Das O im #LebensABC ist schon ziemlich schwierig für mich. Die Wörter, die mir so spontan einfielen, passten nicht wirklich zu mir. Ich bin weder ein Optimist, noch kann ich mit Ordnung irgendwas anfangen. Mein Leben ist Chaos und ich selbst bin Chaos, meine Gedanken sowieso. Damit kann ich leben, auch wenn mich andere wohl eher als komisch beschreiben würden.
Orientierungslosigkeit kam mir erst gar nicht in den Sinn, doch als es erst mal da war, war klar, dass genau dieses Wort zu mir passt.
Mir fehlt die Orientierung in meinem Leben. Ich habe keine wirkliche Vorstellung davon, wo ich hin will, ob ich überhaupt irgendwo hin will.
Eigentlich wusste ich mal ziemlich genau, was ich werden wollte. Schon im Kindergarten war klar, dass ich Koch werden möchte und dieser Berufswunsch blieb auch bestehen. Ich habe ihn auch während der Schulzeit nicht verändert und meine ersten Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle gingen auch genau in diese Richtung. Bis mir während eines Praktikums klar wurde, dass ich mir die Ausbildung gar nicht leisten konnte. Weil ich mir schon die erste Grundausrüstung, die ich für ein erfolgreiches Praktikum gebraucht hätte, gar nicht leisten konnte.
Mit dieser Erkenntnis wurde ich halt irgendwas und damit dann auch orientierungslos. Ich habe die Ausbildung genommen, die ich bekommen habe. Ja, ich habe eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel gemacht, ich habe sogar die IHK-Abschlussprüfung mit 84 Punkten (Gut) abgeschlossen, aber ich hatte nie einen Plan, wofür die Ausbildung gut ist, was ich mit dieser Ausbildung wirklich werden konnte, was ich beruflich damit anfangen soll.
Nach der Ausbildung war ich dann bei der Bundeswehr, obwohl ich da nie hin wollte! War aber besser, als zu überlegen, was ich mit der Ausbildung anfange. Erfolgreich war das nicht und nach einer Verletzung und ein paar anderen Dingen, die auch mit der Orientierungslosigkeit zu tun hatten, war es dann auch ziemlich schnell vorbei mit der Bundeswehr.
Dann Abitur. Ich wusste nicht wirklich wofür, aber die Hoffnung war wohl, dadurch eine Orientierung zu finden. Hat nicht geklappt! Also der Teil mit der Orientierung, mein Abitur selbst habe ich mit 2,6 abgeschlossen.
Danach dann mit einem Studium begonnen. Ich dachte, das wäre wahrscheinlich das, was ich machen will. Es war aber nicht wirklich das, was ich machen wollte, nichts, was mir Orientierung gab. Gleichzeitig dann die Selbstständigkeit, wobei die sogar schon etwas früher begann als das Studium. Mit irgendwas musste ich ein wenig Geld verdienen und auch hier natürlich die Hoffnung, damit vielleicht Orientierung zu finden.
Hat bis heute nicht geklappt! Das Studium habe ich irgendwann aufgegeben. Ich weiß inzwischen zwar einiges, was ich nicht will, aber noch immer nicht, was ich will!
So langsam läuft mir dann auch die Zeit davon. Ich bin jetzt auch nicht mehr 30, nicht mal mehr Ende 30, sondern schon über 40, aber diese Orientierungslosigkeit lässt mich nicht los, begleitet mich noch immer und irgendwann ist es dann wohl auch zu spät, noch irgendeine Orientierung zu finden.
Ich glaube übrigens, dass diese Orientierungslosigkeit sich in meiner Schulzeit schon bemerkbar gemacht hat, obwohl ich, wie ich oben schrieb, durchaus wusste, was ich machen wollte. Damals war sie in Form der Sinnlosigkeit unterwegs, was wohl auch einer der Gründe war, weshalb ich nicht wirklich regelmäßig in der Schule war. Aber das wäre jetzt wieder ein anderes Thema.
Das Lebens-ABC ist eine Idee aus einem Schreibratgeber. Es hilft dabei, dass eigene Leben zu fassen, es greifbar zu machen, mehr über sich selbst zu lernen und damit auch zu erfahren, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Schreibübung und es übt darin, sich selbst zu beobachten.
