den deutschen Beitrag tatsächlich erst im Finale gesehen und ich hatte ihn schon ziemlich schnell wieder vergessen. Mir war sofort klar, dass wir mit diesen Song nicht viele Punkte holen werden, weil er viel zu brav war, weil er nichts hatte, was einzigartig war. Es war ein Song, den ich in dieser Form täglich 10 Stunden lang im Radio hören kann. Und genau hier müsste die Kritik anfangen. Nicht an der Sängerin, sondern an den Verantwortlichen, die solche Songs zum ESC schicken.

Stefan Raab war nicht umsonst so erfolgreich beim ESC. Seine Songs hatten alle etwas einzigartiges, sie haben alle das Zeug für die Top10 gehabt, aber den Mut haben die Verantwortlichen jetzt wohl nicht mehr. Klar sind die Beiträge gut fürs Radio, aber sie sind eben nicht gut genug für den ESC.

Vielleicht gibt es tatsächlich auch einen politischen Faktor, aber ich würde ihn nicht als übermäßig groß ansehen. Wir müssen uns einfach trauen, mal wieder etwas einzigartiges zum ESC zu schicken, etwas was hängen bleibt, was nach dem ersten Mal hören schon einen Ohrwurm verursacht, so wie es damals die beiden Songs von Lena. Oder wie „Nussecken und Himbeereis“ …

10 Mai 2017

Von Problem A über Problem B zu Problem C …

Um es kurz zu machen: Ich bin gerade etwas genervt!

Problem-Lösung-Problem-Bild

 

Ich möchte hier gerade eine Sache erledigen, aber so, wie wir es derzeit umsetzen können, ist es nicht optimal und das ist leider auch mit dieser Lösung nicht änderbar. Nun gäbe es eigentlich eine andere Lösung, die, wenn sie funktionieren würde, auch einfacher und schneller wäre, aber da sich irgendwo ein Fehler im Programm versteckt, funktioniert sie noch nicht. Eigentlich kein Problem, denn Fehler können behoben werden und wurden sie in dem Fall auch. Nur eben nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, sodass jetzt die einfachere Lösung zwar funktionieren würde, die Vorlage, die es für die Sache, die ich erledigen möchte, schon gibt, aber nicht mehr genutzt werden kann.

Jetzt hätte ich zwei Optionen. Option 1 ist, dass ich die Vorlage, die vorhanden ist, irgendwie in das neue Format übertrage, was am Ende bedeuten würde, dass ich die Vorlage noch einmal komplett neu in das neue Programm umsetzen müsste. Das kostet verdammt viel Zeit, da diese Vorlage auch wieder so gestaltet sein muss, dass sie auf unser Briefpapier gedruckt werden kann. Die Zeit also, die ich mir eigentlich ersparen wollte.

Option 2 wäre, dass ich die Sache so umsetze, wie es bisher immer gemacht wurde, und ich einfach mit der nicht optimalen Umsetzung lebe. Wäre einfach, würde mich jetzt nicht noch einmal Zeit kosten, sieht aber doch blöd aus, also in meinen Augen zumindest.

Mich ärgert und nervt das, weil es inzwischen so viele Möglichkeiten gibt, offene Dokumenten-Standards zu nutzen. Wäre das der Fall, könnte ich meine Vorlage einfach umwandeln und sie im neuen Programm nutzen. Es wäre so einfach, so schön, aber ist nicht! Selbst wenn ich mir jetzt die Mühe mache, und die Vorlage in das neue Format umsetze, wird das die Arbeit für alle anderen nicht erleichtern. Sie werden weiterhin mit ihren Programmen arbeiten, mit denen sie sich schon auskennen, weil sie einfach nicht die Zeit haben, sich in das neue Programm einzuarbeiten. Und ja, dass verstehe ich total und es wäre auch gar nicht schlimm, denn diese Programme können in offenen Dokumenten-Standards speichern, nur das bringt mich ja nicht weiter! Ich kann sie nämlich in dem Programm nicht nutzen …

Ich gehe jetzt Heulen, weil einfache Dinge immer so kompliziert gemacht werden …

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